Die in London lebende Musikerin und multidisziplinäre Künstlerin Natasha Khan, besser bekannt als Bat For Lashes, veröffentlicht eine neu gemasterte Version ihres gefeierten Debütalbums „Fur and Gold“ von 2006 auf 180-Gramm-Schwarzwachs für Audiophile und ein erweitertes Doppel-CD-Set mit bislang unveröffentlichten Fotos. Zum 20-jährigen Jubiläum wurde das Album von Frank Arkwright in den legendären Abbey Road Studios neu gemastert. Neben dem Originalalbum enthält die Neuauflage eine Reihe bislang unveröffentlichter Demos aus den Jahren 2005/06 sowie Live-Aufnahmen aus der BBC Live Lounge und Sessions mit Rob Da Bank.
„Mein Debütalbum ist fast 20 Jahre alt und nimmt noch immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen ein“, sagt die Künstlerin. „Als ich das Album neulich gemeinsam mit meinem Produzenten David Kosten wieder durchgehört habe, war ich sehr bewegt– keine Kompromisse, jede Menge Raum, schräge MIDI-Sounds, ironische Texte, Donner und Blitz, Girl-Group-Chöre, Herzschmerz und Magie … Das war die Platte, auf die ich mein ganzes Leben gewartet hatte. Und ich finde, sie hält noch immer stand. Ich hoffe, dass noch mehr Menschen in dieses Universum eintauchen.“
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Mit „Fur and Gold“ wurde Natasha Khan aus dem Stand für den Mercury Music Prize nominiert. Songs wie „What’s a Girl to Do?“, „Horse and I“ und „Trophy“ machen das Album zu einem modernen Klassiker: ein Werk voller Imagination, Herzblut und künstlerischer Eigenwilligkeit.
Die mystischen Songs mit Piano- und Harfenklängen erinnern an Sängerinnen wie Björk und Kate Bush. Mit diesen Klängen ist das Debüt bis heute zeitlos schön und wirkt als Gesamtkunstwerk. Eine visionäre Mischung aus Mythos, Emotion und cineastischem Pop!
Ásgeir Trausti Einarsson ist ein isländischer Sänger, Songwriter und Multi-Instrumentalist, geboren 1992, der international für seine sanfte, klare Stimme und seinen atmosphärischen Mix aus Folk, Indie-Pop und elektronischen Klängen bekannt wurde. Seinen großen Durchbruch hatte er mit dem Debütalbum „Dýrð í dauðaþögn“ aus dem Jahr 2012, das in Island außergewöhnlich erfolgreich war und sich dort – gemessen an der kleinen Bevölkerung – rekordverdächtig oft verkaufte, sodass es statistisch gesehen jeder zehnte Isländer besitzen muss. Ein Jahr später erschien mit „In the Silence“ eine englischsprachige Version, die ihm auch international Aufmerksamkeit verschaffte.
Seitdem ist Ásgeir bekannt für seine atmosphärische Musik. Charakteristisch sind ruhige, melancholische Klanglandschaften, minimalistische Arrangements und ein gefühlvoller Falsettgesang, der oft mit der Weite und Stille der isländischen Natur assoziiert wird. Ein besonderer Aspekt seiner Arbeit ist, dass viele seiner isländischen Songtexte von seinem Vater, dem Dichter Einar Georg Einarsson, stammen und für die internationalen Veröffentlichungen sinngemäß ins Englische übertragen wurden. Für das neue Album trifft dies aber nicht zu. Songs und Lyrics stammen allesamt von Ásgeir – bis auf den Titelsong „Julia“, der auf einem Gedicht des Vaters beruht. Dabei geht es um die Geistergeschichte einer Selbstmörderin, die zuvor schon in „Universe Beyond“ aufgegriffen wurde.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Die Stimmung des Albums schwankt zwischen Fröhlichkeit und tiefer Melancholie. Es geht um Reue über Vergangenes, aber auch um Hoffnung für die Zukunft. Die Arrangements sind oft luftig und leicht in einem eingängigen Folkpop mit organischen Klängen. Man wird regelrecht mitgenommen auf diese emotionale Reise. Die Vocals bleiben meist im Tenorbereich, was auch gut ist. Der Falsett ist zwar Ásgeirs Markenzeichen, doch er kann auch recht nervig sein. Dezent eingesetzt liefert er wichtige Akzente.
Die verletzliche Stimme wird von einer vierköpfigen Band umspielt. Später hat man noch ein Harmonium drüber gelegt – vermutlich um den Sound kompakter zu machen. Die erzählenden Texte führen durch ein introvertiertes Album, das ich mir immer wieder anhören kann. Wundervoll getragen und berührend.
Im Herbst 26 wird Ásgeir live nach Deutschland kommen:
Was wir nicht brauchen, wenn wir Musik von Nils Wülker hören? Gesang und Lyrics, denn er erzählt seine Geschichten emotional und farbig allein mit seiner Trompete und anhand seiner fantastischen Arrangements. Nils hat sehr poppige und lautmalerische Elemente in seinen Stücken. Das hat nichts gemein mit lauter Blasmusik, ist aber auch nicht jazzig verkopft. Er produziert einfach schöne Melodien, die von der Trompete über eine reduzierte, atmosphärische Begleitung getragen werden. Dabei setzt er sein Instrument ein wie andere Künstler ihre Stimme.
Nils Wülker ist in Bonn geboren, begann mit zehn Jahren, Trompete zu spielen, war Mitglied im JugendJazzOrchester NRW und studierte an der Hochschule für Musik in Berlin. Er arbeitete mit Stars wie Silje Nergaard, Gregory Porter und Samy Deluxe. Dann der Durchbruch 2013, als er mit dem ECHO ausgezeichnet wurde und den German Jazz Award erhielt. Zum ersten Mal seit seinem Debüt von 2002 hat er nun ein Album mit einer internationalen Besetzung aufgenommen, einer angemessen hochkarätigen: am Klavier ist Aaron Parks, am Kontrabass Linda May Han Oh, am Schlagzeug Greg Hutchinson.
„Zuversicht“ ist, wenn wir Hoffnung so aktiv erleben, dass wir gegen alle Widrigkeiten in die Zukunft vertrauen. Damit ist der Albumtitel in schwierigen Zeiten bewusst gewählt. „Du bist so jung wie deine Zuversicht, so alt wie deine Zweifel“ lautet ein Zitat, das im deutschsprachigen Raum gerne Albert Schweitzer zugeschrieben wird, aber eigentlich aus dem Gedicht “Youth” des deutschstämmigen Rabbiners, Bürgerrechtlers und Unternehmers Samuel Ullman stammt. „In den letzten Monaten, in der mir die Weltlage und die gesellschaftlichen Entwicklungen, wie wahrscheinlich vielen anderen auch, aufs Gemüt gedrückt haben, hat sich bei mir dieses Zitat verfangen”, sagt Nils Wülker.
Vor den Aufnahmen wurde wenig geplant. Wülker wollte ganz im Sinne des Albumtitels zuversichtlich sein, dass vor Ort etwas Schönes passieren wird und er im Moment intuitiv gute Entscheidungen trifft. „Das ist für mich auch das Wesen von Jazz“, sagt er. Und die atmosphärischen, oft schwebenden Stücke sprechen für sich. Balladen wie „Time Will Tell“ und „Alpenglow“ gehen zu Herzen, „Forces At Work“ bringt eine Prise Funk mit ins Geschehen.
Nils Wülker ist mal wieder ein einzigartiges Album gelungen, das die Trompete zwar als Instrument in den Mittelpunkt stellt, deren Einsatz aber niemals übertreibt. Als Laie kann ich nur staunen, wie dezent und einfühlsam man dieses Instrument spielen kann. Und melodischer Jazz ist doch so viel angenehmer als das angeberische Solo-Gefrickel, dass man sich sonst so oft anhören muss.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Mit seinem Album „Quer durch die Bank“ hatte ich Alexander Eder noch hart in der Schlager-Ecke verortet. Um so überraschter bin ich von seinem neuen Unplugged-Livealbum. Hier setzt der Österreicher seine ganze Energie ein, um ein Publikum auch ohne Schlagerbeats mit auf den Weg zu nehmen.
