Night of the Prog Festival 2015 – Loreley Freilichtbühne in Sankt Goarshausen
Seht hier unsere Fotos vom Night of the Prog Festival 2015 – Loreley Freilichtbühne in Sankt Goarshausen
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An einem sehr, nennen wir es launischen Sonntag macht man sich auf den Weg in die Chemiestadt Leverkusen. Der Heimat der Werkself, niemals enden wollenden Wegen und natürlich von Aspirin. Angekommen im schönen Vizekusen beginnt der Marathon zum Gelände. Sagt einem das Navi nach zwei Kilometern endlich „Sie haben ihr Ziel erreicht“, hat es leider nicht berücksichtigt, dass man nun nochmal zwei km durch den Neulandpark laufen muss. Vorbei an hippen Kunstgebilden und malerischen Spielplätzen, um es in Bauer sucht Frau Manier zu halten.
Endlich ist man da. Und wundert sich nach den Festivals in Köln und Dortmund nun doch ein wenig über das kleine Areal. Angekommen gönnt man sich erst mal eine leckere, halbfertig gebackene halbierte Tiefkühlpizza für lächerliche fünf Euro. Das Prinzip aus ganz wenig ganz viel Geld zu machen wird hier optimal umgesetzt. Keinen Meter lecker; na das hat sich doch gelohnt. Erst mal eine kalte Cola holen und sich an die Grüntonstage setzen. Hier ist es zwar recht leer und die Bühne gleicht eher einem VW Bully, jedoch ist die Stimmung ausgezeichnet und die zahlreich erschienenen Raver erfreuen sich bester Tanzlaune.
Das Wetter ist unberechenbar: Sitzt man im einen Moment noch schwitzend unter der brütend heißen Atomsonne Leverkusens, wird man keine 3 Minuten später der Kälte des himmlischen Windes ausgesetzt. Wolken in Massenproduktion sowie Rekordgeschwindigkeiten. So rappelt man sich auf, die ufernahe Bühne zu verlassen, um ins Epizentrum des Raves zu marschieren. Die Mainstage ist gut gefüllt und wird mit einem Liveset von Matador beglückt. Die Meute ist bestens gelaunt und entzückt den DJ mit vielen geschwungenen Tanzbeinen.
Die Stimmung ist sehr locker, viele sind einfach nur mit Decken gekommen und lassen es sich mit ein paar Freunden gut gehen. Die Bierbuden sind ebenfalls nicht zu knapp besucht. Schattenplätze sind besetzt, die muss man bei dem Wetter aber auch nicht zwangsläufig aufsuchen.
Abam Beyer im b2b mit Ida Engberg überzeugen ebenfalls und zeigen der Technoversammlung nochmal, dass Leverkusen nicht nur für Medikamente und zweite Tabellenplätze taugt. Temporeiche 4/4tel Takte geleiten den motivierten Raver zum Highlight des Abends: Der Meister persönlich betritt die Bühne und holt das letzte bisschen aufgestauter Energie aus den Feiernden. Ritchie Hawtin schmeißt sich an die Plattenteller und serviert vom allerfeinsten. So hat man eine Menge selten auf Techno abgehen sehen. 1 ½ Stunden lang tischt Hawtin sein selbstkreiertes fünf Sterne Technomenü auf, bevor es für 2015 heißt: Das war’s mit den Pollerwiesen für dieses Jahr. Zumindest Outdoor. Ein Boot gibt es nämlich noch. Und alle die hier noch nicht genug bekommen haben, schmeißen sich jetzt eine Aspirin und tingeln vom Dorf zurück in die schöne Domstadt, um bei der offiziellen Afterhour im Bootshaus die restlichen Fetzen Füße wegzutanzen.
K.I.Z waren bis vor kurzem für den normalen Radiohörer unbekannt. Die vier Berliner, die seit Jahren den neuen deutschen Gangster- und Straßen-Rap aufs Korn nehmen, indem sie in ihre Texte noch viel mehr Gewalt, Drogen und Sex packen, haben aber soeben Platz 1 der Album-Charts für sich eingenommen. Würde das noch viel bedeuten, hätten wir jetzt wahrscheinlich wieder eine große Debatte über die Gefährdung der Jugend und den ganzen Kram. Aber Jauch ist im Urlaub und über Politik scheint sich ja eh niemand wirklich unterhalten zu wollen.
Mit den harten Texten von K.I.Z werden die normalen Radiohörer wahrscheinlich auch gar nicht in Kontakt kommen – die neue Single „Hurra, die Welt geht unter“ ist ganz, ganz zahm. Dafür aber richtig gut.
Darin entwerfen K.I.Z ein utopisches Zukunftsbild: „Das große Feuer“ kam, die Gesellschaft ist zusammengebrochen. Alle leben glücklich zusammen, arbeiten ein bisschen, lieben ein bisschen, ziehen gemeinsam Kinder mit einem neuen Gesellschaftsbild auf. Das klingt fast ein wenig zu sehr nach Waldmenschen und Hippies. Henning May, die Stimme von AnnenMayKantereit, die ich niemals genug loben kann, singt dazu den Refrain.
Auf dem neuen Album von K.I.Z, das genauso heißt wie die Single, findet sich der Titel als letztes Stück und macht es so fast zu einem kleinen Konzeptalbum. Sie entwerfen darin auf ihre übliche Art kleine Welten, werfen den Blick auf verschiedene Probleme in unserer Gesellschaft und brechen mit dem Gewohnten.
Gleich im ersten Track „Wir“ z.B. nehmen sie den typischen „Ich bin der Tollste“-HipHop auf und drehen ihn noch ein Stück auf. Ein schöner Text, der das ganze Gehabe karikiert und der Lächerlichkeit Preis gibt.
Danach nehmen sie Track für Track durch Übertreibung und ironische Brechung die Gesellschaft, in der wir leben, auseinander. Am besten funktioniert das bei den kapitalismuskritischen Songs wie in „Boom Boom Boom“ (auch eher zahm, denn auch dieser Track hat ein Video bekommen), „Glücklich und satt“ oder „Geld“, oder wenn sie mit der geläufigen Wahrnehmung spielen wie in „Käfigbett“. Grausamer wird es bei Themen wie Mord, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, Nazis, etc. Leider provozieren diese Songs hauptsächlich und gehen nicht in die Tiefe. Da pflügen K.I.Z lieber den gesamten Acker um und hinterlegen das mit tanzbaren Beats und harmlosen Melodien. So sieht es hier aus, lasst uns nicht drüber nachdenken, ab in die „Rudelbumsdisco“.
