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Robbie Williams 05.02.2023 LanxessArena / Köln

Robbie Williams verwandelt die Kölner LanxessArena in sein Wohnzimmer

An diesem verregneten Sonntagabend kommt in Köln zusammen was zusammen gehört. Robbie Williams gastiert im Rahmen seiner „XXV“ Jubiläumstour für drei Shows in der LanxessArena, die vor ebenfalls 25 Jahren als größte Multifunktionshalle Europas eröffnet wurde. Heute wird die Konzert-Trilogie in der Domstadt vor ausverkauftem Haus eröffnet und an den beiden noch folgenden Terminen am Montag und Mittwoch wird das nicht anders sein. 16.000 Fans sorgen für ein proppenvolles „Henkelmännchen“, wie der Kölner „seine“ Arena aufgrund ihres charakteristischen Dachbogens liebevoll nennt.

Um kurz nach 21 Uhr dürfen sie zum ersten Mal jubeln, als es in der Halle dunkel wird und zu einem dumpfen Herzschlag ein Countdown auf der überdimensionalen Videowand von Zehn rückwärts zählt. Dann betritt Robbie Williams im glitzernden Silberanzug die Bühne und steigt mit „Hey Wow Yeah Yeah“ in sein Set ein, unterstützt von einer elfköpfigen Band und sechs Tänzerinnen. Es folgt „Let Me Entertain You“ gleichsam als Aufforderung und Versprechen. Denn genau das wird er die nächsten knapp zwei Stunden tun. Ein Laufsteg sorgt für die nötige Nähe zu den Fans, die Robbie Williams zwischendurch immer wieder sucht. Etwa als er Heidi aus der ersten Reihe ein persönliches Ständchen widmet („She’s The One“) oder T-Shirts in die Menge wirft.

Das wirkt erstaunlicherweise alles andere als abgehoben. Im Gegenteil. Robbie Williams schafft es so etwas wie eine kumpelige Atmosphäre in die Riesenarena zu zaubern und fast hat man das Gefühl mit dem verschmitzten Typen da oben auf der Bühne nach der Show noch völlig unkompliziert ein Bier trinken zu können. Das liegt sicherlich auch daran, dass er zwischen den Songs viele Anekdoten aus den vergangenen 25 Jahren erzählt und sich dabei nicht zu schade ist sein Innerstes nach Außen zu kehren. So erfahren die Fans etwa, dass er unter Depressionen litt und Stimmen in seinem Kopf hörte, die ihm sagten, er solle sich besser umbringen. Spätestens als Robbie Williams sie dann noch „Happy Birthday“ für seinen Sohn Beau singen lässt, der gestern 3 Jahre alt geworden ist, hat er bei den gefühlsseligen Kölnern endgültig gewonnen.

Seine Crew hat den traditionell etwas schwierigen Sound in der LanxessArena heute bestens im Griff und so nimmt Robbie Williams seine Fans mit auf eine musikalische Zeitreise, die bei der ersten Take That-Single „Do What U Like“ beginnt. Auf der Videowand flimmert das dazugehörige Fremdschäm-Video von 1991 und zeigt viel nackte Haut. Von Take That hat er noch zwei weitere Stücke im Gepäck („Could It Be Magic“ und „The Flood“), dazu das Oasis-Cover „Don’t Look Back In Anger“. „Ich liebe Deutschland“ ruft Robbie Williams und irgendjemand hat ihm dazu passend einen schwarz-rot-goldenen Schal zugeworfen, den er erst bei den Zugaben wieder ablegen wird. Nebenbei verrät er, dass „Strong“ in Köln geschrieben wurde und „Eternity“ Geri Halliwell von den Spice Girls gewidmet ist, die ihn während seiner zweijährigen Auszeit von 2007 bis 2009 in unzähligen Gesprächen wieder aufgebaut hat. Abgerundet wird das reguläre Set von Hits wie „Come Undone“, „Feel“ oder „Love My Life“, während es Konfetti auf die tanzenden Kölner regnet. Immerhin steht der Karneval vor der Tür.

Nach einer sehr kurzen Pause geht es mit „No Regrets“ in der „XXV“-Version weiter. Robbie Williams hat den Glitzeranzug gegen eine Art schwarzen Bademantel getauscht, den er auch mal fallen lässt und insbesondere unter den weiblichen Fans für Begeisterungsstürme sorgt. Mit „XXV“ sicherte er sich übrigens sein 14. Nummer-1- Album in Großbritannien und hat damit den Rekord für den Solokünstler mit den meisten UK-Nummer-1-Alben gebrochen. Nicht alle Klassiker gewinnen durch die orchestrale Bearbeitung, aber sie klingen in den meisten Fällen filigran verfeinert. Dennoch ein starkes Stück Musik zur eigenen Silberhochzeit (hier findet ihr unser Review). Das gilt auch für „Angels“, welches von Männlein wie Weiblein gleichermaßen ergriffen mitgesungen wird. Der Abend endet in einem Medley aus „Strong“, „Love My Life“, „Candy“, „Feel“, „Rock DJ“ und nochmals „Angels“, das Robbie Williams ganz alleine auf der Bühne singt. Fast wirkt er dabei ein wenig verloren, bevor er sich schließlich winkend bis morgen von den Kölnern verabschiedet.

Der „Dirty Dancing“-Schmachtfetzen „(I’ve Had) The Time Of My Life“ begleitet die Fans nach draußen in den immer noch anhaltenden Regen. Ganz so weit ist es heute abend zwar nicht gekommen, aber Robbie Williams hat das getan, was er am Anfang seiner Show angekündigt hat: Er hat beste Unterhaltung geliefert. Und das nicht nur im musikalischen Sinne. In einer Woche feiert er seinen 49. Geburtstag und glaubt man all den Erinnerungen, die Robbie Williams in Köln geteilt hat, dann ist das keine Selbstverständlichkeit. Umso mehr sollten sich all jene, die für die noch folgenden Konzerte eine Karte ergattert haben, auf einen sympathischen Geschichtenerzähler aus England freuen, der noch dazu gut singen kann. Let him entertain you!

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Letzte Aktualisierung am 24.02.2024 um 02:27 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Bezahlte ANZEIGE