Wenn Steve Hogarth nicht gerade mit Marillion unterwegs ist oder im Studio verweilt, geht er gerne auf Solotour. „H natural“ heißen diese Konzerte normalerweise. Und sie bieten genau das: Den reinen Klang eines fantastischen Sängers, der sich selbst am Piano begleitet. So bietet H stets eine ganz besondere Atmosphäre. Und wenn dann noch die Location stimmt, wird es besonders heimelig.
Der vorliegende Mitschnitt wurde am 3. Februar 2024 in der Sala Sinopoli in Rom aufgenommen. Man brauchte nicht viel Licht und Brimborium. Für die ersten Songs war H ganz allein auf der Bühne und brachte einen bunten Querschnitt von Marillion („Thankyou Wherever You Are“, „Afraif of Sunlight“, „White Paper“) über Leonard Cohen („Famous Blue Raincoat“) bis hin zu den Beatles („All You Need Is Love“). Die Arrangements ganz reduziert, mit emotionalem Gesang und feinem Pianospiel.
Allein der Solo-Set bietet schon eine Vielzahl schöner Momente. Und dann kommen ja noch die Gäste hinzu: Ab „The Deep Water“ wurde H von RanestRane begleitet, welche mit Harfe, Mandoline, Harmonium und Tablas für eine spezille Atmosphäre sorgten. Deren Instrumentarium brauchte man auch für komplexe Marillion-Stücke wie „Sounds That Can’t Be Made“ und das Leonard Cohen gewidmete „The Crow And The Nightingale“. Auf Wunsch des Publikums wurde das beliebte „Waiting To Happen“ präsentiert und natürlich „Estonia“ – immer wieder mit einer Gänsehaut verbunden.
Für die letzten sechs Stücke kam der Flowing Chords Choir mit hinzu, ein gemisches A-cappella-Ensemble, das auch schon bei den Aufnahmen zum aktuellen Marillion-Album mitgewirkt hat. Stimmgewaltig geht es vom H-Solo-Stück „Nothing To Declare“ über den Europeans-Song „Acid Rain“ bis hin zu den finalen Marillion-Favoriten „Go!“, „Man of a Thousand Faces“ und „Easter“. Gerade dieses letzte Triple erwekt der Chor zu ganz neuer Lebendigkeit.
Der Mitschnitt ist erhältlich als 2CD+Blu-ray Digipak und Black 3LP Gatefold. Das visuelle Erlebnis kommt ohne grosse Showeffekte aus. Man kann einfach die Musik wirken lassen und sich ganz auf H und seine Mitstreiter*innen konzentrieren. Grandios!
Songliste
Thank You Whoever You Are
Afraid Of Sunlight
White Paper
Famous Blue Raincoat
Cover My Eyes (Pain And Heaven)
Three Minute Boy / All You Need Is Love
The Deep Water
Sounds That Can’t Be Made
Waiting To Happen
Estonia
The Crow And The Nightingale
Nothing To Declare
Acid Rain
Go!
Man Of A Thousand Faces
Easter
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Acht Jahre nach seinem letzten Auftritt in der Stadt kehrte Marillion-Frontmann Steve „H“ Hogarth nach Rom zurück. Nun erscheint mit „SPQR“ am 16. Januar 2026 der Mitschnitt dieses emotionalen Konzerts bei earMUSIC. Wie bereits bei seinem letzten Auftritt wird H von dem Flowing Chords Choir und der italienischen Band RanestRane begleitet, welche mit Harfe, Mandoline, Harmonium und Tablas für eine besondere Atmosphäre sorgten. Gespielt wurden Marillion-Klassiker, Solo-Stücke und Coverversionen von The Beatles und Leonard Cohen, alle neu interpretiert in cineastischen Arrangements.
Aufgenommen am 3. Februar 2024 in der Sala Sinopoli in Rom, sagte H damals: „Es ist mir eine große Freude, nach Rom zurückzukehren um hier erneut eine Show zu spielen. Solo, begleitet von lokalen Römern, RanestRane, werden wir versuchen die Chemie wieder aufleben zu lassen, die wir beim letzten Mal hatten.“ Außerdem fügte er hinzu: „In England gibt es ein Sprichwort: ‚Wenn du in Rom bist… finde eine fantastische italienische Band und spiele mit ihr.’“
Erstmals im Handel erhältlich als 2CD+Blu-ray Digipak und Black 3LP Gatefold, bietet „SPQR“ das volle Konzerterlebnis mit Songs wie „Thank You Whoever You Are“, „Afraid of Sunlight“, „Estonia“ und „Go!“ Es ist ein intimer Moment, wenn Steve Hogarth Leonard Cohens „Famous Blue Raincoat“ interpretiert. Reduziert auf H’s ausdrucksstarkes Klavierspiel und die gefühlvollen Vocals, bekommt Cohens Geschichte von Reue, Sehnsucht und stillen Geständnissen eine ganz neue Tiefe.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Steve Hogarth ist vor allem als charismatischer Frontmann und Texter der legendären britischen Band Marillion bekannt. Mit seiner ausdrucksstarken Stimme, seinen poetischen Texten und seinen emotionalen Auftritten hat Hogarth die Entwicklung der Band maßgeblich mitgeprägt.
Neben Marillion hat Hogarth eine vielseitige Solo-Karriere aufgebaut, in der er Musik auf eine persönlichere Weise erkundet. Seine Soloalben und Kollaborationen, unter anderem mit Richard Barbieri und der italienischen Progressive-Band RanestRane, zeigen sein Talent fürs Geschichtenerzählen und Atmosphärenschaffen, indem Rock, klassische Elemente und Ambient-Einflüsse mit emotionaler Ehrlichkeit verschmelzen.
Tracklist:
CD 1
01. Thank You Whoever You Are
02. Afraid Of Sunlight
03. White Paper
04. Famous Blue Raincoat
05. Cover My Eyes (Pain And Heaven)
06. Three Minute Boy / All You Need Is Love
07. The Deep Water
08. Sounds That Can’t Be Made
09. Waiting To Happen
10. Estonia
CD 2
01. The Crow And The Nightingale
02. Nothing To Declare
03. Acid Rain
04. Go!
05. Man Of A Thousand Faces
06. Easter
Das Projekt von Steve Rothery und Thorsten Quaeschning war schon länger in der Pipeline. Bereits beim Berliner Marillion Weekend im Juni 2023 stellten die beiden erste musikalische Ergebnisse vor, die durchaus beeindruckend waren. Ist ja auch kein Wunder, wenn zwei so begnadete Musiker aufeinander treffen. Steve gilt seit den 80er Jahren als Gitarrengott und wird für seine ausgiebigen Soli bei Marillion von Tausenden Fans bewundert. Quaeschning gehört seit über zwanzig Jahren zu den legendären Tangerine Dream, die als Pioniere der elektronischen Musik gelten und bis heute weltweit aktiv sind. Als dienstältestes Mitglied der aktuellen Besetzung ist Thorsten der kreative Kopf der Band.
Copyright: earMUSIC, Fotocredit: Thomas Ecke
Kein Wunder, dass es aufhorchen lässt, wenn zwei solche Musiker sich zu einem Duo-Projekt zusammenschließen. Ihr Debütalbum „Gentō“ ist gerade erschienen und lädt ein auf eine atmosphärische Reise, bei welcher zwei eigenständige musikalische Welten aufeinandertreffen. Gemeinsam bringen sie jahrzehntelange musikalische Erfahrung in das Projekt ein, welches nicht nur eine stilistische Verschmelzung, sondern ein durchdachter Dialog zwischen zwei etablierten musikalischen Welten ist. Der Name Bioscope stammt aus dem Griechischen: bios (Leben) und skopeein (schauen). Vor der Vereinnahmung durchs Kino bedeutete er „ein Blick auf das Leben“ – eine treffende Metapher für ein Projekt, das musikalische Erfahrung in gemeinsame Wahrnehmung verwandelt.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Angefangen hat es 2020 mit einem ersten Treffen in Berlin und in den darauffolgenden Jahren haben Rothery und Quaeschning stetig weiter an den Kompositionen gefeilt, bis sie dann in einer fünftägigen Session in Rotherys Heimstudio im Südwesten Englands fertiggestellt wurden. Jeder der fünf Instrumental Tracks ist von der Faszination des Menschen für das Bewegtbild inspiriert. Die Musik reicht von eindrucksvollen Gitarrenklängen, die an klassischen Progressive Rock erinnern, bis hin zu rhythmischen Sequencer-Passagen im Stil der Berliner Schule.
Copyright: earMUSIC, Fotocredit: Thomas Ecke
Das Album bietet einen gediegenen Ambient-Sound, gepaart mit Rotherys grandiosem Gitarrenspiel. So entwickelt sich eine schöne Dynamik, die durch das Album trägt. Man wird an die elegischen Melodien von Vangelis erinnert, aber auch an Pink Floyd, womit der Bogen zum modernen Prog geschlagen ist. Spacige Konstrukte, viel Synthesizer – und wenn dann die Gitarre groß einsetzt, könnte aus mancher Passage auch ein klassischer Marillion-Song werden. Fans beider Lager werden begeistert sein!
Das mir vorliegende CD+Blu-ray-Digipak enthält das komplette Album auf CD sowie hochauflösende Audioformate auf Blu-ray: PCM Stereo, Dolby Atmos und 5.1 (48kHz/24bit). Sound-Enthusiasten kommen so definitiv auf ihre Kosten!
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Bioscope ist das mit Spannung erwartete Projekt des Marillion-Gründungsmitglieds und Gitarrenvirtuosen Steve Rothery gemeinsam mit dem kreativen Kopf hinter Tangerine Dream Thorsten Quaeschning. Ihr Debütalbum „Gentō“, das am 22. August 2025 bei earMUSIC erscheint, lädt zu einer atmosphärisch dichten Klangreise ein, bei der zwei musikalisch unterschiedliche Welten aufeinandertreffen. Unterstützung erhalten sie von Elbow Drummer Alex Reeves.
Fotocredit: Thomas Ecke
Angefangen hat es 2020 mit einem ersten Treffen in Berlin und in den darauffolgenden Jahren haben Rothery und Quaeschning stetig weiter an den Kompositionen gefeilt, bis sie dann in einer fünftägigen Session in Rotherys Heimstudio im Südwesten Englands fertiggestellt wurden. Jeder der fünf Instrumental Tracks ist von der Faszination des Menschen für das Bewegtbild inspiriert. Die Musik reicht von eindrucksvollen Gitarrenklängen, die an klassischen Progressive Rock erinnern, bis hin zu rhythmischen Sequencer-Passagen im Stil der Berliner Schule.
„Gentō“ erscheint als CD+Blu-ray Digipak mit dem vollständigen Album in High-Res, Dolby Atmos sowie Dolby 5.1 Surround Mix und als Heavyweight Black 2LP Gatefold. Die erste Single „Kaleidoscope“ bietet einen ersten Einblick in die faszinierende Fusion aus Steve Rotherys unverkennbarem Gitarrenspiel und Thorsten Quaeschning’s Melodien aus der analogen Elektronikwelt. Es ist eine perfekte Mischung aus Progressive Rock und Ambient-Musik.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Über Bioscope:
Bioscope sind Steve Rothery, Gründungsmitglied und Gitarrist von Marillion, dessen Gitarrenspiel den Sound des modernen Progressive Rock entscheidend geprägt, sowie Thorsten Quaeschning, musikalischer Leiter von Tangerine Dream, der auf über 80 Veröffentlichungen mitgewirkt hat und international für seine Arbeit an Film- und Game-Soundtracks bekannt ist. Gemeinsam bringen sie jahrzehntelange musikalische Erfahrung in das Projekt ein, welches nicht nur eine stilistische Verschmelzung, sondern ein durchdachter Dialog zwischen zwei etablierten musikalischen Welten ist. Der Name Bioscope stammt aus dem Griechischen: bios (Leben) und skopeein (schauen). Vor dem Kino bedeutete er „ein Blick auf das Leben“ – eine treffende Metapher für ein Projekt, das musikalische Erfahrung in gemeinsame Wahrnehmung verwandelt.
