Das Scandifolk-Traumpaar Tina Dico und Helgi Jonsson erzählte in der Neuen Gebläsehalle Neunkirchen die Geschichte ihrer Liebe. Hier findet ihr unsere Fotogalerie von diesem ganz besonderen Abend. Credit: Atelier3Bären
Das Neujahrskonzert in der Neuen Gebläsehalle Neunkirchen wurde gestaltet vom Capitol Symphonie Orchester Offenbach und einem virtuosen Varieté. Hier findet ihr unsere Fotogalerie vom 19. Januar 2026. Credit: Atelier3Bären
Am 17. Dezember 2025 waren THE NEW GENERATION mit ihrer Show „Christmas Classics“ in der Neuen Gebläsehalle Neunkirchen zu Gast. Mit einer einzigartigen Mischung aus energiegeladener Bühnenshow und musikalischer Vielfalt begeistert THE NEW GENERATION seit Jahren Publikum jeden Alters. Das Repertoire reicht von mitreißenden Orchesterklängen bis hin zu modernen Popgrooves. Hier unsere Fotogalerie – Credit: Atelier3Bären
Es war ein musikalisches Fest der Extraklasse: Die prisgekrönte SWR Big Band gastierte mit zwei formidablen Gästen in der Gebläsehalle Neunkirchen: Paul Carrack (Ace, Mike and the Mechanics) und Isabella Lundgren. Es gab Swing und Jazz vom Feinsten, dazu viele Weihnachtsklassiker. Hier unsere Galerie – Credit: Atelier3Bären
Es war eine getrommelte Gangster-Satire voller Überraschungen: Im abendfüllenden Show-Format „Backstreet Noise“ der Schlagzeugmafia wurde das Publikum Zeuge und Komplize zugleich. Am 6. Dezember 2025 konnte man sich in der Neuen Gebläsehalle Neunkirchen davon überzeugen:
Obwohl die Mafiosi stets bemüht sind, die lässige Ganoven-Fassade aufrecht zu erhalten, wird schnell klar, dass im Mafiabetrieb ganz und gar nicht alles glatt läuft. Wie sollte es auch anders sein? Bei fünf Schlagzeugern will schließlich jeder den Takt angeben. Wer hält am Ende die Fäden in der Hand? Wird die Tarnung als Pizzabäcker auffliegen? Wie baut man aus drei Trommeln ein Fluchtauto und was passiert, wenn plötzlich alle Lichter ausgehen?
Seht hier unsere Fotogalerie – Credit: Atelier3Bären
Das GLOOMAAR Festival in Neunkirchen/Saar hat sich jetzt schon seit einigen Jahren in der Szene etabliert. Es ist vor allem für seine Postrock-Ausrichtung bekannt. Die Neue Gebläsehalle beheimatet das Festival, das Bands und Künstler aus dem alternativen Rock- und experimentellen Musikbereich zusammenbringt. Dabei liegt der Fokus auf der Atmosphäre und der musikalischen Tiefe, die typisch für Postrock ist – also epische, instrumentale Stücke, die oft große emotionale Spannungen und Klanglandschaften erzeugen. Am vergangenen Samstag war es wieder soweit. Seht hier die Fotos vom späten Abend. Credit: Atelier3Bären
Das GLOOMAAR Festival in Neunkirchen/Saar hat sich jetzt schon seit einigen Jahren in der Szene etabliert. Es ist vor allem für seine Postrock-Ausrichtung bekannt. Die Neue Gebläsehalle beheimatet das Festival, das Bands und Künstler aus dem alternativen Rock- und experimentellen Musikbereich zusammenbringt. Dabei liegt der Fokus auf der Atmosphäre und der musikalischen Tiefe, die typisch für Postrock ist – also epische, instrumentale Stücke, die oft große emotionale Spannungen und Klanglandschaften erzeugen. Am vergangenen Samstag war es wieder soweit. Seht hier die Fotos vom Nachmittag und frühen Abend. Credit: Atelier3Bären
Es tut mir selten leid, wenn ich nach den obligatorischen ersten drei Songs das Fotografieren einstellen muss. Bei der wundervollen Show der Fäaschtbänkler habe ich allerdings schon sehr wehmütig auf Bühne und Publikum geschaut – wie viele schöne Momente ich in der randvollen Gebläsehalle nicht festhalten konnte.
