Seit einigen Jahren ist Montez, der Rapper aus Bielefeld mit spanischen Wurzeln, auch im poppigen Mainstream ein Begriff. Nachdem er mit seinem vorletzten Album „Liebe in Gefahr“ aus dem Stand auf Platz 1 und mit seinem Nachfolgealbum „pass auf mein herz auf“ 2024 auf Platz 2 der Charts landete, veröffentlicht der erfolgreiche Sänger und Songwriter mit „So ist das mit dem Glück“ den langersehnten Nachfolger – ein autobiografisches Popalbum, das den Zuhörer auf eine Reise durch Liebe, Verlust, Freundschaft und den staubigen Weg zum eigenen Glück mitnimmt.
Schon der Albumtitel macht klar, das es sehr emotional wird und die melancholischen Elemente eine große Rolle spielen. Montez singt mit smarter Stimme und lässt Einflüsse aus Rap, Afrobeat, urbanem Pop und einer Prise Punk in die Songs einfließen. Dabei kann es wie in dem kurzen Einspieler „Bisschen kaputt“ auch mal optimistisch und ironisch nach vorn gehen.
Die Texte spiegeln intime Alltagsmomente: Kindheitserinnerungen, Freundschaften, familiäre Routen, aber auch die Erkenntnis, dass Wachstum oft mit Wagnis verbunden ist. Musikalisch bleibt Montez seinem prägnanten Pop-Songwriting treu, kombiniert mit eingängigen Hooks, warmen Gitarren-Elementen und reduzierteren Passagen, die den emotionalen Fokus klar ins Zentrum rücken. In „Wenn du mich fragst“ blickt Montez zurück auf seine unbeschwerte und kurze Kindheit. Ein Gedanke, der beim älter werden zwangsweise aufkommt, ob früher alles besser war, in einer Zeit, in der sich gerade alles so schnell verändert.
Und dann natürlich der Signature-Song des Albums: „Glück“. Hier hat Montez den Altmeister Sido mit ins Boot genommen. Gemeinsam reflektieren die beiden über das Glück als flüchtigen Zustand. Trotz Schmerz und Gegenwind bleibt die Frage offen, wie man Glück wirklich festhalten kann. „Für mich eine Frage, die ich mir in den letzten Jahren oft gestellt habe“, sagt Montez. Und die maßgebliche Idee für seinen neuen Album Titel.
Fotocredit: kesterday
Montez hat auf diesem Album seine größte Stärke gefunden: Er macht aus sehr privaten Gefühlen universelle Popsongs. So verarbeitet er gemeinsam mit Chapo102 in „Die falschen geküsst“ auf charmante und witzige Art vergangene Liebesfehler, aber immer mit der Erkenntnis, dass jede Erfahrung zum richtigen Ziel führen kann, so lange man bereit ist zu lernen und offen bleibt. Und dann ist da noch der Track „Panzer“. Ein ergreifender Song über den Verlust eines engen geliebten Menschen und Seelenverwandten, der für immer eine bleibende Spur im Leben hinterlässt.
Unterm Strich zeigt „So ist das mit dem Glück“, warum Montez derzeit zu den spannendsten Vertretern der neuen deutschen Pop-Rap-Generation gehört. Er schafft es, große Gefühle zu vermitteln, ohne dabei ins Kitschige abzurutschen. Das Album ist kurz, direkt und emotional – und gerade deshalb bleibt von ihm mehr hängen als nur ein paar gute Hooks. Montez macht Musik für die Momente, in denen man sich selbst in einem Song wiedererkennt.
Am zweiten Augustwochenende fand die 23. Ausgabe des saarländischen Festivals statt. Neben Dauergästen wie Donots und Frank Turner beehrten auch Electric Callboy, Tokio Hotel, Sido und Peter Fox die Sauwasen bei Püttlingen.
Gefühlt das halbe Saarland inklusive des Umlandes findet sich Anfang August auf den Wiesen rund um den kleinen Ort Köllerbach in der Nähe von Püttlingen ein. Das mag ein wenig übertrieben sein, aber auch 2023 kamen rund 25.000 Menschen zu dem mittlerweile 23. Rocco del Schlacko. Drei Tage lang – von Donnerstag bis Samstag – wird hier auf dem Campingplatz und vor den Bühnen gefeiert. So viel sei vorab schon gesagt: Die Begeisterung für das saarländische Festival scheint auch weiterhin anzuhalten. Die ersten 5000 Tickets für 2024 waren innerhalb kurzer Zeit direkt nach dem Ende des Festivals schon ausverkauft, obwohl noch keine Band für die kommende Ausgabe feststehen.
Fotocredit: Julia Nemesheimer
Allgemein sprechen die Veranstalter von einem gelungenen Festival und auch Polizei und Rettungsdienst hatten überschaubar viel zu tun. Lediglich ein Zwischenfall am Freitag führte zu schwereren Verletzungen: Zwei Männer wurden nach einer Gaskartuschenexplosion auf dem Campingplatz mit Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert.
Abseits dessen steht bei Festivals die Stimmung im Vordergrund. Die Saarländer wissen offenbar zu feiern, denn sowohl während der Konzerte als auch auf dem Zeltplatz war diese ausgelassen. Die Veranstalter setzen dabei seit jeher auf einen ausgewählten Musikmix. Dabei muss sich das Rocco del Schlacko schon seit vielen Jahren nicht hinter anderen Festivals verstecken, denn auch große Namen lassen sich hier blicken.
Electric Callboy – Fotocredit: Julia Nemesheimer
Marteria – Fotocredit: Julia Nemesheimer
Von Metal über Rock und Pop bis hin zu Hip-Hop ist so ziemlich alles vertreten und über den Zeitplan hinweg ebenfalls ordentlich durchmischt. Da folgte dann am Donnerstag auf die Punkrock-Veteranen von Zebrahead harter Metalcore von While She Sleeps aus UK. Das mündete in eine ausgelassene Party der Metal-Trance-Core Combo Electric Callboy aus Castrop-Rauxel. Die Band wird derzeit als eine der angesagtesten Livebands gefeiert, mit ausverkauften Tourneen in Europa sowie demnächst in den USA und Australien. Die Show bietet aber auch alles, was man sich wünschen kann: tanzbare Ohrwurm-Songs mit Mitsing-Charakter, Pyrotechnik und Konfettiregen gepaart mit sympathischen Musikern, die das Publikum voll in der Tasche haben. Kontrastreicher ging der Festivaldonnerstag dann mit Marteria zu Ende, der von vielen Fans ebenfalls ausgiebig und bis kurz vor Mitternacht gefeiert wurde. Wer danach immer noch nicht genug hatte, konnte auf der Ponyhof-Bühne mit Deine Cousine und Me First & the Gimme Gimmes bis tief in die Nacht weiter tanzen.
