Seit Mitte Oktober läuft der Zeichentrickfilm „Meine Chaosfee & ich“in den Kinos. Die Geschichte der charmanten deutsch/luxemburgische Koproduktion kann man auch als Hörspiel auf CD erleben.
Violetta ist eine neugierige und freche kleine Fee, die aber leider nicht besonders gut zaubern kann und deshalb immer wieder durch die Prüfung zur Zahnfee fällt. Um endlich auch mal in die Menschenwelt zu kommen, klaut sie einfach einer anderen Zahnfee den Auftrag und landet so bei der 12–jährigen Maxie. Diese will aus der großen Stadt unbedingt zurück in ihr altes Zuhause auf dem Land und hofft, dass Violetta ihr dabei helfen kann. Stattdessen muss sie aber der kleinen Fee helfen, ein Portal zurück in die Feenwelt zu finden. Dabei erleben die beiden ein turbulentes Abenteuer und retten nebenbei auch noch eine der letzten grünen Oasen in der Stadt.
Gesprochen werden die Figuren im Hörspiel von den deutschen Sprechern des Kinofilms, ergänzt durch Thomas Karallus als Erzähler. Vor allem Jella Haase als Violetta und Lisa-Marie Koroll als Maxie überzeugen hier auch rein akustisch und lassen den Hörer die Geschichte mit Spannung verfolgen. Ab und zu kommt es aber zu etwas abrupten Handlungssprüngen, die wahrscheinlich im Film besser nachvollziehbar sind.
Musikalisch wird das Hörspiel mit dem „Zahnfee-Song“ aufgepeppt, der die Zahnfeeprüfung begleitet, und zum Abschluss gibt es den schönen Titelsong „Das Licht wird scheinen“, gesungen von Nadine Sieben,in voller Länge zu hören.
Die kleinen Fans von „Meine Chaosfee & ich“ wird diesesliebevoll produzierte Hörspiel sicher begeistern, bietet es doch die Gelegenheit, die Geschichte mit den vertrauten Stimmen zuhause immer wieder aufs Neue mitzuerleben.
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Wer denkt bei Moka Efti nicht zuerst an das legendäre Tanzhaus in Berlin, dessen Glanzzeitaktuell wieder in der 3. Staffel der Fernsehserie Babylon Berlin auflebt? Und tatsächlich wurde das Moka Efti Orchestra ursprünglich als Big Band für die erste Staffel dieser Serie zusammengestellt. Über die Jahre sind die Musiker jedoch zusammengewachsen und haben sich als unabhängiges Ensemble längst von Babylon Berlin emanzipiert. Mit ihrem zweiten Album „Telegramm“ veröffentlichen sie nun ein komplett eigenständiges Werk.
Die drei Gründungsmitglieder Sebastian Borkowski, Nikko Weidemann und Mario Kamien haben zunächst allein komponiert, arrangiert und an den Demos gearbeitet. Für die Aufnahmen holte man sich dann wieder die große Besetzung ins Studio – schließlich lebt die Musik des Moka Efti Orchestra von vielseitigen Arrangements und einem fulminanten Bläsersound. Da darf das Ensemble zum Auftakt dann auch gleich mit demswingenden Instrumentalstück „Tresor Unser“ glänzen. Es folgt eine musikalische Reise, die das Lebensgefühl vergangener Jahrzehnte in unsere Zeit holt und mühelos Eigenkompositionen wie „Bedeutend“ oder „Dog Gone Love“ mit Klassikern wie dem Brecht/Weill-Song „Surabaya Jonny“ verbindet.
Fotocredit: Joachim Gern
Mit Weidemann und Kamien verfügt das Ensemble über zwei überzeugende Sänger, aber auch an Gastsängern wurde nicht gespart. Schauspielerin und Musikerin Severija, die das Moka Efti Orchestra auch auf der diesjährigen Tour begleitet, veredelt das rhythmische „Join The Club“ und betört im Duett mit Friedrich Liechtenstein beim sinnlichen „Turquoize“. Clemens Rehbein, der Sänger von Milky Chance, schrieb gemeinsam mit Weidemann das beschwingte „Last Chance Sweet Valentine“ und übernahm auch gleich den Gesangspart. Und Roland Satterwhite, eigentlich der Geiger des Ensembles, tauscht für „We Can Stop The Show“ sein Instrument gegen das Lead-Mikro. Zum Abschluss entführt Karsten Troyke mit „Ein Ballade“ in die wehmütige Welt des jiddischen Liedes.
Auch wenn „Telegramm“ nicht als Filmmusik komponiert ist, so erzeugen die einzelnen Stücke doch imaginäre Bilder und besondere Stimmungen – man findet sich gedanklich mal in einer verrauchten Bar, mal vielleicht tatsächlich auf der Tanzfläche des Moka Efti wieder. Und man spürt, dass in diesem Album unglaublich viel musikalische Erfahrung aller Beteiligten steckt, die sich beim Moka Efti Orchestra zu einem beeindruckendem Hörerlebnis zusammenfügt!
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Noch müssen sich die Lebkuchen in den Geschäften den Platz mit den letzten Kürbissen teilen – aber die Weihnachtsstimmung ist definitiv nicht mehr aufzuhalten. Und sie verbreitet sich nicht nur auf diversen Weihnachtsalben, sondern natürlich auch in neu erscheinenden Büchern – wie beispielsweise in diesem bezaubernden kleinen Roman von Felicity Pickford.
Das Hotel „24 Charming Street“ auf der Isle of Skye hat einen ganz besonderen Weihnachtsbrauch: Jedes Jahr wird über die Feiertage ein Gast auf Kosten des Hotels in die Weihnachtssuite eingeladen, welcher im Jahr davor aus den Vorschlägen der Stammgäste zufällig ausgewählt wird. Uns so durften neben bekannten Persönlichkeiten auch schon Muschelfischer oder Putzfrauen den Komfort dieses kleinen Grand Hotels genießen. In diesem Jahr soll eigentlich der ehemals berühmten Pariser Chansonnière Odile Tourée diese Ehre zuteilwerden, aber stattdessen wird die junge Kate,die es eigentlich nur zufällig auf die Insel verschlagen hat, für den Weihnachtsgast gehalten.
So die Ausgangslage für eine Reihe von Verwicklungen, bei denen neben Kate auch eine geheimnisvolle ältere Lady, ein junger Page, der dienstälteste Portier des Hotels, ein verschwundenes Collier und nicht zuletzt die Musik wichtige Rollen spielen.
Felicity Pickford beschreibt die Ereignisse aus der Sicht des allwissenden Erzählers und erlaubt sich zwischendurch Andeutungen über den Fortgang der Geschichte. Dies sorgt zwar teilweise für Spannung, manche Entwicklungen sind aber auch recht vorhersehbar. Allerdings handelt es sich bei „Weihnachtswunder im kleinen Grand Hotel“ ja auch nicht um einen Thriller, sondern eher um leichte Lektüre. Die Erzählsprache ist den vornehmen, aber auch etwas altmodischen Gepflogenheiten eines traditionell geführten Hotels angepasst. In einem interessanten Kontrast dazu steht die flapsige Ausdrucksweise von Kate, die eigentlich so gar nicht in das Ambiente des „24 Charming Street“ passt.
Wie sich am Ende alles auflöst, ist nicht wirklich überraschend und vielleicht sogar eine Spur kitschig. Aber wer sich gerne über die Feiertage in eine heile Weihnachtswunderwelt entführen lässt, ist mit diesem Buch bestens bedient. „Weihnachtswunder im kleinen Grand Hotel“ ist nach „Willkommen im kleinen Grand Hotel“ übrigens bereits der zweite Band der Autorin über das „24 Charming Street“, wobei beide Bücher aber eigenständige Geschichten erzählen.