Zum Einstieg brachte bereits der Support „Grup Huub“ das Publikum in die richtige Stimmung. Mit „All In (Lieblingslieder)“ starteten dann die Fäaschtbänkler von null auf hundert durch und brachten die begeisterten und textsicheren Fans zum Toben.
Ich finde es dabei wichtig zu betonen, dass hier keine „Spaßkapelle“ aufgespielt hat, sondern professionelle, multibegabte Musiker, von denen jeder scheinbar alle Instrumente perfekt spielen und dazu auch noch hervorragend singen kann.
Ein durch und durch gelungener Abend! Mit einer gefühlten Altersspanne von fünf bis 85 Jahren haben die Menschen das bekommen, was sie in unserer Zeit am meisten brauchen: ausgelassene Freude und Spaß ohne graue Wolken.
FAUN sind eine der weltweit führenden Bands für die Verschmelzung von alten Klängen mit moderner Musik und haben mittlerweile elf Studio CDs und 2 DVDs veröffentlicht. Ihre CD Veröffentlichungen erreichen Top Positionen in den deutschen Album Charts, so auch das neue Werk „HEX“, das Anfang September erschienen ist. Die Fotogalerie stammt vom Konzert in der Gebläsehalle Neunkirchen – Fotocredit: Atelier3Bären.
Seit 45 Jahren sind die Haudegen um den genialen Frontmann Justin Sullivan als Band unterwegs. Gegründet im britischen Bradford stand man von Beginn an für eine linke, alternative Weltanschauung und politische Tiefe. Namensgeber war die historische New Model Army aus dem englischen Bürgerkrieg, die für Rebellion und Unabhängigkeit stand. Nach vielen Besetzungswechseln ist Justin die einzige Konstante im Line-up, doch auch die jetzige Zusammensetzung ist schon seit 13 Jahren konstant. Davon können andere Bands nur träumen.
Bevor es aber mit Army los ging, war die Trierer Band vandermeer für einen 45minütigen Support am Start. Laut und rockig begleitete die Band Namensgeberin Harmke van der Meer bei ihrem Gesang, der zwischen anmutigen und aggressiven Klängen schwankte. Seit 2016 spielt man eine Mischung aus Shoegaze und Indierock. Das aktuelle Album „Grand Bruit“ erschien Ende 2022.
In Neunkirchen schuf die Band eine kräftige Soundkulisse, die beim Publikum sehr gut ankam und ordentlich gefeiert wurde. Bisweilen gingen Harmkes Vocals ein wenig im großen Klangteppich unter. Es war halt etwas Konzentration erforderlich, um dem Geschehen zu folgen, was dem Publikum aber nicht schwer fiel.
Stark fand ich vor allem die langsamen, sphärischen Shoegaze-Stücke, die viel Melancholie atmeten und zeitweise sehr im modernen Progressive Rock verhaftet schienen. Insgesamt ein starker Auftritt, der der Band sicherlich einige neue Fans eingebracht hat.
Um 21.15 Uhr war es endlich an der Zeit für NEW MODEL ARMY, die ihr Set mit „White Light“ vom 93er Album „The Love of Hopeless Causes“ begannen. Mit diesem Album begann – recht spät – meine Liebe zur Band und so konnte es nur ein cooler Abend werden. Wer jetzt allerdings einen Partyset erwartet hatte, wurde zunächst enttäuscht. NMA haben es (immer noch nicht) nötig, sich auf ihren Klassikern auszuruhen. In mehr oder weniger großen Abständen erscheinen neue Alben wie das Werk „Unbroken“ aus 2024, dessen Titel sicher auch für die standhafte Haltung der Band in wirren Zeiten steht.