Fotocredit: Julia Nemesheimer
Das Wetter spielte sowohl am Freitag als auch am Donnerstag ordentlich mit, das Thermometer kletterte insbesondere freitags auf bis zu 30 Grad. Entsprechend staubig war dann auch die Angelegenheit vor den Bühnen: Mit Van Holzen, Rikas und Fjørt hatten drei Bands aus Deutschland zunächst das Vergnügen, auf der Hauptbühne zu spielen und die ersten Gäste zum Tanzen aufzufordern. Ordentlich füllte sich dann der Raum spätestens zum Auftritt von Frank Turner & The Sleeping Souls. Der Brite unterstrich erneut seine Live-Qualitäten und überzeugte das anwesende Publikum mit einer Mischung aus Folk-Punk-Rock, eine gute Stunde lang ausgelassen mit ihm zu feiern und zu tanzen. Dabei handelte es sich nicht um Turners ersten Auftritt beim Rocco del Schlacko, vielmehr ist er ein gern gesehener Gast. Den Gig nutzte er unter anderem, um seine Deutschkenntnisse zu erproben, was ihm sicherlich einige Sympathiepunkte zusätzlich einbrachte. Danach ging es mit Sido und Deutsch-Rap weiter – dabei mag sich das Publikum etwas verändert haben, der Stimmung tat es jedoch keinen Abbruch.
Frank Turner – Fotocredit: Julia Nemesheimer
DONOTS – Fotocredit: Julia Nemesheimer
Nach Sidos Set folgte deutschsprachiger Punk-Rock: Die Broilers aus Düsseldorf hatten den Weg ins Saarland gefunden. Die Band spielt jährlich viele Konzerte vor großem Publikum, etliche sind ausverkauft und auch das Rocco del Schlacko feierte ausgelassen mit. The Subways (ebenfalls Dauergäste beim Rocco) und die Hip-Hop-Band 01099 beschlossen den Freitag dann auf dem Ponyhof.
Broilers – Fotocredit: Julia Nemesheimer
Schon am Vorabend wurde über die Leinwände davor gewarnt, die Zelte und Pavillons entsprechend zu sichern, da für die Nacht Regen und stärkerer Wind angekündigt war. Tatsächlich kam es vor allem auf den Parkplätzen zu schwierigeren Situationen: Der Regen hatte die Erde in jede Menge Schlamm und Matsch verwandelt, viele Fahrzeuge hatten dadurch Probleme, wieder wegzukommen. Für viele war das aber erstmal ein Zukunftsproblem, schließlich stand der letzte Festival-Tag noch bevor. Glück im Unglück: Auf den Campingplätzen hielt sich der Schlamm ebenso wie auf dem Festivalgelände selbst in überschaubarem Ausmaß. Dreckig wurde man zwar, aber Einschränkungen gab es durch den immer wieder tagsüber vereinzelt fallenden Regengüsse keine.
Tokio Hotel – Fotocredit: Julia Nemesheimer
Fotocredit: Julia Nemesheimer
Daher wurde am Samstag fleißig weitergefeiert: Mit Blond und Schmyt sowie einem Highlight aus den frühen 2000er Jahren, Tokio Hotel. Kreischalarm war da immer noch angesagt. Dabei spielte die Band zwar zum Abschluss auch den größten Hit „Durch den Monsun“, legte beim Set jedoch den Fokus auf die neueren, poppig-elektronischeren Lieder. Es folgten: Die Donots als Co-Headliner und mit dem inzwischen neunten Auftritt beim Rocco del Schlacko. Die Band aus Ibbenbüren bezeichnet das saarländische Festival schon als Wohnzimmer und überzeugte auf voller Linie. Die Fans feierten die Band und gaben kurz vor Ende des Wochenendes nochmal alles. Auch alte Bekannte tauchten dabei auf. Der „Erdbeermann“ war schon 2015 einmal auf die Bühne gebeten worden und hatte jetzt sein Comeback. Gemeinsam mit Frontmann Ingo ließ er sich auf einem Sofa durch die Menge tragen und entblößte unter seinem Kostüm nach dem außergewöhnlichen Crowdsurfing mit einem „FCK AfD“-Shirt eine politische Message, der sich auch die Donots sowie das Publikum anschlossen.
DONOTS – Fotocredit: Julia Nemesheimer
Ein Wiedersehen mit den Donots dürfte nach dem Gig jedenfalls auch auf dem Rocco del Schlacko sehr wahrscheinlich sein. Der letzte Headliner war dann Peter Fox, der in diesem Jahr sein Comeback feierte. Auf der Bühne tat er das mitsamt einer ganzen Wagenladung an Fans, die dort mittanzen durften. Über „Goldene Tickets“ wurden noch weitere Menschen aus dem Publikum im Laufe des Sets mit dazugeholt – Musikstars zum Anfassen also.
Peter Fox – Fotocredit: Julia Nemesheimer
Allgemein lässt sich festhalten: Das Saarland bietet mit dem Rocco del Schlacko ein familiäres Festival, bei dem – passend zum kleinsten Bundesland und zumindest ein wenig zum Klischee – gefühlt jeder jeden kennt und sei es über drei Ecken. Gefeiert wird gemeinsam und da ist es dann auch egal ob die Sonne brennt oder der Regen die Sauwasen in Matsch verwandelt.
Die Ausgabe für 2024 ist schon datiert: Das nächste ROCCO DEL SCHLACKO steigt vom 8. bis 10. August 2024. HIER findet ihr Tickets!
Das Rocco del Schlacko Festival 2023 in Püttlingen / Saarland. Seht hier unsere Fotos vom Freitag – Fjørt, Frank Turner & The Sleeping Souls, SIDO und Broilers. Fotos: Julia Nemesheimer.
Auch im August 2023 wird der bunte Festivalwahnsinn wieder im beschaulichen Püttlingen Einzug erhalten! Tausende Rock- und Partyverrückte werden auf den Sauwasen pilgern. Das Line-up hat es auch 2023 wieder in sich. Hier die Infos:
Rocco del Schlacko 2023 10.-12. August 2023 Püttlingen, Saarland
Tickets: www.rocco-del-schlacko.de
*** LINE-UP ***
Donnerstag:
MARTERIA
ELECTRIC CALLBOY
WHILE SHE SLEEPS
ME FIRST & THE GIMME GIMMES
ZEBRAHEAD
DEINE COUSINE
Freitag:
BROILERS
SIDO
FRANK TURNER & THE SLEEPING SOULS
01099
SCHMYT
FJØRT
RIKAS
ENGST
Samstag:
PETER FOX
DONOTS
TOKIO HOTEL
DISARSTAR
KAFFKIEZ
BLOND
FROM FALL TO SPRING
u.v.w.
