„Do They Know It’s Christmas?“ gehört zu den Titeln, die jedes Jahr im Dezember wieder den Weg in die Radio-Playlisten finden. 1984 wurde der Song von Bob Geldof und Midge Ure geschrieben, um Spenden für die Hungersnot in Äthiopien zu sammeln. Die Liste der beteiligten Künstler*innen war phänomenal, man nenne nur U2, Sting, Phil Collins, Tony Hadley, Paul Young und George Michael. Der Bandname BAND AID war gut gewählt, steht er im Englischen doch auch für ein Heftpflaster, mit dem man Verletzungen versorgen und Wunden heilen kann.
Der Song wurde in der Folge mehrfach mit jeweils aktuellen Stars neu aufgenommen, so 2004 („Band Aid 20“), und 2014 („Band Aid 30“). Zum 40jährigen gibt es diesmal allerdings keine Neuaufnahme, sondern einen Mix aus dem Original und den beiden genannten Jubiläumsversionen. Gemischt und produziert wurde diese Version von Trevor Horn.
Jetzt mag man von dieser Neuverwurstung halten, was man will – der Song ist einfach zeitlos. Und mir persönlich gefallen vor allem das Original und die ebenfalls auf der Vinyl enthaltene Liveversion aus dem Londoner Wembley Stadion 1985. Die Vinyl mit dem roten Herz auf dem Cover ist schön aufgemacht und schreibt wieder Musikgeschichte. Erneut will man Geld für hungernde Menschen sammeln, denn das Motto „Feed The World“ ist heute so aktuell wie in den letzten Jahrzehnten.
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Der Metal-Nikolaus kommt gerne schon mal am Vorabend – und das war gestern in der Rockhal Esch/Alzette (Luxemburg) definitiv der Fall. Within Temptation waren auf der Zielgeraden ihrer „Bleed Out 2024 Tour“ und spielten den vorletzten Gig. Jedes Jahr wird die Rockhal zum „Temple of Metal“ und vereint Genregrößen in ihrer Arena. Diesmal sollten mit Blind8, Annisokay und Within Temptation drei ziemlich unterschiedliche Acts in Erscheinung treten. Die Halle war sehr gut gefüllt mit Fans aller Generationen. Beste Voraussetzungen für ein Konzert der Extraklasse.
Die Ukrainer von Blind8 hatte ich leider aufgrund erhöhten Stau-Aufkommens verpasst, doch pünktlich zu Annisokay war ich am Start. Die Band wurde 2007 in Halle/Saale gegründet. Mit Michael Jackson haben sie nur gemein, dass sein Song „Smooth Criminal“ Pate für den Bandnamen stand. Musikalisch liefern sie starken Metalcore – knallhart, modern und bisweilen auch ganz melodisch. Der Wechsel von aggressiven Shouts und Cleangesang macht den besonderen Reiz der Band aus. Da gab es fantastische Riffs, einen hymnischen Überbau wie bei Parkway Drive und immer wieder sehr melodische Parts, die die Zuschauer*innen auf den Boden zurück holten.
Zu „Like a Parasite“ kam gar Sharon den Adel mit auf die Bühne und sang den Titel im Wechsel mit der Band. Grandios! Danach gab es zur Freude aller das Cover „One Step Closer“ von Linkin Park und die Halle stand Kopf. Shouter Rudi Schwarzer und Sänger Christoph Wieczorek hatten es wirklich drauf, das heilige Zusammenspiel von Mike und Chester fulminant darzustellen. Am Ende bot man ein Stück von der brandaktuellen EP „Abyss Pt I“. Für den Song „Calamity“ haben sie Leonys Smashhit „Remedy“ in eine düstere Metalcore-Version verwandelt. Kräftiger Applaus war ihnen sicher und sie haben nach dem halbstündigen Gig einige neue Fans gewonnen.
Credit: Within Temptation
Dann aber war es an der Zeit für Within Temptation. Für die Präsentation von „Bleed Out“ wurde die Bühne in eine Säulenhalle verwandelt, die mit großen LCD-Leinwänden gespickt war. So konnte das visuelle Erlebnis direkt vom ersten Ton an losgehen, auch wenn man das bei der instrumentalen und stimmlichen Klasse gar nicht gebraucht hätte.
Zu „We Go To War“ kam Sharon mit Dornenkranz auf die Bühne und gleich ging es mit dem Titelsong „Bleed Out“ weiter. Das aktuelle Werk, das deutlich im Mittelpunkt der Performance stand, ist ein sehr politisches Album, das sich in vielen Tracks den aktuellen Ereignissen in der Welt widmet. „We Go To War“ und „Wireless“ behandeln den Krieg in der Ukraine, „Bleed Out“ erzählt von den Protesten im Iran nach dem Tod von Mahsa Amini, „Ritual“ reflektiert die Rolle der Frau in einer männerdominierten Welt. Die dazu abgespielten Videos waren intensiv und verstärkten das musikalische Geschehen.
Sharons Stimme war grandios und wie immer über alle Zweifel erhaben. Sie sang nicht opernhaft, sondern klar und emotional. Damit hebt sie sich von anderen Vertreter*innen des Symphonic Metal ab. „Shed My Skin“ wird auch im Original von Annisokay gefeatured, so stieß die Band natürlich dazu. Und es gab einen weiteren Gast: Für „What Have You Done“ und „A Fool’s Parade“ kam der ukrainische Sänger Alex Yarmak auf die Bühne, um mit Sharon zu performen und den Härtegrad nochmal ordentlich hochzufahren.
Sehr intensiv und emotional erlebte man Sharons glasklaren Gesang in „The Promise“, der die Sängerin in fantastische Höhen führte. Hier war der symphonische Anteil deutlich auf dem Höhepunkt und machte den Song zum emotionalen Highlight. Im Zugabenblock gab es mit „Our Solemn Hour“, „All I Need“ und „Mother Earth“ drei Bandklassiker, die die Herzen der Fans höher schlagen ließen. Der Metaltempel in Luxemburg kann auch bestehen, wenn eine Frau die Priesterin gibt. Es war ein Fest!
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Setlist – Within Temptation, Rockhal Esch/Alzette, 5.12.2024
We Go to War
Bleed Out
Ritual
Shed My Skin
Wireless
What Have You Done
Shot in the Dark
Stand My Ground
A Fool’s Parade
The Promise
Supernova
Angels
Faster
Paradise (What About Us?)
Vor zwölf Jahren erschien zum ersten Mal ein Album der „Giraffenaffen“. Das Konzept war von Beginn an stimmig: Stars der deutschen Musikszene präsentieren beliebte Kinderlieder in neuem Sound. Und es waren immer einige Highlights dabei. Logisch, sonst hätte es die Reihe nicht bis zu Folge 9 geschafft, die nun unter dem Titel „Weltreise“ auf den Markt kommt. Neben den poppigen Kinderhits war man in der Reihe auch schon mit eigenen Rapsongs unterwegs und machte in Folge 7 gar einen Ausflug in die Gefilde des Schlagers. Diese Mischung hat der Reihe aber keineswegs geschadet. Im Merch gibt es neben den Alben auch erfolgreiche Kinderbücher, Hörspiele, einen Tonie und sogar Plüschfiguren.
Die neue Folge funktioniert als Mischung aus Hörspiel und Songs – wie ein kleines Kindermusical. Die kindlich aufgepeppte Sprache in den erzählten Zwischenkapiteln kann manchmal etwas nervig sein, dafür entschädigen aber die fantasievollen Lieder. Als besonderes Highlight begleiten viele prominente Musiker*innen die Giraffenaffen auf ihrer Reise und sorgen mit ihren einzigartigen Stimmen und musikalischen Talenten für fröhliche Rhythmen und mitreißende Klänge, die Kinder und Eltern gleichermaßen begeistern. Mit an Bord sind unter anderem MoTrip & Lary, Céline, SDP & DIKKA, Tim Bendzko, Elif und 1986zig, die einige ihrer größten Hits extra umgetextet und speziell für und mit den Giraffenaffen neu interpretiert haben. Jede Station und jeder Song auf dieser Reise bietet eine neue Klangwelt und spannende Abenteuer.
Zur Story: Die Giraffenaffen Nalu, Taki und Bo brechen zu einer spannenden Reise auf. Angetrieben von ihrer Fantasiemaschine und dem Wunsch, der Langeweile ein Ende zu setzen, reisen unsere drei Held*innen durch die verschiedensten Länder und erleben die Vielfalt der Welt. Mit viel Selbstbewusstsein im Gepäck steigen sie hoch auf den Mount Everest und feiern eine Party in der riesigen Roboter-Stadt. Zur Stärkung geht’s nach Italien, wo die drei sich natürlich mit einer riesengroßen Pizza mit extra viel Käse den Bauch vollschlagen, ehe es für die Lieblingsgang, ausgestattet mit jeder Menge Tipps gegen Langeweile, wieder ins Traumbaumhaus zurückgeht. Mit jedem Zwischenstopp entfaltet sich ein neues musikalisches Kapitel, das Kinderherzen höher schlagen lässt und Eltern zum Mitsummen bringt.
„Wenn ich groß bin“ ist die erste Single-Auskopplung und bildet den Auftakt. Für diese besondere Version ihres beliebten Songs haben SDP gemeinsam mit DIKKA den Track neu interpretiert und kindgerecht umgeschrieben. Mit seiner verspielten Melodie und den fantasievollen Lyrics spricht der Song sowohl kleine als auch große Hörer*innen an. Er vermittelt auf humorvolle Weise die Träume vom „Großwerden“ und feiert gleichzeitig die Freiheit und Freude der Kindheit.
Tim Bendzko hat seinen Weltretter-Song aktualisiert und macht für „Du wolltest doch die Welt retten“ klar, dass noch viel zu tun ist, um den Planeten vor der Menschheit zu retten. Elif hält ein Plädoyer an die „Fantasie“ und Céline erzählt von dem besonderen Moment, wenn man Musik tief im Innern spürt. Oft geht es um Ermutigung und Selbststärkung, wenn MoTrip und Lary erklären: „Du bist cool wie du bist“, und die Giraffenaffen kindliche „Superpower“ erläutern oder den „Schummeltag“ ausrufen.