So folgten gleich fünf Songs, die von Alben der letzten elf Jahre stammen. Gefeiert wurde im Publikum trotzdem, was für die Treue der Fans spricht. Vor allem der Tribal Sound im Duett mit den Drums wurde ordentlich bejubelt. Und dann sorgte „Here Comes the War“ schließlich für größere Strahlkraft im Set. Justin war diesmal nicht besonders gesprächig, aber man spürte seine Mischung aus Wut und Verzweiflung, wenn er den „Gaza genozid“ anprangerte und mit der aktuellen Politik haderte.
„Do You Really Want to Go There“ erzählt von den falschen Versprechungen der sozialen Medien, „Notice Me“ stammt als ältester Song des Abends vom 1984er Album „Vengeance“. So schloss sich der Kreis durch die Jahrzehnte und es gab mit dem umjubelten „Vagabonds“, „See You in Hell“, „Stormclouds“ und „“225“ ein glänzendes Finale im Hauptset, der knapp 90 Minuten gedauert hatte.
Der Zugabenblock sah dann drei Klassiker in 20 ausgedehnten Minuten. „Nor Rest“ wurde gar um einen Schnipsel von Black Sabbaths „War Pig“ als Hommage an den gerade verstorbenen Ozzy Osbourne erweitert. Es folgten „Purity“ und die abschließende Hymne „Wonderful Way to Go“. Fazit: Rundum zufriedene Gesichter.
Der Altersschnitt im Publikum war recht hoch, doch wer sich daran störte, sollte besser nicht in den Spiegel schauen. Fans und Band werden gemeinsam älter – doch der Spirit und die Attitüde bleiben. Wie sagte Justin als Einstieg zu „Purity“ und als Antwort auf die rechten „Fuckers“ in der Welt? Jedes Blatt am Baum ist verschieden, und doch sind wir alle eins!
NEW MODEL ARMY mit ihrem Frontmann Justin Sullivan waren am 23. Juli 2025 zu Gast in der Neuen Gebläsehalle Neunkirchen. Hier findet ihr unsere Fotogalerie:
Mit dreißig (!) Staffeln seit dem Jahr 2004 ist die Comedy-Sendung „Dittsche“ absoluter Kult. Mit Bademantel und Schumilette läuft der arbeitslose Verlierertyp zur Höchstform auf und sinniert am Tresen eines Hamburger Imbisses über aktuelle Ereignisse, das Leben, Gott und die Welt. Dafür gab es verdientermaßen den deutschen Fernsehpreis.
Aber funktioniert die Show auch als Stand-up eines einzelnen Mannes auf der großen Showbühne, bewaffnet nur mit einem Mikro und einer Tüte voll Bierflaschen? Und ob! Schließlich entstand das Konzept ursprünglich im „Quatsch Comedy Club“ und führte über „Gottschalk Late Night“ zuerst ins ZDF und dann zum WDR. Olli Dittrich braucht nur langsam von der Seite zur Bühnenmitte zu schlurfen und schon tobt der Saal – in diesem Fall die voll besetzte Neue Gebläsehalle im saarländischen Neunkirchen.
Bereits zum zweiten Mal ist Dittsche mit dem Programm „Chefvisite“ auf Solo-Tour. Der Auftritt im Saarland war der Opener für eine groß angelegte Reihe von Terminen – und der Ort war perfekt gewählt. Vielleicht mag das daran liegen, dass der Saarländer im Allgemeinen den Humor eines Heinz Becker zu lieben gelernt hat, der ebenso wie Dittsche gern über seine Nachbarn und Bekannten lästert und aus jeder kleinen handwerklichen Tätigkeit ein Großevent macht.
Dittsche kommt also mit FFP2-Maske und darüber drapiertem Kaffeefilterhalter auf die Bühne und erläutert zunächst einmal, wie man mit seine Maske noch sicherer machen kann, wie man damit Unmengen an Kaffee kocht und wie man aus zwei Paar Stiefeln, Alufolie sowie dem überschüssigen Kaffee prima warme Füße und „Coffee to go“ bekommt. Ein köstliches Vergnügen!
