Dreißig Jahre lang war es nur als illegaler Bootleg unter der Hand zu haben, bis es 2003 auch offiziell veröffentlicht wurde und gleich den Spitzenplatz der Billboard Charts einnahm. Das Live-Album „How The West Was Won“ mit Live-Aufnahmen aus dem Jahr 1972 gibt es nun als upgedatete Version, die unter der Regie von Jimmy Page völlig neu remastert wurde. Es erschien am 23. März 2018 als erster Vorbote zum 50. Jubiläumsjahr der Gründung von Led Zeppelin im Jahr 1968.
„How The West Was Won“ vereinigt die besten Performances aus den legendären Led Zeppelin-Konzerten vom 25. und 27. Juni 1972 im Los Angeles Forum und der Long Beach Arena. Zusammengeschnitten und mit einer Songreihenfolge wie ein zusammenhängendes Konzert, präsentiert die 3-CD/4-LP-Kollektion die beste Rockband der Welt auf der Höhe ihrer kreativen Kraft. Highlights der Aufnahmen sind unter anderem ein Gänsehaut erzeugendes „Stairway To Heaven“, eine über 25 Minuten lange Version von „Dazed And Confused“ und ein 21-minütiges Medley auf der Grundlage von „Whole Lotta Love“. Led Zeppelin stellten damals zudem einige Songs aus dem damals noch unveröffentlichten Album „Houses Of The Holy“ vor, das erst neun Monate später erschien.
Die atmosphärische Liveaufnahme wurde grandios remastert und kommt mit einem klasse Sound, dem man seine 45 Jährchen keineswegs anhört. Led Zeppelin wirken auf diesem Release absolut glanzvoll und geben einen Eindruck von ihrer Größe Anfang der 70er Jahre. Die Aufmachung im Digipack ist schön gestaltet. Nur blöd, dass das Booklet lose dazwischen liegt und es keine Möglichkeit gibt, dieses Kleinod mit vielen aussagekräftigen Fotos im Hochglanzdruck ordentlich irgendwo einzustecken. Ich nenn das mal: Jammern auf hohem Niveau.
„Golden“ ist Kylie Minogues erstes Studioalbum seit vier Jahren und das insgesamt vierzehnte in ihrer bahnbrechenden Karriere. Es klingt anders. Nicht so glamourös wie die Pop-Alben der frühen 2000er Jahre. Und es macht Sinn, dass sich die Australierin so viel Zeit gelassen hat, um das Werk auf den Markt zu bringen.
Die CD wurde hauptsächlich in Nashville aufgenommen, was automatisch Einfluss auf den neuen Sound nahm. Natürlich eingebettet in dem typischen Superlativ-Pop der Sängerin, für die die Reise in die Stadt eine Premiere war: „Wir haben definitiv ein Stück Nashville mit uns zurückgebracht“, sagt die begeisterte Kylie. „Wir fanden einen Weg, einen Hybrid aus Country und dem zu machen, was ich meinen ‚normalen Sound‘ nenne. Es musste poppig genug und für mich authentisch sein, doch auch Country genug, um einen neuen Sound zu schaffen.“
Ob das funktioniert? Einen ganz neuen Weg einzuschlagen und sich dabei trotzdem musikalisch treu zu bleiben? Kylie hat es mit Bravour geschafft. Womit man allerdings leben muss, ist die Tatsache, dass das Album sehr balladenlastig ist. Wer bisher ohnehin auf ihre ruhigen Songs stand, wird damit vollauf zufrieden sein.
Die Single „Dancing“ beispielsweise vermittelt ein optimistisches Lebensgefühl mit Country-Gitarre und mitreißendem Klatsch-Rhythmus. Ein schöner Einstieg in ein sehr abwechslungsreiches Album. Elektronische Elemente sind zwar vorhanden, nehmen aber viel weniger Raum ein als bei ihren letzten Releases. Stattdessen gibt es atmosphärische Songs und biographische Einflüsse. „Sincerely Yours“, „A Lifetime To Repair“, Music’s Too Sad Without You“ und „One Last Kiss“ klingen sehr persönlich.
Mit fast 50 sein eigenes Ding zu machen und nicht mehr nur Chart-Trends hinterher zu laufen war für Kylie der richtige Weg: „Auf diesem Album hört man zum ersten Mal auch so richtig meine Gesangsstimme,“gibt sie zu. „Erstmalig hatte mich damals Nick Cave bei ‚Where the wild roses grow‘ dazu animiert. Ohne meine bisherigen Songs schlecht reden zu wollen, wurde hier irgendwie immer versucht eine perfekte Studiostimme zu erschaffen. Das haben wir bei ‚Golden‘ bewusst anders gemacht. Die meisten Songs waren mit wenigen Takes im Kasten. Es ging diesmal mehr um den Inhalt und das war sehr befreiend für mich als Künstlerin.“
Echte Ohrwürmer haben sich bei mir bisher noch nicht durchgesetzt, aber es ist ein gutes Zeichen, dass das Album in seiner Gesamtheit gut funktioniert. Ende Mai wird die Künstlerin 50 und dabei doch ewig jung bleiben. So bricht das „goldene“ Zeitalter im richtigen Moment an.
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Bis 1980 war Ken Hensley treibende Kraft von Uriah Heep. Und trotz seines frühen Ausscheidens hat der Keyboarder die Band entscheidend geprägt. Danach war er als Solokünstler und in verschiedenen Bandprojekten aktiv. So kann der im Südwesten Londons geborene Musiker auf eine inzwischen mehr als fünf Jahrzehnte dauernde Karriere zurück blicken. Er hat den Sound diverser Genre-Bands geprägt und es verwundert nicht, dass sein Name immer wieder auftaucht.
„Rare & Timeless“ ist ein Album mit selbst zusammen gestellten Soloaufnahmen. Titel wie „Mine“, „The Longest Night“ und „Epilogue“ wurden für diesen Sampler neu aufgenommen. Auch „Lady In Black“ wurde neu interpretiert, klingt aber echt gewöhnungsbedürftig. Manche Tracks sind seltene Raritäten wie der ursprüngliche „Russian Release“ von „Free Me“ und das schwer zu findende „I close My Eyes“. Hinzu kommen mit „Send Me An Angel“ und „The Last Dance“ zwei komplett neue Songs.
Cover und Booklet sind sehr gelungen. Vor allem die Zeichnung des mit der Sanduhr spielenden Ken gefällt mir sehr gut. Und im Booklet finden sich umfangreiche Liner Notes aus seiner Feder, in denen er darlegt, warum die enthaltenen Songs die persönlichen Favoriten aus seiner langen Karriere sind.
