Ela. ist die Sängerin der Band Elaiza, die im Jahr 2014 Deutschland beim Eurovision Song Contest vertrat. Damals sang sie noch in englischer Sprache. Jetzt aber versucht sie sich mit deutschen Texten – eine gute Wahl! Die Künstlerin aus dem Saarland hat inzwischen ihre Wahlheimat in Berlin gefunden – und man merkt ihr an, dass bereits reichlich Bühnenerfahrung vorhanden ist. Das Debütalbum klingt stark und routiniert.
Ihr melodischer Pop erklingt wunderbar gefühlvoll. Mit viel Seele und absolut sauber in den hohen Tönen singt sie in „Scharade“ über die Entfremdung alter Freundschaften oder schmettert „Immer noch“ mit energischen Lyrics und der gewinnenden Textzeile „Ich trink auf dein leeres Gelaber“.
Die 26-jährige Musikerin weiß genau was sie will und geht ihren Weg, der schon immer ganz aus Musik gemacht ist. Geboren als Elżbieta Steinmetz wächst sie in einem Musikerhaushalt in der Ukraine und Polen auf, im Alter von acht Jahren, kommt sie mit ihrer Familie nach Deutschland, ohne dass sie ein Wort Deutsch spricht. Auch ihren beruflichen Erfolg hat ela. nicht geschenkt bekommen. „Vor dem ESC war es schwer, als Songwriterin ernstgenommen zu werden. Man braucht eben Referenzen, um entsprechende Aufmerksamkeit zu bekommen und die kamen dann nach Kopenhagen. Ich bin stolz auf das, was ich mit meiner Band Elaiza beim ESC erreicht haben: Es ist ja ein Komponistenwettbewerb und wir waren als totale Newcomer dabei.“
Eine Plattform, die ela. genutzt hat: Heute ist sie eine feste Größe in der deutschen Songwriter-Szene und schreibt regelmäßig für Kollegen von Helene Fischer bis Adel Tawil. Erfahrungen, Krisen, Wendepunkte, die aus der quirligen Sängerin eine erstaunliche Künstlerin gemacht haben, all dies dokumentiert sie auf ihrem ersten Solo-Album „Liebe & Krieg“, auf dem sie deutlich macht, wofür sie steht: Mit Haltung, Authentizität und einer Hammerstimme erzählt sie auf modernen Pop-Beats kleine Geschichten aus dem Leben, die immer eine größere Botschaft mitbringen. Mal mehr, mal weniger offensichtlich.
Die neuen Songwriterinnen wie Lea, Lotte und Antje Schomaker haben ela. vielleicht kleine Hits voraus, doch ela. passt perfekt in diese Riege und legt mit „Liebe & Krieg“ ein schönes, bisweilen emotionales und durchweg überzeugendes Debüt vor. Sie wird ihren Weg weiter gehen – und wir werden hoffentlich noch viel von ihr hören.
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Die Debütsingle „She’s Got That Light“ katapultierte Orange Blue im Jahr 2000 aus dem Nichts in die europäischen Charts und ist bis heute nicht aus den Playlisten der Popsender verschwunden. Vince Bahrdt und Volkan Baydar, die beiden Köpfe hinter diesem Duo-Projekt, sind beide 1971 geboren. Und es gibt noch weitere Parallelen: Beide begannen mit 6 Jahren Klavier zu spielen, beide entdeckten früh ihre Leidenschaft, eigene Songs zu schreiben. Beide kauften sich von ihrem ersten selbst verdienten Geld einen 4-Spur-Rekorder und ein Keyboard, um ihre ersten Kompositionen festzuhalten. 1992 lernten sie sich dann über eine Musikanzeige in einem Hamburger Szenemagazin kennen und gründeten verschiedene Bands, mit denen sie in diversen Bars und Clubs auftraten. In gemeinsamen Urlauben wurde zusammen komponiert und getextet. Nach acht Jahren veröffentlichten Vince und Volkan als ORANGE BLUE mit „She’s Got That Light” ihre erste Single. Sie verkaufte sich über 450.000 Mal und hielt sich länger als acht Monate in den Deutschen Charts.
Diesen Riesenerfolg konnten sie danach nicht mehr wiederholen, doch es gab drei weitere solide Popalben bis zum Jahr 2007. Den Neustart nach langer Pause wagen die beiden nun mit einem Experiment: Das Doppelabum „White / Weiss“ enthält Songs in englischer und deutscher Sprache. Beide Multiinstrumentalisten verewigen in diesem Werk 35 Tracks, die sie in den letzten fünf Jahren geschrieben und selbst produziert haben. In der heutigen Zeit mit einem 35 Songs umfassenden Album in die Öffentlichkeit zu treten mag ungewöhnlich anmuten – doch Bahrdt und Baydar unterstreichen damit ihren an sich selbst gestellten Anspruch: ein Werk wird erst veröffentlicht, wenn es sich gut anfühlt.
Auf dem ersten Teil, dem englischen „White“, beweisen Sie einmal mehr ihre große musikalische Klasse und bewegen sich leichten Fußes in der Welt der internationalen Popmusik. Der Start mit „Love is here“ mutet gleich wie ein Nachfolger des legendären „She’s got that light“ aus dem Jahr 2000 an. Eine Hymne, die mit Baydars ausdrucksstarkem Gesang in eine außergewöhnliche Intensität hineinwächst. Überhaupt sind die Songs auf der englischen Seite sehr hymnisch gehalten und wahren die Größe guter Popmusik. Ob mit Akustikgitarre oder Flügelhorn – die beiden schaffen hier eingängige und große Popsongs, die teilweise Jazzcharakter entwickeln. Die Neuauflagen der beiden größten Hits „She’s got that light“ und „Can somebody tell me who I am“ werden jeweils nur mit Klavier und Orchester interpretiert, was ihnen neuen Glanz verleiht.
Auf dem deutschen „Weiss“ ragt energetisch die aktuelle Radio-Single „Die Welt steht still“ hervor. Deren textliches Ansinnen erschafft eine stimmgewaltige Momentaufnahme unserer aktuellen gesellschaftlichen und politischen Situation. Letzterer Titeltrack wird vorgetragen vom markanten Schauspieler Ben Becker mit seiner sonoren, unverwechselbaren Stimme, die in dem von Streichern unterlegten, lyrischen Gedicht den Hörer von der ersten Sekunde an einfängt. Darüber hinaus erlebe ich diese zweite CD ganz anders als die erste. Die deutschen Texte sind sehr eindringlich und mahnend. Stimmlich und musikalisch werde ich an die guten Alben von Laith Al-Deen und Adel Tawil erinnert.
„White“ und „Weiss“ sind zwei starke Alben, die auch jeweils ganz für sich stehen könnten. Das Duo hat viel geschafft in den letzten Jahren und bietet einige ergreifende Momente. Chapeau!
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Zugegebenermaßen hatte ich die letzten Jahre ein etwas ambivalentes Verhältnis zu Ozzy Osbourne. Dabei hat der Mann zwischen 1970 und 1979 mit Black Sabbath Musikgeschichte geschrieben. Die Reality TV-Serie „The Osbournes“ bedeutete 2002 allerdings nicht nur einen fernsehhistorischen Tiefpunkt, sondern beendete auch vorübergehend mein Interesse am musikalischen Wirken des selbsternannten „Prince Of Darkness“. 2012 sah ich ihn dann im Rahmen der Ozzy and Friends-Tour noch einmal live in Dortmund. Das ein Jahr später veröffentlichte Black Sabbath-Album „13“ sorgte sogar für ein kurzzeitiges Aufflackern meiner Begeisterung. Danach aber verschwand der 71-Jährige von meinem Radar. Bis heute. Da flatterte mir sein neues Album „Ordinary Man“ wie eine Fledermaus in den Briefkasten. Es ist die erste Solo-CD von Ozzy Osbourne seit zehn Jahren und ich habe ihr nicht den Kopf abgebissen.
