Mit dem Einstieg der CD „Funkenflug“ im Jahr 2017 auf Platz 2 der deutschen Albumcharts haben Versengold endgültig unter Beweis gestellt, dass sie zu den großen Aufsteigern der deutschen Musikszene gehören. Mit ihrem ehrlichen, handgemachten Folkrock hat die charismatische sechsköpfige Gruppe eine große Zahl treuer Fans um sich geschart.
Versengold stammen aus Bremen. Was die Texte angeht, klingen sie sehr lyrisch und bleiben damit ihrem Namen treu. Vorbild ist die Musik aus dem keltischen Raum und die Liebe zur Insel Irland wurde in der Vergangenheit gerne besungen. Mit „Nordlicht“ aber wenden sie sich der eigenen Heimat zu, die nicht weniger schön ist als die grüne Insel. Das neunte Studioalbum bietet Legenden aus dem Teufelsmoor, Liebeserklärungen an die Nordsee bis hin zu Abhandlungen der historischen Weihnachtsflut 1717.
Während „De rode Gerd“ nichts mit einem Ex-Kanzler zu tun hat, sind andere Songs durchaus politisch und gesellschaftskritisch. „Braune Pfeifen“ spricht für sich und „Meer aus Tränen“ zeigt die unschönen Seiten der „unendlichen Weiten“.
Der Folksound ist erdig und hauptsächlich mit akustischen Instrumenten versehen. Das eingesetzte Instrumentarium erstreckt sich über das gesamte Spektrum der westlichen Folklore. Rock-Einflüsse sind unverkennbar, doch hauptsächlich bietet das Sextett gelungenen Pop mit keltischer Attitüde. Hinzu kommen die charismatischen Vocals von Sänger Malte Hoyer, der mit sonorer Stimme zum Erzähler spannender Geschichten wird.
Dass Mark Daniel Ronson nicht nur Produzent und DJ, sondern auch ein ganz passabler Sänger ist, hat er zu früheren Zeiten schon bewiesen. Damit unterscheidet er sich von Kollegen wie David Guetta und Robin Schulz – er könnte auch als Singer /Songwriter ganz gut bestehen. Vielleicht kommen deshalb so viele seiner Hits auch ohne elektronische Verfremdung und technische Spielereien aus. „Shallow“, das er für Lady Gaga und Bradley Cooper schrieb und das sowohl Golden Globe als auch Oscar einfuhr, ist ein gelungenes aktuelles Beispiel. Zudem hat Ronson den Funk im Blut, wie seine Zusammenarbeit mit Bruno Mars bewies – und er kann alles veredeln, von Lily Allen über Robin Williams und Duran Duran bis hin zu Adele.
„Late Night Feelings“ ist ein Album, bei dem man endlich wieder seinen Namen lesen kann, das aber keineswegs Songs mit seinen Vocals enthält. Stattdessen reißen sich stimmgewaltige Sängerinnen geradezu darum, seine Titel interpretieren zu dürfen. Ich nenne mal: Lykke Li, Camila Cabello, Alicia Keys und Miley Cyrus. Einige Songs laufen schon seit längeren in Radio-Rotation und sind daher ohnehin in den Ohren: „Nothing Breaks Like A Heart“, „Late Night Feelings“ und „Find U Again“. Schön, diese Hits mit in der Sammlung zu haben. Und auch die übrigen Tracks sind reich an Ohrwürmern.
„Durch meine Tätigkeit als DJ hat eigentlich alles, was ich mache, einen Bezug zur Nacht„, erklärt Ronson den Albumtitel. Und passender hätte der Name des Album auch nicht sein können – hört man doch eine Mischung aus tanzbaren Nummern und verklärten chilligen Rausschmeißern. Da wo sich die Nacht in den Tag verabschiedet, symbolisiert das zerbrochene Discoherz ein melancholisches Ende der Euphorie. „Das Album handelt aber nicht nur von Liebeskummer und Verlust“, betont Mark.
Trotz der unterschiedlichen Sängerinnen und Sänger schafft es Ronson, die Elemente aus Soul und Funk, aus Pop und Dancemusic zu einem homogenen Album zu vereinen, das einfach Spaß macht und eine Reise in die nächtliche Discowelt begleitet. Damit vermittelt er das, was viele junge Musikhörer gar nicht mehr kennen: ein Song erzählt vielleicht eine Anekdote, doch das Album erzählt die ganze Geschichte. Grund genug, das Album nicht nur auf CD und als Download / Stream zu veröffentlichen, sondern gleich auch noch Vinyl und Musikkassette (!) zu produzieren.
Mit ihrem letzten Album „Beautiful Trauma“ hatte sich Pink ein paar Jahre Zeit gelassen, seither ist sie allerdings gefühlt ständig mit neuer Musik präsent. Die Singleauskopplungen von „Beautiful Trauma“ waren kaum aus den Playlisten der Radiosender verschwunden, da legte sie mit ihrer Version von „A Million Dreams“ aus dem großartigen Musicalfilm „The Greatest Showman“ nach, und ohne merkbare Pause folgte dann die aktuelle Single „Walk Me Home“. Nun erscheint auch schon das dazugehörige aktuelle Album „Hurts 2B Human“ mit 13 neuen Songs.
Mal wieder ist der Sängerin und Songwriterin ein starkes und vielseitiges Album gelungen. Der Start ist allerdings etwas holprig – der Opener „Hustle“ hat zwar einen ganz ordentlichem Groove, überzeugt aber noch nicht wirklich und mit der Elektropop-Nummer „(Hey Why) Miss You Sometimes“ kann ich persönlich wenig anfangen. Spätestens mit der großartigen Hymne „Walk Me Home“ entfaltet Pink dann aber wieder ihr volles Potential. Auch thematisch gibt dieser Song die Ausrichtung des Albums vor, denn Pink zeigt sich diesmal weniger als Rebellin oder lotet die Höhen und Tiefen menschlicher Beziehungen aus, sondern drückt in vielen Texten die Sehnsucht nach etwas Sicherheit und Stabilität in einer zunehmend unsicheren Welt aus, was bestimmt viele Hörer nachfühlen können. Im tanzbaren „Can We Pretend“ gipfelt diese Sehnsucht im Wunsch, der Realität zu entfliehen, bzw. diese einfach neu zu definieren. Und in der Ballade „Love Me Anyway“, in der Pink stimmgewaltig von Chris Stapleton unterstützt wird, zeigt sie sich als Bedürfnis, bedingungslos und trotz aller eigenen Fehler geliebt zu werden.