Manchmal flattert mir ein Album auf den Schreibtisch, dass mich schon begeistert, bevor ich mir überhaupt einen Ton davon angehört habe. So ging es mir aktuell mit„Vielfalter“, dem in Eigenregie produzierten Debüt des Kölner Musikers Jens Digel.Dieses bezaubert schon auf den ersten Blick mit seinem fantasievollen Cover, überrascht dann mit einer entzückenden Art der CD-Präsentation beim Öffnen der plastikfreien Jakebox, und nicht zuletzt macht das liebevoll formulierte Vorwortim Booklet neugierig auf den Inhalt.
Glücklicherweise kann dieser mit der Verpackung absolut mithalten! Jens Digel präsentiert hier 13 vielfältige Kinderlieder, die in den Jahren seines musikalischen Schaffens entstanden sind und die er nun mit verschiedenen Musikern arrangiert und aufgenommen hat. „Der Vielfalter“, ein verträumter Song über Gemeinschaft, Kreativität und Vielfalt, wird dabei zum Leitmotiv für das ganze Album. „Fantasie“ heißt nicht nur das erste Lied, fantasievolle Ideen und kreative Wortspiele finden sich in allen Stücken. Da werden „Mogelvogel und Siegertiger“ besungen, „Das kleine schwarze Schaf“ bekommt Gesellschaft vom pinken Stinketier und vom kunterbunten Hund, und was machen wohl „Nick und Pick“ bei schönem Wetter? Natürlich ein Picknick!
Alle Songs sind anspruchsvoll und vielseitig mit akustischen Instrumenten arrangiert. Kinderstimmen unterstützen immer wieder den angenehmen Gesang Digels und vermitteln bei jungen Hörern Spaß am Mitsingen und Mitmachen. Aber so wie die lustigen Texte bestimmt die meisten Kinder begeistern, können sie auch Erwachsenen zum Schmunzeln oder Nachdenken bringen – und mit „Cappuccino“ ist sogar ein richtiges Elternlied dabei. So macht der Musiker im besten Sinne Lieder für alle.
Ob sich um die Melodie von „Diese kleine Lied“ verspielt die Töne von Geige, Klavier und Cello herumwinden, zum Geburtstagsständchen „Pustekuchen“ eine Trompete jubiliert oder zum Schluss die „Schlaftiere“ mit einem sanften Glockenspiel ins Land der Träume begleitet werden – jedes Stück hat seinen ganz eigenen Charme. Alle Texte kann mit Booklet nachlesen und die passenden Kunstwerke dazu bewundern. Und am Ende gibt es noch eine Anleitung, um einen eigenen Vielfalter zum Leben zu erwecken.
„Vielfalter“ bezaubert also nicht nur auf den ersten Blick, sondern überzeugt nachhaltig! Bestellen kann man dieses Gesamtkunstwerk direkt auf der Website des Musikers www.jensdigel.de
Mit seinem Epos „Das Lied von Eis und Feuer“ hat George Martin eine faszinierende Welt erschaffen, die nicht nur viele Leser, sondern in der Verfilmung als Fernsehserie „Game of Thrones“ auch unzählige Zuschauer in ihren Bann zog. Die Geschichte des Herrschergeschlechts der Targaryens, das die Geschicke des Kontinentes Westeros bis zur Machtübernahme von Robert Baratheon über Jahrhunderte prägte, wurde in den bisherigen Büchern immer wieder bruchstückhaft angedeutet. Nun erzählt George Martin in Feuer und Blut erstmals die komplette Vorgeschichte zu „Das Lied von Eis und Feuer“ – beginnend mit der Unterwerfung der sieben Königslande durch Aegon den Eroberer.
Das Buch ist nicht als klassischer Roman angelegt, sondern als „Chronik der Targyaryen-Könige von Westeros – verfasst von Erzmaester Gyldayn (in der Niederschrift von George R.R. Martin)“. Aber natürlich beschränkt sich der Autor nicht auf die bloße Aufzählung von Daten und Fakten, sondern schmückt die Geschichte mit allerlei Hintergrundinformationen aus und spart auch nicht mit blutigen oder anrüchigen Details. Und auch wenn Martin in Westeros eine sehr patriarchalisch geprägt Gesellschaft erschaffen hat, so stellt er den Königen und Kämpfern doch immer wieder sehr starke Frauenfiguren zur Seite oder gar in den Mittelpunkt – auch wenn es leider keine dieser Frauen jemals auf den Eisernen Thron schafft.
Das Erste Buch von „Feuer und Blut“ deckt eine Zeitspanne von etwa 140 Jahren ab, und schon hier verliert man als Leser auf den fast 900 Seiten leicht den Überblick über die vielen Personen, Kriege und Intrigen. Da ist es verständlich, dass sich die aktuelle HBO-Verfilmung „House of the Dragon“ auf eine überschaubarere, aber durchaus ereignisreiche Zeitspanne konzentriert, die etwa 100 Jahre nach Aegon dem Eroberer mit der Regierungszeit von König Viserys I. beginnt und in einen blutigen Krieg um den Eisernen Thron mündet. Und auch hier steht wieder eine starke Frau im Zentrum der Ereignisse – Viserys erstgeborenen Tochter Rhaenyra, die von ihm als Erbin eingesetzt wird, ihren Anspruch aber gegen ihren jüngeren Halbbruder Aegon II. durchsetzen muss. Als Leser hat man hier natürlich einen Wissensvorsprung gegenüber den Zuschauern der Serie, kann sich aber auch auf einige Überraschungen gefasst machen, da das Drehbuch aus dramaturgischen Gründen öfter von der Vorlage abweicht.
Dem durchschnittlichen Game of Thrones- Fan wird wahrscheinlich mit der HBO-Serie genügend Action und Information geboten. Wer sich jedoch für die genaueren Zusammenhänge und die umfassenden geschichtlichen Hintergründe der Ereignisse in Westeros interessiert, liegt mit „Feuer und Blut“ genau richtig – und wird nach der Lektüre wohl gespannt das zweite Buch erwarten!
Am 14. Dezember 2022 erscheint übrigens eine Neuauflage des Wälzers als prachtvoller Bildband mit 200 farbigen Illustrationen!
Jede Generation hat ihre eigenen Hits – aber manche Musik ist auch zeitlos und verbindet verschiedene Generationen. Für die großen klassischen Komponisten gibt es einiges an Material, um ihre Werke auch Kindern schon nahezubringen. Der Bereich der Populärmusik ist hier aber noch unterrepräsentiert. Zum Glück füllen William Wahl und Wilm Lindeblatt mit ihrer Reihe „Ella & Ben“ nun diese Lücke. Bereits erschienen sind die beiden Bilderbücher „Ella & Ben und die Beatles“ sowie „Ella & Ben und ABBA“.
Ella und Ben sind Geschwister und leben in einer ganz normalen Familie, in der viel Musik gehört wird. Und wenn an einem verregneten Nachmittag Papa eine seiner alten Schallplatten von den Beatles auflegt, erzählt er den Kindern natürlich auch von dieser tollen Band. Gemeinsam mit Ella und Ben erfahren wir, wie die Beatles entstanden sind, hören von ihren ersten Erfolgen und den großen Hits, den verschieden Phasen ihrer Karriere und auch von der Trennung der Band.
Natürlich haben die Geschwister jede Menge Zwischenfragen, so dass die von William Wahl erzählte Geschichte sehr lebendig und kindgerecht rüberkommt. Die farbenfrohen Illustrationen von Wilm Lindenblatt ergänzen das Ganze wunderbar und bieten viele schöne Details. So tauchen auf den Bildern Ella und Ben selbst in die Geschichte der Beatles ein und sitzen etwa im gelben U-Boot oder stehen vor den Toren des Waisenhauses „Strawbery Field“.