Gut 35 Jahre ist es schon her, dass Derek William Dick – genannt FISH – der Erfolgsband Marillion den Rücken kehrte und den Solopfad betrat. Dem grandiosen ersten Album „Vigil in a Wilderniss of Mirrors“ (1990) folgte bereits ein Jahr später der mit folkigen Elementen versehene Zweitling „Internal Exile“, der nicht mehr ganz so stark im Progressive Rock verhaftetet war und stattdessen Fishs schottische Wurzeln betonte. Diese beiden Alben sind nun in diversen Formaten neu erschienen, nämlich digital über verschiedene Anbieter, als Standard-Remix-Edition mit drei CDs, als Deluxe-Variante mit vier CDs plus Blu-ray und auf Vinyl.
Fotocredit: Liam Dickson
Die Originalalben wurden von Calum Malcolm komplett neu abgemischt und allein dieser Remix ist schon ein Genuss. Songs wie die Ballade „Cliché“ vom Vigil-Album bekommen eine neue Dynamik und werden in ihrer ganzen Dramatik anders erfahrbar. Und auch die B-Seiten „Jack & Jill“ sowie „Whiplash“, die in den vergangenen Jahrzehnten ziemlich in Vergessenheit geraten sind, erfahren hier eine Aufwertung.
Ähnliches gilt für die Internal Exile-Remixe. Dabei sind es mit „Favourite Stranger“ und „Tongues“ gerade zwei Stücke, die bisher nicht unbedingt zu den Fan-Favoriten gehörten, die hier klanglich herausstechen. Zudem bekommt die ehemalige B-Seite „Poet’s Moon“ endlich den von Anfang an verdienten Platz in der Tracklist und auch „Carnival Man“, das erst vor einigen Jahren live brillierte, kommt hier hervorragend zur Geltung.
Credit: Fishy Music Ltd
Demos und Live-Aufnahmen ergänzen die Veröffentlichungen. Dabei gibt es viel Neues zu entdecken, beispielsweise „The Curious Hill“, ein sphärisches Instrumental von Mickey Simmonds mit Album-Motiven aus den Sessions zu „Vigil in a Wilderniss of Mirrors“. Kannte ich bisher noch nicht – hat mich gepackt.
Die Liveaufnahmen setzen sich aus diversen „Official Bootlegs“ zusammen, die Fish früher so gern über seine Homepage vertrieb und die alle grandios klingen. Auf den neuen Live-CDs ist dies jeweils etwas zusammengestückelt und auf die jeweiligen Albumsongs bezogen, doch im Blu-ray-Teil der großen Boxen bekommt man dann legendäre Livemitschnitte wie „Pigpen’s Birthday – Live at the Hammersmith Odeon“ (1990) und „Uncle Fish and The Crypt Creepers“ aus der Düsseldorfer Philipps Halle 1991 komplett zu hören. Immer wieder ein Genuss!
Wie kommt man nun an diese Schätze, die seit 22. Juli auf dem Markt sind? Am besten über die europäische Homepage https://fishmusic.eu/ Hier fallen nämlich die horrenden Brexit-bedingten Portokosten und Zollgebühren Weg. Später wird es sicher auch Möglichkeiten in einschlägigen Plattenläden geben. Und wer sich zunächst ein „auditives“ Bild machen möchte, wird auf diversen Streamingportalen fündig.
Allerdings kann ich den physischen Erwerb nur empfehlen, denn Fish hat sich neben dem musikalischen Remix auch sehr viel Mühe gegeben, Artwork und Texte neu zusammenzustellen. Man kennt die Kunstwerke von Mark Wilkinson, die hier grandios gewürdigt werden. Und wer Fish näher kennt, weiß auch, wie gesprächig er sein kann.
Steve Rothery ist der legendäre Gitarrist und Mitbegründer der Band Marillion und nicht nur in gitarrenaffinen Kreisen hinlänglich bekannt für sein einzigartiges Gitarrenspiel. Neben seiner Hauptband Marillion tourt Steve aber auch noch mit seiner Soloband (Steve Rothery Band) durch die Welt und spielt im Rahmen seiner Konzerte zur Freude seiner Fans komplette, alte Marillionalben. In der Kölner Kantine stehen an diesem Wochenende (15.09.2023 und 16.09.2023) „Misplaced Childhood“ am Freitag, und „Clutchin At Straws“ am Samstag im Mittelpunkt des Sets.
Auf eines können sich Marillion beziehungsweise deren Bandmitglieder auf jeden Fall immer verlassen und das ist der uneingeschränkte und länderübergreifende Support ihrer Fans. Auf dem Parkplatz vor der Kantine kann man Nummernschilder aus Holland, Luxemburg, Frankreich und Belgien bewundern. Vor ausverkauftem Haus geht es dann pünktlich um 21:10 Uhr mit drei Songs aus Steve Rotherys Soloalbum „The Ghosts Of Pripyat“ los. Die komplett instrumentalen Stücke zeichnen sich durch clevere Arrangements und durchdachtes Songwriting aus und sind natürlich durch Rotherys hervorragende Gitarrenarbeit bestimmt. Es gibt nur sehr wenige Gitarristen, bei denen man nach wenigen Tönen hört um wen es sich handelt. Steve Rothery gehört ohne Zweifel in diese Gruppe, da er über einen sehr guten Gitarrenton und ein sehr gefühlvolles und facettenreiches Spiel verfügt.
Nach „Summers End“ beginnt für die meisten im Publikum die eigentliche Zeitreise des Abends. Als die ersten Töne von „Pseudo Silk Kimono” durch die Boxen zu hören sind und Sänger Martin Jakubski die Bühne betritt gibt es für die meisten kein Halten mehr. Dass das Album fast 40 Jahre auf dem Buckel hat, aber bei den meisten Fans immer noch sehr präsent und vor allem sehr beliebt ist, spricht für seine Qualität. Fish hat mit dem dritten Marillionalbum ein zeitloses, autobiographisches Meisterwerk geschrieben. Für die Band bedeutete das Album damals einen Wendepunkt in ihrer Karriere, vor allem weil die Single „Kayleigh“ rauf und runter gespielt wurde und man so unter anderem auch als Vorband für Queen auf ihrer 1986er Tour auftreten konnte.
Martin Jakubski klingt live ein wenig wie der junge Fish und singt die Songs mit einer Leidenschaft und Präzision wie es Fish selbst heute schon lange nicht mehr schafft. Überhaupt spielt die gesamte Steve Rothery Band auf einem sehr hohen Niveau und man merkt der Band mit jeder Note an, dass sie selbst die größten Fans ihrer Musik sind. Der emotionale Höhepunkt des Abends stellt für den Schreiberling dieses Artikels „Blind Curve“ dar. „Mylo“ ist und bleibt mit das beste Stück Musik was jemals geschrieben wurde. Die Melodie ist immer noch atemberaubend und absolut zeitlos.
Nach “Assasing” stimmt das Publikum die seit der letzten Fußball-EM bekannte Hymne “Seven Nation Army” von den White Stripes an, die Band steigt ein und spielt den Song zu Ende. „Probably the best crowd we ever played for“, gibt Steve Rothery zu Protokoll, damit dürfte er wahrscheinlich Recht haben, die Stimmung ist an diesem Abend wirklich einzigartig. Es folgen „Jigsaw“, „Freaks“ und „Incubus“, bevor die Band unter großem Applaus die Bühne verlässt. Als Zugabe gibt es dann zunächst „Garden Party“ von Marillions Debutalbum „Script For A Jester’s Tear“, der Song ist 40 Jahre alt… Der letzte Song des Abend ist „Market Square Heroes“, das Publikum singt auch hier jede Textzeile mit.
Fazit: „Misplaced Childhood“ hat bis heute von seiner Ausstrahlungskraft nichts verloren und ist nach wie vor ein Meilenstein in der Musikgeschichte, obwohl das Album schon sehr viele Lenze auf dem Buckel hat. Steve Rothery und seine Band spielen das komplette Album in der original Tonart und das mit einer Begeisterung, die man selten bei einer Band sieht und vor allem spürt. Für die meisten im Publikum dürfte dieser Abend eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit gewesen sein, mit jedem Song verbindet wohl jeder seine eigene Geschichte.
Warum Steve Rothery als Gitarrist immer noch nicht die Aufmerksamkeit erfährt, die er eigentlich verdient hätte, ist für Viele ein großes Rätsel. Dave Mustaine sagte einmal über David Gilmour: „David Gilmour can do more with one note than most other guitar players can do with the whole fretboard“. Dies gilt ohne Zweifel auch für Steve Rothery!
Setlist:
Morpheus
Old Man Of The Sea
Summer’s End
Pseudo Silk Kimono
Kayleigh
Lavender
Bitter Suite
Heart Of Lothian
Waterhole (Expresso Bongo)
Lords Of The Backstage
Blind Curve
Childhood’s End?
White Feather
Assassing
Seven Nation Army (von den Fans angestimmt und der Band vollendet)
Die Supergruppe aus Mitgliedern von Marillion, Dream Theatre, Spock’s Beard und den Flower Kings legt hier auf drei CDs ein überragendes Live-Album vor. Auf den beiden ersten CDs sind die relativ kurzen Stücke der Band versammelt – die 10 bzw. 11 Songs haben eine Spielzeit von 43 bzw. 49 Minuten. Die beiden epischen Longtracks „The Whirlwind Suite“ (34:57) und „The Final Medley“ (28:22) finden sich auf der 3. CD, die vier Titel bringen es hier auf 73 Minuten.
Es ist eine Wonne, die Band bei ihrer Achterbahnfahrt durch den üppigen Bandkatalog zu begleiten. Wann hat man mal ein fast dreistündiges Konzert in voller Länge als CD? Wer die Songs kennt, wird live viele andere Strukturen erkennen. Alle, die ein Live-Konzert nicht als 1:1-Umsetzung der Songs erwarten, kommen hier voll auf ihre Kosten. So haben einige Songs noch mehr Dynamik als auf der Studio-CD bekommen. Mann spürt die Lust der Bandmitglieder, die Songs nach der langen Corona-Pause wieder live aufzuführen. In den ruhigen Abschnitten des Konzerts fehlt zum Glück das aufdringliche Gepfeife und Gejohle, oder es wurde herausgeschnitten.
Der Titel „Final Flight“ lässt den Hörer grübelnd zurück. Wird hier etwa angedeutet, dass es in Zukunft keine Livekonzerte von Transatlantic mehr geben wird oder gar keine weiteren Studioalben mehr? Oder soll hier bloß der Höhepunkt an Spielfreude hervorgehoben werden. Ein Konzerterlebnis, welches nicht mehr zu toppen ist? Oder spielt der Titel einfach auf das letzte Konzert der Tournee an? Ich hoffe nicht, dass mit diesem fulminanten Konzert das Ende von Transatlantic eingeläutet wurde. Die Fans halten der Band auch noch die Stange, wenn der hohe Meilenstern, den sie mit diesem Wuchtalbum gesetzt hat, nicht mehr wiederholt werden kann.
