Neil Young & Crazy Horse – 12.07.2013 – Lanxess Arena, Köln – Support: Okta Logue

DATUM» 12.07.2013
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Zwölf Jahre ist es her, dass Crazy Horse zuletzt durch Europa tourten. Nun ist es endlich wieder soweit. Der Tross macht Halt in der Domstadt. Ein Hauch von Melancholie macht sich seit dem frühen Abend rund um die Arena breit, denn angesichts des fortgeschrittenen Alters des Quartetts und eben jener niedrigen Frequenz in der sie nach Europa kommen, könnte die heutige Begegnung mit Crazy Horse die letzte sein.

Entsprechend aufgeregt sind die Jungs von Okta Logue, die den Abend eröffnen dürfen. Für die Darmstädter ist diese Aufgabe eine ganz besondere, das spürt man. Und sie meistern sie mit Bravour. Auch wenn ihr Psychedelic Rock viel stärker in der Tradition Pink Floyds steht, sind die teils weit angereisten Neil Young Fans begeistert. Zu „Dream On” darf noch ein Bassist aus dem Team mitmischen, während sich Sänger Benno Hertz die Akustik-Gitarre schnappt. Nicht wenige Zuschauer werden sich den erneuten Besuch der Band im Dezember in Köln vormerken.

Es folgt eine unterhaltsame Umbauphase, in der Bauarbeiter in Warnwesten und verschrobene Wissenschaftler in weißen Kitteln über die Bühne wuseln. Kurz vor 21 Uhr sieht das Bühnenbild dann fast so aus wie auf der „Rust Never Sleeps”-Tour von 1978. Riesige Fender-Verstärker dominieren den Blick. Dahinter hängt eine gigantische Deutschlandfahne und zur Hymne versammeln sich alle, inklusive Neil Young und Crazy Horse mit der Hand auf dem Herz. Nach dem letzten Ton fällt Schwarz-Rot-Gold und es erscheint der wohlbekannte Indianer auf seinem Crazy Horse. Von oben wird ein überdimensionierter Ständer herabgelassen, an dem bei genauerer Betrachtung statt eines Mikros eine (psychedelic) Pille befestigt ist.

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Hier gibt es die komplette Galerie.

Dieser ganze Klimbim tritt dann in den Hintergrund und es bleiben vier Musiker, die sich über die ersten Feedbacks in den Opener „Love And Only Love” begeben. Die riesige Bühne schrumpft auf einen kleinen Bereich vor Ralph Molina´s Schlagzeug, in dem sich die Musiker wie vor einem Lagerfeuer versammeln. Schon danach der Klassiker „Powderfinger”. Frank „Poncho” Sampedro, dessen Shirt ein großes Hendrix-Portrait ziert, breitet mit seinem wahnsinnigen Groove den Teppich für den Virtuosen Young aus. Mit „Psychedelic Pill” kommt dann der erste Song vom aktuellen und gleichnamigen Album ins Spiel. Das zentrale Stück dieses Werks folgt mit „Walk Like a Giant”,… und der hat es in sich. Während zu Beginn noch das unbedarfte Pfeifen hippieske Leichtigkeit suggeriert, endet der Epos in Noisegewitter und Feedbackschleifen. Für manche Ohren mag das eine echte Herausforderung sein, aber es ist Teil der Dramaturgie. So macht das Gewitter anschließend „Hole In The Sky” Platz, was seinerseits in „Red Sun” übergeht. Solche Geschichten verdeutlichen, dass die Setlist auf einer Tour einem Konzept folgt und nur an wenigen Stellen variiert. Eine solche Stelle ist heute das selten gespielte „Sedan Delivery”.

Ganz allein darf das Publikum mit Neil Young nicht nur bei jenem „Red Sun”, sondern auch beim enthusiastisch gefeierten „Heart Of Gold” sein. Wie oft wurde dieses Stück eingefordert und wie selten wurden die Erwartungen erfüllt? Bei Dylan´s „Blowing In The Wind” dürfen ebenfalls alle mitsingen. Ein weiteres Cover vermutet der ein oder andere vielleicht in „Mr. Soul”, das in seinen Riffs stark an die Stones erinnert, aber ein alter Buffalo Springfield Song ist.

Vor der Zugabenpause wird es mit „Hey Hey, My My” noch einmal hymnisch. Als die vier zurückkommen, gibt es eine echte Rarität. Über 20 Jahre wurde „Surfer Joe And Moe The Sleaze” nicht mehr gespielt! Vor „Roll Another Number” richtet der bis dahin voll auf die Musik fokussierte Neil Young einige Worte an die Zuschauer. Er tut dies sehr eindringlich und begleitet von sanften Akkorden. Worte des Dankes, Wünsche an die Kinder zu Hause, Frieden und die Aussicht sich vielleicht doch noch einmal zu begegnen,… an einem so schönen Abend wie diesem. Als die Fans nach „Everybody Knows This Is Nowhere” aus der Halle strömen, machen viele noch einmal Halt an den Bierbuden und schwelgen gemeinsam in Erinnerungen, die teils über 40 Jahre zurückreichen.