Das erste Mal seit Bestehen der Reihe finden sich auf „Weltreise“ auch launige eigene Songs der Giraffenaffen, die genau wie die Beiträge der Featurekünstler durch unterhaltsame und lehrreiche Hörspiel-Skits verbunden werden. So wirkt dieses neue Giraffenaffen-Abenteuer nachhaltig auf verschiedenen Ebenen, liefert schöne Geschichten, stärkt Kinderherzen und lässt alle Erwachsenen für kurze Momente wieder jung werden.
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Mit 80 Jahren bringt Songwriter-Legende Albert Hammond sein erstes Weihnachtsalbum auf den Markt. Man wird halt besinnlich im Alter, was dem großen Künstler nicht zu verdenken ist.
Viele Worte muss ich vermutlich nicht über den Briten verlieren. In den 70ern wurde er mit Hits wie „It Never Rains in Southern California“, „The Free Electric Band“ und „Down by the River“ weltberühmt. Später schrieb er Charthits für Leo Sayer („When I Need You“) und Whitney Houston („One Moment in Time“). Sein Einfluss auf die Popmusik ist legendär, somit wurde er zurecht 2008 in die „Songwriters Hall of Fame“ aufgenommen.
Doch nun geht es um sein Album „Christmas“, das fast nur Titel enthält, die für mich zum englischsprachigen Xmas-Kanon gehören. Allein „God Rest Ye Merry, Gentlemen“ und das triefende „Blue Christmas“ kannte ich bisher noch nicht, was aber auch kein großer Verlust war.
Die Zusammenstellung ist sehr rockig gehalten, mit Country-Anleihen und recht frischen Klängen. „O Come, All Ye Faithful“ funktioniert auch mit verlebter Stimme und etwas knirschend in den Höhen. „Happy Xmas (War Is Over)“ wird zum Kaminfeuer-Song und „Last Christmas“ kann man in dieser akustischen Gitarrenversion durchaus neu anhören.
„Rudolph the Red-Nosed Reindeer“ wird zum großen Spaß mit Sprechgesang und Kinderchor, „Here Comes Santa Claus“ überzeugt mit beschwingten Klängen und „Driving Home for Christmas“ ist einfach unkaputtbar, wobei sich Hammond sehr an die Singsprache von Chris Rea anlehnt.
Zum Schluss dann zwei Klassiker, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: Die amerikanische Hymne „White Christmas“ mit Streichern und Schmalz, das europäische Pendant „Silent Night“ sehr sphärisch moduliert und mit intensiven Spoken Words. Kann man so machen.
Albert Hammond bietet uns hier eine gute Dreiviertelstunde weihnachtliche Musik, wie man sie nicht alle Tage hört. Keine wirklichen Überraschungen, aber grundsolide – musikalisch astrein und mit charismatischer Stimme vorgetragen.
Wie viele andere Fans auch bin ich gestern mit sehr gemischten Gefühlen in die Trierer SWT Arena gegangen. Eine „Originalshow“ mit dem Orchester Pepe Lienhard und dem großartigen Udo Jürgens nicht leibhaftig auf der Bühne sondern über LCD-Leinwand eingespielt? Wird das passen? Wird die Stimmung eines echten Konzerts aufkommen? Werden wir mehr geboten bekommen, als einen Kinofilm mit Livemusik? Die Ticketpreise waren ja doch ganz ordentlich – trotzdem war die Arena ordentlich gefüllt, was sich schon bei der Parkplatzsuche zeigte.
Es ist jetzt fast zehn Jahre her, dass Udo Jürgens plötzlich im Alter von 80 Jahren verstarb. Auf seinen Live-Konzerten präsentierte er sich immer als großer Sänger und Charmeur. Sicher nicht stimmlich perfekt, aber stets mit einem Augenzwinkern, mit sehr sympathischem Auftreten und in ständiger Kommunikation mit seinen Fans. Man bekam ein Bild von ihm als ehrlicher Künstler, der nicht übertreibt, der sich nicht bei seinem Publikum einschleimt, der sich aber von der Begeisterung tragen lässt und in emotionalen Momenten auch mal feuchte Augen bekommt. Dabei wusste vor allem der emotionale und nachdenkliche Udo zu gefallen, der viele persönliche Songs interpretierte.
Credit: BMCMedia
In Trier endete die erste Staffel der „Da Capo“ Shows, die ab April 2025 fortgesetzt werden. Und man hatte bei dieser Produktion einiges aufgefahren: Das große Orchester mit Bläsern und Streichern unter der Leitung des Saxofon-Meisters Pepe Lienhard, ein vierköpfiger Backgroundchor, Udos Duettpartnerin Dorothea Lorene als Stargast und Tobias Licht als Moderator des Abends. Das alles versteckte sich zunächst hinter einem Vorhang, der dann schnell zu einem instrumentalen Medley der größten Udo-Hits fiel und das Orchester im besten Glanze zeigte.
Es ging nicht direkt mit den großen Hits los, sondern mit Stücken wie „Hautnah“ und „Alles aus Liebe“. Die meisten Mitschnitte stammten vom letzten Konzert, das Udo am 7. Dezember 2014 in Zürich gespielt hatte. Zunächst fand ich es etwas befremdlich, das Orchester live und Udo nur aus den Boxen zu hören, doch die Bildregie hatte ganze Arbeit geleistet. Livebild und Einspieler wurden perfekt zusammengeschnitten und ich ertappte mich immer wieder dabei, das reale Geschehen mit der Aufnahme in Einklang bringen zu wollen. Dennoch war ich in den ersten 20 Minuten nicht wirklich emotional gepackt, doch spätestens mit „Ich würd es wieder tun“ war es dann um mich (und viele andere) geschehen:
Von Zeit zu Zeit werf ich den Blick Auf meinen bunten Weg zurück Auf das was war, und dabei wird mir klar Ich würd es wieder tun, ich würd es wieder tun
Die Berg- und Talfahrt durch die Zeit Selbst alles das, was ich bereut An dem ich hing – und das in Brüche ging Ich würd es wieder tun, ich würd es wieder tun
Fast als hätte Udo geahnt, dass er hier ein abschließendes Statement singt. Dazu war er dann oft in Großaufnahme zu sehen. Man konnte seiner Mimik und den Blicken folgen, auch manche Ansagen wurden im Konzertablauf belassen. So folgte zu „Der Mann ist das Problem“ eine durchwachsene Lebensbeichte von Udo und passend sang Tobias Licht, der selbst ausgebildeter Musicaldarsteller ist, eine Kurzversion von „Frauen“. So war die Show hervorragend von Track zu Track abgestimmt.
Credit: Pepe Lienhard by Dominik Beckmann
Dorothea Lorene sang das Duett „Ich will – ich kann, I can – I will“ live mit Udo von der Leinwand und rief erste Begeisterungsstürme hervor. Sie ist einfach eine stimmgewaltige Erscheinung. Es gab viel Abwechslung im Geschehen, denn Tobias interpretierte als smarter Sänger ein Medley aus Udo-Klassikern und dann wurde der ganz neue Song „Als ich fortging“ aufgeführt, den das Orchester live spielte während Udo aus dem Off dazu sang. Dieses Stück hatte man im Nachlass des verstorbenen Künstlers gefunden und zu Ende produziert.
Vor der Pause gab es noch viele weitere Highlights wie das berührende „Mein Bruder ist ein Maler“, „Immer wieder geht die Sonne auf“ mit Sängerin Julia Schiwowa, den gefeierten Klassiker „Ein ehrenwertes Haus“ und den Superhit „Griechischer Wein“. Bei letzterem wurde deutlich, wie sehr Udo diesen Song liebte und auf der Bühne zelebrierte. In Großaufnahme konnte man seine feuchten Augen bei der Interpretation sehen und spüren, wie er die Einsamkeit des Gastarbeiters nachempfand. Ganz großes Kino – im wahrsten Sinne des Wortes – mit dem nach 75 intensiven Minuten die Pause eingeläutet wurde.
Auch im zweiten Teil gab es immer wieder kleine Anekdoten aus Udos Leben. Vor allem Pepe Lienhard hatte einiges zu erzählen und schilderte auch die letzte Begegnung der beiden am Abend vor Udos Tod.
Mit Dorothea gab es ein glanzvolles Mash-Up aus „Ich war noch niemals in New York“ und dem englischen „New York, New York“. Wenn Udo von der Leinwand manchmal seine kleinen Ansprachen an das Publikum richtete, war es bisweilen extrem still in der Arena. Alle hingen an seinen Lippen – und das waren wahrhaft magische Momente. Und dann ein Song wie „Der gekaufte Drachen“. So intensiv, so stark, so kritisch.
Während er so erzählte mit dem Glas in der Hand Sah niemand den Kleinen, der im Türrahmen stand Als er anfing zu reden, war es plötzlich ganz still Denn er sagte: „Papa ich weiss nicht, ob ich das will“
Ich will mit Dir einen Drachen bau’n Mit Dir einen Drachen bau’n Für so was hast Du niemals Zeit
Udo hatte neben seinen Schlagern auch immer ein Gespür für emotionale und hintergründige Texte. Schön, dass diese in die DA CAPO Show Einzug gehalten haben und man sich nicht allein auf die Gassenhauer verlässt. Auch Udos Songwriter-Tätigkeit für andere Künstler wurde nicht vergessen, so sang Dorothea Lorene den englischen Titel „If I never sing another song“, den Udo ursprünglich für Frank Sinatra geschrieben hatte, der dann aber hauptsächlich von Sammy Davis Jr. performt wurde. Ein grandioses Beispiel für Udos Kompetenzen in Jazz und Swing.
