Manch einer wird vielleicht von diesem mit Fantasy-Motiven überfrachteten Albumcover abgeschreckt, aber keine Sorge: So schlimm wird es gar nicht. ASGARD legen hier mit „Ragnarøkkr“ ein sehr solides Album vor, das Elemente von Folk und Progmetal gekonnt mischt.
Die Band aus dem italienischen Trient wurde bereits 1986 gegründet. Fünf Alben erschienen in der Zeit von 1991 bis 2000. Dann war erst einmal Schluss. Umso erstaunlicher, dass es jetzt – nach zwanzig Jahren Ruhepause – ein neues Werk gibt, das man fast schon als Alterswerk bezeichnen muss.
Von Anfang an spielte die Band mit einer Mischung aus Folk-Einflüssen und Heavy Metal. Das hat sich bis heute nicht geändert. Der Opener „Trance-Preparation“ erinnert zunächst an Helloween. Nicht verwunderlich mit Roland Grapow als Produzent. An den italienischen Akzent von Franco Violo muss man sich zunächst noch gewöhnen, doch das geht sehr schnell.
Schon „Rituals“ biegt gekonnt ab in die Zeit des Mittelalters und Andrea Gottoli spielt seine Gitarre im Dudelsack-Style. Das Album bietet sehr atmosphärische, mystische Stücke – da verzeiht man auch mal die Orgien am Keyboard wie bei „The Night of the Wild Boar“. Schöner finde ich es da schon, wenn es mit „Shaman“ ruhiger wird und Violo mit seinen Vocals eine Geschichte erzählt.
61 Minuten CD-Länge sind eine Hausnummer. Da hat sich in zwei Jahrzehnten viel Material angestaunt. Doch zusammengestückelt klingt das Album nie. Selbst der deutschsprachige Titel „Der Tod“ und die lautmalerische „Anrufung“ fügen sich hervorragend in das Konzept ein.
Man darf schon Außergewöhnliches erwarten, wenn man das neue Album der Folkmetaller hört. Und man wird nicht enttäuscht.
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Benjamin Fritsch war lange Jahre leidlich erfolgreich als Rockmusiker unterwegs, bevor er sich als Ben Zucker dem unsäglichen Schlager-Metier zuwandte. Doch was heißt das schon? In dieser Schublade steckt er, seit er bei Florian Silbereisen auf dessen „Schlagerparty“ zu Gast war. Doch seine Stücke klingen immer noch rockig und bodenständig. Ich vergleiche ihn gern mit Matthias Reim, der ebenfalls live zeigt, dass man auch als vermeintlicher Schlagersänger eine formidable Rockshow abliefern kann.
2020 reicht es bei Ben Zucker noch nicht für ein komplettes drittes Studioalbum, doch er hat seinen Zweitling „Na und?!“ hier um fünf neue Stücke erweitert. Jetzt mag mancher Fan schimpfen und von Abzocke sprechen, weil er sich wegen fünf Stücken das Album nochmal kaufen muss, doch man bedenke, dass der Digipack zudem ein komplettes Livekonzert auf zwei Silberlingen zu bieten hat. Damit ist man doch ganz gut bedient.
Die Liveaufnahme, die 2019 in Berlin entstand, zeigt den Mann im Karohemd als echte Rampensau. Die Show liefert eine rocklastige Band und stimmgewaltige Backing Vocals. Hinzu kommt Bens charismatische Stimme, die alle in den Bann zieht und ihn zurecht zu einem der erfolgreichsten deutschen Solokünstler macht. Was für ein Alleinstellungsmerkmal!
Das Duett „Perfekt“ gibt er mit der kleinen Schwester Sarah, die sich ebenfalls den Künstler-Nachnamen Zucker zugelegt hat. Und der einzige englischsprachige Song ist „It’s A Heartache“ mit Weltstar Bonnie Tyler. Besonders stark aber kommen Stücke wie „Mein Berlin“ und der geniale Abschluss „Was für eine geile Zeit“. Ben Zucker beweist mit Bravour, dass er bodenständig geblieben ist und doch ein Schlager-Rockstar sein kann.
Hinzu kommen die fünf neuen Titel auf der Studio-CD: „Sommer der nie geht“ ist eine vor positiver Energie nur so strotzende Ballade, die er all jenen widmet, die ihren persönlichen Traum leben. „Genau jetzt“ und „Ich will dich jetzt“ gehen ebenso positiv nach vorn, während „Herz ohne Narben“ und „Wo ist die Liebe hin?“ Bens balladeske Seite zeigen.
Die Standortbestimmung ist geglückt. Eigentlich sollte das Album die Open-Air-Saison 2020 einläuten. Leider müssen wir jetzt noch ein Jahr Geduld haben. Gemeinsam mit seiner Band feiert Ben Zucker die Kraft der Träume und den Mut, sie eines Tages zu verwirklichen. Eine hoffnungsvolle Denkweise, die gerade in diesen Tagen nicht aktueller sein könnte.
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Dass hier eine Reihe von Musikern zusammen gekommen ist, die vollkommen unterschiedliche musikalische Hintergründe haben, hört man schon auf den ersten Tracks des Albums „In the deep“. Das Quintett aus Norwegen schwelgt auch auf dem zweiten Longplayer in melancholisch anmutenden Songs, die zwischen Alternative Rock und Indie-Anleihen pendeln.
Da ist der energische Opener und Titeltrack „In the deep“. Atmosphärische Klänge in einem guten Rocksong, der von Erlend Versteraas‘ Stimme und den epischen Synthies lebt. Der vertrackte Rhythmus von „Moving on“ korrespondiert stark mit den Gitarrenklängen. Und richtig spannend wird es dann in „Fragile (All alone)“ mit Streicherarrangement und experimentellem Mittelteil. Hier geht die Reise stark in Richtung Progressive Rock Marke Radiohead oder Muse.
Mit „Westcoast“ ist nicht etwa die USA gemeint, sondern die raue Westküste Norwegens. Ein schneller Song, der gut ins Ohr geht. Erst später geht es über den Teich, wenn die Band dem Hochseilartisten „Philippe Petit“ ein musikalisches Denkmal setzt. Eingerahmt wird dieser vorwärts treibende Song von den fragilen und etwas trägen Balladen „This is it“ und „My darkest side“.
Mit „New memorial day“ endet das Album so theatralisch, wie es begonnen hat. Vonheims zweite CD lässt uns die Weite Norwegens spüren. Das Video zu „Westcoast“ gibt einen guten Eindruck von der musikalischen Idee:
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Gerade hat Angelo Kelly verkündet, dass er bei der Kelly Family aussteigt und nicht mehr weiter mit seinen Geschwistern auf der Bühne steht. Aber keine Angst: Auf Musik von Angelo müssen seine Fans trotzdem nicht verzichten. Mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern führt der charismatische Sänger schon seit einiger Zeit die musikalische Familientradition als „Angelo Kelly & Family“ fort. Nach dem erfolgreichen Debüt „Irish Heart“ erscheint nun der Nachfolger „Coming Home“. Wie schon beim Vorgänger überzeugt die in Irland lebende Familie hier erneut mit einer Mischung aus traditionellen Folksongs und Eigenkompositionen, wobei neben Angelo selbst auch seine Frau Kira und die beiden ältesten Kinder Gabriel und Helen an den Songs mitschreiben.