70 Jahre alt war Nina Simone als sie im Jahr 2003 in Frankreich starb. Unter den großen afroamerikanischen Sängerinnen des 20. Jahrhunderts wie Bessie Smith, Billie Holiday, Mahalia Jackson, Ella Fitzgerald, Dinah Washington und Aretha Franklin nahm sie durch ihr politisches Engagement immer eine Sonderstellung ein. Sie, die mit bürgerlichem Namen Eunice Kathleen Waymon hieß, war eine unermüdliche Botschafterin der US-Bürgerrechtsbewegung und des Black-Power-Movements, für welche sie sich von den späten 1950ern bis zu den 1970er Jahren engagierte.
Einem größeren Publikum bekannt wurde sie vor allem durch ihren Song „My Baby Just Cares for Me“. 1987 wurde dieser 30 Jahre nach seiner Entstehung dank eines Chanel-Werbespots zum Welthit. Der „Rolling Stone“ sah sie im Jahr 2008 auf Platz 28 der „100 besten Sänger aller Zeiten“. Die Diskographie umfasst unzählige Live- und Studioalben. Sie sang Afro-Pop und Weltmusik, war in vielen Genres zuhause.
Das Album „Mood Indigo“ mit 14 Titeln bietet die legendären frühen Aufnahmen der Künstlerin unter anderem mit dem Klassiker „My Baby Just Cares For Me“ oder auch „Porgy (I Loves You Porgy)“, „Love Me Or Leave Me“ und den Titelsong. Insgesamt gibt es sieben rare Singleversionen sowie einen alternativen Mix von „He’s Got The Whole World In His Hands“, das heute noch zu den beliebtesten Kirchenliedern zählt.
„Mood Indigo“ gibt einen guten Eindruck davon, wie diese starke Frau zu einer der besten und beliebtesten Sängerinnen des vergangenen Jahrhunderts werden konnte. Das Album enthält ein 24-seitiges Booklet mit Liner Notes von Ashley Kahn und einem Interview mit Nina Simones Wegbegleiter, dem Jazzschlagzeuger Al “Tootie” Heath. Ein schönes Werk für Jazz-Nostalgiker und Freunde fantastischer Stimmen.
Wer hätte gedacht, dass es nochmal ein Album der Simple Minds geben wird, das mich so begeistert wie Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre. Versuche und Hoffnungen gab es viele, doch der Funke wollte einfach nicht mehr überspringen. Selbst live konzentrierte man sich voll auf die 80er Jahre – und das ist schon ein Armutszeugnis, wenn doch laufend Studioalben mit neuen Songs erscheinen. So hätte auch die Acoustic Tour ein Reinfall werden können. War es aber nicht! Plötzlich war der alte Spirit wieder da und die dazugehörigen Alben als Studio-Neueinspielungen und im Live-Format brachten den Fans „ihre“ Band wieder näher.
Kann man das noch toppen? Oh ja. Die neue Single „Magic“ gab die Richtung vor. Mit der Rock-Hymne „Magic“ veröffentlichte die Truppe aus Glasgow einen vor Selbstvertrauen und Glaube nur so strotzenden Ohrwurm. Mit seinen treibenden Drums und dem unverwechselbaren Gitarrenspiel von Charlie Burchill besitzt „Magic“ sämtliche Hitqualitäten, die aus einem guten Song erst einen waschechten Simple Minds-Klassiker machen. „Es ist großartig, an verschiedenen Projekten zu arbeiten.“, sagte Charlie Burchill dazu. „Die Akustiktour beeinflusste den Schaffensprozess von ‚Walk Between Worlds‘ maßgeblich. Als wir ins Studio zurückgekehrt waren, hatten wir die Liveperformances noch im Kopf. Beide Projekte sind so unterschiedlich, aber gingen dennoch Hand in Hand ineinander über.“
Das Album enthält acht Songs und ist in zwei eindeutige Seiten aufgeteilt: die erste widmet sich mit „Summer“ und „The Signal And The Noise“ mehr den glasklaren Gitarren und den New Wave Grooves der Post Punk-Ära. Die zweite klingt mit dem Titeltrack und „Barrowland Star“ wie ein Filmsoundtrack. Mein Highlight ist aber das epische „Sense Of Discovery“, das wirklich unter die Haut geht. Bleibt zu hoffen, dass auf der anstehenden Tour auch die neuen Songs gespielt werden. Nur so kann das Wandeln zwischen den Welten gelingen.
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Da fehlt doch was, wenn es zur Weihnachtszeit kein neues Adoro-Album gibt. Und tatsächlich war das 2016 der Fall, denn seit „Lichtblicke“ sind schon zwei Jahre vergangen. Jetzt aber ist die Welt wieder in Ordnung und mit „Irgendwo auf der Welt“ erscheint ein neues Cover-Album des Quartetts.
Schon mit ihrem Debütalbum „Adoro“ schossen die damals noch fünf Sänger auf einen sensationellen 1. Platz der deutschen Charts und erhielten nur wenig später ihre erste Doppelplatin-Auszeichnung. Seitdem hält der Erfolg ungebrochen fort, auch nachdem Star-Tenor Laszlo Maleczky ausgestiegen ist.
Mit ihrem neuen Album setzen Peter Dasch (Bassbariton), Nico Müller (Bariton), Jandy Ganguly (Bariton) und Assaf Kacholi (Tenor) heute da an, wo das außergewöhnliche Projekt mit seinem letzten Werk aufgehört hat. Wer einmal einen Titel von Adoro gehört hat, weiß, wie es funktioniert: Opulente orchestrale Arrangements liefern die Basis für die neu eingesungenen Stücke, die man in der Regel allesamt mitsingen kann, da es sich um Chartstürmer handelt.
Die Opernsänger geben sich stimmlich die Klinke in die Hand. Will heißen: Man teilt sich die Lyrics häufig auf. Leider verzichtet man damit meist auch auf Mehrstimmigkeit, was ich schade finde, denn das Potential für eine polyphone Umsetzung ist hervorragend. Die Sänger lassen auch nicht das typische Operngehabe mit Vibrato und pipapo raushängen, sondern singen klar und mit sanfter Schönheit.
Das funktioniert bei vielen Songs: Die Melancholie von Adel Tawils „Ist da jemand“ wird mit unter die Haut gehender Emotionalität neu gedeutet, während die Intensität des Wahrhaftigen in Philipp Poisels „Ich will nur“ der vermeintlichen Coolness den Rang abläuft. Das Versprechen, den liebgewonnen Menschen durch stürmische Zeiten zu tragen, wird in der vierstimmigen Adoro-Version von Matthias Schweighöfers „Durch den Sturm“ zur schönen Gewissheit. Von Akustikgitarre, Kontrabass und sorgsam dosierten Streichern getragen, offenbaren Adoro in Laith Al-Deens „Alles an dir“ einmal mehr ihr immenses, kollektives Sängertalent. Beim Heinz Rudolf Kunze Klassiker „Dein ist mein ganzes Herz“ haben sich Adoro Unterstützung von keiner Geringeren als Helene Fischer geholt. Und das orchestrale Arrangement ist hier erinfach groß!
