Die aktuelle gemeinsame Tour von Tina Dico und Helgi Jonsson ist etwas ganz besonderes. Seit vielen Jahren sind die beiden Musiker*innen bereits musikalisch vereint und haben sich bei diversen Projekten unterstützt. Seit einiger Zeit sind sie aber auch in der Liebe ein Paar und erzählen auf ihren aktuellen Konzerten unter dem Titel „The Road“ von ihrer gemeinsamen Reise.
Tina Dico wurde als Tina Dickow im dänischen Aarhus geboren und hat sich weltweit einen Namen als Folksängerin und Songwriterin gemacht. Helgi Jonsson stammt aus dem isländischen Reykjavik und ist Produzent, Sänger, Songwriter sowie Multiistrumentalist. Die Wege der beiden kreuzten sich erstmals im Jahr 2008, später wurden sie ein Paar, haben geheiratet und leben inzwischen gemeinsam in Island.
Wie es dazu kam, erzählt das Konzept „The Road“ ausführlich und sehr einfühlsam, garniert mit eigenen Songs und wenigen Covern. Zum Beginn sind die Storyteller mit ihren akustischen Gitarren am Start und erzählen viel zwischen den Songs. Helgi spricht sehr gut Deutsch, Tina belässt es bei der englischen Sprache.
„Nobody’s Man“ ist der erste Titel und Tina lässt die Geschichte erzählerisch in Dänemark beginnen, wo sie Helgi im Jahr 2007 erstmals bei einem Festival erlebt hat. Sie fand ihn exzentrisch und abgehoben, was er auch gleich bestätigt, indem er zur Posaune greift und im Wechsel instrumental und a cappella loslegt. Nach „Digging Up A Tree“ folgt die Erzählung von einer gemeinsamen Tour Helgis mit Teitur (passend gibt es dessen Song „Josephine“) und dem nächsten Treffen der beiden in Kanada. Man merkt schon – es wird weltumspannend.

Helgi war verlobt, Tina – wie sie selbst sagt – „mit ihrer Musik verheiratet“. Es sollte als nicht mehr als eine musikalische Partnerschaft sein, beispielsweise für das Duett „Walls“ auf Tinas neuer Platte und einer gemeinsamen Tour. Helgi trug neue Arrangements bei, wie für „Sacre Coeur“, das er nun mit seiner Posaune umspielte.

Songs wie „Dimma“, „Paper Thin“ und „Salt“ umschreiben die wirren Gefühle. Helgi hatte sich von seiner Verlobten getrennt und wollte Liebe, keine Affäre, doch er stieß nicht auf Gehör. Harte Gitarrenklänge beschreiben seine damalige Stimmung. Er ist nur auf der Bühne glücklich und fällt im Hotel in Trauer. Das führt er in seinem bewegenden Stück „Salt“ aus und entlässt das Publikum nach einer Stunde in die Pause.

Im zweiten Teil geht das Drama mit umgekehrten Vorzeichen weiter. Es kam zur Krise zwischen den beiden, Helgi ist inzwischen mit einer Schauspielerin zusammen, aber er arbeitet weiter im Studio in Island. Tina ist jetzt unglücklich in Helgi verliebt. Sie singt von ihrer Heimat („Copenhagen“) und interpretiert allein und mit schmerzhafter Klangfülle das Lied „Watching Him Go“.
Gleichzeitig kommt auch bei Helgi die Liebe zum Norden wieder durch und er singt voll vokaler Stärke „Þú mátt alltaf gist a hér“ in seiner Muttersprache. Er kehrte damals zu Tina zurück, obwohl alle ihn gewarnt haben. Die endlich wechselseitig erfüllte Liebe der beiden zueinander verschmilzt nun in der Liebe zu Island, wo sie jetzt als Familie zusammen leben und ihre Ruhe gefunden haben. „Aurora“, „True North“ und „Someone You Love“ beenden die wundervolle Geschichte der beiden, die sie mit ihrem Publikum geteilt haben.
Als Zugabe gibt es „No Time To Sleep“ von beiden in unendlicher Harmonie ganz ohne Mikro und Verstärkung ins Publikum getragen. Und schließlich den Song „The Road“, der zum Titelstück der Tour und des Konzepts geworden ist: Es geht um die gemeinsame Reise – und man konnte sich freuen, durch dieses Konzert ein Teil davon geworden zu sein. Sehr berührend!

(Credit für alle Fotos: Atelier3Bären)