*** TICKET-INFO ***
Im Vorverkauf für Rocco del Schlacko 2023 sind aktuell
Early Bird Tickets-Tickets für 104,-€ zzgl. Gebühren
SIDO hat in seinen 20 Jahren als Musiker alles erreicht, was man in diesem Land erreichen kann, mehr noch als das. #1-Hits, Platinalben, Preise, Millionen, Ikonenstatus. Vor allem ist er relevant geblieben, bis ins Streamingzeitalter hinein. Weil er diese Superkraft besitzt: in der eigenen Biografie Lieder zu finden, die Millionen von Menschen berühren, als wäre es ihr eigenes Leben, über das da gesungen wird. Das Echte, das uns der HipHop lehrt. Und die Emotionen, die nur ganz große Popsongs auslösen können. Aktuell ist seine neue Single “Sterne” erschienen, die SIDO gemeinsam mit Bozza aufgenommen hat.
Produziert wurde “Sterne” wie alle Songs des Albums von Sidos musikalischem Team um Desue, Yanek Stärk und die Beatgees. Sie alle bringen ihre Referenzen ein – von zeitgeistigem Afro-Shuffle bis hin zu einem prägnanten Vocal-Sample aus den 60ern – und schaffen so einen typischen Sido-Popsong, der sich jeder Zuschreibung entzieht. Manche Dinge sind eben größer als tausend Worte.
Das Album „PAUL“ erscheint am 9. Dezember 2022!
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Gerade erst hat Vanessa Mai mit ihrem Top-3-Album „Mai Tai“ einmal mehr bewiesen, dass sie konsequent ihren eigenen Weg geht und die Erwartungen anderer unbekümmert hinter sich lässt. Stattdessen lebt die 29-Jährige sich mittlerweile in allen erdenklichen Genres und unterschiedlichen musikalischen Richtungen aus. Von Schlager über Pop bis hin zu R&B und darüber hinaus. Mit ihrer neuen Single „Happy End“ zeigt Vanessa Mai einmal mehr ihre Vielseitigkeit – und holt sich kurzerhand Unterstützung von keinem geringeren als Rap-Ikone Sido!
„Happy End“ ist ein Song über das Ende einer Beziehung und die Schwierigkeit, den anderen zu vergessen. Denn alles erinnert einen an diesen einen Menschen, der gerade noch hier war und mit dem man Momente erlebt hat, die zu schön gewesen sind, um wahr zu sein. Fast wie in einem dieser Liebesfilme. Aber jetzt machen die romantischen Streifen es nur noch schlimmer – weil man sich in jeder Szene, jedem Blick und jedem Kuss an den anderen erinnert fühlt und statt schönen Szenen der Zweisamkeit sind da jetzt nur noch schlaflose Nächte und Schmerzen.
Passend dazu rappt Sido sich durch die Filmgeschichte. Von den großen Helden der noch größeren Action-Epen bis hin zu den perfekten Liebhabern aus den rührenden Romcoms und Mr. Big aus „Sex and the City“ oder Harvey Specer aus „Suits“. Aber egal, in welche Rolle Sido auch schlüpft – an ein Happy End ist nicht zu denken. „Beim Schreiben des Songs im Studio mussten wir gleich an Sido denken“, erzählt Vanessa Mai. „Also habe ich ihn sofort angeschrieben, hatte allerdings wenig Hoffnungen, dass er antwortet. Aber genau das hat er dann sofort getan. Für mich ist es eine Ehre, dass er auf mich und meinen Song Bock hat! Ich mag, dass er einfach macht, worauf er Lust hat. Der Moment, als ich ihn zum ersten Mal live auf der Bühne hab performen sehen, war für mich ein prägender.“
„Happy End“ ist ein Pop-Song mit urbanen Einflüssen. Atmosphärische Vocal-Samples treffen auf melancholische Piano-Melodien und Beats und Bässe aus der HipHop-typischen 808. „Als der Song fertig war, meinte Sido zu mir: ‚Ist das überhaupt noch Schlager?‘“, erzählt Vanessa Mai. „Dabei war das gar nicht geplant, es hat sich einfach so ergeben. Ich freue mich, dass die Vision, die mein Team und ich in die Arbeit stecken, jetzt Anerkennung erfährt. Meine Community wächst Tag für Tag, aber auch die Fans, die seit Stunde 0 dabei sind, gehen den Weg mit. Sie erwarten von mir mittlerweile sogar, dass ich mich immer wieder neu ausprobiere und fragen sich, was als Nächstes kommt. Das macht wirklich Spaß. Diese Freiheit in meiner Arbeit und meinem Sein zu haben, sehe ich als Privileg und koste es voll aus!“
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Eine der größten Überraschungen in der vierten Staffel von „Sing meinen Song“ (2017) war sicher Tilmann Otto alias Gentleman mit seiner hinreißenden Interpretation deutschsprachiger Titel von Silbermond und Mark Forster. Natürlich hat er den gewohnten Reggae-Rhythmus mitgenommen, aber die Neuinterpretation mit eigens hinzu komponierte Rap-Passagen war durchaus schlagkräftig. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis sich Gentleman an einem eigenen Album in der Muttersprache versucht. Drei Jahre später ist es nun endlich soweit.
Als international gefeierter Star der Reggae-Szene steht Gentleman auf dem Zenit seiner Karriere und ist durch seine zahlreichen Jamaikaaufenthalte und Kollaborationen mit unterschiedlichsten jamaikanischen Musikern tief verwurzelt in der Kultur der Karibikinsel. Er hat in seiner über 20jährigen Bühnenkarriere schon in etlichen Ländern gespielt und manche Pionierarbeit für sein geliebtes Genre geleistet. Also durchaus mutig, ausgetretene Pfade zu verlassen. „Blaue Stunde“ ist um einiges poplastiger als seine bisherigen Releases. Daran ändern auch Feature-Gäste wie Sido und Ezhel nichts. Es war sicher eine Herausforderung, sich aus der Komfortzone zu bewegen.
Vor allem die Texte wissen zu gefallen und könnten auch zum Konsens bei Deutschpop-Fans führen, die mit den Reggae-Rhythmen nicht unbedingt viel anfangen. Es gibt ein fröhliches „Ahoi“ zum Start aber auch selbstironische Momente wie in „Schöner Tag“. Der Mix zwischen guter Laune und nachdenklichen Klängen („So nah“) funktioniert bestens. Da sind Songs, die ihn beim Pflanzen in seinem Garten oder beim Flussschippern auf einem dunkelblauen Boot verorten – so entspannt wie Peter Fox in seinem „Haus am See“. Und mit „Bei dir sein“ besingt Tilmann sehr berührend seine Gefühle als Vater.