Das Album ist ehrlicher und erwachsener als seine Vorgänger – das zeigen sie unter anderem mit einem persönlichen Stück wie „Freier Fall“. Provoziert wird auch hier wieder an allen Ecken und Enden, wenn auch diesmal ruhiger.
Als Konzeptalbum möchte ich „Hurra, die Welt geht unter“ dann doch wegen dem letzten Song, der oben erwähnten Single, bezeichnen. All die Augenblicke, die das Album in jedem Song vorher beschreibt, sind darin nun verschwunden. So sieht es jetzt aus. Hurra, die Welt ist untergegangen, mit der ganzen Gewalt, der Angst, dem System und der Grausamkeit. Ein großes Aufatmen zum Ende. Ein Neuanfang.
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Nach der Premium und der Limited Fan Edition erschien dieser Tage eine weitere Version von Laith Al-Deens aktuellem Album „Was wenn alles gut geht“. Und man fragt sich natürlich, ob das sein muss. Rechtfertigt der Mehrwert der neuen Version den nochmaligen Kauf? Manche, die das Werk schon in einer anderen Auflage zuhause haben, werden sich ärgern.
Der Grund für die Neuveröffentlichung liegt aber auf der Hand: in der Sendung „Meylensteine“ war Gregor Meyle zu Gast bei Laith und dieser Werbeeffekt will ausgenutzt werden. Dass deutschsprachige Musik groß im Kommen ist, zeigt ein Blick in die Charts. Kürzlich waren erstmals seit Beginn der offiziellen Chartnotierung die zehn Spitzenplätze mit deutschsprachigen Alben belegt. Und da fand sich Vielerlei von Schlager über Rap bis hin zu Pop und Rock. Das Verdienst dafür gebührt unter anderem Xavier Naidoo. Ob man ihn nun leiden kann oder nicht – seine Sendung „Sing meinen Song“ hat einen Trend geschaffen und das Geschäft ordentlich angekurbelt.
Ich hoffe, dass auch Laith Al-Deen davon profitiert, denn ich mag sein aktuelles Album. Und was bietet er nun Neues? Da sind zunächst fünf Bonustracks auf CD. Es gibt „Nur wenn sie daenzt“ in der sehr gelungenen Meylensteine-Version. Außerdem „Wenn gestern heute wär“ im Duett mit Peter Maffay – wunderschön und passend. „Alles an dir“ findet sich in einer Liveversion aus dem Jahr 2014 und die beiden Titel „Unversehrt“ und „Lust auf Leben“ gab es bisher nur als Download. Alles in allem also fünf passende Zugaben.
Die DVD fällt dann aber nicht so üppig aus wie erwartet. Leider nur drei Livetitel und diese dann auch noch akustisch und recht lahm ohne Publikum eingespielt. Klar macht es Spaß, sich reduzierte Version der Songs anzuhören und Laith Al-Deen in einem ruhigen, intensiven Moment zu rleben. Allerdings sind das keine Tracks für die Repeat-Taste, sondern ein Einblick, den man sich vermutlich nur einmal anschaut.
Das gilt auch für das – gleichwohl sehr interessante – EPK und die Interviews. Laith erzählt viel zur Entstehung des Albums und ist auch mutig genug, um sein Gefühlsleben auszubreiten. Die fast schon ängstlich-optimistische Grundeinstellung des Albums, der psychische Absturz nach den nicht so erfolgreichen letzten Werken, Unsicherheit und eine fast schon trotzige Aufbruchsstimmung. Diese Aussagen entwickeln ein tiefes Verständnis für das Werk.
Mit großer Freude habe ich zudem die Sammlung aus 14 Videos betrachtet, die Laiths Werdegang ab dem ersten Hit „Bilder von dir“ bis ins Jetzt betrachten. Schade allerdings, dass die Songs des Albums „Der Letzte deiner Art“ ganz außen vor bleiben. Mir gefällt auch dieses nicht so erfolgreiche Album aus seiner Diskographie und ich finde, er tut nicht gut daran, es als Stiefkind zu behandeln.
Seit zehn Jahren spielen sich Tracer nun schon den Arsch ab. In dieser Zeit sind drei Alben entstanden, wenn man die selbstproduzierte Debüt-EP „L.A.?“ dazu zählt. Dabei werden sie gerne mit so ziemlich allem verglichen, was im Grunge, Hard- und Stoner-Rock einen Namen hat: Black Sabbath, Led Zeppelin, Soundgarden, Alice In Chains oder Queens Of The Stone Age. Sie aber als bloße Kopie all dieser legendären Kapellen zu bezeichnen, wäre nicht nur unfair, sondern schlichtweg falsch. Tracer sind vielmehr hart arbeitende Überzeugungstäter und das hört man ihrem vierten Streich „Water For Thirsty Dogs“ einmal mehr deutlich an.
Natürlich darf man von „Water For Thirsty Dogs“ keine musikalische Revolution erwarten. Das muss man aber auch nicht. Michael Brown, Dre Wise und der neue Bassist Jett Heysen-Hicks machen einfach da weiter, wo sie mit dem Vorgänger „El Pistolero“ aufgehört haben. Zehn Songs, die nach Kneipe, Dreck und Bier riechen. In den Echo Bar Studios in North Hollywood, Los Angeles aufgenommen und von der Band selbst mit helfender Hand von Tontechniker und Mischpult-Meister Erik Riechers produziert, ist das Album ein musikalisches Abbild der Leidenschaft geworden, die diese Band motiviert.