Den Auftakt des Albums macht das schwungvolle „Wild Rover“, gefolgt von „On the Road“, einer tollen Hymne auf die schönen Seiten des Tourlebens. John Denvers Klassiker „Country Road“ kennen viele heute nur noch in der Party-Version der Hermes House Band – Angelo Kelly & Family führen den Song mit einer angenehm schlichten Interpretation zu seinen Wurzeln zurück. Die Folksongs „Mairi’s Wedding“ und „Whiskey in The Jar“, wo auch die Jüngsten schon mal ein Solo bekommen, vermitteln fröhliche Unbeschwertheit und einfach Spaß am gemeinsamen Musizieren.
Die eigenen Songs sind immer sehr persönlich und authentisch. Die beiden Teenager der Familie verarbeiten ihre Gefühle in „Don’t Know“ und „Regrets“ und die Mutter wendet sich mit „Sweetest Rose“ bewundernd an Maria, die Muttergottes. Und auch sonst wird die Verwurzelung der Familie im christlichen Glauben auf diesem Album deutlich: „Stay With Me“ ist ein wunderbar vertontes Gebet und „A Life That’s Good“ drückt tiefe Dankbarkeit aus. Zum Abschluss des Albums gibt es mit“ What A Wonderful World“ nochmals einen Klassiker, der bereits oft strapaziert wurde, dem Angelo und seine Familie in einer gefühlvollen Live-Version aber einen ganz eigene Charme verleihen.
Ganz in der Tradition seines Vaters hat Angelo Kelly hier ein gut funktionierendes kleines Familienunternehmen geschaffen, das seine Leidenschaft für die Musik teilt und diese mit ihm gemeinsam lebt. Ab November wird die Familie dann wieder auf Tour sein, und man darf davon ausgehen, dass „Coming Home“ wohl auch nicht das letzte Album bleiben wird.
Konstantin Wecker gehört sicherlich zu den umtriebigsten Künstlern in diesen unseligen Corona-Zeiten. Ganze drei vollständige Livekonzerte hat er in den letzten Wochen aus seinem Münchner Tonstudio gestreamt, die noch immer über YouTube abrufbar sind. Aus dem Erlös der virtuellen Ticketverkäufe unterstützt er die Künstler seines Labels „Sturm und Klang“. Nebenbei engagiert er sich wie gewohnt gesellschaftspolitisch, beispielsweise mit der Aktion „Break Isolation“ bei der es darum geht, die Bewohner von Alten-, Pflege- und Flüchtlingsheimen aus ihrer Isolation zu holen, die durch die strikten Besuchsregeln und Ausgangssperren entstanden ist. „Leave No One Behind“ ist ein Motto, das auch Konstantin Wecker mit aller Kraft verfolgt.
Konstantin Wecker, Fany Kammerlander und Johannes Barnikel bilden das bewährte Trio – und es ist wirklich ein Genuss, ihnen zuzuhören. Nachdem der Liedermacher Ende letzten Jahres noch mit großem Orchester auf Tour war, reduziert er die Musik hier wieder auf das Wesentliche: Piano, Cello und Gesang. Auch wenn kein Publikum anwesend und hörbar ist, macht es doch große Freude Konstantins Ansagen zu hören, die sich an die Zuschauer am Bildschirm richten und in denen er zu Solidariät in diesen schweren Zeiten aufruft. Natürlich nicht ohne dass Populisten und Fanatiker, die aus der Krise ihren Profit ziehen wollen und auf Menschenfang gehen, ihr Fett abbekommen.
Schon der Anfang ist wunderschön und das perfekte Motto: „Ich singe, weil ich ein Lied hab'“. Dazu Konstantins wundervolle sonore Ansagen, in denen er erzählt, was ihn bewegt. Von Gedichten, die wie Küsse sind – in einer Zeit, da man Abstand halten soll. Es gibt anderes, an dem man sich festhalten kann! Der berühmte „Willy“ bekommt eine Neuinterpretation. Im Sprechgesang lamentiert Wecker über die Beschneidung seiner Freiheit. Und dass wir aufpassen müssen, damit die Restriktionen nicht zur Gewohnheit werden. Er ruft dazu auf, solidarisch zu sein, den Schutzsuchenden aus aller Welt unsere Luxushotels zu öffnen. Von der Vehemenz dieser Forderungen und der grundehrlichen Haltung bekomme ich Gänsehaut.
„Stürmische Zeiten mein Schatz“ passt natürlich wie die Faust aufs Auge. Und er denkt an die Kinder, wenn er ihnen seine Lieder widmet. Konstantin erzählt, belehrt, sucht nach neuen Wegen. Er spricht von Poesie als dem einzig wahren Widerstand und liest Gedichte „Über die Zärtlichkeit“ und „Gelebtes Leben“.
Als Gast ist die Liedermacherin Sarah Straub mit im Studio, die unlängst ein Album mit ganz eigenen Wecker-Interpretationen veröffentlicht hat, unfd singt mit ihm im Duett „Niemand kann die Liebe binden“. Es gibt die altbekannten ideologischen Songs, die leider nichts an Aktualität eingebüßt haben: „Den Parolen keine Chance“, „Sage Nein“ und „Was keiner wagt“. Zum Schluss bedankt sich Konstantin Wecker wie so oft mit „Gracias a la Vida“ beim Leben, das ihm, das uns so viel geschenkt hat – und ich bin dankbar, solche Momente mit erleben zu dürfen.
Auch mit fast 73 Jahren bleibt Konstantin unermüdlicher Kämpfer gegen Ungerechtigkeiten und für eine neue Weltordnung. Er ist stolz darauf, ein „Gutmensch“ zu sein und fordert die Menschen auf, mit dem Herzen zu denken. So ist auch diese live-CD ein wundervolles Zeitdokument. Es gibt die CD in physischer Form nur auf der Homepage www.wecker.de, aber als Download auch auf vielen legalen Portalen. Mit 5 Euro pro verkauftem Album unterstützt man die Musiker seines Labels.
„Für Johann Wolfgang Goethe waren Gedichte Küsse, die man der Welt gibt. In diesem Sinne wollen wir mit den 18 Liedern und Gedichten, in Zeiten, die eine körperliche Nähe ausschließen, die Menschen umarmen. So viele Konzerte mussten wir bereits absagen und verschieben und all jenen, die gerne zu uns gekommen wären, können wir hiermit eine Freude machen“, so Konstantin Wecker. Dem ist nichts hinzufügen.
Da sind sie wieder, die Mittelalter-Rocker aus Berlin. In steter Regelmäßigkeit gibt es vielseitige und instrumental versierte Alben. Das letzte („Quid pro quo“) erschien vor vier Jahren und der neue Longplayer ist musikalisch stark wie lange nicht mehr.
Seit einem sagenhaften Vierteljahrhundert fasziniert die Band nun mit ihrer mitreißenden Energie, die aus einer ureigenen Mischung entsteht: Zwischen historischen Einflüssen und dem gewaltigen Sound ihrer Metal-Gitarren, zwischen mittelalterlichen Instrumenten, folkloristisch-archaischen wie auch modernen Rhythmen, Mitsing-Hymnen in deutscher und mundartlicher Sprache, zwischen reinstem Vollgas und Gänsehaut-Melodien entsteht so viel mehr als Musik. Es ist eine Atmosphäre, ein Gefühl, eine Verbindung, die sie so einzigartig wie erfolgreich macht.