Es heißt, dass es in der Szene niemanden gibt, der leidenschaftlicher und härter arbeitet als Alexander Eder, der so viel mehr ist als ein reines Casting- und Internet-Phänomen. Nirgends war das besser live zu erleben als am 7. Juni 2025. An diesem Abend haben Eder und seine Band in der malerischen Burgarena Finkenstein in Kärnten, Hunderte von Metern hoch über dem türkisblauen Wasser des Faaker Sees, das Publikum mit ihrer ersten Unplugged-Show und hektoliterweise Herzblut in absolute Euphorie versetzt. Ein Konzert, das so magisch war, dass es als „Unplugged (live)“ für die Ewigkeit festgehalten werden muss.
„Wir wollten für diesen besonderen Ort auch musikalisch etwas Außergewöhnliches machen und haben uns während der Tour in jeder freien Minute im Proberaum getroffen, um – auch dank der großartigen Arbeit von Lukas Husak und meinem Gitarristen – alle Stücke speziell für diesen Abend neu zu arrangieren. Für ein Konzert so viel Aufwand zu betreiben und drei neue Musiker*innen ins Boot zu holen, ist vermutlich ‘ganz normal gestört’ – aber für mich eine Herzensangelegenheit“, erzählt der Sänger.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Alexander Eder ist hörbar gut drauf, feiert sich und diesen Abend, kommt mit lockeren Sprüchen um die Ecke („Ich glaub mich finkt ein Stein“) und macht das Event zur Megaparty. Mit Piano und Akustik-Gitarre kommt seine raue Stimme noch besser zur Geltung. Klar, das erinnert auch hier an Ben Zucker – aber er muss sich ja nicht von allem abheben.
Die 21 Songs hauchen nicht nur frühen Hits wie „7 Stunden“ neues Leben ein, das bis heute über 85 Millionen Mal gestreamt wurde, sondern erzählen auch die Tracks seines aktuellen Top Ten-Albums „Quer durch die Bank“ neu – mit derselben unbändigen Energie, aber ein paar Prozent mehr Gefühl. Auch mit sanfteren Tönen bleibt der 27-jährige Österreicher ein Gänsehaut-Performer und charmanter Rebell, der sich nicht bremsen lässt und das Leben an die große Glocke hängt.
Am 21. Januar feierte Wincent Weiss seinen 33. Geburtstag und schon gibt es den nächsten Grund zur Freude: Mit seinem neuen Album „Hast du kurz Zeit“ ist Wincent direkt auf Platz 1 der Offiziellen Deutschen Album-Charts eingestiegen! Damit knüpft der Ausnahmekünstler nahtlos an seine bisherigen Erfolge an und vermeldet nach seinen Alben „Vielleicht irgendwann“ (2021) und „Wincents weisse Weihnachten“ (2023) bereits den dritten Spitzenplatz seiner Karriere.
Ganz so kurz, wie der Titel suggeriert, ist das Album gar nicht: Es umfasst knapp 50 Minuten. Die 18 Songs auf „Hast du kurz Zeit“ sind ein persönlicher Blick auf das Erwachsenwerden, auf Liebe, Verlust, Selbstzweifel und die Suche nach Echtheit. Es geht um das Loslassen alter Ängste, um das Finden von Ruhe und Vertrauen. So ist das neue Album eine neue emotionale Standortbestimmung mit viel Melancholie (wie im Opener „Unendlichkeit“) und mit viel Nostalgie wie im erzählenden Titeltrack.
Den Hang zum Erzählen kleiner Geschichten und Anekdoten spürt man in den meisten Songs. Das wurde längst zu Wincents Markenzeichen – mal hymnisch groß, dann wieder balladesk im Kleinen. Oft spielt die Liebe eine große Rolle, doch die Lyrics klingen abgeklärter als in der Vergangenheit, so bei „In einem anderen Leben“ und „Sommer der bleibt“.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
„Langsam“ behandelt schließlich die Beziehung zu seiner Frau. Damit ist das Album (mal wieder) sehr persönlich gehalten, wie auch „Wegen dir“ über Wincents depressive Phasen zeigt. Neben den vielen Balladen kommen tanzbare und rockige Klänge sehr kurz. „Den letzten beißen die Hunde“ und „Letzter Zug“ liefern angedeutete Tanzbeats, „Zeit vergeht“ kommt ganz schwungvoll an, doch darüber hinaus bleibt es ruhig und nachdenklich.
Trotzdem ist es ja genau das, was die Fans an ihrem Songpoeten lieben. Und wir wissen: Live wird er auch die neuen Stücke mit viel Power versehen. Im Sommer geht es auf Tour:
Sommertour 2026
26.06. ULM | Kloster Wiblingen
27.06. LINGEN | OpenAir-Platz EmslandArena
28.06. NÜRNBERG | Stadionpark Nürnberg
03.07. RASTATT | Ehrenhof im Schloss Rastatt
05.07. ECKERNFÖRDE | Strand Open Air
10.07. SAARBRÜCKEN | Open Air Gelände am E-WERK
11.07. REGENSBURG | Open Air am Jahnstadion
17.07. BONN | Kunstrasen Bonn Gronau
18.07. MÜNCHEN | Tollwood Sommerfestival – Musik Arena
19.07. LUCARNO | Moon & Stars
24.07. BERLIN | Zitadelle Spandau
25.07. HALLE / WESTFALEN OWL ARENA
30.07. LUDWIGSBURG | Residenzschloss Ludwigsburg
31.07. VILLINGEN-SCHWENNINGEN | Druckzentrum Südwest
01.08. MÖNCHENGLADBACH | SparkassenPark Mönchengladbach
06.08. WIEN | METAstadt Open Air
07.08. TRAUNREUT | Franz-Haberlander-Freibad
08.08. SCHAFFHAUSEN | Altstadt Schaffhausen
14.08. WILLINGEN | Festivalgelände Vor den Weiden
19.08. SCHWERIN | Freilichtbühne Schlossgarten
20.08. BRAUNSCHWEIG | Volksbank BRAWO Bühne
21.08. DRESDEN | Filmnächte am Elbufer
22.08. ST. GOARSHAUSEN | Loreley Freilichtbühne
29.08. BAD KISSINGEN | Turnierplatz Bad Kissingen
30.08. GIESSEN | Kloster Schiffenberg
02.09. BOCHUM | Zeltfestival Ruhr
03.09. BOCHUM | Zeltfestival Ruhr
04.09. MAGDEBURG | MDCC Parkbühne im Elbauenpark
05.09. WILHELMSHAVEN | Festplatz am Sportforum
12.09. NEUBRANDENBURG | Open Air am Tollensee
13.09. TIMMENDORFER STRAND | Musik-Arena
Tobias Hoffmann wurde 1988 in Göppingen geboren und entdeckte gegen Ende der Gymnasialzeit seine Liebe zur Musik und zum Saxophon. Von 2008 bis 2010 studierte er an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover und ab 2010 am Prins Claus Conservatorium Groningen (Niederlande), wo er im Juni 2013 sein Studium mit dem Bachelor of Arts (BA) abschloss. Von 2013 bis 2015 absolvierte er an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien ein Jazz-Saxophon-Studium, welches er mit dem Master of Arts (MA) mit Auszeichnung abschloss. Zeitgleich studierte er Jazz-Komposition und Arrangement (Abschluss mit Auszeichnung 2018).
Neben der Arbeit an seinen eigenen Projekten ist Tobias Hoffmann ein gefragter Sideman, Komponist und Arrangeur für verschiedene Besetzungen und Stilistiken. Konzertreisen führten ihn in verschiedene europäische Länder. Er spielte bereits mit Musikern wie Bob Mintzer, Joe Gallardo, Alexander von Schlippenbach, Benny Golson, Paul Kuhn und John Clayton. 2019 veröffentlichte er mit seinem Tobias Hoffmann Nonet das Album „Retrospective“. Im Jahr 2022 folgte mit dem Tobias Hoffmann Jazz Orchestra das Album „Conspiracy“ und 2024 das Album „Innuendo“.