Der Titelsong ist ein Manifest an die frühen 90er Jahre, als der Grunge mit vollfetten Kreissägengitarren die Welt eroberte. Auch das schleppende „Lazy“ schmeckt nach Seattle, Baumwollhemd und Dockers. In „We’re Only Animals“ erweisen Tracer all jenen Bands die Ehre, die mit klapprigen Verstärkern in irgendwelchen Garagen rumhängen und sich und der Nachbarschaft beweisen, dass laut auch schön sein kann. „Astronaut Juggernaut“ vereint die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Stoner-Rock zu einem einzigen Energiebündel, bevor „Tremors“ als emotionaler Schlag in die Magengruppe den durstigen Hunden endlich das langersehnte Wasser über den verschwitzten Kopf schüttet. Dazwischen liegen mit „Us Against The World“, „Halfway To Zero“, „The Machine“, „Homeward Bound“ und „Owe You Nothing“ fünf weitere Songs, die in ihrem erfrischenden Pragmatismus den Setzkasten des Rock’n’Roll neu sortieren. Nicht zu vergessen das markante Organ von Michael Brown, das den Stücken entweder die nötige Tiefe oder den nötigen Rotz verleiht.
„Water For Thirsty Dogs“ ist ein Album voller Tatendrang, Kraft und Elan. Vor 25 Jahren hätte man es als „The Next Big Thing“ bezeichnet und die Band mit einem lebenslangen Plattenvertrag ausgestattet. Heutzutage sollte es Tracer damit immerhin gelingen aus dem langen Schatten ihrer Vorbilder herauszutreten und das Etikett „Geheimtipp“ endgültig im Klo der Musikgeschichte zu entsorgen. Wer auf breitbeinigen Testosteron-Rock steht, der wird hier bestens bedient.
Neben der Veröffentlichung seines neuen Albums ist das Trio dieses Jahr natürlich auch live wieder aktiv und an folgenden Terminen im Vorprogramm von Apocalyptica zu sehen:
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In meiner Jugendzeit waren es vor allem drei Alben, die jeden Abend zum Fest machen konnten. Und es waren allesamt Livealben. Manfred Mann’s „Budapest Live“, Barclay James Harvest mit „Berlin – A Concert For The People“ und natürlich Supertramps „Paris“. Auch heute noch bekomme ich Gänsehaut, wenn ich diese Platten inklusive der Ansagen höre. Man ist doch immer für Zeitreisen solcher Art dankbar.
Supertramps Klassiker Breakfast In America war 1979 das meistverkaufte Album der Welt. Es beinhaltete diverse Hitsingles, verkaufte sich mehr als 20 Millionen Mal und gewann zwei Grammy Awards. Im Anschluss an die Veröffentlichung der Scheibe gingen Supertramp auf eine zehnmonatige Welttournee, die Ende November auch Paris erreichte. Die Show aus dem Pavillon de Paris mit Meisterstücken wie „The Logical Song“, Crime Of The Century“, „Give A Little Bit“, „Dreamer“, „Breakfast In America“, „Take The Long Way Home“, „Bloody Well Right“, „Rudy“ oder „Goodbye Stranger“ wurde nicht nur gefilmt, sondern auch auf Audio-Bändern festgehalten.
Diese Audiospuren dienten anschließend als Grundlage des 1980er Livealbums „Paris“, während die Filmaufnahmen unveröffentlicht blieben. Erst 33 Jahre später wurde das auf Original-16mm-Film vorliegende Material restauriert sowie in HD-Qualität umgewandelt. Die passende DVD erschien im Jahr 2012 und löste Begeisterungsstürme unter den Fans aus, die so lange darauf gewartet hatten. HIER findet ihr eine ausführliche Review des Releases.
Jetzt erscheint das DVD-Material nochmal neu – im Paket mit einer 2-CD-Audio-Komplettaufnahme des Konzerts. Schon ein Geschenk, dass das Konzert erstmals in voller Länge auf CD vorliegt. Die Audiospuren wurden neu abgemischt von Peter Henderson und Supertramps Toningenieur Russel Pope. Da finden sich nun auch der Klassiker „Give A Little Bit“, der jede Best-Of-Compilation der Band ziert, aber auch sperrige Titel wie „Goodbye Stranger“, „Even In The Quietest Moment“ und „Downstream“, die seit jeher den besondere Reiz der Band ausmachen. 22 Titel sind es nun – sechs mehr als auf dem ursprünglichen Album. Eine perfekte Zusammenstellung dessen, was Supertramp auf ihrem Karriere-Höhepunkt leisteten.
Die eingefangene Atmosphäre (ob auf CD oder DVD) ist einzigartig. Roger Hodgson und Rick Davies sind in Topform. Man muss ihr Wechselspiel einfach lieben. Und das komplette Konzert zeigt noch um einiges besser, wie nahe Pop und Prog zu dieser Zeit beieinander liegen konnten. Supertramp waren experimentell, konnten aber auch viele Radiohörer begeistern. Wer schafft das heute noch?
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Simon & Jan würden als locker-flockiges Gitarrenduo in der Art der Altmeister Simon & Garfunkel durchgehen. Doch was sie in ihren Liveprogrammen und auf dem neuen Studioalbum „Ach Mensch“ bieten, ist viel mehr als ein Aufguss geländegängiger Themen. Die Texte ihrer Songs sind so bitterböse und zynisch, treffen oft mitten ins Gesicht und haben per se dafür gesorgt, dass Simon Eckhoff und Jan Traphan zu YouTube- und Facebookstars geworden sind. Sie haben in den letzten Jahren nicht nur so ziemlich jeden Preis der Kleinkunstszene (unter anderem den Prix Pantheon 2014) abgeräumt, sondern teilen sich häufig auch mit bekannten Liedermachern wie Hannes Wader, Konstantin Wecker, Reinhard Mey und Götz Widmann eine Bühne.
Ihr zweites Studioalbum bringt die Songs des aktuellen Bühnenprogramms zu uns nach Hause. Musikalisch meist vorgetragen im klassischen Liedermacherstil mit Gesang und Gitarren, doch es gibt auch Ausflüge in Reggae, HipHop und Dixieland. Meine erste Begegnung war der Song „Karnickelkotzen“, der sich mit der wundervollen neuen Videowelt auf YouTube und Facebook beschäftigt. Absolut greifbar, wenn man sich vor Augen führt, welche Schwachheiten dort zu besichtigen sind. Und einfach göttlich, wenn der Song wie ein harmonisches Heile-Welt-Lied beginnt, bis uns die beiden den Text um die Ohren hauen. In die gleiche Kerbe schlägt „Geld“, das sich mit dem Ausverkauf der alten Helden beschäftigt, die jetzt plötzlich Werbung für McDonalds machen.