Fotocredit: Marc Vorwerk
Inzwischen waren viele Zuschauer*innen von den Sitzen und hatten sich zum Happening direkt vor der Bühne eingefunden – so als könnten sie dem Meister wahrhaftig zujubeln. „Mercie Cherie“ und „Mit 66 Jahren“ beendeten den Hauptset des Abends, aber jeder weiß doch, dass Udo immer im Bademantel zurückkam und weitere Hits am Piano spielte. Würde das auch jetzt der Fall sein? Ja! Das Orchester hatte schon Feierabend, aber von der Leinwand gab es Udo ganz allein am Klavier mit einem Medley aus „17 Jahr blondes Haar“, „Vielen Dank für die Blumen“ und „Liebe ohne Leiden“. Er forderte das Publikum zum Mitsingen auf und alle waren folgsam. Zum Schluss verblasste der Konzertfilm und es wurde ein bewölkter blauer Himmel gezeigt. So bewegend endete das Konzert und viele Fans gingen mit Tränen in den Augen nach Hause, voller Trauer und schöner Melancholie. Ob ich das Konzert empfehlen kann? Auf jeden Fall! Ein schönes Andenken an einen großen Künstler, absolut glanzvoll umgesetzt. 2025 geht’s weiter:
Die dreifache GRAMMY- und siebenfache BRIT Award-Preistägerin Dua Lipa kündigt ihr neues Live-Album „Dua Lipa Live From The Royal Albert Hall“ an. Es enthält eine neu gestaltete Version von „Radical Optimism“, die sie komplett von vorne bis hinten aufführt, sowie einige ihrer früheren Hits, begleitet vom 53-köpfigen Heritage Orchestra unter der Leitung von Ben Foster, einem 14-köpfigen Chor und ihrer 7-köpfigen Band. Das Album erscheint am 6. Dezember vor ihrem Primetime-Konzert-Special „An Evening with Dua Lipa“, das am Sonntag, den 8. Dezember auf ITV und am Sonntag, den 15. Dezember auf CBS ausgestrahlt und auf Paramount+ gestreamt wird.
„In der Royal Albert Hall aufzutreten, war etwas ganz anderes als alles, was ich je gemacht habe“, erzählt Dua. „Schon lange hatte ich die Idee, meine Musik mit einem Orchester neu zu interpretieren. Als ich Radical Optimism aufnahm, dachte ich ständig über das Live-Element nach und darüber, wie sich diese Songs auf der Bühne verwandeln würden. Als sich die Royal Albert Hall-Show anbot, war das die perfekte Gelegenheit, diese Songs nicht nur zu rekonstruieren, sondern sie auch auf eine so schöne und intime Weise zu feiern. Die Erfahrung war absolut aufregend und ebenso lohnenswert. Es war ein wahr gewordener Traum und etwas, das ich immer mitnehmen werde.“
Zusätzlich zu Duas Konzert, das am 17. Oktober in der Royal Albert Hall in London aufgezeichnet wurde, wird das begleitende Primetime-Special des Albums von intimen Interviews begleitet, in denen Dua die entscheidenden Momente reflektiert, die ihr Leben und ihre glanzvolle Karriere geprägt haben. Während sie persönliche Momente Revue passieren lässt, von der Reise nach New York City, die den Verlauf ihrer Karriere veränderte, bis hin zu ihren liebsten Urlaubserinnerungen in London, teilt Dua ihre Gedanken und Emotionen in Echtzeit und gibt dem Publikum einen Einblick in die Frau hinter dem Superstar.
Die hinreißende Show in London wurde von Billboard, Variety, der Times, dem Daily Telegraph, dem London Standard und anderen Zeitungen mit begeisterten Kritiken bedacht. Sie krönten Dua als „Großbritanniens regierenden Popstar“, der in einer „beeindruckenden, einmaligen Show“ eine Performance „voller Pop-Perfektion“ bot, die „ihre Talente in einem neuen Licht erscheinen ließ“. Das Album enthält ein Überraschungs-Duett von „Cold Heart“ mit Musik-Ikone Elton John sowie die ersten Live-Performances von „Dance The Night“aus dem Barbie-Soundtrack.
Nach ihrem elektrisierenden Auftritt als Headliner auf der Pyramid Stage des Glastonbury 2024 und ihrer triumphalen Show in der Royal Albert Hall, hat Dua nun ihre „Radical Optimism World Tour“ begonnen, die bis ins Jahr 2025 andauern wird und zwei Shows im Wembley-Stadion beinhaltet, die sofort ausverkauft waren.
Credit: Universal Music
DUA LIPA LIVE FROM THE ROYAL ALBERT HALL
Akt 1
Overture (Live from the Royal Albert Hall)
End Of An Era (Live from the Royal Albert Hall)
Houdini (Live from the Royal Albert Hall)
Training Season (Live from the Royal Albert Hall)
These Walls (Live from the Royal Albert Hall)
Whatcha Doing (Live from the Royal Albert Hall)
French Exit (Live from the Royal Albert Hall)
Illusion (Live from the Royal Albert Hall)
Falling Forever (Live from the Royal Albert Hall)
Anything For Love (Live from the Royal Albert Hall)
Maria (Live from the Royal Albert Hall)
Happy For You (Live from the Royal Albert Hall)
Akt 2
Love Again (Live from the Royal Albert Hall)
Pretty Please (Live from the Royal Albert Hall)
Levitating (Live from the Royal Albert Hall)
Sunshine (Live from the Royal Albert Hall)
Cold Heart (PNAU Remix) (Live from the Royal Albert Hall)
Wer wissen will, wie es ist, sich ganz leicht zu fühlen, ist hier richtig: Nina Chuba erzählt davon in ihrer neuen Single „Fliegen“. Der Song als Liebeserklärung an eine Person, die einen hält, wie keiner sonst, aber auch als Erinnerung. Und zwar daran, dankbar dafür zu sein, sich mit unvergleichbarer Sicherheit zu einem Menschen verbunden zu fühlen, bedingungslos. Erinnerung auch daran, das eigene Herz zu öffnen. Darin Platz zu machen für jemanden, ihn für immer dort einzufassen, no matter what. „Seitdem ich dich kenn’, weiß ich ganz genau was gemeint ist / Wenn jemand von Liebe redet“.
Ob Liebesbeziehung oder liebende Freundschaft, es spielt keine Rolle, weil es in „Fliegen“, die zweite Single der EP „Farbenblind“, erschienen bei Jive Germany, um eine Verbindung geht, die über sich selbst und den äußeren Rahmen hinauszuwachsen scheint. Denn egal was passiert, da ist dieser jemand, der einen hält, auffängt, der einen fliegen lässt, weil mit dieser Person an seiner Seite, die jede Ecke, jede Kante an einem annimmt, sich alles leicht und so sicher anfühlt wie sonst noch nie: „Und plötzlich fühlt sich freier Fall wie fliegen an / Du schaffst Dinge, die sonst niemand kann“, singt Nina Chuba.
Fotocredit: Jakob Marwein
Der Song ist pur, geht nah, ihr nah, auch die Musikerin selbst bewegt er. Und vielleicht ist es ja auch eines der größten Geschenke, sein zu dürfen, wer man (gerade) ist: „Dass du mich überhaupt so lieben kannst / Das sind Dinge, die sonst niemand kann“. Der Song zeichnet eine Art Katharsis in seinen Zeilen, ist voll Aufbruch und kraftvoll, aber auch zart und fein in seinen Beobachtungen. Die Hook, ein bisschen wie Zeitlupe, eine Filmszene, die tiefe Emotion mit nur wenigen Worten in ihrer Intensität zeigt, wechselt sich ab mit Sprudeln in den Verses, die alles erzählen. Wie schön es ist, solche Gefühle füreinander empfinden zu können, sie überhaupt zu fühlen, weich zu werden, sich selbst ganz echt zu zeigen. Mit „Fliegen“ erzählt Nina Chuba, wie groß die Bedeutung von den Menschen ist, denen man vertraut, alles anvertraut, sein Leben.
„Fliegen“ ist ein Lied über bedingungslose Liebe, Vertrauen und das Gefühl, wenn man sich bei einem Menschen geborgen fühlt – sowohl freundschaftlich als romantisch – und erzählt davon, wie eine solche Verbindung Sicherheit gibt. Nach „Fata Morgana“ ist „Fliegen“ die zweite Singleauskopplung aus der kommenden Nina Chuba EP Farbenblind, welche am 06.12. erscheinen wird.
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Gespannt wartet man schon auf das Biopic zur Karriere von Robbie Williams. BETTER MAN kommt am 2. Januar 2025 in die deutschen Kinos. Auf dem Telluride Festival wurde der neue Kinofilm von Regisseur Michael Gracey das erste Mal dem Publikum vorgestellt – mit begeisterten Reaktionen! Michael Gracey hatte zuletzt den Kinohit THE GREATEST SHOWMAN mit Hugh Jackman inszeniert.
Kürzlich hat Robbie seine brandneue Single „Forbidden Road“ veröffentlicht, die in „Better Man“ zu hören ist. Der Song, den Robbie gemeinsam mit Freddy Wexler und Sacha Skarbek geschrieben hat, wird von einer Akustikgitarre und einem nachdenklichen Text begleitet, bevor er sich zu einem bewegenden Crescendo mit hochfliegenden Streichern aufbaut. Der Song ist am Ende des Films zu hören.
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Das Album Better Man (Original Motion Picture Soundtrack)“ wird am 27. Dezember digital über Columbia Records veröffentlicht und kann ab sofort vorbestellt werden. Das Artwork des Soundtracks spiegelt das kürzlich enthüllte Filmposter wider – eine Hommage an Williams‘ unvergessliches Albumcover „Life Thru a Lens“. Das Original-Albumcover wurde von dem renommierten Musik- und Porträtfotografen Andy Earl aufgenommen, der für über 120 kreative, denkwürdige Cover und Plattenhüllen verantwortlich ist und mit Künstlern wie Robbie, Pink Floyd, Johnny Cash, Madonna und Prince zusammengearbeitet hat.