Im Gegenteil! Das was mir schon nach dem ersten Hördurchgang zu den elf Songs auf „Ordinary Man“ einfiel, hätte bei anderen Alben locker für drei Reviews gereicht. Produziert wurde das Album in Los Angeles von Andrew Watt, der teilweise auch die Gitarrenparts übernahm und mit Ozzy Osbourne gemeinsam die Songs schrieb. Am Bass half niemand geringeres als Duff McKagan von Guns N’Roses aus und brachte gleich noch seinen Kollegen Slash mit. Red Hot Chili Peppers-Schlagzeuger Chad Smith durfte die Felle bearbeiten. Neben dieser hochkompetenten Kernband gab sich aber noch eine Reihe weiterer namhafter Musiker die Klinke in die Hand, darunter Rapper Post Malone, Tom Morello von Rage Against The Machine sowie Sir Elton John himself. Das Ergebnis sind ein exzellentes Songwriting und eine ebenso exzellente Produktion. Und das obwohl im Studio nach Ozzy Osbourne’s eigener Aussage „alles auf die Schnelle mitgeschnitten“ wurde, was auch immer man sich darunter vorzustellen hat. In den Texten kommt vielleicht ein bißchen zu oft „Hell“ vor, aber das ist auch schon das einzige Haar in der Suppe.
Mit „Straight To Hell“ gelingt ein choraler Einstieg, der aber schnell von einer dreckigen Gitarre abgelöst wird. Ozzy Osbourne schreit „Allright now“ und ab geht es im Schweinsgalopp durch die nächsten knapp 50 Minuten Vollgasrock. Ein bärenstarker Auftakt. Das darauffolgende schnörkellose „All My Life“ steht dem in nichts nach. „Goodbye“ stampft mit seinen Kreissägengitarren wie eine außer Kontrolle geratene Lokomotive durch die Gehörgänge bevor das Duett mit Elton John für eine erste Verschnaufpause sorgt. Die beiden Elder Statesmen machen aus dem Titelstück eine herrlich schnulzige Ballade mit ganz viel Pathos, Piano, Streichern und vielen rosa Schleifchen drum.
„Under The Graveyard“ klingt dagegen mit seinen schweren Riffs wie ein Frühwerk von Black Sabbath, dem in „Eat Me“ eine Mundharmonika, ein rollender Bass und explodierende Doppelgitarren folgen. Ich warte die ganze Zeit auf die Schwachstelle, aber sie kommt nicht. Und das bleibt bis zum Schluss so. „Today Is The End“ liefert einmal mehr herausragende Gitarrenarbeit zu einem eingängigen Refrain, der noch stundenlang im Ohr bleibt. Mit „Scary Little Green Men“ biegen wir auf die Zielgerade ein. Ein Song wie ein Bombenflug mit einem Papierflieger. Hört ihn euch an und ihr wisst was ich meine. Bei „Holy For Tonight“ wird es erneut melancholisch. Aber nur kurz. Denn dann wagt Ozzy Osbourne noch einen Abstecher in ganz wilde Gefilde und tischt uns zusammen mit Post Malone ein wütendes Gemisch aus Punk und Hardcore auf. Unnötig zu erwähnen, dass er auch dabei eindrucksvoll überzeugt. Am Ende hat er immerhin noch ein liebevolles „Fuck You All“ für uns übrig. Als endgültiger Schlusspunkt wird mit „Take What You Want“ noch ein wenig gerappt. Das Stück erschien bereits im September des letzten Jahres auf „Hollywood’s Bleeding“ von Post Malone und es ist seitdem nicht besser geworden. Aber diese kleine Störung nimmt man kaum noch wahr, denn da hat uns „Ordinary Man“ schon längst in den siebten Rockhimmel versetzt.
Alle Hardrocker dieser Welt, alle Grunger, alle Metaller – neigt euer Haupt! John Michael „Ozzy“ Osbourne ist zurück wie Phönix aus der Asche. Der „Godfather Of Metal“ macht auf „Ordinary Man“ seinem zweiten Beinamen alle nur erdenkliche Ehre und klingt so frisch, lebendig und fast schon aufregend neu wie seit „Blizzard Of Ozz“ nicht mehr. Für mich schon jetzt das Album des Jahres!
Erst das Soloalbum von Yogi Lang, dann ein Livealbum von RPWL und schließlich ein neues Werk von Kalle Wallners Projekt Blind Ego – es scheint das Jahr der Musiker aus Freising zu werden. Zudem wenn man bedenkt, dass RPWL auch bei der NIGHT OF THE PROG am 19.7.2020 auf der Loreley aufschlagen werden.
Der Titel des Albums „Preaching to the Choir“ hat auf verschiedenen Ebenen unterschiedliche Bedeutungen. Bezogen auf die Band sagt Kalle Wallner: „Es geht um blindes Verständnis. Wenn die richtigen Leute an Bord sind, braucht man keine langen Erklärungen. man drückt einfach die Aufnahmetaste. Und wenn man dann den richtigen Musikern das richtige Song-Material gibt, können sie dieses auf eine höhere Stufe bringen. Keine Notwendigkeit, jemanden zu überzeugen, keine Diskussionen und keine Kompromisse, man macht es einfach.“
Bezogen auf das Songwriting hat „Preaching To The Choir“ einen weiteren Stellenwert: „Viele Bands bleiben in ihrer Komfortzone und geben ihren Fans genau das, was sie erwarten. Der Titel des Albums ist eine Erinnerung daran, meine eigene Entwicklung zu hinterfragen und keine Angst davor zu haben, etwas Neues zu versuchen.“ Das Album verspricht also eher ein „progressives“ Album der persönlichen Art zu sein.
Ob es sich dabei um das knüppelharte „Massive“ oder „Lines in the Sand“ mit dem modernen spacigen Groove im Vers handelt, BLIND EGO ist vielseitig genug, um dorthin zu gehen, wo der Song sie hinführt. Während das Festival-Publikum sich auf „In Exile“ freuen kann, ist die erste Single „Burning Alive“ fast schon ein Pop-Song. BLIND EGO zeigt, was Genres für sie sind: Überflüssig.
Im Vergleich zum Artrock von RPWL ist der Härtegrad bei BLIND EGO Mal wieder deutlich angezogen. Harte Riffs und laute Gitarren beherrschen die Szene – und Scott Balaban überzeugt als stimmgewaltiger Shouter, der viele Hardrock- und AOR-Bands alt aussehen lässt.
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Ist es ein Widerspruch, die Musik von Ludwig van Beethoven mit der klassischen indischen Musik zu verknüpfen? Im ersten Augenblick schon. Die Musik Beethovens ist der Inbegriff westlicher Klassik. Wie ein Monument steht sie am Beginn des nachrevolutionären bürgerlichen Zeitalters und scheint auch fest in dieser Epoche verwurzelt zu sein. Doch Beethoven war auch auf der Suche nach Spiritualität, nach Sinnsuche, nach dem Universellen – und das in den Schriften orientalischer Religionen ebenso wie beim Komponieren.
Dieser Verbindung spürt die Pianistin Shani Diluka mit ihrem Projekt Cosmos nach. Das Album stellt zwei Klaviersonaten des 2020-Jubilars indischen Ragas gegenüber – gespielt von Mehboob Nadeem (Sitar) und Mitel Purohit (Tabla), die auch Beethovens Themen in ihre Improvisationen miteinbeziehen. Das Ergebnis ist ein west-östlicher Dialog, den es so noch nie gegeben hat.
Shani Diluka entdeckte zwischen dem großen Klassiker und der fernöstlichen Welt auch musikalische Zusammenhänge: Etwa in der Gestaltung bestimmter Motiventwicklungen oder der Technik, mit dem Klavierpedal über mitschwingende Obertöne den tonalen Rahmen zu erweitern. Die „Mondscheinsonate“ und die „Appassionata“, die hier auf Beethovens Seite gewählt wurden, begegnen auf Cosmos Improvisationen über passend ausgewählte indische Ragas als melodische Elemente.