Solche Titel funktionieren am besten mit reiner Gitarrenbegleitung. Doch im Gegensatz zur Liveshow darf es auch mal etwas mehr sein: „Verwählt“ kommt mit Gastmusikern im Dixieland Stil. In „Herzilein“ schleichen sich leise Bläserklänge, „Meine Mama“ bietet beschwingten Reggae und „Dichter“ verbindet Gitarrenklänge mit schnellem Sprechgesang – ein spannendes Klangerlebnis.
Der seufzende Albumtitel „Ach Mensch“ gibt genau das wieder, was die Songs beinhalten. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist, mit falschen Entscheidungen und Dingen, die man nicht einfach hinnehmen darf. Witzig und todernst zugleich geht es um die Suche nach Religion und Spiritualität, um philosophische Fragen des Lebens („Titten und Ärsche“) oder die politischen Zoten im „Kabarettwettbewerb“. Damit sind die beiden grundehrlich, wenn sie sich auch nicht nur Freunde machen werden. Das Album ist so erfrischend und ehrlich, dass es rundum Freude macht. Schwierig allerdings, es im Hintergrund zu hören, da man den intelligente und provozierenden Texten zwangsläufig folgen muss. Ein Meisterwerk ist übrigens auch der versteckte Bonustrack „Stimmungsschwankungen“ voller musikalischer Vielfalt. Da muss man einfach mal rein hören!
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Die Alabama Shakes spielen im Gloria in Köln – hier sind die Fotos:
Es ist ein besonderes Jahr für das Vainstream Festival, denn dieses Jahr feiert es sein zehnjähriges Jubiläum. „10 Years Of Punk, Metal and Hardcore“: Und der Wettergott meint es verdammt gut mit den rund 10.000 Besuchern im Herzen von Münster. Bereits um zehn Uhr morgens, als Vitja das Festival gebührend eröffnen, sind es bereits um die 30 Grad, was sich im Laufe des Tages noch auf 39 Grad steigern wird. Und somit zum heißesten Tag des Jahres avanciert. Der Himmel strahlend blau, die Zuschauer schwitzend. Viel verändert hat sich nicht im Vergleich zu den letzten Jahren. Die Falafisten (mit dem wohl besten Falafel weit und breit), Impericons Merchandisezelt, Amnesty International sowie die Hardcore Help Foundation und PETA haben mal wieder ihre Zelte aufgeschlagen und beglücken Matrosen, Hawai-Hemden-Träger und Propeller-Mützen-Fans.
Auf Vitja folgen Upon A Burning Body, deren Name bei diesen Temperaturen wirklich Programm ist. Die ersten Hitzeschläge verteilen nun Chelsea Grin. Die bis zum Meeresboden tief gestimmten Instrumente ballern ordentliche Basswände in Richtung Moshpit, welche jedoch gleich von Breakdown Of Sanity noch um einiges übertroffen werden sollten.
Die Schweizer betreten zur gnadenlosen Mittagshitze um Punkt 12 Uhr die Bühne und liefern Bassdrops, bei denen einem schon ruhig mal die sonst so standhaften Beine versagen dürfen. Leider ist der Sound, wie schon eine Woche zuvor beim Mair 1 Festival, nicht das Gelbe vom Ei. Nur Bass, kaum Gitarre. Schade, denn Songs wie „Crumble“ oder „The Gift“ können sich so nicht voll entfalten. Zumindest der obligatorische Massenshout zu „Infest“ ist gesichert: „Yes We Can“ hallt es aus der Menge. Breakdown Of Sainty sind jetzt schon eine der Gewinner des Vainstreams, nachdem sie 2014 leider krankheitsbedingt absagen mussten.
Es folgen Auftritte der Lokalveteranen von Neara, die mal wieder zeigen, dass auch Städte wie Münster absolut salonfähigen Metalcore ans Tageslicht bringen können, sowie der amerikanischen Zerstörerschiffe von Suicide Silence. Heute merkt man ihnen leider an, wie sehr ihnen Mitch Lucker fehlt. Eddie hat schon wesentlich solidere Shows gezeigt und wird den Fußstapfen von Vorgänger Mitch heute keinen Meter gerecht. Schade.
Man gönnt sich nun erst man eine kleine Auszeit, bewegt sich am schönen, prall gefüllten Münsteraner Kanal entlang und schmeißt den Grill an, um endlich mal ein wenig Wärme abzubekommen. Nach kurzer Stärkung, und einem leckeren Turmbräu bei einer Runde Fifa, wirft man sich nun wieder in die Hitzeschlacht vom Hawerkamp.
Begrüßt wird man durch die Hardcore-Urgesteine von Terror, die mit „Overcome“ und „Keepers Of The Faith“ wie immer punkten können. Allerdings ist es vor der Bühne nicht wirklich voll, da sich eine große Menge Menschen nebenan bei der Parkway Drive Signing Session befindet, sowie viele vor dem Auftritt der Architects nochmal Schatten aufsuchen.
Besagte Architekten geben sich auch gleich nach den Kassieren, die mit „Am schlimmsten ist, wenn das Bier alle ist“ für einen der lustigsten Momente des Festivals sorgen. Generell sind Die Kassierer immer eine gute Sache. Kommen wir nun also zu den Architects, die wie gewohnt eine dermaßen mit Energie geladene Show abliefern, dass man sich fragt ob die Jungs jemals älter werden. Nach wie vor sitzt alles bei den Engländern: Timing, Arrangements, Spielfreude: Die Architects haben nichts, aber auch gar nichts, verlernt.