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Im zweiten Band ist es Mama, die zu den Klängen von „Mamma Mia“ von der Gruppe ABBA erzählt, während Papa eine angebrannte Lasagne retten muss. Hier erfahren wir spannende Details zu den vier Musikern, die alle bereits vor ihrer Karriere mit ABBA musikalisch erfolgreich waren, und begleiten sie auf ihrer Reise von „Waterloo“ beim Grand Prix mit tollen Glitzerkostümen bis zu „Fernando“ am Lagerfeuer und der aktuellen Wiedervereinigung der Band.
Neben den einfach schön und interessant erzählten Geschichten, bei denen man auch als Erwachsener noch einiges über die Beatles oder ABBA erfahren kann, überzeugen die Bücher von „Ella & Ben“ auch mit liebevollen Kleinigkeiten. So werden die Familienmitglieder mit unterschiedlichen Hautfarben dargestellt, so dass sich Kinder verschiedenster Herkunft mit den Figuren im Buch identifizieren können. Und es gibt vor allem am Ende immer eine positive Botschaft – etwa dass man sich nach einem Streit auch vierzig Jahre später noch versöhnen kann. Mein persönlicher Lieblingssatz steht am Ende des ersten Bandes und bringt für mich gleichzeitig auf den Punkt, warum diese Bücher in jeder Familie vorgelesen werden sollten: Ja, die Musik bleibt.
Hoffentlich wird die Reihe noch um viele weitere tolle Musiker und Bands ergänzt!
Fotocredit: William Wahl by Axel SchultenFotocredit: Wilm Lindenblatt by Lizz Lunney
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Seine Lieder prägten ganze Generationen und werden immer wieder in den Kitas, Schulen und Wohnzimmern dieses Landes gesungen. Im Mai wurde Rolf Zuckowski 75 Jahre alt und veröffentlichte zu diesem Anlass seine Autobiographie „Ein bisschen Mut, ein bisschen Glück“, mit der er aktuell auf Leserreise ist (HIER unsre Rezension zu Buch und aktueller CD). Am 31. 08.2022 machte der Künstler mit seiner musikalischen Lesung Station im Kloster Machern in Bernkastel-Kues.
Dass Rolf Zuckowski mit Bernkastel-Kues und vor allem mit Hermann Lewen, dem langjährigen Intendanten der „Mosel Festwochen“ (heute: „Mosel Musikfestival“), eine besondere Freundschaft verbindet, wird bereits bei der Begrüßung durch den Bürgermeister deutlich. Lewen ermöglichte dem Kinderliedermacher vor fast 40 Jahren erstmal Auftritte an mehreren Tagen hintereinander in der Mosellandhalle und organisierte 1988 mit ihm das große Familienfestival „Tage voller Glücksminuten“ im Kurpark.
Den Abend eröffnet Zuckowski mit „Du brauchst ein Lied“, aus dem er das Zitat „Ein bisschen Mut, ein bisschen Glück“ als Titel für seine Autobiographie entnommen hat. Und auch wenn er danach die Gitarre wieder zur Seite stellt und tatsächlich erstmal aus seinem Buch vorliest, bleibt es doch sehr musikalisch. Denn immer wieder stimmt er Lieder an – ob aus Kindheitserinnerungen, Jugendzeiten oder seine eigenen Kompositionen – und animiert das Publikum zum Mitsingen. Auf einer Leinwand werden passende Bilder oder auch mal Filmmaterial gezeigt. So lässt uns Zuckowski an seinen ersten Erfolgen mit der Schulband „The Beathovens“ teilhaben, oder an den Grand-Prix-Auftritten der Schweizer Gruppe „Peter, Sue & Marc“, für die er damals als Komponist tätig war.
Tatsächlich gelesen wird eher wenig – Zuckowski erzählt viel lieber frei aus seinem Leben, greift immer wieder zur Gitarre und springt auch mal im geplanten Ablauf hin und her. Sein persönlicher Bezug zur Region spielt an diesem Abend eine große Rolle. So holt er Hermann Lewen auf die Bühne, um sich mit ihm an die ersten gemeinsam geplanten Konzerte zu erinnern und zeigt auch Film- und Tonmaterial von seinem letzten großen Auftritt in der Region mit dem Kinderchor „Über Brücken“ und der großartigen Julia Reidenbach in der Arena Trier. Aber natürlich dürfen auch weitere Meilensteine seiner Karriere nicht fehlen, wie „Rolfs Vogelhochzeit“ oder die Zusammenarbeit mit Peter Maffay bei „Tabaluga“ – hier lässt Zuckowski das Publikum sehr stimmungsvoll „Nessaja“ singen. Und am Ende des Abends gibt es auch noch „In der Weihnachtsbäckerei“.
Rolf Zuckowski überzeugt hier nicht nur als immer noch toller Musiker, sondern als sehr sympathischer und bodenständiger Mensch, dessen Lebensgeschichte man gerne lauscht. Bereits vor dem Auftritt, in der Pause und danach nimmt er sich Zeit, sein Buch zu signieren, mit den Menschen zu sprechen und Fotos zu machen. Und so gehen nach diesem Abend wohl alle Beteiligten erfüllt und zufrieden nach Hause.
Eltern-Playlist:
Rolfs Tochter Anuschka Zuckowski hat eine Elternplaylist zusammengestellt, in der sie die Vielfalt des Elternseins zum Ausdruck bringt, aber auch Lieder voller Trost und Hoffnung in unruhigen Zeiten aufnimmt, die für Familien von Bedeutung sein können. Auf diese Playlist hat Rolf während seiner Lesung mehrfach hingewiesen.
Eröffnet wird die Playlist „Willkommen im Leben – Der Eltern-Soundtrack“ mit einer ganz besonderen Single, einem Lied, das die Tochter Rolf Zuckowskis ihrem Vater zum 75. Geburtstag schenkte und ihm am Telefon vorspielte: „Zum Leben geboren“. Rolf Zuckowski war von der Neuaufnahme seines Liedes von 1983 überrascht und tief berührt. Das Original entstand in bewegten und verunsichernden Zeiten (u.a. Nato-Doppelbeschluss) vor der Geburt von Anuschkas jüngerem Bruder Andreas. In heute wiederum sehr bewegten Zeiten bekommt das Lied in seiner Neufassung neue Aktualität.
„Willkommen im Leben – Der Eltern-Soundtrack“ ist ab sofort auf vielen Streamingplattformen zu finden: HIER. Und ebenso ist die neue Single „Zum Leben geboren“ auf allen Plattformen erhältlich.
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Der Titel des aktuellen Albums von Vanessa ist äußerst passend gewählt. Denn „Metamorphose“ ist das Ergebnis eines Weges, auf dem sich die talentierte Sängerin von ihren Anfängen in der Schlagerwelt immer mehr emanzipiert und ihren eigenen Stil entwickelt hat.
Die Metamorphose ist natürlich musikalisch erkennbar – der Sound des Albums bewegt sich zwischen modernem Pop und Dance, mit Ausflügen zu Hip-Hop und Rap. Noch deutlicher wird die Verwandlung von Vanessa Mai aber in den Texten, an denen sie auch immer selbst mitgeschrieben hat. Denn während sich diese auf vorherigen Alben noch ganz gut in die heile Schlagerwelt eingefügt haben, erzählt die Sängerin nun mit recht offenen Worten auch von ungesunden Beziehungen wie in „Süchtig“ oder „Melatonin“ oder von ziemlich unanständigen „Summer Nights“. Und ziemlich emotional besingt sie das drohende oder auch endgültige Ende einer Liebe in „Bitte geh nicht“ und „Aus & Vorbei“.
