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Max Giesinger "Vier"

Max Giesinger: “Vier” – wo die Reise (vorerst) endet

Unter all den Deutschpop-Alben, die neuerdings recht inflationär das Licht der Welt erblicken, war ich zuletzt am meisten auf die Songs von Max Giesinger gespannt. Das mag daran liegen, dass er immer sehr viel von sich erzählt und in jungen Jahren schon aus einem großen Erfahrungsschatz schöpft. Man denke an seine Jahre als Straßenmusiker und seine ersten Erfolge nach der Teilnahme bei “The Voice of Germany” (2011). Wie gut, dass er die Show nicht gewonnen hat, sonst hätte er seine Musik vermutlich nie mehr so frei entfalten können.

Im Prinzip folgen bisher alle Alben einem musikalischen Konzept, wobei sie aufeinander aufbauen. Das ist umso schöner in einer Zeit, da sich das Musikgeschäft vor allem auf Singlehits und Streamingerfolge stürzt, dabei aber das episch erzählende Format immer mehr aus den Augen verliert.

Bisher sang der 33jährige aus Waldbronn (bei Karlsruhe), der inzwischen im Hamburger Schanzenviertel lebt,  stets vom Sichbewegen und Unterwegssein. “Laufen lernen”, “Der Junge, der rennt” und “Die Reise” hießen die Alben. Nummer 1 hatte er noch per Crowfunding finanziert, danach wurden die Verkäufe von mal zu mal solider. Kein Abheben und durch die Decke gehen – eher ein schleichendes Überzeugen durch Qualität.

Jetzt scheint Max irgendwie angekommen zu sein. Nicht an einem bestimmten Ort, aber bei sich selbst. Er hätte das neue Werk auch “Ankunft” nennen können, aber “Vier” passt ebenso gut. Die Songs sind sehr persönlich. In den vielen Interviews, die man momentan zu hören bekommt, erzählt er davon, dass er diese Titel erst jetzt habe schreiben können, da er reifer ist und die rastlose Zeit vorbei zu sein scheint.

Der Opener “Irgendwann ist jetzt” ist noch eine tanzbare Standortbestimmung voller Euphorie. Doch schon “Das Fenster” erklingt voller Melancholie mit einem Blick auf Individualität und fremde Leben. “Deine Zweifel” ist der Mutter gewidmet und bei “In meinen Gedanken” ist mit wunderschönen Worten an die Oma gedacht.

Das Album ist ein Blick nach innen – und es strahlt dabei Ruhe und Gelassenheit aus. Mir gefallen die sanften Stücke, mit denen Max seine Welt beschreibt. Aber auch die vorwärts treibenden Songs mit rhythmischen Beats passen in dieses introvertierte Schema, wenn er sich bei “Irgendwo da draußen” in einen anderen Menschen versetzt oder in “Der letzte Tag” ein stimmungsvolles Bild des Weltenendes zeichnet (“Wird uns dann klar, was eigentlich wichtig ist?”).

Natürlich sind die Songs zum größten Teil radiokompatibel, doch man nimmt Max Giesinger durchaus ab, dass er sie eigentlich gar nicht auseinander reißen will. Dass er eine Geschichte erzählt, die an einem bestimmten Punkt angekommen, aber noch lange nicht zu Ende erzählt ist. Der mahnende Abschluss “Das letzte Prozent” macht deutlich, dass Stillstand nicht die Lösung ist. Es lebe das Albumformat!

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Letzte Aktualisierung am 4.12.2021 um 13:47 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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