12 Tenors hinterließen ein begeistertes Publikum in Hermeskeil

Photo credit: Claude Piscitelli
DATUM» 27.12.2017
ARTIST»
VENUE»

Da waren sie wieder: Die 12 Tenöre in der Hochwaldhalle Hermeskeil. Bereits vor knapp drei Jahren wussten die Sänger das Publikum zu begeistern. So war es kein Wunder, dass die Zuschauer aus dem Hochwald und dem angrenzenden Saarland wieder in Scharen in die Halle strömten. Im hinteren Bereich waren noch einige Plätze unbesetzt, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Schon als das Dutzend stimmbegabter Herren zum ersten Mal die Bühne enterte, brandete großer Applaus durchs Publikum.

Los ging es mit Klassikern wie „Funiculi Funicula“, „La Donna e Mobile“ und dem Evergreen „Mein kleiner grüner Kaktus“. Manche Songs für Klassikbegeisterte (und die Tenöre haben natürlich einige klassisch ausgebildete Sänger in ihren Reihen), dann aber auch später im Programm eine Reihe kräftiger Rocksongs. Hier wurde für alle Generationen etwas geboten.

Begleitet wurde die Truppe (leider – muss man fast sagen) von einem dreiköpfigen Instrumental-Ensemble aus Schlagzeug und zwei Keyboards. „Leider“ deshalb, weil die Sänger mehrfach bewiesen, wie gut sich auch a cappella bestehen können. Aber zumindest blieb die Begleitung meist dezent im Hintergrund und beschränkte sich auf Rhythmus und unterstützende Piano-Töne. In den meisten Fällen waren die Sänger durchsetzungsstark genug, sodass das Publikum die Arrangements gut erfassen konnte.

Ja, es wurde auch in deutscher Sprache gesungen. Neben besagtem „Kaktus“ folgte im zweiten Teil auch der Deutschrock-Hit „Dein ist mein ganzes Herz“ (Original von Heinz Rudolf Kunze). Immerhin waren zwei deutsche Sänger, nämlich Alexander Herzog aus Nürnberg und Martin Holtgreve aus Hamburg, im Ensemble mit dabei. Ansonsten war das Dutzend aber international besetzt – mit Mitgliedern die aus den USA, Polen und in der großen Mehrheit aus Großbritannien stammten.

Solistisch wurde bunt durchgewechselt. Jede Stimmfarbe kam zum Einsatz. Das war nicht immer förderlich für den homogenen Klang, aber es sorgte für Abwechslung. Nur an manchen Stellen, wie am Ende von „O Sole Mio“, hätte man besser auf einen solistischen Zweiklang verzichtet. Da gab es dann doch beißende Differenzen.

Meine Highlights im ersten Teil: „My Way“ in einer Version, die das Publikum zum Mitsingen animierte. Und ganz besonders „Amazing Grace“, das fast komplett a cappella vorgetragen wurde und die ganze Klasse der zwölf Sänger zeigte. Überhaupt war der Begriff „Tenöre“ ziemlich weit gefasst. Da gab es doch zum Glück auch einige tiefe Stimmen, vor allem in der Begleitung, und einige der Protagonisten gingen locker als Baritone durch.

Da die „Millennium“-Tour die größten Hits des letzten Jahrtausends vereinen soll, durften natürlich die Beatles und Michael Jackson nicht fehlen. Beide in Medleys mit jeweils drei Songs. Und auch Leonard Cohens „Halleluja“ hatte es ins Programm geschafft, allerdings in einer gekürzten Fassung und ohne die Nuancen, die dieser Song eigentlich nötig hat. Das wäre dann auch mein größter Kritikpunkt: Für leise Töne ist ein solches Ensemble einfach nicht geschaffen. Das ist schade, weil alles Balladeske damit recht kurz kam und emotionale Stellen der Songs oft regelrecht mit voller Stimmgewalt übersungen wurden. Zudem hatte die Technik es vor allem in der ersten Konzerthälfte zu gut gemeint: Der Sound kam zwar sehr klar aus den Boxen – in den ersten Zuschauerreihen aber eindeutig zu laut.

Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Bereits nach Michael Jacksons „Thriller“-Auszug und dem „Nessun Dorma“ vor der Pause riss es einige Zuschauer von den Sitzen und sie spendeten den sichtlich gerührten Sängern Standing Ovations. ein gutes Omen für Teil zwei.

Die zweite Hälfte brachte dann einige fantastische Rocksongs, die sich gut ins Repertoire der 12 Tenors fügten. „Walking in Memphis“ mit seinem stimmungsvollen Piano-Intro. „Sound of Silence“ in einer sehr bewegenden Version. Ein „Dance-Medley“ zeigte die choreografischen Möglichkeiten der Tenöre. Überhaupt gab es viel Bewegung auf der Bühne – und eine Menge Klamauk, vor allem wenn Alexander Herzog zum Mikro griff, kuriose Ansagen zauberte und sich selbstkritisch mit seiner Leibesfülle beschäftigte.

Man unterstützt mit Spenden gerne eine Vereinigung der Kinderhospize und so wurden die Zuschauer dazu aufgerufen, großzügig eine Spendenbox im Foyer zu bedenken. Da dieser Wunsch mit einer sehr starken Version von „Angels“ (Robbie Williams) unterlegt wurde, die den Pflege-Engeln in den Hospizen gewidmet war, wurde von dieser Möglichkeit nach dem Konzert auch reichlich Gebrauch gemacht.

Zum Endspurt hin gab es den Musical-Klassiker „Don’t cry for me Argentina“, der auch aus Männerkehlen ein Genuss war, und ein grandios vorgetragenes „Bohemian Rhapsody“. Etwas missglückt fand ich nur „Music“ von John Miles. Dieser Song ließ leider jede hymnische Dynamik vermissen und wurde eher wie ein Marsch vorgetragen. Außerdem gingen an dieser Stelle wieder den Profis am Mischpult die Pferde durch und es war zum Schluss hin einfach zu laut. Schade.

Als Entschädigung diente aber das abschließende „Rock-Medley“ und zum Ende hin stand der ganze Saal und groovte ordentlich mit. Den großen Applaus hatte sich das Ensemble redlich verdient. Nach über zwei Stunden reiner Spielzeit (inzwischen war es schon 22.30 Uhr) kam es nicht ohne Zugabe davon und berührte die Herzen der Hochwälder mit einem bezaubernden „Time to say Goodbye“. So enden große Konzertabende. Chapeau!

Die 12 Tenors sind noch länger auf „Millenium-Tour“ unterwegs und ein Konzertbesuch lohnt sich definitiv. Hier die Tourdaten im Raum Luxemburg / Trier / Kaiserslautern / Saarland:

3.1.2018 Echternach (Luxemburg) – Trifolion
5.1.2018 St. Ingbert – Stadthalle
11.1.2018 Saarlouis – Theater am Ring
13.1.2018 Neustadt an der Weinstraße – Saalbau
14.1.2018 Kaiserslautern – Fruchthalle
19.3.2018 Ingelheim – kING Veranstaltungshalle
20.3.2018 Trier – Europahalle
28.3.2018 St. Wendel – Saalbau