Der Auftakt mit Electric Callboy war genial – Roy Bianco als zweiter Special Guest aber sehr umstritten. Selten hat man eine solche Völkerwanderung unter den Fans schon am frühen Nachmittag erlebt (HIER unser Bericht). Doch es gab noch einige Highlights zu sehen, die ich euch nicht vorenthalten will.
Nachmittags spielte die wundervolle Christin Nichols auf der Orbit Stage – leider aufgrund der großen zeitgleichen Konkurrenz vor einer verschwindend kleinen Zuschauermenge. Dennoch: Sie legte eine starke Performance hin. Die Berlinerin ist nicht nur Musikerin, sondern auch Schauspielerin und hauptberufliches „badass girl“, das dem blöden System nur zu gern mit Killerlächeln den Mittelfinger zeigt. Das Wundervollste an ihr ist allerdings, dass sie noch nicht mal so tut, als ob dabei immer alles perfekt laufe. Ihre Musik atmet den Geist von Punk und New Wave. Es gibt den typischen Sound der 80er Jahre, aber auch eine gehörige Portion Melancholie.
Danach war Zeit für eine kleine Pause, um für Biffy Clyro wieder an der Hauptbühne zu sein. Die Schotten werden Jahr für Jahr größer und haben sicher bald das Zeug zum Headliner. Was man von ihnen bekommen kann? Eine perfekte Mischung aus Krach und Melodie. Hymnische Songs nehmen das Publikum gefangen, doch dann wird wieder rockig abgefeiert. Das unveröffentlichte „A Little Love“ zu Beginn, Highlights wie „Wolves of Winter“ und „Different People“ im Mittelteil, der Abschluss mit „Many of Horror“. Simon Neil war in grandioser Form und seine orchestrale Begleitung sorgte für Herzmomente.
Credit: Rainer Keuenhof
Auf der gegenüber liegenden Mandora Stage hatte inzwischen Monchi von Feine Sahne Fischfilet das Heft in die Hand genommen. Deren neues Album „Wir kommen in Frieden“ ist gerade eine Woche alt und man konnte in Feierlaune die erste Nummer 1 in Deutschland vermelden. Die Welt fährt Achterbahn, und die fünf Musiker aus Mecklenburg-Vorpommern wollten bewusst die oft jahrelangen Produktionsphasen klassischer Rockformationen hinter sich lassen, um mit ihren Songs direkter und schneller aktuelle Geschehnisse reflektieren zu können. So sind die zwölf neuen Lieder sowohl Rundum- als auch Befreiungsschlag: kraftvoll, wortmächtig und überraschend nah am Puls der Zeit.
Monchi kam einfach nicht umhin, von der Situation in seiner Heimat zu erzählen. 54 % AFD-Wähler. Da passt doch ein Titel wie „Grüße ins Neandertal“. Der Albumtitel ist ganz sicher kein Friedensangebot in Richtung von Nazis und Faschisten, sondern eine deutliche Kampfansage, die Monchi formulierte. Seit fast 20 Jahren sind FSF nun aktiv – im nächsten Jahr will man Jubiläum feiern. Doch 2025 geht es erst einmal um den Ring und den Chart-Spitzenplatz. Es gab Pyrotechnik aus den LCD-Würfeln, die auch hier für ein visuelles Erlebnis bis weit nach hinten sorgten, und der Frontmann versuchte sich im Crowdsurfen. Songs wie „Wenn’s morgen vorbei ist“ und „Komplett im Arsch“ sorgten für das nötige Gemeinschaftsgefühl, um diesen Gig zum kollektiven Erlebnis zu machen.
In der Umbaupause wurden übrigens sensationell LINKIN PARK als Headliner für 2026 angekündigt. Dazu gab es ein großes Feuerwerk, das auch als Pyro aus den LCD-Würfeln schoss. Ein grandioses Setting und eine gelungene Überraschung!