Fotocredit: Daniel Graf
Das Album ist deshalb aber keineswegs düster oder melancholisch. Dagegen sprechen schon die Beats, die die meisten Songs äußerst tanzbar machen. Und natürlich gibt es positive Songs wie das optimistische „747“, das verliebte „Zehenspitzen“ oder die Partynummer „Stadtbezirk“. Vanessa hat sich auch stimmkräftige Unterstützung ins Studio geholt. Sido besingt mit ihr gemeinsam ein „Happy End“,das keines ist; Rapper Civo begleitet sie bei „Schwarze Herzen“ und Mike Singer übernimmt in der Ballade „Als ob du mich liebst“ eine tragende Rolle. Den Abschlusstitel „Unendlich“ bestreitet Vanessa schließlich gemeinsam mit Kollegin Andrea Berg und einem Kinderchor – und hier kommt dann doch wieder Schlagerfeeling auf.
Insgesamt wird auf „Metamorphose“ aber mehr als deutlich, dass aus dem netten Schlagersternchen Vanessa Mai endgültig eine selbstbewusste starke Frau geworden ist. Und auch wenn ihre neuen Songs nicht immer meinen persönlichen Musikgeschmack treffen, habe ich sehr viel Sympathie und Respekt für diese Künstlerin, die erfolgreich ihren eigenen Weg geht.
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Mit „Tulip Drive“ veröffentlicht der amerikanische Musiker Jimmie Allen bereits sein drittes Album in vier Jahren und setzt seine Erfolgsgeschichte in beeindruckender Weise fort. Wieder einmal sind seine eigenen Wurzeln Grundlage für den Albumtitel: Im Tulip Drive lebte seine Großmutter, die vor allem in seiner Jugend ein wichtiger Mensch für ihn war. Und die verschiedensten Erfahrungen seiner Highschool- und Collegezeit sind auch die Grundlage für die neuen Songs.
Vom countrymäßigen Gute-Laune-Opener „Be Alright“ über das rockige „Kissing You“ bis zur eindringlichen Pianoballade „Habits & Hearts“ beherrscht der Singer /Songwriter die ganze Bandbreite des Pop und beweist einmal mehr, dass gute Musik vielseitig ist und sich nicht zwingend in Schubladen stecken lässt. Und so wie er ein Talent für gute Melodien und Arrangements hat, so findet er auch die richtigen Worte. Ob er in „Love In the Living Room“ vom Rauch der ersten großen Liebe oder in der ersten Single „Down Home“ von prägenden Erfahrungen mit seinem verstorbenen Vater singt – Jimmie überzeugt, begeistert und berührt mit seinen Songs.
Fotocredit: Shea Flynn
Wie auf dem Vorgängeralbum „Betty James“ (HIER unsre Review) macht aber auch auf dem aktuellen Album die Zusammenarbeit mit verschiedenen anderen Künstlern einen besonderen Reiz aus. So unternimmt Jimmie gemeinsam mit CeeLo Green und T-Pain in „Pesos“ einen Ausflug in lateinamerikanische Gefilde, singt mit der großartigen Jennifer Lopez das gefühlvolle Duett „On My Way“ und hat beim melancholischen, aber dennoch tanzbaren „Broken Hearted“ die Sängerin Katie Ohh an seiner Seite.
Bis zum Abschlusstitel „You Won´t Be Alone“, einem wunderbaren Versprechen des Sängers an seinen Sohn Aadyn, dürfen wir Jimmie Allen auf „Tulip Drive“ bei einer spannenden und unterhaltsamen musikalischen Reise begleiten – die hoffentlich auch in Zukunft noch lange weitergeht!
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Seit über 25 Jahren ist Alanis Morisette erfolgreich im Musikgeschäft unterwegs und gilt als eine der einflussreichsten Songwriterinnen unserer Zeit. Neben ihrer musikalischen Arbeit engagiert sie sich für psychische Gesundheit, Selbstbestimmung und körperliches und seelischen Wohlbefinden – insbesondere von Frauen. Meditation ist dabei eine Methode, die sie auch persönlich nutzt und die ihr gerade in den schwierigen Zeiten der Corona-Pandemie geholfen hat. Insofern ist es nur konsequent, dass sie mit „The Storm Before The Calm“ nun erstmals ein Album mit Meditationsmusik veröffentlicht.
Um jeglichen falschen Erwartungen vorzubeugen: Es handelt sich hier wirklich um ein Meditationsalbum und nicht etwa um besonders meditative neue Songs der Künstlerin. Alanis setzt in den insgesamt elf Meditationen, die sie gemeinsam mit Dave Harrington komponier hat, zwar auch ihre Stimme ein, aber eher wie ein zusätzliches Instrument und ohne Text oder klare Melodieführung.
Die Titel wie „Light – The Lightworker’s Lament“ oder „Explore – The Other Side Of Stillness“ geben die Richtung vor, in die die hauptsächlich instrumental gestalteten Meditationen führen. So verkörpert „Awakening – In Between Thoughts“ mit sanften Klängen perfekt den träumerischen Zustand zwischen Schlaf und Erwachen und „Hearts – Power Of A Soft Heart“ überzeugt mit einem beruhigenden und stärkenden Leitmotiv. Eher ungewöhnlich für Meditaitonsmusik ist „Mania -mResting In The Fire“ mit seinen intensiven und teils verstörenden Rhythmen. Im Kontext der anderen Titel, und vor allem mit dem folgenden besänftigenden „Vapor – Amplified In Stillness“ macht es jedoch durchaus Sinn.
Um das Album tatsächlich zur Meditation nutzen zu können, fehlt mir persönlich die gesprochene Anleitung, die ich von meinen wenigen bisherigen Erfahrungen mit Meditationen gewohnt bin. Menschen mit Erfahrung in der Thematik haben hier wahrscheinlich einen anderen Zugang. Aber auch ohne spezielle Erfahrung sind die meisten Titel wunderbar zum Entspannen und Gedanken fließen lassen geeignet. Enttäuscht werden aber wohl Fans, die „The Storm Before The Calm“ mit anderen Alben von Alanis Morisette vergleichen und einen Unterhaltungswert erwarten.
Die amerikanische Songwriterin Mary Gauthier hat nach durchaus schwierigen Zeiten in ihrem Leben Ende der 90er zur Musik gefunden und inzwischen bereits acht Studioalben veröffentlicht, von denen das 2018 erschienene „Rifles & Rosary Beads“ sogar für einen Grammy nominiert wurde. Ihr aktuelles Werk „Dark Enough To See The Stars“ überzeugt nun erneut mit emotionalen und atmosphärischen Songs und tiefgehenden Texten.
Bevor ich die CD gehört habe, haben mich bereits der wunderbar poetische und philosophische Titel und das dazu passende Artwork angesprochen. Ja, es muss dunkel um uns sein, damit wir die Sterne sehen können – und manchmal bringen gerade Dunkelheit und Trauer wunderbare Musik hervor. So findet Mary Gauthier in “How Could You Be Gone“ und „Where Are You Now“ die richtigen Worte und Töne, um Verzweiflung und Fassungslosigkeit angesichts des Verlustes geliebter Menschen auszudrücken. Im Titelsong „Dark Enough To See The Stars“ erwächst aus der Trauer dann aber auch Trost und Hoffnung.
Fotocredit: Alexa Kinigopoulos
Nun gibt es auf dem Abum aber keineswegs nur traurige Stücke. Der Opener „Fall Apart World“ ist ein hoffnungsvolles Bekenntnis zu Liebe und persönlichem Glück in einer unruhigen Welt, und in „Amsterdam“ und „The Meadow“ besingt Mary besondere Plätze, die mit dem richtigen Menschen zu sicheren kleinen Inseln werden können. „Thank God For You“ ist ein zutiefst empfundener Dank an die Person, die ihr in ihrem bewegten Leben Halt gibt, und mit dem Abschlusstitel „Till I see You Again“, schließt sich die Künstlerin der Tradition der irischen Segenswünsche an. Musikalisch bewegen sich die Arrangements zwischen Country und Folk, dominiert von Marys rauchigem Gesang und akustischen Gitarren. Ergänzend kommen Keyboard, Bass und harmonische Backing Vocals dazu, und mal sorgen Streicher, mal Steel-Gitarren für besondere Akzente.
