Ca. 10.300 Fans warten auf den Weltstar Joe Cocker mit der rauchigen Stimme!
Wie es eben meist ist, müssen sie aber noch ein bisschen Geduld haben, denn zuerst kommt Johannes Oerding und Band. Noch nicht so sehr bekannt, aber der junge Mann erzählt, dass Joe Cocker sich ihn und seine Band als Vorgruppe ausgesucht hat.
Die Band besteht aus neben Johannes Oerding, der neben dem Gesang noch eine Gitarre beisteuert, aus Bassist, Gitarrist, Keyboarder und Schlagzeuger und sie machen ihre Sache richtig gut. Er weiß schon ganz gut, wie man das Publikum anspricht. Obwohl, wie er erzählt, noch nie vor so einen großen Publikum gespielt hat. Man merkt es ihm nicht an. Er präsentiert seine Songs mit einer klaren Stimme und natürlich einer sehr guten instrumentalen Begleitung. Songs wie „Denn wenn die Welt“ und „Zurück“ lassen die Zeit des Wartens sehr unterhaltsam vorbei gehen. Mit viel Applaus verlassen sie die Bühne.
Setlist von Johannes Oerding
Denn wenn die Welt
Erste Wahl
Wir sind Magneten
Traurig aber wahr
Engel und
Zurück
Dann tut sich auf einmal was im Mittelgang. Lange Leitern hängen von einer Schwebetribüne herunter und dann klettern 3 Leute in die Höhe. Das zusätzlich Besondere an diesem Abend ist, dass während dieser Show eine Live-DVD aufgenommen wird. Dementsprechend haben die Besucher am Eingang schon kleine LED-Lämpchen erhalten, damit die Stimmung noch etwas intensiver gestaltet werden kann.
Und dann geht es los ….
Ein Schlagzeug, ein Gittare, ein Keyboard, eine Hammondorgel und Bongos – Besetzung und später noch ein Saxophonist, der die Instrumente Mundharmonika sowie Akkordeon super beherrscht – alles Männer. Aber an dem Bass eine Frau. Dann noch 2 Background-Sängerinnen und jetzt kommt er Mr. Joe Cocker! Man sieht schon, dass er seit Woodstock 1969 älter geworden ist, aber man muss erst abwarten, ob man es auch hört und sieht. Das Publikum steht auf, um ihn, wie es ihm gebührt, zu begrüßen.
Sein Startsong ist „I come in peace“ aus seinem aktuellen Album. Dann folgt „Feelin‘ alright“ aus der Zeit von Woodstock. So wechselt es mit den Songs und das Publikum größtenteils zwischen 50 und 70 genießt die Sitzplätze und hört intensiv zu. Bei dem Song „ Up where we belong“ kommt eine Aufforderung das die LED-Leuchten aktiviert werden sollen und die Lanxess-Arena gleicht einem Lichtermeer. Spätestens bei den Liedern „You can leave your hat on“ und „Unchain my Heart“ wird teils richtig mit gerockt. Nicht nur junges Publikum kann das! *smile*
Und dann kommt die Spannung auf. Die Hammondorgel spielt und sicher wissen fast alle in diesem Raum jetzt kommt der legendäre Song von Woodstock „With a litte help from my friends“! Jetzt stellt sich raus, ob er es noch kann … den Schrei, den er in diesem Song loslässt, dass die Wände wackeln. Wir sehen einen Mann, der nicht mehr die langen Haare hat wie früher, der die Schulterbewegungen reduziert hat auf rythmische Fingerbewegungen, aber seine Stimme, sein Sound, sein Schrei, unverkennbar nach fast 50 Jahren, als der den eigentlichen Beatles-Song zu seinem gemacht hat. Joe Cocker in seiner ganzen prachtvollen Darstellung!