Anspieltipps: Rainbow Sky, The World we used to know, Looking fort he Light, Love made a Way, The Whirlwind Suite
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Erschreckende fünfeinhalb Jahre ist es jetzt schon her, dass mit dem Album „F.E.A.R. (Fuck Everyone And Run)“ das letzte reguläre Studioalbum der britischen Band Marillion erschien. Ein Meisterstück, das eigentlich kaum zu toppen war. So ließ man sich auch Zeit mit dem neuen Werk. Zwischenzeitlich hatte das Rockquintett mit einem in Belgien beheimateten Streicherquartett namens In Praise Of Folly zusammen gearbeitet. Deren orchestrale Einsprengsel in die bekannten Artrock-Arrangements kamen bei den Fans so gut an, dass im Anschluss einige Tourdaten mit den Streicherinnen folgten und es gar eine Compilation von Neuaufnahmen unter dem Titel „With Friends from the Orchestra“ gab.
So weit – so gut. Folgt jetzt im Jahr 2022 die Rückkehr zur puren Lehre des Rock? Nicht unbedingt, denn es war schon immer eine große Stärke von Marillion, sich stetig weiterzuentwickeln. Mit Neoprog hat ihre Musik nach dem Ausstieg von Fish im Jahr 1988 nichts mehr zu tun. Die progressive Ausrichtung gestaltete sich unter Steve Hogarth eher in Richtung Artrock und Melodic Rock. Highlights wie „Brave“, „Afraid of Sunlight“, „Marbles“ und eben „FEAR“ waren die Folge.
Das neue Album wurde wie sein Vorgänger in Peter Gabriels Real World Studios aufgenommen. Der Titel des (je nach Zählung) zwanzigsten Studioalbums der Band hat eine vielseitige Bedeutung. Im englischen Sprachgebrauch handelt es sich dabei unter anderem um die letzte Stunde, in der man als Kind draußen spielen darf. Es ist aber sicher auch eine Anspielung auf den Kampf gegen die Zeit in der Klimakrise. Und geht es hier nicht auch um die letzten Minuten im Leben eines Menschen? Bassist Pete Trewavas hat uns im Interview die Idee folgendermaßen erklärt: „Die Aussage hat verschiedene Bedeutungen – und so ist es bei allen Songs auf dem Album. Alles hängt zusammen und das macht die Magie des Albums aus.“
So wird das neue Werk zum konzeptionellen Album, das sich den Problemen unserer Zeit auf verschiedene Weise nähert. „Reprogram The Gene“ befasst sich mit der Klimakatastrophe. Unglaublich, dass der Titelsong des ersten Marillion-Albums mit Hogarth vor 33 Jahren ebenfalls dieses Thema behandelte („Season’s End“). Gleich zwei Songs beschäftigen sich unterschwellig mit der Corona-Pandemie. „Murder Machines“ betrachtet die Menschen als Gefahr für sich selbst, wobei es auch darum geht, einen anderen mit seiner Liebe zu erdrücken („I put my arms around her and I killed her with love“). Ebenso groß im Pathos ist das abschließende „Care“ als Quasi-Titelsong des Albums, der allen Helfern und Pflegern („Angels on Earth“) gewidmet ist.
Wie von Marillion gewohnt, bekommt man kaum eine Verschnaufpause. Nur das Instrumental „Only A Kiss“ lässt den Hörer kurz zur Ruhe kommen. Die sechs großen epischen Tracks sind deutlich songorientierter als manche Titel von „FEAR“, die doch bisweilen arg zerstückelt wirkten. Auch hier gibt es mit Überschriften versehene Einzelkapitel in den Longtracks (siehe Tracklisting ganz unten), aber die Songs wirken eher als Einheit und sind nur thematisch unterteilt.
Das schon als Single-Auskopplung bekannte „Be Hard On Yourself“ ist kraftvoll und mit starken Lyrics versehen. Neu ist die Integration eines Chores namens Choir Noir, der stilvoll und sphärisch in die Arrangements integriert wird. Wie die Streicherinnen von In Praise Of Folly, die auch wieder mit dabei sind, hat er seine Beiträge aus der Ferne eingespielt und Produzent Mike Hunter hat sie in das musikalische Geschehen eingewebt. Selbst Meistergitarrist Steve Rothery war diesmal aus Pandemie-Gründen nicht durchgehend im Studio. Das tut allerdings seinen genialen Solo-Einlagen keinen Abbruch.
Klar gibt es Höhen und Tiefen, vor allem in der dynamischen Entwicklung des Albums. Zwei getragene Songs läuten die zweite Albumhälfte ein: „The Crow And The Nightingale“ ist eine Hommage an Leonard Cohen. „Sierra Leone“ bietet einen cineastischen Sound mit melancholischen Klängen. Doch der hymnische Charakter des Albums überwiegt und die 55 Minuten vollendeten Sounds wirken dann am besten, wenn man das Werk am Stück hört. Man darf gespannt sein auf die Konzerte im Herbst und auf die Herangehensweise der Band an die Songs.
Nach mehreren Marillion Weekend Terminen bis Sommer 2022, begeben sich Marillion im Herbst auf große Europatour mit vier Daten in Deutschland:
Am 4. März 2022 erscheint mit „An Hour Before It’s Dark“ das neue Album von Marillion. Wir hatten acht Tage vorher, am 24. Februar, die Gelegenheit zu einem längeren ZOOM Call mit dem Bassisten Pete Trewavas. Ein seltsamer Tag, der ganz unter dem Eindruck einer russischen Invasion in der Ukraine stand. Und doch stand uns Pete Rede und Antwort zum Album und zu seinem zweiten Projekt Transatlantic, das ihn ebenfalls gut auf Trab hält. Das Interview führte Andreas Weist.
Hallo Pete. Wir haben uns zuletzt im Dezember 2019 in Essen gesehen. Das war euer letzter Auftritt für lange Zeit.
Es war eine schöne Tour damals mit dem kleinen Orchester, unseren „Friends From The Orchestra“. Das habe ich sehr genossen. Schön, wieder mit dir zu sprechen.
Wie ist es dir seitdem ergangen?
Tatsächlich war ich sehr beschäftigt. Mal abgesehen vom Lockdown, der aber dazu führte, dass wir mehr Zeit mit dem neuen Marillion Album verbrachten. Außerdem war ich sehr mit dem neuen Transatlantic Album beschäftigt, das wir in dieser Zeit aufgenommen haben.
Auf jeden Fall war es eine seltsame Zeit und wir waren auch sehr frustriert, denn wir wollten unbedingt das Album rausbringen. Die Themen, mit denen wir uns beschäftigt haben, waren sehr aktuell und wir wollten nicht, dass sie an Relevanz verlieren. Aber das haben sie wohl auch nicht. Wenn sie auch etwas sekundär geworden sind nach dem Chaos, das wir heute erleben müssen
Du meinst den Krieg in der Ukraine?
Genau. Niemand hätte doch jemals gedacht, dass so etwas wirklich passieren wird. Also ich zumindest nicht.
Mark Kelly und Ian Mosley haben ihre Biografien geschrieben. Auch Steve Hogarth ist schon länger mit seinen Tagebüchern am Start. Hat es dich nicht auch gejuckt, in dieser konzertlosen Zeit unter die Schreiber zu gehen?
Nein. Ich verbringe meine Zeit lieber damit, Musik zu schreiben. Das ist auch bequemer. Seltsamerweise haben mich aber viele Leute nach einem Buch gefragt. Sie sagten, es sei ein Vermächtnis für die Familie und die Freunde, wenn man seine Gedanken niederschreibt. Damit auch die Enkel verstehen, was man mit seinem Leben gemacht hat.
Aber ich denke, du lieferst dein Vermächtnis mit deiner Musik.
Ja, das stimmt. Musik ist einfach ein riesiger Teil meines Lebens. Schon als ich noch sehr jung war, war sie eine große Inspiration. Und ich habe Musik nicht einfach nur geliebt. Von Beginn an habe ich sie auch verstanden. Die Sprache der Noten. Mein Vater war Pianist und spielte Saxofon. Allerdings habe ich ihn nie am Saxofon gehört. Er hat das Instrument verkauft, um einen Verlobungsring zu kaufen. Eine sehr schöne Geschichte.
Ich habe also auf dem Piano geübt. Ich hatte auch Klavierstunden, aber ich habe es gehasst. Ich wollte alles für mich selbst entdecken und ich habe gefühlt, dass ich das kann.
Hast du dir auch den Bass selbst beigebracht?
Im Prinzip schon. Ich hatte ein paar Gitarrenstunden von einem Typen namens Keith. Er hat mir einige Akkorde gezeigt. Eigentlich wollte meine Schwester Gitarrespielen lernen und ich durfte dabei sitzen. Wenn sie dann die Gitarre beiseite gelegt hat, habe ich sie genommen und geübt. Was sie recht schwer fand, fiel mir leicht. Ich habe mit sieben angefangen, Gitarre zu spielen. Ich habe Songs von den Beatles und den Monkees gehört. „Last Train To Clarksville“ war damals ganz aktuell. Ich hatte ein gutes Ohr für die Musik und konnte alles nachspielen.
Die Fans schauen ja auch gespannt darauf, was mit Transatlantic passiert. Gibt es da Tourpläne nach dem Album “The Absolute Universe”?
Wenn alles gut geht, werden Marillion im April eine Convention in Polen spielen. Dann werde ich umgehend nach Amerika fliegen und es wird eine kleine Tour mit Transatlantic geben. Wir werden auch an zwei Abenden Headliner beim „Morsefest“ sein und auf der Kreuzfahrt „Cruise To The Edge“ werde ich mit beiden Bands spielen. Du merkst also, ich bin sehr beschäftigt. Ich muss ja auch alle Songs lernen.
Dann wird es weitere Marillion Conventions geben. In Schweden, Portugal, Leicester (UK) und in Montreal. Und mit Transatlantic gehen wir auf eine kleine Tour durch Europa. Die Priorität liegt aber ganz klar bei Marillion und im Moment promoten wir das neue Album. Es gibt eine große Resonanz in den Medien. Das freut uns.
Ich finde es ist ein großartiges Album, das alle Aufmerksamkeit verdient hat.
Oh danke. Ja, wir sind auch sehr stolz auf das Album. Wir sind die Sache diesmal anders angegangen. Auf „F.E.A.R.“ haben wir die Musik atmen lassen. Wir haben sehr lange Geschichten erzählt wie beispielsweise „The New Kings“. Das ist ein Song, der im Moment wieder sehr aktuell ist weil er vom russischen Geld in Europa erzählt.
Das neue Album „An Hour Before It’s Dark“ ist eher songorientiert, oder?
Ja. Es ist anders. Der Titelsong erinnert mich an die frühen YES. Er trägt eine chaotische Energie in sich und die Musik kann überall hin gehen. Wir wollen uns von Album zu Album verändern und uns auch selbst überraschen. Es passiert viel in den Raum, wenn wir zusammen sind und Musik schreiben. Normalerweise setzen wir uns nicht einfach zusammen und haben vor, einen bestimmten Song zu schreiben. Vielmehr lassen wir die Ideen fließen und jammen zusammen. Wir schauen, was passiert, und lassen die Musik ihren eigenen Weg finden. So verbringen wir oft drei oder vier Jahre, bevor wir ein Album zusammenstellen.