Es tut gut, mal alles zu verstehen, was Gentleman uns erzählen will. Dennoch bleibt der altbekannte Flow erhalten und das Album ist in sich stimmig. Es ist stärker im Mainstream verortet, aber Gentleman vergisst seine Wurzeln in keinem Moment. Selbst ein Autotune-Song wie „Bruder“ wirkt nicht fehl am Platz. Ich muss sagen, dass ich Gentlemans Livekonzerte immer genial fand, aber von seinen Studioalbum oft gelangweilt war. Diesmal ist das nicht der Fall: Der Reggae-Künstler aus Osnabrück hat etwas zu erzählen und man hört ihm gerne zu. Eines der besten deutschsprachigen Alben des Jahres!
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Während Wincent Weiss momentan die großen Arenen in Flammen setzt, geht Mark Forster den umgekehrten Weg. Auf amazon verlost er zum Weihnachtsgeschäft Karten für ein kleines Clubkonzert in der Heimat Kaiserslautern und am 29.11. erschien sein aktuelles Album „Liebe“ neu in der s/w-Version. Will heißen: schwarze und weiße Tasten. Es finden sich alle Songs des Albums inklusive des neuen Titels „Wie früher mal dich“ auf einer Bonus-Disc und die Vocals von Mark werden nur von einem Piano begleitet.
Schon „Comeback“ startet mit Pianoläufen wie ein klassisches Konzert. Dann allerdings wird es verjazzt. Arrangeur Daniel Nitt hat die Songs sehr vielseitig neu gesetzt und doch ihre Energie erhalten. Er hat sie heruntergestrippt auf ihr wahres Wesen, auf ihren melodischen und lyrischen Kern. Bis auf „Genau wie du“, wo Mark selbst in die Tasten greift, sitzt der Arrangeur am Piano. Die Tracks wurden live im kleinen Club „La nouvelle Eve“ in Paris aufgenommen.
Manchmal ist weniger mehr, gerade auch in der Musik. Manchmal strahlen die schönsten Songs ja am hellsten, wenn man sie einfach so aufführt, wie sie entstanden sind; manchmal zeigen sich ihr Wert und ihre Tiefe am klarsten, wenn man sie von allem Zierrat befreit und von allem klanglichen Ornament. Mark zeigt sich auch in den reduzierten Klängen zwischen Jazz und Swing als der ultimative Entertainer, der in Kontakt zum Publikum steht und es zum Mitsingen animiert. Die Arrangements legen den Fokus auf Marks Stimme. „Einmal“ klingt dadurch wunderschön balladesk und der unvermeidliche Einmal-Chorus ist nicht ganz so nervig wie im Original.
Highlights gibt es eine ganze Menge. „194 Länder“ gefällt mir in der schwarzweißen Version ausgesprochen gut. Auch „Danke Danke“ mit Sido als Gast, das emotional erzählende „Nimmerland“ und das sehr persönliche „Genau wie du“. Während „Liebe“ in den originalen Versionen oft überproduziert wirkte und ohnehin erst live seine volle Wirkung entfaltet, erlebt man hier die andere Seite der Songs. Sehr lebendig und emotional. Man muss in Paris nicht dabei gewesen sein, um die Andacht zu spüren, mit der das Publikum die Lieder Mark Forsters dort aufnahm.
Spannend, dass ich mir „Wie früher mal dich“ zuerst als s/w-Version angehört habe und mir gar nicht vorstellen konnte, wie wohl die Studioversion klingt. Diese ist auch sehr pianolastig, aber mit einigen elektronischen Spielereien versehen, die den Song sehr sphärisch klingen lassen. Eine schöne Ergänzung für das „Liebe“-Album. Schade nur, dass der Disney-Eiskönigin-Song „Wo noch niemand war“ nicht ergänzend enthalten ist. Der Grund liegt auf der Hand: andere Plattenfirma.
Jetzt die Gretchenfrage: Album nochmal kaufen, auch wenn man „Liebe“ schon besitzt? Der Mehrwert sind das komplett neue Pianoalbum und ein schöner Extra-Song. Da man in der Vorweihnachtszeit sicher genügend Angebote finden wird, könnte sich das trotzdem lohnen.
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Mit Recht bemängeln viele Fans, dass das nicht mehr „ihr“ Sido ist. Dieser im Mainstream verhaftete Superstar, der von Fernsehsendung zu Fernsehsendung tingelt und neuerdings als Coach bei The Voice of Germany von sich reden macht. Mag sein, dass Paul Hartmut Würdig in der Gesellschaft angekommen ist. Statt Maske nun also öffentliche Statements, die vom breiten Publikum gehört werden. Aber ist das nicht schon länger so? Vielleicht seit er Aggro Berlin verlassen hat, aber spätestens seit er die Maske abgelegt hat und veritable Massenhits wie „Der Himmel soll warten“ (2010), „Bilder im Kopf“ (2012) und „Astronaut“ (2015) schreibt. Das Flirten mit dem Deutschpop gibt es also schon lange – und das neue Album „Ich & keine Maske“ ist die konsequente Weiterentwicklung.
Es ist das achte Soloalbum und sehr persönlich ausgerichtet. „Wie Papa“ richtet sich selbstbeweihräuchernd sowohl an den Nachwuchs als auch an die Mitbewerber in der Rapwelt. Diesbezüglich ist alles beim Alten. „Junge von der Straße“ klingt berührend autobiographisch und beschreibt (vielleicht) den kleinen Paul in seiner Herkunftswelt. In die gleiche Kerbe schlägt „2002“, das einen Blick auf die Zeit vor der Solokarriere wirft.
„Leben vor dem Tod“ und „Beste Zeit“ zeigen die Aufbruchsstimmung der jungen Jahre und „Papu“ ist eine Hommage an den einflussreichen Großvater, der anscheinend eine große Bedeutung für Sido hatte. Nicht rührselig, sondern konsequent ehrlich. Im Hier und Jetzt angekommen dürfen wir auf „Jedes Geheimnis“ die an Sido gerichteten Kinderfragen erleben und ihn als guten Papa bewundern.
Natürlich gibt es massenweise Features: Beka, Monchi, Apache, Samra, Kool Savas, Nico Santos und Casper – um nur einige zu nennen. Der obligatorische Popsong „Pyramiden“, diesmal mit Johannes Oerding an der Melodie, folgt ganz zum Schluss.
Ein starker Beat und perfekter Flow in den Texten machen dieses Album ebenso aus wie die Vorgänger. Hier macht keiner Sido was vor. Er ist allerdings auf einer neuen Stufe angekommen. Schadet ja nichts, wenn die Lyrics neuerdings mehr Sinn haben.