Das Filmplakat und das Soundtrack-Artwork zeigen Williams so, wie er im gesamten Film zu sehen ist – als CGI-Affe. In einem Gespräch über den Film hob Regisseur Michael Gracey hervor, dass Robbie sich selbst immer wieder als Affe bezeichnete. Er sagte: „Robbie sagte Dinge wie: ‚Ich bin hinten und tanze wie ein Affe‘. Nach einer Weile dachte ich: ‚Wäre es nicht toll, Robbie als Affen im Film darzustellen?‘ Denn Robbie erzählt diese Geschichte – und so sieht er sich selbst.“
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Vermutlich hat jeder so seine Lieblings-CDs, die jedes Jahr wieder zum Advent den Weg ins heimische Wohnzimmer finden und nach Weihnachten sorgfältig weggeräumt werden. Ich muss nicht lange überlegen: Da ist zum einen „Christmas With My Friende“ von Nils Landgren und zum anderen „Zeit der Wunder“ mit der A-cappella-Band Viva Voce und den Latvian Voices. Als Dritte im Bunde findet sich auch das „Wilde Winter Songbook“ immer wieder im Player.
Kimberly Smith alias Kim Wilde ist eine der größten Ikonen des britischen Pop, Aushängeschild des 80er-Jahre-Rock, Traumfrau einer ganzen Generation. Ihre Hits „You Came“, „You Keep Me Hanging On“ und „Kids In America“ sind unvergessen. Seit Ende der 80er Jahre ist zwar der wirklich große Erfolg ausgeblieben, doch in längeren Abständen erschienen immer wieder respektable Alben, beispielsweise „Here Come The Aliens“ aus dem Jahr 2018 – und im Januar 2025 wird mit „Closer“ ein neues Studioalbum am Start sein, dessen erste Auskopplungen bereits sehr vielversprechend sind.
Schon lange stand es auf meiner Bucket List, Kim Wilde mit ihrer Weihnachtsshow live zu sehen. Und gestern, im ausverkauften Capitol Mannheim, war es endlich soweit. Das Konzert wurde rein akustisch gespielt, an den Gitarren von Neil Jones, Kims langjährigem Bandmitglied, und ihrem Bruder Ricky Wilde, der sie schon seit den 80ern als Songwriter und Bandmitglied begleitet. Um das Familienunternehmen komplett zu machen, war außerdem Kims Nichte Scarlett Wilde als Duettpartnerin und zweite Sängerin mit an Bord, wobei diese nicht nur schmuckes Beiwerk ist, sondern ebenfalls eine hervorragende Vokalistin und Songwriterin.
Als erstes Stück gab es „Have Yourself a Merry Little Christmas“ und adventliche Stimmung machte sich breit. Direkt im Anschluss kam „Hope“, eine Eigenkomposition von der oben erwähnten weihnachtlichen CD. Ich finde es immer schön, neue Weihnachtssongs zu hören statt der immer gleichen Klassiker – und so wurde man hier zudem mit „New Life“, „Song for Beryl“ und „Hey Mister Snowman“ belohnt, die ebenfalls als Originalsongs vom „Wilde Winter Songbook“ stammen. Und der Set brachte (endlich) auch einen Ausflug in die 80er, nämlich mit „European Soul“, einem nicht ganz so bekannten Song vom Erfolgsalbum „Close“.
Die erste Konzerthälfte dauerte 50 Minuten und enthiel auch Mitsing-Stücke wie „Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!“ und „Winter Wonderland“. Letzteres singt Kim auf dem Album mit Rick Astley, doch hier erfüllte Ricky Wilde den Job ebenso glänzend (nur nicht ganz so schmachtend). Zudem eine Überraschung: „Keeping The Dream Alive“. Die Melodie kennt man doch irgendwoher… Es ist eine englischsprachige Version von „Solang man Träume noch leben kann“ der Münchner Freiheit. Sehr schön umgesetzt.
Nach der Pause zeigten Scarlett und Ricky verstärkt ihre vokale Klasse. „Winter Wonderland“ gab es komplett a cappella mit drei Stimmen. Nur Neil hielt sich dezent zurück. Das Zusammenspiel des familiären Trios war einfach grandios und der zweite polyphone Song „White Winter Hymnal“, ein Cover der Fleet Foxes, setzte nochmal einen drauf.
Zwischendurch würdigte Kim noch „Last Christmas“ als weihnachtliches Geschenk aus den 80ern und einen ihrer liebsten Songs für diese Jahreszeit. Die Akustikversion war dann auch sehr erfrischend und zeigte den Song keineswegs abgenudelt. Aber apropos 80er: Endlich wurden die Fans mit einigen Hits belohnt! „Cambodia“ sowie „Chequered Love“ aus 1981, natürlich „You Came“ (1988) und das Supremes-Cover „You Keep Me Hangin‘ On“ (1986). Nur der Fanruf nach „Kids in America“ wurde vorerst noch nicht erhört.
Das geschah dann aber bei der Zugabe, die mit Standing Ovations eingefordert wurde. Kim Wilde hat eine große Fangemeinde, die die inzwischen 64jährige Britin auch gut pflegt. Beziehungsweise umgekehrt, denn Kim wurde regelrecht mit Blumen und Geschenken überhäuft, sobald ein Musikblock beendet war. Das habe ich in dieser Quantität noch nicht einmal bei Udo Jürgens erlebt. Die Stimmung auf der Bühne war familiär, atmosphärisch und adventlich. Man schmückte sich mit Accessoires wie Weihnachtsmützen und Rentier-Ohren. Nur der angedeutete Weihnachtsbaum im Miniformat, der als Deko-Element inmitten der Band stand, wurde mitleidig belächelt. „Okay. Seize doesn’t matter“, meine Kim, was zu einem Lachanfall bei ihrer Nichte führte.
Der Zugabenblock startete fetzig mit „Rockin‘ Around the Christmas Tree“. Dann hielt Kim eine Lobeshymne auf Nena, die 2002 dafür gesorgt hatte, dass Kim Wilde wieder aus dem Katakomben der Musikgeschichte auftauchte, als sie ihr mit „Anyplace, Anywhere, Anytime“ einen Platz auf dem Album „20 Jahre – Nena feat. Nena“ gab. Diese englischsprachige Coverversion von „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ fand dann ebenso ihren Platz im Set wie das abschließende „White Christmas“, das alle mit frommen Wünschen in die eisige Nacht entließ.
Ja, Kim Wildes „Wilde Winter Songbook“ ist es immer wieder wert, im Dezember gehört zu werden. Und die dazu gehörige Show ist einfach wundervoll. Das kann ich jetzt unumwunden bestätigen. Zugleich wächst die Vorfreude auf den 31. Januar und das kommende Album „Closer“. Die Geschichte um Kim Wilde ist noch lange nicht zu Ende erzählt!
Fotocredit: Cherry Red Records
Setlist – Kim Wilde, 30.11.2024, Capitol Mannheim
Have Yourself a Merry Little Christmas
Hope
Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!
New Life
Time
Song for Beryl
European Soul
Winter Wonderland
Keeping the Dream Alive
Hey Mister Snowman
Winter Song
Last Christmas
White Winter Hymnal
Cambodia
Chequered Love
You Came
You Keep Me Hangin‘ On
Rockin‘ Around the Christmas Tree
Anyplace, Anywhere, Anytime
Kids in America
(I’m Dreaming of a) White Christmas
Irgendwas haben sie an sich, die Bands aus dieser Stadt namens Köln. Egal ob es die alteingesessenen wie BAP, Bläck Föös, Brings oder die Höhner sind – oder Vertreter jüngeren Kalibers wie Kasalla und Cat Ballou. Sie singen in einem Dialekt, den man 300 km weiter nur noch schwer versteht. Trotzdem sind sie im deutschsprachigen Raum sehr erfolgreich. BAP haben Kölsch als Singsprache salonfähig gemacht und alle, die nachzogen, hatten spätestens mit ihrem ersten Karnevalshit den entsprechenden Erfolg. Das macht Köln keine andere deutsche Stadt nach.
Und – oh Wunder – selbst Cat Ballou, die noch so jung und energiegeladen wirken, feiern schon 25jähriges Bühnenjubiläum. Seit ihrem Sieg beim „Köln Rockt“ Bandcontest 2011 ging es steil bergauf für die Band und „Et jitt kei Wood“ rangiert im kölschen Liedkanon längst auf einer Höhe mit „Veedel“ und „Verdamp lang her“. So war die Europahalle in Trier auch erwartungsfroh gefüllt, als Sänger Oliver Niesen um 19.45 Uhr auf der Bühne erschien, um den Support Nico Gomez anzusagen.
Der 34jährige Songwriter aus Köln war zu Beginn seiner Karriere eher im Hintergrund tätig und hat Titel für andere Künstler*innen geschrieben. The Voice of Germany führte ihn aber selbst ans Mikro und da hat er jetzt einen festen Platz. Allein zu instrumentalem Playback sang er deutschsprachige Popsongs wie „Keine Lust“ und „Barcelona“. Die Stimmung war top, auch als er sich in der zweiten Hälfte des 30minütigen Sets ans Piano setzte und unter anderem den aus seiner Feder stammenden Tabaluga-Titelsong „Königreich der Liebe“ interpretierte. Zum Song „Liebe für mich“ drang seine Stimme zum Schluss sogar ohne Mikro durch die Halle. Nico Gomez hat hier ein dickes Ausrufezeichen gesetzt!
Der Umbau dauerte nur fünf Minuten (sehr lobenswert) und Cat Ballou kamen um 20.20 Uhr zu den Klängen von „Genesis“, dem sphärischen Opener des aktuellen Albums, auf die Bühne. Etwas Pyrotechnik und dann startete mit „Paradies“ die Show. Schon zu „Mer fiere et Levve“ sang der ganze Saal unisono mit – die Vorzeichen standen also sehr gut. „Immer immer wieder“ widmete sich dem wichtigen kölschen Thema Karneval. Zumindest musikalisch hat Köln dem politischen Karneval in Mainz längst den Rang abgelaufen, was sich hier wieder eindrucksvoll zeigte.
Zu „Dabei sein“ kam Nico nochmal als Duettpartner auf die Bühne. Mit „Oh wie schön“ gab es einen respektablen Post-Corona-Song („mir wore vill zo lang allein“) und Songs wie „Gute Zeit“ boten neben allen karnevalistischen Schwelgereien zur Abwechslung auch etwas Funk und Disco. „Liebe deine Stadt“ ist ein grandioser Rap für Köln und ich glaube, dass keine andere kölsche Band so viele Liebeslieder an ihre Heimatstadt im Programm hat, wie Cat Ballou. Jedenfalls sang ganz Trier mit, rot-weiße Fahnen wurden geschwenkt – als Eifeler empfindet man ohnehin Köln als Hauptstadt der ganzen Region.