Mir liegt nun „Innuendo“ zur Review vor, ein Album mit acht Instrumentaltracks in 78 Minuten Länge, die allesamt von Hoffmann geschrieben wurden. Er leitet als Dirigent ein 18köpfiges Orchester, das sich im Bigband-Sound über die grandiosen Arrangements hermacht. Mal wird es laut mit vertrackten Rhythmen und fetzigem Bläsersound, doch es gibt auch verhaltene und filigrane Klänge.
Die Musik verlangt Aufmerksamkeit und erlaubt keineswegs ein Easy Listening, trotzdem sind die Stücke in aller Komplexität erstaunlich zugänglich und man gerät immer wieder in kurzweilige Träumereien, bevor die Bläser wieder loslegen. So gelingt Hoffmann ein glänzend aufgelegtes Jazzalbum im Orchestersound, das von seiner Atmosphäre und den vermittelten Emotionen lebt.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Das zweite Album der Rainbirds trug den sperrigen und zugleich kultigen Titel „Call Me Easy Say I’m Strong Love Me My Way It Ain’t Wrong“. Die Band war 1986 in West-Berlin entstanden und wurde von der Sängerin, Gitarristin und Songwriterin Katharina Franck ins Leben gerufen, die von Beginn an das kreative Zentrum der Band bildete. Zusammen mit dem Bassisten Michael Beckmann und dem Schlagzeuger Wolfgang Glum entwickelte sie einen melodischen, zugleich introspektiven Pop-Rock-Sound, der Einflüsse aus New Wave und Art Pop aufgriff.
Schon kurz nach ihrer Gründung gewannen die Rainbirds den Deutschen Pop-Rock-Preis, was ihnen zu einem Plattenvertrag verhalf und den Weg für ihr Debütalbum ebnete. Dieses erschien 1987 unter dem Titel „Rainbirds“ und enthielt den Song „Blueprint“, der zu einem internationalen Hit wurde und bis heute als ihr bekanntestes Stück gilt. Es war aber das ganze Album mit seinen poetischen Lyrics und der filigranen Musik, das die Popwelt jener Tage betörte und verzückte. Zugleich bestand aber von Beginn an die Gefahr, dass ein Hit wie „Blueprint“ zum One-Hit-Wonder verkommen könnte.
Das zweite Album belehrte Zweifler eines besseren – auch wenn ich ehrlich gestehen muss, dass ich 1989 als damals großer Fan der Band die Tiefe des neuen Werk noch nicht verstanden habe. Erst über die nächsten Jahrzehnte hat es sich zu einem meiner Lieblingsalben der 80er Jahre entwickelt – und ist es bis heute.
Wie groß die Rainbirds wirklich waren und was für ein Potential in dieser deutschen Erfolgsband steckte, hört man in der Live-Vorab-Single „Sea Of Time“ – für den Re-Release des Albums. Eine Band, die fantastisch tight performt und eine Frontfrau, die es versteht, lyrische und persönliche Tiefe mit einer großartigen Performerinnen Qualität zu begleiten – das Publikum liegt ihr zu Füßen. Und das bei einem Song, der sich mit Erwartungen an einen Menschen beschäftigt, der seinen eigenen Weg gehen will.
Katharina Franck gibt auf ihrer Webseite Hinweise zum Hintergrund: ein Wiegenlied, die Zeichnungen von Escher und „Alice hinter den Spiegeln“ standen Pate, um die Bilder in ihrem Kopf aufschreiben zu können. Der Song ist die zentrale Nummer des zweiten Rainbirds Albums und gibt ihm den Titel. Die jetzt veröffentlichte Liveversion ist 1989 in der Biskuithalle in Bonn mitgeschnitten und remixed von Hans-Martin Buff, der einen Grammy für seine Zusammenarbeit mit Peter Gabriel bekommen hat.
Nachdem Odd Couple im April 2025 ihr aktuelles Album „Rush-Hour des Lebens“ via Clouds Hill veröffentlichten, erscheint am 05. Dezember 2025 die Live Session im Hamburger Clouds Hill Studio als „Live at Clouds Hill“ digital und auf farbiger Vinyl.
Die Live at Clouds Hill-Serie hat sich dem Einfangen eines Moments verschrieben, der sich nie wiederholen lässt – der Energie eines echten Live-Erlebnisses. Künstler*innen spielen in den legendären Clouds Hill Studios in Hamburg, vor einem ausgesuchten Publikum, alles wird direkt auf Band aufgenommen – unter perfekten Bedingungen. Auf Vinyl gepresst, bleibt dieser Augenblick lebendig und wird Teil eines gefeierten Katalogs, zu dem bereits Veröffentlichungen von Faust, Omar Rodríguez-López, Le Butcherettes, Bela B., Deantoni Parks und vielen anderen gehören. Jedes Album dieser Reihe bewahrt die Intimität, Zerbrechlichkeit und Brillanz einer einzelnen Performance – ein zeitloses Dokument eines einzigartigen Moments.
Nun reiht sich Odd Couple in diese Reihe ein.
In Ostfriesland ist nicht viel los – wer dort etwas bewegen will, muss selbst aktiv werden. Genau das haben die Wahlberliner Jascha Kreft und Tammo Dehn schon früh verstanden. Als Odd Couple verkörpern sie eine ganze Reihe ur-norddeutscher Tugenden: Gelassenheit gegenüber äußeren Erwartungen, tiefes Vertrauen ins eigene Tempo und eine Performance, auf die man sich verlassen kann. Vor allem aber besitzen sie eine gesunde Skepsis gegenüber unnötigem Gefasel – und das Wissen, dass man sich selbst nie zu ernst nehmen sollte.
Fünf Alben („It’s a Pressure to Meet You“, „Flügge“, „Yada Yada“ und „Universum Duo“, „Rush-Hour des Lebens“) haben Odd Couple bislang veröffentlicht, unzählige Konzerte und Festivals im In- und Ausland gespielt. Ihr Sound verbindet Kraut mit Dada, druckvolle Klangwände mit funkelndem Glam und ausufernde Gitarrenexplosionen mit ironisch-witzigen Texten. Und jetzt folgt Album sechs.
Auf „Live at Clouds Hill“ zeigen Odd Couple ihre ganze Bandbreite – mit Hits wie „Dübelmann“ und „Haste Storm, haste Licht“ ebenso wie mit neuen Songs aus ihrem kürzlich erschienenen Album „Rush-Hour des Lebens“.
Ein energetischer, unmittelbarer Mitschnitt zweier Musiker, die genau wissen, was sie tun – roh, charmant verschroben und voller Spielfreude.
Am Samstag, 25. Juli 2026, wird in Hamm dreifach gefeiert: Kapelle Petra begeht ihr 30-jähriges Bandjubiläum, Sportfreunde Stiller feiern ebenfalls drei Jahrzehnte voller Musik, Freundschaft und Geschichten – und die Stadt Hamm blickt auf stolze 800 Jahre Stadtgeschichte zurück. Drei Anlässe, ein riesiges Fest: Das kAPEllE30 SOMMA Open-Air im Kurhausgarten Hamm.
Unter dem Motto „kAPEllE PEtra und die besten Bands der Welt“ lädt die Gastgeberband zu einem ganz besonderen Jubiläums-Spektakel ein. Und das Line-up kann sich sehen lassen: Neben den beiden Geburtstagskindern Kapelle Petra und Sportfreunde Stiller stehen Madsen, Butterwegge, MOLA und NIKRA auf der Bühne – sechs Acts, die in ihrer Vielfalt das Beste vereinen, was
deutschsprachige Rock- und Popmusik aktuell zu bieten hat.