Es sind noch mehr Gastsänger zu hören, schließlich hat Pink für dieses Album wieder mit verschiedensten Künstlern zusammengearbeitet. Der Songwriter Wrabel ist Ko-Autor und Duettpartner im atmosphärischen „90 Days“ und Sänger Khalid überzeugt mit starker Stimme im eindringlichen Titelsong „Hurts 2B Human“. Abgesehen von den großen Hymnen sind es ansonsten die ruhigen Stücke, die den meisten Eindruck hinterlassen, wie „My Attic“, ein wunderbarer Song über die Geheimnisse und Probleme, die man in der Abstellkammer seiner Seele versteckt, oder der nachdenkliche Abschlusstitel „The Last Song of Your Life“ .
Als Partyalbum taugt „Hurts 2B Human“ nicht, denn die Up-Tempo-Stücke sind definitiv in der Unterzahl. Aber inhaltlich und emotional kann Pink hier voll punkten und auch ihre gesanglichen Qualitäten ausspielen. Ein paar Ausreißer sind dabei, aber auch jede Menge potentielle Hits, und in einigen Ländern hat das Album bereits die Spitze der Charts erreicht. Mal sehen, wie es bei den deutschen Fans ankommt – von mir jedenfalls schon mal 8 Sterne.
Im Jahr 1999 – kurz vor der Jahrtausendwende – erschien mit „Rave Un2 the Joy Fantastic“ das 23. Studioalbum von Prince, der sich in dieser Zeit seiner Namensfindung hinter dem unaussprechlichen „Love Symbol“ versteckte. Erst ab Mai 2000 firmierte er wieder als Prince.
Nichtsdestotrotz war „Rave Un2 the Joy Fantastic“ ein typisches Prince-Album mit Rock, Soul und Funk vom Feinsten. Es bescherte ihm Platz 18 in den US-Billboard-Charts. Weltweit allerdings war es kein großer Erfolg. Das mag daran gelegen haben, dass der Künstler seine Fans mit Namenswechseln und neuen Plattenfirmen überforderte, keinen aktuellen Radiohit vorzuweisen hatte oder einfach zuviel neues Material veröffentlichte. Schließlich war erst drei Monate zuvor „The Vault … Old Friends 4 Sale“ als Abschlussalbum des Vertrags bei Warner Music erschienen.
Das Remix-Album „Rave In2 the Joy Fantastic“ erschien zwei Jahre später und war zunächst nur über Prince‘ Website zu beziehen. Es enthielt etwas mehr Beat und einige Rap-Passagen, außerdem wurden die Lyrics bisweilen ausgeweitet. Mit seinen neuen Features gehört es auf jeden Fall zum Gesamtbild dieses Releases.
Hinzu kommt für die vorliegende Neuauflage die DVD „Rave Un2 the Year 2000“. Der Mitschnitt eines Konzertes, da als Silvestershow aufgenommen und als „pay per view“ angeboten wurde. Die DVD hat nicht gerade überragende Qualität, ist aber ausreichend, um ein solides Audio- und Video-Erlebnis zu bieten. Neben vielen aktuellen Songs bietet es schöne Versionen von „Kiss“, „Purple Rain“ und „Nothing Compares 2 U“. Zudem liefert „1999“ den perfekten Übergang ins neue Jahrtausend.
Das Package „Ultimate Rave“ erscheint passend zum Event „CELEBRATION 2019“. Diese viertägige Veranstaltung fand zwischen 25. und 28. April in den Paisley Park Studios statt, dem Anwesen des Stars, das sich in der Vorstadt von Minneapolis befindet. Hier entstanden viele seiner großartigen Werke und nun wurden die Fans ins Heiligtum ihres Idols eingeladen, um in inspirierender Atmosphäre Live-Musik, Konzert-Filme, Podiumsdiskussionen und weitere Sonderveranstaltungen zu genießen, die das herausragende Talent von Prince und seinen Einfluss auf die Popkultur feiern.
Die Musik von Prince wird ewig weiterleben. „Ultimate Rave“ ist ein wichtiger Puzzleteil in seinem Gesamtwerk. Vielleicht nicht essentiell, aber doch ein nostalgischer Einblick in die Phase, bevor er nach vielen Irrungen und Wirrungen wieder zu sich selbst als „Prince“ fand.
Heute ist Record Store Day. Grund genug, sich mal wieder seiner Vinyl-Sammlung zuzuwenden. Und sie zu erweitern! Wer hätte in den 90er Jahren gedacht, dass es irgendwann eine solche Renaissance der altbekannten Schallplatte geben wird? Anfang des Jahrtausends musste ich meinen Kindern erklären, wozu dieses seltsame Gerät mit Tonarm und Nadel gut ist. Heute scheinen sich die Generationen fast zu spalten: Auf der einen Seite regieren Playlists und einzelne gehypte Songs, auf der anderen Seite erfahren die klassischen Alben ein Comeback. Und genau hier setzt das Vinyl mit seinem warmen Klang an. Wer vorsichtig eine Hülle öffnet und die schwarze Scheibe entnimmt, kann einfach nur nostalgische Gefühle bekommen. Und die Schönheit eines Covers entfaltet sich am besten in der Größe, für die es gedacht war.
Die Nachfrage nach Vinyl steigt seit Jahren wieder stetig und während mancher diesen Trend noch bis vor einiger Zeit als kurzfristigen Hype abgetan hat, ist heute klar, dass es wieder ein festes Fundament an Interessenten gibt. Inzwischen gibt es für Sammler aber auch unzählige Varianten an bunten Vinyl-Ausgaben teilweise nummeriert und limitiert oder mit Bonustiteln. Das einstige Massenprodukt Schallplatte avancierte zum modernen Luxusgut.
Dem Wunsch nach einem vielfältigen preislich attraktiven Angebot und weiteren Wiederveröffentlichungen trägt die neue Serie „Original Vinyl Classics“ Rechnung. Echte Hit-Klassiker aus verschiedenen Dekaden sprechen alle aktuellen Schallplattenliebhaber an. Die Jüngeren, deren Favoriten bisher nie in Vinyl gepresst wurden, ebenso wie diejenigen, deren Lieblingsalben zwar einst auf dem Plattenteller lagen, jedoch seit Jahren vom Markt verschwunden sind.
Die erste „Original Vinyl Classics“-Reihe von Sony Music bietet folgende Alben:
Nina Hagen: „Nina Hagen Band“ (1978) und „unbehagen“ (1979)
Spliff: „85555“ (Frühjahr 1982) und Herzlichen Glückwunsch (Herbst 1982)
Falco: Junge Roemer (1984) und „Falco 3“ (1985)
Guano Apes: “Don’t Give Me Names” (2000) und “Walking On a Thin Line” (2003)
Oomph: „Wahrheit oder Pflicht“ (2004) und „GlaubeLiebeTod“ (2006)
Witt: „Bayreuth Eins“ (1998) und „Bayreuth Zwei“ (2000)
Selig: „Selig“ (1994) und „Hier“ (1995)
Running Wild: ”The Rivalry” (1998) und “Victory” (2000)
Apocalyptica: „Worlds Collide“ (2007) und „7th Symphony“ (2010)
FAR Corporation: “Division One“ (1985) und „Solitude“ (1994)
Lake: ”Lake“ (1976) und „Lake II“ (1978)
Das Design der Platten ist einfach gehalten. Das ist der Idee geschuldet, dass sie recht günstig zu haben sein sollen. Bei jeder Doppel-LP gibt es ein neues Cover, das sich sehr am Künstler orientiert. Auf der Innenseite gibt es dann die Original-Album-Cover. Zudem sind die Überspielungen bearbeitet und den heutigen technischen Möglichkeiten angepasst. Eine gelungene Kombination für alle Musikliebhaber von heute.