Nahtlos weiter geht es nun mit den deutschen Metalhelden von Callejon, die erstmal eine Menge Masken vom Albumcover „Wir sind Angst“ verteilen. Mit „Wir sind Angst“ wird das Konzert auch begonnen, und die Zuschauer sind sofort mit dabei. Basti und sein Gefolge zeigen mit Songs wie „Dunkelherz“, Ich lehne leidenschaftlich ab“ und dem Mädchenliebling „Kind im Nebel“, warum sie seit Jahren auf jedem Festival spielen und ständig Massen zum ausrasten bringen. Den Abschluss dieser gelungenen Minuten bildet die Ärzte-Anti-Nazi-Hymne „Schrei nach Liebe“, welches alle, aber auch wirklich alle nochmal animiert alles zu geben. Gesagt getan. Es folgen die Donots und die nach Madball und Terror dritten Hardcore-Urgesteine des Tages: Sick Of It All geben alles, und das Publikum, welches sich vom Alter her der Band auf der Bühne doch sehr anpasst, ist sichtlich begeistert. NYHC at it’s best. Mittlerweile ist es sogar wieder erträglich warm geworden: Mit einer schönen Briese, 30 Grad Celsius und circa 8000 stinkenden Menschen vor der EMP-Stage erwartet man nun voller Vorfreude die Band, die solche Temperaturen aus dem schönen Byron Bay wohl gewohnt ist.
Parkway Drive entern die Bühne und nehmen den Hawerkamp mit dem Opener „Wild Eyes“ direkt komplett auseinander. Es folgen Klassiker wie „Boneyards“, „Dead Mans Chest“ und „Idols and Anchors“. Diese kommen ebenso gut an, wie das bislang Fanlager spaltende „Vice Grip“. Der Song kommt live aber sehr gut an und zeigt, dass man Parkway Drive Songs manchmal einfach ein wenig Zeit geben muss. Auch bei der Bühnenshow hat sich bei den fünf Australiern einiges getan. Standen hier 2013 noch zwei Hüpfburgähnliche Gebilde, zieren heute ein halber Schrottplatz und Feuer die Bühne. Ein wenig Geböller hier, ein paar Feuerfontänen da: Das ganze vor einem Banner, welches eine große Stadt zeigt. Fertig ist die Illusion von der mobilen, untergehenden Welt. Den Abschluss dieses perfekten Auftrittes bildet „Home Is For The Heartless“, bei welchem Crowdsurfer wie bei Ford am Fließband zur Bühne befördert werden.
Mal wieder zeigt das Vainstream, wie man Festivals vernünftig, strukturiert und reibungslos organisiert. Auch die kurzfristig errichteten Trinkwasserstellen und Schattenplätze zeugen von einem hohen Maß an Verantwortungsbewusstsein. Das zehnjährige Jubiläum ist perfekt gelaufen. Gerne auf 10, 20, 30 weitere Jahre voll mit Punk, Metal und Hardcore.
Hier findet ihr unsere Fotos vom Vainstream Festival am 04. Juni 2015 in Münster.
Seht hier unsere Fotos von FFS (Franz Ferdinand und Sparks) 2015 im Gloria, Köln
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Als ihre Single „New Soul“ 2008 für einen Apple-Werbespot verwendet wurde, machte das Yael Naim weltweit bekannt. Die in Paris geborene und in Israel aufgewachsene Sängerin und Songwriterin hat aber wesentlich mehr zu bieten als nur diesen einen Ohrwurm, was sie auf ihren ersten drei Alben bereits eindrucksvoll bewiesen hat. Mit „Older“ setzt sie nun ihre kreative musikalische Reise jenseits aller Schubladen und Konventionen fort.
Als Produzent ist wieder der Multi-Instrumentalist David Donatien mit im Boot, den inzwischen eine zehnjährige Zusammenarbeit mit Yael verbindet und der diesmal auch bei einigen Songs mitgeschrieben hat. Die Musik, die dabei entstand, ist ebenso zeitlos wie eindringlich und reicht von ganz einfach mit Glockenspiel und Percussion arrangierten Liedern wie „I Walk Until“ über beinahe sakrale Hymnen wie „Coward“ bis zu rhythmischen und opulent instrumentierten Popsongs wie „Take Me Down“.
Es sind viele ruhige Stücke dabei, die zum Träumen oder Nachdenken einladen – etwa der mysteriöse Titelsong „Older“ oder „Meme Iren Song“, den Yael in Gedenken an ihre verstorbene Großmutter geschrieben hat. Aber auch die unbeschwerte Leichtigkeit, die „New Soul“ so liebenswert machte, findet sich auf dem aktuellen Album wieder, beispielsweise in „Make A Child“ und „She Said“. Unbeschwert sind diese Titel aber nur in musikalischer Hinsicht, inhaltlich geht die Songwriterin immer in die Tiefe. So setzt sie sich in „Make A Child“ mit der Bedeutung von Elternschaft auseinander und offenbart in „Dream In My Head“ oder „Trapped“ komplizierte Seelenzustände.
Neben Yael Naim selbst und David Donatien tragen zahlreiche Musiker zum komplexen Sound von „Older“ bei. Die 3some Sisters bereichern die meisten Titel mit ihrem Harmoniegesang und hier und da sind Bläser oder sogar Streicher zu hören. Einen besonderen Auftritt hat Bluessängerin Leyla McCalla, die zu dem in drei Sprachen gesungenen „Ima“ die kreolische Strophe sowie Banjo und Cellospiel beisteuert.
In wunderbaren musikalischen Metaphern erzählt dieses Album von gemeinsamen Älterwerden und all den Geschichten, die dabei passieren können. Und am Ende ist man Yael und David einfach dankbar für diese Musik, die auf so vielfältige Weise berührt und fasziniert.
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Mit ihrer einzigen Clubshow in Deutschland sorgen Lamb Of God schnell für eine ausverkaufte Zeche Bochum. So begibt man sich an einem wechselhaften Tag von Köln nach Bochum, um eben diese alte Malocherbude aufzusuchen und von Virginias Metalmonster um die Ohren werfen zu lassen.