Äußerst passend ist auch die Aufmachung: Das auf den ersten Blick unscheinbare Digipack enthält statt eines Booklets ein auffaltbares Mini-Poster, das auf der einen Seite die Songtexte enthält, und das auf der anderen Seite sehr farbenfroh gestaltet das Zitat von Martin Luther King zeigt, auf dem der Albumtitel basiert. Mit „Dark Enough To See The Stars“ ist Mary Gauthier so ein rundum überzeugendes und berührendes Werk gelungen – und wer nicht vorher schon ein Fan war, hat mit diesem Album die besten Chancen, einer zu werden!
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Seine Lieder prägten ganze Generationen und werden immer wieder in den Kitas, Schulen und Wohnzimmern dieses Landes gesungen. Im Mai 2022 wird Rolf Zuckowski 75 Jahre alt und nutzt dieses Jubiläum für einen besonderen Rückblick. In der Autobiographie „Ein bisschen Mut, ein bisschen Glück“ erzählt er von seinem musikalischen Leben, und mit der Doppel-CD „Meine Hits und Herzenslieder“ liefert er auch gleich den passenden Soundtrack dazu.
Wie Rolf selbst gleich zu Beginn schreibt, ist sein Buch kein akribisch zusammengetragener Lebenslauf, sondern eher ein Hineinleuchten in Erlebnisse und Beweggründe seiner Arbeit, grob geordnet in vier große Abschnitte. Im ersten erzählt er von seiner Kindheit und Jugend, von frühen Erfahrungen beim Musikverlag Hans Sikorski und den ersten Liedern, die er als junger Familienvater in der Dachkammer schrieb. Inspiriert durch ein Werk des befreundeten Grafikdesigners Peter Meetz entstand dort auch „Rolfs Vogelhochzeit“, seine erste Veröffentlichung, die den Weg für viele weitere Aufnahmen ebnete – hier schlägt Zuckowski bereits schon den großen Bogen zu den verschiedensten Meilensteinen seiner Karriere.
In den weiteren Abschnitten beleuchtet er dann die Zeitfenster 1975 bis 1990, 1991 bis 1997 und 2000 bis 2012 nochmal genauer. Besondere Lieder wie „Ich schaff das schon“ oder „In der Weihnachtsbäckerei“ haben natürlich ihre eigenen Geschichten, ebenso wie die vielen Kinder, mit denen Zuckowski im Laufe der Jahre zusammengearbeitet hat – nicht zuletzt seine eigenen Kinder Anuschka, Alexander und Andreas. Der Künstler erzählt von verschiedensten Konzerten, seiner Liebe zur Elbe und seinem Weg durch die Medienwelt und natürlich auch von den letzten, etwas ruhigeren Jahren.
Dieses Buch muss man nicht unbedingt von vorne bis hinten durchlesen, sondern kann sich auch einfach durch verschiedene Kapitel blättern und dabei immer wieder interessante Geschichten entdecken. Mich zum Beispiel hat die Entstehung von „Rolfs Hasengeschichte“ fasziniert, da dieses Album zu meinen persönlichen Favoriten gehört.
Das Album „Meine Hits und Herzenslieder“ ist eine wunderbare Ergänzung zur Biographie, da es auf 2 CDs nicht nur die bekanntesten und beliebtesten Lieder von Rolf Zuckowski vereint, sondern auch Titel enthält, die ihm ganz besonders am Herzen liegen. So finden sich hier neben Klassikern wie „Du da im Radio“, „Wie schön, dass du geboren bist“ oder „Die Jahresuhr“ auch unbekanntere, aber wunderschöne Lieder wie „Leben ist mehr“ oder „Das Lied der Zukunft (Kind sein)“. Gerade letzteres enthält eine Botschaft, die Rolf selbst immer beherzigt hat: Kind sein kann man für ein ganzes Leben! Seine Lieder und Texte bringen für viele Erwachsene ein Stück Kindheit zurück und werden auch in Zukunft hoffentlich noch viele Familien und Kinder begleiten.
Normalerweise wäre der Klavierkabarettist Bodo Wartke schon längst mit seinem aktuellen Programm „Wandelmut“ auf Tour und hätte natürlich gerne einen Live-Mitschnitt auf DVD veröffentlicht. Da normale Auftritte vor Publikum im letzten Jahr allerdings lange nicht möglich waren, hat sein Produktionsteam kurzerhand das Bürgerhaus Dreieich in ein Filmset verwandelt, das Konzert mit mehreren Kameras aufgezeichnetund das Ganze zu einem ungewöhnlichen Konzerterlebnis zusammen geschnitten. Zusätzlich wurde die Aufzeichnung live gestreamt für alle, die über Crowdfunding die Produktion der DVD unterstützt hatten.
Bereits auf dem CD-Cover von Wandelmut ist Bodo Wartke doppelt zu sehen, sozusagen in zwei Aspekten seiner Persönlichkeit. Und diese zweiAspekte treten bei diesem Konzert nun tatsächlich gemeinsam auf: Im roten Anzug sitzt Bodo am Klavier, im grünen Anzug übernimmt er die Moderation. Ein netter Effekt, der mangels Live-Publikum zumindest für etwas optische Abwechslung sorgt. Zu hören gibt es eine wunderbare Mischung aus aktuellen und bekannten Songs, die meistennatürlich von der aktuellen CD, aber auch Klassiker wie „Regen“, den Bodo hier in der aktuellen Klimawandelmut-Edition präsentiert.
„Wandelmut“ ist ein sehr politisches und gesellschaftskritisches Programm, das mit Liedern wie „Hambacher Wald“, „Nicht in meinem Namen“ und „Das Land, in dem ich leben will“ auch ziemlich ernste Töne anschlägt. Doch natürlich kommt auch der Humor nicht zu kurz. Nach „1 ½ Minuten“, das Bodo extra in fernsehtauglicher Länge komponiert hat, folgen gleich noch ein paar Shorties – Gedichte, die sich auf vier oder gar zwei Zeilen beschränken und damit ebenfalls die Aufmerksamkeitsspanne des Durchschnitts-Fernsehzuschauers nicht überstrapazieren. Wunderbar gelungen ist auch der „Gangsterschlager“, mit dem der Kabarettist eine Brücke zwischen den eigentlich unvereinbaren Genres Schlager und Gangsterrap schlägt. Zu Percussion gerappt wird in „Insekten Pt.2“ und eine klassische Einlage gibt es mit „Für Elise“ und der Swingversion von „Eine kleine Nachtmusik“. Bei „Die Lösung“ und vor allem am Ende von „Es wird Zeit“ bleibt einem das Lachenschon wieder eher im Hals stecken. In der Zugabe präsentiert Bodo mit „Pusten, Aua weg!“aber noch einen zauberhaften Vorschlag zur Lösung einiger Probleme.
Zusätzlich zur Konzert-DVD gibt es noch eine zweite DVDmit reichlich Bonus-Material. Neben einem sehr ausführlichen Making Ofder Aufzeichnung finden sich hier vier Videos, die im Lockdown entstanden sind, außerdemsieben weitere Single-Videos – darunter eine sehr unterhaltsame Version des kirchenkritischen Songs „Das System“, mit Carolin Kebekus und den Bet-Bitches. Vier aktuelle Titel sind in der Version mit dem WDR Funkhausorchester enthalten, und zum Abschluss gibt es eine Trailershowfür Bodo Wartkes aktuelle und bisherige Veröffentlichungen.