Unser Produzent Mike Hunter ist sozusagen das sechste Bandmitglied. Er sammelt die Ideen und schneidet alles mit. Er ist unsere Bücherei. Außerdem ist jedes Schnipsel unserer Musik in einer Cloud und wir alle können jederzeit drauf zugreifen. Irgendwann fügt sich dann alles zusammen und das Album entsteht.
Man hört, Steve Rothery sei aus Gründen der Pandemie nicht so oft im Studio präsent gewesen. Habt ihr dann aus der Distanz gejammt und geschrieben?
Ja, das stimmt tatsächlich. Wir haben schon sehr früh entschieden, uns zu isolieren. Schließlich sind wir alle in einem Alter, in dem die Krankheit Probleme bereiten kann. Vor allem Steve Rothery war sehr gefährdet. Inzwischen sind wir aber alle voll geimpft – inklusive Booster – und fühlen uns sicher. Am Anfang der Pandemie hatten wir uns aber entschieden, nicht alle zusammen im Studio zu sein. Obwohl es sehr groß ist und wir es mit Trennwänden coronakonform ausgestaltet haben. Wir haben die Räume gut belüftet und Masken getragen. So konnten wir nach einiger Zeit wieder zusammen im Studio sein, aber Steve Rothery war nicht dabei.
In dieser Zeit haben wir stärker an den keyboardlastigen Stücken gearbeitet. Und wir haben uns auf die lyrische Struktur konzentriert Trotzdem konnten wir immer auf Steves Aufnahmen zugreifen. So hat das in dieser Zeit funktioniert. Aber frustrierend war es schon, weil wir unsere Ideen nur über Zoom diskutieren konnten. Als wir alle wieder zusammen waren, wurde die Arbeit auch wieder einfacher.
Auf dem neuen Album habt ihr erstmals mit einem Chor gearbeitet. Wie lief das ab? Waren die Sänger bei euch im Studio oder habt ihr digital mit ihnen gearbeitet?
Der Chor war Mikes Idee. Er wurde auf den Choir Noir aufmerksam und hatte eine ziemlich klare Idee, wie sie klingen sollten. Sehr gotisch und disharmonisch mit Close Harmonies. Sie waren nicht im Studio und haben uns ihre Teile von zuhause aus zugeschickt. Der Chor ist es ohnehin gewohnt, digital zu arbeiten. Es sind acht Stimmen, aber manchmal haben wir sie doppelt übereinander gelegt, um mehr weibliche Stimmen zu haben.
Außerdem waren die Streicherinnen von In Praise Of Folly wieder dabei, mit denen wir in der Vergangenheit schon zusammen gearbeitet haben. Sie haben auch digital eingespielt. Mike hat ihnen grob ausgearbeitet Teile zugeschickt und sie haben daran gefeilt und uns Vorschläge zugeschickt. Außerdem war ein Harfenspieler mit dabei und ein Perkussionist. Mike hatte den Überblick und brachte alles zusammen.
Mike Hunter kennt euch schon sehr gut. Ich denke, seit dem „Brave“ Album.
Oh ja, da war er noch sehr jung. Später haben wir ihn dann wieder dazu geholt, um Dave Meegan beim „Marbles“ Album zu unterstützen. Wir haben großes Vertrauen in ihn und er mischt auch unsere Livealben ab. Er ist ziemlich im Einklang mit allem, was wir tun, und er macht einen fantastischen Job. Die letzten drei Alben klingen hervorragend und Mike hat einen großen Anteil daran.
Lass uns noch über einige Songs sprechen. Mir gefällt die Idee des Albumtitels. Es sind nicht “2 minutes to midnight” wie bei Iron Maiden, sondern “One Hour Before It’s Dark”. Der Zeitpunkt, den Eltern bei ihren Kindern wählen, um sie nach Hause zu rufen.
Genau. Komm rein, es wird dunkel. Das haben meine Eltern auch zu mir gesagt und es wurde zum geflügelten Wort. Heute funktioniert das nicht mehr so. Die Kinder haben schon Smartphones und werden einfach angerufen. Früher hatten wir strenge Regeln und Anweisungen. Tu dies nicht, tu das.
Man kann den Titel also auf zwei Arten lesen: In einer Stunde ist alles dunkel. Oder: Kommt jetzt nach Hause, bevor es zu spät ist. Was ist deine Sicht?
Es ist eine unterschiedliche Interpretation und das ist die Schönheit des Albums. Die Aussage hat verschiedene Bedeutungen – und so ist es bei allen Songs auf dem Album. Alles hängt zusammen und das macht die Magie des Albums aus.
Den letzten Song “Care” findet ich sehr berührend. Es geht um die Pflegekräfte in der Pandemie. Was hat euch dazu bewogen, ihnen ein Denkmal zu setzen?
Ich denke, sie haben es einfach verdient. Sie haben so viele Menschen gerettet und tun es immer noch jeden Tag. Wir haben in unseren Ländern so viel Glück, dass die medizinische Versorgung so gut ist. Das ist nicht in allen Ländern so. Meine Frau war auch Krankenschwester und sie hatte diese Berufung: über sich hinaus zu wachsen, um anderen zu helfen. Die Pflegekräfte haben diese Herausforderung mit großer Leidenschaft auf sich genommen.
Auch “Murder Machines” dreht sich um Corona und Social Distancing. Ich habe das Gefühl, viele Bands vermeiden es, direkt über diese Thematik zu schreiben. Warum habt ihr euch dafür entschieden?
Wir haben die Pandemie natürlich schon zu Beginn diskutiert. Steve Hogarth wollte eigentlich keinen Text dazu schreiben, weil wir alle dachten, es sei eine vorübergehende Sache, die bei Erscheinen des Albums nicht mehr aktuell ist. Und überhaupt würde ja jede Band darüber schreiben. Und dann kam der Moment, in dem wir schon so lange mit der Pandemie lebten. Es wäre fast schon seltsam, wenn wir kein soziales Statement dazu hätten. Plötzlich wurde es zu einer großen historischen Sache, mit der wir alle leben mussten. Man spricht auch heute noch über die Pest. Wie in den 1920ern die Wall Street zusammenbrach und die Weltwirtschaftskrise begann, so gibt es in den 2020ern die Pandemie als Start einer neuen Ära.
Die Aussage von „Murder Machines“ kann viel bedeuten. Es geht zum Beispiel darum, jemanden mit zu viel Liebe zu erdrücken. Es kann auch darum gehen, eine Beziehung aufrecht zu erhalten, bis sie sich zum schlechten wendet. Oder es geht darum, jemandem zu nahe zu kommen und ihm den Virus zu übertragen.
“Seasons End” ist schon über 30 Jahre alt. Jetzt gibt es mit “Reprogram The Gene” wieder ein Stück über die drohende ökologische Katastrophe. Macht ihr euch gemeinsam Gedanken über solche Themen oder kommen diese Ideen meist von Steve Hogarth?
Die Lyrics schreibt Steve Hogarth und er fügt sie zu der Musik, wie es passt. In dem Song sprechen wir ganz klar vom ökologischen Zustand der Welt. Er ist aus der Sicht eines jungen Menschen geschrieben. Die jungen Menschen interessieren sich für das Thema, im Gegensatz zu den Regierungen und der Wirtschaft. Der Planet wird ausgebeutet und wir haben keinen anderen zur Verfügung.
Fotocredit: Anne-Marie Forker
Was sind eure Planungen für die Zukunft? Es wird mehr Marillion Weekends geben als sonst. Und dazwischen eine Tour. Dürfen wir etwas Besonderes erwarten?
Ich glaube, ich darf das sagen: Wir werden das neue Album in voller Länge auf den Weekends spielen. Mit 55 Minuten ist es eigentlich ein kurzes Album. Obwohl es sehr dunkle und melancholische Themen verarbeitet, ist es doch ein sehr lebendiges Album.
Vielen Dank für deine Zeit, Pete! Ich hoffe, wir sehen uns bei den Konzerten im Herbst und natürlich auch beim Marillion Weekend in Holland 2023. Ich wünsche euch viel Erfolg mit dem neuen Album!
Danke, Andi. Es war mir eine Freude. Das Weekend in Holland wird großartig werden.
Ein herzliches Dankeschön geht an Kai Manke für die Vermittlung des Interviews und an earMUSIC für Organisation und Schaffung der technischen Voraussetzungen.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Das Live-Album “The Last Straw – Live In Glasgow 2018“ wurde bei der letzten Show von FISHs hochgelobter Tour „Clutching at Straws/Weltschmerz“ in der O2 Academy Glasgow aufgenommen. Die Doppel-CD enthält eine Live-Performance des Klassikers “Clutching at Straws“ in voller Länge. Das Album war nicht nur die letzte Produktion von FISH mit seiner ehemaligen Band “Marillion“, sondern gilt vielen Fans und Kritikern bis heute als das beste Album der Band. Zusätzlich enthalten sind die Ur-Aufführungen von 4 Songs seines neusten Albums “Weltschmerz“, darunter der preisgekrönte Song “Man With A Stick“ und der epische Track “Waverley Steps“.
Neben den beiden CDs gibt es eine Bonus-DVD der Show vom Cropredy Festival 2018 in voller Länge und ein aufwendig gestaltetes Hardcover-Booklet. Auf 36-Seiten bietet FISH lyrische, 11.000 Worte umfassende Texte und dokumentiert mit zahlreichen Konzert- und Backstage-Fotos seine Tour.
Der Ton wurde von Steve Vantsis bearbeitet und von Calum Malcolm gemastert. Damals noch mit John Beck an den Keyboards, welcher auf der Haupt-Tour von Foss Paterson ersetzt wurde. Die anderen Bandmitglieder bei beiden Shows waren Steve Vantsis – Bass, Gavin Griffiths – Schlagzeug, Robin Boult – Gitarren und Doris Brendel – Backing Vocals und Flöte.
Das Album ist HIER direkt bei Fish im europäischen Onlineshop erhältlich!
Mit “An Hour Before It’s Dark” veröffentlichen Marillion eines der eingängigsten und dynamischsten Alben ihrer Karriere und scheuen gleichzeitig dennoch nicht vor unbequemen Themen zurück, erheben den Zeigefinger, auch sich selbst gegenüber, und legen ihren Finger in die Wunden der aktuellen Zeit.
Wie gut das zusammenpasst, zeigt die Band genau einen Monat vor der Veröffentlichung des Albums mit einem neuen Vorgeschmack auf ihr neuestes Werk. „Murder Machines“ ist ein Song, der in den herausfordernden Zeiten von Lockdown und Social Distancing geboren wurde und doch so viel mehr als nur ein Spiegel unserer Zeit geworden ist – mehr als ein Song über die wertvollen und dunklen Seiten menschlicher Beziehungen.