Angekommen wird erst mal klar, wie intim diese Show wird: Mehr als 500 Menschen finden sich hier nicht ein. Wann hat man schon noch die Ehre eine solche Band in so kleinem Rahmen zu sehen. So bestellt man sich erst mal ein Bier, schlendert den Club entlang und begutachtet im Außenbereich die herumstehenden Menschen. Das Publikum reicht vom 18-jährigen Metalcorejüngling bis hin zu weit über 60-jährige, alteingesessene Metalurgesteine, die wahrscheinlich noch mit AC/DC zusammen deren erste Konzerte gefeiert haben. Nach einer Unterhaltung mit 2 türkischen Backpackern geht es also zurück in die Halle, in der man nach einem schnellen Aufmarsch der fünf Wutbündel „Desolation“ um die Ohren hauen lässt. Die Soundprobleme sind nach den ersten 20 Sekunden behoben, und ab jetzt wird nur noch drauf geprügelt. Chris Adlers Füße lassen ein Unwetter aus Double-Bass-Tritten auf das frenetische Publikum hageln, während Mark Morton, der zum Topmodel mutierte Willie Adler und John Cambell der Weiße ihre Saiten beinahe zu vergewaltigen scheinen. Über allem trohnt der König des unbändigen Zorns: Ranby Blythe zeigt dem Ruhrpott, wer hier die Growls im Hals hat.
Songs wie „Ghost Walking“, „Laid To Rest“ oder „512“ verlangen den Fans einiges ab. Die Stimmung ist von Anfang an auf auf einem kaum beschreibbarem Level und wird der einzigen Clubshow definitv würdig. Ein Highlight ist mit Sicherheit „Walk with me in Hell“, welches die Zeche lauthals mitschreien und die Temperatur nochmals um einige Grad ansteigen lässt. Den Schlusspunkt bilden „Redneck“ und „Black Label“. Insgesamt ist der Abend mehr als gelungen, zumal auch zwei neue Songs vom kommenden Album „Sturm und Drang“ gespielt wurden und Lust auf mehr machten. Das Lamm Gottes forderte in dieser Nacht ein Opfer, und Bochum servierte die Zeche auf einem silbernen Tablett.
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Patti Smith spielt im Kölner Tanzbrunnen. Ich muss euch hoffentlich nicht erklären, wer die Frau ist und warum mein Herz in Erwartung schon lange nicht mehr so hoch geschlagen hat. Es wird aber noch besser: Auf dieser Tour wird Patti ihr Album „Horses“ spielen – das Album, mit dem sie 1975 ihre Karriere gestartet hat. Als Support spielt „And the Golden Choir“. Bevor es losgeht, stöpselt er erstmal seinen Plattenspieler ein und schlürft ein bisschen Weißwein. Dann singt er sehr, sehr gut zu allem, was er da auf seinen Platten mitgebracht hat.
Als Patti Smith pünktlich auf die Bühne tritt, klatschen alle ehrfürchtig. Da sie „Horses“ wirklich von vorne bis hinten spielt (bzw. beide Seiten, wie sie betont), startet sie gleich mit „Gloria“, danach „Redondo Beach“. Immer wieder gibt es Zwischenapplaus, besonders bei „Birdland“ und natürlich „Land“. Verdammt, ist das gut! Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viel Energie diese zarte 68-jährige Frau umgibt und wie viel Stimme aus ihr raus kommt.
Wie viel Rock-Geschichte da auf der Bühne steht, hören wir uns staunend an: „Dieses Lied ist für meinen Freund Jim Morrison.“ „Das hier habe ich mit Bruce Springsteen geschrieben.“ Jimmy Hendrix, Lou Reed, Fred Sonic Smith, sie alle sind heute Abend dabei. Wir tanzen und tanzen und tanzen. Zur Zugabe hören wir noch „My Generation“ von The Who. Das wird aber erst richtig gut, als sie ihre „fucking words!“ vergisst und stattdessen die Gitarrensaiten schreddert. Es donnert nur noch von der Bühne: „You have the right to be free! You have the right to strike! You have the right not to be a victim of surveillance!” Sie hat offenbar deutsche Nachrichten geschaut.
Was soll ich sagen, ich habe Patti Smith live gesehen. Ich habe keine 10 Meter von Patti Smith entfernt gestanden, als sie „Gloria“ gesungen hat und als sie uns sagte, wir können alles machen, was wir wollen. Die Welt braucht mehr Menschen wie Patti Smith.
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Irie Révoltés gibt es seit nunmehr fünfzehn Jahren. In dieser Zeit ist das Bandkollektiv aus Heidelberg völlig spurlos an mir vorbeigegangen. Das änderte sich, als ich eines schönen Tages ihr inzwischen schon sechstes und selbstbetiteltes Album aus dem Briefkasten fischte. „Irie“ stammt aus der jamaikanischen Kreolsprache Patois und kann mit „positiv“, „glücklich“ oder „frei“ übersetzt werden. „Révoltés“ steht im Französischen für das Aufständische. Und ungefähr so klingt ihre Musik dann auch. Ein Mix aus Reggae, Dancehall, einer Prise Ska und Hip Hop. Zwar nicht ganz so wild, wie es sich im ersten Moment anhört, aber doch ungewöhnlich. Am ehesten sind Irie Révoltés wohl mit Seeed vergleichbar, auch wenn die in einer anderen Liga spielen. Die Disziplin der neun Heidelberger (die übrigens alle unter einem Pseudonym agieren) könnte man zusammenfassend als eine Art Hip Pop bezeichnen.
Wie auch immer. In ihrer Musik geht es um Lebenslust, Freude und Glück. Und um eine Menge sozialkritisch angehauchter Texte, teils in Deutsch, teils in Französisch und teilweise beides zusammen. Auf „Irie Révoltés“ ergibt das vierzehn starke Songs mit starken Inhalten. Der Spass kommt dabei zwar nicht zu kurz, aber er ist gepaart mit jeder Menge Mut und Entschlossenheit. Das hat was. Selbst für mich, der ich sonst eher anderen Musikrichtungen zugeneigt bin. Es ist dieser spezielle Moment, in dem man die rohe Kraft der Bläser spürt, die Euphorie der Rhythmussektion und die Macht des Basses, der alles kaputt macht, was an schlechter Laune noch übrig geblieben ist.
Nach dem überaus erfolgreichen Vorgänger „Allez“ haben Irie Révoltés mit ihrem neuen Longplayer – wie sie selbst sagen – nun voll und ganz zu sich gefunden. Und zu mir. Auch deshalb trägt das Album den Namen der Band. Das sind Beats, Melodien und Lyrics vom Feinsten. Irie Révoltés sind nicht die Ruhe vor dem Sturm – Irie Révoltés sind der Sturm. Chapeau, Messieurs!