Dass die orchestralen Arrangements viel Schmalz in sich tragen – geschenkt. Es geht um Ruhe und Besinnlichkeit. Das schaffen die vier aus dem Handgelenk. Und diesmal gibt es neben den Popklassikern auch eine Erweiterung des Repertoires in Richtung Weihnachtssongs: „Leise rieselt der Schnee“, „Still, still, still“ und „Stille Nacht“ geben schon in ihren jeweiligen Titeln vor, warum sich Adoros Weihnachtsliedrepertoire wunderbar ins Gefüge von „Irgendwo auf der Welt“ einbetten ließ. Auch sie feiern die Ruhe, die Zeit der inneren Einkehr und das Loslassen von der Geschäftigkeit.
Alle Jahre wieder erscheint das Adoro-Album kurz vor Weihnachten. Über den Sinn der Neuinterpretationen lässt sich streiten. Einen Zweck können sie zumindest erfüllen: Es ist ein Weg, Klassikliebhaber in eine neue musikalische Richtung zu führen. Enkel legen es den Großeltern auf den Gabentisch – und wahrscheinlich auch umgekehrt. Eine gute Gelegenheit, anlässlich des Friedensfestes eventuell einen musikalischen Konsens zu finden. Adoro unterm Weihnachtsbaum können definitiv zum familiären Frieden beitragen oder zumindest eine spannende Diskussionsgrundlage schaffen.
Ende 2016 erschien Katie Meluas Album „In Winter“, das sie gemeinsam mit dem Gori Women’s Choir aus Georgien aufgenommen hatte und mit dem sie anschließend erfolgreich durch Europa tourte. Ein Jahr später gibt es passend zum nächsten Winter nun eine Special Edition mit zusätzlichen Live-Aufnahmen von einem Konzert im Berliner Admiralspalast.
Die 10 Originalsongs von „In Winter“ sind teils Eigenkompositionen, teils traditionelle Stücke aus dem osteuropäischen Raum. Letztere haben einen besonderen Reiz, da sie größtenteils durch den Frauenchor interpretiert werden und Katie Melua nur stellenweise als Solistin oder begleitend an der Gitarre in Erscheinung tritt. Allerdings sind die Harmonien und Rhythmen für westeuropäische Ohren eher ungewohnt, so dass man sich in Titel wie das ukrainische „The Little Swallow“ oder den rumänischen „Cradle Song“ erstmal einhören muss. Die Eigenkompositionen wie „River”, „A Time To Buy” oder „Dreams on Fire” sind alle ziemlich ruhig und melancholisch, mehr noch, als man es von Katie Melua ohnehin gewohnt ist. Den Abschluss des Albums macht das englische Traditional „Holy Night“ in einer ganz eigenen und sehr stimmungsvollen Interpretation.
Auf der Live-CD finden sich 17 Titel und ein Bonustrack. Alle 10 Stücke des Originalalbums „In Winter“ sind in Live-Versionen zu hören, außerdem einige von Katie Meluas eigenen Hits und wunderbaren Coverversionen. „Belfast“ ist mit dabei, „Nine Million Bicycles“ und „I Cried for You“. Leider singt der Frauenchor nur bei „Closest Thing To Crazy“ mit – hier hätte ich mir ein wenig mehr Beteiligung gewünscht, gerne z.B. in „Bridge Over Troubled Water“. Ansonsten gibt diese CD aber gut die Stimmung eines sehr atmosphärischen winterlichen Konzertes wieder, durch das Katie Melua mit ihrem warmen Gesang und die georgischen Frauen mit ihrem schönen Chorklang tragen. Eine wunderbaren Abschluss macht der Bonustrack „Fields of Gold“.
Für die hoffentlich auch vorhandenen besinnlichen Stunden der Adventszeit, zwischen den Feiertagen und im neuen Jahr bietet diese Special Edition von „In Winter“ auf jeden Fall den passenden Soundtrack.
Das 2015er Album von Iron Maiden – „The Book Of Souls“ – enthält alle Zutaten eines klassischen Maiden-Werks und geht doch in eine sehr progressive Richtung, vor allem wenn man den krönenden Abschluss „Empire Of The Clouds“ hört. Dieser wurde live leider nicht gespielt, doch es gab auf der „The Book Of Souls“ Tour eine starke Setlist, die mit dem Artwork des aktuellen und klassischer Alben eindrucksvoll in Szene gesetzt wurde, wie ich in der Rockhal des luxemburgischen Esch/Alzette erleben durfte.
Schön, dass nun eine offizielle Live-Veröffentlichung dieser Tour erscheint, die den Glanz der Konzerte ordentlich einfängt. Mir liegt die normale 2CD-Fassung zur Review vor, ich will aber nicht verschweigen, dass es daneben auch eine fantastisch aufgemachte Vinyl-Ausgabe und eine wertige Deluxe-CD-Version im Buchformat gibt. Den Konzertfilm kann man zunächst leider nur als digitalen Download erwerben.
Es sind Mitschnitte verschiedener Konzerte aus dem ersten Halbjahr 2016, die sich zur Tracklist von „Live Chapter“ formieren. Vielen Fans wäre ein kompletter Konzertmitschnitt lieber gewesen. So gibt es halt Eindrücke aus Sydney, Dublin und Newcastle, von den großen Festivals in Donington und Wacken, aber auch von ungewöhnlichen Auftrittsorten in Südamerika, Asien, Afrika und Osteuropa.
Haben wir uns Sorgen um Dickinsons Stimme gemacht? Oh Ja. Aber er beweist, dass alles wieder in Ordnung ist. Klassische Granaten wie „Wrathchild“, „Iron Maiden“, „Children Of The Damned“, „The Trooper“ und „The Number Of The Beast“ vermischen sich mit den neuen Titeln – und das harmoniert perfekt. Der Sound ist hervorragend und man muss sich auch nicht daran stören, dass die Tracks von unterschiedlichen Konzerten stammen.
Das Booklet bietet ein Vorwort des Managers Rod Smallwood und viele Bilder, die den spektakulären Bühnenaufbau ins Gedächtnis rufen. Ein schöner Release, der zugleich die alten Maiden-Stücke wie auch das aktuelle Album entsprechend würdigt.
Die Tracklist Iron Maiden The Book Of Souls – Live Chapter:
81 Jahre ist Klaus Doldinger inzwischen alt. Der Jazzmusiker und Saxophonist hat eine Reihe zeitloser Titel geschrieben. Man denke nur an das „Tatort“-Thema, „Das Boot“ und „Die unendliche Geschichte“. 1971 hatte er bei Gründung der Band Passport immerhin Udo Lindenberg am Schlagzeug. 28 Alben sind seitdem erschienen – und das Lebenswerk scheint noch nicht beendet, wenn man seine Liveauftritte betrachtet.
