Amphi Festival 2014 vom 26.-27.07.2014 im Tanzbrunnen in Köln

DATUM» 26.07.2014 - 27.07.2014
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Ein Geburtstag ohne Happy-Birthday-Atmosphäre und trotzdem eine einzige Party

Zum 10jährigen Jubiläum des Amphi Festivals haben sich die Veranstalter eine ganz besondere Überraschung für die 16.000 Besucher ausgedacht: Brause!

Klingt erst einmal völlig bescheuert, aber in Anbetracht dessen, dass die Sonne das ganze Festivalwochenende über gnadenlos vom Himmel brannte und glücklicherweise gratis Leitungswasser zur Verfügung stand: Eine glorreiche Idee!

So schmeckte das langweilige Leitungswasser wenigstens nach Waldmeister. Großartig!

Überhaupt war das kostenlose Wasser die beste Idee des ganzen Festivals. Bei Preisen von 4 Euro 50 für eine Cola auch bitter nötig. Sonst hätten sich wohl nur die Gutbetuchten einen Autopause-freien Festivaltag auf dem Amphi leisten können.

Taktgebend für die Besucher des Amphi war in diesem Jahr nicht der straffe Zeitplan auf den beiden Bühnen, sondern die Hitze. Angesagt waren eine charmante Wolkendecke und bis zu 25 Grad. Perfekt für ein Outdoor-Festival. Leider meinte es der Wettergott etwas zu gut mit der Stadt Köln, und so waberten die Festivalbesucher in ihrem eigenen Schweiß von Bühne zu Getränkestand zu Schattenplätzchen.

SAMSTAG

Der Samstag begann für viele Besucher erst am frühen Nachmittag. Das möge den Warm up-Partys in der Umgebung und der fetten Party auf dem „Call the ship to port“-Amphi-Partyschiff geschuldet sein. Das Publikum wirkte verkatert. Auch die Outfits der Besucher waren den Umständen entsprechend meist auf Hitze und Bequemlichkeit ausgerichtet. Viele flache, bequeme Sandalen, einfache Shirts und Röcke. Ein paar Besucher stachen aber doch aus der Menge heraus. Zum Beispiel die Dame in dem Hochzeitskleid, die Flügel auf dem Rücken und ein Horn auf der Stirn trug. Oder aber auch die Damen in den eindrucksvollen viktorianischen Gewändern, die der Hitze souverän trotzten.

Ein Großteil des Publikums erwachte spätestens, als am Nachmittag „Lord of the Lost“ die Bühne betraten. Zwei weiße große Kreuze schwingend kamen die Bandmitglieder auf die Bühne. Vor der Mainstage feierten Tausende die Hard-Rock-Band aus Hamburg. Vor Allem in den ersten Reihen hatten sich die – zumeist weiblichen – Fanclubs der Band eingefunden und feierten frenetisch ihren Star – den Sänger Chris Harms. Ob da am jüngsten „Bild“-Artikel was dran ist? Die Online-.Fassung der Tageszeitung titelte erst kürzlich „Bist Du der neue Sex-Gott der Gothic-Szene?“. Aber auch ohne die Optik des Sängers beurteilen zu wollen, hat diese Band Erstaunliches vollbracht und steht ganz zu Recht auf der Mainstage des 10. Amphi-Festivals. „Lord of the Lost“ sind in den letzten zwei Jahren von einer eher unbekannten Band zu einem großen Act gewachsen. Das liegt auch am vor allem rocklastigen Sound, der es der Band ermöglicht, nicht nur im Gothic-Bereich unterwegs zu sein. Vor allem hat die Band eine unglaublich starke Fanbase, die es den fünf Hamburger Jungs sogar ermöglicht hat, per Crowdfunding über 12.000 Euro zusammen zu bekommen, um ihre erste USA-Tour zu finanzieren.

Voll wurde es auch im Staatenhaus zu „Aesthetic Perfection“. Das amerikanische Electro-Projekt rund um Sänger und Songschreiber Daniel Graves ist bei jedem Auftritt eine einzige Party. Normalerweise spielen die Jungs zu früh und zu kurz. Aber in diesem Jahr waren 45 Minuten völlig ausreichend. Nicht, weil die Band schlecht gewesen wäre. Ganz im Gegenteil. Das Publikum feierte und tanzte zu „The Siren“ oder „Antibody“. Leider war es im Staatenhaus trotz durchgehend laufender Klimaanlage heiß und stickig. Daran änderte auch das charmante Detail nichts, dass einer der Mitarbeiter im Fotograben kühlendes Wasser mit einem Blumenbestäuber auf die ersten Reihen sprühte. Zusätzlich sorgte der teilweise sehr schlechte Sound für Verstimmung im Publikum. Sänger Daniel Graves war den ganzen Auftritt über sehr leise. Vielleicht funktionierten die Monitorboxen nicht, das Problem sollten „Die Krupps“ am Sonntagabend auch noch bekommen.