Steve Hogarth über die Hintergründe: “Ich habe versucht, nicht über das Virus zu schreiben. Aber es war in den letzten zwei Jahren so sehr Teil des Lebens, dass es sich immer wieder einschlich. Die erschreckende Tatsache, dass ich meinen Vater oder meine Mutter in die Arme nehmen und sie dadurch töten könnte, war der Auslöser für diesen Song. Der Text wurde dann so weiterentwickelt, dass er auf Eifersucht und Herzschmerz anspielt – auf den Schmerz, wenn man mit ansehen muss, wie die Frau, die man liebt, einen anderen Mann umarmt, oder auf den emotionalen „Mord“ eines Serien-Ehebrechers. Und natürlich die Waffen der Supermächte und die Psychopathen, die manchmal ihre Finger am Abzug haben. Hüte dich vor den Murder Machines…“
“An Hour Before It’s Dark” wurde in Peter Gabriels Real World Studios aufgenommen, wie auch schon der von der Kritik umjubelte und in den Charts erfolgreiche Vorgänger “F*** Everyone And Run (F E A R)”. Dabei entstand auch eine Dokumentation über den Schaffensprozess mit viel Behind-the-Scenes Material sowie eine Performance des Songs “Murder Machines” im Studio.
Nach mehreren Marillion Weekend Terminen bis Sommer 2022, begeben sich Marillion im Herbst auf große Europatour mit vier Terminen in Deutschland:
Schon lange muss Thomas Thielen wohl damit leben, dass seine Musik stets mit den Klängen des Artrock einer Band wie Marillion verglichen wird. Ob ihn das wirklich nervt, sei mal dahin gestellt. Schließlich ist die Nähe zur Band einfach offensichtlich und t (so lautet der ungooglebare Künstlername) ist sich auch nicht zu schade, von Zeit zu Zeit live einen Marillion-Song zu covern.
Vor drei Jahren beendete t mit dem Album „solipsystemology“ eine schwermütige Trilogie, die mit den Werken „fragmentropy“ und „epistrophobia“ ihren Anfang nahm (HIER unsere Review dazu). „Ich habe meinen kinematographischen Ansatz noch mal neu gedacht und in Teilen in einer akustischen Landschaft gemixt, die eine neue Welt bietet, in der andere physikalische Gesetze gelten. Das war ein riesiger Haufen Arbeit, bei der mir einige Freunde mit Ideen zur Seite standen – zur Umsetzung nicht zuletzt der Leiter eines Max-Planck-Instituts mit Hilfe bei der Berechnung der Gesetze dieser neuen Akustik! Eno hat mal gesagt: Ein Tonstudio ist ein Musikinstrument.“ So erzählte uns der sympathisch-grummelige Soundarchitekt damals im Interview seine Vorgehensweise. Stilistisch ist das neue Werk noch ein Stück größer geworden. Ob es daran liegt, dass der Multiinstrumentalist und musikalische Alleingänger in Zeiten der Pandemie noch mehr Muße hatte, seine Ideen zu verwirklichen?
Beim ersten Hören muss ich zwangsläufig an meine Lieblingsband denken. Das geht gar nicht anders – und ein untrügliches Zeichen bekomme ich mal wieder von meiner Frau, die beim Mitfahren im Auto fragt, ob „das was Neues von Marillion“ ist. Was Thielen leistet, ist ohnehin unglaublich. Er hat eine emotionale Stimme, die an Steve Hogarth erinnert – er wandert durch die Oktaven und hat eine enorme Eindringlichkeit, mit der er seine Lyrics zum Leben erweckt. Hinzu kommen die Klangcollagen, die er als versierter Sounddesigner allesamt selbst schafft. Gitarrensoli klingen stilistisch wie von den progressiven Meistern, namentlich Steve Rothery und David Gilmour. Deren schwelgerische Spielart kann auch Thielen perfekt verkörpern. Dazu kommen ein entspannter Bass und sphärische Keybords. Dabei klingen diese noch versierter als fast alles, was heute im Neoprog geboten wird.
Ts Vocals stehen für mich immer an erster Stelle. Zu Tode betrübt in den melancholischen Tiefen, weinerlich und hochemotional in den Höhen. Er verstärkt sich selbst in polyphonen und chorischen Passagen, legt die Klangspuren übereinander – das ist eine fantastische künstlerische Leistung. Und auch in den Texten geht es ans Eingemachte. Thielen erzählt nicht irgendwas. Er hat philosophische Botschaften, die er vermitteln will. Nicht von ungefähr trägt das Werk den Titel „Pareidoliving“. Natürlich musste ich googeln um herauszufinden, dass Pareidolie das Phänomen meint, in Dingen und Mustern vermeintliche Gesichter und vertraute Wesen oder Gegenstände zu erkennen. Wer verträumt in den Wolkenhimmel blickt, weiß was gemeint ist.
Das Stück „A Relevant Lovesong“ findet sich als siebter Song auf dem Album, aber nicht im Tracklisting. Quasi Schrödingers Katze im Songformat. Das Album beschreibt eine Beziehung, die an der Projektion von gefühlter Wahrheit scheitert. Gibt es also überhaupt einen relevanten Lovesong oder ist er ein Trugbild? Mit solchen Details kann Thielen seine Fans in den Wahnsinn treiben – und tut dies mit Genuss.
Musikalisch ist das Album ebenso ausufernd wie die mit vielen Worten erzählte düstere Geschichte. Es geht manchmal opulent zu – mit eingespielten Streichern – dann nimmt ein Piano breiten Raum ein bevor die Gitarren zu alter Stärke zurückkehren. Thomas Thielen fährt im Alleingang alles auf, was der moderne Prog und Artrock zu bieten hat. Sein Perfektionismus macht ihn inzwischen zum deutschen Steven Wilson. Nur besser.
Das Album findet ihr bei den gängigen Progressive Rock-Händlern und HIER direkt beim Label GEP.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
earMUSIC freut sich über die Veröffentlichung des 20. Studioalbums von Marillion: „An Hour Before It’s Dark” erscheint am 04. März 2022. Ab sofort gibt es einen ersten Einblick in das Album mit der Single “Be Hard On Yourself”.
Was bedeutet Marillion „eine Stunde bevor es dunkel ist“, wie der Albumtitel übersetzt heißt? Im englischen Sprachgebrauch handelt es sich dabei unter anderem um die letzte Stunde, in der man als Kind draußen spielen darf. Es ist aber sicher auch eine Anspielung auf den Kampf gegen die Zeit in der Klimakrise. Und geht es hier auch um die letzten Minuten im Leben eines Menschen? Der Titel „Care“ legt es nahe.
Marillion haben mit dem Album lyrisch den Finger einmal mehr am Puls der Zeit. Seien es soziale, politische oder persönliche Themen; Marillion nehmen kein Blatt vor den Mund und schaffen es, diese bewegenden Themen mit ihrem einzigartigen Sound zu verbinden und Menschen zu bewegen. Nicht ohne Grund ist die Band für brillantes Songwriting, außergewöhnliche Melodien und überragendes musikalisches Können bekannt. Gleichzeitig schwimmen sie stets gegen den Strom und beugen sich nicht den Normen und Erwartungen.
Die erste Single “Be Hard On Yourself” vom kommenden Album könnte dafür kein besseres Beispiel sein.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
„Trotz der scheinbar düsteren Betrachtungen auf diesem Album – das Virus, unsere Sterblichkeit, die medizinische Wissenschaft, die Pflege UND Leonard Cohen (ha ha) – ist das Gesamtgefühl der Musik überraschend optimistisch. Ich denke, die Band ist so gut in Form wie eh und je, und der „Choir Noir“ hat dem Ganzen noch mehr Seele und Farbe verliehen“ – h (Sänger Steve Hogarth)
“An Hour Before It’s Dark” wurde in Peter Gabriels Real World Studios aufgenommen, wie auch schon der von der Kritik umjubelte und in den Charts erfolgreiche Vorgänger “F*** Everyone And Run (F E A R)”. Dabei entstand auch eine Dokumentation über den Schaffensprozess mit viel Behind-the-Scenes Material sowie eine Performance des Songs “Murder Machines” im Studio. Man kann das Album HIER vorbestellen.
Marillion befinden sich derzeit auf der „Light At The End Of The Tunnel“-Tour in Großbritannien. Danach folgen mehrere Marillion-Weekends bis zum Sommer 2022 und eine große Europatour im Herbst 2022. Marillion wurde 1979 gegründet. Seitdem hat die Band 19 Studioalben veröffentlicht und sich in den 80ern zu einer der erfolgreichsten Prog-Rock Bands der Welt entwickelt. Auch heute sind sie einer der wichtigsten Vertreter des Genres. Marillion ist zudem die erste Band, die das Potenzial des Internets für die direkte Interaktion mit ihren Fans erkannte und auf Crowdfunding zurückgriff.
Tracklist:
1. Be Hard On Yourself
i. The Tear In The Big Picture
ii. Lust For Luxury
iii. You Can Learn
2. Reprogram The Gene
i. Invincible
ii. Trouble-Free Life
iii. A Cure For Us?
3. Only A Kiss (Instrumental)
4. Murder Machines
5. The Crow And The Nightingale
6. Sierra Leone
i. Chance In A Million
ii. The White Sand
iii. The Diamond
iv. The Blue Warm Air
v. More Than A Treasure
7. Care
i. Maintenance Drugs
ii. An Hour Before It’s Dark
iii. Every Call
iv. Angels On Earth
Im März 1984 veröffentlichten Marillion ihr zweites Studioalbum „Fugazi“, das den Erfolg ihres 1983 veröffentlichten Debütalbums noch einmal steigern konnte: #5 in den UK-Charts und Gold-Status standen für das Werk zu Buche, das auch wegen seiner Singles „Assassing“ und „Punch & Judy“ (#22/#29 der UK-Charts) bald den Status eines Klassikeralbums der Band erlangen sollte.
Am 10. September erscheinen zwei Deluxe Versionen (4LP-Boxset und 3CD/Blu- ray-Buch), die das Erbe von „Fugazi“ würdigen. Auch Streaming- und Download-Versionen werden am selben Tag erscheinen. „Fugazi“ war das erste Marillion-Album mit Ian Mosley an Schlagzeug und Percussion, der Mick Pointer nach dem erfolgreichen Debütalbum „Script For A Jester’s Tear“ ersetzte. Weiterhin waren Fish, Steve Rothery, Pete Trewavas und Mark Kelly mit von der Partie.
Beide Sets werden mit 2021 komplett neu abgemischten Stereo-Versionen von Andy Bradfield und Avril Mackintosh eröffnet, die auch die Deluxe-Editionen von „Script For A Jester’s Tear“ und „Clutching At Straws“ neu abgemischt hatten. Außerdem enthalten sie ein Konzert aus dem Spectrum im kanadischen Montreal, aufgenommen im Jahr 1984. Die Performance beinhaltet mit „Jigsaw”, „Incubus”, „He Knows You Know”, „Chelsea Monday” u.v.m. Fan-Favoriten sowohl von „Fugazi“ als auch vom Debütalbum „Script For A Jester’s Tear“. Auch eine Performance der B-Seite „Charting The Single“ ist Teil der Setlist.
Die Blu-ray enthält 96k/24-Bit-Versionen sowohl des neuen Stereo-Remixes von „Fugazi“ als auch des Konzerts „Live at The Spectrum, Montreal, Canada“ und enthält eine 5.1-Surround-Sound-Version des neuen „Fugazi“ Stereo-Remixes von 2021.