Im vergangenen Jahr durfte ich ihn beim Weltmusik-Konzert im Theater Trier erleben und es war ein Gänsehaut-Moment, als vor meinem geistigen Auge der Glücksdrache durch den Saal flog. Dieser Mann am Saxophon ist eine wahre Offenbarung. Und was die besonderen Momente ausmacht: es wird stets eine unglaubliche Atmosphäre geboten. Gerade bei den instrumentalen Titeln. Da ist zum einen die Seelentiefe des Saxophons, daneben die melodische und harmonische Begleitung durch das Orchester.
Auf CD wird Doldinger von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Bernd Ruf begleitet. Es gibt ein 24minütiges „Jazzconcertino“ und die unvermeidlichen Film-Suiten aus der „Unendlichen Geschichte“, „Das Boot“ und dem „Tatort“. Ganz große Musik für ruhige und aufwühlende Momente. Dieses Jubiläumsalbum wurde im Oktober 2016 mit dem German Jazz Award Gold ausgezeichnet.
Die jetzt erscheinende Deluxe Edition bietet als Bonus eine live DVD, die mit der Nordwestdeutschen Philharmonie unter der Leitung von Leo Siberski aufgezeichnet wurde. 83 erstaunlich frische Minuten voller bekannter Melodien, die aber auch die jazzige Seite von Doldinger nicht außer acht lassen und zudem komplett neue Stücke präsentieren.
Der schön aufgemachte Digipack bietet ein farbenfrohes Booklet mit vielen Bildern. Chapeau!
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Klaus Doldinger scheint den Jungbrunnen gefunden zu haben. Das beweist er mal wieder mit diesem CD / DVD Projekt. Vom Ruhestand ist er zumindest weit entfernt. Neue Tourdaten stehen bereits fest:
02.12.2017 Frankfurt, Alte Oper
17.12.2017 Köln, Philharmonie
Die Gang, die vielen Verehrern des Punk als gottgleich gilt, zeigt sich hier auf dem Cover im Priestergewand. „Am achten Tag schuf Gott Green Day“ heißt es in der Promo – und das Greatest Hits Album trägt den bezeichnenden Untertitel „God’s Favorite Band“.
Größenwahn also? Quatsch. Green Day haben in drei Jahrzehnten Herausragendes geschaffen. Schwierig wird es nur, wenn man dies auf einer Einzel-CD komprimieren will. Keiner hätte sich doch gewundert, wenn aus der Best-of-Zusammenstellung eine Triple-CD geworden wäre.
So beschränkt man sich aber auf zwanzig Songs aus 30 Jahren Bandgeschichte (die zwei Jahre unter dem Bandnamen Sweet Children mit eingerechnet) und dürfte damit manche Autofahrt versüßen. „Welcome to Paradise“, „When I Come Around“, „American Idiot“, „Boulevard Of Broken Dreams“ und „Wake Me Up When September Ends“ sorgen für den nötigen Hitfaktor und stehen für alles, was die Band von Beginn an ausmacht.
Neben den zwanzig bekannten Tracks haben sich zwei Neuheiten in die Liste geschlichen: „Back In The USA“ ist ein ganz neuer Song in alter Green Day-Tradition und „Ordinary World“ wurde mit Country-Superstar Miranda Lambert im Duett neu aufgenommen.
Schaut euch auf jeden Fall das geniale Video zu „Back In The USA“ an:
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Eigentlich erschien „Hotel California“ vor 41 Jahren, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein. Die Feierstunde ist nun mal zum Weihnachtsgeschäft 2017 eingeläutet.
Als Don Felder Mitte der 70er zur Band stieß, spielten die vier erfahrenen Musiker Henley, Frey, Leadon und Meisner bereits seit drei Jahren als Eagles zusammen (zuvor waren sie Backing Band von Lisa Ronstadt) und hatten das sommertaugliche Debüt „Eagles“ und das etwas sperrige Konzeptwerk „Desperado“ veröffentlicht. Countrymäßig angehauchter Westküstenrock mit viel Gitarre – so hieß von Beginn an die Devise. Für die dritte Platte verstärkte man sich mit Felder, was die rockige Ausrichtung noch stärker betonen sollte. Die Single „The Best Of My Love“ bescherte der Band endlich den ersehnten Erfolg und Platz 1 in den USA. Der Rest ist Musikgeschichte.
Gemeinsam bildeten sie den Soundtrack der 70er in den USA. Die Anzahl an Grammy und anderen Awards ist Legion. In Biographien (beispielsweise von Felder) wurde viel gesagt über die Spirale aus Eifersucht und künstlerischen Differenzen, die sexuell ausschweifenden Parties und die immer wieder aufflammenden Konflikte vor allem zwischen Bernie Leadon auf der einen und dem alles bestimmenden Duo Frey / Henley auf der anderen Seite.
Wenn man sich die Neuauflage von „Hotel California“ anhört, soll das aber kein Thema sein. Es war das fünfte Album und das erste ohne Leadon, der von Joe Walsh ersetzt wurde. Es ist eines der weltweit meistverkauften Alben (allein 16 Millionen in den USA) und führte die Eagles in die Liste der fünf kommerziell erfolgreichsten Bands weltweit. Zumindest den Titelsong dürfte jeder kennen, der nicht die letzten vier Jahrzehnte komplett verpennt hat.
Inhaltlich geht es um den amerikanischen Traum, der sich hier zum amerikanischen Albtraum entwickelt. Die Menschen sind Gefangene ihrer Süchte. So wurde der Titelsong zum Ansatzpunkt für ein urbanes Konzeptalbum, das den Zeitgeist der USA am Beispiel Kaliforniens einfing. Auch heute noch aktuell – und musikalisch zum Teil unerreicht.
Die „Hotel California: 40th Anniversary Deluxe Edition“ startet mit einer remasterten Version des Originalalbums, das neben den beiden US-Billboard-Nummer-1-Singles „New Kid In Town“ und „Hotel California“ auch den Smash-Hit „Life In The Fast Line“ enthält.
Die Deluxe Edition bringt überdies zum ersten Mal zehn Live-Tracks an die Öffentlichkeit, die im Los Angeles Forum im Oktober 1976 an drei Abenden mitgeschnitten wurden. Bei den Konzerten spielten die Eagles neben einigen ihrer Klassiker wie „Already Gone“, „Take It To The Limit“ und „Witchy Woman“ zum ersten Mal die Songs „Hotel California“ und „New Kid In Town“ – und das etwa einen Monat, bevor das Album veröffentlicht wurde.
Mir liegt zur Review nicht das große Paket vor (daher kann ich auch zu den visuellen Aspekten nichts sagen), aber die 2CD-Version mit Originalalbum und besagter Live-CD. Sehr schön aufgemacht im aufklappbaren Digipack mit einem Booklet voller nostalgischer Fotos.