Alles steht nebeneinander: Die fernöstliche Musik und der europäische Klassiker, die für unsere Ohren ungewöhnlichen Instrumente und ein sanft gespieltes Piano, die musikalische Energie beider Welten. Das Ergebnis sind 65 spannenden Minuten mit sehr vertrauten Klängen und einem Einblick in eine andere Welt. Dabei steht jede Seite fest für sich. Spannend und virtuos eingespielt.
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Nach fünf Jahren Funkstille ist Elly Jackson alias La Roux wieder zurück im Geschäft. “International Woman of Leisure” war der erste Vorbote des neuen Albums “Supervision”, das am 7. Februar 2020 erschienen ist. Die Single ist Elly Jacksons gnadenloser Rundumschlag gegen den sorglosen Lifestyle privilegierter Männer sowie zugleich eine lebensbejahende Hymne für Selbstbestimmung. Und es ist ein Song wie ihn eben nur La Roux schreiben kann: von den ersten Tönen des unverkennbaren Falsettos, über die eingängige Hook bis hin zum glitzernden Video ist unmissverständlich klar, wer hinter den Reglern sitzt und Regie führt.
Entgegen des glamourös lautenden Titels entstand die Single ganz bodenständig in Ellys Küche im Londoner Stadtteil Brixton, wo sie alle Tracks des neuen Albums “Supervision” schrieb und produzierte, bevor sie ihnen mit Produzent Dan Carey im Studio den Feinschliff verlieh. Die zweite Single „Automatic Driver“ beschreibt den Moment in einer Beziehung, an dem man realisiert, das die Beziehung zu Ende ist und die Katharsis, die man erfährt, wenn man schlussendlich ehrlich zueinander ist. „Im Song geht es darum herauszufinden, wer in der Beziehung auf Autopilot umgeschaltet hat und in unserem Fall stellte sich heraus, das es beide waren“ , sagt Elly dazu.
Auch zu „Gullible Foul“ gibt es eine Geschichte: „Es beschreibt das Gefühl, zu viel Vertrauen zu haben und mit der Annahme zu leben, dass es dich schützen müsse, wenn man immer nett zu Menschen ist. Ich denke, es kommt ein Tag in jedem Leben, an dem man merkt, dass Menschen nicht vertrauenswürdig sind, sondern, dass feste Grenzen notwendig sind. Und manchmal kann diese Erkenntnis eine Traurigkeit mit sich bringen.“
Dass La Roux schon immer eine Affinität zum Subversiven hatte, macht ein Blick auf ihre eindrucksvolle Biografie klar. Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum und Hits wie “Bulletproof” und “In For The Kill” schoss sie weltweit nicht nur an die Spitze der Charts, sondern definierte Popmusik quasi im Alleingang neu. Es folgten Kollaborationen mit Kanye West, Major Lazer und Skream und das von Kritikern gefeierte Album “Trouble In Paradise”, ihr zweites UK Top 10 Album.
Nun, zehn Jahre nach ihrem Durchbruch, hört sich das Album immer noch nach La Roux an. Eine Neuerfindung ist es definitiv nicht – eher ein solides Album zwischen Dancefloor und Elektropop mit Anleihen an Soul und Funk. Inhaltlich sehr ausgereift, doch herausragende musikalische Highlights mache ich nicht aus. Schade.
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Die Zusammenstellung dieses orchestralen Livekonzerts ist so ungewöhnlich wie beeindruckend: Der Wilde Westen trifft auf den beseelten Klang Italiens. Furchtlose New Yorker Gangster treffen auf Cowboys aus der staubigen Prärie. Der Pate trifft auf Taxi Driver. Die Magie des Kinos trifft auf den vollen Klang eines erstklassigen Sinfonieorchesters.
Diese exklusive Livekonzert-Produktion mit dem Danish National Symphony Orchestra, unterstützt vom hervorragenden Danish National Concert Choir und einigen Solisten, präsentiert eine einzigartige Auswahl von Filmklassikern – von Sergio Leones legendären Spaghetti-Western über die modernen Mafia-Meisterwerke von Francis Ford Coppola bis hin zu den Kultfilmen von Quentin Tarantino.
Während des Hörens wird man sich mal wieder bewusst, wie eng Musik und Film miteinander verknüpft sind. Die Töne erzeugen die Bilder im Kopf – man nehme nur die Melodien von „A Fistful of Dollars“, „Once upon a time in the West“ und „The Good, The Bad and The Ugly“. Hier spielen sich die atmosphärischen und dramatischen Szenen ebenso im Kopfkino ab wie beim modernen Klassiker „Bang Bang – My Baby shot me down“ aus Tarantinos „Kill Bill“. Hier macht die Solistin Tuva Semmingsen einen klasse Job.
Der Sound zu „Taxi Driver“ mogelt sich irgendwie zwischen die Westernklänge und schafft einen faszinierenden Übergang zu dem kurzen Auszug aus „The Untouchables“. Die Fixierung auf Morricone ist vielleicht etwas ungerecht, da auch die Komponistenlegenden Nino Rota, Sonny Bono und Bernard Herrmann vertreten sind, aber das sei mal dem dramatischen Konzept des Duells geschuldet.
Die Arrangements sind stark ausgearbeitet und der Konzert-Soundtrack weiß absolut zu überzeugen. Für Fans guter Filmmusik und hervorragender Orchestermusik ist diese CD ein Muss. Die Review kommt etwas spät – aber ich bin erst durch die 2020er Neuauflage der CD auf das Album aufmerksam geworden. 75 Minuten Musik vom Feinsten!
Die lange Pause zwischen „Warrior“ und „Rainbow“ hat Kesha hörbar gut getan. Ihre neue Musik erreicht zwar nicht den Innovationscharakter des Debüts „Animal“, aber sie ist wieder ganz die Alte, was ihre stimmlichen und songwriterischen Qualitäten angeht. Immerhin schreibt sie an allen Songs selbst mit, was in der Branche gewiss keine Selbstverständlichkeit ist.
Auf ihrem vierten Album „High Road”, dem Follow-Up zum Grammy-nominierten Longplayer „Rainbow”, präsentiert sich Kesha als Künstlerin auf einer vergnüglichen musikalischen Reise in Richtung Selbsterkenntnis. Für die Umsetzung ihrer musikalischen Ideen verpflichtete sie hierfür eine auserwählte Schar an Kollaborationspartnern, Songwritern und Produzenten, darunter John Hill, Dan Reynolds, Stuart Crichton, Jeff Bhasker, Drew Pearson, Brian Wilson, Sturgill Simpson, Nate Ruess, Justin Tranter, Stint, Wrabel und Pebe Sebert.
Die Bandbreite des Albums reicht von den himmlischsten Höhen bis hin zu emotionalen Tiefpunkten. Im Mittelpunkt des Ganzen steht dabei stets Keshas beherzt selbstbewusste Art, in Kombination mit brillanten „F**k Off“-One-Linern, Dancefloor Grooves und einigen Remindern, dass man Hatern nicht so viel Aufmerksamkeit schenken sollte. Auf einigen Rap-beeinflussten Songs zeigt sie ihre Skills als textliche Schnellfeuerwaffe, bei anderen Tracks wiederum kommen Folk-Elemente zum Tragen. Abgerundet wird „High Road“ mit einer Dream-Pop-Ode an die Freundschaft und einer nachdenklichen Ballade über das Aufwachsen ohne Vater.
Die zeitweise hysterische Gesangsstimme mitten in elektronischem Wirrwarr ist Keshas Markenzeichen – und das kommt auch nicht zu kurz, wenn ich Songs wie „Tonight“ und „High Road“ höre. Doch das ist nicht alles. „Raising Hell“ beginnt mit einem soften Piano-Intro, bevor es zum Clubtrack ausartet. Und der akustische „Cowboy Blues“ sowie hymnische Songs Marke „Tonight“ zeigen Keshas ganze Bandbreite und lassen sie (ähnlich wie zuletzt Lady Gag) sehr gereift klingen.