Das neue Werk, „Kompass zur Sonne“, liefert ein optimistisches Motto in wirren Zeiten. Schmissige Refrains, dazu Dudelsack, Leier und Schalmei zu bisweilen harten Gitarrenriffs. So lassen wir uns gern Geschichten erzählen über „Troja“ und das „Narrenschiff“.
„Gogiya“ verbreitet osteuropäisch anmutende gute Laune. „Schenk noch mal ein“ schwelgt melancholisch in alten Zeiten. „Saigon und Bagdad“ ist ein nachdenkliches, sozialkritisches Lied, das sich gegen Populismus und Kriegstreiberei wendet. „Reiht euch ein ihr Lumpen“ und „Biersegen“ laden in bierseliger Weise zum Mitsingen ein, während „Wintermärchen“ die Folk-Schublade weit aufmacht. Eine Überraschung ist sicherlich „Wer kann segeln ohne Wind“ – ein schwedisches Traditional, das stilecht vom Amon Amarths Johann Hegg eingegrowlt wird.
„Kompass zur Sonne“ gehört definitiv zu den stärksten Werken der Band. Schade, dass wir auf die Liveumsetzung vermutlich noch bis ein paar Monate warten müssen. Hier die neuen Daten:
18.02.21 CH-Zürich – Komplex 457 / Support: tba.
19.02.21 Stuttgart – Porsche Arena / Support: tba
20.02.21 Erfurt – Thüringenhalle / Support: tba
25.02.21 A-Wien – Gasometer / Support: tba
26.02.21 Dresden – Alter Schlachthof / Support: tba
27.02.21 Berlin – Columbiahalle / Support: tba
05.03.21 Bremen – Pier 2 / Support: Paddy and the Rats
06.03.21 Hannover – Swiss Life Hall / Support: Paddy and the Rats
19.03.21 Wiesbaden – Kulturzentrum Schlachthof / Support: Paddy and the Rats
20.03.21 Leipzig – Haus Auensee / Support: Paddy and the Rats
25.03.21 Hambur – Docks / Support: Paddy and the Rats
26.03.21 Bielefeld – Lokschuppen / Support: Paddy and the Rats
27.03.21 Köln – Palladium / Support: Paddy and the Rats
07.04.21 München – Zenith / Support: Lacuna Coil
08.04.21 Saarbrücken – Saarlandhalle / Support: Lacuna Coil Veranstalter: Stereo-Propaganda GmbH
„25 Wahre Jahre – Carpe Noctem – Burgentour“
02.07.21 CH-Augst – Augusta Raurica
19.06.21 Leinefelde- Worbis Burg Scharfenstein
23.07.21 Esslingen – Burg Esslingen ausverkauft
18.09.21 Satzvey – Burg Satzvey ausverkauft Veranstalter: Stereopropaganda Bonn
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Wie der Sommerurlaub 2020 genau aussehen wird, kann derzeit wohl noch kaum eine Familie sicher sagen. Aber selbst wenn der entspannte Hotel – oder Ferienparkurlaub dieses Jahr der Corona-Krise zum Opfer fallen sollte, kann man sich nun immerhin den Soundtrack für die abendliche Minidisco ins Haus holen. Dafür sorgen die als GroßstadtEngel bekannten Sängerinnen Chris und Myriam mit ihrer aktuellen CD „Sommer Minidisco Zeit“.
Das Album hält, was der Titel verspricht: Auf verschiedenste Weise werden hier Kinder zum Tanzen und Mitsingen motiviert. Das geschieht mal ganz allgemein wie mit „Unser Körper tanzt“ oder „Wir haben den Rhythmus“, dann wieder motivieren Tiere zum Mitmachen wie bei „Hase Hoppel“, dem „Einhorn Tanz“ oder der „Mäusepolonäse“. Es dominiert der Disco-Pop, aber zwischendurch gibt es mit „Tausend und eine Nacht“, „Alle tanzen Mambo“ oder „Känguruh Sirtaki“ auch Klänge und Rhythmen aus beliebten Urlaubsländern.
All das ist ganz nett, bleibt aber auch recht oberflächlich, sowohl was die musikalische Produktion betrifft als auch hinsichtlich der Songtexte. Nun muss Partymusik für kleine Kinder nicht unbedingt inhaltlich anspruchsvoll sein, aber leider gehen sogar witzig gemeinte Texte wie „Popelfritz und Pupsmadame“ eher nach hinten los. Der einzige wirklich emotionale Song, die nah an der Grenze zum Kitsch balancierende Ballade „Allergrößte Liebe – Das Mama Lied“ fällt dann irgendwie ziemlich aus dem Rahmen und wäre besser als Bonustrack noch hinter dem Abschiedstitel “Ciao und auf Wiedersehen“ aufgehoben gewesen.
Tanzbegeisterter Nachwuchs im Kita-Alter wird mit diesem Album sicher auch im heimischen Wohnzimmer seinen Spaß haben, die Nerven der Eltern könnten allerdings auf Dauer etwas strapaziert werden. Für echtes Urlaubsfeeling macht man bei passendem Wetter am besten eine Gartenparty draus: Setzt euch mit einem netten Cocktail auf die Terrasse und schaut den Kids beim Tanzen zu. Und vielleicht tanzen die Nachbarskinder ja in ihren Gärten mit und die Eltern prosten euch über den Zaun zu!
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Lesoir sind eine niederländische Band mit zwei starken Multi-Instrumentalistinnen als Frontfrauen. Die Artrocker aus Maastricht liefern mit ihrem Album „Mosaic“ eine sehr vielseitige und farbige Zusammenstellung – der Titel könnte nicht besser gewählt sein. Das fünfte Album der Holländer hat eine bisweilen recht hart rockende Ausrichtung und klingt dennoch sehr atmosphärisch. Bands wie Anathema und Pineapple Thief lassen grüßen.
Lesoir erlebte im Frühjahr 2019 eine erfolgreiche fünfwöchige Tournee als Special Guests der polnischen Band Riverside, die sie inspirierte, kreativ zu werden und ein neues Album zu schreiben. Mit der gerade entdeckten Inspiration beschlossen Lesoir, einen etwas anderen Weg bei der Gestaltung ihres neuen Kunstwerks zu gehen. In den Monaten, die auf die Tournee mit viel Blut, Schweiß und Tränen folgten, arbeiteten sie an neun Songs und nahmen sie im Winter 2019 auf. Das Ergebnis ist „Mosaic“, eine offene und ehrliche Platte. Emotional, aber weniger wütend als die früheren Werke.
Foto: Harry Heuts
Die Verbindung der Band klingt stark in ihrem musikalischen Schaffen – mit gekonnten Riffs, stimmungsvollen Arrangements und gekonnten Gesangspassagen der beiden Sängerinnen. Es gibt recht straight rockende Stücke wie den Opener und Titelsong, doch es kommen mit „Dystopia“ auch sehr floydeske Momente hinzu. Das Ergebnis ist anspruchsvoller Prog, den das Quintett locker aus dem Ärmel zu schütteln scheint. Immerhin sagen sie, die Aufnahmen zu diesem komplexen Werk seien innerhalb von zehn Tagen über die Bühne gegangen. Respekt!