Dann geht es gedanklich in den Imbiss und Ingos Salatbar muss ebenso für einige Kalauer herhalten wie Dittsches Nachbar Herr Karger. Tatsächlich fällt Olli Dittrich manchmal aus der Bühnenrolle und amüsiert sich über das Publikum, das mit Zwischenrufen und Heiterkeitsausbrüchen nicht geizt. „Besser als in Hamburg“ sagt er. Und nimmt sich dann selbst auf die Schippe: „Manchmal, wenn ich mir diesen Scheiß ausdenke, gacker ich auch so rum“.
Die Idee des Bierbrauens in einer Trockenschleuder sorgt ebenso für Chaos und Kopfkino wie der Wechsel einer Glühbirne in Kargers Wohnung. Nach einer Stunde Dauerfeuer brauchen Publikum und Comedian erst einmal 20 Minuten Pause.
Die zweite Stunde der Show wird sehr philosophisch. Dittsche versucht, eine Vorstellung von der Unendlichkeit des Universums und der Winzigkeit des Mikroversums zu bekommen. Solch eine essentielle Frage wird ebenso in hochkarätige Merksätze gefasst wie die Überlegung, was zuerst da war – und damit meint er nicht Huhn oder Ei sondern Kronkorken oder Flaschenöffner.
Zum Ende hin wird es gar politisch, wenn Merkels Multifunktionsjacke erklärt wird und die Frage, ob Karl Lauterbach plötzlich deswegen so schlau ist, weil ihm früher die Fliege das Gehirn mittels verringerter Sauerstoffzufuhr abgeregelt hat. Auch RKI-Wieler bekommt sein Fett weg, fast im gleichen Atemzug wie Dieter Bohlen und Florian Silbereisen mit ihren Varianten von DSDS.
Im Zugabenblock darf die Kunstfigur Dittsche auch eine Lebensgefährtin haben, die dann nochmal neuen Schwung in die Erzählung bringt. Nach zwei Stunden Power enden eine fulminante Show und ein gelungener Tourauftakt. Dittsche ist sichtlich erleichtert und man nimmt ihm gerne ab, dass er in Zukunft öfter den Liveclub in Neunkirchen für seine „Probevorlesung“ nutzen wird. Olli Dittrich ist einfach ein gestandener Komiker mit Sinn für die Feinheiten des Genres. Er sprüht vor Ideen und setzt diese jovial und mit großer Freude um. Bitte mehr davon!
Am 10. Oktober 2019 gastierte Alexa Feser mit ihrem aktuellen Album „A!“ in der Neuen Gebläsehalle im saarländischen Neunkirchen, einer sehr atmosphärischen Location mit einem ganz besonderen Charme. Unser Redakteur Andreas Weist konnte sich schon nachmittags mit der gut aufgelegten Alexa Feser treffen und ein langes Gespräch über das aktuelle Album und viele weitere Themen führen.
Dein neues Album „A!“ ist eine ziemlich nostalgische Reise in die Vergangenheit. Was hat dich bewegt, als du die Texte geschrieben hast?
Ich weiß gar nicht, ob es eine nostalgische Reise ist. Es geht eigentlich um die Zeit von damals bis heute und ist damit sehr aktuell. Es ist eine Fortsetzung meiner anderen Alben. Thematisch nicht spezieller, aber vielleicht etwas persönlicher. Ich finde es sehr modern und nicht nostalgischer als das, was ich vorher gemacht habe. Man hat ja immer Texte, die auch Vergangenes behandeln.
Ist der Albumtitel – die Initiale A mit Ausrufezeichen – ein Ausdruck von besonderem Selbstbewusstsein?
Nein, auf gar keinen Fall. Das hat nichts mit meinem Namen zu tun, auch wenn die Leute das denken. Bevor ich ein Album rausbringe, sammle ich immer Attribute und Eigenschaften, wie sich das Album für mich anfühlt. In dieser Liste begannen 80% der Worte mit dem Buchstaben A. Daher der Titel. Er ist eine gute Zusammenfassung für alle Begriffe.