Sportfreunde Stiller – 30 Jahre Hymnen, Humor und Herz
Seit 1996 schreiben Sportfreunde Stiller den Soundtrack für ganze Generationen. Songs wie „Ein Kompliment“ oder „Applaus, Applaus“ sind längst Teil der Popkultur – ehrlich, emotional und immer mit einem Augenzwinkern. Nach unzähligen Konzerten, WM-Hymnen und MTV-Unplugged-Erlebnissen feiern sie 2026 ihr 30-jähriges Bestehen. In Hamm treffen zwei Bands aufeinander, die nicht nur Geburtstag, sondern auch Geist, Haltung und jede Menge Spielfreude teilen. Wenn Sportfreunde Stiller beim kAPEllE30 SOMMA die Bühne betreten, trifft Geschichte auf Gegenwart – laut, herzlich, unvergesslich.
MOLA & NIKRA – die neue Generation
MOLA steht für modernen Indiepop mit Haltung, Seele und Rotz. Zwischen Tanzfläche und Melancholie singt Isabella Streifeneder über Freiheit, Selbstbestimmung und das bittersüße Chaos des Lebens – direkt, emotional und mitreißend. NIKRA bringt frischen Wind, Wut und Hoffnung auf die Bühne. Ihre kompromisslosen Texte und ihr wuchtiger Sound sind das Echo einer Generation, die nicht länger schweigt. Zusammen mit MOLA zeigt sie, dass die Zukunft der deutschsprachigen Popkultur weiblich, laut und vielfältig ist.
Madsen & Butterwegge – Freunde, Punk und Energie
Madsen, die langjährigen Weggefährten von Kapelle Petra, bringen ihre unverwechselbare Mischung aus Rock, Hymnen und Herzblut mit. Nach über 20 Jahren Bandgeschichte, neun Alben und Platz 1 der deutschen Charts sind sie live eine Naturgewalt – energiegeladen und ehrlich. Butterwegge wiederum liefern den Soundtrack für den politischen Punkrock mit Haltung und Humor. Zwischen Ska, Rock und Reggae versprühen sie gute Laune – mit klarer Kante und einem Augenzwinkern.
Das kAPEllE30 SOMMA Open-Air ist der musikalische Höhepunkt des HAMM800-Festivals, das vom 24. bis 26. Juli 2026 im Kurhausgarten stattfindet. Während am Freitag das KURPARKFEST800 den Auftakt macht und am Sonntag der FAMILIENTAG800 die ganze Familie zusammenbringt, steht der Samstag ganz im Zeichen der Musik – und drei Jubiläen, die generationsübergreifend verbinden.
Das neue Album kommt nicht ohne Grund mit einem Cover in leuchtendem Rot daher. Es ist ein Album über die Liebe geworden. Ina Müllers Lieder sparten zwar auch bisher nie an mal lustigen, mal tragischen Geschichten über Zwischenmenschlichkeiten, doch hier ist es anders. Hier ist es noch vielschichtiger, noch komplexer, noch überraschender. Ina Müller 6.0 ist keine Schmonzette, kein Kitsch, kein Kuschelrock. Das Album macht Liebe viel mehr auf eine ganz eigenständige Art zum Kernthema, ganz ohne den Zeigefinger eines wuchtigen Konzeptalbums.
Es ist scheinbar ganz von selbst ein Album über die Liebe, in all seinen Formen und Farben geworden. Den schönsten und den hässlichsten. Denen, die jeder kennt und natürlich denen, über die sich niemand sonst zu sprechen traut. Geschweige denn zu singen. Von der freien Liebe (“13 Männer“), der enttäuschten Liebe (“Gerade so, dass es reicht“, “Gestrandet“), bis hin zur Selbstliebe (“Mein neuer Freund“) und zum sich selbst genug sein (“Mit der stimmt doch was nicht“).
Zwischen all diesen Themen entsteht ein Spannungsfeld, das deutlich macht, dass Ina Müller nicht nur die Königin der Kneipe ist, sondern auf diesem Album auch mehr denn je die Königin der Ambivalenz. Mal postuliert sie feierlich, man brauche mindestens 13 Männer um glücklich zu sein, und beschreibt im nächsten Stück dann eine Frau, die allein, aber beileibe nicht einsam ist, um dann im rührend, nostalgischen beste Freundinnen Lied „Weiber WG“ eben dieser vorzuschlagen, doch wieder bei ihr einzuziehen.
Fotocredit: Sandra Ludewig
Sie widmet ihrem „neuen Freund“, der elektrisch in ihrem Nachttisch wohnt, eine wahre Hymne, bei der live sicher bald nicht nur die Feuerzeuge gezückt werden, und berührt im nächsten Moment mit einer bittersüßen Abrechnung mit der alten Feindin „Zeit“. Und auch wenn es sich vorher an so vielen Stellen andeutet, wird einem dann schließlich erst mit dem letzten Lied gänzlich klar, wem die Liebe in all diesen Liedern wirklich gewidmet ist.
Unterm Strich nämlich ist 6.0 ein farbenprächtiges Mosaik an Gründen, dieses seltsame, vielschichtige und oft so schmerzhafte Ding namens Leben in Grund und Boden zu lieben. Da kann es auch überhaupt gar kein Zufall sein, dass 6.0 das allererste Album ist, auf dessen Cover Ina Müller laut und herzlich lacht. Die Liebe zum Leben steckt in jedem Ton, auch noch in der traurigsten Zeile. Und das Beste daran ist, dass das Leben frei nach Udo Jürgens ja erst in ganzen 6 Jahren für Ina Müller anfängt! Spaß daran hat sie aber jetzt schon. Und wir alle mit ihr und diesem wunderbaren Update. Auf die Liebe! Und das Leben! Und auf Ina Müller 6.0! Das Album erscheint am 14.11. auf dem Label Columbia/Sony Music.
Fotocredit: Sandra Ludewig
Ab Oktober 2026 ist Ina Müller dann zurück auf der Bühne: Begleitet von ihrer Band geht die beliebte Sängerin, Moderatorin und Entertainerin wieder auf große Tour und spielt über 50 Konzerte in ganz Deutschland.
Die 6.0 Tour
10.10.2026 Siegen • Siegerlandhalle
16.10.2026 Heilbronn • Konzert- und Kongresszentrum Harmonie
Fans von Pink Floyd vermissen Liveauftritte ihrer Lieblingsband – seit Jahrzehnten. Ohne Frage! Doch zum Glück hält der 79jährige David Gilmour weiterhin die Fahne hoch und bestreitet wunderbare Konzerte, die sein Solowerk aber auch das Erbe von Pink Floyd hochhalten.
Das aktuelle Soloalbum „Luck and Strange“ wurde über fünf Monate in Brighton und London aufgenommen und ist Gilmours erstes neues Album seit neun Jahren. Die „Luck and Strange“-Tour begann mit zwei ausverkauften Warm Up Shows im Brighton Centre, bevor sie für sechs ausverkaufte Abende in den Circus Maximus in Rom zog, gefolgt von der Royal Albert Hall in London. Es folgten die USA mit ausverkauften Abenden im Intuit Dome und Hollywood Bowl (Los Angeles) und fünf ausverkauften Abenden im Madison Square Garden in New York.
Für diejenigen, die die Shows verpasst haben, bietet der Konzertflm „Live At The Circus Maximus“ eine einmalige Chance, dieses außergewöhnliche musikalische Ereignis am heimischen Bildschirm zu erleben. Zur Review liegt mir die 3DVD-Version vor. Die Setlist liefert eine schöne Mischung aus Klassikern von Pink Floyd und dem neuen Material vom Album „Luck and Strange“, das sich mit Themen rund um unsere Sterblichkeit befasst.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Es ist eine wirklich intensive Liveaufnahme mit Highlights wie „Wish You Were Here“, „High Hopes“ (mein Favorit!), „The Great Gig In The Sky“ und „Comfortably Numb“. Besonders berührend: Tochter Romany Gilmour gibt bei diesem Konzert ein atemberaubendes Debüt und spielt Harfe auf dem Cover eines Songs von 1999 mit dem Titel „Between two points“. Grandios!