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Nach „Fechnerstraße“ ist auch das zweite Album „Berlin Dakar“ durch und durch autobiographisch. Vermutlich hat Adesse entdeckt, dass es vor allem seine eigene Geschichte ist, die er den Fans gefühlvoll vermitteln kann. So ist „2031“ ein fiktiver Brief an seine Neffen Henry und Benji, den er rückblickend aus dem Jahr 2031 schreibt. Die Aussagen sind sehr bewegend und schon hier wird – wie an vielen Stellen des Albums – der Tod von Adesses Vater thematisiert, der seine Geschichte stark beeinflusst hat.
Der emotionale Titelsong „Dakar“ beschreibt ihn berührenden Worten die Geschichte des Vaters. Gleichzeitig setzt sich Adesse in vielen Songs mit der eigenen Person auseinander. „Für immer jetzt“ spricht vom Leben in der Gegenwart, „Houston“ von der Entfremdung und „Klick“ vom Social Media-Wahn. Für „Strand“ hat Adesse seinen Entdecker Sido mit an Bord. Es ist ein Song über die Unsicherheiten und Ratlosigkeiten einer Person.
Auch „Berlin Dakar“ funktioniert – wie schon das Debütalbum – als eine Art Konzeptwerk, da es inhaltlich sehr geschlossen ist und eine sentimentale Sammlung von Songs darstellt. Der HipHop spielt nur eine Nebenrolle. Vielmehr ist Adesse ein starker Deutschpop-Künstler mit viel Soul und Anleihen von modernem R’n’B. Damit klingt er an vielen Stellen wie Namika mit männlichen Vorzeichen. Ein aufwühlendes Album mit großem Hitpotential.
Bereits vor sechs Jahren gab es mit „#beste“ eine Zusammenstellung von Hits des Rappers Paul Hartmut Würdig, besser bekannt als Sido. Er trägt schon lange keine Maske mehr, hat „Aggro Berlin“ hinter sich gelassen und sonnt sich lieber in der Popularität von Fernsehshows. Auch musikalisch hat sich einiges getan. Die Features mit Pop-Künstlern wie Mark Forster und Andreas Bourani haben Sido tauglich fürs Radio-Massenpublikum gemacht.
Trotzdem ist „Kronjuwelen“ kein seichtes Popalbum geworden, wenn auch die unzähligen Features hier ihren Platz finden. Sido rappt in seinen Songs immer noch wild herum und disst, wie es sich für einen Rapper gehört, unzählige Kollegen. Es ist eine Sammlung der wichtigsten Songs aus Sidos letzten vier Studioalben – jenen Alben also, die seinen Ruf als Buhmann der Szene in einen Legendenstatus verkehrten. Darunter sind Megahits wie „Astronaut“ oder „Bilder im Kopf“, aber auch leise Klassiker wie das identitätsstiftende „Geuner“ oder „30-11-80“.
Hinzu kommen zwei brandneue, bislang unveröffentlichte Songs sowie eine umfassende Sammlung von Sidos Gastparts der letzten Dekade, für Künstler von Falco bis Capital Bra. „4 Uhr Nachts“ mit Haftbefehl und Kool Savas ist einer der beiden neuen Tracks. “Tausend Tattoos”, der andere neue Song, beschreibt die Tinte auf seiner Haut als eine Art unauslöslischen Lebenslauf, mit allen Stationen seiner bewegten Vita.
Die letzten zehn Jahre des Künstlers werden hier auf zwei CDs eindrucksvoll zusammengefasst. Und wenn man das kreative Potential erkennt, das dahinter steckt, macht der Release auch gleichzeitig neugierig auf die nächsten zehn Jahre. Das Kapitel Sido ist vermutlich noch lange nicht zu Ende erzählt.
Die Wuhlheide in Berlin ist schon ein besonderer Konzertort – vor allem wenn man (wie Adel Tawil) in der Hauptstadt geboren und aufgewachsen ist. Man kann verstehen, was es ihm bedeutete, dort einen überragenden Auftritt mit vielen Gästen und Freunden hinzulegen.
Im Juli 2018 war es soweit. Der Mitschnitt hat so viele Hits und Ohrwürmer zu bieten, dass die deutschsprachige Karriere mit Ich + Ich bis hin zum Soloerfolg abgebildet wird. Nur die Boygroup-Phase mit The Boyz lässt er aus.
Das Konzert vor unglaublicher Kulisse startet mit einem Vorspiel durch Kurt Krömer. Anfänglich plätschert das Konzert noch vor sich hin und lebt vor allem durch den selbstbewussten Auftritt von Adel in seiner Heimat. Doch spätestens mit dem Gastauftritt von SDP gerät der Gig in Fahrt.
Die Bilder aus der Wuhlheide sind schon berauschend. Der Sound ist stark und die Tracklist steigert sich im Verlauf des Konzerts. „Du erinnerst mich an Liebe“ im Duett mit Alina ist das erste Highlight. Dann erscheint Sido zum Superhit „Lieder“ auf der Bühne und gemeinsam schmettern die beiden „Bilder im Kopf“ und „Der Himmel soll warten“. Kongenial und gänsehauterzeugend.
Den Abschluss widmet Adel Tawil seinen Hits aus der Ich + Ich Ära: „Stark“, „So soll es bleiben“ und „Vom selben Stern“ beenden ein furioses Konzert. Ganz zum Ende gibt es ein wehmütiges „Erinnern“ und man kann dem Künstler nur zustimmen, wenn er die Textzeile „Halt den Moment einfach fest, damit er dich nicht verlässt“ anstimmt.
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Seine enorme Medienpräsenz, ein Händchen für gute Melodien und das untrügliche Gespür dafür, auch aus belanglosen Songs große Hymen zu machen – das ist es, was Mark Forster ausmacht. Dabei hat er natürlich ganz klein angefangen: als Sidekick von Kurt Krömer, als Publikumsliebling bei SWR 3 (mit dem Song „Auf dem Weg“), im Background von Sido. Inzwischen füllt er selbst die größten Hallen – doch ein Nummer-1-Album blieb ihm bislang verweht. Vielleicht sind die Melodien dann auf das erste Hören doch zu sperrig? Die Single „Einmal“ beispielsweise wird gewohnt hymnisch vorgetragen, aber der leicht hysterisch vorgetragene Chorus kann schon sehr nervig sein.
Der Opener „Comeback“ und der Titelsong „Liebe“ sind groß arrangierte Songs, die live vermutlich gut funktionieren werden, aber einige Hördurchläufe brauchen, um eine gewisse Eingängigkeit zu erreichen. Erstes Highlight ist für mich die Ballade „Was du nicht tust“. Wieder mit ungewöhnlichem Background-Gesang (von einer Kinderstimme), aber sehr melodisch und mit melancholischem Text.