Zwischenzeitlich wurde es etwas ruhiger und „Ming Stadt“ sowie „Heimweh“ erklangen akustisch, doch der Sturm folgte ziemlich schnell im Anschluss: „Et jitt kei Wood“, Superhit und Dauerbrenner, wurde nur kurz angespielt und schon sang das Publikum die erste Strophe plus Refrain ganz allein. Die Band setzte nochmal von vorne ein und zum Schluss gab es einen zweistimmigen Chor, den Oliver Niesen gekonnt dirigierte. So zelebriert man seine Erkennungsmelodie. „Kumm loss uns fiere“ als Lied vom Zusammenhalten beschloss dann auch passend den Hauptset.
„Su noh bei dir su jot“ bot Oliver im Zugabenblock zunächst ganz allein mit Gitarre. Dann gab es das Höhner-Cover „Schenk mir dein Herz“ im Speedformat und mit „Guter Stern“ den Titelsong vom aktuellen Album. „Lass uns nicht geh’n“ wurde mit einem Regen aus Luftschlangen garniert und „Hück steiht de Welt still“ brachte die Menge als rockige Hymne nochmal zum springen, bevor die Show mit „König“ nach fast zwei Stunden endete.
Cat Ballou sind live definitiv eine Wucht. Sie hatten das Trierer Publikum den ganzen Abend über fest im Griff und die 25 Jahre auf der Bühne merkte man der jugendlichen Truppe absolut nicht an. So kann das noch lange weiter gehen – vielleicht bald wieder in der ältesten deutschen Stadt, die sich Köln so verbunden fühlt.
Setlist – Cat Ballou, 28.11.2024, Trier
Genesis
Paradies
Mer fiere et Levve
Die Stääne stonn joot
Immer immer widder
Dabei sein
Oh wie schön
Du bes nit allein
Wir lieben das
Gute Zeit
Liebe deine Stadt
Süße Lügen
Ming Stadt
Heimweh
Wasser im Rhing
Et jitt kei Wood
Kumm loss uns fiere
Su noh bei dir su jot
Schenk mir dein Herz
Guter Stern
Lass uns nicht geh’n
Ich liebe Krimis, die nicht mit einem Band zu Ende erzählt sind, sondern bei denen man den Ermittlern über mehrere Bände folgt und eine Entwicklung der Protagonisten gezeigt wird. Das war schon bei Miss Marple so und später bei Elizabeth Georges Inspector Lynley mit Barbara Havers. Heute fesseln mich vor allem die Romane von Nele Neuhaus und Andreas Gruber – und erst sehr spät habe ich Michael Robotham entdeckt.
Michael Robotham wurde 1960 in New South Wales, Australien, geboren und lebt inzwischen in Sydney. Er war lange als Journalist tätig, bevor er sich ganz der Schriftstellerei widmete. Mit seiner ersten Romanreihe um den an Parkinson erkrankten Psychologen Joe O’Loughlin stürmt er ebenso regelmäßig die Bestsellerlisten wie mit der neueren Reihe um Cyrus Haven (seit 2019).
Bei der Haven-Reihe ist vor allem das Zusammenspiel mit der jungen Evie Cormac interessant und spannend, die als Missbrauchsopfer hinter einem Wandschrank gefunden wurde und die erkennen kann, ob Menschen lügen. In den ersten drei Bänden nimmt sich Cyrus ihrer an – als Psychologe und Freund. Zugleich wird Havens eigene Familiengeschichte enthüllt, die nicht weniger schrecklich ist, da sein geistig verwirrter Bruder die ganze Familie ermordet hat.
Neben dem jeweils aktuellen Kriminalfall gibt es also stets einen roten Faden um Cyrus, Evie und deren Beziehungsgeflecht. In Band 4 „Die Totgeglaubte“ ist der Untergang eines Flüchtlingsschiffs auf dem Weg zwischen Frankreich und England eng mit dem Schicksal von Evie verknüpft, die ebenfalls als albanisches Flüchtlingsmädchen nach Großbritannien kam und dabei ihre Familie verlor.
Zunächst war ich nicht so begeistert von dem Setting, das weniger an einen klassischen Krimi erinnert und vielmehr gesellschaftspolitische Themen behandelt. Doch die Handlung nimmt schnell Fahrt auf und hat einige Überraschungen zu bieten. In traumhaften Zwischenerzählungen bekommt man parallel zur Handlung der Gegenwart auch Evies Geschichte erzählt, was diese wundervolle Figur noch interessanter werden lässt.
Zu Beginn hielt ich diesen Band 4 noch für den schwächsten Band der Reihe, doch am Ende war ich absolut gefesselt. Michael Robotham versteht es einfach, Spannung zu erzeugen und seine Protagonist*innen zum Leben zu erwecken. „Die Totgeglaubte“ steht den anderen Haven-Büchern in nicht nach und man sollte sie unbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen. Meine Voraussage: Wer erst einmal mit „Schweige still“ (Band 1) angefangen hat, wird ohnehin nicht mehr aufhören können.
Die US-Alben der Beatles sind für viele Fans ein Mysterium und auch geübten Sammlern gelingt es nicht immer, den Überblick zu behalten. Grund für die Existenz dieser Alben sind unterschiedliche Plattenfirmen und Vermarktungsstrategien. In Großbritannien wurden die Beatles von EMI/Parlophone betreut, während in den USA Capitol Records die Rechte an den Veröffentlichungen hatte. Capitol entschied, die Alben der Beatles anders zu gestalten, um besser den US-amerikanischen Marktbedürfnissen gerecht zu werden. So waren in den USA grundsätzlich mehr Tracks auf den Alben – und es war dem Vertrieb wichtig, dass auch Singlehits, die in England gar nicht auf ein Album gelangt sind, dort ihren Platz fanden. Zudem hatte sich Capitol Records in vielen Fällen für eine neue Stereo-Abmischung entschieden.
Beispiele für US-exklusive Alben sind „Meet the Beatles!“ (1964) und „The Beatles‘ Second Album“ (1964), die nicht mit britischen Veröffentlichungen übereinstimmen. Diese Unterschiede führten dazu, dass die Beatles in den USA eine andere Diskografie hatten als in Großbritannien. Erst 1987, mit der Einführung des CD-Formats, wurde die britische Originaldiskografie zum Standard und die speziellen US-Alben wurden weitestgehend obsolet. Trotzdem genießen die US-Alben bei Sammlern und Fans bis heute Kultstatus und gelten seit 1995 als vergriffen.
Umso schöner also, dass Apple Corps Ltd./Capitol/UMe sich für eine Neuauflage der sieben Alben entschieden haben, die zwischen Januar 1964 und März 1965 erschienen sind (und ja: über die Frequenz der Veröffentlichungen kann man 60 Jahre später wirklich nur staunen). Alle sieben Alben – „Meet The Beatles!“ (01-1964), „The Beatles‘ Second Album“ (04-1964), „A Hard Day’s Night – Original Motion Picture Sound Track“ (06-1964), „Something New“ (07-1964), „The Beatles‘ Story – 2LP“ (11-1964), „Beatles ’65“ (12-1964) und „The Early Beatles“ (03-1965) – sind von den originalen Mono-Masterbändern analog für 180-Gramm-Vinyl geschnitten worden und verfügen über originalgetreu reproduzierte Artworks und neue vierseitige Einleger mit Essays des amerikanischen Beatles-Historikers und Autors Bruce Spizer. Die neuen Vinyl-Lackfolien der Alben wurden von Kevin Reeves in den East Iris Studios in Nashville geschnitten. Das fette Box-Set enthält alle sieben Alben, die bis auf „The Beatles‘ Story“ auch einzeln erhältlich sind.
Zur Review liegt mir „A Hard Day’s Night“ vor. Es ist deshalb eine Besonderheit in der Diskografie der Beatles, weil es in den USA nicht von Capitol Records, sondern von United Artists Records veröffentlicht wurde. UA hatte die Rechte am Soundtrack zum gleichnamigen Film und veröffentlichte eine eigene Version des Albums.
Trackliste der US-Version:
A Hard Day’s Night
Tell Me Why
I’ll Cry Instead
I Should Have Known Better (instrumental)
I’m Happy Just to Dance with You
And I Love Her (instrumental)
I Should Have Known Better
If I Fell
And I Love Her
Ringo’s Theme (This Boy) (instrumental)
Can’t Buy Me Love
A Hard Day’s Night (instrumental)
Der Film ist ein Meilenstein in der Popkultur und ein Klassiker des Musikfilms. Er folgt John, Paul, George und Ringo an einem Tag ihres Lebens, während sie sich auf einen Fernsehauftritt vorbereiten. Die Handlung ist halb-fiktional und zeigt eine Mischung aus Comedy- Episoden, rasanten und skurrilen Abenteuern sowie Musikauftritten.
Die Haptik der neuen Vinyl-Ausgabe ist sehr schön und die edle Aufmachung wird dem Release absolut gerecht. Ein Fest für Musikliebhaber!
Schon seit einigen Jahren erklären „Ella & Ben“ mit Hilfe des Autors William Wahl die wichtigsten Bands der Musikgeschichte. Bisher waren das internationale Acts wie ABBA, Queen, die Beatles und die Rolling Stones. Es wurde also Zeit, dass der Blick mal nach Deutschland geht – und wer wäre da besser geeignet als Kraftwerk?
Story und Zeichnungen sind wie immer absolut kindgerecht aufgearbeitet. Wichtige Änderung: Es ist nicht mehr Wilm Lindenblatt, der für die Zeichnungen sorgt, sondern Anna Breitling-Stenner. Das tut der künstlerischen Gestaltung aber keinen Abbruch, denn auch Anna erweckt sowohl die Bandgeschichte von Kraftwerk als auch die Familiengeschichte von Ella & Ben mit gehaltvollen und detaillierten Zeichnungen zum Leben.