Pressefoto by Jan Heesen
An selbigem Ort ging es weiter mit The Prodigy, die mit „Vodoo People“ düster und laut loslegten. Keith Palmer alias Maxim zeigte sich als charismatischer Frontmann mit fantastischer Bühnenpräsenz. Immer in Bewegung und absolut stark an den Vocals. Die Mischung aus Alternative, Hardcore, Jungle und Big Beat funktioniert seit Jahrzehnten und ist immer noch Alleinstellungsmerkmal der Band. Die Bühne wurde in ein Gewitter aus bunten Klängen und markerschütternden Klängen getaucht – dazu Tracks wie „Firestarter“, „No Good“ und „Smack My Bitch Up“. Das reichte für eine mentale Reise in die 90er Jahre, die viele Fans sichtbar genossen.
Dann aber schnell zur Utopia Stage, wo Bring Me The Horizon zur ersten Headliner-Show bei ROCK AM RING einluden. Eine große Ehre, dass sie diesen Slot bekamen, aber auch absolut verdient. Die Band aus Sheffield gehört schon längst zur Speerspitze des Metal und spielt gern mit computergenerierten Mitteln, die sie gekonnt in ihre Bühnenshow einarbeiteten. Das Album „Post Human: Nex Gen“ folgt einem dystopischen Konzept. Im Bühnenbild gab es zunächst einen sakralen Aufbau, doch die SF-Momente nahmen im Verlauf des Konzerts immer mehr Raum ein.
Credit: Rainer Keuenhof
Zum einen wurde mit gigantischen Moshpits eine famose Metalmesse gefeiert, daneben gab es aber auch die virtuelle Videoshow auf den riesigen LCD-Flächen. Man war in ständiger Interaktion mit dem Publikum und den virtuellen Animationen. Dadurch entstanden manchmal seltsame Pausen im Ablauf des Sets, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Die Performance war im Gesamten absolut großartig. Ein textsicheres Publikum wurde durch Stücke wie „Teardrops“ und „Shadow Moses“ geführt, es gab das schon bekannte Cover von „Wonderwall“ (OASIS) mit viel Wumms und Fan Kristina durfte die Band bei „Antivist“ stimmlich (und sehr gekonnt) unterstützen.
Zur Ballade „Follow Me“ fing die Kamera magische Momente von jungen Damen ein, die von ihren Freunden auf den Schultern getragen wurde. Danach gab es einen Tanz im Konfettiregen und die Show endete mit einer Zugabe aus „Doomed“, „Drown“ und „Throne“. Der Set hatte zwar nicht die versprochenen zwei Stunden Länge, aber er wurde zum intensiven Erlebnis und zum gelungenen Abschluss des ersten Festivaltags.
Wie bekommt man verschlafene Festivalbesucher*innen am dritten Tag wieder wach? Dazu brauchte es einen ordentlichen Abriss. Und den lieferten Boysetsfire zu früher Stunde auf der Utopia Stage. Die Band hat sich dem Post-Hardcore und Emocore verschrieben und Sänger Nathan Gray glänzte mit seiner unglaublich klaren und starken Stimme. Das bemerkte man direkt beim ersten Song „After The Eulogy“, einem ihrer bekanntesten Stücke. Vor allem die Mischung aus harten und emotionalen Momenten rüttelte das Publikum wach. Symbolhaft prangte eine Regenbogenfahne in der Mitte der Bühne. Mit den Höhepunkten „Empire“ und „Rookie“, die schon lange im Repertoire sind, beendete man den Set. Die 1994 gegründete Band ist auch nach ihrer zeitweiligen Auflösung immer noch eine Wucht.
Boysetsfire – Fotocredit: Rainer Keuenhof
Dann folgten mit Sum 41 und NOFX zwei altgediente Bands, die ihr Karriereende für die nächste Zeit angekündigt haben. Passt doch bestens, hier am Ring nochmal alles zu geben. Es gab Songs wie „Underclass Hero“ und „Walking Disaster“. Sänger Deryck Whibley von Sum 41 dirigierte die Menge wie ein menschliches Orchester und brachte ordentlich Stimmung in die Bude. Neben den eigenen Klassikern animierte man die Fans auch mit Auszügen aus „Smoke on the Water“ und „Seven Nation Army“. Später gab es zudem eine schnelle Punkversion von „We Will Rock“. Sum 41 zeigten wieder einmal, dass ihnen das Alter scheinbar nichts anhaben kann und man sich weiterhin auf Konzerte der Kanadier freuen darf – bis dann 2024 der endgültige Abschied erfolgt.