„Resentment“, die Kollaboration mit Sturgill Simpson, Brian Wilson & Wrabel, überzeugt mich ebenso wie das eindringliche „Father Daughter Dance“. Voller Herzblut präsentiert Kesha ein emotionales Album, das sie gefestigt in der Musikwelt zeigt. Gerne mehr davon!
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Nach drei Studio-Alben und einer ausverkauften Headliner-Tour zum letzten Album „Wir waren nie hier“, haben Emma6 Ende Januar eine neue 4-Songs-EP mit dem Titel „Möglichkeiten“ veröffentlicht. Darauf klingt das Trio abgespeckt, mehr nach Akustikgitarre und doch erkennt man den unverwechselbaren Emma6-Sound wieder. Nach vierzehn Bandjahren und drei Alben hat die Band offensichtlich Lust in kleineren Sinneinheiten zu fühlen und zu denken. So gibt es passend zur EP auch noch eine Video-Tetralogie. Grund genug für Musicheadquarter-Redakteurin Hannah Kröll bei Emma6-Schlagzeuger Henrik Trevisan nachzufragen.
Ihr habt euch für das Schreiben eurer neuen Songs in eine Hütte im Schwarzwald eingeschlossen. Klingt sehr idyllisch! Wie seid ihr auf diese Idee gekommen und warum ausgerechnet der Schwarzwald?
Henrik Trevisan: Das hat sowohl pragmatische als auch romantische Gründe. Wir leben mittlerweile alle am Rhein zwischen Köln und Karlsruhe. Dadurch gibt es nicht mehr zwangsläufig einen einzelnen naheliegenden Ort, an dem wir uns treffen. Hinzu kommt, dass der Schwarzwald eine wirklich schöne Gegend ist und man dort Plätze findet, die sehr abgelegen sind, was sehr inspirierend ist.
Wieso habt ihr euch denn dazu entschieden die Songs über einen längeren Zeitraum einzeln zu veröffentlichen und nicht, wie sonst ja oft üblich, alle auf einen Schlag in einer EP?
Henrik Trevisan: Wir haben festgestellt, dass die Zeiträume zwischen zwei Alben bei uns immer recht lang sind. Es gibt Songs, die sehr früh in dieser kreativen Phase zwischen den Veröffentlichungen entstehen, und andere, die erst spät dazukommen. Wir wollten den Zeitpunkt zwischen Entstehung und Veröffentlichung gerne verkürzen, daher die Entscheidung zur EP. Zusätzlich hatten wir die Idee eines Kurzfilms, der die Songs begleitet und zunächst nur Stück für Stück veröffentlicht wird. Das fanden wir sehr passend.
Bei „Möglichkeiten“ beschreibt ihr nach meiner Lesart den Konflikt zwischen den tausenden Möglichkeiten, die sich auftun und der damit zusammenhängenden Überforderungsproblematik. Hattet ihr beim Schreiben von „Möglichkeiten“ ein bestimmtes Dilemma im Kopf oder geht es bei dem Song mehr um etwas Generelles?
Henrik Trevisan: Deine Lesart trifft die Idee des Songs. Es geht einerseits um die großen Möglichkeiten im Leben, also Fragen wie: Wo möchte ich leben? Wie möchte ich leben? Was ist mir eigentlich wichtig, was nicht? Andererseits sind aber auch die Kleinigkeiten gemeint, bei denen man jeden Tag die Wahl hat und auch dort nicht immer klar ist welche Auswirkungen diese kleinen Entscheidungen haben. Daher kann es durchaus sinnvoll sein sich Gedanken darüber zu machen, was man wählt. Denkt man aber zu viel nach, kann es wiederum sein, dass man Dinge versäumt.
Bei „Nirgendwo“ hat mich der Teil „Nichts passiert hier im Nirgendwo, wo du warst ist es seltsam leer. Nichts passiert, das war schon immer so, aber mit dir weniger schwer“ sehr an „Seit du weg bist, ist hier nichts mehr wie es war. Nur ich bin noch da“ aus „Köln – Wien“ von eurem Album „Passen“ erinnert. Hängen die Songs irgendwie zusammen?
Henrik Trevisan: Das Grundgefühl der beiden Songs ist ähnlich, es gibt auf jeden Fall gewisse Parallelen. Bei „Nirgendwo“ geht es aber um eine Freundschaft, während „Köln – Wien“ eine Fernbeziehung thematisiert.
In Bezug auf „Nirgendwo“ würde ich natürlich auch gern noch wissen, ob mein Tipp aus dem Review (hier zum Nachlesen) stimmt und ihr euch mit der Line „Doch irgendwer Schlaues hat einmal gesagt ‚Irgendwann ist auch nur ein anderes Wort für nie!‘“ wirklich auf Kettcars „Benzin und Kartoffelchips“ bezieht oder ob ich mir diese Verbindung nur einbilde?
Henrik Trevisan: Diese Verbindung bildest du dir definitiv nicht nur ein. Große Schreiber wie Kettcar darf und sollte man auch mal zitieren. Vor allem, wenn einem selbst keine bessere Zeile einfällt (grinst).
Die neue Emma6-EP „Möglichkeiten“ wurde am 24.01.2020 beim Label Ferryhouse Productions veröffentlicht.
Hattet ihr beim Schreiben von „Meine Wege deinetwegen“ eine bestimmte Person im Kopf und wenn ja, war es dann bei euch allen drei dieselbe?
Henrik Trevisan: Der Text ist von Peter (Trevisan, Sänger von Emma6, d.Red.). Er ist letztes Jahr Vater geworden und der Song war das Geschenk an seine Frau zur Geburt.
„Überwintern“ ist für mich ein ganz spezieller Song, weil der Text und die Musik sehr aufmunternd wirken und fast schon fröhlich, eigentlich ist das Thema des Songs ja aber auch etwas Trauriges, nämlich Niedergeschlagen-Sein und eben das Fehlen des Gedankens, dass es besser wird, zumindest bei denjenigen, die ihr ansprecht. Warum habt ihr euch für einen solchen „Kontrast“ entschieden? Oder würdest du es gar nicht als einen solchen Kontrast ansehen?
Henrik Trevisan: Wir haben das Gefühl, dass gute Zeiten nur deshalb so gut sind, weil es auch weniger gute gibt. Wenn ich nur mein Umfeld betrachte, dann stelle ich fest, dass viele Menschen unzufrieden sind, obwohl sie objektiv betrachtet wohl alles haben, was sie brauchen und damit meine ich nicht nur materielle Dinge. Ganz persönlich gibt es unsere Band nun schon wirklich sehr lange und jeder von uns hat in dieser Zeit Gutes und weniger Gutes erlebt. Oft waren die schwierigsten Zeiten die, in denen wir uns am besten kennengelernt und etwas für die guten Zeiten mitgenommen haben.
Eure Songs wirken so persönlich, aber ich konnte sowohl bei „Möglichkeiten“ als auch bei „Überwintern“ auch Zusammenhänge zu großen Themen gesellschaftlichen Zusammenlebens erkennen. Wie viel gesellschaftliche Kritik steckt denn in den neuen Liedern?
Henrik Trevisan: Wir sind wie alle anderen auch Teil einer Gesellschaft. Ich denke persönliche und gesellschaftliche Dinge bedingen sich daher gegenseitig. In den allermeisten persönlichen Songs gibt es daher auch eine gesellschaftlichen Komponente.
Woher kam eigentlich die Idee eine Video-Tetralogie zu den Songs aufzunehmen?