21 Songs, ohne Pause, ich bin gespannt auf die DVD! Eine tolle Leistung und ich war dabei!
Selten hat die Live Music Hall ein so gemischtes Publikum gesehen wie bei dem Konzert von „Imagine Dragons“. Die US Amerikaner sprechen eben jeden an und nicht nur eine besondere Gruppe von Musikliebhabern. Von der kleinen 7jährigen bis zum Mittvierziger ist alles vertreten. Das das kein Wunder ist, liegt daran, dass „Imagine Dragons“ zu den Neuentdeckungen 2013 gehört. Bekannt geworden durch ihren Song „Radioactive“, der als Trailer-Song für das Spiel „Assasins Creed 3″ dient, sind sie auch mit „It´s time“ nicht mehr aus dem Radio weg zu denken.
Pünktlich um halb acht steht der Voract „MiMi“ auf der Bühne. Die Tochter von Sänger und Schauspieler Marius Müller-Westernhagen beweist, dass ihr das Singen in den Genen liegt. Sie steht zwar etwas zurückhaltend und steif auf der Bühne, unterhält ihr Hörer dafür aber mit einer starken und klaren Stimme. Bekannt geworden ist die gebürtige Britin in Deutschland zwar erst durch ihren Auftritt im Playboy Magazin, doch tatsächlich spielt sie seitdem sie gerade Mal 15 Jahre jung ist auf den Bühnen dieser Welt. Mit einer Mischung aus Sex-appeal und gleichzeitig zurückhaltenden Art wirkt die 27 jährige sympathisch. Bereits nach ihrem ersten Song bedankt sie sich bei dem Publikum und stellt sich und ihre Band „The Mad Noise Factory“ vor.
Von ihrer Show her passen „MiMi and The Mad Noise Factory“ nicht unbedingt zu „Imagine Dragons“ die eher mit Bewegung und Spannungsaufbau aufwarten. Von der musikalischen Seite her harmonieren die beiden Bands allerdings recht gut, allein durch den klaren Sound von MiMi ist sie mit ihrer Band trotzdem eine gute Wahl als Opener.
Noch bevor „Imagine Dragons“ auf der Bühne stehen kann man erahnen was auf das Publikum zukommt. Typisch für die Band aus Nevada ist, dass nicht nur ein komplettes Drum-Set auf der Bühne steht, sondern auch verschiedene Schlagzeugelemente die zusätzlich von den restlichen Mitgliedern der Band bespielt werden.
Grillenzirpen leitet den Haupt-act ein. Nicht weil der Saal so leise ist, sondern als Intro vom Band. Die Vorfreude lässt Minuten wie eine halbe Ewigkeit erscheinen. In blaues Licht getaucht kommen die vier Musiker endlich auf die Bühne und animieren das Publikum zum Klatschen. Als letztes erscheint Sänger Dan Reynolds und steigt mit der großen Drum auf der Bühne in den Takt des Intros ein.
Wenn man denkt, die Drum Elemente werden sparsam eingesetzt, merkt man bereits beim ersten Lied, „Round & Round“ das es nicht so ist. Mit „Amsterdam“ und „Tiptoe“ untermauern sie dies zusätzlich. „Tiptoe“ ist für Reynolds die Gelegenheit um das Publikum zum Mitsingen zu animieren. Wenn man nicht wüsste, dass es erst der dritte Song des Abends ist, ließe die aufgeheizte Stimmung im Publikum vermuten es wäre bereits der letzte. Generell sind die Liedendungen von „Imagine Dragons“ ein Spektakel. Kein Lied scheint so normal zu enden wie auf dem Album „Night Visions“. Während bislang sphärische Gitarren und Bassübergange für die Verbindung zwischen den Liedern sorgten, wendet sich der Sänger vor dem Song „Hear me“ das erste Mal an das Publikum. „Hear me“ startet mit dreistimmigem Gesang, der das Set durchgehend begleitet und beweist wie eingespielt die 2008 gegründete Band aufeinander ist. Nach „Cha-Ching“ versucht Reynolds die Kölner zu grüßen, was sich jedoch eher nach „Kohln“ anhört um damit in „Rocks“ überzuleiten. Ein Highlight des