Sum 41 – Fotocredit: Rainer Keuenhof
NOFX sind jetzt vierzig Jahre nach Bandgründung ein echtes „altes Eisen“. Überaus passend startete man dann auch mit dem berühmten „Time Warp“ vom Band und jeder wusste, dass eine selige Zeitreise folgen wird, die mit AC/DCs „Riff Raff“ begann. Frontman Fat Mike (Mike Burkett) zeigte sich allerdings in Plauderlaune und so gab es eine – grausam lange – Kennenlernrunde mit dem Publikum, bevor es richtig los ging. „We can talk for one hour“, stellte er richtigerweise fest, aber dafür waren die Leute nicht gekommen. „Ihr Deutschen habt für alles ein extra Wort – Schadenfreude“, beendete er seine Kulturanalyse und endlich gab es einen umtriebigen Set mit immerhin zwanzig Stücken, was man gar nicht mehr vermutet hätte. Die Bandgeschichte wurde ausgiebig und vielseitig gewürdigt. Trompeten und Reggae-Sound mischten sich mit Punk und melodischem Hardcore. Es gab sogar eine gelungene Ska-Version von „Les Champs-Élysées“ und nach „Kill All The White Man“ erklang tatsächlich noch der Musicalsong „Schadenfreude“ vom Band.
Fotocredit: Rainer Keuenhof
Anscheinen hatte es sich bis zur Mandora Stage rumgesprochen, dass ausgiebige Ansagen zum guten Ton gehören. Auch Michael Starr von Steel Panther war sehr gesprächig. Die Glam-Metaller hatten die ohnehin schon lila gehaltene Bühne komplett in dieses Farbschema getaucht. Und bunt war auch die Mischung aus Metal, Fun und Glamour. Man darf ohnehin nicht bierernst nehmen, was da geschieht. Starr überlegte, was die Amis an Deutschland lieben. Die Antwort: Audi, Scorpions und Titten. Nun ja. Als Tribute an Def Leppard spielte Drummer Stix Zadinia ein Stück mit unter dem Shirt verstecktem Arm – auch recht makaber. Songs wie „Asian Hooker“, „Death to all but Metal“ und die nostalgische Hymne „1987“ nahmen das Publikum aber gekonnt mit. Zum Ende hin klang man hymnisch wie Bon Jovi in den 80ern und holte allerlei Ladies auf die Bühne. Definitiv hatte die Band ihren Spaß.
Arch Enemy – Fotocredit: Rainer Keuenhof
Dann sorgte die weibliche Frontfrau von Arch Enemy sowohl für optischen Genuss als auch (für diejenigen die Arch Enemy nicht kannten) unerwartete und überraschend harte Töne, denn sie growlte, was das Zeug hielt. Alissa White-Gluz ist eine Powerfrau im blauen Superheldinnenkostüm, mit blauen Haaren und einer starken Performance. Leider ging es zwanzig Minuten verspätet los – das ist wohl das Schicksal der Mandora Stage, bei der man die Pünktlichkeit nicht gerade erfunden hat. Egal. Die formidable Songzusammenstellung von „War Eternal“ über „The Eagle Flies Alone“ bis hin zu „Nemesis“ entschädigte für die Wartezeit.