David Gilmour ist hier in Topform – schwelgerisch, atmosphärisch, in unendlicher Spielfreude, mal still, mal laut, immer präsent, begleitet von einer fantastischen Band. Man wünscht sich, in dieser besonderen Location dabei gewesen zu sein. Zum Glück gelingt es der Produktion, die Atmosphäre einzufangen. Bild, Ton, Kameraführung – alles passt!
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Seit seinem Erscheinen im Jahr 1994 gehört das zweite Album der Cranberries „No Need To Argue“ zu meinem Allt-time-favourites. Seinen Erfolg hat es ganz klar dem Überhit „Zombie“ zu verdanken, doch es funktioniert in seiner Gesamtheit als rockiges, bisweilen düsteres Werk, das den Erfolg des Debüts mit der Hitsingle „Linger“ nochmal grandios toppte.
Der Gesang von Sängerin Dolores O’Riordan war eher zurückhaltend und sanft – und dies behielt sie bis zu ihrem viel zu frühen Tod im Jahr 2018 bei. Sie war eine zerbrechliche Seele und kurz vor ihrem Tod durfte ich sie zum Glück ein erstes Mal live erleben, in der luxemburgischen Rockhal. Ein bewegendes Konzert voller großartiger Songs.
Zum 30jährigen erschien „No Need To Argue“ in einer Anniversary-Edition, die erstmals das „MTV unplugged“ auf einen Tonträger bannte, das am 14. Februar 1995 mitgeschnitten wurde. Die Nachfrage war so groß, dass diese Liveaufnahme jetzt als eigenständige Veröffentlichung bei Island Records erscheint.
Auch mit 30 Jahren Abstand ist es ein wundervolles Konzert, das die ganze Klasse der Band und ihrer Sängerin zeigt. Ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht satt hören an dieser Aufnahme. Es gibt ein ganz reduziertes Set-up ohne große Produktion. Man konzentriert sich auf die grandiose Leadstimme und Akustik-Instrumente. Dazu setzt ein Streichquartett ganz eigene Akzente.
Dolores zeigt sich zugleich verwundbar wie kraftvoll. Die Setlist enthält alles, was ich mir wünsche: „Dreaming My Dreams“, „Ode to My Family“, „Linger“, „Free to Decide“, den Titelsong „No Need to Argue“ und das unvermeidliche „Zombie“ in einer ganz besonderen Version. Man kann die Atmosphäre im Howard Gilman Opera House (Brooklyn, New York) wirklich greifen und zu sich nach Hause holen. Kaum zu verstehen, dass diese Aufnahme bisher nicht erhältlich war, aber jetzt wird ja alles gut.
Bereits zum zweiten Mal läuft das Musical „Romeo und Julia“ mit Songs von den Komponisten und Textern Peter Plate und Ulf Leo Sommer im Berliner Theater des Westens. Die Produktion ist so erfolgreich, dass es mit „Die Amme“ sogar ein echtes Spin-Off dazu gibt. Zur Geschichte muss man vermutlich nicht viel sagen, aber das Konzept ist wirklich einzigartig: Die gesprochenen Dialoge stammen weitgehend aus der deutschen Shakespeare-Übersetzung von August Wilhelm Schlegel und bleiben im Kern erhalten, also klassische Texte in bearbeiteter Form. Die Songs hingegen sind neu und modern: Popstücke, Arien und musikalische Elemente, die dem Musical eine kraftvolle, zeitgemäße Stimme verleihen.
Ich habe das Stück in der ersten Spielzeit 2023 gesehen und war rundum begeistert. Die meisten Songs wurden von Plate und Sommer neu geschrieben, doch es gibt auch zeitlose Ohrwürmer aus dem Rosenstolz-Repertoire, wie den Signature Song „Liebe ist alles“. So ist das Musical eine rundum gelungene Sache und der Soundtrack hat mir auch auf CD gut gefallen.
In der zweiten Spielzeit, die aktuell noch läuft, wurde „Romeo & Julia – Liebe ist alles“ mit 500.000 Besucher*innen zum aktuell beliebtesten Musical in Deutschland. Die Idee, die Songs des Musicals von bekannten Künstler*innen neu zu interpretieren, kam von Peter Plate und Ulf Leo Sommer „irgendwie von ganz alleine“, wie sie selbst sagen. Eine solche Idee hatten sie bereits mit den Musicals „Ku’damm 56“ sowie „Bibi & Tina“ wunderbar umgesetzt. „Wir haben einfach befreundete Künstler und Künstlerinnen wie Max Raabe und Annett Louisan angerufen und gefragt, habt ihr Lust, mitzumachen und glücklicherweise haben alle ja gesagt und hier sind wir – wir freuen uns sehr.“
So sind also die großartigen STAR Versionen zu „Romeo & Julia – Liebe ist alles“ entstanden. Kürzlich erschienen sie als Gesamtwerk mit 23 Interpretationen. Ob Pop, Schlager, Chanson oder Alternative, die verschiedensten Genres sind vereint auf einem Album. Und es sind einige großartige Versionen dabei: „Dann fall ich“ passt so wundervoll zu dem emotionalen Florian Künstler. „Rosalinde“ gibt es gleich in drei unterschiedlichen Versionen, ganz nostalgisch von Max Raabe und bodenständiger von Kerstin Ott. „Liebe ist alles“ wird grandios von Roland Kaiser vorgetragen – ein weiteres Highlight! Die Boyband voXXclub schmettert „Wir sind Verona“ und The BossHoss geben „Just don’t take the rich guy“ ordentlich Schmiss. Selbst Conchita Wurst ist mit dabei und gibt den Todesengel („So kalt der Tod“). Mit dieser Performance durfte er auch als Gast im Theater des Westens dabei sein.
Momentan läuft das Musical noch in Berlin, danach soll es auf Tour gehen. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall. Und diese CD ist eine hervorragende Einstimmung.
Die Frage, die der Supportact „War and Peas“ zu Beginn seiner Performance stellte, war absolut berechtigt. Tatsächlich meldeten sich nämlich recht wenige Anwesende auf diese Frage. Viele wussten demnach gar nicht, was an diesem Abend in der Saarlandhalle passieren würde. Trotzdem war der Saal mehr als ordentlich gefüllt. Es gab nur noch wenige Einzelplätze und somit sehr viele Menschen in gespannter Erwartung. Marc-Uwe Kling hat durch die Variationsbreite seiner Veröffentlichungen inzwischen ein Publikum, das von Kindern über Comic-Liebhaber und Hörspielfans bis hin zu Fantasy- und Science Fiction-Freunden reicht. Sein neues Werk „Elon & Jeff on Mars“ verbindet sie alle und die verschiedenen Generationen waren anwesend.
Auf der Bühne gab es eine große Leinwand und zwei „Arbeitsplätze“. Kling erschien gemeinsam mit dem Zeichner Bern Kissel und jeder hatte seinen Schreibtisch. Dann passierten zwei Dinge gleichzeitig: Kissel bekam vom Publikum Ideen für einen neuen Känguru-Strip geliefert und legte gleich los. Über eine spezielle „Bernd-Cam“, auf die Marc-Uwe immer mal wieder umschaltete, konnte man auf der Leinwand seine Fortschritte verfolgen. Inzwischen las Kling frisch und locker mit verstellten Stimmen eine neue Geschichte vom Känguru vor – aus dem nächsten Buch, das in 2026 erscheinen soll. Kenner wissen ja schon, dass die Hörspiele von Marc-Uwe noch besser funktionieren als seine Bücher. Und hier gab es die ganze Breitseite an Emotionen und skurriler Geschichte.
Das als Einstieg. Dann machte Kling Platz für den Support. War and Peas sind Jonathan Kunz und Elizabeth Pich. Beide stammen aus dem Raum Saarbrücken und hatten als Lokalmatadoren einen eigenen Stand im Foyer. Der wurde nach ihrer kurzen Lesung gut besucht, denn es war ein Genuss, was von ihnen geboten wurde. Wie funktioniert denn nun die Lesung? Klar: Bilder auf der Leinwand, Texte werden gelesen. In diesem Fall: Vier Bilder, zum Schluss die Pointe. Und es ging Schlag auf Schlag! „Liebe Erde“ versammelt Strips über unseren (nicht so vorbildlichen) Umgang mit dem Planeten. Bäume, Berge, Tauben, Meerjungfrauen, Aliens, Gottesanbeterinnen, Hunde ― alle machen sich über uns Menschen lustig und zeigen uns mit Biss und Humor unbequeme Wahrheiten auf. Im zweiten Teil durfte man dann einige skurrile Monster und ihre Abenteuer kennen lernen. Auf jeden Fall großartig, was die beiden da machen. Man findet sie auf Instagram und anderen Portalen. Lohnt sich absolut, da mal reinzuschauen.