Fazit: „Wandelmut“ bietet auf 2 DVDs gute Unterhaltung auf gewohnt hohem Niveau und überbrückt perfekt die Zeit bis zum nächsten Konzert in eurer Nähe. Denn dieses Jahr ist Bodo tatsächlich wieder auf Tour – Termine findet ihr unter www.bodowartke.de Und dort könnt ihr die DVD auch direkt und handsigniert vom Künstler bestellen, was einfach empfehlenswert ist. #supportyourartist
Über Internet und Social Media sind wir heutzutage fast alle vernetzt und haben die Möglichkeit, unsere Leidenschaften und Talente mit der Welt zu teilen. So erreicht auch die südkoreanische Künstlerin Henn Kim mit ihren lyrisch kommentierten Zeichnungen über Instagram und Facebook längst eine große Fangemeinde. Wer mit den digitalen Medien nicht so vertraut, kann Henn Kims Werke auch mit dem Bildband „Starry Night, Blurry Dreams“ kennenlernen. Dieser ist nunerstmals in einer zweisprachigen Ausgabe erschienen, in der die englischen Kommentare von Julia Engelmann ins Deutsche übersetzt wurden.
Der Bildband enthält über 100 Zeichnungen und ist thematisch in drei Kapitel unterteilt. Im ersten Kapitel „Warten auf die Nacht – Waiting forthenight“findet Henn Kim wunderbare Bilder und Worte für Seelenzustände, die den meisten von uns vertraut sein dürften. Gleich auf der ersten Seite liegt eine weibliche Gestalt auf einem Sofa, in dem sie halb versinkt, auf dem Boden daneben der umgekippte Kaffee:„nicht mein tag – badday“! Viele der Zeichnungen sind ähnlich melancholisch, haben aber auch oft eine optimistische Botschaft oder einen eigenen Humor. Eines meiner Lieblingsbilder zeigt ein Mädchen mit einem Absperrkegel über dem Kopf und ist mit „zurückbleiben! stimmungsbauarbeiten – stay back, moodrepairing“ kommentiert. Das könnte als Schild an vielen Teenagerzimmern hängen, manchmal aber durchaus auch an meiner eigenen Schlafzimmertür.
Verschiedene Facetten zwischenmenschlicher Beziehungen werden im zweiten Kapitel „Du und Ich – You and Me“ dargestellt. Das ist oft sehr romantisch wie bei „du bist meine lieblingsfarbe – you are my favoritecolor“, wo die Geliebte wie eine Farbe aus der Tube auf die Palette fließt. Aber es gibt auch schmerzhafte Aspekte wie der Wunsch „Lass mich nie los – neverletmego“, der durch den Tacker über den verbundenen Händen illustriert wird. Das letzte Kapitel „Sonntagsstimmung – Sunday mood“ versammelt dann eher alltägliche Momente, die einen mal zum Nachdenken, mal zum Schmunzeln bringen.
Henn Kims Zeichnungen sind zwar surreal, aber dennoch so klar und eindeutig, dass sich die Botschaft sofort erschließt. Dabei fügen die Kommentare den Bildern nochmal eine eigene Bedeutungsebene hinzu. Julia Engelmann ist es insgesamt gut gelungen, in der Übersetzung die poetische Wirkung beizubehalten. So entfalten die Zeichnungen auch für Leser ihre Wirkung, die kein die kein englisch verstehen. Für alle anderen ist es aber schön, dass die Original-Kommentare ebenfalls enthalten sind. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist die durchgängige Kleinschreibung auch bei den deutschen Kommentaren – ein Stilmittel, dass ich hier nicht unbedingt benutzt hätte. Insgesamt macht es aber einfach Spaß, sich durch „Starry Night, Blurry Dreams – Sternklare Nacht – Wundersame Träume“ durchzublättern. Man entdeckt immer wieder Neues und findet bestimmt jeden Tag auch ein Bild, das zu eigenen Stimmung passt!
Oxford, Ende des 19. Jahrhunderts: Esme Nicoll wird nach dem frühen Tod ihrer Mutter von ihrem Vater großgezogen und verbringt einen großen Teil ihrer Kindheit unter dem Sortiertisch im sogenannten Skriptorium, wo ihr Vater mit an der Erstellung des Oxford English Dictionary arbeitet. Schon früh wird so ihr Interesse an Wörtern geweckt und sie beginnt, sie zu sammeln. Eine alte Koffertruhe unter dem Bett ihrer Freundin Lizzie – Hausmädchen bei Dr. Murray, dem Herausgeber des Wörterbuches –dient als Aufbewahrungsort für ihre Schätze und entwickelt sich im Laufe der Zeit zum „Lexikon der verlorenen Wörter“. Denn die liberale Einstellung ihres Vaters und die Unterstützung ihrer Patentante ermöglichen Esme, ihr Leben nicht nur auf Heirat und Hausfrauendasein auszurichten, sondern als Assistentin selbst im Skriptorium zu arbeiten. Dabei erkennt sie, dass die strengen und von Männern geprägten Regeln für die Aufnahme von Wörtern ins Oxford English Dictionaryviele Wörter und Wortbedeutungen ausschließen, die nur umgangssprachlich oder hauptsächlich von Frauen verwendet werden. Um diese Wörter dennoch für die Nachwelt zu retten, legt sie nach und nach ihre eigene Sammlung an.
In ihrem Romandebüt „Die Sammlerin der verlorenen Wörter“verbindet Pip Williams die fiktive Lebensgeschichte von Esme mit der realenGeschichte des Oxford English Dictionary und den historischen Ereignissen dieser Zeit zu einer ungeheuer spannenden und informativen Erzählung. Detailreich und äußerst genau recherchiert gibt sie Einblick in die langwierige Entstehung eines Wörterbuches bis hin zu den Abläufen in der Druckerei. Die Figuren in Esmes Umfeld, wie Dr. Murray, und seine Töchter, der Mitherausgeber Henry Bradley und sogar ihre Patentante Edith Thompson, beruhen auf tatsächlichen Personen, auch wenn sich die Autorin bei ihrer Schilderung viele dichterischen Freiheiten nimmt. Eine bedeutende Rolle spielen im Roman und in Esmes Leben auch die Suffragetten-Bewegung mit ihrem Kampf für das Frauenwahlrecht und der erste Weltkrieg. Nicht zuletzt werden auch die sich allmählich wandelnde Rolle der Frau und die noch immer bestehenden Klassenunterschiede aus Esmes ganz eigener Sicht beleuchtet. Wie ein roter Faden zieht sich hier das erste verlorene Wort „bondmaid“ mit verschiedensten Definitionen durch den ganzen Roman.
Die Geschichte wird hauptsächlich aus Esmes Perspektive in der Ich-Erzähler-Form geschildert, wodurch man eine besondere emotionale Nähe zu dieser fiktiven Figur aufbaut. Die Autorin verwendet jedoch zwischendurch Briefe als Stilmittel, um auch die anderen Figuren sprechen zu lassen und insbesondere Ereignisse zu schildern, für die Esme selbst die Worte fehlen. Besonders schön sind auch die immer wieder eingefügten „Belegzettel“, also Wörter mit einer bestimmten Definition und einem belegenden Zitat, mit denen jeder gebildete Bürger Englands zum Oxford English Dictionary beitragen konnte. Genau so dokumentiert Esme auch ihre gesammelten Wörter – sie verwendet aber ebenfalls bestehende Belegzettel, um besondere Wörter in ihrer eigenen Geschichte zu markieren.
Am Ende des Romans schlägt Pip Williams dann auch noch den Bogen nach Australien, ihrer eigene Heimat und macht nicht zuletztdarauf aufmerksam, dass alle Wörter aller Sprachen es wert sind, aufgeschrieben zu werden. Mit „Die Sammlerin der verlorenen Wörter“ leistet sie selbst dazu vielleicht nur einen kleinen, aber umso schöneren Beitrag!
