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DOOL: Dunkle Sommergrüße aus Holland

Dool  •  Summerland
Veröffentlichungsdatum: 10.04.2020
Unsere Bewertung: 8 von 9 Punkten

Als sich die Darkrocker Dool 2015 unter dem Namen, der sich von dem niederländischen Wort für “Umherwandern” ableitet, in Rotterdam zusammenfanden, brachen sie zu einer fortdauernden spirituellen und musikalischen Reise auf, in deren Zug sie es mit nur einem starken Album schon weit gebracht haben. Rock, Gothic und eine Prise Doom beherrschten das Debüt “Here Now, There Then”. Und die Stimme der fantastischen Sängern Ryanne van Dorst blieb lange im Ohr.

Die Idee harter und düsterer Klänge hatte Methode, wie Ryanne beschreibt: “Ich zeigte den anderen Mitgliedern meine groben Songentwürfe, woraufhin wir einfach zu jammen anfingen und abwarteten, was passierte. Das wurde dann auch aufgenommen, doch unsere eigene Linie fanden wir erst im Laufe der Gigs, die wir in den letzten paar Jahren abgerissen haben. Das Material wuchs sich auf der Bühne weiter aus, und auf der EP ‘Love Like Blood’ bemerkte man schon, dass wir selbstbewusster geworden waren.”

“Summerland” bringt die Bedeutung des Namens des Quintetts auf den Punkt. Auf seine ausladende und in jeder Hinsicht facettenreichere Art steht es für dauerhafte Weiterentwicklung, die sich mit seelischem Aufwärtsstreben deckt. “Der Begriff stammt aus dem Heidentum und bezieht sich auf den Himmel, Nirwana oder wie auch immer man es sonst nennen mag”, so die Texterin. “Weil ich beim Schreiben normalerweise Erfahrungen und das verarbeite, was mich nachts wach hält, fragte ich mich, was mich im Diesseits glücklich macht und wie ein ideales Jenseits aussehen sollte. Dieser Gedanke zieht sich durch alle Texte, wobei Sex, Zauberei, psychedelische Drogen und viele andere Mittel dazu dienen können, das Sommerland im Hier und Jetzt heraufzubeschwören.”

Diese bezaubernde Mischung aus Dark, Psychedelic und Post Rock macht auch das zweite Album so einzigartig. Es gibt Anleihen bei der Musik des Mittleren Ostens und im künstlerisch wertvollen Metal. Thematisch geht es um die Suche nach einem Platz für sich selbst auf dieser Welt und einem irgendwie vollkommenen Geisteszustand, ekstatischem Lustempfinden und Wiedergeburt, wobei sich Ryanne auch von Richard Mathesons Roman “Das Ende ist nur der Anfang” inspiriert sieht – einer zeitgenössischen Variation auf Dantes Höllenkreise.

Mir persönlich gefallen vor allem die getragenen, bisweilen balladesken Songs. “Dust & Shadow” und der Titeltrack erzeugen eine schwermütige Atmosphäre, während es ansonsten rockig nach vorne geht. Die weltmusikalischen Anleihen bei “God Particle” und “A Glass Forest” wissen da durchaus zu überzeugen. Die Vielzahl an Einflüssen von mystischen Klängen über Folk bis Metal macht Freude – und den Proggern wie Postrockfans geht ob der rhythmischen Vertracktheit und ständiger Tempowechsel ohnehin das Herz auf. Ein sehr intensives Album, das seine Wirkung im Gesamten entfaltet.

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