Henrik Trevisan: Das Format der EP, also einer Veröffentlichung mit in unserem Fall nur vier Songs, war für uns neu. Zwar haben wir am Anfang der Bandgeschichte schon selber Songs aufgenommen und diese dann auf CDs gebrannt, die vier bis fünf Songs enthielten, aber das liegt schon länger zurück. Nun hatten wir das Gefühl, dass die Songs, die als Paket entstanden sind, auch visuell als Paket präsentiert werden sollten. Damit war die Idee geboren, dass wir in den Videos eine zusammenhängende Geschichte erzählen wollen. Das Drehbuch hat schließlich Dominik (Republik, spielt Bass bei Emma6, d.Red.) geschrieben.
Und zu guter Letzt noch die Frage, die uns wohl allen unter den Nägeln brennt: Wird die EP der Anstoß für eine erneute Tour sein?
Henrik Trevisan: Wir werden Ende des Jahres einige Konzerte spielen. In welchen Städten wir einen Stopp machen werden, kann ich leider noch nicht sagen, aber es wird Konzerte geben. Wir freuen uns jetzt schon und machen uns bereits Gedanken wie wir die neuen Songs live präsentieren möchten.
Das ist doch ein schönes Schlusswort. Wir bedanken uns vielmals für deine Zeit und freuen uns auch schon darauf euch wieder live sehen zu können.
Ein Dankeschön geht ebenfalls an Jenny Gottstein von ferryhouse productions für die nette Vermittlung des Interviews!
Leslie Odom Jr. ist ein US-amerikanischer Schauspieler und Sänger. Er trat am Broadway sowie in Fernsehen und Film auf und veröffentlichte zwei Solo-Jazz-Alben. Vor allem bekannt ist er für seine Rolle als Aaron Burr im Broadway-Musical Hamilton, für das er 2016 den Tony Award als bester Hauptdarsteller in einem Musical und den Grammy Award als bestes Musical Theater Album als Hauptsänger gewann.
Beide bisherigen Soloalbum (das selbstbetitelte Debüt und das Weihnachts-Jazz-Album „Simply Christmas“) erreichten Platz 1 in den US-Jazz-Charts. Leslie schuf die Songs seines neues Albums in den letzten zwei Jahren in aller Stille. Seine Vision kristallisierte sich während eines Songwriter-Camps heraus, das er auf der weltberühmten Skywalker Ranch von George Lucas veranstaltet hatte. Vor Ort fanden sich erfahrende Songwriter aller Genres ein und so beschloss er, die Elemente aus Soul, R&B, Jazz und Pop miteinander zu vereinen. Das Ergebnis ist ein einzigartiger Stil, der sowohl kraftvoll und leidenschaftlich, als auch persönlich ist.
Er selbst sagt dazu: „Das ist der Sound, den ich schon immer machen wollte. Ich dachte an all die Alben zurück, die mich in meinem Leben geprägt hatten und überlegte, was sie zu etwas Besonderem machte. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass alle sowohl etwas Altes als auch etwas Neues enthalten.“
Songs wie „Stronger Magic“ lassen Leslies Musicalstimme brillieren. „Standards“ bietet entspannten Jazz zum Zurücklehnen voller James-Bond-Tunes. „Go Crazy“ verliert sich in eleganten Funk-Rhythmen. „Under Pressure“ zeigt die stimmlichen Qualitäten des Sängers in vielen Facetten. „Cold“ und „Lose It“ machen ihn zum schmachtenden Schmusesänger.
Vor allem die ruhige und entspannte zweite Albumhälfte bis hin zum vokal verspielten „Freedom“ gefällt mir ausgesprochen gut. Ein Album, das in Zeiten von Schlagerparty und Mallorca-Hits zu entschleunigen weiß.
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BRDIGUNG gönnen ihrem neuen Album „Zeig dich!“ einen sehr dramatischen, beschaulichen Piano-Start, bevor es dann mit dem Titeltrack wie gewohnt in die Vollen geht. Die Band bleibt sich auch auf ihrem neuen Album vollkommen treu und pöbelt wie eh und je, unzensiert und laut. „Zeig dich!“ ist ein Album für alle, die die Nase voll haben von glattgebügelten Künstlern ohne Meinung – bloß nicht anecken, bloß niemanden kränken. Wo andere noch „Darf er das?“ fragen, strecken BRDIGUNG der sogenannten “Political Correctness” den Mittelfinger ins Gesicht. Eine solche Haltung ist momentan so wichtig wie schon lange nicht mehr.
Das Album bietet metallischen Punkrock, der mit Ecken und Kanten wild um sich tritt und niemanden verschont. Ein Song wie „Ob du behindert bist“ passt da perfekt. Ein Spiel mit Vorurteilen – frech und ohne Hemmungen. Es ist die Mischung aus Witz und kein Blatt vor den Mund nehmen, die BRDIGUNG bei ihren Fans so beliebt gemacht hat. Vom Sound her vielleicht ein wenig untypisch, steht über allem die zentrale Aussage: „Gemeinsam lachen – mit- und übereinander. Grenzen überwinden, denn wir sind nicht (Humor-)behindert!“ – also die pure Inklusion.
Zwischen Deutschrock und Punk ist die Musik absolut partytauglich. Ein Song wie „Dreh die Musik auf“ spricht Bände. Die Band aus Kempen am Niederrhein hat schon mit „Zeitzünder“ gezeigt, dass sie die Top 10 der deutschen Albumcharts knacken können. Mit „Zeig dich!“ sind sie so nah an der Spitze wie noch nie.
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Nichts ist mit der engen Verbindung zwischen Geschwistern zu vergleichen und diese Verbindung ist es auch, die das aus dem schottischen Glasgow stammende Duo SAINT PHNX, bestehend aus den Brüdern Stevie und Alan Jukes, ausmacht. Den Einfluss von Bands wie Twenty One Pilots, X Ambassadors und Imagine Dragons hört man ihrem gewaltigen Sound an, aber erst dank einer großzügigen Portion Selbstbewusstsein, Experimentierfreude und ihrem Talent für mitreißende Refrains heben sie sich ab und können es mit jeder anderen Arena-Band aufnehmen.
Bis zur bevorstehenden Veröffentlichung ihrer Debüt-LP war es ein langer Weg. Alle sechs Indie-Singles, „Deadmen“, „Death of Me“, „Nunchuck“, „Shake“, „Sorry“ und „Scream“, die seit 2019 erschienen sind, befinden sich auf dem Album und haben schon jetzt mehrere Millionen Streams erreicht. Während dieser Zeit haben sie zahlreiche ausverkaufte Konzerte gespielt, Yungblud und Lewis Capaldi bei deren ausverkauften Konzerten supportet und sind bei vielen Festivals aufgetreten.
An das Abkürzungsgewimmel muss man sich vielleicht noch gewöhnen. PHNX steht natürlich für Phönix. Ob das Singer/Songwriter-Duo aus Glasgow damit allerdings irgendwie aus der Asche aufsteigen will, bleibt ungeklärt. „DDMN“ steht für den Song „Deadmen“ über den Vater von Stevie und Alan. Stevie sagt über das Album: “Die Textzeile ‘Head Full of Angels, Demons at My Feet’ verkörpert das Konzept unseres Albums. ‚DDMN‘ handelt von einer Reise zu sich selbst. Es ist die Geschichte der Band – woher wir gekommen sind und wo wir jetzt stehen. Es geht darum, wie die Entscheidungen, die wir treffen, unser Leben beeinflussen. Das Album besteht aus zwei Teilen: einer hellen und einer dunklen Seite…”
Die CD beginnt mit der „dunklen“ Seite und mit den Tracks „Scream“, „Death Of Me“, „Nunchuck“, „Shake“ und „Violence & Spiders“. Alan erklärt, dass das Album „die Reise unserer Band und auch von uns als Menschen nachzeichnet, mit allen Schwierigkeiten, die wir meistern mussten. Wenn du eine schlechte Entscheidung triffst, gerätst du ins Straucheln und kommst von deinem Weg ab. Auf dem Album werden diese Entscheidungen von Schädeln in Höhlen dargestellt“.
