Supertramp – Live In Paris ’79

VERÖFFENTLICHUNG» 24.08.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Wer Ende der 70er Jahre das Radio anmachte, kam an Supertramp nicht vorbei. Die fünf Briten hatten gerade ihr sechstes Studioalbum „Breakfast In America“ veröffentlicht, das sich insgesamt mehr als 20 Millionen Mal verkaufte und zwei Grammy Awards gewann. Ihre Songs waren allgegenwärtig. Seien es „The Logical Song“, „Take The Long Way Home“ oder die früheren Werke „Dreamer“, „Bloody Well Right“ und natürlich das unvergleichliche „School“. Der Einsatz eines elektrischen Klaviers, einer Klarinette oder eines Saxophons galt damals in der Pop- und Rockmusik als völlig unüblich. Supertramp setzten hier neue Maßstäbe. Ebenso durch ihre Fusion von eingängigen und anspruchsvollen Melodien, irgendwo zwischen Bluesrock, Pop und Progressive Rock. 1983 verließ mit Rodger Hodgson dann der – neben Rick Davies – führende Kopf die Band. Es folgte eine Phase, in der sich Supertramp stärker dem Jazz und Rhythm and Blues zuwandten, an ihre einstigen Erfolge konnten sie jedoch nicht mehr anknüpfen. 2002 erschien schließlich das bis heute letzte reguläre Album „Slow Motion“.

1979 ahnte von diesem schleichenden Niedergang noch niemand etwas. Im Anschluss an die Veröffentlichung von „Breakfast In America“ gingen Supertramp auf eine zehnmonatige Welttournee, die am 1. Dezember auch Paris erreichte. Die Show im mit 8.000 Fans ausverkauften Pavillon de Paris wurde nicht nur mit vier Kameras gefilmt, sondern auch auf Audio-Bändern festgehalten, die ein Jahr später als Grundlage für das grandiose Livealbum „Paris“ dienten. Die Filmaufnahmen hingegen blieben 33 Jahre lang in der Schublade verschwunden. Erst jetzt wurde das auf Original-16mm-Film vorliegende Material restauriert sowie in HD-Qualität umgewandelt. Das Ergebnis heißt „Live In Paris ’79“ und erscheint dieser Tage als DVD und Blu-Ray. Der neue 5.1-Sound stammt vom damaligen Toningenieur und Co-Produzenten Pete Henderson, der die originalen Mehrspurbänder remixt hat. Technisch also alles vom Feinsten.

Neben der Musik glänzt „Live In Paris ’79“ zunächst durch seine hübsche Verpackung in einem dekorativen Pappschuber. Das 12-seitige Booklet besticht mit einem Essay des Musikjournalisten Phil Alexander (u.a. „Mojo“, „Kerrang“). Die 133-minütige Zeitreise zurück in die französische Hauptstadt beginnt mit einem Charlie Chaplin-Double und den markanten Mundharmonika-Tönen von „School“, die sofort für einen stabilen Gänsehautfaktor sorgen. Anschließend jagt ein Klassiker den nächsten. Die Outfits des Quintetts wirken wie aus einer anderen Welt. Mit ihren wallenden weißen Hemden, den Bärten und langen Jahren sehen die Bandmitglieder eher aus wie fünf Apostel. Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass sie teilweise von den eigenen Stücken völlig entrückt erscheinen. Aber nicht nur „Bühnenclown“ John Helliwell ist ein Sinnbild dafür, wieviel Spass sie gleichzeitig dabei haben. Die Kameraführung ist ebenfalls entsprechend entspannt (teilweise als Split-Screen) und verzichtet erfreulicherweise auf die heutzutage übliche hektische Schnittfolge. Was zählt ist die alleine für sich schon grossartige Musik. Hierbei ragt besonders das wunderschöne „Even In The Quietest Moments“ als Akustikversion von Rodger Hodgson und John Helliwell heraus. Auch der inflationäre Einsatz von Special Effects ist 1979 noch kein Thema. Es gibt ein paar als Affe, Banane, Miss Piggy oder Superman verkleidete Figuren und zwei Einspielfilme auf der Leinwand. C’est ca. Nur von den Fans sieht man leider wenig. Aber man hört sie immerhin. Im Abspann erfährt man noch, was die einzelnen Supertramp-Mitglieder seitdem so alles getrieben haben, bevor Charlie Chaplin über die Champs Elysees wieder nach Hause spaziert.

Bis hierher ist „Live In Paris ’79“ der würdige Nachlass einer legendären Kultband, die leider viel zu früh an einem Richtungsstreit ihrer beiden Masterminds Rodger Hodgson und Rick Davies zerbrach. Dummerweise kann das Bonusmaterial da nicht mithalten. Es umfasst fünf weitere Songs, von denen die Bildaufnahmen verloren gegangen sind, in neu entworfenen Videomontagen. Doch egal, ob man darin mit einem Flugzeug über eine Landkarte oder durch das computeranimierte Ensemble eines Frühstückstisches fliegt, das ist eher ermüdend und wenig originell.

Was dennoch bleibt, ist das dankbare Gefühl, als „Frühgeborener“ Supertramp auf dem absoluten Höhepunkt ihrer Karriere erlebt zu haben. Mit „Live In Paris ’79“ werden diese Erinnerungen noch einmal auf besondere Weise zum Leben erweckt. Zum Beispiel an das allererste Konzert meines Lebens. 1982 im Köln-Müngersdorfer Stadion. Im Vorprogramm spielte ein gewisser Chris de Burgh. Der Hauptact hieß: Supertramp!

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