Auf ihrer kommenden Deutschland-Tour kann man dann auch live ausgiebig dazu tanzen:
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Die Rival Sons sind, wie sie selbst sagen, „only in it for the Music“. Sie wollen Konzerte geben, Zuschauer begeistern und so viele mitreißende Songs wie möglich spielen. Das hat bisher gut geklappt. Das Quartett aus Los Angeles gilt als die Bluesrock-Entdeckung der letzten Jahre. Dabei verstehen sie es gekonnt, einem der traditionellsten Musikstile der Rockgeschichte frisches Leben einzuhauchen. Ihr immer noch aktuelles viertes Album „Great Western Valkyrie“ erschien im Juni 2014 und geriet zum bislang größten internationalen Erfolg der Band. Nach ihrem letzten Besuch im April kehren die Rival Sons im Juni und August noch einmal für vier Konzerte nach Deutschland zurück. Köln macht heute den Anfang. Es folgen noch Auftritte in München, Frankfurt und Hamburg, bevor es dann Ende Oktober als Support für Deep Purple erneut auf Tour geht.
Zusammen mit den vier Kaliforniern feiert auch der Sommer sein Comeback. Auf der Luxemburger Straße gönnen sich die Fans noch das ein oder andere erfrischende Kaltgetränk, bevor man das knackig warme Luxor betritt. Der Laden ist rappelvoll und bereits nach fünf Minuten wird klar, dass das leichte Karohemd über dem T-Shirt eindeutig die falsche Klamottenwahl war. Noch bevor überhaupt ein Ton von der Bühne kommt, steht man bis zu den Knöcheln im Schweiß. Die Klimaanlage hat da schon längst aufgegeben. Als um 20.30 Uhr das Intro aus Sergio Leone’s Filmklassiker „Zwei glorreiche Halunken“ erklingt, fühlt man sich schon fast wie Clint Eastwood und Lee Van Cleef bei ihrem legendären Showdown auf irgendeiner staubigen Straße im Wilden Westen.
Doch die Wirklichkeit holt einen rasant wieder ein. Und die besteht in einer Mischung aus Blues, Soul und erdigem Rock. Mit „Electric Man“ starten Frontmann Jay Buchanan, Scott Holiday an der Gitarre, Bassist Robin Everhart und Michael Miley hinter dem Drumkit in ihr Set. Live werden sie von Todd E. Ögren-Brooks am Keyboard unterstützt. Der Sound ist von Anfang an perfekt auf die kleine Location abgestimmt und sorgt für ein wohliges Vibrieren in der Magengegend. Nebenbei freuen sich besonders die weiblichen Fans über die optischen Vorzüge von Scott Holiday, der aussieht wie Mats Hummels in einem Remake der „Drei Musketiere“. Musikalisch geht es über „Good Luck“ und „Secret“ weiter bis zu „Torture“ und „Face Of Light“. Das Luxor singt mit, schüttelt das Haupthaar, stimmt Sprechchöre an und bejubelt jeden Song, als wäre es der letzte. Nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Stimmung hat schnell ihren Siedepunkt erreicht.
Jay Buchanan wird mit seiner enorm ausdrucksstarken Stimme bereits in einem Atemzug mit Genregrößen wie Led Zeppelins Robert Plant oder Chris Robinson von den Black Crowes genannt. Im Luxor beweist er eindrucksvoll, dass diese Vergleiche nicht übertrieben sind. Die Band um ihn herum paart derweil kantige Riffs mit roher Energie, großer Leidenschaft für intensives Zusammenspiel und einer soliden Prise Retro-Soul, wobei sich Scott Holiday diesmal insbesondere durch die Handhabung seines Instrumentes auszeichnet. Es wird ausgiebig gejammt und man merkt den fünf Protagonisten auf der Bühne in jeder Sekunde an, welch immensen Spaß sie selbst an dem haben, was sie da tun. Dabei darf im Zugabenblock ein Drum-Solo von Michael Miley, der seine Schießbude die gesamte Zeit über ohnehin wie ein Berserker bearbeitet, natürlich nicht fehlen.
Mit „Open My Eyes“ und „Keep On Swinging“ beschließen die Rival Sons nach etwas mehr als anderthalb Stunden die schweißtreibende Angelegenheit und entlassen die Fans zurück zu den erfrischenden Kaltgetränken auf der Luxemburger Straße. Das hat geknallt! Ich wage mal die Behauptung, dass man die Rival Sons heute in Köln zum letzten Mal in einem Club von der Größenordnung des Luxor gesehen hat. Wer also noch keine Karten für die anstehenden Konzerte in München, Frankfurt und Hamburg hat, der sollte schnell zuschlagen.
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Das erste Mal live erlebt habe ich Gregor Meyle 2009 im Lottoforum auf dem Trierer Petrisberg, gemeinsam mit vielleicht 50 anderen Fans der ersten Stunde. Am Sonntag spielte der sympathische Songwriter nun zum zweiten Mal in Trier, diesmal vor der Porta Nigra vor fast 2000 begeisterten Menschen. Für Gregor hat sich in den 6 Jahren dazwischen einiges getan, vor allem seit er durch seine Teilnahme an der TV-Show „Sing meinen Song“ zu einem der beliebtesten deutschsprachigen Sänger avanciert ist. Unverändert ist aber seine Leidenschaft für die Musik und die Begeisterung, mit der er seiner Songs präsentiert – egal ob nun vor 50 oder 2000 Leuten.
Das Wetter meint es gut mit dem Trierern und auch die besondere Location mit der transparenten Bühne vor dem berühmten Stadttor sowie die einwandfrei Beschallung tragen zur guten Stimmung an diesem Abend bei. Von dem Moment an, an dem Gregor mit seiner 6-köpfigen Band die Bühne betritt, hat er das Publikum fest im Griff und bringt es schon mit den ersten Songs „Ich glaub an Dich“ und „Hier spricht dein Herz“ zum Mitsingen. Die erste große Animation zum Zwischenteil-Chor bei „Ganz normale Leute“ gelingt ebenso problemlos, genau wie die Fitnessübungen für die Menschen mit Sitzplätzen auf den Rängen.