Nur zwei Alben haben uns Frankie Goes To Hollywood in den sieben Jahren ihres Bestehens beschert. Das zweite Album „Liverpool“ galt als kommerzielle Enttäuschung, doch das Debüt „Welcome to the Pleasuredome“ gehört zweifelsohne zu den Highlights und wichtigsten (wegweisenden) Alben der 80er Jahre. Und es ist mehr als richtig, dass das Werk in die Reihe „The Art of The Album“ aufgenommen wurde.
Kurz dazu: „The Art Of The Album“ ist eine neue Reihe von BMG. Im Zeitalter der unmittelbaren Zugänglichkeit von Musik mit Streaming und Downloads soll mit dieser Serie die Aufmerksamkeit für das Album als Format neu fokussiert werden. „The Art Of The Album“ präsentiert Klassiker, die neue Wege in Konzept, Produktion, Songwriting oder in einem Genre einbrachten. Mit umfangreichen Texten zum gesellschaftlichen Kontext, in denen die Alben entstanden, werden die wichtigsten Akteure und Mitarbeiter, das Handwerk und die Umsetzung der Musik sowie die Auswirkungen des Albums beleuchtet. Die „Art Of The Album“-Serie feiert das Album als Kunstform.
Und genau hier haben Holly Johnson und Frankie Goes To Hollywood Großes geleistet. Trotz seiner vielen Hit-Singles ist „Welcome to the Pleasuredome“ ein Album, das man eigentlich nur am Stück hören sollte. Kurze Snippets und lange Tracks wechseln sich ab. Der 13minütige Titelsong ist ein Highlight an High Energy Dance Music mit starken rhythmischen Elementen. Und dann sind da die Hits „Relax“, „Two Tribes“ und „The Power Of Love“ – drei Nummer-1 Singles in England.
Thematisch werden die Pole Sex, Krieg und Liebe einander gegenüber gestellt. Zudem findet sich eine Coverversion von Springsteens „Born To Run“. Es macht Spaß zu hören, wie die Songthemen ineinander greifen und wieder aufgegriffen werden. Das sind magische Momente, die Produzent Trevor Horn mit einem bombastischen Sound geschaffen hat. Und man fragt sich, was aus der Band geworden wäre, wenn Holly Johnson und Mark O’Toole sich 1987 nicht gnadenlos zerstritten hätten.
Ein Augenmerk soll auch auf der wunderschönen Aufmachung der CD liegen, die wie ein kleines Buch daher kommt. Die informativen Liner Notes für „Welcome To The Pleasuredome“ schrieb der The Guardian-Autor Paul Flynn.
Es gibt im Leben zwei Optionen: Tod oder Wachstum. Auf ihrem achten Album „The Sin and The Sentence“ entscheiden sich Trivium einmal mehr für Letzteres. Und nicht nur das – auf dem Werk kommen sämtliche Elemente zur Vollendung, die Trivium seit ihrer Gründung 1999 definierten. Seitdem präsentierte die Band aus Orlando, Florida, ohnehin durchgehend Qualität. Es war ein kluger Schachzug, dass Matthew Heafy im Jahr 2000 neben der Gitarrenarbeit auch den Gesang übernahm. Er wechselt ohne Probleme zwischen Shouts und Gesang – das ist sein Markenzeichen. Von Metallica wurde die Band mal als „das nächste große Ding“ bezeichnet. Mit Top-20-Platzierungen in den USA und Deutschland sind sie inzwischen längst ganz oben.
Trivium haben viele melodische und raue Parts, die sich immer harmonisch ins Ohr finden. Die Band wird zu Recht gefeiert und hat augenscheinlich auch selbst viel Spaß. Momente ehrfurchterregender Melodiosität gehen über in straff gespannten technischen Thrash, Black-Metal-Ausdehnungen, Punk-Geist und ein Herz aus Heavy. „Silence Is The Snow“ war vielen Fans zu soft – was auch in der Idee des Albumtitels liegen mag – und der ausschließliche Klargesang gefiel nicht jedem, wurde gar als „poppig“ bezeichnet. „The Sin and The Sentence“ aber ist wieder ein richtiges Brett mit kräftigen Vocals und Kracher auf Kracher.
Bassist Paolo Gregoletto hatte beim Schreiben der Songtexte für „The Sin and the Sentence“ erstmals komplett die Zügel in der Hand. „Die ganze Sache war wie ein Film“, sagt Heafy zur Entstehung des Albums. „Paolo war der Schreiber. Josh war der Regisseur. Ich war der Schauspieler. Ich hatte das Gefühl, als sei ich beim Singen der Texte tatsächlich in der Lage, mich in den Kopf eines anderen hineinzubegeben, weil ich an der gesamten Entstehungsphase – von der Entstehung bis zur Vollendung – komplett unbeteiligt war. Ich finde, Paolo hat einen unglaublichen Job gemacht.“
Das Album startet mit dem beeindruckenden Titeltrack und lässt nicht mehr nach. Komplexe Songstrukturen, geniale Gitarrenarbeit – verglichen mit den letzten Alben hat sich die Band wieder extrem gesteigert. Fans ordentlichen Heavy Metals mit aggressiver Attitüde können bedenkenlosen zugreifen.
Andere Musiker vom Schlage eines Robert Plant ziehen durch die großen Hallen, spielen die Hits ihrer Band von früher und sacken ordentlich Kohle ein. Zum Glück war es nie das Ding des Led Zeppelin-Vokalisten, sich auf solchen Lorbeeren auszuruhen. Ein Revival wie 2007, okay – aber ansonsten stützt sich Robert Plant seit langem auf seine Soloalben, die auch qualitativ zu überzeugen wissen. Bereits seit Anfang der 80er Jahre ist er solo aktiv und sein neues Werk hat mit dem alten Flugobjekt nicht mehr viel zu tun.
Beim letzten Soloalbum vor drei Jahren war es mit The Sensational Space Shifters eine renommierte Band aus weltmusikalisch versierten Gästen, die den Meister begleitete. Auch wenn er den Bandnamen diesmal nicht gesondert ausweist, ist es doch diese Truppe, die den Klang von „Carry Fire“ mit ausmacht. John Baggot spielte Keyboards, Moog, Loops, Percussion, Drums, T’bal, Snaretrommel, Slide-Gitarre, Piano, Electric Piano und Bendir und schrieb die Bläser-Arrangements. Justin Adams ist an der Gitarre, der akustischen Gitarre, der Oud, dem E-Bow Quartet, den Percussions, der Snaredrum und am Tambourin zu hören, Dave Smith spielte Bendir, Tambourin, Djembe und Schlagzeug, und Liam “Skin” Tyson bediente die Dobro, Gitarre, akustische Gitarre, Pedal Steel und zwölfsaitige Gitarre.