Du schreibst zusammen mit Steve van Velvet. Wie darf man sich das vorstellen? Wer bringt die Ideen rein und wie erarbeitet ihr die Songs?
Wir schreiben nicht zusammen. Das heißt: Wir schreiben uns zwar per Email, sitzen aber nicht zusammen in einem Raum. Es gibt keinen Modus Operandi für unsere Zusammenarbeit. Wir machen das seit 15 Jahren so, aber ich kann es jetzt nicht sagen wie ein Zauberer, der einen seiner Zaubertricks verrät. Es gibt keinen Clou, wie man einen Song schreibt.
Und die Texte stammen immer von dir?
Ja. Wir schreiben ja zusammen. Das heißt ich schreibe alles und komponiere alles.
Du stammst aus Wiesbaden, lebst aber schon lange in Berlin. Hast du Heimatgefühle, wenn du so nahe an deinem Geburtsort bist wie hier in Neunkirchen oder morgen in Mainz?
Ich weiß nicht. Heimat ist bei mir nichts, was mit dem Ort zu tun hat sondern mit den Menschen. Ich lebe in Berlin, wo die Menschen sind, mit denen ich zu tun habe. Meine Band, meine Freund. Ich habe nicht dieses klassische Heimat-Ding. Das wäre auch schlimm, denn ich wechsle den Ort ziemlich oft. Es gibt keine Ortsverbundenheit. Ich bin da zuhause, wo die Menschen sind, die ich liebe.
Wiesbaden ist ja eher Provinz – im Gegensatz zu Frankfurt und Berlin. Wo fühlst du dich wohler?
Ich empfinde Wiesbaden nicht als Provinz. Es ist Landeshauptstadt und hat 300.000 Einwohner. Ich bin in der Innenstadt groß geworden, an einer vierspurigen Straße, und war in dem Sinn immer Großstädterin. Sonst könnte ich mich in Berlin gar nicht zurechtfinden. Auch in Berlin hat jeder Bezirk seinen Stadtkern, darum ist der Unterschied gar nicht so groß.
Beim Konzert im „Zoom“ in Frankfurt hast du erzählt, dass du vor jedem neuen Album innerhalb Berlins umziehst. Das könnte auf Dauer ziemlich stressig werden. Willst du das durchhalten?
Ich weiß es nicht. Ich halte nichts von Ritualen oder Dingen, die immer wiederkehrend sind. Ich mache das so, wie ich es für mich empfinde. Es kommt darauf an, was mein Herz sagt. Momentan bin ich in einer ganz anderen Phase: Ich toure, bin viel unterwegs und habe mir daher noch keine Gedanken gemacht.
Ihr habt einige Videos in Japan gedreht. Das war ziemlich aufwändig, kann ich mir vorstellen. Warum ausgerechnet Japan?
Drei Videos haben wir dort gedreht im letzten Jahr, weil ich immer mal nach Japan wollte. Es war ein großer Traum von mir, weil ich die Menschen dort und die Kultur sehr spannend finde. Ich habe auch das Gefühl, dass es total gut zu den Songs, die wir dort abgedreht haben, gepasst hat. Wir haben drei unterschiedliche Videos gedreht und waren in ganz Japan unterwegs, am Fujiyama, in Tokio. Wir haben viel gesehen an Szenerien und Kultur. Es war ein Traum und den habe ich damit verwirklicht.
Also eher Urlaub als Arbeit?
Nein, Urlaub war es nicht, weil wir gedreht haben. Wir waren 14 Tage dort und haben drei Videos gedreht. Es war ein sehr straffes Timing.
Bist du zufrieden mit deinem Job, der dir so viele Freiheiten lässt? Oder würdest du lieber wieder Flugbegleiterin sein und nach einem strukturierten Plan arbeiten?
