Eine emotionale Reise durch eine lange Karriere – Howie am 17.3. in Trier
Howard Carpendale hat eine bewegende Karriere hinter sich. Nach erfolglosen Versuchen als Beat-Sänger und Presley-Imitator erhielt er 1966 seinen ersten Plattenvertrag bei der Electrola und wurde über Nacht zum Star. Das ist jetzt 60 Jahre her – und im Januar feierte Howie seinen 80. Geburtstag. Genug Grund zum Feiern! Und wie sollte man das anders tun, als mit einer ausgedehnten Abschiedstournee, die ihn am 17. März in die SWT Arena Trier führte.
Natürlich war die Halle mit 4.500 Zuschauer*innen ausverkauft. Alle wollten ihn nochmal sehen, denn neben Roland Kaiser ist der in Südafrika geborene Schlagersänger der letzte Große aus einer alten Garde von Schlagersängern, die durch die ZDF-Hitparade zu regelmäßigen Gästen in deutschen Wohnzimmern wurden. Und ganz ehrlich? Man merkte ihm sein hohes Alter fast gar nicht an. Charmant wie immer, mit viel Emotionalität und einer sonoren Stimme, die zeitlos perfekt und stimmgewaltig klang.
Das Setting war großartig und die Show sehr aufwendig gestaltet. Eine 15köpfige Band begleitet ihn durch die größten Hallen Deutschlands. Gitarren, Keyboard, Schlagwerk, ein großes Aufgebot an Blechbläsern, drei Menschen im Backgroundgesang – dabei auch das einzige weibliche Bandmitglied. Ein großer Scheinwerferkranz hing wie ein Heiligenschein über der Bühne und es gab eine riesige LCD-Wand im Hintergrund, die alles in Großaufnahmen einfing.

Nach einem instrumentalen Intro startete Howie mit „Let’s Do It Again!“, quasi dem programmatischen Motto der Tour. Prompt erhoben sich alle Fans von ihren Sitzplätzen und es wurde abgefeiert. Bei „Ist ein Leben genug“ wurde es erstmals ganz emotional und der Sänger bedankte sich warmherzig bei seinem Publikum: „Was wäre ich ohne euch?“ Das gab man gern zurück und schmetterte lauthals mit, als sich der Song „Hi“ mit Tina Turners „The Best“ vermischte. Für viele Anwesende ist Carpendale ganz klar die Nummer eins.
Er war äußerst redselig, berichtete von seiner Familie, von der Frau, mit der er seit 46 Jahren zusammen ist und von seinem Sohn Wayne, der sich in Trier im Publikum befand. Sein Monolog und die Gedanken waren sehr authentisch. Die Band fing ihn auf, wenn es wie bei „Wenn ich könnte wie ich wollte“ mal einen kleine Texthänger gab, und der Backgroundgesang stützte ihn jederzeit, auch wenn das gar nicht nötig war. Die jugendliche Frische im zuweilen mehrstimmigen Gesang tat der Show jedenfalls gut.
In großer Trauer erzählte Howie von seiner Bekanntschaft mit Udo Jürgens und sang als Hommage eine umgetextete Version von „Ich war noch niemals in New York“, die im neuen Text viele Songtitel des großen Österreichers enthielt. Damit war der Umschwung zu den Gassenhauern gelungen und es ging weiter mit „Tür an Tür mit Alice“. Da man ohnehin nicht mehr verhindern kann, dass manche Fans die Ballermann-Version mit „who the fuck is Alice“ grölen, wurde diese Zeile einfach in den Song integriert. Da bleibt Carpendale gelassener als sein Kollege Roland Kaiser bei „Joana“.
Die erste Halbzeit war ein gelungenes Happening aus neuen und alten Hits. Nach einer guten Stunde ging es in die Pause und man konnte rundrum erkennen, wie zufrieden das Publikum war. Und dann drehte der 80jährige zu Beginn der zweiten Hälfte voll auf und ließ „Hello again“ auf die Fans los. Für viele gab es kein Halten mehr und man stürmte in Scharen zur Bühne, doch dafür war es noch zu früh. Die Ordner waren angehalten, alle auf die Plätze zurückzuschicken.

„Das ist unsere Zeit“ und „Das alles bin ich“ hießen zwei ganz persönlich gehaltene Songs. Durch ein Zusammenrücken der Band wurde für „Ihr Großen dieser Erde“ (als Aufruf zu Frieden und Zusammenhalt), „Schade“ und dem rührenden Abschiedssong „Du bist doch noch hier“ eine kuschelige Atmosphäre geschaffen. Ein Zuschauer wollte mehr Action und rief penetrant „Ti amo“, doch Howie blieb cool, entgegnete „Ich dich auch“ und baute den Set weiter auf.
Zum umjubelten „Samstag Nacht“ durften dann doch alle nach vorn zur Bühne. Hier ging die Party jetzt jubelnd und tanzend in die Vollen. Ja, tatsächlich wurden dem alten Herrn auch ein paar Schlüpper auf die Bühne geworfen. Titel wie „Ruf mich an“, „Deine Spuren im Sand“, „Laura Jane“ und „Das schöne Mädchen von Seite 1“ wurden als Medley dargeboten. Mit dem Abschluss „Nachts, wenn alles schläft“ war dann der Hauptset beendet.
Das Spielchen mit „Runter von der Bühne – rauf auf die Bühne“ schenkten sich Band und Sänger. Die vier Zugaben folgten Schlag auf Schlag. Zuerst der neue Hit „Sophia Loren“, den Howard mit den kultigen Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys in die Charts brachte, die Superhits „Dann geh doch“ und natürlich „Ti amo“! Danach stimmte der ganze Saal „Ti amo“ nochmal a cappella an und ging in „Oh wie ist das schön“ über. Howie war sichtlich gerührt und interpretierte seine „Symphonie meines Lebens“ ganz allein zum Piano.
Das Programm war hervorragend zusammengestellt. Es umfasste seine größten Hits ebenso wie persönliche Highlights, die Carpendale, Generationen von Fans und ein ganzes Genre über Jahrzehnte hinweg geprägt haben. Modern inszeniert, mit beeindruckender Bühnenshow und emotionalen Momenten, wurde das Konzert zu einer musikalischen Zeitreise durch das Lebenswerk des Ausnahmekünstlers.