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Zwei Monate ohne Livekonzerte… Langsam aber sicher meldet sich die Sucht bei den Konzertjunkies. Am Anfang konnte man sich ja noch mit den „Trostpflästerchen“ abfinden. Streamkonzerte auf Facebook und YouTube, täglich ein neuer Song von Gary Barlow im Duett mit einem bekannten Kollegen, gar abendfüllende Trio-Konzerte von Konstantin Wecker. Selbst Größen wie Andrew Lloyd Webber und Genesis streamen plötzlich kostenlos komplette Konzertfilme. Das reicht für ein paar Tage Livestimmung im heimischen Wohnzimmer. Aber es muss doch mehr geben.
Können Autokino-Konzerte eine Alternative sein für die Zeit der Krise? Ich war skeptisch, doch dann sah ich auf ARTE concert das Düsseldorfer Konzert von SIDO. Tatsächlich hat er es geschafft, die Zuschauer bei Stimmung zu halten und ein Feedback aus Hupen, Blinken und Autolichtern zu erhalten. Kann also funktionieren. Und tatsächlich sprießen allerorten die Autokinos aus der Erde. In meiner ländlichen Region gleich fünf im Radius von 80 Kilometern. Ganz traditionell mit modernem und klassischem Kinofilm-Programm, aber eben auch mit Livekonzerten regionaler und überregionaler Künstler.
Die Bestimmungen sind noch unterschiedlich. An manchen Orten darf gehupt werden, an anderen nicht (vermutlich davon abhängig, wie weit das Gelände vom Wohngebiet entfernt liegt). Hier darf das Fenster halb geöffnet werden – da muss es geschlossen bleiben. Hier ist der Toilettengang erlaubt – da gibt es nicht einmal eine Toilette. Auch andere Probleme tun sich auf: Der Ecomodus beim Auto schaltet nach 30 Minuten die Batterie ab. Eigentlich müsste man jetzt den Motor laufen lassen, doch oft ist das nicht erlaubt. Hmmm. Kleiner Tipp: batteriebetriebenes Kofferradio mitnehmen. Der Sound ist zwar nicht so opulent, aber ausreichend.
Denn – tadaaa – ich war gestern auf meinem ersten Autokino-Konzert. Ja – das erste Mal überhaupt in einem Autokino. Die Saarpfalz-Gemeinde Blieskastel hat ihr Bauernfestgelände mit Bühne und Leinwand ausgestattet. Und zu Gast war der ehemalige Bro’Sis Popstar und jetzige Schlagersänger Giovanni Zarrella. Es wurde Zeit! Noch sind keine echten Konzerterlebnisse möglich. Die Einschränkungen lassen das nicht zu. Aber die Streaming-Trostpflaster ist man auch langsam leid. Das Autokino kann ein Nikotinpflaster gegen die Konzertsucht sein. Ob es funktioniert?
Die Anreise und das Aufstellen der PKW waren absolut unproblematisch. Viele Ordner, gesittetes Miteinander, guter Blick zur Bühne. SUV und Kastenwagen müssen nach hinten. So hat jeder gute Sicht.
Pünktlich um 20 Uhr kam Sonnenschein Giovanni Zarrella auf die Bühne. Er amüsierte sich erst einmal darüber, dass viele Menschen tatsächlich gedacht hatten, er wäre gar nicht persönlich vor Ort sondern der Auftritt würde aus der Ferne gefilmt. Das war aber nicht der Fall. Er war leibhaftig da. Wie gerade von Florian Silbereisens Schlagerfest XXL hier auf die kleine Dorfbühne gefallen.
Das Programm bestand vor allem aus seinem „La vita è bella“. Denn wie sein einstiger Kollege Ross Anthony hat auch Giovanni musikalisch die Seite gewechselt. Auf seinem aktuellen Album gibt es bekannte Schlagerhits in italienischer Sprache. Diese präsentierte er live am Mikro, während die Musik vom Band kam. Das Geschehen wurde auf eine große LCD Leinwand übertragen, damit man auch bis in die letzten Autoreihen des gut gefüllten Geländes alles mitbekam.
Klar. Es ist seltsam, im Auto seine eigene Party zu feiern. Frau und Tochter waren mit dabei, so konnten wir es uns gemütlich machen. Mitsingen wurde von den Autoinsassen rechts und links wohlwollend bedacht, doch die echten Beifallsbekundungen gab es nur per Hupe. Da Muttertag war, forderte Zarrella als erstes ein Hupkonzert für alle Mamas. Das Feedback in Form rhythmischen Lärms freute ihn sichtlich.
Auch für den Sänger muss es komisch sein, vor einem großen Parkplatz aufzutreten. Doch er machte das Beste draus: Für die Interaktion des Publikums gab es immer neue Ideen. Winken mit Schals, Leuchtstäben, Plakaten und Regenschirmen durch das halb geöffnete Fenster. Mithupen ganzer Textzeilen und Refrains. Eine akkubetriebene Mini-Discokugel auf dem Autodach. Blinker, Lichthupe, Warnblinker.
Auch Giovanni war sichtlich angetan und zeigte sich ganz als sympathischer und witziger Moderator. Zwischen den Songs ging er auf Tuchfühlung, soweit die Sicherheitsbestimmungen das zuließen. Er hatte eine große Pizza auf der Bühne – und wie Guildo Horn seine Nussecken verteilte er Pizzastücke an die ersten Reihen. Natürlich nicht von Hand zu Hand, sondern man konnte mit gebührend Abstand etwas aus der Schachtel nehmen. Dann entschied er, dass keiner ohne Autogramm nach Hause gehen soll. Da die persönliche Autogrammstunde natürlich ausfallen musste, schrieb er kurzerhand (während eines Songs!) genügend Autogramme und verteilte diese im Anschluss an die Autos. Publikumsnähe trotz Abstand. Es funktionierte.
Die Schlager von Münchner Freiheit, Wolfgang Petry, Peter Maffay und Helene Fischer gewinnen deutlich, wenn man sie in italienischer Sprache interpretiert. In meinen Augen ist es eine coole und für einen Deutsch-Italiener sehr authentische Idee, so zu verfahren. DJ Ötzis „Ein Stern“ gehört zu den schwächeren Songs. Der Rest ist absolut akzeptabel. Außerdem baute Zarrella einige Italo-Klassiker ins 90minütige Programm ein und endete mit dem deutschen „Wundervoll“, das er im Jahr 2008 für seinen Sohn geschrieben hatte.
Giovanni hat mich als Sänger und Entertainer absolut überrascht. Er ist grundsympathisch und es gelang ihm, das Publikum in dieser surrealen Situation mitzureißen. Seinem Italo-Schlager-Album sollte man durchaus ein Ohr gönnen.
Ein begeistertes Publikum verabschiedete den Sänger mit einem Hupkonzert, während er als Zugabe seine Version von „Ohne dich“ zum zweiten Mal zum Besten gab – diesmal durch die Autoreihen wandernd. Um 21.30 Uhr war Schluss und die Abfahrt vom Gelände gestaltete sich etwas chaotisch, da hier keine Ordner eingriffen sondern jeder wild Richtung Ausfahrt fuhr. Das wäre das Einzige, an dem man noch arbeiten müsste. Und ich werde versuchen herauszufinden, wie man den vermaledeiten Ecomodus beim Peugeot ausschalten kann. Zum Glück hatte ich ja den kleinen Ghettoblaster dabei.