Ich habe auch als Flugbegleiterin keinen strukturierten Plan gehabt und war das nicht lange. Ich habe immer andere Sachen gemacht. Ich finde auch nicht, dass Künstler-sein immer total frei ist. Der Druck ist groß, man muss sich behaupten. Der Beruf ist nicht voller Freiheiten und Leichtigkeit. Ich finde es nicht leicht, immer wieder Neues zu schaffen. Jeder Beruf hat seine Pros und Contras. Man hat zum Beispiel nie ein freies Wochenende durch die Auftritte und man hat kein festes Einkommen oder Rente. Wenn man sich die Welt so anschaut und das Urheberrecht in Deutschland, dann wird es nicht einfacher für die Künstler.
Deine Musik funktioniert auf verschiedene Weise. Manchmal akustisch mit Piano, dann wieder elektronisch. Auf „Zwischen den Sekunden“ gab es viele orchestrale Passagen, die du dann auch live mit Streichern gespielt hast. Wie entstehen die Songs in deinem Kopf?
Meine Songs sind meist größer angelegt, gar nicht klein. Die Akustikversionen sind immer nur ein Bonus. Ich mag die großen ausproduzierten Sachen. Die Weite in den Songs. Ich glaube auch nicht, dass etwas in meinem Kopf entsteht. Es gibt kein Vordenken, man muss sich ans Instrument setzen und einfach was machen. Es gibt auch keine Anleitung. Der Prozess ist immer anders.
Ich habe das Konzert in der Wiesbadener Ringkirche gesehen. Wie war es für dich? War das ein besonderer Moment?
Da war ich mit einem Streichquartett unterwegs und das mache ich sehr selten. Eigentlich bildet die große Band meine Musik ab. Es war eher eine Ausnahme, dass wir in Kirchen gespielt haben.
Und die Tatsache, dass es in deiner ehemaligen Heimat war?
Wie gesagt, ich bin nicht so ortsverbunden. Meine Mitschüler, mit denen ich Abi gemacht habe, leben nicht mehr dort. Meine Familie auch nicht. Die sind alle weggezogen. Ich habe meist dann Heimatgefühle, wenn ich Familie und Freunde treffe, aber die wohnen nicht in Wiesbaden.
Was dürfen wir für heute Abend erwarten?
Es wird laut, es wird lang, es wird emotional. Ich spiele ein ganz langes Programm, das über zwei Stunden dauert. Ich habe heute keinen Support. Ich habe sehr gute Musiker dabei und es gibt Songs aus allen Alben, vor allem aber von „A!“. Wir machen stimmungsvolles Licht und werden vermutlich auch viel tanzen.
Gibt es auch atmosphärische Stücke wie „Tempelhofer Feld“?
Ja. „Tempelhofer Feld“ ist ein Song über Berlin und zugleich auch ein Synonym für eine Art Entschleunigung. Manchmal ist es für uns alle schwer, in diesen schnellen Zeiten irgendwie zur Ruhe zu kommen. Die Zeit tickt schneller und der Einzelne wird getrieben, ganz viel zu leisten. Man braucht in seinem Herzen einen Ort, an den man sich zurückziehen kann.
Eine der ersten Singles trug den Titel „1A“. Magst du dazu noch was erzählen?
Den Song habe ich quasi aus Trotz geschrieben, weil die Meckerkultur in Deutschland mich so genervt hat. Es hat mich gestresst, dass die Menschen das Glas immer als halbleer empfinden. Eigentlich geht es uns gut, aber man ist nahe dran, in jeder Sache das Haar in der Suppe zu suchen. Darauf wollte ich augenzwinkernd hinweisen. Die Menschen nehmen sich wenig Zeit für spezielle Dinge und lassen diese nicht auf sich wirken. Auch musikalisch: Die Kultur geht verloren, komplette Alben zu hören. Und das ist überall so. Alles muss schnell und einfach zugänglich sein. Fastfood essen, Pakete bei amazon bestellen. Konsum darf keinen Aufwand erfordern. Alles muss billig sein. Diese Wegwerfgesellschaft finde ich so traurig. Und die Verrohung im Internet, wo man sich gegenseitig klein macht. Auch das ist eine Wegwerfmentalität. Viele Menschen bekommen nicht mehr die Wertschätzung, die sie eigentlich verdient hätten.
„Mut“ dreht sich um viele kleine Situationen im Alltag. Passt das auch in diese Richtung?