Der zweite Teil von „DDMN“, die „helle“ Seite der LP, beinhaltet die Tracks „Mountains“, „Deadmen“, „Sorry“ und die bisher unveröffentlichten „Follow“ und „Up To The Stars“. Alan sagt, dass es “auf der hellen Seite um Beziehungen geht. Es geht darum, gute Entscheidungen zu treffen, die dich bestärken und positive Dinge nach sich ziehen. In unserer Geschichte führt die positive Energie zu einem Aufstieg auf den Gipfel des Berges, wo man Astronauten sehen kann. Wir hoffen, dass wir den Leuten dieses erhebende Gefühl mitgeben können.“
In gerade einmal 32 Album-Minuten wird eine ganze Menge Stoff abgearbeitet – ein Leben in Schatten und Licht. Die elektronischen Momente sind immer stark präsent, doch die Musik bleibt auch sehr songdienlich in einem Sound zwischen OneRepublic und Imagine Dragons. Mir persönlich gefällt die helle Seite besser, beispielsweise der hymnische Beziehungssong „Sorry“. Es macht schon Sinn, ein Album so aufzubauen: Erst einmal die Zuhörer emotional aufwühlen und dann mit großen Stadionsongs zum Abtanzen bringen.
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1993 absolvierten die Stone Temple Pilots ein legendäres MTV Unplugged-Konzert. Auch auf ihren Tourneen spielen sie hier und da kleine akustische Sets. Ein rein akustisches Album hat es in der Geschichte der Band bisher jedoch noch nicht gegeben. Eine Lücke, die jetzt mit „Perdida“ geschlossen wird. Das Album präsentiert zehn introspektive Songs, in denen sich Texte und Musik zu einem filigranen Ganzen verbinden. Für die Aufnahmen zu „Perdida“ (übrigens das spanische Wort für „Verlust“) traf sich das Quartett in den Bomb Shelter Studios von Schlagzeuger Eric Kretz und neben vielen Songideen hatten sie auch eine Reihe von Instrumenten im Gepäck, die man vorher nie auf einem Stone Temple Pilots-Album vermutet hätte.
Die beiden Vorab-Singles „Fare Thee Well“ und „Three Wishes“ bilden den ebenso entspannten wie hymnischen Einstieg. Es folgt das verträumte Titelstück, in dem Gitarre, Keyboard, Violine und Cello ein fast schon folkloristisches Stilgemenge ergeben. In „I Didn’t Know The Time“ kommt eine Flöte hinzu und sorgt für eine melancholische The Doors-Gedächtnisstimmung. Und die Stone Temple Pilots halten noch weitere spannende Instrumentierungen bereit. So etwa ein Alt-Saxofon in „Years“ oder eine indianische Basspfeife und ein Marxophon in „She’s My Queen“, mit denen sie zum ersten Mal die angezogene Akustik-Handbremse lockern und so etwas ähnliches wie Southern Rock verbreiten. Falls ihr euch fragen solltet was ein Marxophon ist: Eine geschlagene Dulcimer, ähnlich wie eine Zither, aus den 1920er Jahren. Alles klar?
Violine und Guitarrón lassen „Miles Away“ beinahe zu einem Chanson werden, während das darauffolgende „You Found Yourself While Losing Your Heart“ ganz viel Raum für ausgiebige Akustikgitarrensoli bietet. Bleiben noch das knapp zweiminütige rein instrumentale Zwischenspiel „I Once Sat At Your Table“ und die abermals entspannte Midtempo-Nummer „Sunburst“ als krönender Abschluss, mit der sich quasi der Kreis schließt und die ganz am Ende noch ein überraschendes Streicher-Crescendo bereithält. Sänger Jeff Gutt bringt das so auf den Punkt: „Es ist ein melancholisches Album, aber es schließt mit einer hoffnungsvollen Note.“
Recht hat der Mann. „Perdida“ ist ein Album voller Emotionen. Die Stone Temple Pilots schaffen es dabei die Gefühlsklaviatur so akzentuiert und dezent zu bedienen, dass sie zu keiner Sekunde der Gefahr ausgesetzt sind ins Kitschige abzurutschen. Man merkt jedem Song an wieviel Herzblut die Band in dieses Projekt gesteckt hat. Das Ergebnis ist ein zwar ungewöhnliches dafür aber trotz kleinerer Längen umso schöneres musikalisches Abenteuer. Im Februar gehen die Stone Temple Pilots mit dem „Perdida“-Repertoire auf Nordamerika-Tour. Dabei sollen auch Songs aus ihren früheren Alben in einem neuen Unplugged-Gewand präsentiert werden. Bleibt zu hoffen, dass sie danach den Weg nach Europa finden. Das könnte ähnlich legendär werden wie 1993.
„Break Out Of Babylon“ ist das vierzehnte Studioalbum von Wolf Maahn und es ist in mancherlei Hinsicht ein besonderes. Man könnte auch sagen ein gewöhnungsbedürftiges, fast schon experimentelles. Auf jeden Fall ist es das erste Konzeptalbum in Wolf Maahns vier Jahrzehnte währender Karriere. Es erzählt szenenhaft die Geschichte von William, einem Milliardär, der durch den Einfluss eines Aktivisten auf seine Frau und Tochter von einer Sinnkrise hin zu neuem, ungeahntem Glück findet. In den Songs spielen Themen wie Klimawandel, Artensterben oder gesellschaftliche Ungerechtigkeit eine zentrale Rolle.
Aber die Inhalte der Texte sind nicht das, was „Break Out Of Babylon“ – jedenfalls für mich – zunächst etwas sperrig macht. Es sind die ungewohnten Reggae Beats, die gut die Hälfte der insgesamt dreizehn Stücke dominieren. Zwar gab es auch auf den bisherigen Alben hin und wieder Reggae Tunes, aber hier erklärt Wolf Maahn sie zum zentralen Stilelement. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut. Zudem singt er zwei Songs komplett auf Englisch.
Der Reigen beginnt mit „Tanzen gegen den Wahnsinn“, das durch ein tolles Bläserintro glänzt und sich als extrem bewegungsanimierend herausstellt. Live ist das Stück bestimmt der Knaller. Im Anschluss halten sich Licht und Schatten die Waage. Richtig gut wird „Break Out Of Babylon“ immer dann, wenn sich Wolf Maahn auf seine Wurzeln besinnt. Und die liegen nun mal im Rock. Exemplarisch dafür sei „In der Gegenwart von Schönheit“ genannt, das uns mit einem Gitarren-Gedächtnissolo von Roger Schaffrath in die Achtziger Jahre zurückversetzt. Auch „Aktivist“ ist eine hymnische Rocknummer mit angezogener Handbremse und das darauffolgende „Im falschen Licht“ haut in dieselbe entspannte Kerbe. Nicht zu vergessen der Titelsong, bei dem Wolf Maahn zum ersten Mal in seiner Laufbahn selbst mit einem längeren Gitarrensolo zu hören ist. Dass es das Stück auch noch in einer Reggae-Version, der sogenannten Late Night Edition, auf das Album geschafft hat, sei an dieser Stelle geschenkt.
Zwischen Licht und Schatten machen es sich der groovende Schunkler „Slow-Mo in New York“ und das poppige „Love Dimension“ gemütlich. Die etwas dunklere Abteilung wird angeführt von „Hamsterrad“, das fast schon als Industrial rüberkommt und kalt wie eine Eisenbahnschiene wirkt und den beiden englischsprachigen Stücken „Where The Homeless Go“ und „Williams‘ Daughter“, wobei letzteres zumindest noch bestens als Untermalung in einer Chill Out-Zone aufgehoben wäre. Da hat es Wolf Maahn für meinen Geschmack mit seinem musikalischen Eifer etwas übertrieben.