Die Rahmenhandlung ist wie stets hervorragend und kindgerecht ausgearbeitet: Eigentlich wollen Ella und Ben in den Urlaub – aber uneigentlich sitzen sie im Stau. Wie gut, dass Mama und Papa dafür genau die richtige Musik haben: Kraftwerk! Während das Auto also stillsteht, machen sich Ella und Ben auf zu einer spannenden Reise zu Robotern, Verkehrshütchen und elektronischer Sternenmusik.
Logisch also, dass es mit „Autobahn“ losgeht. Und die Geschichte führt von „Radioaktivität“ und „Trans Europa Express“ über „Die Roboter“ und „Boing Boom Tschak“ bis hin zu „Tour de France“ und (natürlich) „Das Model“. Dabei erfährt auch der geneigte Musikliebhaber noch viel Neues, beispielsweise von dem deutschen Astronauten Alexander Gerst, der 2018 aus dem Weltall bei einem Kraftwerk-Konzert mitspielte.
Die Bandbiografie startet mit Ralf Hütter und Florian Schneider, zu denen sich später Wolfgang Flür und Karl Bartos hinzu gesellen. Das wird auch anhand einer Zeitleiste gut dargestellt, die die Höhepunkte der großen Karriere erklärt. Anekdoten zur Idee elektronischer Musik und der Entstehung einzelner Songs ergänzen die Geschichte.
Ich muss sagen, dass die Erzählung diesmal nicht so einfach zu verstehen ist wie bei den vier Vorgängergeschichten. Das liegt vermutlich daran, dass die Bandgeschichte von Kraftwerk um einiges komplizierter ist und auch ihr Backkatalog viel sprunghafter. Autor William Wahl hat das dennoch gut gelöst und wieder ein spannendes Kinderbuch verfasst, an dem auch Erwachsene ihre Freude haben werden. Band 6 wird übrigens im Mai erscheinen und sich „AC/DC“ widmen. Auch das wird wieder grandios. Wetten?
Kürzlich konnte Wolf Biermann seinen 88. Geburtstag feiern. Kein bisschen leise ist er – bis heute. Was könnte man alles über den politischen Liedermacher erzählen? Geboren wurde er in Hamburg. Sein Vater war Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Nach dem Krieg zog der Künstler nach Ost-Berlin, weil er an die Idee des Sozialismus glaubte. Er hat am Berliner Ensemble mit Bertolt Brecht gearbeitet und wurde bekannt für seine gesellschaftskritischen Lieder, die bis heute Bestand haben und zu einem Auftrittsverbot in der DDR führten. 1976 wurde er gar während einer Tournee in der Bundesrepublik ausgebürgert und durfte nicht mehr nach Ostdeutschland zurückreisen. Spätestens seit diesem Skandal war sein Name in aller Munde und seine Musik erlebte einen regelrechten Boom auch auf westlicher Seite.
Warum aber jetzt dieses Coveralbum? Ein besonderes Jubiläum steht ja nicht ins Haus (oder vielleicht zur runden 90 in zwei Jahren). Clouds Hill, das Hamburger Indie-Label um Produzent und Autor Johann Scheerer, hat die Rechte am Gesamtwerk Wolf Biermanns gekauft, das sich auf etwa 300 Lieder beläuft – mit dem Ziel, seine Musik wieder zugänglich zu machen. Doch hier geht es nicht um eine Expansion des Labelkatalogs: Wolf und Pamela Biermann haben im engen Dialog mit Johann Scheerer einen Plan entworfen, eine Brücke zu schlagen von Biermanns Werk in die heutige Zeit.
Ziel ist es, diese immer noch relevante Musik, die in einem von Krisen gebeutelten Europa heute aktueller denn je wirkt, einem breiteren Publikum zugänglich zu machen für eine nachwachsende Generation. So wird im Clouds Hill-Studio in Hamburg intensiv an diversen Coverstücken gearbeitet, von denen noch viel zu hören sein wird. Seine Texte, die heute noch so aktuell sind wie damals, machten ihn zum Symbol für Widerstand und Meinungsfreiheit, seine Songs inspirieren bis heute Generationen. Mit der Neuinterpretation von Biermanns Liedern will dieses Cover-Projekt das Werk zelebrieren und seine Musik einem neuen Publikum zugänglich machen.
Um dieses Projekt zu verwirklichen, hat man sich viele Künstler*innen der Gegenwart mit ins Boot geholt, mit mehr oder weniger hohem Bekanntheitsgrad. Moritz Krämer ist dabei, Mola, Haity und Balbina. Jan Plewka, Sänger von Selig, singt „Das kann doch nicht alles gewesen sein“. Alligatoah widmet sich dem „Hugenottenfriedhof“. Lina Maly singt mit wundervoller Stimme das „Barlach-Lied“ und Ina Müller verleiht „Bin mager nun und fühle mich“ eine ganz neue Atmosphäre.
Ganz stark kommt die neue Songpoeten-Generation mit Betterov und Maxim, doch auch einige Altmeister lassen es sich nicht nehmen, an dem Projekt beteiligt zu sein: Katharina Franck von den Rainbirds singt mit ihrer charismatischen Stimme die „Ballade vom preußischen Ikarus“, Wolfgang Niedecken interpretiert „Und als wir ans Ufer kamen“, während Meret Becker sich dem „Stillepenn Schlufflied“ widmet.
Vielfalt ist Trumpf, das kann bei der illustren Riege gar nicht anders sein, und die Lyrics sind einfach genial – für ihre originale Zeit ebenso wie für die jetzige. Es geht um Freiheit und Gerechtigkeit, um Heimatlosigkeit und Exil. Vielleicht fehlen einige wichtige Stücke wie die „Stasi-Ballade“ oder „Drei Kugeln auf Rudi Dutschke“. Auch „Deutschland. Ein Wintermärchen“ hätte ich in heutigen Zeiten gern gehört, doch vermutlich hätte man einfach alle 300 Texte auswählen können. Grandios einfach, wie sie hier in neuen Arrangements und mit anderen Stimmen wieder zum Leben erweckt werden, auch wenn die Originale natürlich am besten klingen.
Die Comic-Strips mit den weltberühmten „Peanuts“ wurden am 2. Oktober 1950 von Zeichner Charles M. Schulz ins Leben gerufen und erschienen bis zum Tod des Zeichners ganze fünfzig Jahre in über 2.600 Zeitungen aus 75 Ländern, was eine Übersetzung in 21 Sprachen zur Folge hatte. Von weiteren Superlativen wollen wir gar nicht reden, denn natürlich gab es auch Werkausgaben in Buchform, Fernsehserien und Kinofilme mit den bekannten Figuren namens Charlie Brown, Snoopy, Lucy und Linus van Pelt, Schroeder, Peppermint Patty und Marcie. Zudem erfreute sich der kleine gelbe Vogel Woodstock großer Beliebtheit und wurde nach dem weltberühmten Musikfestival im Jahr 1969 benannt.
Zum 75jährigen Jubiläum der Peanuts erfährt die illustre Truppe auch vom Reclam-Verlag eine entsprechende Würdigung. Das nicht in Form eines Buches, sondern als Kalender, den man immer wieder verwenden kann, da er nicht mit einer Zeitleiste versehen ist. Das ist übrigens nicht die erste Hommage des Verlags an die Comicstrips, denn es gibt bereits einige der berühmten gelben Bücher mit Titeln wie „Snoopy für alle Lebenslagen“, „Peanuts für alle Lebenslagen“ und „Advent mit den Peanuts“.
Credit: Reclam Verlag
Jetzt aber wird gefeiert: „Feiern mit den Peanuts“ verspricht im Untertitel „Das Beste von Charlie Brown, Snoopy & Co.“. Vermutlich hätte man für den schönen Tischaufsteller fast alle Strips mit den Lebensweisheiten und lustigen Anekdoten der kleinen Truppe verwenden können. Es ist eine wunderbare Zeitreise durch die kultige Welt von all den unvergesslichen Figuren – Tag für Tag, Woche für Woche, oder einfach, wenn man sich von der guten Laune der Peanuts anstecken lassen möchte.
120 Seiten wurden gefüllt. Die Strips sind fast alle schwarz-weiß, die Rückseite zeigt in feinem Reclam-gelb einzelne Figuren in verschiedenen Ausführungen. Zur zeitlichen Einordnung ist jeder Strip mit dem ersten Erscheinungsdatum versehen, was mir sehr gut gefällt.
Mit seinen zeitlosen Bildern und tiefgründigen Weisheiten ist der Peanuts-Tischaufsteller ein amüsanter Begleiter, der den stressigen Alltag fröhlicher und entspannter macht. Ob zum Geburtstag, zu Weihnachten oder zum 75. Ehrentag der Peanuts: ein wunderbar nostalgisches Geschenk für alle Fans von Snoopy und seinen Freunden.
Tausendsassa Olli Schulz war in der Europahalle Trier. Was hat der Musiker nicht schon alles gemacht? Indierock mit Olli Schulz und der Hund Marie, Sidekick für Joko & Klaas, seit zwölf Jahren ein Podcast mit Jan Böhmermann – und seit 2009 die Solokarriere, die beim letzten Album „Am Rande der Zeit“ mit einem Spitzenplatz in den deutschen Charts gekrönt wurde. Dabei ist Olli Schulz einfach grundsympathisch. Schließlich kommt es nicht oft vor, dass ein Künstler seinen Support persönlich ansagt und damit enorm aufwertet. In Trier erschien Olli pünktlich um 20 Uhr auf der Bühne, ließ den Applaus abebben und bat um Aufmerksamkeit für die junge Sängerin Morea.
Natürlich wurde es in der nächsten halben Stunde nochmal laut in der Halle und manche Zuschauer*innen übten sich lieber in Smalltalk, als der sanft und schüchtern auftretenden Interpretin zuzuhören. Schade, denn es wurde wirklich ein wunderschöner Set geboten, der Soul und Jazz im Retro-Style lieferte. Morea sang zunächst allein mit akustischer Gitarre und wurde am Schluss von ihrem Vater per Steel Guitar begleitet. Es war ein berührender Moment, als sie ihn als ihren Mentor vorstellte und die beiden sich nach dreißig Minuten unter großem Applaus verabschiedeten.
