So abwechslungsreich wie die verschiedenen Musicals, so vielfältig ist auch „Die Nacht der Musicals“. Ein ausgefeiltes Licht- und Soundkonzept sowie aufwendige Kostüme und liebevoll gestaltete Bühnenbilder machen dieses Event zur beliebten Musicalgala und lassen den Zuschauer in die Atmosphäre des New Yorker Broadways und Londoner West Ends eintauchen.
Am 21. Januar war die Produktion in der Europahalle Trier und es zeigte sich direkt, dass es gar nicht viel braucht, um schönes Musical-Feeling auf die Bühne zu bringen. Sechs starke Solisten und ein quirliges Ensemble aus acht Tänzer*innen reichen allemal. Im Hintergrund waren keine Kulissen nötig: Fünf kleine LCD Felder sorgten bei jedem Musical für die entsprechende Atmosphäre. Die bunten Kostüme taten ihr übriges dazu.

Den Anfang machte ein „The Disney Show“ genanntes Medley aus „The Greatest Show“, „Aladdin“, „Die Schöne und das Biest“, „Frozen“ sowie „König der Löwen“. Ein knalliger Einstieg, aber die Wechsel waren bisweilen zu abrupt. Die Löwen zogen aus dem Publikum ein, das war auf jeden Fall ein schöner Effekt.
Gerade die Solisten hatten es mir angetan, wenn beispielsweise Hélène Kamers in der Arie zum „Phantom der Oper“ auch höchste Töne meisterte. Beim „Falco“-Block fand ich wieder die einzelnen Stücke zu kurz angespielt, doch dafür entschädigte „Wicked“ mit hervorragenden Chorpassagen.

Bewunderswert, wie schnell sich die Protagonist*innen umzogen. Der Ablauf war so getimed, dass kleiner Duette sich mit den Ensemblestücken ablösten. Trotzdem ging es Schlag auf Schlag. Beeindruckend fand ich das italienische Duett „Vivo Per Lei“ und den Glamour von ABBAs „Mamma Mia!“ vor der Pause.
Nach einer Stunde war dann erst einmal Verschnaufen angesagt und man konnte sich dem Programmheft widmen, das ich auf jeden Fall noch lobend erwähnen möchte, enthält es doch zum kleinen Preis eine umfangreiche Darstellung aller verwendeter Musicals. Gerade für Einsteiger in diese Welt, die mal über den Tellerrand der bekannten Hits hinaus blicken wollen, ist es sehr geeignet.

Nach der Pause startete man mit der Power von „Moulin Rouge“, das voller großer Klassiker steckt – und es gab einen gelungenen Übergang zur „Rocky Horror Show“, wo Federico Guez in seiner Paraderolle glänzen und lasziv mit dem Publikum spielen konnte. Auffallend war die chorische Leistung beim Gospel-Medley zu „Sister Act“, gefolgt von der abwechslungsreichen Sport-Performance zu „Rocky“.
So kann man auch neue Musicals für sich entdecken, denn „Rocky“ hatte ich bisher nicht auf dem Schirm. Ebenso überzeugte „Elisabeth“ mit einem wundervollen Duett, dass wieder Hélène im Zusammenspiel mit Bruno Grassini gestaltete. Immer wieder wechselten sich Rocksongs mit Klassik ab. Lena Sophie Flegel hatte die passende Rockröhre zu „Somebody To Love“. Nach Queen gab es zum Abkühlen ein stimmungsvolles „Hallelujah“ aller sechs Solisten, bevor das Tanzensemble zu Udos „Ich war noch niemals in New York“ über die Bühne wirbelte.

Nach zwei Showstunden verlangte das Publikum mit stehenden Ovationen nach mehr – und bekam den „Time Warp“ und „Show Must Go On“.
(Credit für alle Fotos: Dietmar Schmitt)