Arch Enemy – Fotocredit: Rainer Keuenhof
Auf der Hauptbühne war man nun bereit für Machine Gun Kelly alias Colson Baker – in den USA der Mann der Stunde. Seine Mischung aus HipHop, Rock und Punk machte die Performance einzigartig und der Hauptbühne würdig. Auch seine intensiven Rap-Skills waren neben der Rock-Performance absolut überzeugend. Dass Rap und Rock durchaus zusammen passen, bewies das Erscheinen von Oliver Sykes (Bring me the Horizon), der sich für „Maybe“ zu Kelly auf die Bühne gesellte. Zu Beginn gab es extrem viel Qualm auf der Bühne, so dass Machine Gun Kelly ganz nach oben auf die Pyramide aus LCD-Klötzen steigen musste, damit man ihn überhaupt noch sehen konnte. Extravagant war das Outfit mit silbernem Anzug und stachelig gegelten Haaren. Extraterrestrisch und damit passend zum Song „Concert for Aliens“.
Machine Gun Kelly und Oliver Sykes – Fotocredit: Rainer Keuenhof
Die große Band lieferte hymnische Melodien, Metalgitarren und bisweilen auch Screams. MGK bewegte sich entspannt durch Songs wie „I think I’m okay“ und das Gorillaz-Cover „Feel Good Inc.“. Höhepunkt waren zweifellos sein Bad in der Menge und der Weg rauf auf einen Warsteiner-Stand. Hier konnte er posieren und „My Ex’s Best Friend“ ins Publikum schmettern. Seine Nähe zu den Fans wurde heftig bejubelt – der Ring schien definitiv nicht mit dem extravaganten Künstler zu fremdeln.
Machine Gun Kelly – Fotocredit: Rainer Keuenhof
Und dann war es endlich soweit. Darauf hatten Zigtausende gewartet: Die Fahnen wurden gehisst zum zweistündigen Konzert der Toten Hosen. Und was war das für eine Sause! Publikum und Band schenkten sich nichts. Er war ein Genuss vom ersten bis zum letzen Stück. Schon der Anfang mit „You’ll Never Walk Alone“ vom Band brachte die Stimmung zum Überkochen. Dann das Westernfilm-Intro „3 Akkorde für ein Halleluja!“ auf den überdemsionierten LCD-Wänden. Und endlich standen die Desperados auf der Utopia Stage bei Rock am Ring. Mal wieder. „Heimspiel“, wie Campino es ausdrückte.
Die Zusammenstellung an Hits für alle Generationen war von Beginn an großartig. Bei „Altes Fieber“, „Bonnie & Clyde“ und „Liebeslied“ war Mitsingen (oder halt Grölen) angesagt. Die „alten Knacker aus Düsseldorf“ lieferten gnadenlos ab – und auch im Publikum gab man alles. Bengalos und Fußballfahnen, Circle Pits und Crowdsurfing. Völlig losgelöst feierten alle sich, die Hosen und den letzten Abend eines wundervollen Festivals. Dabei blieb auch Zeit für Dankesworte („112“ als Song für die Feuerwehr) und vehemente „Nazis raus“-Rufe, als Campino vor „Willkommen in Deutschland“ alle Rechten, Rechtspopulisten und den Umgang mit Flüchtlingen geißelte. So lieben wir unsere Hosen – und beim Ringpublikum konnte er ohnehin mit breiter Zustimmung rechnen.
Fotocredit: Rainer Keuenhof
Damit der Punk nicht zu kurz kommt, gab es „Forever Young“, das die Goldenen Zitronen mal „Forever Punk“ betitelt hatten, in einer schrillen Punkversion. Und auch „Halbstark“ (im Original von den Yankees) passte hier perfekt. Die Bengalos inmitten der Fans waren vielleicht nicht so gern gesehen, doch zu „Pushed Again“ platzierte man ein kontrolliertes Bengalofeuer auf der Bühne und auf allen Wellenbrechern. Das war ein starkes Bild und tauchte den Ring bis zurück zum Riesenrad in rotes Licht. Die Klassiker“Alles aus Liebe“, „Wünsch dir Wasser“ und „Hier kommt Alex“ beendeten den Hauptset.
