NIGHTWISH – musikalische Reise im Spannungsfeld zwischen Mensch und Natur

Nightwish  •  Human. :II: Nature.
Veröffentlichungsdatum: 10.04.2020
Unsere Bewertung: 7 von 9 Punkten

Die finnische Band Nightwish um den Keyboarder und Komponisten Tuomas Holopainen gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Symphonic Metal. Mit ihrem aktuellen Album „Human. :II: Nature.“ stellen Nightwish dies erneut eindrucksvoll unter Beweis und erweitern zudem wieder die Grenzen ihres Genres. Wie der Titel schon ahnen lässt, besteht das Werk aus zwei Teilen und wird auch als Doppelalbum veröffentlicht.

Eröffnet wird der erste Teil mit dem faszinierenden „Music“, mit dem quasi die Entwicklungsgeschichte der Musik dargestellt wird, von atmosphärischen Urklängen und erster Percussion über sakral anmutende Gesänge bis hin zur sich rhythmisch steigernden Rock-Hymne, mit der wir dann endgültig im Nightwish-Universum ankommen. Mit dem gewaltigen „Noise“ liefert die Band eine verstörende Betrachtung der ständigen akustischen und visuellen Ablenkungen, denen der moderne Mensch ausgesetzt ist – übrigens auch sehr beeindruckend im dazugehörigen Musikvideo umgesetzt.

Neben den allesamt ihre Instrument meisterhaft beherrschenden fünf  Musikern der Band wird der Sound von Nightwish immer auch vom weiblichen Gesangspart geprägt. Diese Rolle füllt seit dem letzten Album die Niederländerin Floor Jansen stimmgewaltig und stilistisch äußerst vielseitig aus – neben den glasklaren Höhen beherrscht sie auch kraftvolle Rockpassagen.  Ergänzt werden die Arrangements wie bereits bei einigen Vorgänger-Alben vom London Session Orchestra und zusätzlich sorgen The Metro Voices für Highlights.

Auch wenn sich die meisten Stücke ganz klar im Metal-Bereich bewegen, machen Nightwish immer wieder Abstecher zu anderen Genres, etwa stellenweise zum Folk in „How’s the Heart?“  oder im melodischen „Harvest“  – hier überzeugen akustische Instrumente und Harmoniegesang , bei dem auch die Männerstimmen der Band zur Geltung kommen. Und es sind oft gerade die kurzen ruhigen Passagen im Getöse mancher Songs, die besonders im Gedächtnis bleiben.

Stilistisch recht gravierend vom ersten Teil des Albums unterscheidet sich das auf der zweiten CD enthaltene instrumentale Werk „All The Works of Nature Which Adorn the World“, ein musikalisches Epos in 8 Sätzen, das eine Art Liebeserklärung an diese Welt darstellt. Hier dominiert nun ganz klar das Orchester, unterstützt von lautmalerischen  chorischen Elementen und stellenweise untermalt von zitierten Passagen aus den Werken von Lord Byron und Carl Sagan. Man kann sich dieses Stück wunderbar als musikalische Umsetzung eines Naturfilmes vorstellen, und die Titel der einzelnen Sätze, wie „The Blue“, „The Green“,“ Aurorae“ oder „Quiet as the Snow“ lassen auch die passenden Bilder im Kopf entstehen.

Wer sich auf „Human. :II: Nature.“ einlässt, erlebt eine äußerst vielseitige musikalische Reise im thematischen Spannungsfeld zwischen Mensch und Natur und kann sich auf Gänsehautmomente und Überraschungseffekte freuen.

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