Dann aber wieder Marc-Uwe Kling. Um wen es bei „Elon & Jeff“ geht, dürfte klar sein, auch wenn die Namen leicht verfremdet werden:
Die beiden superfiktiven Multimilliardäre Elon Dusk, Chef des Automobilherstellers Edison, und Jeff Jezos, Gründer von The Shop, dem weltweit größten Versandhändler, liefern sich ein Wettrennen zum Musk. Sorry, ich meine natürlich zum Mars. Ein Schelm, wer Bezos dabei denkt. Einmal angekommen, erbringen die beiden den Beweis, dass ein Planet nur zwei Bewohner braucht, damit diese sich in Nachbarschaftsstreitigkeiten verwickeln. Ob ein Maschendrahtzaun die Lösung ist? Doch dann verschwindet Jeffs Assistenzroboter ALEX und die beiden reichsten Männer des Mars müssen lernen, dass auf dem roten Planeten noch ganz andere Gefahren lauern als bekloppte Nachbarn. Elon und Jeff, bekannt aus den Känguru-Comics, erleben hier ihr erstes großes Abenteuer. Marc-Uwe Kling und Bernd Kissel präsentieren eine aberwitzige Satire über zwei Typen, die mehr Geld haben als es für irgendjemanden gut sein kann.
Wie Kling selbst sagt: Man muss diese Story schon auf dem Mars spielen lassen, um die Zustände um die beiden Exzentriker überhaupt noch überspitzt darstellen zu können. Denn wenn man die Realität beschreiben würde, wäre das schon krass genug.
Nach einer Stunde gab es eine kurze Pause, dann ging es weiter, womit die Lesung auf gut zwei Stunden netto kam (plus Pause). Es wurde viel geboten: Die Geschichten vom Mars, dazu noch Neues vom Känguru, Live-Zeichnungen mit Beteiligung des Publikums und am Ende (aus aktuellem Anlass) eine „Stadtbild“-Versteigerung. Um den unsäglichen Sprüchen von Kanzler Merz entgegenzuwirken, zeichnete Kissel ein Stadtbild von Saarbrücken, das am Ende für 450 Euro zugunsten von „EXIT Deutschland“ (Aussteiger-Organisation für ehemals Rechtsextreme) versteigert wurde. Tolle Sache!
Lohnt sich eine Comic-Lesung? Definitiv! Beim nächsten Mal wird die Saarlandhalle vermutlich komplett ausverkauft sein.
Seit 45 Jahren sind die Haudegen um den genialen Frontmann Justin Sullivan als Band unterwegs. Gegründet im britischen Bradford stand man von Beginn an für eine linke, alternative Weltanschauung und politische Tiefe. Namensgeber war die historische New Model Army aus dem englischen Bürgerkrieg, die für Rebellion und Unabhängigkeit stand. Nach vielen Besetzungswechseln ist Justin die einzige Konstante im Line-up, doch auch die jetzige Zusammensetzung ist schon seit 13 Jahren konstant. Davon können andere Bands nur träumen.
Bevor es aber mit Army los ging, war die Trierer Band vandermeer für einen 45minütigen Support am Start. Laut und rockig begleitete die Band Namensgeberin Harmke van der Meer bei ihrem Gesang, der zwischen anmutigen und aggressiven Klängen schwankte. Seit 2016 spielt man eine Mischung aus Shoegaze und Indierock. Das aktuelle Album „Grand Bruit“ erschien Ende 2022.
In Neunkirchen schuf die Band eine kräftige Soundkulisse, die beim Publikum sehr gut ankam und ordentlich gefeiert wurde. Bisweilen gingen Harmkes Vocals ein wenig im großen Klangteppich unter. Es war halt etwas Konzentration erforderlich, um dem Geschehen zu folgen, was dem Publikum aber nicht schwer fiel.
Stark fand ich vor allem die langsamen, sphärischen Shoegaze-Stücke, die viel Melancholie atmeten und zeitweise sehr im modernen Progressive Rock verhaftet schienen. Insgesamt ein starker Auftritt, der der Band sicherlich einige neue Fans eingebracht hat.
Um 21.15 Uhr war es endlich an der Zeit für NEW MODEL ARMY, die ihr Set mit „White Light“ vom 93er Album „The Love of Hopeless Causes“ begannen. Mit diesem Album begann – recht spät – meine Liebe zur Band und so konnte es nur ein cooler Abend werden. Wer jetzt allerdings einen Partyset erwartet hatte, wurde zunächst enttäuscht. NMA haben es (immer noch nicht) nötig, sich auf ihren Klassikern auszuruhen. In mehr oder weniger großen Abständen erscheinen neue Alben wie das Werk „Unbroken“ aus 2024, dessen Titel sicher auch für die standhafte Haltung der Band in wirren Zeiten steht.
So folgten gleich fünf Songs, die von Alben der letzten elf Jahre stammen. Gefeiert wurde im Publikum trotzdem, was für die Treue der Fans spricht. Vor allem der Tribal Sound im Duett mit den Drums wurde ordentlich bejubelt. Und dann sorgte „Here Comes the War“ schließlich für größere Strahlkraft im Set. Justin war diesmal nicht besonders gesprächig, aber man spürte seine Mischung aus Wut und Verzweiflung, wenn er den „Gaza genozid“ anprangerte und mit der aktuellen Politik haderte.
„Do You Really Want to Go There“ erzählt von den falschen Versprechungen der sozialen Medien, „Notice Me“ stammt als ältester Song des Abends vom 1984er Album „Vengeance“. So schloss sich der Kreis durch die Jahrzehnte und es gab mit dem umjubelten „Vagabonds“, „See You in Hell“, „Stormclouds“ und „“225“ ein glänzendes Finale im Hauptset, der knapp 90 Minuten gedauert hatte.
Der Zugabenblock sah dann drei Klassiker in 20 ausgedehnten Minuten. „Nor Rest“ wurde gar um einen Schnipsel von Black Sabbaths „War Pig“ als Hommage an den gerade verstorbenen Ozzy Osbourne erweitert. Es folgten „Purity“ und die abschließende Hymne „Wonderful Way to Go“. Fazit: Rundum zufriedene Gesichter.
Der Altersschnitt im Publikum war recht hoch, doch wer sich daran störte, sollte besser nicht in den Spiegel schauen. Fans und Band werden gemeinsam älter – doch der Spirit und die Attitüde bleiben. Wie sagte Justin als Einstieg zu „Purity“ und als Antwort auf die rechten „Fuckers“ in der Welt? Jedes Blatt am Baum ist verschieden, und doch sind wir alle eins!
Der 27-Jährige Noah Kahan aus dem US-Staat Vermont präsentierte bisher drei Alben prall gefüllt mit smarten, intensiven und schlichtweg mitreißenden Pop-Folk-Songs über Lebenswege, Sehnsüchte, Träume und Ängste. Seine Musik wird quer durch alle Generationen gefeiert, was Noah Kahan mit seinem Storytelling erklärt: „Ich sage nicht, dass ich der Meister im Geschichten erzählen bin. Aber ich werde es immer wieder versuchen.“
Sein aktuelles Album „Stick Season“, das erstmals bereits im Oktober 2022 erschien, sowie der Titelsong bescherten ihm den internationalen Durchbruch, den lange verdienten Erfolg in den Charts und vor allem die Liebe des globalen Publikums. In den USA erreichte „Stick Season“ Platz 3 der Billboard Charts, in Großbritannien und Irland schoss es an die Spitze. Anfang Februar 2024 veröffentlichte er mit dem dreißg Tracks umfassenden Album „Stick Season (Forever)“ den letzten Teil seiner „Stick Season“-Serie inklusive der neuen Single „Forever“ und ganz frischen Kollaborationen mit den GRAMMY®-Veteranen Brandi Carlile und Gregory Alan Isakov.
