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Fabian Holland: Der Virtuose an der Gitarre mit seinem neuen Album

Fabian Holland  •  Under the Red Island Bakery
Veröffentlichungsdatum: 29.05.2020
Unsere Bewertung: 7 von 9 Punkten

Fabian Holland macht seit seiner Kindheit Musik. Er wuchs in einem Haushalt auf, in dem Performance und künstlerischer Ausdruck zum Alltag gehörten. Er begann im Alter von sieben Jahren Gitarre zu spielen, unterrichtet von seinem Vater, der Gitarre und Mundharmonika spielte. Seine frühen Einflüsse kamen von den Blues-Platten seines Vaters, als er Typen wie Sonny Boy Williamson, Muddy Waters, RL Burnside und Son House hörte. Fabian besuchte später die Akademie für zeitgenössische Musik in Guildford, Großbritannien. Nach seinem Studium zog er in die Berge der Abruzzen, Italien, wo er vier Jahre lang seinen Musikstil entwickelte.

Das 2020er Album “Under The Red Island Bakery” wurde von Anfang bis Ende an einem Tag im Keller von Fabians Wohnung in Berlin aufgenommen. Alle Tracks sind Single-Takes. Es wurden nirgendwo Loops oder Neuaufnahmen verwendet und alle Instrumente wurden von Fabian live im Raum gespielt, mit Ausnahme der Trompete, die von Jake Painter gespielt wurde.

Zum Albumtitel: Einen Monat nach der Geburt seines ersten Kindes zogen Fabian und seine neue Familie von London nach Berlin. In dieser neuen Stadt lebten sie in einer ehemaligen Bäckerei in einem kleinen Stadtteil Berlins namens “Rote Insel” – die “Red Island Bakery” ist also Realität.

Auf diesem Album jongliert Fabian mitten in den Songs zwischen den Gitarren und spielt manchmal mehrere Instrumente gleichzeitig. „Ich wollte den Hörer in den Raum transportieren. Ich wollte, dass all diese Instrumente und Frequenzen an einem Ort zusammen herumspringen und all das in einer Aufnahme festhalten. Es ging nicht unbedingt darum, mehrere Instrumente gleichzeitig zu spielen, sondern vielmehr darum, sich flüssig zwischen einem Instrument zum anderen bewegen zu können, ohne dass Lücken entstehen. Dazu musste ich mir ein paar Techniken und Tricks einfallen lassen.“ 

Das Cover mit dem dreifachen Fabian gibt einen perfekten Eindruck von dieser virtuosen Herangehensweise: Fabian hat zwei Lap-Slide-Gitarren auf Ständern, die wie Klaviere um ihn herum platziert sind. Eine davon ist eine Lapsteel-E-Gitarre, die er selbst für dieses Album aus einem einzigen Stück 40 Jahre altem Mahagoni gebaut hat. Das Hauptaugenmerk liegt aber immer noch auf der Akustikgitarre.

Die Songs sind Geschichten über Liebe, Verlust und Herzschmerz. Das Album beginnt mit “Two Men in a Boat”. Es ist Fabians Metapher für den Brexit mit einer eindringlichen Einführung, die den Ton für das Album angibt. “Holiday” ist eine tragische Geschichte, die ein Vater seinen Kindern über eine Familienreise erzählt, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft aus ihrem Land geflohen ist. “She Don’t Love Me” ist ein liebeskranker Blues-Song, der vom legendären Chicagoer Blues-Pianisten Otis Spann inspiriert wurde. Einige Songs auf dem Album sind persönlicher: “Another Monday” sind die Erfahrungen, die Fabian und sein Partner während der Geburt ihres Sohnes gemacht haben. “Cold Tea” befasst sich mit den Sorgen der Einsamkeit im Alter.

Die Virtuosität von Fabian Holland ist unbestritten. Man staunt bei jedem einzelnen Song. Mir persönlich ist die Musik allerdings zu verkopft. Es fehlt an Eingängigkeit. Ich bin aber überzeugt, dass Gitarrenfreunde, die sonst Bonamassa oder Rodrigo Y Gabriela hören, hier ganz zufrieden und bewegt sein werden.