Wolfgang Niedeckens BAP am 31.5.2018 in der Arena Trier

Photo credit: Simon Engelbert
DATUM» 31.05.2018
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Das spielfreie Jahr ist vorüber – Wolfgang Niedecken und seine Band wollen wieder auf die Bühne. Tourstart war am 30. Mai in der Stuttgarter Liederhalle – und schon am Tag drauf zog es den Kölner in die Region, in der sein Kölsch ganz unproblematisch verstanden wird: Trier war für BAP schon immer eine Art Heimspiel. So fanden sich gut 3.000 Zuschauer verschiedener Generationen – okay, die Ü40 war überproportional stark vertreten – zu dem Konzert ihres Heroen ein, der nun schon seit über 40 Jahren mit BAP auf der Bühne steht.

Von der Band ist als einzig verbliebenes Gründungsmitglied nur der 67jährige Frontmann vertreten. Umgeben hat er sich mit exzellenten Musikern wie dem Gitarristen Ulrich Rode, Schlagzeuger Sönke Reich und Keyboarder Michael Nass. Zudem ist die Multi-Instrumentalistin Anne de Wolff schon seit Jahren mit am Start. Neuheit auf der Bühne ist ein Bläsertrio bestehend aus Trompete, Saxophon und Posaune, das die Band musikalisch begleitet und Songs wie „Waschsalon“ einen ganz besonderen, groovigen Sound verleiht. Das war auch schon der zweite Songs des Abends und dem Publikum war die Begeisterung anzuhören, dass es auch genügend Klassiker im Set geben wird.

Das letzte Album Niedeckens war nämlich ein Soloalbum namens „Reinrassije Stroossekööter“, das er seiner Familie gewidmet hat. Inzwischen spielt es ja keine Rolle mehr, ob Wolfgang Niedecken ein Album unter seinem eigenen Namen oder dem Bandnamen BAP veröffentlicht. Die Grenzen verschwimmen schon lange – und nach den Umbesetzungen der Band spielt auch die Trennschärfe keine Rolle mehr. Was höchstens auffällt: Wenn nur Niedecken (ohne BAP) drauf steht, dann ist noch mehr kölsche Sprache drin. Warum Familienalbum? Ganz einfach: Niedecken hat hier die Songs versammelt, in denen seine Familie eine Rolle spielt. 13 Titel, zwölf davon neu arrangiert und aufgenommen, den Albumtitel als Opener ganz neu geschrieben. Von diesem Album gab es  einiges zu hören, sodass es einem bisweilen wie eine Mogelpackung vorkam, doch eigentlich auf einem BAP-Konzert zu sein. War aber nicht weiter schlimm, denn mit den entspannten atmosphärischen Songs der neueren Ära wurde es ein wunderschönes Konzerterlebnis.

Dass das Publikum älter geworden ist, merkte man daran, dass die Stehplätze im Innenraum nur zu einem Drittel gefüllt waren. Die Ränge aber mit ihren Sitzplätzen platzten aus allen Nähten. Auch auf der Bühne gab es ein entspanntes Setting: Große LCD Leinwand, Palmen, eine hölzerne Tür samt Eingangstreppe. Mit diesen Requisiten konnte man jede Einheit schön gestalten und die Tür wurde sowohl zur Startseite eines Familienalbums voller Schwarz-weiß-Bilder als auch zur Pforte in Regionen wie New Orleans.

Niedecken stand topfit auf der Bühne. Seinen Schlaganfall erwähnte er kurz, machte aber kein großes Thema daraus. Allerdings war zu bemerken, dass er es vermied, allzu sehr im Mittelpunkt zu stehen. Die Band bekam sehr viel Raum und nutzte diesen auch aus. Die Mischung aus neueren Stücken und freudig bejubelten Mitsing-Klassikern zog sich durch den ganzen Abend. Ein Set aus klaren Botschaften und tiefgehenden Texten, die heute aktueller denn je erscheinen. Man denke nur an „Kristallnaach“ und „Arsch huh, Zäng ussenander“ mit all ihrer politischen Brisanz der Gegenwart.

Wolfgang Niedecken mahnte das Publikum zu Frieden, Demokratie und gesellschaftlichem Miteinander. Für seine Statements erntete Wolfgang Niedecken langanhaltenden Beifall und deutliche Zustimmung seitens der Trierer. Aus dem bemerkenswerten Riesenrepertoire wurden viele rockige Songs, aber auch viele ruhige Stücke bewusst ausgewählt, die keineswegs zusammengewürfelt schienen, sondern einen hervorragenden Mix aus Nachdenklichkeit und Lebensfreude darstellten. „Bahnhofskino“ im neuen Arrangement erzeugte Gänsehaut. Ulrich Rohde führte das Publikum an der Akustikgitarre mit bekannten Klängen aus „Do kanns zaubere“ hin zu „Jupp“. Es gab „Frau ich freu mich“ zum Feiern und „Songs sinn Dräume“ zum Innehalten.