Sind tatsächlich schon fünf Jahre seit Annett Lousians letztem regulären Studioalbum „Zu viel Information“ vergangen? Ja, auch wenn sie ihren Fans die Zeit mit einem Coveralbum im 2016 und einer Tour 2017 verkürzte. Aber danach war dann erstmal eine Babypause angesagt. Musikalisch untätig scheint die Sängerin und Songwriterin in dieser Zeit allerdings nicht gewesen zu sein, denn immerhin meldet sie sich nun gleich mit einem Doppelalbum und insgesamt 20 neuen Songs zurück.
„Kleine große Liebe“ ist dabei wieder ein Album geworden, wie man es von Annett Louisan erwartet, voll poetischer und humorvoller moderner Chansons. Und gleichzeitig ist es persönlicher und insgesamt nachdenklicher und ruhiger als alle ihre bisherigen Alben. Annett hat sich viele Gedanken über das Leben gemacht, die sie nun mit ihren Hörern teilt. Das kann der Wusch sein, all die kleinen Wunder des Lebens wieder bewusster wahrzunehmen wie in „Zweites erstes Mal“, oder wie in „Wir sind verwandt“ eine bitterböse Abrechnung mit den Macken der lieben Verwandtschaft. Manche Lieder erzählen von Typen, die jeder kennt, wie beispielsweise die ewig streitende und eingeschnappte Freundin im wunderbar swingenden „Eine Frage der Ehre“ mit Barpiano und Trompeten-Einwürfen. Oft wird Annett aber sehr persönlich, wenn sie etwa in „Klein“ ihre geringe Körpergröße verteidigt, in „Meine Kleine“ ihre eigene Kindheit aus der Sicht ihrer Mutter schildert oder in „Ein besserer Mensch“ die Liebe zu ihrer ungeborenen Tochter besingt.
Und auch sonst geht es natürlich oft um die Liebe. „Two Shades of Thorsten“ und „Belmondo“ beschäftigen sich mit den Sehnsüchten, die in langjährige Beziehungen, so glücklich sie sein mögen, meist nicht mehr so leidenschaftlich befriedigt werden, „Herz gebrochen“ ist eine tieftraurige Ballade über all den Schmerz, den Liebe verursachen kann, und der Titelsong „Kleine große Liebe“ ist ein Hymne an alle Lieben eines Lebens.
Das Doppelalbum kommt im einfachen Pappschuber daher, aber immerhin mit allen Texten in den Booklets und zusätzlichen Infos zur Tour 2019/2020. Das eher schwarz-weiß gestaltete „Kleine Liebe“ ist auch musikalisch etwas ruhiger und sparsamer arrangiert, auf dem bunten „Große Liebe“ finden sich auch ein paar poppigere und schnellere Titel wie „Borderline“, „Haie“ oder „Straße der Millionäre“. Nicht alle Songs überzeugen komplett, aber insgesamt ist das neue Werk von Annett Louisan auf jeden Fall hörenswert und eine Empfehlung für alle, die Musik mit Inhalt mögen.
Nach „Fechnerstraße“ ist auch das zweite Album „Berlin Dakar“ durch und durch autobiographisch. Vermutlich hat Adesse entdeckt, dass es vor allem seine eigene Geschichte ist, die er den Fans gefühlvoll vermitteln kann. So ist „2031“ ein fiktiver Brief an seine Neffen Henry und Benji, den er rückblickend aus dem Jahr 2031 schreibt. Die Aussagen sind sehr bewegend und schon hier wird – wie an vielen Stellen des Albums – der Tod von Adesses Vater thematisiert, der seine Geschichte stark beeinflusst hat.
Der emotionale Titelsong „Dakar“ beschreibt ihn berührenden Worten die Geschichte des Vaters. Gleichzeitig setzt sich Adesse in vielen Songs mit der eigenen Person auseinander. „Für immer jetzt“ spricht vom Leben in der Gegenwart, „Houston“ von der Entfremdung und „Klick“ vom Social Media-Wahn. Für „Strand“ hat Adesse seinen Entdecker Sido mit an Bord. Es ist ein Song über die Unsicherheiten und Ratlosigkeiten einer Person.
Auch „Berlin Dakar“ funktioniert – wie schon das Debütalbum – als eine Art Konzeptwerk, da es inhaltlich sehr geschlossen ist und eine sentimentale Sammlung von Songs darstellt. Der HipHop spielt nur eine Nebenrolle. Vielmehr ist Adesse ein starker Deutschpop-Künstler mit viel Soul und Anleihen von modernem R’n’B. Damit klingt er an vielen Stellen wie Namika mit männlichen Vorzeichen. Ein aufwühlendes Album mit großem Hitpotential.
„Leave A Light On“ war einer der Überraschungshits des Jahres 2018 und man steckte Tom Walker gleich in die Songwriter-Schublade, in der auch Milow und Passenger ihren Platz haben. Jetzt, wo sein erstes vollständiges Album erschienen ist, will ich diesen Eindruck aber revidieren, denn Walker legt doch ein sehr poppiges und groß produziertes Debüt vor, aus dem man aber auch die Anfangszeit als Straßenmusiker in London heraus hören kann, woran vor allem seine raue Stimme großen Anteil hat. Ein Vergleich zu Rag’n’Bone Man ist manchmal durchaus angebracht.
Die Geschichte des inzwischen 27jährigen Songwriters begann in Glasgow und fand ihren vorläufigen Höhepunkt bei den diesjährigen BRIT Awards, bei denen er als „Breakthrough Artist“ ausgezeichnet wurde. Dass er dies vor Veröffentlichung seines Debüts schaffte, ist einerseits wirklich groß – die Vorschusslorbeeren setzen aber auch die Erwartungshaltung für „What a Time To Be Alive“ ordentlich nach oben. Die war ohnehin schon hoch, nachdem er 300 Millionen Spotify-Streams gesammelt hatte und beim Glastonbury Festival am Start war. Dass die BBC diesen Auftritt dann auch noch live ausstrahlte, war nur das Sahnehäubchen.