Was schnell spürbar wird: Mark Forster will uns kein homogenes Album abliefern sondern sich stilistisch möglichst weit ausbreiten. „194 Länder“ ist von den rhythmischen und weltmusikalischen Elementen her perfekt auf den Text zugeschnitten, der die global offene Welt mit der einzigen großen Liebe in Verbindung setzt. Bei „Danke Danke“ revanchiert sich Sido für die Kollaborationen der Vergangenheit und „Nimmerland“ bietet ebenfalls sanften Rap, der nicht nur textlich an Cro erinnert.
„Genau wie du“ ist – wenn ich den Text richtig interpretiere – Marks Bruder gewidmet und damit das Pendant zum Song „Nathalie“. Der Sänger hat alle Lyrics selbst verfasst und augenscheinlich viel Autobiographisches mit rein gepackt. Große Poesie sollte man nicht erwarten, aber eine hohe Authentizität ist allemal gegeben.
Das Album bleibt bei mir hinter den hohen Erwartungen zurück, die „Bauch und Kopf“ und vor allem „Tape“ geweckt haben. Mark Forster hat nichts wirklich Neues zu bieten. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Im Prinzip legt er ein weiteres solides Studioalbum vor, das seine Fans begeistern und verdientermaßen viel Airplay bekommen wird. Im Sommer geht es auf Open Air-Tour. Und da werden die Songs beweisen können, wie sie vor der großen Masse bestehen.
Seit es keine neuen Filme der „Bibi & Tina“ Reihe mehr gibt, drohen auch die Hits aus den gleichnamigen Soundtracks in Vergessenheit zu geraten. Okay – nicht überall. Meine zehnjährige Tochter beispielsweise schaut die Filme noch in steter Regelmäßigkeit und so wird im Hause auch weiterhin „Up, up, up – Nobody is Perfect“ geträllert. Zudem gibt es ja die Bühnenshow, die ab 2019 ein weiteres Mal durchs Land tourt.
Lina Larissa-Strahl allerdings, die Schauspielerin aus dem Film und Sängerin der meisten Titel, geht inzwischen ihren eigenen Weg als Popsängerin und macht einen weiten Bogen um den Beginn ihrer Karriere. Man kann es ihr nicht verdenken, will sie doch als LINA bekannt werden und nicht als „die Bibi aus den Filmen“.
Was es in einer solchen Konstellation allerdings wirklich selten gibt: Eine Riege zum Teil ganz junger Popkünstler, zum Teil gestandener Damen und Herren aus dem Showbusiness, hat sich zusammengefunden, um die Songs von Peter Plate und Ulf Leo Sommer neu zu interpretieren. Und das Ergebnis ist eine ganz gelungene Zusammenstellung, die die Filmhits zum neuen Leben erweckt.
Wir hören also, wie die Lochis auf Amadeus und Sabrina reiten, wie Sido ein entspanntes „Omm“ von sich gibt, wie Roland Kaiser von Maite Kelly in die Jugendsprache eingeführt wird und wie alle zusammen ihren Status in „Mädchen gegen Jungs“ verteidigen. LEA verleiht ihre wundervolle Stimme dem Song „Funky Monkey“, Johannes Oerding singt das optimistische „Bester Sommer“ als stamme es schon immer aus seiner Feder und The BossHoss widmen ihre Cowboystiefel wie selbstverständlich diesmal den „Mädchen auf dem Pferd“.
Wenn ihr als Eltern noch Zweifel habt: Seid versichert – es funktioniert! Die Kids sind glücklich, weil sie ihre altbekannten Stücke in neuen Versionen hören dürfen (zum Teil von Lieblingskünstlern wie Lukas Rieger und Matthias Schweighöfer), die Eltern können sich entspannt zurücklehnen und den Stimmen namhafter Popkünstler lauschen. So passt’s. Und wenn es allzu stressig wird, kann man schnell zu Max Raabe skippen: „Viel zu selten gehen wir zelten“. Wundervoll!
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Für die Karriere von Mark Forster hat Trier schon eine besondere Bedeutung. Nicht nur, weil es bis zu seiner Heimat Winnweiler quasi ein Katzensprung ist – er war in seiner inzwischen fünf Jahre andauernden Karriere als Mark Forster (bürgerlich heißt er eigentlich Mark Ćwiertnia) immer auch in Trier am Start. Anfang 2013 spielte er noch vor 250 Leuten in der Tuchfabrik (HIER unser Bericht dazu), ein Jahr später begleitete er Sido auf Tour in der Europahalle (HIER unsere Berichterstattung) und 2016 folgte ein umjubeltes Open Air vor der Porta Nigra (auch dazu HIER ein Bericht).
Es ist wahr: An Mark Forster führt momentan in der deutschen Musikwelt kein Weg vorbei. Mit unglaublicher Leichtigkeit schreitet er von Erfolg zu Erfolg. Seine Hitsingles beherrschen die Charts, alles was er anpackt wird zu Gold (oder Platin). Das konnte man bei „Sing meinen Song“ beobachten, wo er jeder Interpretation neuen Drive mitgab und sie hymnisch verfeinerte, und auch „The Voice of Germany“ trägt zu ständiger Medienpräsenz bei. Dabei scheint der sympathische Kerl nicht abzuheben, wie auch sein bisher größter Auftritt in Trier – diesmal in der ausverkauften Arena – zeigte.
Die Show war atemberaubend. Und doch stand da der unscheinbare Mark mit Kappe, dem man so auch in der Eisdiele nebenan begegnen könnte. Was dann groß aufgefahren wurde, spielte sich vor, hinter und neben ihm ab: Bläsertrio, formidable Rockband, riesige LCD-Leinwände, Pyroshow. Er selbst zeigte alle Facetten von a-cappella-Gesang über Solo-Gitarre hin zu Akustik-Set und bombastischer Rockshow voller Feuer, Konfetti und Lametta.
Alles startete noch ganz harmlos. Einige Videoaufnahmen auf großer Leinwand, der Vorhang fiel und Mark legte pünktlich um 20 Uhr los mich seichten, trotzdem aber sehr intelligenten Poptiteln wie „Sowieso“, „Was Ernstes“, „Für immer Forever“, „Weiter (Right Now)“ und „Immer immer gleich“. Da wurde schon klar, dass es keine Lückenfüller geben wird. Er kann aus jedem Song einen Hit machen, allein durch seine Art der Interpretation und die unfassbare Bühnenpräsenz.