Ein Fazit? Gar nicht so schwierig. Irgendwie machen alle Beteiligten das Beste aus der Situation. Ja – man kann interagieren, obwohl es etwas kompliziert ist. Die Stimmung muss man sich selbst machen. Wer schon mit einem Murren zu solchen Konzerten fährt, wird das vermutlich nicht schaffen. Es war auf jeden Fall gut, nach zwei Monaten Abstinenz mal wieder ein echtes Konzerterlebnis zu haben. Diese Alternative wird also vermutlich funktionieren, so lange die Normalität nicht zurückkehrt. Ich liste mal ein paar Konzertbeispiele aus den Regionen Trier und Saarland auf. Gebt dem Konzept eine Chance:
21.5.2020 – Völkerball – Autokino Blieskastel
23.5.2020 – Les Brünettes – Drive & live Merzig
27.5.2020 – Hazel Brugger – Carpitol Trier
29.5.2020 – 257ers – Carpitol Trier
31.5.2020 – Heinz Rudolf Kunze – Autokino Blieskastel
84 Jahre wird Klaus Doldinger morgen alt. Der Jazzmusiker und Saxophonist hat eine Reihe zeitloser Titel geschrieben. Man denke nur an das „Tatort“-Thema, „Das Boot“ und „Die unendliche Geschichte“. 1971 hatte er bei Gründung der Band Passport immerhin Udo Lindenberg am Schlagzeug. Und das Lebenswerk scheint noch nicht beendet, wenn man seine Liveauftritte betrachtet.
Der in Berlin geborene und in Düsseldorf ausgebildete Komponist, Bandleader und Jazz-Connaisseur lebt seit Jahrzehnten in Icking nahe München. Inzwischen kann Doldinger auf mehr als 5000 Live-Konzerte, Tourneen durch 40 Länder, über 2000 selbstverfasste Kompositionen, mehr als 50 veröffentlichte Alben und Auftritte mit diversen Sinfonieorchestern zurückblicken. Für sein „Symphonic Project“-Album nahm er bekannte Stücke aus seinem Werk mit Passport und einem Sinfonieorchester auf.
Seine besonderen Verdienste für den Fortbestand und den Fortschritt der modernen Musik aus Deutschland sind längst mehrfach gewürdigt worden – vom Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, über die „Goldene Kamera“, zahllose Gold-Awards bis hin zum Adolf-Grimme-Preis. Schöne Anerkennungen seien das, sagt Klaus Doldinger, aber sie sind für ihn keinesfalls so wesentlich wie die Musik. Um mit bald 84 Jahren wieder aufzubrechen, um neue Anknüpfungspunkte für seine einzigartige Komponistenhandschrift zu finden, sei die energetische Standortbestimmung „Motherhood“ sinnvoll gewesen, erklärt er. Als Zuhörer muss man sich die Sinnfrage hingegen gar nicht stellen. Zuhören, genießen und erkennen zu können, warum Doldinger heute so klingt wie er klingt, ist ein Segen.
„Motherhood“ gab es Ende der 60er Jahre als Projektnamen. Damals erschienen zwei Alben unter diesem Titel und der Name stand für Jazz verknüpft mir Rock, Soul und Weltmusik. Neun dieser Titel hat Doldinger nun neu aufgenommen. Der zehnte („Soul Tiger“) steht ganz am Anfang der Scheibe und ist ein Original aus dem Jahr 1969. Dann folgt „Devil Don’t Get Me“ mit den Vocals des noch sehr frisch klingenden Udo Lindenberg aus dem Jahr 1970. Erst danach geht es komplett in die Gegenwart und Max Mutzke leiht „Song Of Dying“ seine wundervolle Stimme.
Hammond-Orgel, der Groove von „Soul Town“ und „Locomotive“, die Saxofon-Soli auf „Circus Polka“ – und ganz mittendrin „Turning Around“ mit Meister Doldinger selbst am Gesangsmikro. Das sind starke Songtitel und handfeste Überraschungen. Besonders andächtig lausche ich aber „Women’s Quarrel“ mit der fantastischen China Moses an den Vocals und dem Abschluss „Wade In The Water“ mit Joo Kraus an der Trompete.
„Motherhood“ bietet zehn zeitlose Klassiker, die Doldinger hier gekonnt in die Gegenwart holt. Egal ob man das Album als Remake oder Neudeutung ansieht: Es zeigt Klaus Doldinger in Topform.
KRAMSKY aus Trier, Deutschlands ältester Stadt und Geburtsort von Karl Marx, sind bereits seit 2013 unterwegs. Zunächst als HERR BERLIN, ab 2016 haben sie sich in KRAMSKY umbenannt. Das aktuelle Album trägt den Titel „Metaego“ und bietet Indierock, Post-Punk und New Wave mit deutschen Texten. Eine respektable Mischung.
Das Quartett wiederholt sich nicht gern. Keiner der zehn Songs gleicht dem anderen – und doch klingt das Album mit seinen intensiven Texten wie aus einem Guss. Schrammelnde Gitarren, punkiger Sprechgesang. Meistens mit Hau-drauf-Attitüde, aber auch mal melancholisch wie in der Ballade „Insgesamt“ oder dem nachdenklichen Abschluss „Pläne“.
Im Gesamten beeindrucken aber die Geschwindigkeit und das Nach-vorne-preschen des 36minütigen Albums. Es sind düstere, verbittert klingende Texte. Jimi Berlin an den Vocals, Gitarrist Jo Philippi, Bassist Florian P. Stiefel und Schlagzeuger Michael Kreft legen hier ein kraftvolles Album vor, das definitiv aus der Masse heraussticht.
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Seit Wilhelmine im Herbst 2019 ihre Debüt-Single „Meine Liebe“ vorlegte, schlägt ihr nichts als Sympathie entgegen. Und das von Kritikern, Kollegen und Fans gleichermaßen. Sie war mit Benne und Lotte auf Tour und sollte gleich anschließend Selig auf deren Tour supporten, die ebenso wie ihre eigene Headlinertour aufgrund der Coronavirus-Situation verschoben werden musste – aber schon jetzt sind die Spätsommershows in Berlin, Essen und Dresden ausverkauft.
Ein komplettes Album gibt es noch nicht, aber „Komm wie du bist“ ist da, Wilhelmines Debüt-EP. Sie enthält fünf Songs, darunter die bisher veröffentlichten „Du“ und „Solange du dich bewegst“. Der Titelsong ist die neue Single und liefert ihr optimistisches Motto. Wie weiland Kurt Cobain singt Wilhelmine von Selbstakzeptanz und Ehrlichkeit. Etwas naiv klingt „Das Mädchen mit der Latzhose“, ist aber emotionaler Ausdruck der Liebe zu einer Frau wie „Meine Liebe“. Ausdrucksstark und weltoffen.