Der deutsche Autor Eric Berg widmet sich seit erfolgreich 2013 dem Genre des Kriminalromans und verlegt die Handlung seiner Bücher mit Vorliebe an die Ostseeküste. Aktuell veröffentlicht er mit „Die Toten von Fehmarn“ einen neuen Fall für die Journalistin Doro Kagel.
„Jan-Arne Asmus ist tot, und stell dir vor, er hat deinen Namen auf dem Totenbett geflüstert.“ Mit diesem Satz katapultiert Eric Berg nicht nur den Leser, sondern auch Doro mitten hinein in die Handlung. Jan-Arne gehörte zu einer Clique von Jugendlichen, mit denen Doro viele Jahre die Sommerferien auf Fehmarn verbrachte. Sein gewaltsamer Tod scheint im Zusammenhang mit Nachforschungen zum nie aufgelösten Mord an André Bolenda zu stehen, dessen Leiche von den Jugendlichen damals gefunden wurde. Als Doro nun nach Fehmarn zurückkehrt, muss sie sich nicht nur den Ereignissen aus ihrer Jugend stellen, sondern sich auch mit ihrer Mutter auseinandersetzen, zu der sie seit dem Tod ihres Bruders und dem folgenden Selbstmord ihres Vaters ein sehr gespaltenes Verhältnis hat. Zum Glück wird sie bei beidem von ihrem Ehemann Yim unterstützt, der nach der coronabedingten Aufgabe seines Restaurants über ausreichend freie Zeit verfügt.
Wie der Titel schon ahnen lässt, bleibt es auf der Insel nicht bei dem einen Toten. Die Morde an Bolenda und Jan-Arne scheinen im Zusammenhang mit weiteren ungeklärten Mordfällen aus verschiedenen Jahren zu stehen. Zudem spielt das „Geheimnisspiel“, bei dem die Jugendlichen in ihrem letzten Feriensommer nach reichlichem Alkoholgenuss anonym ihre dunkelsten Geheimnisse miteinander teilten, eine zentrale Rolle. Bei dem Versuch, all diese Zusammenhänge zu durchschauen und den oder die Mörder zu finden, stolpert Doro noch über einige weitere Leichen und gerät sogar selbst in Gefahr.
Die Handlung wird überwiegend aus der Ich-Erzähler-Perspektive von Doro selbst erzählt, so dass der Leser sehr unmittelbar ihre Nachforschungen und Gedanken miterlebt. Manche Passagen werden allerdings als allwissender Erzähler geschildert, und zwar jeweils eine aus der Sicht der anderen noch lebenden Mitglieder der damaligen Jugendclique, und einige aus der Sicht von Doros Mann Yim. Während erstere dem Leser einen Einblick in die Gedanken der Protagonisten erlauben, der Doro selbst verborgen bleibt, wirken letztere anfangs eher irritierend, tragen aber in der Schlussphase durchaus zur Spannung bei.
Eric Berg versteht es in diesem Roman hervorragend, vielschichtige Charaktere zu schaffen, Ereignisse aus verschiedenen Zeiten komplex miteinander zu verbinden und Spannung aufzubauen. Gleichzeitig erzählt er mit einer gewissen Leichtigkeit, die das Lesevergnügen noch steigert.
Obwohl „Die Toten von Fehmarn“ bereits der dritte Fall für Doro Kagel ist, kann man dieses Buch völlig unabhängig von den anderen lesen. Es werden zwar hin und wieder vorherige Fälle erwähnt, aber nur als Randbemerkung. Und es wird auch kein Wissen über die Journalistin vorausgesetzt, um den aktuellen Roman zu verstehen. Wer die anderen Bücher noch nicht kennt, wird aber durchaus neugierig auf Doros bisherige Abenteuer!
Nachdem wir auf dem 2021 veröffentlichten „She Walks In Beauty“ nur die lyrische Sprechstimme von Marianne Faithfull genießen konnten, hören wir sie nun wieder singen: Ihr Studioalbum „Vagabond Ways“ aus dem Jahr 1999 erscheint in einer erweiterten Neuauflage mit bisher unveröffentlichten Songs und Demoversionen.
In der wechselhaften Karriere der britischen Sängerin markiert „Vagabond Ways“ einen der vielen Wendepunkte. Nachdem sie in den Jahren davor ihre Biographie und die Interpretation der Kurt Weill-Oper „The Seven Deadly Sins“ veröffentlicht hatte, zeigt sie sich auf diesem Album musikalisch von einer sehr persönlichen Seite.
Die meisten Stücke, wie den Titelsong „Vagabond Ways“ oder „Great Expectations“, hat sie selbst mitgeschrieben und verarbeitet darin eigene Erlebnisse oder Beobachtungen, in einer Mischung aus kraftvollem Rock und düsterem Blues. Dabei transportiert ihre Stimme so viele Emotionen, dass man als Hörer wahrhaft mitleidet. Ergänzt wird das Album durch Titel wie „Incarceration Of A Flower Child“ von Roger Waters mit seinem faszinierenden Intro oder der groovenden Interpretation des „Tower Of Song“ von Leonard Cohen. In „After The Ceasefire“ verbindet Marianne Faithfull dann erstmals gesprochene Poesie mit einer musikalischen Begleitung.
Als Bonusmaterial enthält die erweiterte Edition zunächst Mariannes Interpretation des Bob Dylan-Song „Blood In My Eyes“ und die bisher unveröffentlichte Eigenkomposition „Drifting“, die sich in besonderer Weise auf „Blood in My Eyes“ bezieht, indem sie die Worte des Titels mehrfach zitiert. So entsteht trotz sehr unterschiedlicher musikalischer Stilrichtungen eine interessante Verbindung. Es folgen Demoversionen von „Vagabond Ways“, „Incarceration Of A Flower Child“, „Electra“ und „Tower Of Song“, die mit ihren meist noch eher schlichten Arrangements einen ganz eigenen Charme haben.
Ein ausführlicher Überblick im Booklet über die Entstehung des Originalalbums und die Entwicklung, die Marianne Faithfull dahin führte, rundet diese Neuauflage überzeugend ab. Für Fans auf jeden Fall eine Empfehlung!
Die deutsche Mystic-Folk-Band Fairytale hat sich seit ihrer Gründung im Jahre 2014 den Wurzeln der Folkmusik verschrieben und vereint alte keltische Mythen mit moderner Fantasy. Dabei bewegen sie sich mit ihren Alben im Rhythmus der Jahreszeiten: Nach „Forest of Summer“ und „Autumn’s Crown“ erscheint nun ihr dritter Longplayer „Winter Tales“, der die Hörer mit 13 neuen Songs in die imaginären Elfenlande des hohen Nordens entführt.
Diese Welt ist zwar von magischen Wesen bevölkert, hat aber nichts mit einem verspielten Disney-Märchenland zu tun. Das wird schon im Opener „Dark Moon“ deutlich, der mit einem düsteren Rufen beginnt und die Verzweiflung einer einsamen Seele im frostigen Winter schildert. „It’s Winter“ erzählt von dem kalten Fluch, der über den Elfenlanden liegt, aber auch von der Hoffnung auf sein Ende. Und im mitreißenden „Faunus Deum“ wird diese Hoffnung auf das Erwachen des Frühlings dann zu einem Versprechen.
Manche Titel verführen zum Träumen, wie „Wintertale“ oder „Dreams“, andere wie „Cradle of Fae“ und „Vor den Toren“ zeigen die bedrohliche Seit der Natur und ihrer magischen Bewohner. Beindruckend sind auch die Instrumentalstücke „Istyanon“ und „Reina’s Tears“, mit denen die Atmosphäre einer prächtigen Handelsstadt und die Trauer einer Feenkönigin illustriert werden.