Im ersten Zugabenblock deutete Campino ironisch an, dass er mit 60 für viele Medien schon zum Establishment gehört. Damit es aber nicht heißt, dass die Hosen jetzt sogar auf Sauflieder verzichten, gab es das kultige „Eisgekühlter Bommerlunder“. Der zwete Block war dann „den drei Würstchen aus Berlin“ gewidmet. Der in den 80ern obligatorische Konkurrenzkampf zwischen Hosen und Ärzten existiert schon lange nicht mehr. So gab es mit „Schrei nach Liebe“ ein kongeniales Cover und auch der Song „Freunde“ wurde den Ärzten gewidmet. Nach zwei Stunden machte Campino noch eindringlich Werbung für Thees Uhlmann und – es war ja schon Montag – entließ die Fans in die Woche.
Fotocredit: Rainer Keuenhof
Eigentlich war es jetzt Zeit für den Heimweg. Was sollte nach diesem Gig noch kommen? Aber natürlich war auch Thees Uhlmann auf der Orbit Stage noch einen kleinen Fußmarsch wert. Der Tomte-Sänger hatte zu Beginn nur ein kleines Publikum, das aber stetig anwuchs. Und tatsächlich waren plötzlich die Toten Hosen mit auf der Bühne und hatten auch noch Sammy Amara von den Broilers mitgebracht, den sie unterwegs wohl irgendwo backstage aufgabeln konnten. Wieder gab es das „Liebeslied“, diesmal mit noch größerer Liebe. Thees hatte schon davon erzählt, wie er vor 20 Jahren zum ersten Mal am Ring spielte und vor Aufregung einen Heulkrampf bekam. Getröstet hätte ihn damals Jacoby Shaddix von Papa Roach. Auch jetzt ist der Gig am Ring noch aufregend – doch Thees ganz souverän. So kommentierte er die Schreie von der Mandora Stage: „Jetzt wird da drüben schon wieder rum geschrien. Muss wohl was Wichtiges sein.“ Es gab geschmeidige Songs wie „Zugvögel“ und eine Hommage an „Avici“, außerdem den Tomte-Song „Ich sang die ganze Zeit von dir“ und das grandiose „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“.
Auf der Mandora Stage lieferten Bring Me The Horizon zwischenzeitlich eine starke visuelle Show auf drei Ebenen. Alle Instrumentalisten waren gut zu sehen, aber dennoch wirkte das sehr überfrachtet. Die Pausen zwischen den Songs waren stimmungskillend lang, doch der sphärische Aufbau war sehr gelungen. Die Briten waren gewohnt experimentierfreudig und bewegten sich zwischen Metalcore und Elektronik-Sounds. Für manche Ohren wohl zu viel des Guten, aber es war auch schon spät.
Fotocredit: Rainer Keuenhof
Was bleibt vom Ring 2023? Natürlich die fantastische Stimmung, die auch dem guten Wetter zu verdanken war. Durchgehend wolkenfreier Himmel – und trotzdem ein gelegentliches Lüftchen, damit die Sonne nicht zu sehr brannte. Nachts wurde es kalt, also hatte man im besten Fall Wechselkleidung für die Stunden ab 22 Uhr mit dabei.
Für mich persönlich gab es einige Überraschungen. Ich nenne mal die famose Show von Apache 207 am Freitag. Damit hätte ich nicht gerechnet. Auch Provinz waren eine enorme Bereicherung und K.I.Z viel besser als erwartet. Bei den Headlinern hatten Foo Fighters und die Hosen die Nasen vorn. Kings of Leon waren okay, aber das hart rockende Publikum hätte sich vermutlich mehr Power gewünscht. Insgesamt fand ich die Mischung jedoch stimmig. Man muss mit der Zeit gehen und ein junges Publikum anlocken, damit das Festival eine Zukunft hat. Früher beschwerte sich auch niemand über Fury in the Slaughterhouse und Alanis Morrisette. Wer auf das ROCK im Namen besteht, wurde zu jeder Zeit an einer der Bühnen fündig. Und so wird es ROCK AM RING trotz des leichten Zuschauerschwunds auch im Jahr 2024 geben. Der Termin wurde noch in der Nacht bekannt gemacht: Es geht weiter vom 7. bis 9. Juni 2024. ROCK ON!
Die zweite Bandwelle inklusive Tagesaufteilung wurde heute veröffentlicht. Es gibt exklusive Festivalauftritte von Kings Of Leon, Bring Me The Horizon, Rise Against, Limp Bizkit und Incubus!