„Ich glaube, wenn man als Künstlerin nicht über die Dinge redet, die einen wirklich belasten oder bewegen oder beschäftigen oder berühren, dann schwimmt man auf der Oberfläche und macht sich unbewusst kleiner“, sagt Wilhelmine zu ihrem Ansatz, mit großer Offenheit Geschichten zu erzählen, die ihr wirklich so passiert sind. „In den letzten zwei, drei Jahren habe ich mich in dieser Hinsicht enorm weiterentwickelt. Ich habe wie mit einem Scheinwerfer in alle Richtungen geleuchtet und geschaut, was da wirklich hinter steckt.“
Die Arbeit an der EP wurde so zu einer intensiven Erfahrung: „Beim Schreiben der Texte habe ich in jeder Session aus einem anderen Grund geweint. Weil ich durch die Lieder an gewisse Stellen gekommen bin und es geschafft habe, ein bestimmtes Kapitel in einen Song zu packen und damit zu beleuchten.“
Von euphorisiert-befreiten Songs über Freiheit und Verliebtsein bis hin zu düster-traurigen Erfahrungen mit Sucht und Ressentiment deckt die EP ein breites emotionales und thematisches Spektrum ab. Die fünf Songs machen auf jeden Fall Lust auf mehr! Diese emotionale Achterbahnfahrt darf gerne eine ganze Albumlänge dauern.
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Jens Wawrczeck ist vor allem bekannt als Partner von Oliver Rohrbeck und Andreas Fröhlich. Mit ihnen zusammen spricht er nämlich die kultigen Hörspiele der drei Fragezeichen ein. Die meisten von uns werden also seine Stimme kennen, die er normalerweise dem zweiten Detektiv Peter Shaw leiht – aber ganz sicher nicht in dieser Form.
Dass Wawrczeck so hell und jugendlich klingt, ist sein Erfolgsgeheimnis als Sprecher, der seit über 40 Jahren einen Jugendlichen verkörpert. Und im Gesang klingt seine Stimme ebenso wundervoll, charmant und stets mit einem lieblichen Charakter.
Für seine erste CD „Celluloid“ hat Jens Wawrczeck eine sehr persönliche Auswahl von zwölf Songs aus amerikanischen, französischen und spanischen Filmen zusammengestellt und eingesungen. Im Booklet erzählt er zu jedem Lied eine kurze Geschichte, immer gibt es eine emotionale Verbindung zum Film und zur Musik. „Aus dem unermesslichen Fundus fantastischer Filmsongs eine Auswahl zu treffen, war keine leichte Aufgabe“, sagt Jens Wawrczeck. „Einige der Songs stammen aus Filmen, die mir viel bedeuten, bei anderen liebe ich die Melodie oder den Text“.
Unter den Titeln sind Hits wie „You Only Live Twice“ aus dem gleichnamigen James Bond Film und „Porque te vas“ aus Carlos Sauras „Cria Cuervos“, aber auch Songs aus Filmen wie „At The Crossroads“, „Doctor Doolittle“ und „Wait Until Dark“, der im Thriller mit Audrey Hepburn nach einem nervenzerreissenden Finale für einen versöhnlichen Ausklang sorgt.
In 36 Minuten CD-Länge ist eine abwechslungsreiche Mischung gelungen ist, die zu den Blechbläser-Arrangements passt. Es gibt unterschiedliche Stimmungen, obwohl die meisten Songs aus den 60er Jahren stammen. Die Zusammenstellung in verschiedenen Sprachen klingt sehr harmonisch.
Aber warum plötzlich Gesang – nach Jahrzehnten des Sprechens? „Heimlich war ich immer Sänger“, sagt Jens dazu. „Singen war schon als Kind meine große Leidenschaft. Aber es ist das Persönlichste, was man auf der Bühne machen kann. Beim Singen kann ich mich viel weniger verstecken als hinter einer Theaterfigur oder einem fremden Text. Inzwischen bin ich mutiger geworden und jetzt ist für mich der richtige Zeitpunkt, auch als Sänger in Erscheinung zu treten.“
Mit den Produzenten Leonhard Mahlich und Christopher Noodt fand Jens Wawrczeck die idealen Partner für sein Filmsong-Projekt. Sie verstanden seine Art, in Bildern zu kommunizieren. „Die beiden sind hervorragende Musiker und völlig uneingenommen an das Projekt herangegangen, denn normalerweise machen sie eine ganze andere Art von Musik. Für die Interpretation der Filmsongs habe ich Szenen im Kopf, die entweder aus Filmen stammen oder die Emotionen der einzelnen Titel transportieren. Die beiden haben sofort verstanden, was ich meine.“
Anspieltipps? „Bibbide Bobbedi Boo“ aus „Cinderella“ und der Bond-Titelsong „You Only Live Twice“. Auf jeden Fall ist dieses Album eine große Überraschung – und es funktioniert hervorragend!
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Joachim Witt ist wieder da. Im 71. Lebensjahr und passend zum 40. Jubiläum seines ersten Hitalbums „Silberblick“ mit dem NDW-Klassiker „Der Goldene Reiter“, steigt er als Rübezahl erneut zu den Sterblichen hinab und verkündet streitbar und entschlossen seine Botschaften mit markant-melodiöser, unverwechselbarer Stimmkraft.
Das erste „Rübezahl“-Album erschien 2018 und gilt als das dunkelste seiner bisherigen Diskografie. Jetzt gibt es den Nachfolge-Release: „Rübezahls Rückkehr“. Der Berggeist des Riesengebirges ist dabei nicht wirklich Protagonist eines echten Konzeptalbums, aber er gibt durch seine Naturverbundenheit den Rahmen für philosophische, bisweilen verbitterte Lyrics vor, die sich mit aggressiven und melancholischen Worten dem Zeitgeschehen widmen.
Spätestens seit dem Comeback mit „Die Flut“ (1998) liefert Witt sehr brachiale Deutschrock-Songs, die nicht zuletzt an die Neue deutsche Härte von Rammstein erinnern. Mit Bombast und viel Synthie-Einsatz klingen diese Rocksongs recht faszinierend. Hinzu kommen Balladen wie „Die Rückkehr“, „Rote Tränen“ und „Windstille“. Daneben gibt es gelungene orchestrale Einsprengsel („Schmerzende Welt“). Dass Witts Stimme einfach unverwechselbar genial ist, muss wohl nicht mehr erwähnt werden.
Für den monumentalen Sound ist Chris Harms von Lord of the Lost verantwortlich. Er hat hier ein Album mit viel Tiefgang produziert. Manchmal ist es auch einfach zu viel des Guten und man wünscht sich, Joachim Witt würde mal einen Gang runter schalten. Im Gesamten aber funktioniert die Idee und Joachim Witt trifft den Nerv der Zeit.
Andreas Kümmert hat in seiner Karriere schon für einige Schlagzeilen gesorgt, ob als Gewinner der Casting-Show „The Voice of Germany“ oder mit seinem Verzicht auf die Teilnahme am ESC. Aber eigentlich will der bärtige und stimmgewaltige Mann aus Gmünden einfach nur Musik machen – Musik, die ihm selbst gefällt und im besten Fall auch noch viele andere begeistert. Mit seinem komplett in Eigenregie produzierten und unter eigenem Label veröffentlichten aktuellen Album „Harlekin Dreams“ erfüllt sich Andreas Kümmert nun diesen Traum.
Schon die Songs für seine anderen Alben hat Kümmert größtenteils selbst geschrieben, aber „Harlekin Dreams“ ist tatsächlich noch ein Stück persönlicher, ehrlicher und vor allem vielseitiger. Unbelastet von jeglichen Vorgaben und Erwartungen spaziert der Sänger hier durch die verschiedensten Genres. Klingt der Opener „Something In My Heart“ noch sehr nach dem vertrauten Blues, geht es beim folgenden „Milk“ schon ordentlich rockig zu und wird bei „Fukk Up“ noch heftiger. „Funky Slith“ macht seinem Titel alle Ehre und auch „Blue Birds“ verbreitet einen funky Vibe. Mit „Secret“ und „Till I Die“ liefert Kümmert schließlich zwei herzzerreißende Piano-Ballade ab, die beide absolut das Zeug zum Chart-Stürmer hätten. Ähnlich berührend ist auch „Gone“ mit ruhiger Gitarrenbegleitung und dezenten Streichern.
