Wenn man an Britpop denkt, dann kommen einem zunächst die 90er Jahre und Bands wie OASIS, BLUR oder PULP in den Sinn. Der neue Sound entstand als Gegenbewegung zum US-amerikanischen Grunge und war (vor allem in Europa) überaus erfolgreich. Der Konkurrenzkampf unter den Bands trieb teils seltsame Blüten, wenn es um die Vorherrschaft ging. Kommerziell gewannen OASIS, was bis heute nachwirkt, aber aus musik-ästhetischer Sicht waren BLUR die waren Ikonen.
Heute lebt das Vermächtnis vor allem in Coldplay und Bands wie den Arctic Monkeys weiter. Und plötzlich kommt da ein Robbie Williams um die Ecke und nennt sein neues Album „Britpop“. Genau dreißig Jahre später. Die Intention ist klar: Er möchte da ansetzen und weitermachen, wo der Britpop Mitte der 90er Jahre geendet hat. Immerhin fiel sein Ausstieg bei Take That mit der Hochphase dieser Musikrichtung zusammen. In Interviews sagt er nun: „Ich wollte endlich das Album machen, das ich eigentlich schon 1995 nach meiner Trennung von Take That im Sinn hatte. Zu einer Zeit, in der sich Britpop auf dem absoluten Höhepunkt befand und ein goldenes Zeitalter für die britische Musik angebrochen war.“ Warum er es nicht getan hat, bleibt offen.
Doch egal. Jetzt gibt es schrammelige Gitarren, hymnische Melodien und rockige Arrangements. Nicht von ungefähr erinnern viele Songs an fetzige OASIS-Zeiten, doch Robbies Stimme ist unverkennbar. Auf „Rocket“ ist Rocklegende Tony Iommi von Black Sabbath an der Gitarre zu hören. „Spies“ klingt nostalgisch, „Human“ hat einen fast schon psychedelischen Touch und der orchestrale Touch von „It’s OK Until The Drugs Stop Working“ will so gar nicht zum provokanten Titel passen.
Stilistisch liefert Robbie hier eher eine Hommage an alte Zeiten als echten Britpop. Aber der Sound ist stimmig – und die Konzerte im Sommer werden dadurch vermutlich sehr abwechslungsreich. Passt.