Die Songs umfassen ein breites musikalisches und emotionales Spektrum, von euphorischem Uptempo-Pop bis hin zu postmodernem Soul. Gleichzeitig gibt es aber auch Walkers Philosophie, die da lautet: „Wenn ein Song auf einer Party mit akustischer Gitarre funktioniert, dann hast du das große Los gezogen.“
„Leave A Light On“ ist ein bewegender Song über einen Menschen, der in Not geraten ist und Hilfe benötigt. Der Text vereint zwei wahre Geschichten: die eine, die von einem Freund handelt, der eines Nachts in Schwierigkeiten gerät und seine Hilfe braucht und der Tod seiner Tante später am selben Morgen.
Ein weiterer großartiger Song ist das minimalistische, bluesige „Angels“, das von Einsamkeit und dem Überwinden von Schwierigkeiten berichtet. Einen ähnlichen Vibe hat der Song „Blessings“, der davon handelt, pleite zu sein und es dennoch schätzen zu können, was man hat. „Heartland“ erzählt von Toms Erfahrungen in der Londoner Trinker-Szene und vom Widerstehen von Versuchungen. „Fly Away With Me“ widmet sich der Anfangszeit in London als armer Straßenmusiker, der in Bahnhöfen nächtigen muss. Und das große Thema der Liebe begegnet uns in dem gefühlvollen, beschwingt-leichten Reggae-Song „Just You And I“ – ein Lied über das Gefühl von Zusammengehörigkeit, der seiner Verlobten Annie gewidmet ist.
So wie alle jungen Musiker hat Tom in seiner Karriere einige Höhen und Tiefen mitgemacht, Freuden und Enttäuschungen erlebt. Möglicherweise ist dies einer der Gründe, warum es ihm mit seiner Ausnahmestimme und seinen emotionalen Songs gelingt, die Menschen zu erreichen und ihrer Angst, ihrem Verlust, ihrer Liebe und ihrer Freundschaft einen adäquaten Soundtrack zur Verfügung zu stellen. Toms Musik erinnert uns in schwierigen Zeiten daran, die guten Dinge im Leben zu bewahren und bietet uns inmitten des ganzen Chaos Hoffnung.
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Im Jahr 2004 wurde Prince in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Musikalisch hatten ihn viele zu dieser Zeit schon komplett abgeschrieben, da er sich seit den frühen 90er Jahren in recht bizarren Ideen verrannt hatte und der Fusion Jazz seiner aktuellen Platten dem Mainstream Publikum absolut fremd war. Nach dem unaussprechlichen „Symbol“ und dem unsäglichen Behelfskürzel TAFKAP hatte Prince Rogers Nelson im Jahr 2000 auch endlich wieder seinen ursprünglichen Künstlernamen angenommen. Einem Sprung zurück in die 80er stand also nichts mehr im Wege.
Rückblickend betrachtet dokumentieren die drei Alben eine Schaffensphase des Künstlers, in der er seine Kreativität neu entfaltet hatte und so weitere Glanzlichter in seiner unvergleichlichen Karriere setzen konnte. Mit diesen Veröffentlichungen kehrte Prince zum populären Mainstream zurück und lotete die Grenzen des Business hinsichtlich Marketing, Vertrieb und Live-Performance neu aus.
„Musicology“ vereinte die besten Elemente aus Pop, Funk und Soul. Es beginnt mit lupenreinem Funk, doch schon im zweiten Song fließen HipHop-Rhythmen ein. Witzig klingt „Life ‚o‘ the Party“, mit dem Prince seinem liebsten Konkurrenten Michael Jackson beweisen will, dass er höher singen kann als der sogenannte King of Pop. Auch heute noch klingt das Werk zeitlos stark und gilt im Rückblick als echtes Comeback, auch wenn Prince stets augenzwinkernd betonte, dass er nie irgendwo hin geht.
Mit „3121“ ging es wieder an die Spitze der US-Charts. Das war zum letzten Mal 17 Jahre vorher der Fall. Angepasst an den Mainstream des neuen Jahrtausends erinnerte es zugleich an Prince‘ Glanzzeiten. Diesen Spagat schaffte er mit Bravour und das Album war abwechslungsreich genug, um nicht im R’n’B-Einheitsbrei zu versinken.
Bei „Planet Earth“, dem Nachfolgealbum aus dem Jahr 2007 landete Prince erneut einen Coup, als er seine CD vor offiziellem Erscheinen in Großbritannien als Beilage in The Mail on Sunday vorstellte. Für „Future Baby Mama“ gab es gar einen Grammy. Themen wie die globale Erderwärmung führen das Album auch inhaltlich in die Gegenwart. Da es danach mit dem deutlich schwächeren „Lotusflower“ weiterging, gilt „Planet Earth“ heute als Abschluss einer Trilogie, die zugleich seine letzte Hochphase darstellte.
Die drei Alben zeigen eindrucksvoll, dass sich der Künstler in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts auf einem kreativen Höhepunkt befand. Es lohnt sich, sie wieder neu zu entdecken. Interessant für Sammler: Die Schallplatten-Versionen der Alben wurden als limitierte Editionen auf lila Vinyl gepresst.
Fast schon in steter Regelmäßigkeit feiern die Backstreet Boys alle paar Jahre ein Comeback, da man sich wundert, dass die inzwischen gut um die 40 liegenden Boys immer noch aktiv am Start sind. In Wirklichkeit waren sie natürlich nie weg – und „DNA“ ist das neunte Studioalbum ihrer einzigartigen Karriere.
Das letzte Album liegt schon wieder sechs Jahre zurück. Mit jedem Release hat es bisher für die Top 10 in den USA und diversen europäischen Staaten gereicht. Auch wenn die Singles nicht mehr chartrelevant sind. Es kommt halt nicht auf den radiotauglichen Pop- und Dancefloor-Schlager an, sondern auf eine solide Gesamtleistung. Und da ist das Quintett auch mit „DNA“ wieder ganz vorn dabei.
Während die ersten beiden Albumtracks dann auch schön in Soul und RnB schwelgen, ist es bereits der dritte Titel, der endgültig aufhorchen lässt: „Breathe“ wird komplett a cappella dargeboten und in der Qualität müssen die fünf Stimmen hinter professionellen Vokalakrobaten wie Naturally 7 und The Magnets absolut nicht zurückstecken. Dieser feine Satzgesang wird auch zum abschließenden Song „OK“ wieder aufgenommen, hier aber mit spannender Percussion-Begleitung.
Die Backstreet Boys haben ihre alte Tanzbarkeit wiedergefunden, bieten hohe Stimmen und sanfte Balladen. Aber sie wagen auch den Schritt in die Gegenwart und erfinden sich dabei mal wieder ganz neu. „Nobody Else“ bietet Elektro-Rhythmen und einen modernen Klang, „Passionate“ und „It Is Just Me“ bestechen durch einen urbanen Sound.