Insgesamt war die Sound-Qualität im Staatenhaus nur in direkter Nähe zur Bühne sehr gut. Wer am Rand oder weiter hinten stand, hatte meist nur noch sehr lauten Brei auf den Ohren. Ganz im Gegensatz zu der großen Mainstage draußen. Die Bands dort waren fast auf dem gesamten Festivalgelände gut zu hören.

Wer vor der Hitze und der Sonne draußen fliehen wollte, fand sich trotzdem früher oder später im Staatenhaus ein, um mal ein paar Minuten zu verschnaufen. Hier gab es Sitzplätze, die die meiste Zeit überfüllt waren, weil jeder mal ein paar Minuten die geplagten Füße entspannen wollte, Kaffee, Kuchen und Shoppingmöglichkeiten der besonderen Art. Nicht nur riesige federbehangene Damenhüte wechselten hier die Besitzer, auch Spitze oder Latexkleider konnten hier erworben werden.

Nach draußen ging es für gefühlt fast alle Besucher des Amphi-Festivals, als „Blutengel and the Monuments“ die Bühne betraten. Wer sich am Anfang vielleicht gefragt hatte, wer denn diese „The Monuments“ sein sollen, sah hier klassische Musiker mit Violine und Kontrabass, die das übliche „Bums-Bums“ in Blutengel-Songs durch elegante Klassik-Klänge ersetzten. Das Set der Sänger Chris Pohl und Ulrike Goldmann wirkte beinahe theatralisch und zerfließend vor Schmalz, wobei man der Band getrost attestieren kann, dass Herzschmerz eines der Hauptelemente der Songs darstellt. So kitschig Blutengel auch sind, soweit kamen sie bei der breiten Masse des Publikums an. Bei Songs wie „Deine Welt“ und „Behind the Mirror“ sangen und klatschten die meisten Zuschauer begeistert mit.

Mit „Front 242“ ging der Abend auf der Hauptbühne zu Ende. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Beim Eröffnungssong „Happiness“ waren viele Fans vor die Bühne gekommen, der Tanzbrunnen war voll. Die Party konnte losgehen. Beim zweiten Song ging dann plötzlich gar nichts mehr. Mitten im Lied warf Sänger Jean-Luc De Meyer das Mikrofon mit den Worten „It’s impossible to do that“ beiseite und ging von der Bühne. Fünf Minuten lang passierte gar nichts. Katastrophe! Nach einer gefühlten Ewigkeit kam der Ansager auf die Bühne um den sauren Fans zu erklären, man bemühe sich, die technischen Probleme schnellstmöglich zu beseitigen. Dann passierte wieder nichts. 25 Minuten lang. Wie sich später herausstellte, war das Mischpult der Band abgeraucht. In mühsamer Kleinarbeit wurde in einer halben Stunde alles an die Haustechnik angeschlossen, damit der Gig weitergehen konnte. Etwas weniger Engagement und die Band hätte unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren können. Trotzdem war das Publikum sauer. Sätze wie „Hier herrscht der Sound of Silence. Hauptsache, keiner da, aber die Nebelmaschine läuft weiter“ waren aus einigen Ecken des Publikums zu hören. Nach einer halben Stunde Technikgefrickel konnte der Auftritt fortgesetzt werden. Frontmann Jean-Luc De Meyer kam auf die Bühne und entschuldigte sich für den Patzer. Er rief „Deutschland – Weltmeister und 10 Jahre Amphi – das ist der Hammer“. Nach diesen Worten feierten die Leute, als hätte es den 30-minütigen Zwischenfall nie gegeben. Zum Leid aller war wegen der Lärmbestimmungen trotz aller Verspätung um 22 Uhr Feierabend.

