Was wir nicht brauchen, wenn wir Musik von Nils Wülker hören? Gesang und Lyrics, denn er erzählt seine Geschichten emotional und farbig allein mit seiner Trompete und anhand seiner fantastischen Arrangements. Nils hat sehr poppige und lautmalerische Elemente in seinen Stücken. Das hat nichts gemein mit lauter Blasmusik, ist aber auch nicht jazzig verkopft. Er produziert einfach schöne Melodien, die von der Trompete über eine reduzierte, atmosphärische Begleitung getragen werden. Dabei setzt er sein Instrument ein wie andere Künstler ihre Stimme.
Nils Wülker ist in Bonn geboren, begann mit zehn Jahren, Trompete zu spielen, war Mitglied im JugendJazzOrchester NRW und studierte an der Hochschule für Musik in Berlin. Er arbeitete mit Stars wie Silje Nergaard, Gregory Porter und Samy Deluxe. Dann der Durchbruch 2013, als er mit dem ECHO ausgezeichnet wurde und den German Jazz Award erhielt. Zum ersten Mal seit seinem Debüt von 2002 hat er nun ein Album mit einer internationalen Besetzung aufgenommen, einer angemessen hochkarätigen: am Klavier ist Aaron Parks, am Kontrabass Linda May Han Oh, am Schlagzeug Greg Hutchinson.
„Zuversicht“ ist, wenn wir Hoffnung so aktiv erleben, dass wir gegen alle Widrigkeiten in die Zukunft vertrauen. Damit ist der Albumtitel in schwierigen Zeiten bewusst gewählt. „Du bist so jung wie deine Zuversicht, so alt wie deine Zweifel“ lautet ein Zitat, das im deutschsprachigen Raum gerne Albert Schweitzer zugeschrieben wird, aber eigentlich aus dem Gedicht “Youth” des deutschstämmigen Rabbiners, Bürgerrechtlers und Unternehmers Samuel Ullman stammt. „In den letzten Monaten, in der mir die Weltlage und die gesellschaftlichen Entwicklungen, wie wahrscheinlich vielen anderen auch, aufs Gemüt gedrückt haben, hat sich bei mir dieses Zitat verfangen”, sagt Nils Wülker.
Vor den Aufnahmen wurde wenig geplant. Wülker wollte ganz im Sinne des Albumtitels zuversichtlich sein, dass vor Ort etwas Schönes passieren wird und er im Moment intuitiv gute Entscheidungen trifft. „Das ist für mich auch das Wesen von Jazz“, sagt er. Und die atmosphärischen, oft schwebenden Stücke sprechen für sich. Balladen wie „Time Will Tell“ und „Alpenglow“ gehen zu Herzen, „Forces At Work“ bringt eine Prise Funk mit ins Geschehen.
Nils Wülker ist mal wieder ein einzigartiges Album gelungen, das die Trompete zwar als Instrument in den Mittelpunkt stellt, deren Einsatz aber niemals übertreibt. Als Laie kann ich nur staunen, wie dezent und einfühlsam man dieses Instrument spielen kann. Und melodischer Jazz ist doch so viel angenehmer als das angeberische Solo-Gefrickel, dass man sich sonst so oft anhören muss.
















