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Kerstin Ott: „Nachts sind alle Katzen grau“ – neue authentische Schlager

Kerstin Ott • Nachts sind alle Katzen grau
VÖ: 10.09.2021
7 von 9 Punkten

Für die meisten Künstler waren die letzten 18 Monate pandemiebedingt eine eher schwierige Zeit. Kerstin Ott hat die Zwangspause vom hektischen Leben auf Tour allerdings auch genossen und außerdem die Zeit genutzt, um ganz in Ruhe an ihrem neuen Album zu arbeiten. Das Ergebnis „Nachts sind alle Katzen grau“ kann sich wieder durchaus hören lassen.

Die norddeutsche Musikerin beweist einmal mehr ihr Talent für authentische und berührende Texte. Verpackt in eingängige Melodien und von ihrer nicht perfekten, aber dafür einzigartigen Stimme interpretiert, gehen ihre Botschaften direkt ins Herz und in die Beine. Der Opener „Manche Menschen“ ist eine Hymne an jene besonderen Menschen, die da sind, wenn man sie am nötigsten braucht, und „Sag mir (wann beginnt endlich die Zeit)“ ist ein eindringlicher Appell für tatsächlich gelebte Toleranz. Der Titelsong „Nachts sind alle Katzen grau“ wirkt zwar wie ein lupenreiner Partysong, steht aber ebenso für das Verbindende der Musik, die alle Unterschiede für eine Nacht vergessen lässt.

Es gibt auch ein paar fast klassische Liebeslieder wie die schöne Ballade „Wir zwei gegen den Rest der Welt“ oder das sehnsüchtige „Ich wünsche mir von dir“. Bei „Was weißt du von meiner Liebe“ lohnt sich dann wieder das genaue Hinhören – denn hier geht es um Menschen und Gefühle, die vielleicht nicht in die üblichen Schablonen passen. Das auch Kerstin Ott selbst nicht in diese Schablonen passt, aber damit inzwischen äußerst selbstbewusst umgeht, zeigt sie mit dem Song „Keine Angst“.

Auch wenn das aktuelle Album musikalisch wieder eindeutig vom Schlager dominiert wird, gibt es ein paar schöne Ausnahmen. „Schon wieder geht ´ne Zeit mit dir vorbei“ ist beispielsweise eher ein Songwritertitel mit seiner akustischen Gitarrenbegleitung – und gehört mit seiner Botschaft an ein langsam selbstständiger werdendes Kind zu meinen Lieblingsstücken auf dieser CD. Ohne die üblichen Beats kommt auch „Das hätte ich dir noch gern gesagt“ aus, ein wehmütiges Abschiedslied, das leider gefühlt viel zu schnell vorbei ist.

Ja, Kerstin Ott hat immer noch etwas zu sagen und zu singen. Nicht jedem mag ihre Art und ihre Musik gefallen, aber für mich ist „Nacht sind alle Katzen grau“ wieder eine Bereicherung der deutschen Musiklandschaft!