Das ist ein Song, der viele Sinnbilder enthält, was Mut alles sein kann. Es hat sehr viel mit Alltag zu tun. Es geht gar nicht um Superlative, sondern darum, ob man sich selbst traut, unangepasst zu sein und für Dinge einzustehen, für die es nicht nur Applaus gibt. So wie Greta, die sich durch alle Widrigkeiten durchkämpft und von irgendwelchen alten weißen Männern Gegenwind bekommt, obwohl sie die idealistische Vorstellung hat. Sie gehört zu den Menschen, die die Welt von morgen gestalten.
Damit geht es um Eigenverantwortung, oder?
Ja. Es liegt auch an uns selbst. Wie lebt man zuhause? Was braucht man? Was braucht man nicht? Wie konsumiert man? Jeder muss sich an seiner eigenen Nase fassen. Wir sind eine große Spezies. Mensch ist Mensch – da gibt es keine Unterschiede. Wir sind Individuen, aber wir dürfen das Band und die Connection zu den anderen nicht verlieren.
Vieles fokussiert sich halt auf einzelne Schlagworte: Man schaut kurze YouTube-Clips, liest reißerische Schlagzeilen, aber oft fehlt der Hintergrund. Wie siehst du das?
Der Zugang zu vielen Informationen hat ja auch seine Vorteile. Wer Bock auf Wissen hat, hat mehr Möglichkeiten als je zuvor, wenn er verlässliche Quellen hat und gut recherchiert. Aber es gibt inzwischen so viele Quellen, die unwahr sind. Das finde ich schade. Aus Tatsachenberichten werden Katastrophennachrichten gemacht, um möglichst viele Klicks zu generieren. Man braucht heute einfach länger, um an die wirklichen investigativen Informationen zu gelangen. Das macht es für die Heranwachsenden schwieriger als früher. Ich beneide die Jugendlichen nicht um die Vielfalt. Früher haben wir einzelne Songs aus dem Radio auf Tape aufgenommen, weil das Geld gefehlt hat. Heute ist alles verfügbar. Der Wert von Dingen setzt sich viel daraus zusammen, dass man selber Zeit und Mühe investiert. Gute Musik hören, gute Bücher lesen, gute Gespräche führen, tolle Abende mit Freunden haben – dafür müssen wir uns Zeit nehmen. Es ist das Feinstoffliche, Mimik und Gestik, was uns auszeichnet.
Vielen Dank, liebe Alexa, für das ausführliche Gespräch. Ich wünsche dir und uns ein schönes Konzert heute Abend in der Gebläsehalle und freue mich sehr drauf.
Unser besonderer Dank geht an die Promoterin Sabine Bringmann und an Moritz Bremer von Neuland Concerts für die Vermittlung des Interviews. Außerdem natürlich an Tourmanager Nino Skrotzki für die hervorragende Betreuung vor Ort.
Am Abend durften wir ein fantastisches Konzert von fast 150 Minuten Dauer erleben, das uns durch zum Teil sehr atmosphärische aber auch äußerst tanzbare Songs führte. Alexa war in ihren Ansagen sehr gesprächig und stand in engem Kontakt zum Publikum. Besonders hautnah wurde es, als sie zur Hälfte des Sets ein Piano mitten in der Zuschauermenge aufsuchte und begleitet von der E-Gitarre einige Stücke zum besten gab. Das Konzert endete mit drei Zugaben und entließ viele frohe und emotional berührte Menschen in die Nacht, während Alexa noch weiter ihre Fannähe zelebrierte und lange Zeit für Autogramme und Selfies zur Verfügung stand.
Gold reden
in diesem Moment
Das Tempo von Rost
Haie
Paradies im Kopf
Abgeholt
Sterne
Ich bleibe
Tempelhofer Feld
Das Gold von morgen (akustisch)
Herz aus zweiter Hand (akustisch)
Wir sind hier (akustisch)
Atari T-Shirt
Glück
Lola rennt
Peter Pan
Mensch unter Menschen
Mut
Abschiedslied
1A