Hymnischer wurde es mit dem ersten großen Hit „Flash mich“, doch davon abgesehen blieb Mark zunächst im Balladenblock, spielte „Natalie“ für seine Schwester und hatte dafür auch wieder eine kuriose Familiengeschichte mitgebracht. „Königin Schwermut“, „Flüsterton“ – was für wundervolle Songs! Die Fans hatten die Möglichkeit, Selfies von sich einzusenden, die nun auf Leinwand gezeigt wurde. Allerdings wurde der Song „Selfie“ gar nicht gespielt, ebenso wenig wie der Hit „Einer dieser Steine“ und das schöne „Spul zurück“. Allein an den Titeln, die Forster inzwischen nach drei Studioalben weg lassen muss, zeigt sich die Hitdichte seiner Konzerte.
Stattdessen gab es dann Mark allein an der Gitarre und er holte sich Amanda mit auf die Bühne. Diese nannte sich früher She-Raw und sang Backings bei Sido. Ihr aktuelles Album hat sie gemeinsam mit Mark Forster geschrieben und davon gab es den Titel „Blau“. Amanda glänzte mit starker Soulstimme und harmonierte hervorragend mit Mark. Es blieb nicht bei diesem Zwischengeplänkel: Ein Teil der Band kam hinzu und es entwickelte sich ein entspannter Akustik-Set aus „Schöner Scherbenhaufen“, „Zu dir (weit weg)“ und dem ganz neuen Singlehit „Kogong“. Als Referenz an seine Mitwirkung bei „Sing meinen Song“ schaltete Mark live zum neuen Kumpel Gentleman und kündigte „Ich trink auf dich“ in einer Reggae-Version an. Damit war das Publikum dann genug runtergekühlt und es konnte in Sachen Finale und Hitdichte ganz groß weitergehen.
„Auf dem Weg“ war Marks erster Hit und wurde hier instrumental mit Klängen aus Ed Sheerans „Shape Of You“ versetzt. Passte sehr gut! Es folgten die Hymen „Au revoir“ und „Wir sind groß“. Im Zugabenblock gab es „Willkommen zurück“, „Chöre“ für ein äußerst singfreudiges Publikum und nach über zwei Stunden ganz zum Abschluss „Bauch und Kopf“, das zunächst a cappella startete und sich dann immer weiter steigerte. Was Mark hier alles aufgefahren hatte, war unfassbar. Von umherfliegenden Bällen, Konfetti aus allen Ecken, riesiger Pyroshow bis hin zu Musikern an der Grenze der Belastbarkeit.
Stellt sich zum Abschluss nur eine Frage: Wo soll Mark Forster beim nächsten Trier-Auftritt spielen? Dann wird vermutlich auch die Arena zu klein sein.
Da haben sich zwei der einflussreichsten Rapper Deutschlands zusammen getan, um den Laden mal so richtig aufzumischen: Kool Savas aus Aachen und Sido aus Berlin. Regional gesehen nicht gerade um die Ecke, aber musikalisch passt es bei den beiden. Und beide Karrieren starteten in Berlin.
Der Name fürs Album war schnell gefunden: 1998 fanden sich die besten Berliner MCs zum ersten Mal in der Kneipe Royal Bunker zu Open Mic Sessions zusammen. Savas und Sido machten hier ihre ersten Schritte und veröffentlichten ihre ersten Tapes. Roh, direkt, hart, ehrlich und intelligent. Heute ist Deutschrap ohne die beiden undenkbar.
Nach den Mainstream-Ausflügen der beiden (man denke an Sidos Pop-Alben und die Erfolgssingle mit Andreas Bourani, ebenso wie an die Kollaboration von Savas mit Xavier Naidoo) ist es ein klarer Ausflug zu den eigenen Wurzeln. Und auch textlich wird deutlich auf alte Zeiten Bezug genommen. Das dabei mal wieder maßlos übertrieben wird („Zwei der Besten, die es je taten“, „Die Erfüllung deiner Träume wie ein Flaschengeist“) – geschenkt.
Auf jeden Fall ergänzen die beiden sich perfekt und nehmen sich nicht die Butter vom Brot. Manchmal dominiert Sido, manchmal Savas. Alles sehr ausgereift. Titel wie „Jedes Wort ist Gold wert“, „Keene Probleme“ und „Meine Pflicht“ starten kräftig durch. Für „Normale Leute“ schaut sogar Marteria kurz um die Ecke – neben weiteren Features von Lakman und Niko Santos.
Während Savas mehr der Techniker ist und Sido die Geschichten erzählt, ist das Zusammenwirken der beiden einfach ganz großes Kino. Darauf haben ihre Fans lange gewartet. Auch live kann man das in Kürze genießen:
Es gibt genug Gründe zu feiern: Seit 20 Jahren sind Vincent und Dag beste Freunde, vor 10 Jahren waren sie als erste deutsche Band auf YouTube und heute greifen sie als die bekannteste unbekannte Band der Welt nach der bunten Seite der Macht.
Alben von SDP hatten schon immer eine besondere Note. Ihre Leichtigkeit und Unbekümmertheit führte zu unsterblichen Albumtiteln wie „Zurück in die Zukunst“ und „Bunte Rapublik Deutschpunk“, versehen mit einem Reigen fröhlicher Ohrwürmer.
Markenzeichen sind inzwischen die lustigen Einspieler, mit denen man sich gern selbst auf die Schippe nimmt, und das Hörspiel zum Schluss des Albums. Diese Elemente sind gut durchproduziert und stören den Fluss der CD keineswegs, trotzdem sind natürlich die Songs wichtig. Und auch diese bestechen mit nicht gerade politisch korrektem Wortwitz.
Da wäre zum Beispiel „Ja ja“, das LMAA der Neuzeit. Und natürlich der mit Sido aufgenommene Titel „Bullen, Schweine“, der sich explizit der Tier-Allergie des Ich-Erzählers widmet. Selbst „Pferdeschwanz“ dürfte pubertierende Teenies zum verschämten Kichern bringen. Da wären wir schon bei der Zielgruppe: Auch wenn Nerds und Fun-Rapper sich an den Texten erfreuen, ist das kunterbunte Album doch auf ein junges Publikum angelegt. Und das wird vermutlich erreicht.
Was als Spaß zweier junger Musiker und Freunde im Jahr 1996 begann, ist inzwischen Festival-Headliner-Material. Rock am Ring, Rock im Park, Hurricane, Southside und so ziemlich jedes andere große Festival bespielen SDP heute auf der Main Stage, wo sie die Massen zum Kochen, Mitsingen und Pogen bringen wie auf einem astreinen Rockkonzert.