Kein Wunder, dass „Carry Fire“ mit dieser Gasttruppe sehr folkige Töne zu bieten hat, die zwar ziemlich gemächlich daher kommen, aber keineswegs langweilig sind. Aus Folk, Blues, einer Prise Jazz und mancherlei orientalischen sowie afrikanischen Anleihen weben Plant und seine Mitstreiter einen respektablen Soundteppich, der auch Led Zeppelin-Fans erfreuen dürfte. Der „Season’s Song“ beispielsweise bietet durchaus klassische Rock-Qualitäten.
Für „Bluebirds Over The Mountain“ ist Chrissie Hynde als Duettpartnerin mit an Bord. Selbstredend ein großer Moment. Und auch wenn er sich unaufhaltsam dem 70. Geburtstag nähert: Robert Plant singt wie vom anderen Stern, müht sich nicht mit extremen Höhen ab, die sowieso nicht mehr erreichbar sind, sondern liefert eine entspannte Vokalperformance. Bisweilen werden alle Grenzen geöffnet: Plant hat ein Faible für weltmusikalische Ideen. Das hat er unter Led Zeppelin schon zu Genüge bewiesen. Selbige Band darf bald auch ihren 50. Geburtstag feiern. Mal sehen, ob demnächst wieder Reunion-Gerüchte hochkochen.
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Mit den Songs ihres neuen Albums „Both Sides Now“ sind die New Yorker a cappella Könige schon länger unterwegs. Und es ist eine musikalische Wucht, die sie da zu bieten haben. Ein voller Band- und Orchestersound, nur mit der menschlichen Stimme produziert. Technische Hilfsmittel sind höchstens die verstärkenden Fähigkeiten eines Mikros und etwas Hall. Dass sie solche Spielchen eigentlich nicht brauchen, beweisen Naturally 7 stets auf ihren Konzerten, wenn sie einzelne Songs ganz ohne Anlage präsentieren.
Wem der Sound der Truppe in der Vergangenheit zu jazzig und zu verkopft war, dem sei das aktuelle Album wärmstens empfohlen. Noch immer gibt es soundmalerische Spielereien – das soll man ihnen auch gar nicht abgewöhnen – aber die Songstrukturen sind inzwischen viel deutlicher, als das noch vor Jahren der Fall war. So ist die Annäherung an Pop und Mainstream gelungen, ohne dabei die technische Versiertheit und Raffiniertheit zu verlieren. Sie wird nur enger in die Songs eingebunden.
Stings Titel „Shape Of My Heart“ und der Titelsong „Both Sides Now“ (im Original von Joni Mitchell) werden interpretiert mit wunderbaren, von Wärme geprägten Harmonien und Stimmen-Arrangements in Verbindung mit Naturally 7s einzigartigem Talent, den Klang von verschiedenen Instrumenten zu imitieren. Für „Going Home“ bedienen sie sich bei Melodien von Anton Dvorak und zeigen damit, wie die Grenzen zwischen Pop und Klassik schwinden können. Hinzu kommen eine Reihe selbstkomponierter Songs wie „I Need Air“ und „Caught In The Moment“. Ein Höhepunkt ist sicherlich die emotionale Version von „Bridge Over Troubled Water“ – das sorgt für Gänsehaut in jedem Konzert.
Naturally 7 sind ein a cappella Phänomen. Ihre Stimmen glasklar von tiefsten Tiefen bis in höchste Höhen. Die ausgefeilten Arrangements gehören zum Besten, was ich je gehört habe. Als Gaststar zum Adele-Song „Hello“ ist Helene Fischer mit an Bord. Ein nettes Gimmick für den deutschen Markt, aber das wäre nicht nötig gewesen. Naturally 7 sind ein Phänomen, das jede Beachtung verdient hat.
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Der Sänger Marc Almond wuchs in Southport, Merseyside auf, umgeben vom Zauber der 3-Minuten Singles. Er hörte Radio Caroline und Radio Luxembourg und sah im TV jede Woche „Top Of The Pops“. Das waren die Wegbereiter für die Hoffnungen und Träume des ehrgeizigen Sängers. Die 45rpm-Single stand für Marc Almond über allem. Ziel war es für ihn, großartige Singles zu einer eigenen Kunstform zu gestalten. Dabei orientierte er sich an zwei seiner Helden – David Bowie und Scott Walker.
Als ihm im September 1981 mit „Tainted Love“ der Sprung an die Spitze der britischen Charts gelang, hatte er genau das geschafft: „Tainted Love“ wurde zur meistverkauften Single des Jahres und war der Beginn seiner besonderen Beziehung zu den Singlecharts, die seine mittlerweile über 40 Jahre andauernde Karriere prägte und bis heute zu mehr als 30 Millionen Verkäufen führte.
Auch wenn die Zeiten der europaweiten Radiotauglichkeit vorbei sind, blieb Almond doch (zumindest in UK) ein Star und veröffentlichte einige respektable Alben. Das jüngste trägt den Titel „Shadows and Reflections“ und enthält Coverversionen bekannter Pop- und Lovesongs der 60er Jahre. Diese sind nicht einfach 1:1 nachinterpretiert, sondern sie kommen in einem orchestralen Soundgewand. Damit verlieren sie vielleicht etwas von ihrer psychedelischen Grundausrichtung, doch sie verbreiten immer noch eine stimmungsvolle Atmosphäre.
Und es sind beileibe keine Gassenhauer, die uns Marc Almond da anbietet. Vieles wird man gar nicht kennen, anderes wird einem seltsam vertraut vorkommen. „How Can I Be Sure“ von den Young Rascals ist dabei, „Still I’m Sad“ von den genialen Yardbirds und „I Know You Love Me Not“ von Julie Driscoll. Der Titelsong des Albums stammt von The Actions. All diesen Titeln haucht der 60jährige Brite neues Leben ein. Stilvoller Genuss auf hohem Niveau!
Über manche Machwerke der 90er Jahre kann man getrost den Mantel des Vergessens hängen, doch es gibt durchaus einige Songs, die es wert sind, auch zwanzig Jahre später noch gehört zu werden. Ob es dann aber im Orchestersound sein muss? Oh ja – man braucht sich nur die gewaltige sinfonische Version von „Rhythm Is a Dancer“ anzuhören. Das macht doch einiges her! Ein strahlendes, durchgreifendes Arrangement ist da entstanden.