Wer lieber den alten Stil der Herz-Schmerz-Jungs wünscht, wird mit „The Way It Is“ und „Just Like You Like It“ belohnt. AJ, Brian, Howie, Kevin und Nick beherrschen das Spiel mit Vocals und Beats wie seit über 25 Jahren. Sie sind für einen Grammy nominiert und die Welt-Tournee startet in Kürze. Backstreet ist sowas von back!
Hier die deutschen Tourdaten 2019:
21. Mai 2019 – Hannover – TUI Arena
25. Mai 2019 – Mannheim – SAP Arena
27. Mai 2019 – München – Olympiahalle
28. Mai 2019 – Wien – Stadthalle
29. Mai 2019 – Berlin – Mercedes Benz Arena
20. Juni 2019 – Köln – Lanxness Arena
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Als die schottische Sängerin und Songwriterin Nina Nesbitt 2012 ihre musikalische Karriere auf YouTube startete, war sie noch ein Teenager. Es folgten eine Begegnung mit Ed Sheeran, der sie als Support für seine Tour engagierte, mehrere EPs und 2014 ihr Debütalbum „Peroxide“, das sich weit vorne in den britischen Charts platzierte. Bei anderen Nachwuchs-Künstlern wäre es wahrscheinlich mit neuen Singles und Alben im Jahresrhythmus weitergegangen, aber Nina entschied sich dafür, erstmal Tempo rauszunehmen und in aller Ruhe an ihrem zweiten Longplayer zu arbeiten.
Das Ergebnis kann sich hören lassen: Auf „The Sun Will Come Up, The Seasons Will Change“ überzeugt Nina mit einem gereiften eigenen Sound zwischen Pop und R´n´B, Ohrwurmmelodien und vor allem mit authentischen Texten. So erzählt sie etwa in „The Moments I´m Missing“ von prägenden Momenten in ihrem Leben, die sie aber damals gar nicht wirklich genießen konnte. Und das atmosphärische „Sacred“ drückt ihre Sehnsucht aus nach etwas Ehrlichem und Anhaltenden in einer von Oberflächlichkeit geprägten Welt. Sehr berührend ist auch die emotionale Piano-Ballade „Is It Realy Me You´re Missing“, in der Ninas facettenreiche Stimme besonders gut zur Geltung kommt.
Neben solchen eher nachdenklichen Titeln gibt es auch schwungvollere Songs, die gute Laune machen und Optimismus versprühen, wie etwa „Somebody Special“ oder „Loyal To Me“, eine offensive Ansage an alle Frauen, sich nicht mit treulosen Lovern aufzuhalten. Insgesamt dominieren aber die ruhigeren Stücke, die oft hauptsächlich von Ninas ausdruckstarkem Gesang und einer sparsamen, aber perfekt arrangierten Begleitung getragen werden. So entfalten etwa das Liebeslied „Things I Say When You Sleep“ oder die „Ballade Last December“ einen ganz besonderen Zauber. Und der Titelsong „The Sun Will Come Up, The Seasons Will Change“, der das Album abschließt und wohl Ninas momentanes Lebensgefühl ausdrückt, klingt noch lange nach dem letzten Ton im Hörer nach.
Leider nicht optimal gelungen ist die Gestaltung des Booklets. Sehr kleine weiße Schrift vor rosa und hellblauem Hintergrund machen es schwer, die Liedtexte zu entziffern, ganz zu schweigen von Ninas seitenlanger Danksagung. Abgesehen von diesem kleinen Manko präsentiert Nina Nesbitt hier aber ein rundum empfehlenswertes Album, mit dem sie nicht nur einen Einblick in ihr Leben gewährt, sondern sich auch als Künstlerin etabliert.
Vor über zwei Jahren begeisterten Neal Morse und seine formidable Band die Prog-Gemeinde mit einem Konzeptwerk namens „The Similitude of a Dream“. Es basierte auf dem Buch „The Pilgrim’s Process (deutsch: Pilgerreise zur seligen Ewigkeit)“ von John Bunyan aus dem Jahr 1678, das die spirituelle Reise eines Mannes beschreibt, die in der Stadt der Zerstörung beginnt und an einen Ort der Erlösung führt. Wenn man Morse‘ Werdegang und seine spirituelle Erweckung kennt, die ihn von seiner Stammband Spock’s Beard weg und auf Solopfade führte, verwundert es nicht, dass diese Thematik Neal inspiriert. Zudem gelingt es ihm so, sein zweites kulturelles Standbein (christliche Lobpreis-Abende) mit den Ambitionen des Progressive Rock zu verknüpfen. Diese Linie zieht sich ohnehin durch die Veröffentlichungen, die er als Neal Morse tätigt. Dass auch noch erfolgreiche Bandprojekte wie Transatlantic und Flying Colors hinzu kommen, sei mal nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
„The Great Adventure“ erzählt die Geschichte eines Pilgersohns nun in Form einer großen Suite weiter. Es ist fast schon unheimlich, womit Neal Morse hier aufwartet: Progressive Rock im Stil von Spock’s Beard und Transatlantic, ausufernde orchestrale Parts, vertrackte Rhythmus-Passagen, dann aber auch filigrane akustische Elemente. Neal Morse zeigt sein stimmliches Können – und glänzt vor allem im Erzählton. Mal sanft, mal charismatisch und laut. Und wenn dann mehrstimmige Passagen für kurze Momente in den Vordergrund rücken, dann freut sich auch mein dem Chorgesang frönendes Herz.
Die musikalischen Mitstreiter sind in der Progwelt keine Unbekannten: Mike Portnoy (Drums, Gesang), Randy George (Bass), Bill Hubauer (Keyboard, Gesang) und Eric Gillette (Gitarren, Gesang) bilden gemeinsam mit Neal das furiose Quintett. Und gerade Portnoy als Songwriting-Partner ist schon lange der künstlerische Seelenverwandte von Neal Morse und hat bei ihm spätestens nach seinem Ausstieg bei Dream Theater eine neue Heimat gefunden.
„The Great Adventure“ setzt Morse‘ Meisterstück in über 100 anspruchsvollen Minuten fort. Eine Ouvertüre gibt die musikalischen Themen vor, die im Lauf der beiden Silberscheiben immer wieder kehren. Langeweile kommt da aber nirgends auf – und es sind keine Schwachstellen auszumachen. Die Inspiration eines 350 Jahre alten Romans hat gewirkt und die Erzählung in ein Konglomerat aus Prog, Rock, Metal, Jazz und Klassik geführt. Bassist Randy George vergleicht das Album mit dem Vorgänger, stellt aber fest, dass die Perspektive des Pilgersohns es noch um einiges wütender und härter gemacht hat.
Wer „The Similitude of a Dream“ mochte, wird „The Great Adventure“ lieben. Freuen wir uns schon auf die Live-Umsetzung im März/April 2019. Es wird ein Fest!