Die Botschaft hinter „Break Out Of Babylon“ ist aller Ehren wert. Wolf Maahn ist ja durchaus als Querdenker bekannt und wer ihn mal persönlich getroffen hat, der weiß, dass das kein imageförderndes Kalkül ist, sondern aus der Tiefe seines Herzens kommt. Nicht umsonst gilt er als einer der einflussreichsten und beständigsten Musiker des Landes. Deshalb nimmt man es ihm auch ohne zu zögern ab, wenn er im Booklet schreibt: „Es könnte ja auf wundersame Weise grundcool werden, der Erhabenheit der Schöpfung mit Respekt und Liebe zu begegnen und nicht wie ein Kutscher, der permanent sein Pferd peitscht“. Hier finden sich übrigens noch sämtliche Texte und eine Reihe beeindruckender Reisefotografien aus dem Maahn’schen Familienalbum.
„Break Out Of Babylon“ ist kein eingängiges Album, das sich direkt beim ersten Hören erschließt. Mir hat es sich noch nicht wirklich erschlossen und es kann durchaus sein, dass wir gar keine Freunde mehr werden. Vielleicht zünden die Songs aber auch erst live so richtig. Auf seinen Konzerten lässt Wolf Maahn Zielgruppen erfahrungsgemäß weitestgehend außer Acht und lädt zum Singen, Tanzen und Feiern ein. Ab Februar gibt es dazu wieder ausreichend Gelegenheit:
Sehr ungewöhnlich startet diese Dudelsack-CD von Pipers of the World, nämlich mit dem berühmten Nürnberger Pachelbel-Kanon, der hier mit einer schottisch klingenden Melodie vermischt wurde. Das lässt doch schon mal aufhorchen.
Weiter geht es mit vielen Klassikern, die man mit den Highlands verbindet und die hier sehr atmosphärisch dargeboten werden. „The Bonnie Banks O‘ Loch Lomond“ in einer wunderschön getragenen Version von Maeve Mackinnon, bei der zunächst die akustische Gitarrenbegleitung dominiert, bis die Pipers einsetzen.
Das beschwingte „Sailor’s Hornpipe“ gibt es instrumental, bevor Ella Roberts den melancholischen „Skye Boat Song“ interpretiert. Alles berühmte Stücke, die eine Jahrhunderte währende Geschichte haben (und erzählen). Ich bin sehr erstaunt über die filigranen Arrangements von unter anderem Ian Melrose und Corvin Bahn, die so gar nicht das bodenständige Gedudel des militärischen schottischen Instruments hervorrufen, sondern ihm eine sehr rhythmische und kunstvolle Note verleihen.
Wer die bekannten Melodien sucht, wird in vielem fündig: „Auld Lang Syne“ und „Amazing Grace“ singen die genannten Damen im Duett. „My Bonnie Is Over The Ocean“ kann als Akustik-Titel ebenfalls überzeugen, während „Scotland The Brave“ – die inoffizielle Nationalhymne der Schotten – wieder kräftig reinhaut.
Von der Aufmachung her wirkt das Album wie eine der üblichen lieblosen Zusammenstellungen schottischer Traditionals. Umso überraschter war ich von der musikalischen Qualität und den Feinheiten des Albums. Sehr schön!
Monster Magnet gehören mittlerweile zu den Urgesteinen der Stoner Rock-Szene. Seit ihrer Gründung 1989 hat die Band ihre Besetzung einmal vollständig durchgewechselt. Nur Sänger Dave Wyndorf ist als Frontmann seit den Anfangstagen mit dabei und inzwischen auch schon stolze 63 Jahre alt. Ende der 90er beginnt für Monster Magnet mit dem Album „Powertrip“ und der Single „Space Lord“ eine neue Ära. Wyndorf wendet sich von den Drogen ab und die Band kehrt ihrer psychedelischen Vergangenheit den Rücken und orientiert sich mehr am „straighten“ Rock und Heavy Metal. Aktuell sind Monster Magnet anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens mit „Powertrip“ auf Europatour. Ähnliches haben sie bereits 2011 mit „Dopes To Infinity“ oder 2012 mit „Spine Of God“ zelebriert – also ein Album in Gänze live zu präsentieren. Aufgrund einer Mandelentzündung von Wyndorf musste die eigentlich bereits für den Sommer 2019 geplante Tour verschoben werden. Gesundet holt das Quintett die Termine nun nach und gastiert heute in der Kölner Essigfabrik.
Zumindest wettermäßig ist das ein klarer Nachteil. Statt angenehmer Temperaturen und Sonne regnet es unablässig Bindfäden über der Domstadt. Das hat viele Konzertbesucher allerdings nicht davon abgehalten nochmal die alten Monster Magnet T-Shirts (und die artverwandter Bands) aus den Tiefen des Kleiderschranks zu buddeln und über die seit dem Kauf leider etwas fülliger gewordene Körpermitte zu ziehen. Überhaupt fühlt man sich auf einem Monster Magnet-Konzert immer so ein bißchen wie aus der Zeit gefallen. In der Essigfabrik dominieren Kutten, Lederjacken, zottelige Bärte und lange Haare, die den stetigen Kampf gegen den Zahn der Zeit an vielen Stellen unübersehbar verloren haben. Die Halle in Köln-Deutz ist gut gefüllt und die knackige Innentemperatur lässt das ungemütliche Wetter draußen schnell vergessen. Dafür sorgt auch die Vorgruppe Saint Agnes aus London, die mit ihrer „Tarantino/Lynch style, warped, twisted psychedelic, Western inspired music“ (Selbstbeschreibung) nicht nur die Stimmung unter den geschätzt 1.200 Fans ordentlich anheizt.
Um 21.15 Uhr ertönt dann das Intro „Goliath And The Vampires“ und was für die folgenden knapp 90 Minuten in der Essigfabrik abgeht, ist quasi eine Blaupause für all die anderen Monster Magnet-Konzerte, die ich in den vergangenen Jahren gesehen habe. Dave Wyndorf mimt die Rampensau und als er die Bühne betritt, seine Gitarre in die Höhe reckt und ein kehliges Knurren hören lässt, ist der Abend aus Sicht der Fans schon gelungen. Da bleibt den übrigen Bandmitgliedern Garret Sweeny, Phil Caivano (beide Gitarre), Bassist Chris Kosnik und Bob Pantella hinter dem Drumkit selten mehr als die Rolle von Statisten. Weil Dave Wyndorf nicht gerade als großer Redner bekannt ist, knallen die Fünf einen Song aus „Powertrip“ nach dem anderen in die Halle – am Ende des Mainsets sind es zehn von insgesamt dreizehn. Die Kölner begleiten das mit ausgiebigem Kopfnicken, Gesängen, viel Applaus und dem wohligen Gefühl, sich in einem Raum-Zeit-Kontinuum zu befinden, in dem die Welt noch ganz einfach ist und nur aus Bier, Musik und Schweiß besteht. Zum guten Schluß sorgt dann „Space Lord“ inklusive „Motherfucker“-Sprechchören für den ultimativen Adrenalinausstoß. Danach haben erstmal alle eine Pause verdient.
Der Zugabenblock beginnt mit „Twin Earth“ vom 1993er „Superjudge“-Album. Dem folgt das Robert Calvert-Cover „The Right Stuff“, das sich nahtlos in die testosterongeschwängerte Atmosphäre einfügt. Abgeschlossen wird der wilde Ritt durch drei Jahrzehnte Monster Magnet mit zwei Klassikern aus „Dopes To Infinity“ von 1995, „Look To Your Orb For The Warning“ und „Negasonic Teenage Warhead“. Dann verabschiedet sich die Band mit einem Feedbackgewitter und hinterlässt viele verschwitzte T-Shirts und zufriedene Gesichter. Beim nächsten Mal sind sie garantiert wieder dabei, wenn der „Bullgod“ zum Tanz bittet. Dank Monster Magnet durften sich ihre Fans heute alle nochmal in die Zeiten versetzt fühlen, als Nietengürtel und Cowboystiefel zum modischen Standard gehörten und man in Kneipen noch rauchen durfte. Als wir wieder hinaus in die kalte Kölner Nachtluft treten, wundern wir uns fast darüber, dass vor der Essigfabrik nicht der DeLorean von Doc Brown darauf wartet uns zurück ins Jahr 1989 zu bringen. Dem Jahr, in dem die Geschichte von Monster Magnet begann. Zum Glück scheint sie noch lange nicht zu Ende zu sein.
