Der Autor Joe Hill heißt eigentlich Joseph Hillström King und stammt aus dem US-Bundesstaat Maine. Aha, kennen wir doch. Von dort stammt auch der Horrormeister Stephen King. Und tatsächlich ist Joe einer der beiden Söhne des Bestsellerautors. Die ganze Familie schreibt: Tabitha King und auch Owen King sind schriftstellerisch aktiv. Doch es ist schon bezeichnend, dass Joe Hill ganz darauf verzichtet, mit dem Namen des berühmten Vaters Promotion zu machen. Warum? Weil er es nicht nötig hat! Hill hat sich längst freigeschwommen und mit Stories wie „Christmasland“ und der Comic-Reihe „Locke & Key“ (beides erfolgreich verfilmt) für Furore gesorgt.
„King Sorrow“ ist eigentlich ein dicker Wälzer, der nun auf Deutsch in zwei Teilen erscheint. Band 1 umfasst bei Heyne immerhin schon 592 Seiten. Teil 2 wird im Juli erscheinen.
Kurz zur Story: Das renommierte Rackham College in Maine. Als Vorzeigestudent Arthur Oakes und seine Freunde in einem alten okkulten Text aus der Universitätsbibliothek ein Ritual entdecken, mit dem man angeblich einen Drachen beschwören kann, beschließen sie in einer rauschhaften Silvesternacht, die Probe aufs Exempel zu machen. Was als Spiel beginnt, wird schon bald zum Albtraum. Eine uralte und mächtige Wesenheit erwacht. Und sie ist hungrig…
Als Leser war ich sehr schnell in der spannenden Story drin. Zunächst geht es darum, Arthur und seinen illustren Freundeskreis kennen zu lernen. Das passiert in umfangreichen Anekdoten, die zu Beginn aufgrund der vielen Namen noch etwas verwirrend erscheinen, doch bald lichtet sich das Feld und man hat die Protagonist*innen und Antagonist*innen intus.
Vieles erinnert mich an das Setting von Kings „Es“ und an die bekannte Serie „Stranger Things“. Nicht nur – aber auch – weil die Erzählung in den 80er Jahren startet. Es ist eine typische Comig-of-Age-Story, die das Heranwachsen einer Gruppe junger Leute beschreibt. Ihre Beziehungen, ihre Träume, ihre Fehler. Sehr anschaulich beschrieben und schön nachvollziehbar.
Dann kommt die Story in Gang, als mystische Elemente auftauchen: Der monströse Drache King Sorrow wird herauf beschworen, um die Erpresserin Jayne Nightswander zu stoppen, die sich zu Arthurs Nemesis entwickelt hat. Doch man muss einen Preis zahlen, wenn man eine solche Kreatur um Hilfe bittet – und man wird sie nicht mehr los.
„King Sorrow“ ist eine Geschichte um Traumata und verdrängte Erinnerungen. Die Taten der Vergangenheit haben Auswirkungen auf ein ganzes Leben. So entwickelt sich eine abenteuerliche Abfolge von Geschichten, die „King Sorrow I“ mit einem Höhepunkt enden lässt, der das Warten auf den zweiten Teil zur Qual machen kann.
Der Vergleich mag müssig sein, aber Joe Hill steht Stephen King kaum nach. Er schreibt ebenso lebendig und spannungsgeladen. Dabei zieht er die Leserschaft in eine ganz eigene Welt, in der man sich ein Stück weit zuhause fühlen kann. Ein wundervoller Roman für Horror-Fans, die zudem die Nostalgie der 80er Jahre verinnerlicht haben.