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Mehr als zwei Jahre ist es schon her, dass Alice Merton mit dem Song „Roots“ aus dem Stand heraus die Popwelt beeindruckte. Platz 2 in Deutschland, Platz 3 in Österreich – 1,4 Millionen verkaufte Einheiten. Weitere Singles wie „Hit The Ground Running“ und „Lash Out“ waren Achtungserfolge, jedoch keine Chartbreaker. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass sich Alice Merton mit dem ersten Studioalbum Zeit ließ? In dieser Spanne gründete sie mit ihrem Produzenten das eigene Label Paper Plane Records und hat nun Sony Music als Vertriebspartner. Alice Merton zeigt Stärke. Im Geschäft wie in der Musik.
Die 25jährige Tochter einer Deutschen und eines Iren ist in Frankfurt geboren worden, in Kanada aufgewachsen und hat viele Jahre in England verbracht. Der Titel „No Roots“ über das Gefühl, als Weltbürgerin nirgendwo wirklich zuhause zu sein, hat also durchaus autobiographischen Charakter. Die Ich-Perspektive, die die Songwriterin dabei einnimmt, setzt sich in „Lash Out“ fort. Hier geht es um Leute und Situationen, die einem Menschen Regeln aufdrücken. Solch starke Aussagen werden stets mit treibenden Beats unterlegt und sind charakteristisch für Alice‘ Musik.
„Mint“ (benannt nach den Pfefferminzblättern, die ihr gegen Lampenfieber helfen) enthält hauptsächlich starke, bisweilen fast aggressive und wütend vorgetragene Popsongs. Der energische Sound hält die Spannung bis zum rhythmischen Abschluss „Why So Serious“. Auf „2 Kids“ hören wir die Geschichte, die sie mit ihrem Freund und Produzenten Paul Grauwinkel verbindet. „Homesick“ und die Ballade „Honeymoon Heartbreak“ zeigen ihre verletzliche Seite.
„Funny Business“ spielt mit Elektronik und verzerrter Stimme. Das lockert das Album auf, wäre aber nicht nötig gewesen. „Mint“ lebt von Alice Mertons Stimme und ihrer Fähigkeit zwischen den Stimmlagen zu wechseln und ihre ganze Persönlichkeit in die Songs zu legen. Nicht jeder Titel avanciert zum Radiohit, doch die Künstlerin legt ein vielseitiges und sehr durchdachtes Debüt vor, dessen Produktion ganz auf ihre starke Stimme zugeschnitten ist.
Unbeirrt geht der 61jährige Matthias Reim seinen Weg und macht Abend für Abend das Performen seiner Schlagerhits zur formidablen Rockshow. Dass er sich nicht in eine Schublade stecken lässt, bewies auch das aktuelle Studioalbum „Meteor“, das ursprünglich im März erschien. Ein Schwerpunkt lag auf Liedern, in denen er seinem Publikum Geschichten erzählt. Das sind genau die Songs, die seine Fans und Freunde schon immer an dem Künstler geliebt haben. Und genau diese sind ihm diesmal besonders gut gelungen sind. Moderner im Sound, weit weg vom Schlager – und trotzdem typischer Reim denn je. Da ist viel Autobiographisches drin und das klingt absolut authentisch aus seinem Mund: „Niemals zu müde“ beschreibt die Liebe zu den Fans und den Spaß, allabendlich auf der Bühne zu stehen. „Verdammt nochmal gelebt“ ist eine melancholische Rückschau auf eine umtriebige Karriere.
Neun Monate später erlebt das Album eine Wiedergeburt als „Bonus-Hits Version“ mit acht zusätzlichen Tracks. Drei wirklich neue Songs sind mit dabei. Nicht viel, um einen erneuten Kauf zu rechtfertigen, aber doch sehr schöne Titel. „Meine Welt“ widmet der Künstler seiner Familie, „Ich lieb dich“ erzählt eine sehr innige Lovestory und „Unsichtbar“ bildet quasi den Gegenpart, da Matthias Reim sich hier einer unerwiderten Liebe widmet. Drei intensive Balladen, die das Album perfekt ergänzen.
Spannend auch der Hit „Nicht verdient“ im Duett mit Reims ehemaliger Lebensgefährtin, der Schlagersängerin Michelle. Dieser Titel erschien 2018 auf Michelles Album „Tabu“ und ist jetzt auch für Reim-Fans erhältlich, die sich kein komplettes Album der Sängerin kaufen wollen.
Zwei Remixe und zwei Livetitel von Albumtracks ergänzen die neue Version. Die Remixe bringen nichts wirklich Neues, die Liveversionen allerdings zeigen, wie Reim seine Schlager-Rockshow gestaltet. So steht der Fan also vor der Frage, ob er sich das Album ein zweites Mal kaufen soll. Zumindest bietet es sechs lohnenswerte Bonustracks. Wer „Meteor“ allerdings noch gar nicht im Regal hat, dem spreche ich gern meine Empfehlung aus: Matthias Reim hat’s einfach drauf!
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Momentan ist Marten Laciny – besser bekannt als Marteria oder Marsimoto – mit seinem Kumpel Casper live unterwegs und bricht alle Rekorde, vor allem was die Ticketverkäufe im europäischen Ausland angeht. Hier aber liegt uns der Mitschnitt seines wahr gewordenen Traums vor: Ein Auftritt im Ostseestadion, der Heimat des FC Hansa Rostock, dem auch die Treue des gebürtigen Rostockers Marteria gehört.
Natürlich bietet der Rapper alles auf, was nötig ist, um vor dieser Kulisse zu bestehen. Und man sieht ihm die Freude zum Tourabschluss deutlich an. Es ist ein gänsehauterzeugendes Ereignis mit bekannten Titeln aus der kompletten Marteria- und Marsimoto-Ära. „Roswell“ und „Aliens“ finden sich zu Beginn. Das geniale „Endboss“ gefolgt von dem nicht weniger fetten „Scotty beam mich hoch“, um beim SF-Thema zu bleiben.
„El Presidente“ und „Marteria Girl“ dürfen nicht fehlen. Und für „R.O.S.T.O.C.K.“ werden etliche ehemalige Weggefährten zum gegenseitigen Abfeiern auf die Bühne geholt: Gabreal, Pussi, Mas Massive und Homez sind mit am Start. Damit wird die Marteria-Karriere ordentlich bedacht und das Stadion ist mit Zehntausenden Feierwütigen auf seiner Seite.
Teil zwei des Sets findet seine Steigerung in einigen Marsimoto-Songs, bevor Casper die Bühne entert und gemeinsam mit Marteria „Champion Sound“, „Supernova“ und „Adrenalin“ performt. Natürlich darf auch „Lila Wolken“, die Nummer 1 mit Miss Platnum, nicht fehlen, um das emotionale Finale einzuläuten.
Marteria fährt hier alles auf, was ihn ausmacht, und holt Rostock ins heimische Wohnzimmer. Vielleicht der beste Livemitschnitt eines deutschen Solo-Rappers bislang.
