Seit den 70er Jahren gilt Alice Cooper als einer der Erfinder des Shock Rock. Seine Shows arbeiten mit Kunstblut, Guillotine, riesigen Monstern, Zwangsjacken, Schlangen und düsteren Bühnenbildern – ohne dabei die Musik in den Hintergrund zu stellen. Was vielleicht etwas schade ist: Es werden live stets die großen Hits wie “No More Mr. Nice Guy”, “I’m Eighteen”, “Poison”, “Welcome to My Nightmare” und “School’s Out” dargeboten. Klar, das erwarten die hartgesottenen Fans, aber man vergisst dabei, dass Alice Cooper in Abständen von wenigen Jahren immer wieder neue Alben auf den Markt bringt, die den Klassikern musikalisch in nichts nachstehen.
Als Neuauflage erscheinen dieser Tage die Alben „Along Came A Spider“ und „Welcome 2 My Nightmare“ aus den Jahren 2008 und 2011 neu gemastert und mit Bonustracks. Beides echte Highlights im Backkatalog des Künstlers aus Detroit, die jeweils eine eigene Story erzählen.

„Along Came a Spider“ ist ein düsteres Konzeptalbum. Inhaltlich erzählt es die Geschichte eines Serienmörders namens „Spider“, der seine Opfer nicht einfach tötet, sondern aus deren Körperteilen eine groteske „perfekte Frau“ erschaffen will. Die Story ist wie ein Horrorfilm aufgebaut – mit inneren Monologen, Gewaltfantasien, Wahnsinn und psychologischem Zerfall. Der Name „Spider“ kommt daher, dass der Killer seine Opfer wie eine Spinne in ein Netz lockt.
Und musikalisch ist es absolut grandios mit atmosphärischer Musik, düsteren Elementen, Alice stimmlich in Topform. Der erzählende Charakter des Albums ist wie geschaffen für den Künstler und seine instrumentalen Mitstreiter.

„Welcome 2 My Nightmare“ ist die späte Fortsetzung des legendären Albums „Welcome to My Nightmare“ aus dem Jahr 1975. Während das Original wie ein surrealer Albtraum eines verstörten Kindes wirkte, setzt die Fortsetzung Jahrzehnte später wieder bei der Figur „Steven“ an — einer wiederkehrenden Charakterfigur in der Welt von Alice Cooper. Steven ist älter geworden, aber seinen Albträumen nie entkommen. Die Grenze zwischen Traum, Wahnsinn und Realität ist erneut verschwommen.
Das Album ist inhaltlich und musikalisch eine Reise durch verschiedene Albträume, Erinnerungen und psychische Abgründe. Es verbindet Horror, schwarzen Humor und bizarre Fantasiewelten mit einer Art düsterem Musical-Stil. Zwar fehlen die Hits der Anfangszeit, aber es funktioniert als düsteres Gesamtkonzept mit einer Musik, die unter die Haut geht. Im Bonusbereich gibt es hier übrigens Liveversionen von „Poison“ und „No More Mr. Nice Guy“.
Wer tiefer in die Musik von Alice Cooper einsteigen will, liegt mit diesen beiden goldrichtig. Der Meister war vor 15 Jahren stimmlich und musikalisch in Topform – und er strotzte vor Energie und gruseligen Ideen.