Fotocredit: Aysia Marotta
Zur Review liegt mit die Vinylausgabe des 55minütigen ursprünglichen Albums als Doppel-LP mit ihren vierzehn Tracks vor. Und die hat es auch nach anderthalb Jahren noch in sich. Das Album ist voll mit wundervollen nostalgischen Melodien, die zu Herzen gehen. Da ist der Opener „Northern Attitude“ zwischen Folk und sanftem Country als große Hymne. Noahs Stimme weiß von Beginn an zu überzeugen, auch wenn er im eindringlichen Titelsong ganz reduziert und akustisch um die Ecke kommt.
So singt er sich emotional durch seine Geschichten, beschreibt die Heimat New England – naturverbunden und authentisch. Gerne macht er sein Innenleben zum Thema und engagiert sich neben der Musik auch für mentale Gesundheit. Ein durch und durch bodenständiger Typ, dessen Album mich vom ersten bis zum letzten Ton überzeugt. Ich muss gestehen, dass Noah Kahan bisher ein unbeschriebenes Blatt für mich war, aber ich werde seine Karriere definitiv weiter verfolgen.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Die vorliegende CD hat mich sehr erfreut und zugleich sehr enttäuscht. Längst war es überfällig, dass sich jemand ein Beispiel an dem (manchmal schon arg überstrapazierten) „American Songbook“ nimmt und sich mit der deutschsprachigen Kulturlandschaft in Form eines Jahrhunderte umfassenden Liedguts annimmt. Die Tracklist hat mich dann auch überwältigt – mit Klassikern wie „Die Gedanken sind frei“ und „Winter ade“, einem selbst arrangierten Mix (!) aus beiden Nationalhymnen, religiösen Schwergewichten wie „Großer Gott, wir loben dich“ und „Schönster Herr Jesu“, aber auch Popsongs aller Metiers von „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ über „Abenteuerland“ bis hin zu „Über sieben Brücken“. Die Vielfalt ist einfach überwältigend und trotz der riesigen Bandbreite absolut logisch.
Sehr enttäuscht bin ich, weil Falk sich auf eine instrumentale Interpretation der Stücke beschränkt. Die Arrangements sind frisch und lebendig – alles andere als verstaubt. Doch eine Gesangsstimme wäre meiner Ansicht nach ein großes Plus gewesen. Ohnehin singt man die bekannten Lieder während des Hörens im Kopf mit. Ich vermute also, dass Dieter Falk nicht von den Pianoläufen und Keyboard-Arrangements ablenken wollte, doch ohne die Texte fehlt mir die Essenz der Stücke. Schade.
Davon abgesehen bin ich aber weiterhin von der Idee dieses Albums begeistert und es gibt wundervolle Momente wie Ötzis „Stern“ in einer bläserlastigen Swing-Version, die melancholische Melodie von „Abenteuerland“, die Country-Attitüde bei „Über sieben Brücken“ und das poppig-verspielte „O du fröhliche“.
Dieter Falk hat als Produzent 20 Millionen CDs verkauft, war für fünf ECHOs nominiert, hat Pop-Oratorien komponiert und in seiner Autobiografie die langlebige Zusammenarbeit mit Stars wie PUR und Pe Werner ausgiebig gewürdigt. Er zählt definitiv zu den großen Machern im Hintergrund der Szene und die Auswahl für sein „German Songbook“ ist durchaus essentiell.
Bonny Light Horseman, das Trio bestehend aus Anaïs Mitchell, Josh Kaufman und Eric D. Johnson, haben mit Jagjaguwar eine neue Labelheimat gefunden und veröffentlichen mit „When I Was Younger“ eine neue Single.
Produziert von Josh Kaufman und aufgenommen in einem jahrhundertealten irischen Pub – dem Levis Corner House (Ausgesprochen: leh-viss) – erscheint zur Single auch ein Video, das vor Ort von Jason Lee, Donal Scannell und Colm Rooney gedreht wurde. Mitchells und Johnsons bittersüße Stimmen treffen aufeinander und verwandeln sich in ein zweiköpfiges Biest aus aufgestauten Emotionen, während der Text von Mutterschaft, Reifung und all den Dingen handelt, die eine breite Gesellschaft nicht laut ausspricht.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
„There’s a whole genre of trad songs with this ‘domestic frustration’ sentiment, like ‘Single Girl Married Girl,’ ‘Wish I Was A Single Girl Again,’ etc. This song is inspired by those, but we wanted to write it as a duet, to tell two sides of a story,“ sagt die Band. „We recorded it live, so you can hear coughing, cars, and the whole audience did that wordless wail with us in the middle. It felt like a primal collective shake-off. Next morning we were collecting our things from the pub and the owner Joe was out front in flip-flops sweeping up the cigs from the street singing, ‘When I was younger, I used to dress fancy…’“
Im Laufe der Jahre hat das Kerntrio von Bonny Light Horseman einen unvergleichlichen Lebenslauf angehäuft. Mitchell ist gefeierte Solokünstlerin sowie Songschreiberin des Broadway-Musicals Hadestown, das acht Tony Awards und einen Grammy für das beste Musical-Theater-Album erhielt. Johnson ist vor allem als Kopf der beliebten Indie-Band Fruit Bats, als langjähriger Mitarbeiter von The Shins und als Komponist von Filmmusik bekannt. Und Kaufman ist ein Multitalent: Songwriter, Produzent und Gitarrist, der mit Künstlern wie Bob Weir, The War on Drugs, Taylor Swift, Hiss Golden Messenger und The Hold Steady zusammengearbeitet hat.
Als Gruppe erhielt das selbstbetitelte Debütalbum von Bonny Light Horseman eine Grammy-Nominierung für das beste Folk-Album, während der Song „Deep in Love“ für die beste amerikanische Roots-Performance nominiert wurde. Das von der Kritik gefeierte Nachfolgealbum „Rolling Golden Holy“ brachte ihnen Auftritte bei CBS Saturday Morning und The Late Show with Stephen Colbert’s #LateShowMeMusic series ein und landete auf den Jahresend-Best-of-Listen von Paste, Brooklyn Vegan, Under The Radar und MOJO, um nur einige zu nennen.
Mit einem ausgeprägten Sinn für Anmut und der Erinnerung daran, dass das Leben am Besten ist, wenn Dinge nicht perfekt laufen, nähern sich Bonny Light Horseman einem neuen Album.
Nachdem das preisgekrönte, auf Richard Hawleys Songs basierende Musical „Standing At The Sky’s Edge“ Anfang des Monats Premiere feierte und nun für sechs Monate im Londoner West End aufgeführt wird, veröffentlicht Hawley mit „Two For His Heels“ eine neue Single.
„Two For His Heels“ ist ein karger, atmosphärischer und filmischer Song über einen schief gelaufenen Deal, dessen tiefer Blues an Link Wray oder Duane Eddy erinnert und außerdem der Opener von Hawleys neuem Album „In This City They Call You Love“ ist, welches am 31. Mai 2024 via BMG erscheinen wird.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
„In This City They Call You Love“ enthält 12 herausragende Songs, von denen viele aus ‚Vintage Hawley‘ bezeichnet werden könnten und zu den schönsten Balladen gehören, die er je geschrieben und aufgenommen hat. Wunderschöne Melodien und Arragements werden von Hawleys gefühlvoller und sonorer Stimme begleitet, die besser als zuvor klingt auf einem Album, das Hawleys Status als einer der besten Songwriter unterstreicht.
Der Titel des Albums stammt aus dem Song „People“, der vielleicht der beste Song ist, den Hawley über sein geliebtes Sheffield, die stolze industrielle Vergangenheit der Stadt und die beständige Entschlossenheit ihrer Bürger geschrieben hat.