Die Blu-ray bietet darüber hinaus in einer neuen Dokumentation mit dem Titel „The Performance Has Just Begun“ einen fesselnden Blick hinter die Geschichte von „Fugazi“, u.a. sprechen alle Bandmitglieder über die Entstehung des Albums. Aufschlussreich ist auch das daran anschließende Track-by-Track, in dem die Band sämtliche Songs des Albums kommentiert. Abgerundet wird die Deluxe Edition durch das Musikvideo von „Assassing“ sowohl mit dem Original- als auch dem Remix-Audio.
Tracklisting 4LP Boxset:
LP1: Fugazi (2021 Stereo Remix)
Side 1
1. Assassing (7:01)
2. Punch And Judy (3:22)
3. Jigsaw (6.49)
4. Emerald Lies (5:08)
Side 2
1. She Chameleon (6:53)
2. Incubus (8:30)
3. Fugazi (8:02)
LP2: Live at The Spectrum, Montreal, Canada, 20th June 1984 (Part 1)
Side 3
1. Assassing (7:28)
2. Punch And Judy (4:03)
3. Jigsaw (6.34)
Side 4
1. Script For A Jester’s Tear (9:00)
2. Chelsea Monday (8:15)
LP3: Live at The Spectrum, Montreal, Canada, 20th June 1984 (Part 2)
Side 5
1. Emerald Lies (5:21)
2. Cinderella Search (5:47)
3. Incubus (9.00)
Side 6
1. Charting the Single (7:02)
2. He Knows You Know (5:56)
LP4: Live at The Spectrum, Montreal, Canada, 20th June 1984 (Part 3)
Side 7
1. Fugazi (9:11)
2. Forgotten Sons (11:03)
Side 8
1. Garden Party (6.35)
2. Market Square Heroes (10:46)
3CD + Blu-ray
CD1: Stereo Album 2021 Remix
1. Assassing (7:01)
2. Punch And Judy (3:22)
3. Jigsaw (6.49)
4. Emerald Lies (5:08)
5. She Chameleon (6:53)
6. Incubus (8:30)
7. Fugazi (8:02)
CD2: Live at The Spectrum, Montreal, Canada, 20th June 1984 (Part 1)
1. Assassing (7:28)
2. Punch And Judy (4:03)
3. Jigsaw (6.34)
4. Script For A Jester’s Tear (9:00)
5. Chelsea Monday (8:15)
6. Emerald Lies (5:21)
7. Cinderella Search (5:47)
8. Incubus (9.00)
CD3: Live at The Spectrum, Montreal, Canada, 20th June 1984 (Part 2)
1. Charting the Single (7:02)
2. He Knows You Know (5:56)
3. Fugazi (9:11)
4. Forgotten Sons (11:03)
5. Garden Party (6.35)
6. Market Square Heroes (10:46)
Blu-ray
The Performance Has Just Begun – The Story of Fugazi
Assassing
Punch & Judy
Jigsaw
Script for a Jester’s Tear
Chelsea Monday
Emerald Lies
Cinderella Search
Incubus
Charting the Single
He Knows You Know
Fugazi
Forgotten Sons
Garden Party
Market Square Heroes
Extra Tracks 48/16 Stereo LPCM
Cinderella Search (Extended Single)
Assassing (Alternate Mix)
Three Boats Down From The Candy
Punch & Judy (Demo)
She Chameleon (Demo)
Emerald Lies (Demo)
Incubus (Demo)
Das letzte Studioalbum „F. E. A. R. (Fuck Everyone and Run)“ ist eines der stärksten Alben, die Marillion herausgebracht haben (HIER unsre Review). Es bescherte der britischen Progband die erste Nummer 10 in den deutschen Charts und den ersten Top 5 Titel in UK seit über dreißig Jahren. Das ist jetzt allerdings auch schon wieder fünf Jahre her. Der Abstand zwischen zwei Marillion CDs steigt an – zumindest wenn man die reinen Studioalben betrachtet. Aber Marillion haben schon lange ihr eigenes Vertriebs- und Marketingkonzept entwickelt. Sie gelten gar als Erfinder des Crowdfundings im Musikgeschäft, seit sie sich um die Jahrtausendwende das Album „Anoraknophobia“ von Fans vorfinanzieren ließen. Viele Livealben gibt es nur im bandeigenen Shop zu kaufen und die treuen Fans weltweit sind stets bestens informiert.
Das zwanzigste Studioalbum ist derzeit in Arbeit und wird vielleicht noch im diesem Jahr erscheinen. Die Zeit dazwischen nutzen Marillion, um ein ganz besonderes Projekt auf die Beine zu stellen: Für ihre Fan-Weekends im Jahr 2017 hatten sie sich ein Streichquartett namens „In Praise of Folly“ engagiert, das einige Bandklassiker mit Arrangements von Michael Hunter und Kevin Halporn auf einen neuen Level brachte. Die Idee erwies sich als so erfolgreich, dass 2019 ein Album „With Friends from the Orchestra“ erschien, zu dem man neben besagtem Quartett auch noch den Hornisten Sam Morris und Emma Halnan an der Querflöte hinzu zog. In großer Besetzung gab es neue Studioaufnahmen bekannter und weniger bekannter Stücke (HIER unsre Review). Bei den Fans kam die Idee gut an und es folgten einige Livekonzerte gemeinsam mit den klassischen Musikern.
Legendär ist inzwischen der Mitschnitt aus der Royal Albert Hall 2017 mit dem Titel „All One Tonight“ (HIER unsre Review). Dieser ist in seiner beeindruckenden Show mit unvergleichbarer Leidenschaft und Energie vermutlich nicht mehr zu toppen, doch „With Friends At St David’s“ fängt zumindest den Reiz einer kleineren Konzertlocation ein. Das Klassik-Ensemble ist prominent inmitten der Band platziert und hat oft die musikalische Ausrichtung in der Hand. Da sind keine Eitelkeiten bei Sänger Steve Hogarth und seinen Mitstreitern zu erkennen: Sie überlassen gerne den jungen Frauen die Zügel und fügen sich in das musikalische Geschehen. Erneut wartet die Band nicht nur mit einer visuellen und akustischen Glanzleistung auf, sondern zeigt auch, dass durch das Überqueren musikalischer Grenzen wunderbare Freundschaften entstehen können, die Genres überwinden.
Der Mitschnitt erscheint über earMUSIC als 2CD Digipak, 3LP Gatefold (180g), Ltd. Coloured 3LP (Violet transparent), 2DVD und 2Blu-ray. Schon der auditive Genuss ist überragend. Songs wie „The Sky Above The Rain“, die bisher nie zu meinen Favoriten zählten, werden mit ihren orchestralen Parts wunderschön neu interpretiert und leben dadurch sehr auf. Der Rockkracher „Zeperated Out“ bekommt eine ganz neue Dimension durch die energische Performance und das Stakkato. „Fantastic Place“ verbreitet eine unglaublich heimelige Atmosphäre. Der 16. November 2019 bot in Cardiff vielleicht nicht die beste Setlist (mir fehlen definitiv einige Must-Haves wie „Afraid of Sunlight“ und „Neverland“), aber die Liveaufnahme vermittelt die ganze Stärke dieser besonderen Konzertreihe. Zwei weitere Tracks im Bonus-Bereich haben noch Besonders zu bieten: „Man of a 1000 Faces“ stammt vom Konzert in Paris und wartet mit einem stimmgewaltigen Chor auf und „Estonia“ gibt als Promofilm Einblick in die Studioarbeit der Band mit den klassischen Musikern.
Im DVD-Format kommt dann auch die mehr als respektable Lightshow mit Videoprojektionen zur Geltung. Und auf Blu-ray erzählt die Dokumentation „Making Friends“ die ganze Geschichte dieser schönen Zusammenarbeit. Steve Hogarth sagt zur Tour und zum Album: “Das war vielleicht unsere Lieblings-Tour bisher. Sie bot uns die Gelegenheit, von Zeit zu Zeit innezuhalten und uns darin zu verlieren, wie sechs “klassische” Musiker die wundervollen Arrangements unseres Produzenten Mike zum Leben erwecken. Das hat wirklich eine andere emotionale Ebene und oft auch eine spielerische Freude an unserer Musik erzeugt.”
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Wenn man den Namen Steven Wilson in gängige Suchmaschinen eingibt, wird man regelrecht überflutet von Einträgen der unterschiedlichsten Art. Was dieser Mann (manche nennen ihn Genie) inzwischen gemacht hat, ist eine Legion musikalischer Einflüsse. Mir kam der Name erstmals 1997 unter, als Steven als Co-Songwriter und Produzent von Fishs „Sunsets On Empire“ in Erscheinung trat und ironischerweise zwei Jahre später auch Marillion bei ihrem „.com“ Album unterstützte.
Wilson war schon damals in allen Sparten des Progressive Rock unterwegs. Da waren zum einen natürlich Porcupine Tree – einst im Alleingang am Reißbrett mit gefälschter Bandbiographie entworfen – die sich vom exzentrischen Soloprojekt zur echten und authentischen Rockband der Gegenwart gemausert hatten. Dann gab es das Artpop Duo No-Man gemeinsam mit Sänger Tim Bowness, welches schon lange vor der Gründung von Porcupine Tree Wilsons Liebe zum Ambient Sound begründete. Außerdem trat der Tausendsassa mit dem israelischen Popstar Aviv Geffen unter dem Namen Blackfield auf und war zudem als Produzent für Größen wie Anathema und Opeth tätig.
Er hat den Backkatalog von ELP, Jethro Tull und King Crimson remastert und zeitgleich einige grandiose Soloalben veröffentlicht. So ist man gespannt, was er sich für das sechste Solowerk „The Future Bites“ Neues einfallen ließ. Um es kurz zu sagen: Die Zeichen stehen auf Pop. Das sollte nicht verwundern, denn bereits Blackfield waren ein Projekt, das eher Progressive Pop als Progressive Rock zu bieten hatte und den Artrock verfeinerte. Spannend auch, dass der Brite unlängst das Meisterwerk “The Seeds of Love” von Tears for Fears remixen durfte. Hier hat er sich soundtechnisch definitiv inspirieren lassen.
Steven Wilsons sechstes Album ist eine Erkundungsreise in den menschlichen Verstand in Zeiten des Internets. Während er sich auf „To The Bone“ (2017) mit den Problemen von Post-Wahrheiten und Fake News auseinandersetzte, nimmt Wilson die Hörerinnen und Hörer auf „The Future Bites“ mit in eine Welt der Süchte des 21. Jahrhunderts. Es ist ein Ort, an dem beständig und ganz öffentlich mit den Auswirkungen aufkommender Technologien auf unser Leben experimentiert wird und an dem Klicks und Tiks wichtiger geworden sind als menschliche Interaktion. „The Future Bites“ ist dabei weniger die trostlose Vision einer herannahenden Dystopie als vielmehr die spielerische Lesart einer Welt, die durch die Ereignisse dieses Jahres umso merkwürdiger und separierter erscheint.
Musikalisch gesehen ist „The Future Bites“ gewohnt großartig: Elektronische Sounds, durch menschliches Einwirken verfremdet („King Ghost“), sphärische Akustikklänge („12 Things I Forgot“) oder Bass-getriebene Krautrock-Grooves, die sich in die Untiefen von Clickbaiting und Online-Radikalisierung begeben („Follower“), verbinden sich zu Wilsons vielleicht konsistentestem Werk. Das neu entstandene „Count of Unease“ ist ein schöner und schwermütiger Abschluss des Albums, das mit sphärischen Pianosounds hinaustreibt.