Zum Blues und Soul kehrt der Musiker zwar immer wieder zurück, mit „Evan“ etwa oder „Slow Goose“. Aber insgesamt beeindruckt die neue Bandbreite schon sehr, vor allem angesichts der Tatsache, dass Kümmert fast alle Songs auch komplett selbst eingespielt hat. Lediglich für zwei Stücke holte er sich ein paar Bandkollegen ins Studio, und die Sängerin Pauline Schwerdtfeger unterstützte ihn bei einer tollen akustischen Cover-Version von „Use Somebody“.
Das einzige, was mir bei diesem genauso überraschenden wie überzeugenden Album fehlt, sind die Lyrics im Booklet, die wohl der sparsamen Produktion zum Opfer gefallen sind. Mir persönlich sind die Songtexte immer sehr wichtig – zuverlässig raushören und verstehen konnte ich sie hier leider nicht, weshalb ich mir auch keine Aussagen über die inhaltliche Dimension von „Harlekin Dreams“ erlaubt habe. Ansonsten kann ich Andreas Kümmerts neues Werk allen vielseitig interessierten Musikfans aber nur empfehlen!
Teil dessen, was Netflix‘ “Sex Education” so besonders macht, ist der Soundtrack, der den ausgefallenen Ton der Serie mit Liedern von Ezra Furman perfekt festlegt. In Staffel 2 gibt es, neben Synthpop-Songs der 80er und 60er Soul, eine Reihe von Furman-Songs, darunter auch seine Version eines LCD Soundsystem-Klassikers (”I Can Change”).
“Making music for a TV show was a new experience for me. As a fan of many a high school comedy, for example The Breakfast Club and 10 Things I Hate About You, I knew how fun the music can be, and also how emotional. I wanted to rise to the challenge.”
„Sex Education“ trifft genau den Zeitgeist. Die Serie zeigt Teenager mit typischen Problemen gepaart mit herrlich-passender Musik, Humor und dem gewissen Etwas.
Ezra Furmann taucht in Staffel 1 als Sänger einer Band kurz auf. Seine Stimme, seine Ausstrahlung, das Charisma – das alles passt perfekt zu der Serie und ihrer wundervollen Musik. Auf dem aktuellen Pressefoto zeigt sich der androgyne Sänger als Frau. Auch das ein geniales Statement, das zeigt, dass ihm die Aussage der Serie und die Idee der sexuellen Vielfalt wichtig sind. Dass es mehr ist, als nur ein musikalischer Job.
Ich finde es ungewöhnlich, dass man als Soundtrack für beide Staffeln nur seine Songs und Interpretationen gewählt hat, wo es doch viel mehr Stücke unterschiedlicher Künstler zu hören gibt. Aber irgendwie passt es auch – mit aller Eindringlichkeit, den Emotionen, der Euphorie und der Niedergeschlagenheit, die seine Songs ausmachen. Ein wunderschönes Album (auch unabhängig von der Serie) und eine tolle Hommage.
Der offizielle “Sex Education” Soundtrack der Staffel 1 + 2, mit allen Werken von Ezra Furman, erschien bereits im Januart digital. Seit Ende April gibt es ihn auch physisch (CD und LP) via Bella Union.
Für die norwegische Sängerin Silje Nergaard waren die Grenzen zwischen Pop und Jazz schon immer fließend. Dabei wandelt sie mit ihrer klaren, eindringlichen Stimme wunderbar entspannt zwischen diesen zwei Welten und hat oft die ein oder andere musikalische Überraschung parat.
Als junges Mädchen träumte Silje davon die Welt zu erkunden, während sie die Züge, die durch den Bahnhof ihrer Heimatstadt Hamar in Norwegen fuhren, beobachtete. Ihre musikalische Karriere begann rasant, als sie mit 16 Jahren in einer spontanen Jam-Session mit der Jaco Pastorius Band beim Molde International Jazz Festival auf die Bühne kam. Der legendäre Jazzmusikkritiker Randi Hultin war im Publikum – und das Ergebnis waren Zeitungsberichte am nächsten Tag, die Norwegens neue große Jazzentdeckung ankündigten.
Heute, 30 Jahre, 16 Alben und sogar eine Grammy-Nominierung für das beste Arrangement („Based on a Thousand True Stories“ von Vince Mendoza) später, hat sie sich zu einer der bekanntesten europäischen Jazzsängerinnen – mit der ganzen Welt als Spielwiese – entwickelt. Zum 30-jährigen Jubiläum ihrer Karriere veröffentlicht die Jazzsängerin ein einzigartiges Doppelalbum mit neuen Songs sowie noch nie gehörten Akustikversionen ihrer größten Hits.
CD 1 präsentiert Siljes größte Hits in einer neuen, intimen Umgebung: Nur von einem Klavier begleitet, kann man ihre einzigartige Stimme genießen wie nie zuvor. Dieser Teil des Doppelalbums, der auch einige neue Songs und drei exklusive Coversongs enthält, heißt „Japanese Blue“. Insgesamt bietet er Entspannung pur. Himmliche Klänge zum Wegträumen. Ganz besonders haben es mir ihre melancholischen Versionen von „Mercy Street“, „What a wonderful world“ und „Love of my life“ angetan. Sie macht sich diese Ausnahmesongs, die jeder kennt, ganz zu eigen und interpretiert sie wundervoll zart und zerbrechlich. Begleitet wird sie von Espen Berg am Piano, der feinfühlig und mit virtuoser Eleganz die Melodien vorgibt.
CD 2 enthält dann acht neu geschriebene Songs für Band (Klavier, Gitarre, Bass, Schlagzeug) und Gesang. Dieser Teil heißt „Hamar Railway Station“ und handelt von der Geschichte der jungen Silje, welche die Welt erkunden wollte. Auf dem Album befinden sich Versionen der acht Songs sowohl in englischer, als auch in norwegischer Sprache. Es funktioniert durchaus als Konzeptalbum, das die durchfahrenden Züge und die Sehnsucht des jungen Mädchens musikalisch darstellt. Ein wahres Kleinod, dessen Atmosphäre sich in norwegischer Sprache noch stärker entfaltet.
Silje Nergaard setzt mit ihrer Musik konsequent den Grundsatz “weniger ist mehr” um und hat so mit diesem Jubiläumsalbum ein durchgehend melodisches und entspanntes, aber keinen Moment langweiliges Werk geschaffen. Ob bei einem Glas Wein auf der Couch oder zum Entschleunigen bei langen Autofahrten – Silje kann einen durch eine Reihe von Tagen gut begleiten.
Auch wenn sich alles sehr irisch anhört, stammen Uncle Bard und seine dreckigen Bastarde aus dem Norden Italiens. Sie bieten Folkrock garniert mit Irish Traditionals und genretypischen Instrumenten wie Flöte, Uilleann Pipes, aber auch Banjo und Mandoline.