Gesanglich werden die Songs sehr eindrücklich interpretiert von Laura Isabel Biastoch, die mit ihrer wandelbaren Stimme sowohl wild und kraftvoll als auch elfenhaft zart klingen kann. Daneben sorgen Oliver Oppermann an der Gitarre, Yasmine Rehmert an der Geige, Sakia Schrank am Cello und Christiane Bunk an der Harfe für stimmige und abwechslungsreiche Arrangements. Diese bewegen sich hauptsächlich im Folk, wandern aber auch mal in Richtung Rock wie beim kraftvollen „The Blizzard“, wo dann auch Oliver Opperman den Leadgesang übernimmt. Alle Stücke sind von verschiedenen Mitgliedern der Band selbst geschrieben, abgesehen von „Both Sides Now“, einem Song von Joni Mitchell, der hier in einer wunderbaren Coverversion zu hören ist.
Die ganz eigene Welt, die Fairytale hier erschaffen, offenbart sich auch im Booklet – mit atmosphärischen Bildern, die die Bandmitglieder in fantasievollen Kostümen vor dunklen und magischen Winterlandschaften zeigen. Neben einer allgemeinen Einführung zu den „Winter Tales“ gibt es zu jedem Song eine kleine Geschichte, übrigens immer auf Englisch und Deutsch. Zielgruppe ist also durchaus auch ein internationales Publikum – was dann vielleicht die Tatsache erklärt, dass das Album leider nur zwei deutschsprachige Songs enthält.
Insgesamt ist „Winter Tales“ ein sehr überzeugendes und stimmiges Album, das Folk- und Fantasy-Fans gleichermaßen begeistern dürfte und das man in den nächsten Monaten auch noch live erleben kann. Wir dürfen gespannt sein, ob Fairytale ihre Reise durch die Jahreszeiten fortsetzen und uns irgendwann auch mit in den Frühling nehmen!
Die Veröffentlichung von „Bettie James“ in der Gold-Edition liegt (digital) zwar schon etwas zurück – ein genauerer Blick auf dieses Album, das im Januar auch auf CD erschien, lohnt jedoch definitiv. Der Amerikaner Jimmie Allen, der es mit viel harter Arbeit und einem Quäntchen Glück vor ein paar Jahren geschafft hat, seinem Traum von einem Leben als Country-Musiker zu verwirklichen, ist hierzulande noch nicht so bekannt. Mit seinem ambitionierten Crossover-Projekt „Bettie James“ hat er allerdings die Chance, viele neue Fans auch abseits der Country-Szene zu gewinnen.
Der Titel des Albums setzt sich aus den Vornamen von Jimmie Allens verstorbener Großmutter und seines verstorbenen Vaters zusammen, die ihn beide auf unterschiedliche Weise musikalisch geprägt haben. Und so hat sich Allen für die ursprüngliche EP „Bettie James“ – die in der Gold Edition noch um neun neue Songs erweitert wurde – Kooperationspartner aus unterschiedlichsten Genres gesucht, vom Country-Duo LoCash über die Rapper Pitbull und Nelly bis zu Songwriter Keith Urban und Pop-Sängerin Noah Cyrus.
Die ersten beiden Stücke „Get Country“ und „Home Sweet Hometown“ verbreiten im klassischen Country-Style gute Laune und Heimatgefühle. Danach geht es aber schon ab in den Club – mit den lateinamerikanischen Rhythmen von „Flavor“ und dem chilligen „Sombody“. Die Gospelballade „Pray“ überzeugt mit ruhigem Piano, der gefühlvollen Stimme von Duettpartnerin Monica und einem wunderbar aufblühenden Refrain. Ebenso überzeugend ist auch das folgende „Boy Gets A Truck“ mit Keith Urban, eine Pop-Hymne mit treibendem Rhythmus.
„Forever“ ist eine bewegende Ballade, bei der sich die soulige Stimme von Babyface perfekt mit Jimmie Allens Gesang verbindet. Ähnlich emotional auch „Made For These“ mit dem großartigen Tim McGraw und „Why Things Happen“ mit seiner sehr nachdenklichen, aber auch hoffnungsvollen Botschaft. Alle Register zieht Allen bei „When This Is Over“, bei dem nicht nur Tauren Wells und Rita Wilson zu hören sind, sondern auch die Oak Ridge Boys mit einer eigenen Einlage.
Zwischendurch geht es mit „Good Times Roll“ oder „Freedom Was A Highway“ nochmal deutlich rockiger und unbeschwerter zu, ebenso wie mit dem Party-Song „Tequila Talkin’“, bevor das Album mit dem Duett „This Is Us“ mit Noah Cyrus seinen Abschluss findet.
Jimmie Allen beweist mit „Bettie James“ eindrücklich eine These, von der ich persönlich schon immer überzeugt war: Gute Musik lässt sich nicht an Genres festmachen, sondern überschreitet und sprengt solche Grenzen. Gemeinsam mit zahlreichen tollen Sängern und Musikern ist dem Künstler so ein Album gelungen, das bewegt, begeistert und ab und zu einfach nur Spaß macht – und genau so soll Musik sein!
The Temptations sind seit den 60ern Ikonen des Soul und R&B, und Hits wie „My Girl“ oder „Papa Was A Rolling Stone“ hat wohl jeder meiner Generation noch im Ohr. Dass sie heute allerdings noch aktiv sind und zu ihrem erweiterten 60jährigen Jubiläum sogar ein neues Album aufgenommen haben, hat mich zugegebenermaßen zunächst etwas überrascht. Doch „Temptations 60“ beweist, dass die Band sich ihren unverwechselbaren, von Harmoniegesang geprägten Sound bewahrt und sich gleichzeitig durchaus sehr modern weiterentwickelt hat.
Das zeigt sich schon direkt im Opener „Let It Reign“, bei dem die fünf Sänger sich K. Sparks als Songwriter und für die Rap-Parts ins Studio geholt haben. Ebenfalls mit sehr modernem R&B-Sound kommen die Up-Tempo Stücke „Elevator Eyes“ oder „How Do You Spell Love“ daher oder auch die Ballade „Calling Out Your Name“. „My Whole World Stopped Without You“ oder „I Want It Right Now“ haben dagegen einen gewissen zeitlosen Charme und betonen besonders die Stärke der Band – die gesanglichen Fähigkeiten, die jedes Mitglied sowohl solistisch als auch im Background stimmig einsetzen kann. Nicht umsonst wurden The Temptations auch in die Vocal Group Hall of Fame aufgenommen!
Aber es stimmt nicht nur die musikalische Verpackung, sondern auch der Inhalt – neben dem universellen Thema Liebe geht es durchaus auch um ganz aktuelles Zeitgeschehen wie in „Time For The People“, oder es wird passend zum Jubiläum die ganze Bandgeschichte im Song „When We Were Kings“ verarbeitet. Ein weiteres Highlight ist definitv „Is It Gonna Be Yes Or No“, das die Band im Duett mit Smokey Robinson präsentiert und das nicht nur mit einem tollen A-capella-Intro, sondern auch mit einem zeitlosen Groove überzeugt.
Der letzte Titel des Albums, „Come On“ ist eigentlich schon vor der Temptations-Ära entstanden und wurde von Gründungsmitglied und Produzent Otis Williams bereits 1959 aufgenommen. Ergänzt durch einen Monolog zur Entwicklung der Band, unterlegt mit Hits aus ihrer Karriere, wird der Song nun zum Jubiläums-Hit.
Im Booklet kommen sowohl der Motown-Gründer Berry Gordon als auch Otis Williams ausführlich zu Wort und teilen ihre Erinnerungen an über 60 Jahre The Temptations mit uns. Ein wenig schade, dass dann nicht noch ein paar Seiten mehr für die Songtexte drin waren. Insgesamt ist „Temptations 60“ aber ein äußerst gelungenes Album – und für alle, die wie ich diese großartige Band in den letzten Jahrzehnten vielleicht aus den Augen verloren haben, eine gute Gelegenheit, sie wiederzuentdecken!