Außerdem neu mit dabei: Bounty & Cocoa, Brutus, cleopatrick, Flogging Molly (eröffnen das Festival am Freitag), Gojira, Halestorm, Kontra K, Set It Off, Spiritbox, Sum 41 & The Warning.
Das neue Car & Tent Camping war bereits ausverkauft, aber man konnte den Bereich vergrößern und Tickets hierfür sind ab sofort wieder verfügbar.
Im Juni 2023 werden erneut rund 160.000 Musikfans zu Rock am Ring und Rock im Park pilgern, um die Festivalsaison einzuläuten. Eine Veranstaltung, bei der zwei, wenn nicht gar drei Generationen an Musikfans aufeinandertreffen.
Wie kein anderes deutsches Festival bestechen Rock am Ring und Rock im Park im nächsten Jahr durch ein Programm, das mit seiner herausragenden Vielfalt Innovation und Tradition vereint.
Neben den bereits bestätigten Headlinern Die Toten Hosen werden allen voran Kings Of Leon bei europaweit exklusiven Festivalshows zeigen, dass sie den Weg von der Family-Rockband zum Stadion-Act mit Sexappeal ohne Qualitätsverlust hinbekommen haben. Bring Me The Horizon mit ihrem charismatischen Frontmann Oli Sykes beweisen bei Ring und Park wie zeitgemäß harte Musik klingen kann. Rise Against verbinden ihren Punk-Sound mit Hardcore-Einschlag. Ebenso wie die Pop-Punk-Pioniere Sum 41, die der Jugend vor Augen führen, wo der aktuelle Sound um Yungblud und Co. herkommt. Mit Fred Durst wird ein Enfant Terrible des Crossover die Bühne betreten: Seine Band Limp Bizkit führte den Mix aus Rock und Rap in neue kommerzielle und musikalische Höhen. Abgerundet wird das Programm – nach langer Live-Pause – durch die Alternative-Rocker von Incubus.
Die französische Metalband Gojira, Elizabeth „Lzzy“ Hale und ihre Mitstreiter Halestorm, Rapper Kontra K und die kanadischen Spiritbox um Sängerin Courtney LaPlante sind ebenfalls bestätigt. Eröffnen wird Rock am Ring in diesem Jahr die US-amerikanische Folk-Punk-Band Flogging Molly auf der Hauptbühne.
Außerdem hinzu gekommen im Line-Up: Bounty & Cocoa, Brutus, cleopatrick, Set It Off und The Warning. Eine vollständige Liste der Bestätigungen in alphabetischer Reihenfolge gibt es hier:
Apache 207
Arch Enemy
Architects
AViVA
Badmómzjay
Bounty & Cocoa
Boy Bleach
Boysetsfire
Bring Me The Horizon
Brutus
Bury Tomorrow
Carpenter Brut
Charlotte Sands
cleopatrick
Dead Sara
Die Toten Hosen
Employed To Serve
Evanescence
Fever 333
Finch
Flogging Molly
Giant Rooks
Gojira
Halestorm
Hollywood Undead
Hot Water Music
Incubus
Jinjer
Juju
K.I.Z
Kings Of Leon
Kontra K
Lauren Sanderson
Limp Bizkit
Machine Gun Kelly
Maggie Lindemann
Mantar
Mehnersmoos
Meshuggah
Motionless In White
NOFX
Nothing But Thieves
nothing,nowhere.
Nova Twins
Pantera
Papa Roach
Provinz
Rise Against
Set It Off
Silverstein
Spiritbox
Sum 41
Tenacious D
The Chats
The Distillers
The Menzingers
The Raven Age
The Warning
Three Days Grace
Touché Amoré
Turnstile
VV
Yungblud more to come
Rock am Ring und Rock im Park finden vom 02.06. bis 04.06.2023 am Nürburgring/Eifel bzw. am Zeppelinfeld/Nürnberg statt.
Tickets und weitere Informationen unter www.rock-am-ring.com und www.rock-im-park.com.