Live beweist Gregor nicht nur seine Songwriter-Qualitäten, sondern offenbart sich auch als wahrer Entertainer, der mit humorvollen Ansagen unterhält, mit seinen Bandkollegen Scherze macht und sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Da wird mal Udo Lindeberg parodiert, „Schau mich nicht so an“ bekommt ein Volkslied-Intro verpasst, und in „Wunder“ fällt ihm auf, dass sich auf die Harmonien des Refrains auch „Don´t Worry – Be Happy“ und „What´s Up“ singen lassen – wozu er natürlich wieder das Publikum einspannt.
Es gelingt Gregor aber auch immer wieder, von schwungvoller Ausgelassenheit zu ruhigen und nachdenklichen Songs wie „Nichts ohne Grund“ oder „Und dann kamst Du“ überzuleiten und magische Momente zu schaffen, wenn er etwa zu „Du bist das Licht“ tausende Handy-Lichter und Feuerzeuge im Publikum leuchten. Unterstützt wird er von seinen talentierten Musikern, die jedem Song den perfekten Sound verpassen. Ein besonderer Gewinn ist dabei der Geigenspieler Christian Herzberger, der mit furiosen Soli begeistert, aber auch den Liebesliedern eine extra Portion Romantik verleiht. Großartig auch Laura Bellon, die Gregor sich zusammen mit Gitarrist Markus Vollmer aus Xavier Naidoos Fernsehband ausgeliehen hat und die als Backgroundsängerin, Duettpartnerin und zweite Geige überzeugt.
Nach über zwei Stunden Programm, das neben Liedern aus dem aktuellen Album „New York-Stintino“ einen Querschnitt durch Gregors gesamtes Werk bietet, verabschiedet sich der Sänger mit „Hätt nix dagegen“ zum ersten Mal von der Bühne. Aber natürlich lässt ihn das Trier Publikum nicht ohne Zugaben gehen und kommt noch in den Genuss von „Keine ist wie Du“ in reduzierter Besetzung und Gregors allerster Single „Niemand“. Mit der eindringlichen Ballade „Kleines Lied“, die ganz akustisch und in der Bühnenmitte zusammengekuschelt präsentiert wird, klingt ein wunderbarer Abend schließlich aus. Bleibt zu hoffen, dass es bis zum nächsten Konzert in Trier nicht wieder 6 Jahre dauert.
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Seht hier unsere Fotos von Gregor Meyle am 21.06.2015 vor der Porta Nigra in Trier
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AC/DC präsentieren ihr Album ROCK OR BUST, ihr weltweit 15. Album!
AC/DC müssten nun bereits das 3. Mal in Köln sein und endlich bin ich dabei! Der Tag ist nicht gerade schön und es regnet immer mal wieder. Aber … das scheint so sein zu müssen, denn in 2001 waren sie schon mal hier auf den Jahnwiesen. Damals waren es „nur“ 45.000, aber genauso wie heute, sorgte der Regen dafür, dass man nicht austrocknet. Was soll’s, sowas kann einen richtigen Fan nicht schocken.
Zwei Gruppen haben die Ehre das Publikum auf die große Show der „Väter des Hardrocks“ anzuheizen. „The Whiskey Foundation“, eine Bluesrock-Gruppe aus München und „Vintage Trouble“ ebenfalls eine Bluesrock-Gruppe aber aus Hollywood. Beide machen ihre Sache wirklich gut. Dem Publikum gefällt die Musik, aber trotzdem merkt man ganz genau; alle warten auf den unverkennbaren Sound des
A lternating C urrent / D irect C urrent !!
Und sie lassen echt ein bisschen auf sich warten. Um mich rum läuft schon jede Menge Bier. Viele sind noch auf der Suche nach einem guten Platz. Aber das ist natürlich nicht so leicht, wenn man von einem Ausverkauf von 80.000 Karten spricht. Trotz alledem ist das unvermeidliche Schubsen mal hier mal da.
Der Himmel weint, die Hörner leuchten und endlich … nach ca. 15 Minuten Verspätung beginnt das Intro und die Menge grölt!
In dem Moment, wie der Meteorit im Film auf die Erde aufschlägt, steigt Feuerwerk aus der Bühne. Und da sind sie, die australische Hardrock-Band, gegründet Silvester 1973 von Angus und Malcolm Young!
Angus Young (Lead-Gitarre) unverwechselbar in seiner blauen Schuluniform Stevie Young (Rhythmus-Gitarre) Neffe von den beiden Young-Brüdern und Ersatz für den erkrankten Malcolm Brian Johnson (Gesang) mit seiner legendären Schiebermütze, Cliff Williams (Bass) und Chris Slade (Schlagzeug)
Sie starten mit Rock or Bust aus dem neuen Album und rocken am Abend durch 40 Jahre absolute Super-Highlights, bringen die Fans mit einem „Thunderstruck“ über den „Highway to Hell“ nach „Sin City“ um dort ein wahres Feuerwerk mit „T.N.T.“ zu erfachen. In bester AC/DC-Manier wird bei „Hells Bells“ die Menge durch Glockengeläut erwacht.
Die Kölner Stadtbewohner werden das sicher auch gehört haben. Denn das Konzert konnte in vielen Teilen der Domstadt akustisch mitverfolgt werden. Auf dem Gelände selber war die Lautstärke indes angenehm.
Die Ausdauer von Angus Young, sein Hüpfen über die Bühne und die außergewöhnliche Stimme von Brian Johnson ließen die Show viel zu schnell zu Ende gehen. Nach dem 10-minütigen „For those about to Rock“ wird es kurz ruhig auf den Jahnwiesen. Nur um von einer der bekanntesten Akkordreihenfolge der Welt in die Zugabe geschoben zu werden. Jeder im Publikum weiß, dass dies das vorletzte Lied ist.
Und das ist auch der einzige Negativpunkt dieser Tour. Die Setlist ist überall exakt die gleiche. Aber das ist nörgeln auf hohem Niveau!
Hoffentlich haben wir noch was länger von dieser absolut supertollen Band!
Es war ein einmaliges Erlebnis!
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Seht hier unsere Fotos von The Night Of Classic And Pop am 20.06.2015 vor der Porta Nigra in Trier