„The Future Bites“ bietet alles, was ein großes Popalbum haben muss: Dancefloor-Charme der 80er im Retrosound, aber trotzdem glasklar produziert. Da lässt der Meister sich nicht lumpen. Klangcollagen und Keyboardflächen, elektronische Spoken Word-Passagen mit futuristischem Gehabe. Spielereien zwischen Funk und Akustiksound, die zum Teil durchaus radiotauglich sein mögen. Bisweilen klingen die Stücke wie ABBA meets Gorgio Moroder.
Erstaunlicherweise ist Stevens Stimme noch stärker geworden. Bei Porcupine Tree hat er sich oft hinter dem Wall of Sound versteckt und man hatte das Gefühl, er gehöre nicht an die Front der Bühne. Doch davon keine Spur mehr. Er singt wie ein junger Gott. Allerdings wie ein Pop-Gott. Der Prog-Gott ist vorerst eingemottet.
Marathon ist das neue Bandprojekt von Mark Kelly, der seit fast 40 Jahren als Keyboarder von Marillion fungiert. Die Aufnahmen für das Debütalbum entstanden in Peter Gabriels Real World Studios. Und wie es der Zufall will, hat Mark einen Vokalisten gefunden, der sich in weiten Teilen wie der junge Peter Gabriel anhört. Allein das ist schon Freude genug für Fans des guten Progressive Rock. Darüber hinaus steht Kelly als Instrumentalist natürlich für breite Keyboardflächen und atmosphärische Musik. Bei Marillion kann er das nicht mehr so ausleben wie noch in den 80er Jahren – jetzt hat er wieder die Chance dazu. Und er nutzt sie!
“Seit jeher sehnt sich die Menschheit nach der Fähigkeit zu fliegen, angefangen beim Erreichen von Höhen, weiter bis zum Überqueren von Kontinenten, dann Ozeanen, der Umrundung der Welt, bis hin zum Aufbrechen ins All und ersten Versuchen mit dem zu kommunizieren, was auch immer da draußen ist. Doch was, wenn die Kommunikation ausfällt?” Das ist die inhaltliche Idee hinter dem Album, das zwar nicht als echtes Konzeptalbum daher kommt, doch einer Mission folgt – nämlich die Musik als Mittel zur Verständigung heranzuziehen. Alle Lyrics stammen von Guy Vickers und er nutzt die Liner Notes des Booklets, um Hintergründe zu erklären. So geht es im Zehnminüter „Amelia“ um die Frauenrechtlerin und Flugpionierin Amelia Earhart, die 1937 im Pazifik verschollen ist. „Puppets“ beschäftigt sich philosophisch mit dem freien Willen und das viertelstündige Epos „Twenty Fifty One“ diskutiert die Existenz außerirdischen Lebens.
Zusammen mit Guy Vickers, Oliver M. Smith (Vocals), Pete “Woody” Wood (Gitarre), John Cordy (Gitarre), Henry Rogers (Schlagzeug) und seinem Neffen Conal Kelly (Bass), hat Mark Kelly seine Visionen in Realität umgesetzt. Es sind nur fünf Songs insgesamt, doch das Album dauert ordentliche 44 Minuten. Die Longtracks stehen am Anfang und am Schluss – jeweils in kleine Abschnitte eingeteilt – und sind extrem facettenreich.
Marathon ist in weiten Teilen ein sehr modernes Rockalbum. Man muss sich also keine Sorgen machen, dass Mark hier nur alte Ideen auslebt. Mal dominieren die Gitarren, dann gibt es wirklich elegische Keyboardparts. Auch Marillion Bandkollege Steve Rothery hat es sich nicht nehmen lassen und hat für den Song „Puppets“ seine Gitarre in die Hand genommen. Die solistischen Einlagen Rotherys sind unverkennbar. Dieses Markenzeichen haben Marillion in 40 Jahren niemals aufgegeben – und auch hier schwelgt er in seinen typischen Akkorden und Läufen.
Das Marathon-Projekt beschert Fans von Marillion und Bands wie IQ, Jadis, Arena oder Spock’s Beard ein schönes Nostalgie-Feeling, doch es ist eigenständig und modern genug, um nicht als Kopie durchzugehen. Mark Kelly hat hier seine Ideen verwirklicht, die er in einer demokratischen fünfköpfigen Band nicht immer durchsetzen kann. Das Ergebnis ist überragend gut.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Schon seit langem hat Fish seinen Abschied von der musikalischen Bühne angekündigt. Selten genug kommt es vor, dass ein Künstler ein Album als finales Werk bezeichnet. Meist ist es doch eher die Erfolglosigkeit, die das Ende der Kreativität einläutet. Bei Fish ist es anders: Er möchte schlicht und einfach in den Ruhestand gehen. Auch das sollte großen Künstlern gegönnt sein. Dass es dann etwas anders gekommen ist als geplant, ist familiären Dingen geschuldet, Problemen bei der CD-Produktion und natürlich der Corona-Krise. Der Tod des Vaters war ein Rückschlag, dann die Tatsache, dass er seine Mutter aus gesundheitlichen Gründen im eigenen Haushalt aufnehmen musste – und auch das Vorgehen mit dem eigenen Label Chocolate Frog Records: Verhandlungen mit den Manufakturen sind halt schwieriger, wenn keine große Plattenfirma dahintersteht.
Eigentlich sollte Fish inzwischen auf Tour sein, um das neue Album gemeinsam mit dem „Vigil“-Album vorzustellen, doch die Pandemie hat das Vorhaben auf Ende 2021 verschoben. Die Pension muss also noch etwas warten.
Einen Vorteil hat die Verschieberei zumindest: Aus dem Standardalbum ist eine Doppel-CD geworden und es klingt vermutlich ausgereifter als dies vor zwei Jahren der Fall gewesen wäre. Wenn man so will, legt Fish hier sogar zwei Abschiedsalben vor, denn die Silberlinge können durchaus jeweils für sich selbst stehen. Es geht um die großen Themen unserer Zeit: die Flüchtlingskrise, allgemeine Unzufriedenheit mit der sozialpolitischen Lage, aber auch um Krankheitsbilder wie Depression und Demenz. So wird „Weltschmerz“ zum ganz großen Werk, das Fishs musikalische und erzählerische Klasse zusammenfasst.
Nehmen wir „Grace of God“, ein episches Stück ganz zu Beginn mit Glockenspiel und ausufernd orchestralen Passagen, verfeinert durch harmonischen Backgroundgesang. Der 8minüter passt perfekt zu den Songs von Fishs erstem Soloalbum und schließt gewissermaßen den Kreis. Ein hervorragender Auftakt mit perfektem Songaufbau.
„Man with a Stick“ ist schon länger bekannt, da es auf der letzten EP erschienen ist und mehrfach live gespielt wurde. In der neuen Fassung hat der modern klingende Track aber nochmal an Energie und rhythmischer Stärke hinzu gewonnen.
„Walking on Eggshells“ beschreibt musikalisch den schwierigen Tanz, den eine Beziehung häufig bedeutet. Ein Lovesong mit beschwingten und düsteren Momenten. Die Thematik ähnelt Klassikern wie „A Gentleman’s Excuse Me“ und „Rites of Passage“.
Als rhythmisch vertrackter Folksong ergänzt „This Party’s Over“ die bei den Fans so beliebten Dancing Tracks, die jedes Livekonzert bereichern, und erweitert sie um einige Nuancen, da der Song doch komplexer klingt als „Internal Exile“, „Lucky“ oder „The Company“. Auf jeden Fall schön, mal wieder schottische Pipes auf einem Fish-Album zu hören.
Herzstück von CD 1 ist aber „Rose of Damascus“, das in über 15 Minuten die Syrienkrise behandelt und den Hörer in Form einer weltmusikalischen Suite mit auf eine bewegende Reise nimmt. Orchestrale Arrangements, Spoken-word-Passagen, aggressive und sanfte Momente – hier fährt Fish alles auf, womit er in 30 Jahren Solokarriere (und schon zuvor bei Marillion) die Progwelt begeistern konnte. „She was searching for a vision, some sign to give direction, in this wasteland where it’s a curse to be alive […] To carry on her journey to find another homeland somewhere to blossom and come alive.“ Beschrieben werden das Leben einer Frau in Syrien bis hin zur Flucht übers Meer mit offenem Ende. Wie in einem großen Breitwand-Kinofilm erzählt Fish eine Geschichte und lässt den Hörer betroffen zurück.
Damit wäre schon ein hervorragendes Album auf dem Plattenteller, an dem es nichts zu meckern gibt, doch wir haben ja noch CD 2 vor uns. Auch diese liefert 42 Minuten Musik und hat nur einen Track unter fünf Minuten. Dabei scheinen die Longtracks keineswegs künstlich in die Länge gezogen sondern brauchen ihre Zeit, um sich zu entwickeln.
Foto Credit: Wojtek Kutyla
Auffällig sind die melancholischen Stücke „Garden of Rememberance“ und „Waverly Steps“, die jeweils mit eindringlichen Worten ein Krankheitsbild beschreiben, nämlich Demenz und Depression. Fish findet sich ein in die Gedankengänge der betroffenen Menschen. Vor allem „Garden of Rememberance“ finde ich dabei sehr berührend, da er autobiografische Inhalte verarbeitet und eine perfekte Ballade abliefert. Ebenso wie der Song „Fragezeichen“ von Purple Schulz sollten auch dieser Song und das dazugehörige Video zum Lehrinhalt in der Altenpflege werden. Fishs Gang durch die Bildergalerie der Erinnerungen veranschaulicht wundervoll das Empfinden dementer Patienten und ihrer Angehörigen. Dass er dafür das wundervolle Artwork von Mark Wilkinson verwendet, den viele Fans mit Fishs Musik verknüpfen, macht das Video noch genialer.
„C Song“ ist für mich der einzig belanglose Song auf der ganzen Albumlänge, enthält aber wie sein Pendant auf CD 1 ebenfalls schottische Folk-Elemente und befreit von der durchgängigen Schwermut des Albums. Das wird allerdings zunichte gemacht durch die gewaltigen Songs „Little Man What Now?“ und den Titeltrack „Weltschmerz“. Ersterer basiert auf dem gleichnamigen Roman von Hans Fallada, der Weltwirtschaftskrise und Erstarken des Nationalsozialismus am Bild des kleinen Mannes beschreibt, der schicksalsergeben durch die verrückt gewordene Welt stolpert. In Zeiten von neuem Rechtspopulismus, Klimakrise, Brexit und Covid-Pandemie kann man sich in diese deterministische Haltung nur zu gut einfinden. Musikalisch kommt ein prägnantes Jazz-Saxofon zum Einsatz, das den Schmerz herzzerreißend zum klingen bringt.
Und daneben gibt es eben genau den „Weltschmerz“, mit dem Fish schon seit Jahren hadert – und für den er bewusst einen deutschsprachigen Begriff wählte, den Jacob und Wilhelm Grimm bereits im 18. Jahrhundert in ihrem Deutschen Wörterbuch verwendeten und mit dem sie eine tiefe Traurigkeit über die Unzulänglichkeit der Welt beschrieben. Fish beschreibt sich, seine Rolle in der Welt und seine politische Einstellung mit intensiven und ehrlichen Worten – und geht damit zurück in die Zeiten von „Fugazi“ und „White Feather“, als er noch der junge Wilde im Musikgeschäft war – „When the revolution is called I will play my part“ – auch heute noch. Ruhestand hin oder her.