Mit „Die bunte Seite der Macht“ setzen SDP den Erfolg der letzten Jahre und ihre Live-Erfahrungen perfekt in frische, neue musikalische Abenteuer um. Die Vielseitigkeit auf der neuen Platte ist wieder außergewöhnlich und unvergleichlich. Schließlich wird SDP gerade wegen dieser Vielfältigkeit, die niemals ins Beliebige abdriftet, bereits mit den Ärzten verglichen. Die andere Gabe der beiden Musikautodidakten, neben ihren eingängigen Partytexten, ist ein feines Gespür für gesellschaftlich relevante Themen. Manchmal satirisch, manchmal charmant, manchmal unverschämt deutlich, sprechen SDP Probleme an, die jeden Einzelnen oder ganze Gemeinschaften betreffen.
„Die bunte Seite der Macht“ funktioniert auf all diesen Ebenen – und das Zuhören macht zumindest so lange Spaß, bis man sich an den Hörspiel-Schnipseln satt gehört hat und immer häufiger nach der Skip-Taste greift.
Adesse erlebte ich erstmals auf der Sido-Tour 2015. Er war zuständig für die melodischen Passagen, die an anderen Stellen Mark Forster oder Andreas Bourani übernehmen. Klappte sehr gut und machte Lust auf mehr. Sido hat es sich wohl ohnehin auf die Fahne geschrieben, aktuell als Mentor und Förderer von Adesse aufzutreten. Beim Song „Männer weinen nicht“ ist er als Feature vertreten. Der Song steht den beiden sehr gut.
Daneben haben es mir Titel wie „Ich bleibe“ angetan. Ein Beziehungssong der etwas anderen Art, der eigentlich eine bisherige Beziehungsunfähigkeit beschreibt, die sich an einem Punkt in eine dauerhafte Zweisamkeit gedreht hat. Stimmige Story, Ohrwurm-Refrain, eingängige Melodie. Da stimmt einfach alles.
Adesse wurde 1987 in Berlin-Zehlendorf geboren. Er stand vor dem Punkt, Profifußballer zu werden, entschied sich aber für die Musik. Das Debütalbum trägt den Titel „Fechnerstraße“. „Das ist die Straße, in der ich aufgewachsen bin und in der meine Mutter heute noch wohnt“, erklärt Adesse. „Der Kiez und die Straße waren in der Kindheit und Jugend meine Welt: der Bolzplatz, der Kiosk, an dem ich meine Fußballsticker und Süßes gekauft habe, die Schule und die Nachbarschaft, in der einige meiner Jungs, mit denen ich noch heute sehr eng befreundet bin, gewohnt haben. Die Straße hat mich zusammen mit ganz West-Berlin zu dem gemacht, der ich heute bin.“
Wie bei einem guten Konzeptalbum rahmt Adesse sein Album mit zwei Stücken ein, wobei sich das „Intro“ der Fechnerstraße und das „Outro“ seiner Mutter widmet. Dazwischen liegen viele biographisch angehauchte Songs. „Anruf 333“, „Chaos“, „Sekundenkleber“ – eine Menge Songs, die sich mit dem täglichen Beziehungsgeflecht und seinem Scheitern beschäftigen. Die Lyrics sind intim und eindringlich.
Adesse singt mit souliger Stimme. Ohne echte HipHop-Einlagen, aber von einem stetigen Beat unterlegt, der die balladesken Melodien aus der Masse heraus hebt. Songs wie „Luft holen“, „Sorry“ und „Wasserfarben“ sind sehr behutsam arrangiert und gehen auf Anhieb ins Ohr. So funktioniert deutscher R&B. Bleibt zu hoffen, dass man noch viel von Adesse hören wird.
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Die Hallen werden größer! Nachdem ich Sido im vergangenen Jahr noch in der Trierer Europahalle erleben durfte, musste es für die „Liebe live“ Tour schon die Saarlandhalle Saarbrücken sein. Und da geht noch mehr – in Kürze stehen auch SAP und Lanxess Arena auf dem Programm. Paul Hartmut Würdig schafft den Balanceakt, ein etablierter Künstler zu sein, der bereits ein MTV unplugged hinter sich hat, als Juror bei diversen Castingshows in Österreich zu sehen war, inzwischen verheiratet ist und eine Familie hat. Zugleich bietet er aber eine gigantische HipHop-Show, die diesen Namen auch verdient.
Die Massen strömten in die Saarlandhalle. Immerhin ist Sido seit Jahren in aller Munde, sei es durch seinen großen Soloerfolg „Bilder im Kopf“, die Kollaboration mit Mark Forster „Au Revoir“ sowie natürlich die aktuelle und zugleich erste Nummer-1-Single „Astronaut“ featuring Andreas Bourani. Diese melodischen Hits haben sein Publikum stark erweitert und man sah neben gestandenen Rappern auch viel Jungvolk und weibliche Wesen.
Die Bühne war gigantisch aufgebaut für die fast zweistündige Show – mit riesigen LCD Wänden und einem Laufsteg, auf dem Sido sich oberhalb der beiden DJ-Pulte bewegen konnte. Zudem war genügend Platz für eine Legion an Gaststars, seien es Lokalmatadoren oder Langzeitfreunde wie B-Tight und Adesse. Allerdings fehlten die ganz großen Namen (Forster, Tawil & Bourani), die sich vielleicht höchstens mal zu einem One-off-Gig nach Berlin verirren, nicht aber ins tiefe Saarland.
Egal, es wurde genug für Freunde aller Stilrichtungen geboten. Sido spielte viel vom neuen Album, vergaß aber auch Klassiker wie „Mein Block“, „Meine Jordans“ und den vom Publikum lautstark geforderten „Arschfick Song“ nicht. Die Bässe hämmerten, es gab nette Filmchen als Einspieler, eine stimmige Lightshow und dem HipHop-affinen Publikum wurde ordentlich eingeheizt.
Für die ruhigen Songs wurden auch akustische Instrumente eingefahren. Piano und Gitarren auf der Bühne darf es heutzutage auch beim Aggro-Rapper geben. Da lagen dann eher meine Highlights: „Der Himmel soll warten“ und „Astronaut“ mit einem bewegenden „Refugees Welcome“-Intro. Sido versteht sich inzwischen als Mann der großen Gesten und kann ein Publikum lange bei der Stange halten. Jägermeister-Witze inklusive.
Als die Tour verschoben wurde, konnte man Bedenken haben, ob das „Liebe live“ Konzept eventuell zu groß angelegt war. Aber im Gegenteil. Mit dem Album „VI“ und der Nummer-1-Single hat Sido jetzt genau den Rückenwind, den er für eine solche Produktion braucht. Saarbrooklyn hat gebebt – das wird auch in anderen deutschen Städten funktionieren.
Setlist SIDO – „Liebe live“, Saarbrücken, 5.11.2015