Nach einer halben Stunde Verschnaufpause ging es für einen Großteil des Publikums im Staatenhaus weiter. Die Helden der 80er „Camouflage“ feierten ihren vierten Auftritt auf dem Amphi-Festival. Sänger Marcus Meyn tanzte, als gäbe es kein Morgen, hüpfte, drehte Pirouetten, schwang die Hüften, es war beinahe, als stünde Depeche Mode-Sänger Dave Gahan persönlich auf der Bühne. Und so feierte das Publikum seine Ikone auch. Kaum jemand, der nicht zumindest heimlich von einem Fuß auf den anderen wippte. Spätestens bei Klassikern wie „Love is a shield“ und „The Great Commandment“ rastete die Menge aus vor Freude. So lauten Applaus, wie Camouflage nach jedem Song bekamen, hatte es gefühlt den ganzen Tag nicht auf dem Amphi gegeben. Beim letzten Song holte sich Marcus Meyn Verstärkung auf die Bühne. Und zwar keinen Geringeren als Peter Heppner. Zusammen sangen sie „That smiling face“. Schon im Februar hatten die beiden den Song zusammen bei einem Konzert in Dresden gesungen. Alles in allem war Camouflage das beste Konzert des ganzen Festivals – da stimmte einfach alles.

Danach war bei vielen die Luft raus. Die Anstrengungen des Tages holten die Leute ein, so dass bei weitem nicht jeder noch bis zum Ende von „Project Pitchfork“ durchhalten konnte. Na gut, bis halb zwei Morgens hellwach und tanzend durch das Staatenhaus zu feiern, kann auch nicht jeder schaffen. Das Programm war einfach zu lang, schließlich wollten viele am nächsten Tag pünktlich zu Beginn wieder fit sein. Die, die noch irgendwie ihre letzten Kraftreserven mobilisieren konnten, feierten mit Sänger Peter Spilles und seiner Band noch zu einem „Oldies-Set“, wie Peter es nannte, mit Songs wie „Pitchblack“ und „On End“.

SONNTAG

Für die Hartgesottenen ging es am Sonntag wieder früh los. Als erste Band im Staatenhaus traten „Noisuf-X“ mit einem 40 minütigem Programm auf die Bühne. Sänger Jan Loamfield gab alles, um seine Fans über die frühe Spielzeit hinwegzutrösten. Spätestens bei Hits wie „Jezebel“ oder „Hit me hard“ tanzte fast die komplette Halle.

„Noisuf X“ und die Hitze schienen das Publikum müde gemacht zu haben. Während „In the Nursery“ suchten viele die raren Schattenlätze abseits der Bühne auf, um mal eine Verschnaufpause zu machen.

Spätestens bei „Rotersand“ war aber die meisten wieder hellwach. Schon beim ersten Song war klar: Das wird eine einzige Tanz-Party. Sänger Rascal Nikov hüpfte und tanzte über die Bühne, als wäre er nie weg gewesen. Kaum zu glauben, dass die Band vor zwei Jahren noch aus gesundheitlichen Gründen des Sängers jeden Gig abgesagt hatte. Das Publikum feierte ausgelassen zu Club-Hits wie „Electronic World Transmission“, „War on error“ oder „Exterminate, Annahilate, Destroy“. Bei letzterem Song trat auch „Linebacker“ Krischan Wesenberg hinter seinen Turntables hervor und heizte dem Publikum zusätzlich ein. Bizarr wurde es, als die Band den neuen Song „Electric Elephant“ vorstellte. Zu diesem Lied betraten drei Performer die Bühne: Einer besonders klein, einer stark übergewichtig und eine dritte, auch nicht sehr schmale Tänzerin. Im ersten Moment war vermutlich fast jeder Gedanke im Publikum: Was wird das denn?! Die Drei legten eine grandiose Performance hin, bei der vor allem der übergewichtige Tänzer durch eine überraschende Beweglichkeit und Fitness brillierte. Die Performer zeigten abgehackte, aber auch fließende, vor Allem aber abstrakt wirkende Moves. Zunächst im Halbdunkel im Schatten von Sänger Rascal, später auch vor und um den Sänger. Es war so faszinierend, man konnte kaum wegsehen. Ein Blickfang und Kunst zugleich. Eine wirklich gelungene Überraschung.