Alex Christensen, DJ erster Stunde war tonangebender Mitinitiator der Techno-Dance- und Eurodance-Bewegung. Er ließ erst Deutschland, dann Europa und schließlich die ganze Welt tanzen. Beinahe im Alleingang. „Ritmo de la noche“, der Sommerhit des Jahres 1990, stammte aus seiner Feder. Danach ging es für den selbsternannten Musikverrückten aus Hamburg Schlag auf Schlag. 1991 zündete er einen Knaller ungeahnten Ausmaßes: Das Boot von U96 hielt sich geschlagene 13 Wochen auf #1 der deutschen Singles-Charts, sorgte europaweit für Furore und ebnete der Techno-Szene eigenhändig den Weg in den Mainstream.
Mehr als 25 Jahre sind seitdem vergangen und der DJ geht gekonnt neue Wege. Klassik meets Techno – dahinter verbergen sich die orchestralen Interpretationen von Hits wie „What Is Love“, „Nessaja“ (Scooter), „No Limit“ und „Tears Don’t Lie“. Da kann der Spätberufene noch gekonnt mitträllern. Eigens für dieses Album rief Alex Christensen das 49-köpfige Berlin Orchestra ins Leben, eine Zusammenkunft der besten Orchestermusiker der Hauptstadt. Und er engagierte ausschließlich junge Sängerinnen. Ivy Quainoo, Asja Ahatovic, Nicole Cross und Yass sind unter anderem mit dabei.
Hinzu kommen einige Instrumental-Werke. Das im Original so minimalistische „Children“ klingt hier wie eine große Suite. „Das Boot“ ist natürlich mit dabei und auch Titel wie „Sonic Empire“ kommen zu neuen Ehren.
Manchmal ist es gewöhnungsbedürftig, wie sich Streicher, Bläser und Techno-Beats vermischen, doch insgesamt finde ich das Konzept sehr gelungen. Alex Christensen erweckt die angestaubten Dance-Tracks zu neuem Leben und das Berlin Orchestra macht einen klasse Job – von emotionalen Tönen bis hin zum Geschwindigkeitsrausch.
Bekannt geworden ist Ross Anthony Catterall durch die zweite Staffel von „Popstars“, als er für die Band Bro’Sis gecastet wurde. Nun ja – der Erfolg dieses Retortenbabys war nur ein Strohfeuer. Doch Ross hat als Sänger und Entertainer durchaus Qualitäten. Er spielte erfolgreich in diversen Musicals und war immer mal wieder als Moderator oder Gast in den unterschiedlichsten Show-Formaten mit dabei. Ein sympathischer Kerl ist er allemal und sein britischer Akzent hat durchaus Charme.
Warum er sich allerdings ausgerechnet den deutschen Schlager als Metier für seine Soloalben ausgewählt hat? „Aber bitte mit Schlager“ ist bereits das vierte Album dieser Art seit 2013. Und es enthält mal wieder ein ordentliches Potpourri voller bekannter und weniger bekannter Titel. Manches hat man direkt auf dem Schirm: „Aber bitte mit Sahne“, „Michaela“ und „Himbeereis zum Frühstück“ sind wunderbare Gassenhauer, die zum Mitsingen einladen.
Doch es gibt auch einige spannende Coverversionen, die man nicht so oft hört – die aber zum Neuentdecken einladen: „Barfuss im Regen“, „Erna kommt“ und „Ein Student aus Uppsala“ will ich da mal nennen. Zumindest ist die Zusammenstellung äußerst stimmig. Bis hin zum Party-Medley aus den ganz großen Karnevalshits wie „Polonäse Blankenese“, „Der Nippel“, „Bodo mit dem Bagger“ und „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“. Stimmungskanonen, die jede Party crashen.
Extrem anrührend finde ich den Abschluss mit dem von Heintje bekannten „Mama“, das Ross gemeinsam mit seinem Lebensgefährten, dem Opernsänger Paul Reeves, interpretiert.
Die echten Schlagertitel sind fast durchgehend mit einem modernen Discobeat ausgestattet, der zum einfachen Discofox einlädt. Ross Antony garantiert mit diesem neuen Album 100% gute Laune und sorgt dafür, dass ab sofort selbst eingeschworene Partymuffel früher oder später auf der Tanzfläche landen dürften. Er gibt durchweg Vollgas, setzt auf ausgelassene Stimmung und lässt natürlich auch immer wieder seinen britischen Humor aufblitzen. Eine Schlagerparty für viele Gelegenheiten.
Im Nachbarland sind die fünf Jungs aus der Steiermark bereits seit ihrem Debütalbum vor zwei Jahren eine große Nummer. Das Album „Alles OK?“ stieg auf Anhieb in die österreichischen Charts ein, erreichte dort Platz 5 und hielt sich ganze 38 Wochen lang in der Hitparade. Dafür erhielten Tagträumer den Amadeus Award 2015 als beste Band des Jahres. Dem Erfolg voraus gegangen war eine spannende Casting-Laufbahn. Sänger und Songwriter Thomas Schneider schaffte es bei „Die große Chance“ ins Halbfinale. Danach gründete er mit Freunden die Band Tagträumer und man belegte bei „Herz für Österreich“ den fünften Platz. Keine Wahnsinnskarriere bis dahin, doch der Erfolg beweist mal wieder, dass es am Ende nicht unbedingt die Sieger sind, denen eine Castingshow für die Zukunft weiterhilft.
„Alles OK“ war jedenfalls ein Glücksgriff. „An diesem Punkt hätte man eigentlich einen ganz entspannten Schlussstrich ziehen können und den wunderschönen Wahnsinn für immer, so wie er war, in Erinnerung behalten“, sagt Tom. Mit Anfang 20 zur Ruhe setzen war dann aber irgendwie doch keine Option, und so entschieden sich die Freunde nach einer Tour und unzähligen Promoterminen erst einmal für die zweitbeste Variante: Urlaub. In Malaga wollte man zur Abwechslung einfach mal wieder als Freunde Zeit miteinander verbringen. „Und dann saßen wir in der ‚Casa Mango’ zwischen Orangen- und Zitronenbäumen, mit einem Sonnenuntergang, in den man sich einfach verlieben muss – und schrieben neue Songs“, erinnert sich Tom lachend. Der Anfang für Album No. 2 war gemacht. Die Produktion fand in Berlin statt und „Unendlich gleich“ war die erste Auskopplung, bevor am 4.8. die neue CD erschien.
Tagträumer machen recht sanfte Popmusik, ohne dabei Gefahr zu laufen, in die Schlager-Schiene zu verfallen. Stattdessen gibt es sehr hymnische Songs in deutscher Sprache, wie man dies von Revolverheld kennt. Die Themen umfassen das ganze Alltagsspektrum von Beziehungen, der Unterschiedlichkeit von Menschen, die sich einander nähern und dann wieder entfernen. Man weiß zu feiern und drückt das in fröhlichen, bislang auch melancholischen Melodien aus. Die 14 Songs gehen schnell ins Ohr und reißen mit. Moderner deutschsprachiger Pop mit einem unwiderstehlichen Hook – besser kann man Tagträumer nicht beschreiben.
