Selig zelebrieren ihr „Kashmir Karma“ in Köln

Neuer Bericht 2017: Selig - 17.11.2017 - Live Music Hall - Köln

DATUM» 17.11.2017
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Für die Aufnahmen zu ihrem siebten Studioalbum „Kashmir Karma“ hatten sich Selig in die Abgeschiedenheit der schwedischen Westküste zurückgezogen, um dort inspiriert von der Natur und der aus dem Ruder geratenen Weltpolitik ihre ganz persönliche Sicht auf die Dinge zu vertonen. Das Ergebnis sind elf neue Songs, mit denen Jan Plewka, Gitarrist Christian Neander, Leo Schmidthals am Bass und Stephan „Stoppel“ Eggert hinter dem Schlagzeug wieder dort anknüpfen, wo sie vor 22 Jahren mit „Hier“ angefangen haben. Wie stolz die Band auf ihr neues Werk ist, lässt sich auch daran ablesen, dass sie „Kashmir Karma“ auf der aktuellen Tour komplett durchspielen. So auch heute in Köln.

Bevor es soweit ist, begrüsst Jan Plewka die 1.100 Fans in der nicht ganz ausverkauften Live Music Hall erstmal mit der Frage „Was ist nur aus dem alten Rock’n’Roll geworden?“. Was er meint, ist der ungewöhnlich zeitige Beginn des Konzertabends. „Halb Acht, ganz schön früh, oder?“, fragt er in die zu diesem Zeitpunkt erst zu zwei Dritteln gefüllte Halle und schiebt quasi als Trost hinterher „Raucht wenigstens noch einer?“. Die Begründung für den frühen Auftakt ist die Partyreihe „Clash Of Trash“, deren Einlass an diesem Freitagabend um 22 Uhr beginnt. Und da müssen die Selig-Fans halt alle wieder draußen sein. Die Band lässt sich davon nicht beirren und spielt ein zweistündiges Set vom Feinsten, das auch all diejenigen erfreut zurücklässt, die es aufgrund des Kölner Dauerstaus nicht rechtzeitig zum Beginn nach Ehrenfeld geschafft haben.

Los geht es mit „Unsterblich“. Ein Song, der die gesamte Geschichte von Selig überschreiben könnte. Jan Plewka legt für einen kurzen Moment seinen schwarzen Schlapphut ab und lässt sich in die vorderen Reihen fallen, wo ihn die Fans ein Stück auf Händen tragen. Überhaupt herrscht eine Stimmung wie bei einem Klassentreffen. Man erzählt sich was es Neues gibt und schwelgt in Erinnerungen. Das Neue sind die Songs von „Kashmir Karma“ (von Jan Plewka mit der einen oder anderen Anekdote versehen) und die Erinnerungen tragen bekannte Namen wie „Bruderlos“, „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ oder „Wir werden uns wiedersehen“. Während Lehrer Plewka auf der Bühne umhertänzelt und mit den Armen rudert, singt der Kölner Schulchor aus voller Kehle mit. Dabei wirkt die Band (und besonders Jan Plewka mit seinem Hut und dem Hippie-Hemd) als wäre sie komplett aus der Zeit gefallen. Wer fragt denn seine Fans heutzutage noch, ob sie Feuerzeuge dabei haben? Selig zaubern eine so herrlich ausgelassene und friedliche Stimmung in die Live Music Hall, dass sogar ich anfange die mir eigentlich verhasste Halle zu lieben. Der abgesehen von ein paar Kabelproblemen glasklare und druckvolle Sound trägt seinen Teil dazu bei.

Dass sie selbst am meisten Spass an dem haben, was sie da tun, sieht man den vier Bandmitgliedern deutlich an. Das ist kein durchchoreografiertes Konzert von vier Musikerkollegen. Das hier ist (wieder) ein verschworener Haufen Freunde, der Musik mit der Hand und vor allem mit dem Herzen macht und das auch noch sympathisch rüberbringt. Das zeigt sich nochmal deutlich in einem grossartigen Zugabenblock („Sie hat geschrien“, „Wenn ich wollte“, „Ohne dich“ und „Kashmir Karma“), aber vor allem im letzten Song des Abends „Regenbogenleicht“. Da stehen sie am Bühnenrand und flüstern den Text fast, während Christian Neander zur Begleitung die Akustikgitarre zupft. Man möchte in diesem Moment am liebsten zu ihnen hochklettern und sie alle Vier mal feste in die Arme nehmen.

Als wir danach aus der Halle gekehrt werden (die Party ruft!) ist die Welt ein besserer Ort geworden. Das was sich um halb Acht noch ungemütlich und kalt angefühlt hat, erscheint jetzt ein Stückchen schöner und wärmer. Wer an einem kommenden „Wintertag“ ein bißchen „Lebenselixier“ gebrauchen kann und nicht „Zu bequem“ ist, der sollte auf jeden Fall „Kashmir Karma“ hören und am besten auch sehen! In diesem Sinne: Bleibt alle Selig!

Selig Setlist Kashmir Karma Tour 2017 Köln

  • Unsterblich
  • Nimm mich so wie du bist
  • Ist es wichtig?
  • Zu bequem
  • Schau, schau
  • Bruderlos
  • Alles ist nix
  • DJ
  • High
  • Unterwegs
  • Lebenselixier
  • Feuer und Wasser
  • Von Ewigkeit zu Ewigkeit
  • Wintertag
  • Lass los
  • Wir werden uns wiedersehen
    —————
  • Sie hat geschrien
  • Wenn ich wollte
  • Ohne Dich
    —————
  • Kashmir Karma
  • Regenbogenleicht

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