Nach kurzer Umbaupause startete Olli Schulz mit „Wenn die Music nicht so laut wär’“, einem Klassiker von Olli Schulz und der Hund Marie. Er war in Plauderlaune und machte sich erst einmal über die „Schulaula“ als Veranstaltungsort lustig, bevor er nachhörte, ob alle ihr Popcorn bekommen hatten, das im Foyer kostenlos verteilt wurde. Aber es war nicht alles locker-flockig. In „Falsch erzählt“ geht es um Fakenews und sogenannte Influencer bekommen ebenfalls ihr Fett weg („Da bleib ich lieber depressiver Indierocker“).
Mit dem warmherzigen „So schreibt man seinen Song“ hielt Olli ein Plädoyer für die Musik, schwärmte von Musikrichtungen, musikalischen Biographien und der Magie von Plattenläden. Trier war der „kleinste Laden auf der Tour“ und erfreute sich wahnsinnig an den prägnanten Songs mit klarer Botschaft: „Dann schlägt dein Herz“, das wundervolle „Als Musik noch richtig groß war“ und das Leben als Freigeist in „Schrecklich schöne Welt“. Neben diesem Indiepop gab es auch den NDW-geprägten Song „Phase“.
Roadie Lampe, der gerade selbst als Musiker in den Startlöchern steht, ersetzte Ina Müller im Duett bei „Stadtfest in Bonn“. Es gab einige Songs vom aktuellen Album, aber auch weitere Klassiker wie „Rückspiegel“. Im Lauf der Konzerts verwandelte sich die Atmosphäre vom Independent-Songwriting hin zum großen hymnischen Rock, denn auch dieses Metier beherrscht Olli Schulz in großen Songs wie „Einfach so“ und „Wenn es gut ist“.
Humorvoll, melancholisch und tiefgründig war der Set bis zum Zugabenblock, der nach 80 Minuten startete. Hier zog Olli nochmal seine satirischen Register, interpretierte auf Wunsch des Publikums allein an der Gitarre „Koks & Nutten“, feierte den „Phosphormann“ und überließ Lampe die Bühne, der seinen Hit „Immer muss ich alles alleine machen“ zum Besten gab. Am Ende gab es eine grandiose Kissenschlacht zu „So muss es beginnen“ und Olli Schulz war stets darauf bedacht, dass niemand in der Halle zu schaden kam.
Das wundervolle Konzerterlebnis endete um 22.25 Uhr. Der Weihnachtsmarkt in Trier hatte jetzt auch geschlossen, doch alle waren berauscht von der Musik. Der sympathische Außenseiter hatte mal wieder abgeliefert. Fazit: weitermachen!
Setlist – Olli Schulz, Europahalle Trier, 23.11.2024
Wenn die Music nicht so laut wär’
Wachsen (Im Speisesaal des Lebens)
Falsch erzählt
Hamse nich
So schreibt man seinen Song
Passt schon!
Ab jetzt tut’s nur noch weh
Dann schlägt dein Herz
Als Musik noch richtig groß war
Schrecklich schöne Welt
Phase
Stadtfest in Bonn
Bessere Version
Rückspiegel
Einfach so
Wenn es gut ist
Koks & Nutten
Phosphormann
Immer muss ich alles alleine machen (Lampe)
So muss es beginnen
Und nochmal New Wave aus der Hoch-Zeit des Genres 1984, diesmal von den Thompson Twins. Fast parallel zu „Sparkle In The Rain“ der Simple Minds erschien eine Woche später mit „Into The Gap“ der Briten aus Sheffield ein weiterer Meilenstein. Auch hier veranlasst das 40jährige Jubiläum die Plattenfirma, in diesem Fall BMG, zu einer erweiterten Neuauflage.
Was war das für ein Kracher! „Doctor, Doctor!“ war in aller Munde. Und weitere Singles wie „You Take Me Up“, „Sister Of Mercy“, „The Gap“ und „Hold Me Now“ bewiesen eindrucksvoll, dass der Radiohit keine Eintagsfliege war. Das kongeniale Trio Tom Bailey, Alannah Currie und Joe Leeway hatte alle Songs selbst geschrieben und eine grandiose Produktion auf die Beine gestellt. Das Album erreichte auf beiden Seiten des Atlantiks Multi-Platin-Status. Es hielt sich drei Wochen lang auf Platz eins in Großbritannien und eroberte auch die Top Ten in den USA.
Credit: BMG
Der vorliegende Digipack ist die umfassendste Neuauflage dieses Albums, remastered in den Abbey Road Studios und zusammengestellt mit dem Segen aller drei Bandmitglieder aus der klassischen Besetzung. Beide physischen Formate (3CD und Vinyl) verfügen über digital restauriertes Artwork und neue Linernotes, geschrieben von John Earls und mit Beiträgen aller drei Bandmitglieder. Das LP-Format auf begehrtem rotem Vinyl bildet die Originalveröffentlichung liebevoll nach, komplett mit ausklappbarem Einleger; das Dreifach-CD-Format umfasst 30 Titel, von denen 12 bisher unveröffentlicht sind, und ein 24-seitiges Booklet.
Als Bonus gibt es verschiedene Mixe und Edits der Albumtitel und – zur Freude aller Fans – die Maxiversionen und ausgedehnten Mixe, mit denen man früher die Tanzflächen zum kochen bringen konnte. Für Fans von New Wave und guter Popmusik der 80er Jahre ein absolutes Muss!
Die Simple Minds zählen seit über vier Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Rock-Bands der britischen Inseln. Anfangs geprägt von Punk und New Wave und später von hymnischem Rock gelangen der schottische Band um Sänger Jim Kerr internationale Top-Platzierungen in den Single- und Album-Charts.
Nach dem Megaerfolg von „New Gold Dream“ sollte es weniger als zwei Jahre dauern, bis mit „Sparkle In The Rain“ die grandiose Serie fortgesetzt wurde und den Schotten ihr erstes UK-Nummer 1-Album und einen 14. Chartplatz in Deutschland bescherte. Die Alben in der ersten Hälfte der 80er Jahre gelten als wegweisende Werke der Band und sind Meilensteine des New Wave und des Synthie-Pop. Viele Bands – darunter auch U2 – ließen sich von dem Sound begeistern und beeinflussen. Er zeichnete sich durch eine Kombination aus eingängigen Melodien, elektronischen Elementen und kraftvollen Texten aus, die häufig von Themen wie Sehnsucht, Verlangen und dem Streben nach etwas Höherem handeln. Die Musik war geprägt von pulsierenden Rhythmen, raffinierten Synthesizer-Arrangements und einer reichhaltigen Instrumentierung, die eine Atmosphäre von Melancholie und Euphorie zugleich erzeugte.
„Sparkle In The Rain“ hatte vielleicht nicht so viele Hits wie der Vorgänger und vor allem der Nachfolger „Once Upon A Time“, doch mit „Waterfront“ ist definitiv ein All-time-favourite dabei und auch „Speed Your Love To Me“ sowie „Up On The Catwalk“ haben ihren Platz in den Annalen der 80er-Musikgeschichte sicher. Was auffiel war eine noch stärkere Orientierung zu hymnischen, fast schon stadiontauglichen Songs. Das sollte die Band in ganz neue Sphären führen und sie für Pop, Mainstream und Airplay tauglich machen.
„Sparkle In The Rain“ hatte einen neuen Sound – dynamisch und rockig. Viele sahen es in der Tradition von Bands wie Big Country und die keltischen Elemente nahmen breiten Raum ein. Sänger Jim Kerr schrieb über die verschwindenden Werften in seiner Heimat Glasgow. Ein Track wie „Waterfront“ ist somit zugleich Rückbesinnung und hoffender Ausblick. Die britische Sängerin Kirsty MacColl unterstützte Kerr bei der Coverversion „Street Hassle“ und bei „Speed Your Love To Me“, das eine Hommage an Lou Reed darstellt. Die Simple Minds waren musikalisch ganz oben angekommen und der Karriereschub brachte bis Ende der 80er Jahren noch weitere fantastische Alben hervor.
Credit: Virgin Records / Universal Music
Jetzt erscheint „Sparkle In The Rain“ zum 40. Geburtstag in einer Box bestehend aus vier Discs, jede in einem aufklappbaren Digipack. Disc eins ist ein Remaster des Originalalbums (remastered in den Abbey Road Studios von Andrew Walters unter der Aufsicht von Charlie Burchill). Disc zwei enthält B-Seiten und Raritäten, darunter eine Live-Version von NGDs „Hunter And The Hunted“, die den sich entwickelnden Sound der Band zeigt. Dazu gibt es 12″-Remixe von „Waterfront“ (Steve Lillywhite hat das Schlagzeug geloopt, um ein erweitertes Intro zu schaffen, und entschlackte die Instrumentierung, um einen riesigen, ausladenden Track zu schaffen), „Speed Your Love To Me“, „Up On The Catwalk“ und „A Brass Band In Africa“ sowie „Bass Line“ – das ursprüngliche Instrumental, das zu „White Hot Day“ wurde.
Dazu kommen solide Liveaufnahmen. Disc drei enthält ein Konzert, das am 28. Februar 1984 im Barrowland in Glasgow, der Heimatstadt der Band, aufgenommen wurde. Disc vier enthält den Rest des Barrowland-Konzerts und eine BBC Radio 1-Session vom September 1983. Hier finden sich dann auch erste große Hymnen wie „Someon Somewhere In Summertime“ und „Promised You A Miracle“.
Die Box beinhaltet außerdem ein 36-seitiges Booklet mit ausführlichen Notizen von Simon Cornwell (Macher der Website SimpleMinds.org), Interviews mit Jim Kerr und Charlie Burchill sowie zahlreiche seltene Fotos der Band und Erinnerungsstücke aus dieser Zeit. So ist diese Jubiläumsbox eine absolut gelungene Aufarbeitung der vielleicht wichtigsten Phase in der Simple Minds-Bandgeschichte. Ein wertiges Geschenk für alle Fans und solche, die es (wieder) werden wollen.