Das Ergebnis ist ein folkiger Rundumschlag. Das Album „The Men Beyond The Glass“ startet recht ruhig mit „Hey Men“, geht dann aber schnell in die Vollen und bietet auf „Back On Your Feet“ eine schnelle Nummer mit Rock- und Punk-Elementen. Das Video zum Song hat eine starke und kraftvolle Message, da es aus dem Epicenter der Coronakrise in Italien kommt und wegen der Ausgangssperren sehr schwierig umzusetzen war. Die Band möchte alle ermuntern nicht aufzugeben, sondern sagt „ We’ll make it through all this and we’ll be back on our feet soon!“
Ähnlich kraftvoll und tanzwütig geht es weiter. Dazwischen immer wieder ruhige Nummern wie „Man Of The Storm“, „Wish“ und „Life’s Grand“. Die rauchige, charismatische Stimme von Guido Domingo nimmt mich auf Anhieb mit. Das Album featured 12 Titel in fünfzig Minuten mit brandneuer, origineller Musik, die das Saufgelage-Songcliché weit hinter sich lassen. Man ist eingeladen sich diese zwölf Geschichten anzuhören, denn hinter dem Künstler kann man die tiefgründigen Realitäten, Errungenschaften, Verluste und Wunder des Lebens, trotz aller Widrigkeiten und dem Vorsatz älter aber nicht weiser zu werden, in vollen Zügen genießen.
An sich waren Konzerte in Europa gebucht, die leider wegen der aktuellen Lage alle abgesagt bzw. verschoben wurden. Zum Glück bleibt das Album mit 12 Geschichten, die jeden willkommen heißen, die „Men beyond the glass“ zu treffen.
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Tobias Hundt, Patrick Serafin und Markus Strassheim kennen sich schon seit ihrer Schulzeit in Gießen. Als Tobias seine Handballer-Karriere 2008 für die Musik beendete, holte er die beiden in seine Band. Drei Alben nahmen sie unter dem Namen „Tobias Hundt“ auf, bis zwei Mitglieder die Gruppe verließen. Doch das Trio wollte nicht aufgeben und gründet 2015 LUPID – gleich bei einem Majorlabel. Das Ergebnis „Am Ende des Tages“ gehörte in meinen Augen zu den Deutschpop-Highlights 2018, doch irgendwie fehlte der letzte Funke, um die breite Masse zu überzeugen. Schade.
Jetzt gibt es wieder einen Neustart: Man hat sich einvernehmlich vom Label getrennt und versucht es auf eigene Faust. Die drei Jungs haben viel aus der Zusammenarbeit bei einem Majorlabel gelernt. Wo sie vorher froh waren, Verantwortung abzugeben, wollen sie sie jetzt wieder bewusst übernehmen. Das war schon immer ein „Drahtseilakt“ – und in der jetzigen Situation noch mehr.
Nicht einen Moment zweifelten Patrick, Markus und Tobias daran, weiter Musik zu machen. Stattdessen wollen sie wieder den Fokus darauflegen, weswegen sie LUPID gegründet haben: Auf Songs, die sie selber fühlen, die besondere Freundschaft, die sie verbindet, die gemeinsame Vision, an die sie glauben.
Das gefühlvolle Element in den Songs ist es weiterhin, was LUPID ausmacht. Tobias hat eine smarte Stimme, die jetzt noch stärker zur Geltung kommt. Die elektronischen Sounds werden ein wenig zurückgefahren. Stattdessen klingt der Sound organischer und schmeichelt sich schnell beim Hörer ein. Da ist beispielsweise der melancholische Opener „Lieb mich jetzt“: eine bewegende Ballade mit dezenter Synthie-Begleitung.
Intelligente und intensive Texte beherrschen das Album. Thematisch spielen Trennungen und das Aneinander-Festhalten eine große Rolle. Ein Highlight ist „Panama“, der sich die berühmte Janosch-Geschichte zum Vorbild nimmt und die Idee, dass es nach langer Suche zuhause doch am schönsten ist. Was Tobias zu der Geschichte sagt: „Sie zeigt auf, wie wir Menschen ticken. Dass das Gras woanders immer grüner scheint. Dass man dieser Lüge glaubt: Wenn ich erst mal dies oder das habe, dann bin ich glücklich. Aber ich glaube, die Definition von Glück ist wollen, was man hat“.
Die Reise,auf die sich LUPID begeben hat, führt zu neuen Einsichten und Perspektiven. Millionen neuer Perspektiven, die so einige Prioritäten in Relation setzen. Und genau davon handelt auch die letzte Single „Millionen Erinnerungen“, die am 13. März 2020 rauskam. Tobias Hundt singt über den Preis, den man zahlt, um seinen Traum leben zu dürfen. Darüber, dass, auch wenn der Weg manchmal hart ist und man am Ende des Monats keinen Cent mehr auf dem Konto hat, es doch eine Frage der Perspektive ist, ob man sich arm oder reich fühlt.
Ich habe grade viel Zeit, mit meiner 12jährigen Tochter Musik zu hören. Das neue Album von Lupid ist momentan unser Favorit. Schade, dass es nach 34 Minuten schon zu Ende ist.
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IAMX ist das musikalische Solo-Projekt von Chris Corner, ehemals Mitglied der Band Sneaker Pimps. Das 2004 in London gegründete unabhängige Musikprojekt konzentriert sich auch auf visuelle und experimentelle Kunst. Musikalisch umfasst IAMX verschiedene Genres, von elektronischer Rock- und Tanzmusik bis hin zu Burlesque-beeinflussten Songs und emotionalen Balladen. Acht Alben lang hat sich Corner dieser „schwarzen Elektronik“ verschrieben – doch es wurde Zeit für etwas Neues.
Ein Akustik-Album hätten wohl die wenigsten erwartet. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis. „Echo Echo“ bietet eine Auswahl von Songs aus dem Backkatalog von IAMX. Diese wurden neu aufgenommen und in ein akustisches, durchaus überraschendes Klanggewand gehüllt. Chris erklärt dazu, dass alle seine Stücke zunächst an Gitarre oder Piano entstehen. Es sei also nicht ungewöhnlich, diese reduzierten Versionen zu produzieren.
Von den elektronischen Monstern, die man sonst bei IAMX hört, geht es nun zu sehr filigranen Gebilden. Die auffälligen und weitreichenden Vocals des Sängers bleiben aber erhalten und geben den Stücken den gewohnten Schliff. Dazu die akustische Gitarre. Außerdem entschied Chris sich mit dem Produzenten David Bottrill, einige technische Effekte zu verwenden wie Loop Pedals und sich überlagernde Vocals. Das stört keineswegs sondern es hebt die Produktion auf eine sehr virtuose Ebene.
Die elf Neuinterpretationen verleihen den älteren Songs eine ganz neue Dimension: „The Background Noise“ liefert Flamenco-Elemente und das Flair eines Western-Soundtracks, „I Salute You Christopher“ ist mit chorischen Elementen versehen und „I Come With Knives“ geht in eine weltmusikalische Richtung.
„Echo Echo“ ist eine Sammlung der besten IAMX Songs, die sich jetzt viel intimer und gefühlvoller anhören. Zudem kommt Chris‘ Stimme besser zur Geltung. Eine Empfehlung für alle Freunde akustischer Musik und die Elektronik-Fans, die ihren Horizont erweitern wollen.