Richard Hawley sagt: „I’ve made three albums where I had the title before I’d even begun to record, where I had an agenda. One was Truelove’s Gutter. Another was Standing At The Sky’s Edge when I wanted to turn everything up and make the music a lot more aggressive, and then this one. I wanted it to be multi-coloured in a way… focusing on the voice and what voices can do together… I deliberately only played a handful of guitar solos to keep it focused on voices, the song and space…“
Fotocredit: Dean Chalkley
Über Richard Hawley:
In den zwei Jahrzehnten, die vergangen sind, seit Richard Hawley das Bandleben hauptberuflich aufgegeben hat – zuerst mit The Longpigs und dann als Gitarrist von Pulp – hat der 57-jährige Songwriter eine der einzigartigsten und vielfältigsten Karrieren der modernen Musik geschmiedet.
Neben einer Reihe von Soloalben, die das seltene Kunststück vollbracht haben, sowohl von der Kritik gelobt zu werden als auch kommerziell erfolgreich zu sein, hat Hawley mit einer Vielzahl beeindruckender Kollaborateure zusammengearbeitet – mit Freunden wie den Arctic Monkeys, den Manic Street Preachers, Elbow und Paul Weller, aber auch mit persönlichen Helden wie dem US-Gitarrist Duane Eddy (sein 2011er-Album Road Trip wurde von Richard mitproduziert), Shirley Bassey (für die er 2009 die schwelende Ballade After The Rain schrieb), Nancy Sinatra, die verstorbene Lisa Marie Presley und die britischen Folk-Größen Martin Carthy und die verstorbene Norma Waterson (er war fester Bestandteil der Bright Phoebus Revisited-Tour von 2013). Es gibt auch echte Popstars wie Robbie Williams, All Saints und Texas, mit denen Hawley im Laufe der Jahre in unterschiedlichen Funktionen zusammengespielt hat. Sein Song Tonight The Streets Are Ours war in The Simpsons und Exit Through The Gift Shop: A Banksy Film zu hören.
In jüngster Zeit erschienen seine Songs in den Fernsehserien Peaky Blinders, The Full Monty und Hijack sowie in dem hochgelobten und preisgekrönten Musical Standing At The Sky’s Edge, das nach seinem Album von 2012 benannt wurde. Dear Alien (Who Art in Heaven), das er gemeinsam mit Jarvis Cocker und Wes Anderson für Andersons Film Asteroid City geschrieben hat, stand kürzlich auf der Shortlist für den „Best Original Song“ bei den diesjährigen Oscars®.
Das erfolgreiche und preisgekrönte Musical Standing At The Sky’s Edge enthält 20 Songs von Richard Hawley und gewann bei den Olivier Awards 2023 den Preis für das beste neue Musical und überreichte Hawley die beste Originalmusik. Nach ausverkauften Vorstellungen im Sheffield’s Crucible Theatre und im Londoner National Theatre begann Anfang dieses Monats eine sechsmonatige Spielzeit im Londoner West End Gillian Lynne Theatre.
Ebenfalls im Jahr 2023 spielte Richard fünf umjubelte Shows mit John Grant, in denen er die Songs von Patsy Cline interpretierte. Und im Oktober 2023 wurde sein Very Best of… ‚Now Then‘ zu seinem vierten Top-10-Album und erhielt hervorragende Kritiken in allen Medien. Zum Beispiel:
„Immaculately crafted records combining his rich and timeless vocals with artfully sincere studies of his hometown. Hawley remains a beautiful singer and astute observer.“ – Uncut magazine
„The sumptuous, cinematic quality of his music is ultimately what he’ll be remembered for.“ – Shindig!
„One listen to this extensive catalogue of songs is enough to confirm what a magnificent representation it is of Richard’s immense talents as one of the UK’s greatest songwriters and performers.“ – Louder Than War
“This is a perfectly encapsulated overview of one of our real national treasures.” – Vive Le Rock
Zu Beginn amüsierte sich Comedian Patrick Salmen köstlich darüber, dass sein aktuelles Buch „Yoga gegen rechts“ kürzlich Platz 3 der amazon-Yoga-Charts zierte. Dabei geht es hier tatsächlich gar nicht um achtsame Leibesübungen mit Yogamatte, sondern um Alltagserzählungen aus dem Leben eines Sohnes und Familienvaters. Wäre auch zu schön, wenn man mit Yoga tatsächlich etwas gegen Rechtspopulisten und Nazis ausrichten könnte.
Salmen ist 38 Jahre alt, wurde in Wuppertal geboren und hat Germanistik sowie Geschichte auf Lehramt studiert. Inzwischen ist er als Autor, Satiriker, Poetryslammer und YouTuber einem breiten Publikum bekannt. Gut so, denn er erscheint überaus sympathisch auf der Bühne in der Trierer Tufa, hat das Publikum sofort auf seiner Seite und man kann ihm über zwei Stunden lang sehr gut zuhören.
Was er bietet, ist keine Standup-Show. Vielmehr eine Lesung aus seinem Buch, die durch Zwischenmoderationen unterbrochen wird. Dies aber wird mit viel Witz und Charme dargeboten. Patrick Salmen lacht häufig selbst über seine gelungenen Sätze und die vermutlich nicht zu 100% selbst erlebten Anekdoten. Aber immer bleibt er authentisch und man denkt sich: wenn es vielleicht nicht wirklich so war, hätte es doch so sein können.
Credit: KNAUR Verlag
Sehr lebensnah sind die Erzählungen als cooler Vater auf dem Kinderspielplatz zwischen sorgsamen Müttern und Aktiv-Ulrich. Allein die zitierten O-Töne der Kinder sind köstlich. Dann die Anekdote als Protokollführer beim Elternabend, wobei die Geschichte schnell total aus dem Ruder läuft. Man wäre gern dabei gewesen.
In der Story „Mit dem Swipen sieht man besser“ erzählt er augenzwinkernd von eigenen Erfahrungen beim Tinder-Konkurrenten Bumble und die sogenannten „Cremigen Dialoge im Café“ sorgen als Auflockerung stets für erhellende Heiterkeit. Etwas ernster ist da schon die Geschichte vom Vater, der gefühlsmäßig etwas unbeholfen scheint – wenn er beispielsweise dem Sohn nach der Trennung ein Kochbuch mit dem Titel „Nur für echte Kerle“ schenkt oder ihn mit den Worten „Toi! Toi! Toi!“ in einen Klinikaufenthalt verabschiedet. Da muss der Zuhörer kurz schlucken, denn Salmen spricht sehr offen über das Thema Depression.
Auch die Achtsamkeit des Yoga-Überthemas wird natürlich abgehandelt, indem Patrick beispielsweise aus seinem „Dankbarkeitstagebuch“ zitiert oder ganz zum Schluss im „Achtsamkeitsquiz“ wettbewerbsmäßig zwei Zuschauerinnen abfragt, was vom Abend bei ihnen hängen geblieben ist.
Zwischenzeitlich wurde es sehr ernst, als Salmen in einem langen Statement vom alltäglichen Rassismus und den Privilegien weißer Menschen berichtete, das Gegenstehen zu populistischen Äußerungen forderte und sich ein Land ohne Fremdenfeindlichkeit wünschte. Auch solche Themen sind wichtig und machten keineswegs die humoristische Ader des Abends kaputt. Schließlich geht es darum, Menschen auch in Zeiten von AFD-Geschwurbel zum Lachen zu bringen und so eine Form von Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, die dem Rechtspopulismus entgegen wirkt.
Mission gelungen! Der Autor zeigte sich im Anschluss noch sehr publikumsnah, verkaufte und signierte Bücher, ließ sich auf kurze Gespräche ein und sammelte Spenden für die Organisation „Exit“, die Aussteiger*innen aus der rechten Szene hilft. Ein durch und durch gelungener Abend. Popp Concerts haben hier mal wieder ein gutes Händchen bewiesen für einen Comedian, der noch nicht so im Rampenlicht steht wie die Kolleg*innen, die Arenen und Stadien füllen. Gerne wieder!