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Vor 32 Jahren (am 17. Juni 1985) erschien mit „Misplaced Childhood“ das wichtigste Album der Progressive Rocker Marillion aus Aylesbury, das bis heute Kultstatus genießt. Für viele war und ist es die perfekte Verbindung aus Progressive Rock und Pop. Großen Anteil daran trägt die Hitsingle „Kayleigh“. Mit dem Erfolg hatte wohl keiner gerechnet. Überhaupt waren Marillion alles andere als Garanten für hohe Positionen in den Charts. „Garden Party“ hatte es gerade mal auf Platz 16 geschafft.
„Misplaced Childhood“ und „Kayleigh“ waren der Wendepunkt. Das großartige Konzept des Albums funktioniert bis heute: In gut 41 Minuten erzählt Sänger Fish eine autobiographische Geschichte vom Durchleben der Pubertät. Erste große Liebe, erste Enttäuschung, die Suche nach dem Platz im Leben. Die schottischen Wurzeln des Sängers werden ebenso thematisiert wie sein Freundeskreis, der Tod des Ersten aus ihrer Mitte – die Höhen und Tiefen eines Teenagerlebens. Die Gedankenreise kulminiert im Sprung zum Erwachsensein, gleichzeitig mit der Erkenntnis, dass die Kindheit niemals aufhört, und dem Widerstand gegen gesellschaftliche Vorgaben.
Die musikalische Intensität des Albums, dessen Stücke ineinander übergehen und daher eine große Rock-Suite bilden, wirkt bis heute. Da waren vier großartige Instrumentalisten und ein formidabler Sänger zusammen und konnten sich voll ausleben. Man kann immer noch Neues entdecken – das ging auch der Band so, als sie für die BluRay-Dokumentation mit Produzent Chris Kimsey zusammen saßen und die Bänder im Abstand von über dreißig Jahren erneut abhörten.
Inzwischen ist viel passiert. Fish ist seit 29 Jahren nicht mehr Frontmann der Band und wurde durch Steve Hogarth ersetzt. Marillion lassen ihre Vergangenheit meist ruhen und konzentrieren sich auf aktuelle Werke. Hits wie „Kayleigh“ und „Lavender“ werden höchstens einmal auf Support-Touren, Festivals oder Fanclub-Events gespielt. Fish hingegen hält die Fahne der 80er weit nach oben und war erst kürzlich noch mit dem kompletten „Misplaced Childhood“-Album auf Tour.
Die Rechte an den 80er-Alben gingen mit dem Verkauf von Parlophone, das früher zum EMI Label gehörte, an Warner Music über. Für die Neuveröffentlichung hat man sich einiges einfallen lassen. Das Album erscheint als Hardcover im DVD-Format und enthält vier CDs und eine BluRay. Hinzu kommt ein 60seitiges, informatives Booklet mit den Songtexten und vielen Fotos (darunter auch eine sehr einträchtige, aktuelle Aufnahme der zeitweise zerstrittenen Bandmitglieder mit Chris Kimsey). Ein langer Text stammt vom Rockjournalisten Dave Everley und ist mit vielen Zitaten der Beteiligten unterlegt. Hinzu kommen zwei kurze Statements von Mark Wilkinson, der das Artwork des Albums verantwortet, und Robert Mead, der als Junge auf dem Cover verewigt wurde. Wunderschöne Aufmachung – viele Infos!
CD 1 enthält dann das remasterte Originalalbum. CD 2 und 3 liefern ein komplettes Konzert der „Misplaced Childhood“ Tour, das am 15. Oktober 1985 in Utrecht aufgenommen wurde, bisher unveröffentlicht ist und zugleich die erste offizielle Veröffentlichung eines Marillion-Konzerts aus dem Jahr 1985 darstellt. Das Mixing erfolgte durch Michael Hunter, die Tonqualität ist hervorragend – Fans werden begeistert sein. CD 4 widmet sich schließlich den B-Seiten („Freaks“ und „Lady Nina“), man findet alternative Mixe, Single-Versionen, Demos (zum Teil mit einer unfertigen Textfassung) und als besonderes Bonbon den Steve Wilson Remix von „Lady Nina“.
Und da wären wir auch schon bei Steven Wilson: Der Sänger, Multi-Instrumentalist, Toningenieur und Produzent ist der Tausendsassa des Progressive Rock, hat nach dem Ende von Porcupine Tree reihenweise weitere Projekte am Laufen und widmet sich seit Jahren dem Remastering von Alben alternder Prog- und Rock-Heroen wie Jethro Tull, Yes und Chicago. Dabei gilt er als Perfektionist und das Ergebnis ist meist überragend. Die BluRay enthält das von Steven Wilson remixte Original-Album im 5.1 Surround Sound und das Remaster 2017 in hochaufgelösten 96kHz 24 bit.
Eine 72minütige Doku zeigt Fish, Steve Rothery, Mark Kelly, Ian Mosley, Pete Trewavas und Chris Kimsey in trauter Runde im Tonstudio. Sie hören in das Album rein und erzählen Anekdoten und Erinnerungen aus der Entstehungszeit. Sehr entspannt sieht das aus – von Feindseligkeiten keine Spur. Stattdessen schwelgt man gemeinsam in Erinnerungen und es macht großen Spaß, dem zuzuhören. Allerdings muss man der englischen Sprache mächtig sein, da es keine Untertitel gibt. Abgerundet wird der Video-Teil durch die Promo Videos zu „Kayleigh“, „Lavender“, „Heart of Lothian“ und „Lady Nina“.
Muss man das Teil haben? Ein eindeutiges „Ja“. Es ist wunderschön aufgemacht und bietet alle Wertigkeit, die man von einer Deluxe Edition erwarten darf. Klar – es gab schon 1998 ein Remaster und die meisten Tracks der CD 4 sind seitdem bekannt. Genial sind aber das 85er Konzert und die Dokumentation. Ob der Wilson-Remix unbedingt nötig wäre, sei mal dahin gestellt. Für Sound-Enthusiasten ist es sicherlich eine Offenbarung. Dazu zähle ich mich aber nicht.
Hinzu kommt eine Vinyl-Version. Diese offeriert die neu gemasterte Version des Originalalbums und das gesamte Holland-Konzert. Auf 180-Gramm-Viynl gepresst, sind die vier LPs in einer 12×12-Zoll-Box mit aufklappbarem Deckel verpackt, dazu gehört ein 24-seitiges Booklet, das unter anderem das Replikat eines Tourprogramms und einen ausführlichen Text über das Album und seine Entstehung enthält.
Zwei wundervolle Pakete also, um ein einmaliges Album zu feiern. So wünscht man sich das und so darf es weitergehen. Man munkelt, dass für „Clutching At Straws“ und „Brave“ eine ähnliche Neuveröffentlichung bei Parlophone geplant ist.