Calum Malcolm und Steve Vantsis haben als Produzenten eine hervorragende Arbeit geleistet, wobei Vantsis auch als musikalischer Madtermind tätig war und die meisten Stücke mit geschrieben sowie arrangiert hat. „Weltschmerz“ ist ein Statement unserer Zeit und ein hervorragendes Abschiedsalbum. Vielleicht sein bestes Soloalbum seit „Vigil“.
Erhältlich ist das Album zunächst nur auf Fishs Homepage: https://fishmusic.scot/store/albums/weltschmerz/17
Digitaler Link, Standrad-CD, Vinyl – alles was das Herz begehrt. Die Deluxe Edition im A5-Hardcover-Format enthält umfangreiche Liner Notes, das fantastische Artwork von Wilkinson und eine Blu-ray mit Videos, Interview, Making of und live Audio Tracks von der 2018er Tour.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Schon bei ihrem legendären Marillion-Weekend im Jahr 2017 waren die Fans der britischen Progband begeistert von der Zusammenarbeit mit dem belgischen Streichquartett In Praise of Folly. Deren orchestrale Einsprengsel in die bekannten Artrock-Arrangements kamen bei den Fans so gut an, dass im Anschluss einige Tourdaten mit den Streicherinnen folgten (der Konzertmitschnitt von de Royal Albert Hall in London gilt jetzt schon als legendär) und für 2019 gar eine komplette Tour mit Gästen aus der klassischen Musik geplant ist, wobei die Band und das Quartett noch um dem Hornisten Sam Morris sowie Emma Halnan an der Flöte ergänzt werden.
Da Marillion keine halben Sachen machen, hat man neun der Songs, die jetzt auf der Tour geboten werden, mit den Orchestermusikern im Studio aufgenommen. Für Fans und solche, die es werden wollen, ist es ein wundervolles Klangerlebnis. Die Arrangements wurden nicht so stark verändert, wie man vermuten sollte. Kelly, Rothery und Co. können ihre instrumentale Stärke weiterhin voll ausleben, doch Streicher, Horn- und Blechbläser verfeinern das Ganze mit einer sehr eleganten Note.
„Estonia“ wirkt ohnehin schon emotional, doch die Streicher klingen wie eine zusätzliche Umarmung in Richtung der Hinterbliebenen. „A Collection“ ist ein unentdecktes Juwel aus den vielen B-Seiten der Band. „Fantastic Place“ und „Beyond You“ gehören zu den Lieblingssongs vieler Fans und klingen hier noch getragener als im Original. Gerade diese Titel erfahren eine neue Tiefe.
Dass „This Strange Engine“, einer der Keyboard-Kracher schlechthin, ebenfalls für eine Neuaufnahme ausgewählt wurde, ist eine echte Überraschung. Die vielen gesampelten Elemente bleiben auch erhalten, doch vor allem die Streicher entfachen eine enorme Energie in den lauten Passagen dieses Longtracks. Das erklingt mit viel Schmackes.
„The Hollow Man“ und „Sky Above The Rain“ sind balladeske Standards. Ersterer lebt ohnehin von den Pianoparts, die auch den zweiten Song sehr schmücken. Piano und Streicher ergänzen sich hervorragend, während Hogarth stimmlich alles aus sich raus holt. Ein wundervolles Beispiel dafür, warum es gut war, dieses Album im Studio aufzunehmen.
Den Abschluss bilden das klimapolitisch absolut aktuelle, aber schon dreißig Jahre alte „Seasons End“ mit Rotherys prägnanten Gitarrenklängen, gefolgt vom Longtrack „Ocean Cloud“, der offiziell auch als B-Seite gilt aber aus dem Repertoire der Band nicht wegzudenken ist. Sehr sphärisch und erzählend – als Hommage an Don Allum, den ersten Menschen, der den Atlantik in beiden Richtungen per Ruderboot durchquerte – führt „Ocean Cloud“ durch die Tiefen dieses Abenteuers. Und das Orchester kann die dramatischen Szenen in Form eines Soundtracks noch stärker wirken lassen.
Man hätte noch viele Titel auf dieses Album packen können, doch einige Stücke wurden ja schon auf „All One Tonight – Live at the Royal Albert Hall“ veröffentlicht. Wer sich auf die kommenden Konzerte, beispielsweise in Essen, einstimmen will, liegt hier goldrichtig. Wer keine Karten mehr bekommen hat (die Auftritte sind seit Monaten ausverkauft) kann das Album entspannt zuhause genießen. Eigentlich sollte es nur auf der Homepage der Band zu erwerben sein, doch der große Zuspruch der Fans veranlasste EARmusic, die CD auch als Digipack und sogar auf Doppel-Vinyl im freien Verkauf anzubieten. Eine gute Entscheidung, passt es doch von seiner Atmosphäre hervorragend in die besinnliche Zeit des Jahresendes.
Schaut euch auch die Videos an. Es macht große Freude, die jungen Streicherinnen von In Praise of Folly (drei Violinen, ein Cello) in ihrem Element zu bewundern. Man sieht, wie sie die kunstvollen Songs verstanden haben und um ihre Spielfreude bereichern.
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Am 23.11.2018 waren Marillion in der Jahrhunderthalle Frankfurt zu Gast. Die Progressive Rocker sind momentan auf „Theatre Tour“ durch Europa und hatten in der Main-Metropole ihren ersten Gig. Ungewöhnlich war es ja schon: Marillion mit Sitzplätzen… Aber die Fans werden nicht jünger und zur aktuellen live-CD/DVD aus der Londoner Royal Albert Hall passen die halbwegs bequemen Stühle dann doch irgendwie. Das Streichorchester war leider nicht dabei. Allerdings haben die Briten schon ihre nächste UK- und Europatour für Ende 2019 angekündigt, auf der sie dann von einem kleinen Orchester-Ensemble begleitet werden. Man darf gespannt sein. Erst einmal galt es aber abzuwarten, wie die Setlist 2018 aussehen wird. Long- oder Shorttracks, noch viele Stücke vom aktuellen Album „F.E.A.R.“ – oder gar ganz alte Stücke?
Den Anfang machten um 20.30 Uhr Jennifer Rothery und Riccardo Romano im kongenialen Doppel. Der stolze Vater Steve Rothery kam sogar höchstpersönlich auf die Bühne, um das Duo anzukündigen. Allerdings führte das auch dazu, dass einige Anwesende, die schon vor 19 Uhr am Einlass gewartet hatten, den Konzertbeginn von Marillion vermuteten, als der Gitarrist auftrat. Umso größer war die Enttäuschung, dass es noch bis 21.30 Uhr dauern sollte. Die Vorgruppe war nicht angekündigt. Aber dafür konnten ja Jennifer und Riccardo nichts. Zunächst präsentierten sie Songs von Jennifer, die sie normalerweise unter dem Künstlernamen Sylf darbietet. Sphärische Balladen, die sie mit hoher Stimme sang und die von Riccardo filigran begleitet wurden. Danach gab es Stücke von Riccardos Rockoper „B612“, die die Geschichte des kleinen Prinzen erzählt. Insgesamt waren es 40 Minuten, die schnell vorbeigingen. Der Marillion-Bezug war ja immerhin gegeben – vor allem, da Riccardo auch in der Steve Rothery Band spielt.
Marillion starteten dann um 21.30 Uhr gleich mit einem Knaller. „The Leavers“ ist eine 5teilige Suite, die sich mit melancholischen Klängen den Menschen widmet, die immer wieder Abschied nehmen. Sie verbreitet düstere Stimmung, die aber durch den Abschnitt „One Tonight“ aufgelöst wird. Damit boten Marillion keinen Opener zum Auflockern, sondern ein atmosphärisches Stück Musik in 20 Minuten Länge, das schon alles auffuhr, was die Band zu bieten hat: Einen stimmlich bestens aufgelegten Sänger, den coolen Ian Mosley am Schlagwerk, Pete Trewavas als Anheizer am Bass und Steve Rothery (Gitarre) sowie Mark Kelly (Keyboards), die sich mit elegischen Soli abwechselten.
Danach galt es erst einmal zu verschnaufen und Sänger Steve Hogarth führte mit launigen Ansagen durch ein Programm einiger kurzer Songs, die Schlag auf Schlag fielen. Der Popsong „No One Can“ gehört nun sicher nicht zu meinen Favoriten und wurde auch nur mit Höflichkeitsapplaus bedacht. „Seasons End“ als Titelsong des ersten Albums nach der Trennung von Fish ist schon ein anderes Kaliber. Damals hatten die Fans erfreut gemerkt, dass das Kapitel Marillion noch nicht abgeschlossen ist. Und auch hier in Frankfurt wurde der Song frenetisch gefeiert. Gefolgt von „Beautiful“, das ebenfalls in den Pop-Bereich abdriftet, aber im Gegensatz zu „No One Can“ zeigte, dass dies auch ohne seichte Langeweile möglich ist. „Living in FEAR“ führte schließlich zurück zum aktuellen Album.
Die Show wurde anhand einer LCD-Leinwand im Hintergrund visuell untermalt. Die Bilder unterstrichen kunstvoll die Lyrics. Das funktionierte auch bei „Quartz“. Mir ist dieser Song aber allzu verkopft. Als Entschädigung gab es zum Glück mit „This Strange Engine“ einen weiteren Longtrack, in dem Hogarth weite Teile seiner Biographie in ein wundervolles musikalisches Gerüst einpasst. Es lief einiges schief bei diesem Song. Mark Kellys Keyboard-Programmierung wollte dem korrekten Ablauf nicht folgen – und als ein Roadie Hogarths Sampler einsammelte, riss er ihm gleich das komplette In-Ear-Monitoring runter. Egal – der Song war trotzdem eine Bank und der Jubel kannte keine Grenzen.
Im Zugabenblock gab es den dritten Longtrack: „El Dorado“. Ein Song, der sich (für Marillion ungewöhnlich politisch) mit der Situation des Vereinigten Königreichs auseinander setzt. Und es wurde wohlgemerkt lange vor dem Brexit geschrieben. Dabei startet es wie ein fröhliches Songwriterstück, bevor die ganze Härte der Realität auf den Hörer einprasselt. Bilder von Menschen, die an der Grenze ausharren, um wieder existieren zu können. Gewaltig und verstörend.
Erschöpfung machte sich allerdings noch nicht breit und die ausverkaufte Jahrhunderthalle verlangte frenetisch nach mehr. Das bekam sie zunächst mit dem Mitsing-Hit „Cover My Eyes“, gefolgt von einem wundervoll sphärischen und nicht enden wollenden „Neverland“, dem vierten Longtrack des Abends. Inzwischen war es 23.45 Uhr und ein fantastischer Konzertabend ging zu Ende. Die Setlist war äußerst spannend und bunt gemischt. Und (natürlich) war kein Song aus der Marillion-Zeit vor 1989 am Start. Fans der Band sind das so gewohnt und haben keine Probleme damit. Man stelle sich aber vor, wenn Größen wie Deep Purple, Saga oder Manfred Mann’s Earth Band plötzlich auf die Klassiker aus den 80ern verzichten würden. Der Aufschrei wäre kilometerweit hörbar. Marillion haben sich stetig weiter entwickelt – und ihre musikalische Größe konnten sie in Frankfurt mal wieder hervorragend unter Beweis stellen.