Wolfgang Petry hat sich auf seinen Altersruhesitz Auf Mallorca zurückgezogen und überlässt anderen die großen Bühnen und die Charts. So hätte das Ende des Märchens lauten können. Aber wenn man da nun in seiner Finca sitzt und sich langweilt, tut man halt das, was man am besten kann: Neue Musik schreiben und performen.
Schon 2015 gab es mit „Brandneu“ das erste echte Album nach dem Rückzug – und Wolle war ganz der Alte mit bodenständigem Partyschlager und einigen Überraschungen. 2017 brachte dann die ominöse Pete Wolf Band ein verdammt rockiges AOR- und Country-Album auf den Markt. Und 2018 versüßt der Kölner Barde seinen Fans das Weihnachtsfest erneut mit 15 Songs im alten Petry-Stil.
Die Auskopplungen „Wo sind denn all die Helden“ und „Geh mir aus den Augen“ bieten erwartungsgemäß den gewohnt hemdsärmeligen Schlagerrock mit wahlweise einem Schuss Dancefloor-Attitüde oder lauten Gitarrenklängen. Doch Petry beschränkt sich nicht mehr auf diese Partyschlager. Der Abstand von der feierwütigen Showbühne hat ihm anscheinend den Horizont erweitert hin zu sehr rockigen Titeln und feinsinnigen Balladen, die sein Repertoire bereichern.
Was bleibt wie immer, sind die bodenständigen und ehrlichen Texte, die Wolfgang Petry frei Schnauze präsentiert. Mit „Clown“, „Leonie“ und dem nachdenklichen „80“ erzählt er schöne Geschichten vom Leben und vom Älterwerden. Allerdings hat der 67jährige keineswegs ein melancholisches Alterswerk abgeliefert, sondern er schaut sehr positiv und voll Elan in die Zukunft.
Natürlich werden auch die alten Schlagerfans bedient. „Gerettet“ und „Wenn du willst“ bieten einen schönen Kontrast zu den Rock-Klängen von „Ich atme“, das mit seinen starken Gitarrenriffs auch von einer Band wie Santiano stammen könnte.
Diesen Mann haut so schnell nichts mehr um: Wolfgang Petry hat im Laufe seiner mittlerweile über 40 Jahre anhaltenden Musikerkarriere deutsche Schlager-Geschichte geschrieben und ganz nebenbei noch sämtliche Höhen und Tiefen erlebt, die das wahre Leben für einen waschechten Vollblutkünstler wie ihn bereithält. Die Songs des neuen Albums werden vermutlich nicht in den „ultimativen Hitmix“ eingehen, aber sie beweisen doch, dass Wolfgang Petry kein altes Eisen ist und noch immer was zu sagen hat.
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Eigentlich hätte der musikalische Abgesang von Heinz Georg Kramm – genannt HEINO – schon viel früher kommen können. Seine Hits wie „Blau blüht der Enzian“ und „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ sind Evergreens der Volksmusik- und Schlagerszene. Aus dem urdeutschen Liedgut sind sie nicht wegzudenken. Aber sein Album „Mit freundlichen Grüßen“, das er im Alter von 74 Jahren veröffentlichte, zeigte, dass Heino eben doch noch nicht zum alten Eisen gehörte. Besonders die Coverversion von „Junge“, dem Pubertäts-Hit der Ärzte, konnte ein enormes Airplay einfahren und wurde zum Kulthit. Die ganze CD enthielt Coverversionen deutscher Rock-, Pop- und HipHop-Songs, die so gut ankamen, dass Heino gar beim Wacken Open Air auftreten durfte. Gemeinsam mit Rammstein spielte er „Sonne“, was den Kultcharakter noch weiter anfeuerte.
Jetzt aber wird Heino – am 13. Dezember – 80 Jahre alt und es ist endgültig Zeit, die Gitarre an den Nagel zu hängen. Zum Schluss gibt es aber noch ein taufrisches Doppelalbum, das seine beiden Karrieren zusammenfasst.
Beginnen wir mit CD 2 unter dem Titel „Die Kult-Hits“. Darauf vertreten sind Golden Oldies wie „Sierra Madre Del Sur“ oder „Danke ist mehr als ein Wort“. es gibt Medleys aus Jagd-, Wander- und Fahrtenlieder. Also alles, was das Volksmusik-Herz begehrt. Selbst ein Weihnachtsmedley ist vertreten. Und als letzten Track haut er ein „Und tschüss“-Hit-Medley raus, das Songs enthält, die man aus dem Effeff mitsingen kann – ob man will oder nicht: „Karamba, Karacho, ein Whisky“, „Die schwarze Barbara“ und „Rosamunde“ beispielsweise. Na? Wer hat nen Ohrwurm?
CD 1 hingegen ist die Fortsetzung des modernen Coveralbums. Hier folgt wieder ein Rundumschlag durch deutsche Musikgeschichte: Ob Xavier Naidoos „Dieser Weg“, Klassiker wie „Mackie Messer“ oder „Da Da Da“ von Trio – es ist wieder einmal ein rundum gelungenes Gesamtpaket. Einer der Höhepunkte dem Abschiedsalbum ist ein Duett mit keinem Geringeren als Wolfgang Petry. Mit „Ich atme“ veröffentlichen die beiden Schlagergiganten eine starke Kollaboration.
Die Hits passen einfach zu Heinos sonorem Bass: „Sternenhimmel“, „An Tagen wie diesen“, „Über sieben Brücken musst du gehn“ – das ist ebenso kollektives deutsches Kulturgut wie „La Paloma“ und „Für dich soll’s rote Rosen regnen“, das Hannelore für ihren Mann singt. Und womit keiner gerechnet hätte: Auch Kraftwerks „Das Model“ kann der Meister kongenial verbraten.
Mit seiner unverwechselbaren Baritonstimme, den blonden Haaren und der Sonnenbrille hat Heino schon längst über die Landesgrenzen hinaus Kultstatus erreicht. Er ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Schlager- und Volksmusikstars Deutschlands. Seine Lieder sind unvergessene Klassiker, die man zu jeder Gelegenheit, bei jeder Fete spielen kann. Dieses Album bringt die Karriere zum runden Abschluss – gefolgt von einer letzten Tour im Jahr 2019.
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1992 haben sich Amon Amarth in Stockholm gegründet und entwickelten sich rasend schnell zum Aushängeschild der Melodic-Death-Metal-Szene. Zehn formidable Studioalben hat das Quintett um Johann Hegg, der im cleanen Gesang und in Growls brilliert, inzwischen veröffentlicht. Grund genug also, das Jubiläum gebührend zu feiern.