Selbst der große Chansonnier unter den deutschen Liedermachern wird nicht jünger. 73 Jahre hat der Berliner Klaus Hoffmann schon auf dem Buckel, was man ihm aber absolut nicht anmerkt. Am Montag war er im eleganten Kulturzentrum „opderschmelz“ im luxemburgischen Dudelange. Knapp 250 Zuschauer fanden den Weg dorthin. Das sind natürlich weniger, als sich normalerweise zu seinen Konzerten einfinden, aber in Luxemburg hat er auch nicht den hohen Bekanntheitsgrad. Sei’s drum. Er nahm die Situation mit Humor: „Es sind nicht so viele, aber es sind die wichtigsten“, vermerkte er zur Freude des Publikums.
Wie ein guter Wein wird Klaus Hoffmann von Jahr zu Jahr besser. Seit Jahrzehnten irgendwie auf dem schmalen Grat zwischen Geheimtipp und Star. Die Alben nie so ganz weit vorn in den Charts, aber immer im Auge der Medien. Er singt Lieder von Jacques Brel, spielt mit Wortwitz und seiner Berliner Schnauze, doch seit einigen Jahren schon werden die Alben schwermütiger und sehnsuchtsvoller.
Bei der Liveperformance ist von Schwermut allerdings nichts zu bemerken. Was sich die Luxemburger so anhören mussten, war schon sehr spitz und launisch: „Die rennen ja nur mit Edelsteinen rum und sind alle reich“, meinte er. Auch die aktuelle politische Weltlage bekam ihr fett weg: „50 Kriege auf der Welt! Wo sind die Tyrannenmörder, wenn man sie braucht?“ Ein El Hotzo verliert für solche Sprüche seinen Medienvertrag, doch Klaus Hoffmann steht halt über den Dingen.
Man muss einiges ertragen, wenn man auf seine Konzerte geht, aber das will ich ganz positiv verstanden wissen. Er ist, wer er ist, und nimmt kein Blatt mehr vor den Mund. Manchmal wirkte er etwas verloren zwischen den Musikern, verhaspelte sich, verlor sich in Ansagen, tat ein wenig senil und kraftlos. Doch dann war er wieder voll da und ließ die Menschen merken, dass das alles nur Show ist. Schon beim zweiten Song „Kinder“ vom aktuellen Album „Flügel“ stand er vor der Bühne und verpasste Fans in der ersten Reihe Streicheleinheiten. Nicht im übertragenen Sinne, sondern wortwörtlich.
Das aktuelle Album bietet eine eigene musikalische Mixtur aus Pop, Jazz und akustischem Folk, gepaart mit feinen Streicherarrangements, die hier anhand eines Keyboards einflossen. Da findet sich eine Reihe von sanften Juwelen im Songwriting, mal mit akustischer Gitarre, mal am Piano begleitet. Die Texte folgen dem Puls der Zeit. „Neuer Morgen“ versprüht noch Optimismus und „Kinder“ baut auf die nachfolgende Generation, doch „Bin nicht Meer, bin nicht Strand“ liefert Erinnerungen an die Nachkriegszeit und einen verzweifelten Blick auf den Krieg in der Ukraine. „Im Osten geht die Sonne auf, in Odessa leider nicht“, heißt eine Songzeile kurz vor der Pause und lässt die Zuhörer*innen bedrückt und nachdenklich zurück.
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Klaus Hoffmann füllt lässig zwei Stunden mit seiner Musik. Inklusive Pause war das Konzert gegen 22.30 Uhr zu Ende und schon vor den Zugaben gab es stehende Ovationen für diesen wundervollen, manchmal auch etwas skurrilen Künstler, der die Anwesenden mit sonorer Stimme und einer Atmosphäre zwischen Feierstimmung und Melancholie durchweg mitgenommen hatte.
Natürlich gab es nicht nur neue Songs. Auch viele Klassiker wurden zur Freude des Publikums eingestreut, beklatscht und auch textsicher mitgesungen. „Weil es dich gibt“, natürlich. „Wenn ich’s hier schaff, schaff ich’s überall“ und das wundervolle „Marieke“ als deutsch-flämische Coverversion von Jacques Brel. Auch die Ballade „Blinde Katharina“ war mit dabei und im Zugabenblock gab es mit „In meinem Kiez“ und „Derselbe Mond über Berlin“ zwei heimatverbundene Stücke über die deutsche Hauptstadt.
In der zweiten Hälfte ließen neue Stücke wie „Was dir dein Herz erzählt“ und der alte Lovesong „Wegen dir“ die Herzen schmelzen, aber damit es nicht zu rührselig wurde, ging zwischendurch die Publikumsbeschimpfung weiter („Sie lachen auch über jeden Mist“ – natürlich ganz liebevoll gemeint). „Wer achtet schon auf Erektionen?“, fragte Hoffmann unvermittelt. „Vielleicht Trump?“, gab er sich selbst zur Antwort und hatte alle wieder mit im Boot. „Bitte geh nicht fort“ als weiteres Brel-Cover passte dann auch als Wunsch der Fans, dass dieser Klaus Hoffmann noch lange weitermacht und die Menschen zum Nachdenken bringt. In Dudelange hat er das ganz sicher geschafft.
„Flügel“ wurde als 50. Album des Berliners beworben. Müde klingt er jedenfalls nicht. Vielmehr erweist Klaus Hoffmann sich als großer Geschichtenerzähler und feinsinniger Beobachter. Die Welt zeigt ihren verstörenden Charakter – seine Lieder aber tragen immer einen Hauch Zuversicht in sich. Bleibt zu hoffen, dass er Recht hat und uns noch lange mit solch schöner Musik beglückt.
Mit dem 1983er Livealbum „Bess demnähx“ begann meine Liebe zur Musik von BAP. Daher hat es bis heute einen großen Stellenwert – ebenso wie die kultigen Studioalben „Für usszeschnigge!“ (1981) und „Vun drinne noh drusse“ (1982). Es waren die ersten Nummer-1-Alben der Band als Vorhut der vielen, die noch kommen sollten.
Beide Alben sind längst zu einem Stück deutscher Rock-Geschichte geworden, sie wirken über Generationen, sind von zeitloser Bedeutung. In den Jahrzehnten danach gelang BAP eine einmalige Karriere mit zahlreichen herausragenden Alben und Songs für die Ewigkeit. Man vergisst das zu oft, weil Niedecken niemand ist, der sich mit solchen Erfolgen brüsten würde: Zwölfmal erreichten BAP bis heute den ersten Platz der deutschen Albumcharts, das haben sonst nur die Beatles geschafft.
Und so ist die Mission klar, mit der BAP momentan auf Tour sind: Kein Song der Setlist ist jünger als vierzig Jahre. Fans sind aus dem Häuschen und die Konzerte allerorten ausverkauft. Am Wochenende beispielsweise in der Arena Trier und im Mannheimer Rosengarten. Konzertlänge natürlich solide drei Stunden – das war bei BAP immer schon gesetzt und wird in der Liveszene höchstens noch vom „Boss“ Bruce Springsteen übertroffen.
Für viele Fans gibt es momentan die perfekte Setlist. Zum Glück wird die Tour auch noch open air durch die kleineren Stadien gehen, so beispielsweise im August 2025 in St. Wendel. Die Arrangements der meisten Stücke sind fluide bei größtmöglichem Respekt vor den Originalversionen und der damaligen BAP-Besetzung. Sie leben, wie die Lieder selbst. BAP sind keine Jukebox ihres eigenen Katalogs, das würde nicht zu einer Band passen, die vor allem an der Gegenwart interessiert ist. Die aktuelle Besetzung mit (unter anderen) Ulrich Rode, Sönke Reich, Werner Kopal und Michael Nass macht einen hervorragenden Job.
Was soll man zur Zusammenstellung der Show viel sagen? Am besten lässt man die Musik sprechen. Und die Setlist hat es in sich: „Koot vüür aach“ als Hommage an die Minuten vor dem Auftritt und die legendären „Südstadt, verzäll nix“ sowie „Nemm mich met“. Der Mundart-Rock ’n‘ Roll von „Waschsalon“ funktioniert wie eh und je. „Nit für Kooche“ ist der ultimative Anti-Karnevals-Hit. Immer noch.
„Müsli-Män“ und „Wenn et Bedde sich lohne däät“ laden zum Mitsingen ein, doch es gab auch ruhige, fein arrangierte Klassiker wie „Wellenreiter“, „Jupp“ und natürlich „Do kanns zaubre“. Ein Akustik-Set wurde dazu genutzt, auch die seltenen Balladen wie „Fuhl ahm Strand“, „Weisste noch?“ und „Eins für Carmen un en Insel“ zu spielen. „Kristallnaach“ ist aktuell wie vor vierzig Jahren und wurde wie „Verdamp lang her“ abgefeiert. In den Ansagen wetterte Wolfgang gegen die AFD. Bei seinem Publikum musste er nicht mit Widerspruch rechnen.
Wenn man dachte, dass die besten Songs doch alle raus sind, gab es noch „Anna“, „Wahnsinn“ und „Helfe kann dir keiner“. Die Band mit Anne de Wolff an Geige und Cello, Axel Müller am Saxofon, Johannes Goltz an der Posaune, Benny Brown an der Trompete – das ergibt einen satten Sound. „Pause, Zugabe, alles Quatsch“, hatte Wolfgang schon zu Beginn gesagt – und Wort gehalten: „Wir spielen die dreißig Stücke einfach durch“. Es gab Hintergrundgeschichten zu manchen Songs, aber nicht zu viele. Alle Anekdoten hätten den Abend definitiv gesprengt und sind besser im Programmheft nachzulesen. Das Publikum verließ nach drei Konzertstunden beseelt die Halle – ja, so wollte man BAP nochmal erleben. Mission erfüllt!
Alle Fotos vom Konzert in Trier, 16.11.2024 – Credit: Simon Engelbert, PHOTOGROOVE