Nach 20 Jahren Bandhistory und zehn Studioalben haben Mystic Prophecy jetzt endlich bei ROAR! Rock Of Angels Records ihren Platz gefunden. Und diese längst fällige Verbindung geht direkt in die Vollen. Nach dem Erfolg ihres letzten Albums „Monuments Uncovered“ kehrt eine der besten deutschen Metal-Maschinen mit einem wahren Meisterwerk zurück, das nur so strotzt vor massiven Riffs, hymnischen Hooks und großartigen Melodien. „Metal Division“ ist definitiv das härteste, punktgenaueste und beste Album der Band und wird Mystic Prophecy einen weiteren großen Schritt auf dem Weg in den Heavy-Metal-Olymp voranbringen.
Die Band wurde im Jahr 2001 gegründet und hatte vor allem in den letzten Jahren mit einigen Umbesetzungen zu kämpfen. Nur Shouter Roberto Dimitri Liapakis ist von Beginn an mit dabei. Die Neuaufstellung hat man aber hörbar gut überstanden. Das aktuelle Werk ist sehr abwechslungsreich und Sänger Roberto stimmlich in absoluter Topform. Knallharte, schnelle Songs wie „Eye to Eye“ und „Die with the Hammer“ hauen ordentlich rein. Hinzu kommen hymnische Stücke und Riffgewitter, die auch in den großen Stadien funktionieren könnten, sowie experimentelle Schlaglichter wie der Konzeptsong „Dracula“.
Wer Mystic Prophecy aus dem Schwabenländle bisher immer noch nicht auf dem Schirm hatte, sollte diesem Album definitiv ein Ohr gönnen. Vielleicht sogar im Vinylformat, wenn ich mir das fantastische Cover so betrachte. Es lohnt sich! Auch der Prophet im eigenen Land kann gute Musik vom Stapel lassen.
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Es wurde auch Zeit! Kaum eine Band ist mehr Synonym für unsterbliche Rockhymnen, seien es „We Are The Champions“ oder „We Will Rock You“. Songs, zu denen fast jeder Mensch auf dem Globus mitsummen kann. Die britische Formation um ihre Gallionsfigur, den viel zu früh verstorbenen Freddie Mercury, war nicht nur einer der kommerziell erfolgreichsten Acts der Musikgeschichte, sondern auch einer der vielfältigsten. Pünktlich zum 50-jährigen Gründungsjubiläum und passend zur „The Rhapsody Tour“, die Brian May und Roger Taylor gemeinsam mit Adam Lambert auch nach Europa führen wird, ehrt ROCK CLASSICS die Rocklegende mit seiner mittlerweile 28. Ausgabe.
Wie gewohnt auf 100 Seiten gibt es umfangreiche Artikel: Die Bandmitglieder Mercury, May, Taylor und Deacon werden in ausführlichen Biographien vorgestellt. Dann werden alle Alben der Band einer ausführlichen Analyse unterworfen.
Was mir persönlich gut gefällt und was dieses Magazin vielen Queen-Biografien voraus hat: Die Bandphasen mit Paul Rodgers und Adam Lambert werden nicht unter den Tisch gekehrt! Auch „The Cosmos Rocks“ wird ausführlich reviewt. Und Adam Lambert bekommt sogar ein umfangreiches Interview. Das hat er sich redlich verdient – als Gastsänger und fantastischer Performer, der es in Fankreisen sicher nicht immer leicht hat. „Ich bin kein Mitglied der Band, ich bin lediglich ein Gast. Ich bin da, um sie zu unterstützen und ihre Vision auf die Bohne zu bringen.“ Das sind sehr bescheidene und gut überlegte Worte.
Infos zu diversen Liveaufnahmen und Biografien runden das Heft ab. Wie immer bieten die ROCK CLASSICS gut recherchierte und gut sortierte Informationen. Es lohnt sich mal wieder.
Caspian, die Postrocker aus Massachusetts, sind seit 15 Jahren bekannt für ihre instrumentalen, durchaus melodischen Ausschweifungen: Post-Rock, Metal, Shoegaze, Electronic, Noise und Ambient – dort überall sind sie zuhause.
Produziert von Will Yip (Code Orange, Defeater, Quicksand, Turnstile), liefert „On Circles“ die organischsten Schreib- und Recordingsessions in der Laufbahn der Band. Das Album ist eine Art-Rock-Platte, die mit Saxophonen, Dubby-Texturen und 7/8 Rhythmen bestückt ist.
Die beiden Songs „Division Blues“ und „Ishmael“ bieten gekonnte Lautmalereien und Gast Jo Quail mit seinem apokalyptische Cello. Der wehmütige Song „Nostalgist“ enthält gar Gesangseinlagen von Pianos Become The Teeth Sänger Kyle Durfey.
Anspieltipp ist eindeutig das aufwühlende „Collapser“. Nach all den feinen Klängen und atmosphärischen Instrumentaltracks gibt es zum Ende aber noch eine faustdicke Überraschung: Die Postrocker singen den Abschluss „Circles on Circles“ in perfektem Harmoniegesang mit Gitarrist Philip Jamieson am Mikro und hören sich dabei bisweilen an wie die Fleet Foxes.
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Seit der Veröffentlichung ihres Debüts „Aversion“ im Jahr 2014 hat sich die Antilopen Gang Schritt für Schritt ein eigenes Freigehege erschaffen und sich dort jeden Wunsch erfüllt, der auf ihrer Bucketlist stand: Von der eigenen Kunst leben zu können, möglichst viele Konzerte auf riesigen Bühnen zu spielen, durch Shitstorms zu waten, Punk komplett neu zu erfinden und danach wieder zu beerdigen, sich ausgiebig zu streiten. Und nach dem Erreichen der Spitze der deutschen Charts 2017 mit dem Album „Anarchie und Alltag“ konnte auch der profane Traum vom Nummer-Eins-Album erfolgreich abgehakt werden.
Das vierte offizielle Album, dessen Titel traditionell mit einem „A“ beginnt, startet mit einer bewegenden Form von Vergangenheitsbewältigung, indem der Song „2013“ den Freitod von Bandmitglied Jakob Wich (NMZS) und damit das beinahe erfolgte vorzeitige Ende der Band bearbeitet. Ebenso deprimierend erklingt „Der Ruf ist ruiniert“. Die Antilopen machen ihrem Ruf als Underdogs alle Ehre. Und „Bang Bang“ über die Schattenseiten erster sexueller Erlebnisse ist ebenfalls grundehrlich.
„Lied gegen Kiffer“ nimmt die chillige Seite auseinander, während „Wünsch dir nix“ ziemlich offensichtlich eine Hommage an die Toten Hosen ist, auf deren Plattenlabel die Gang erscheint. Daneben gibt es auch die sozialkritische Seite, wenn „Roboter“ beispielsweise die Widrigkeiten des Arbeitslebens beschreibt. Auf jeden Fall ist es sehr erfrischend, zwischen den Beats auch intelligente Textzeilen auszuloten – und davon gibt es auf „Abbruch Abbruch“ eine ganze Menge.
Das Album endet so deprimierend, wie es begann. Wieder mit einem Freitod. Diesmal wird der Tod des Kneipenwirts besungen, dem die Düsseldorfer Kultkneipe „Abraxas“ gehörte. „Abbruch Abbruch“ ist ein starkes Album mit genialen Texten zwischen Spaß und Ernsthaftigkeit. Die Rapper nehmen sich selbst auf die Schippe – aber sie tun es mit Stil.
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