DVD 1 enthält eine fette Dokumentation, die die Geschichte der Band aus deren eigener Perspektive erzählt. Das Material besteht aus viel Livematerial, Interviews und Einblicken hinter die Kulissen. In 100 Minuten Länge nimmt man sich genügend Zeit, die Erfolgsgeschichte authentisch und mit veritablen Bildern zu erzählen. Zum Glück bleibt es aber nicht dabei, denn wir wissen ja aus Erfahrung, dass man sich eine solche Doku im Normalfall nur einmal anschaut und dann ins Regal stellt.
DVD 2 und die CD enthalten zu meiner Freude einen Mitschnitt des Summer Breeze Festivals 2017, wo Amon Amarth auf der Mainstage spielten. Freunde des Festivals wissen, dass die Band damals einen Doppel-Auftritt hatten und auch die T-Stage stürmten. Leider ist dieser Mitschnitt nur in der großen Box (exklusiv beim EMP) erhältlich. Aber sei’s drum – die furiose Show auf der Mainstage ist definitiv ihr Geld wert und zeigt die Wikinger von ihrer besten Seite. Fast 90 Minuten Konzertlänge mit einer spielfreudigen Band, ausrastenden Fans und einem Shouter, der definitiv das letzte aus sich raus holt.
Der Digipack ist schön aufgemacht und enthält im Innenteil einen fototechnischen Einblick in die geile Feuershow des Festivals. Das Booklet widmet sich unterschiedlichen Bandphasen und hat einige witzige Fotos zu bieten. Alles in allem ein cooler Release, der das bedeutende Jubiläum der Publikumslieblinge gebührend feiert.
Nach dem Megaseller „Oxygène“ war „Equinoxe“ im Dezember 1978 das zweite große instrumentale Konzeptalbum des französischen Künstlers Jean-Michel Jarre. Bestehend aus acht Teilen behandelte es das Leben eines Menschen vom frühen Morgen bis in die Nacht. Der Titel ist das französische Wort für die Tag- und Nachtgleiche. Vom Aufbau her ähnelte das Album dem Vorgänger, war jedoch rhythmischer ausgerichtet. Den Erfolg von „Oxygene“ konnte es nicht wiederholen, doch es bewies zumindest, dass Jean-Michel Jarre kein One-Hit-Wonder war.
Vierzig Jahre später folgt nun mit „Equinoxe Infinity“ die Fortsetzung. Diesmal gibt es keine durchnummerierten Tracks, sondern jedes Musikstück bekommt seinen eigenen Titel. Die Idee hinter „Equinoxe Infinity“ wird stark von der Menschheit getrieben, die neue Technologien wie etwa künstliche Intelligenz einsetzt und was aus der Menschheit wird, wenn sie dies tut. „Die „Watcher“ (die Beobachter) auf dem originalen Equinoxe-Cover haben mich schon immer fasziniert“, sagt Jarre. „Ich dachte darüber nach, was mit diesen Kreaturen in den vier vergangenen Jahrzehnten, geschehen sein könnte. Ich habe mich auch gefragt, was mit ihnen in den nächsten 40 Jahren passieren wird. Ich hatte diesmal schon vor Beginn der Aufnahmen eine Idee für das Artwork. Ich stieß auf einen Künstler namens Filip Hodas auf Instagram und fragte ihn, ob er daran interessiert sei, zwei Coverversionen zu entwerfen, die auf meiner Vision für das Album basieren.“
Natürlich kann man vom Pionier der elektronischen Musik in der heutigen Zeit keine bahnbrechenden Neuerungen mehr erwarten. Dazu ist zu viel passiert und der Einsatz von Synthesizern ist inzwischen ganz normal. Dennoch kann Jarre seine Hörer auch mit der neusten CD einfangen und ein Track wie „Infinity“ entwickelt sich schnell zum Ohrwurm. Dem restlichen Album muss man einfach etwas Zeit geben und einige Hördurchläufe gönnen. Sein Handwerk hat der Meister jedenfalls nicht verlernt.
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Bereits vor einem Jahr erschien eine CD namens „A Love So Beautiful“, auf der Titel von Roy Orbison durch das Royal Philharmonic Orchestra aus London musikalisch neu eingespielt wurden. Darüber die Vocals des 1988 verstorbenen Ausnahmekünstlers aus Tennessee. Titel wie „Oh, Pretty Woman“ und „Only The Lonely“ wurden dort verbraten. Und es hat ganz gut funktioniert. Der Hit-Katalog des Künstlers hat natürlich noch einige Perlen zu bieten – so verwundert es nicht, dass 2018 die zweite Zusammenstellung folgt.
Man mag ja von dieser Wiederverwertung halten, was man will. Hier kann man dem britischen Orchester, das hauptsächlich in der Cadogan Hall firmiert, nur ein Komplement machen: Die sinfonischen Klänge schleichen sie sehr entspannt und unaufdringlich in die Originalsongs. Die Soundqualität ist hervorragend – und es hört sich ehrlich so an, als seien Sänger und Orchester gemeinsam im Studio gewesen. Ein Kompliment an die in Nashville ansässige Firma von Roys Söhnen, die diesen Release zu verantworten hat.
Wie schon der Vorgänger wurde „Unchained Melodies“ von Don Reedman und Nick Patrick produziert. Bei ausgewählten Titeln spielen Roys Söhne zusätzliche Instrument: Wesley (Gitarre), Roy Jr. (Gitarre) und Alex (Schlagzeug). Dabei werden sie teilweise durch den Background-Gesang der „Orbison Women“ begleitet: Wesleys Tochter Emily Orbison (ihr Ehemann Cameron produzierte die Session), Wesleys Verlobte Jennifer Hicks, Roy Juniors Ehefrau Åsa Orbison und Alex‘ Ehefrau Erika Wolf Orbison. So wurde „Unchained Melodies“ zu einer Familienangelegenheit, bei der alle Generationen mitwirken.
Während die erste Folge noch die ganz großen Hits behandelt, gibt es auf „Unchained Melodies“ vor allem die Titel, die sich für eine orchestrale Umsetzung besonders eignen. Und natürlich sind auch dort einige Evergreens dabei. Ich nenne nur „Blue Bayou“ und „The Great Pretender“. Ein besonderer Zeitraum wurde nicht gewählt. Die Titel umfassen die komplette Karriere-Spanne von 1963 bis 1988.
Als Bonus gibt es noch eine alternative Version von „Heartbreak Radio“: Eine virtuelle Zusammenarbeit zwischen Roy und der Country-Sängerin Cam. Die Songwriterin aus Kalifornien schaffte den Durchbruch mit ihrem internationalen Hit „Burning House“, ihrer ersten Platin-Scheibe und Nummer Eins Country-Single, die auch als beste Country Solo Performance für den Grammy-Award nominiert wurde. Auch diese posthume Kollaboration klingt wunderbar.
Was nun folgt? Eine Live-Reise mit Orchester. Die Tour, bei der Orbison als Hologramm auftritt, umfasst insgesamt 25 Konzerte, auf denen man Roys wirkliche Stimme mit einem Live-Orchester untermalt hören kann.