Nach dem gelungenen Auftritt von „Rotersand“ erwarteten die Besucher gespannt den Auftritt von „Apoptygma Berzerk“. Bei der Masse von Menschen, die vor der Bühne standen hätte man meinen können, bereits den Headliner des Abends vor sich zu haben. Da war die Hitze egal oder auch, dass viele schon plattgetanzte Füße von eineinhalb Tagen Party hatten. Ähnlich wie bei Blutengel drängten sich Tausende vor die Bühne, um bei Song-Klassikern wie „Kathys Song“  oder „Until the End of the World“ aus voller Kehle mitzusingen. Der Höhepunkt des Auftritts war mit Sicherheit die deutsch-englische Version von Peter Schillings „Major Tom“. Während Sänger Stefan Groth den Text auf Englisch interpretierte, sang das Publikum die deutsche Version lauthals mit.

Nach Apop musste es schnell gehen. Viele Besucher wollten im vollgepackten Staatenhaus „Die Krupps“ sehen. Bedauerlich, dass die Düsseldorfer „nur“ im Staatenhaus spielen durften. Vor drei Jahren hatte die Band rund um Sänger Jürgen Engler eine großartige Performance auf der Mainstage abgegeben. Jetzt mussten sich die sechs Musiker mit den technischen Tücken der Staatenhaus-Bühne abmühen. Nach fünf Minuten Verspätung stand die Band endlich auf der Bühne. Aber mitten im ersten Song brach Sänger Jürgen ab und rief „Die Monitore sind tot. Wir haben gehört, Front hatten gestern Abend auch Probleme. Aber wir machen das, wir gehen nicht einfach“. Ein klarer Seitenhieb auf den unkommentierten Abgang der Band „Front 242“ am Samstagabend. Jürgen nutzte die Zeit, um mit dem Publikum zu quatschen, während die Techniker sich an den Monitoren zu schaffen machten. „Wen kenne ich denn hier?“, rief er und zeigte auf Leute in der ersten Reihe „Dich und Dich…Dich nicht.“ Anschließend improvisierten die Jungs und jamten ein bisschen, Dem Publikum schien das zu gefallen. Aus der Menge war nur „Zugabe, Zugabe“ zuhören. Darauf Jürgen keck: „Dann spielen wir gleich einfach die Zugabe“. Nach 20 Minuten konnte es endlich richtig losgehen und natürlich ließ es sich die Band nicht nehmen, auch die Hits „Amboss“ und „To the Hilt“ zum Besten zu geben. Gegangen war in der Zwischenzeit kaum jemand. Nach Samstagabend war das Publikum Elend-erprobt. Und immerhin: „Die Krupps“ hängten einfach noch ein paar Minuten an ihre geplante Spielzeit dran, um den Ausfall wieder wett zu machen.

Draußen tobten inzwischen Eisbrecher über die Bühne. Mit einer gewohnt guten Performance überzeugte Sänger Alexander Wesselsky in klassisch bayrischem Lederoutfit mit „This is deutsch“. Natürlich durften auch die Pyroshow und andere Hits wie „Miststück“ oder „Schwarze Witwe“ nicht fehlen. Zur Überraschung des Publikums schmettere Alexander noch einen Klassiker, der auf keiner Geburtstagsparty fehlen darf: Happy Birthday. Aber nicht für das Amphi, das ja an diesem Wochenende sein 10järhiges Wiegenfest feiern durfte. Nein! Der Lichttechniker hatte Geburtstag und das wollte die Band feiern. Das Lied war natürlich auch für jeden im Publikum, der an diesem Tag Geburtstag hatte. Nur eben nicht fürs Amphi – oder doch? Der „Checker“ – wie Wesselsky aufgrund seiner Fernsehkarriere genannt wird – beendete den letzten Gig auf der Mainstage mit dem Schmalzsong „Total Eclipse of the heart“ von Bonnie Tyler.

Im Anschluss verabschiedete sich der Herr Ansager vom Publikum und bedankte sich für einen tollen Amphi-Geburtstag. Die Party war zu Ende – während drinnen noch Lacrimosa auf der Bühne standen.

FAZIT

Nur schade, dass das einzig echte Geburtstagsgeschenk der Veranstalter – die Schifffahrten mit Konzerten – nochmal einige Euros extra kosteten und so wenig Platz boten, dass dieses Angebot an den meisten Besuchern vorbeigegangen ist. Die Gastronomie-Preise waren leider zu hoch, um eine Essenspause wirklich genießen zu können. Die Shoppingangebote waren dagegen vielfältig und erschwinglich. Die Bandauswahl war ein gelungener Mix zwischen Rock, Industrial und Future Pop und – abgesehen von den technischen Pannen – gut anzusehen und zu -hören. Memo: Nächstes Jahr wird das Auto in einen Privat-Kiosk umgebaut.

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