More to come in early 2023! Wir wünschen Happy Holidays, liebe Ringrocker!
Seit jeher gelten die Brit Awards nicht nur als die musikalisch wichtigstes Award Verleihung im Vereinigten Königreich, sondern besitzen auch global eine enorm Strahlkraft, weshalb natürlich auch die Eröffnung nicht zu kurz kommen darf. Und diese besagte Zeremonie übernahm diesmal niemand geringeres als Ed Sheeran verstärkt durch die alternative Rockband Bring Me The Horizon. Dabei präsentierten die beiden Top Acts eine völlig neue, härtere Version von Sheerans letztjährigem Hit „Bad Habits“
Begleitet von einem choreografierten Tanz, Nebel, spektakuläre Lichteffekten und Trapezkünstler:innen, teilen sich BMTH Frontmann Oli Sykes und Sheeran die Gesangsaufgaben der neue Version und verleihen dem Song so eine atemberaubende Dynamik, die sowohl musikalisch als auch visuell einiges her macht und Ed Sheerans eingängigen Pop auf die geballte Energie der Rockkombo aus Sheffield treffen lassen.
Sheeran selbst ist trotz seines Erfolgs in der Popwelt kein Fremder was härtere Musikausrichtung angeht. So erzählte er bereits der britischen Boulevardzeitung The Sun von seiner Metal-Erziehung: „Ich stand als Kind wirklich auf Death Metal. Ich habe Cradle of Filth und Slipknot und all das Zeug gehört“, er habe zwar nie selbst darüber nachgedacht habe, Metal-Musik zu machen, aber sei auch nicht dagegen.
Bring Me The Horizon hingegen ist eine der elektrisierendsten und erfolgreichsten Rockbands, die aus Großbritannien hervorgegangen sind. Die 5-köpfige Band aus Sheffield erhielt erst letztes Jahr ihre erste BRIT Award-Nominierung als „Beste Gruppe“. Letztes Jahr veröffentlichte die Band zudem ihre neue Single „DiE4U“, welche die Band von ihrer experimentellen Hyper-Pop Seite zeigt.
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Bring Me The Horizon haben eine unglaubliche musikalische Entwicklung durchgemacht. Dies liegt zum größten Teil daran, dass Sänger Oliver Sykes seine Stimme in den Anfangsjahren schon mehr als überstrapaziert hat. Hört man sich das 2006 erschienene Album „Count Your Blessings“ an, kann man das auch ein wenig nachvollziehen. Somit mussten sich BMTH also ändern. Mit „Sempiternal“ leiteten die fünf Engländer diese Wende ein, mit „That’s The Spirit“ vollziehen sie den endgültigen Stilwechsel. Und geben diesen im, seit Wochen ausverkauften, Kölner Palladium zum Besten.
Angekommen in Köln-Mühlheims schönster Fabrikhalle verpasst man Beartooth und beginnt den Abend somit mit dem völligen Kontrastprogramm zu dieser Band: PVRIS präsentieren ihre sphärischen Stücke und laden die 3500 Zuschauer zum träumen ein. Die Bands sind also genauso unterschiedlich wie die BMTH Alben. Nach einer halben Stunde Umbaupause ist es dann soweit.