Vieles war sehr melancholisch gehalten. Dann zogen wieder die Bläser an und es gab laut arrangierte Parts. Mein persönliches Highlight war das Triple mit „Anna“, „Wie schön dat wöhr“ und Do kanns zaubere, das hier endlich komplett gespielt wurde. Dieses Akustik-Set mit Anne de Wolff am Cello war sehr berührend. Und Niedecken erzählte von seinen Töchtern, für die er „Wie schön dat wöhr“ geschrieben hat.

Trotz der recht ruhig gehaltenen Show gab es nach dem Hauptset um kurz nach 22 Uhr Standing Ovations auch auf den Tribünen. Andere Konzerte sind an diesem Punkt längst vorüber, doch da kennt man Niedecken schlecht. Schon mit BAP in den 90ern gab es keine Konzerte unter drei Stunden. Und auch hier sollte es bis nach 23 Uhr mit den Zugaben weiter gehen. Allerdings mussten sich die Zuschauer damit zurecht finden, dass es viele Songs, auch die „Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau“, in Coutry-Rock-Arrangements zu hören gab. Da haben die Aufnahmesessions in New Orleans also ihre Spuren hinterlassen. 

Zum Ende durfte man sich aber auch über das lang ersehnte „Verdamp lang her“ und den wundervollen Rausschmeißer „Jraaduss“ freuen. Die Tour wird noch lange andauern. Daten findet ihr unten im Text. Das Trierer Publikum wird vermutlich seine Empfehlung aussprechen – zumindest sah man auf dem Weg zum Auto hauptsächlich beseelte Gesichter.

Setlist, Arena Trier, 31.5.2018

Drei Wünsch frei
Waschsalon
Psycho-Rodeo
Diss Naach ess alles drinn
Reinrassije Stroossekööter
Chippendale Desch
Et ess wie et ess
Bahnhofskino
Jupp
Frau ich freu mich
Dausende vun Liebesleeder
Songs sinn Dräume
Anna
Wie schön dat wöhr
Do kanns zaubere
Nemm mich met
Absurdistan
Vision von Europa
Kristallnaach
Arsch huh, Zäng ussenander

Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau
Nix wie bessher
Jebootsdaachspogo
You ain’t going nowhere
Aff un zo

Suwiesu
Verdamp lang her
Jraaduss

Tourdaten 2018

03.06.2018 19:00 Uhr Korbach Festzelt Hessentag Korbach
05.06.2018 20:00 Uhr München Circus Krone
06.06.2018 20:00 Uhr MünchenCircus Krone
08.06.2018 20:00 Uhr Frankfurt am Main Jahrhunderthalle Frankfurt
09.06.2018 18:30 Uhr Hamburg Stadtpark Hamburg
10.06.2018 19:00 Uhr Berlin Tempodrom
29.09.2018 20:00 Uhr Soest Stadthalle
30.09.2018 19:00 Uhr Mainz Rheingoldhalle
02.10.2018 20:00 Uhr Karlsruhe Schwarzwaldhalle
04.10.2018 20:00 Uhr Wuppertal Historische Stadthalle
05.10.2018 20:00 Uhr Bielefeld Stadthalle
06.10.2018 20:00 Uhr Bremen Pier 2
07.10.2018 19:00 Uhr Lingen Emsland Arena
09.10.2018 20:00 Uhr Oberhausen König-Pilsener-Arena
10.10.2018 20:00 Uhr Düren Arena Kreis Düren
11.10.2018 20:00 Uhr Saarbrücken Saarlandhalle
13.10.2018 20:00 Uhr Wetzlar Rittal Arena Wetzlar
14.10.2018 19:00 Uhr Leipzig Haus Auensee
15.10.2018 20:00 Uhr Dresden Alter Schlachthof
17.10.2018 20:00 Uhr Hannover Swiss Life Hall
18.10.2018 20:00 Uhr Beverungen Stadthalle
19.10.2018 20:00 Uhr Erfurt Thüringenhalle Erfurt
21.10.2018 19:00 Uhr Mannheim Rosengarten Mannheim
22.10.2018 20:00 Uhr Tuttlingen Stadthalle
23.10.2018 20:00 Uhr Basel Musical Theater Basel
24.10.2018 20:00 Uhr Zürich Volkshaus Zürich
27.10.2018 20:00 Uhr Künzelsau Carmen Würth Forum
29.10.2018 20:00 Uhr Münster Halle Münsterland
30.10.2018 20:00 Uhr Euskirchen City Forum
31.10.2018 20:00 Uhr Köln Palladium

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Letzte Aktualisierung am 18.08.2018 um 06:01 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API