Das Licht der Halle geht von jetzt auf gleich aus und löst ein Massenkreischen aus, welches man so nur von Boybands der 90er-Jahre gewohnt ist. Was schon nach einigen Sekunden klar wird: An der Bühnenshow wird auf dieser Tour nicht gespart. Ein Bambusmattenähnliches Gebilde steht der Band im Rücken und liefert ab jetzt 70 Minuten aufwendig programmierte Bilder und Lightshows. BMTH starten mit dem leicht episch anmutenden „Doomed“ und ziehen, besonders die ersten Reihen, gleich in ihren Bann. Nahtlos geht es weiter mit dem „Happy Song“, der ebenfalls bestens beim Kölner Publikum ankommt. Die Stimmung im Palladium, welches die größte Halle der europäischen Festland Tour ist, ist sehr gut. Es wird gesprungen was das Zeug hält und Singalongs kommen auch nicht zu kurz. Zur Mitte des Sets muss man leider einen kleinen Rückschlag hinnehmen: „Chelsea Smile“ kann diesmal leider nicht überzeugen, da Sykes die Hälfte des Songs das Publikum singen lässt und die Stellen die er selbst übernimmt ohne jeglichen Druck im Shouting darbietet. Sehr schade, da dieser Song immer ein Klassiker war den man gerne gehört hat. Schon wesentlich mehr überzeugen kann da die Singleauskopplung „Throne“, welche Sykes in den gesanglichen Teilen doch mehr zusagt als das shouten. Man merkt, dass sich der Frontmann in den neuen Songs wohler, sicherer fühlt. „Anti-Vist“ lässt nochmal harte Zeiten aufleben und lässt die Menge ordentlich schwitzen. BMTH bedanken sich und verlassen die Bühne um kurze Zeit mit „Blessed With A Curse“ für feuchte Augen zu sorgen und sich mit „Drown“ endgültig aus Köln zu verabschieden. Die obligatorische Aufforderung von Oliver Sykes zum Crowdsurfen während dieses letzten Songs, um einen High Five von ihm zu erhalten, fehlt selbstverständlich nicht.
Unterm Strich kann man sagen, dass Bring Me The Horizon nichts mehr für die Fans der ersten Stunde ist da es musikalisch in eine komplett andere Richtung gegangen ist. Will man aber eine musikalisch gemischte Show und vor allem Action auf der Bühne, sind die 2015er BMTH genau die richtige Wahl.
Gerade einmal 28 Jahre alt ist Bring Me The Horizon-Gründer und -Frontmann Oli Sykes. Und doch veröffentlichte die britische Formation am 11. September 2015 mit „That’s The Spirit“ bereits ihr fünftes Album. Die Band schafft schon seit einigen Jahren den Spagat, Hardcore und Elektro auf kongeniale Weise miteinander zu vereinen. Das mag Fans der ersten Stunde befremden, denn Screams und aggressive Riffs finden sich nur noch akzentuiert und relativ selten auf dem Album. Wenn man einen Song wie das abschließende „Oh No“ hört, wird die Herkunft aus dem Deathcore-Lager gekonnt und endgültig verschleiert. Einen solchen Titel kann man auch im Mainstream-Radio spielen.
Selbst der aussagekräftige Opener „Doomed“ geht leicht von der Hand und kommt sehr zurückhaltend aus den Boxen. Die elf Songs des Longplayers entstanden unter der Regie von Sykes und BMTH-Keyboarder Jordan Fish in den Black Rock Studios auf der griechischen Insel Santorin, wo in den vergangenen unter anderem Joe Bonamassa, Steve Harris und OneRepublic aufgenommen hatten. Im Vorfeld hatte das aus Sheffield stammende Quintett bereits drei Songs veröffentlicht: am 12. Juli erschien der Track „Happy Song“, der sich sofort an die Spitze der UK Rock and Metal-Charts setzte, und jüngst ließ die Band mit „Throne“ eine zweite Auskopplung folgen. Darüber hinaus findet sich im Tracklisting der bis dato größte Bring Me The Horizon-Hit „Drown“, der sich im Oktober 2014 auf Position 17 der britischen Charts platzieren konnte.
Zum Glück liefern diese trotz des Schielens in Richtung Charts keine seichte Unterhaltung. Der Härtegrad ist zwar zurück gefahren, doch Bring Me The Horizon bieten weiterhin großartige Rocksongs. Es geht halt mehr in Richtung Linkin Park und Konsorten. Der manchmal recht balladeske Gesang wird durch Synthesizer und Kinderstimmen unterstützt. Das bewirkt eine poppige Ausrichtung, macht das Album aber äußerst vielseitig. Hier stecken eine Menge Einflüsse drin, die man den Hardcore-Heroen nicht zugetraut hätte. Der Stilwechsel, den die Band konsequent betreibt, lässt ihre Musik niemals langweilig werden.