Abends ist ohne Zweifel „Radioactive“. Bereits bei den ersten Tönen des Lieds fängt die Menge an mitzusingen. In diesem Moment fühlt es sich eher an, wie ein Happening und nicht wie ein Konzert. Ob es schlau ist, hiernach direkt den Song „30Lives“ zu spielen, welcher deutlich ruhiger ist als „Radioactive“, ist fragwürdig. Gerade weil sich dieser so von „Radioactive“ unterscheidet scheint das Publikum etwas ins Leere zu fallen. Auf „Bleeding Out“, „Demons“, „Underdog“ bei dem Sie Leuchtende Bälle in die Menge werfen und „On the Top of the World“ folgt „It´s time“ als vermeintlich letzter Song des Abends. Auch hier singt die Menge wieder mit, so viel das sich so manch einer fragt, wer hier eigentlich das Geld bekommen sollte. Dass es das letzte Lied sein soll, glaubt allerdings keiner in der Halle. Dieses Ende klingt nämlich nicht so spektakulär wie viele andere der ersten Lieder. Mit der Zugabe „Nothing left to say” ist der Abend allerdings wirklich beendet. Ohne Frage ein gelungenes Konzert. Allerdings wirkt das Ende im Vergleich zu den anderen Songs etwas dünn, als hätte die Band ihr Pulver zu früh verschossen. Nichtsdestotrotz gehen die Fans mit einem guten Gefühl nach Hause und warten bereits auf den die nächste Tour.
Pain of Salvation sind eine der wenigen Bands, denen ich durch alle meine musikalischen Anwandlungen hindurch (sei es Dark-Wave, Black Metal oder Power Metal), treu geblieben bin. Genauer gesagt verfolge ich seit der Veröffentlichung von „The Perfect Element“ im Jahr 2000 die musikalische Entwicklung der Band von Prog Metal zum Siebziger-Jahre-Rock auf den letzten beiden „Road Salt“-Alben. Daniel Gildenlöw, Frontmann und einzige Konstante der Band, ist für mich einer der genialsten Musiker und besten Sänger im Rock-Bereich, und daher war es für mich ein wunderbares Erlebnis, endlich ein Interview mit ihm führen zu können – auch wenn der Ort dafür etwas bequemer hätte ausfallen können als das kalte Treppenhaus des Wohnhauses neben dem Turock in Essen. Aber der Backstage ist voll mit den singenden Isländern des Support-Acts Árstíðir und so bleibt uns nichts anderes übrig, als uns ins Treppenhaus zu hocken und die ein- und ausgehenden Bewohner des Hauses höflich zu begrüßen.
Ich habe bei diesem Interview übrigens darauf verzichtet, Fragen zum Mitgliederkarussel in der Bandgeschichte zu stellen, da Daniel Gildenlöw in allen möglichen Interviews schon dazu Stellung genommen hat. Daniel ist übrigens ein sehr gesprächiger Interview-Partner, den man schwer unterbrechen kann, anderseits kann man ihm auch stundenlang zuhören, auch wenn er von Hölzchen auf Stöckchen kommt. Aber lest selbst …
Daniel Gildenlöw im Interview
Daniel, das letzte Mal, als ich euch gesehen habe, war das in Leipzig auf einer exklusiven Akustik-Show. Und jetzt seid ihr mit dieser Akustik-Show auf Tour gegangen. Wie kam es dazu?
Daniel: Wir wurden damals gefragt, ob wir nicht diese Akustik-Show in Leipzig machen wollen, und wir fanden, dass es eine coole Idee war. Ich mag es, neue Sachen auszuprobieren und das schien mir eine gute Gelegenheit dafür zu sein. Wir wollten die Show aufnehmen, weil sie eben so exklusiv war, aber dann versagte auf der Show die Technik und das mit der Aufnahme klappte nicht. Aber wir wollten trotzdem gerne ein Akustik-Album aufnehmen, einfach alles im Proberaum durchspielen und es mixen lassen … Das machten wir, hatten aber wieder Probleme mit den Aufnahmen. Dann kam die Idee auf, mit der Show richtig auf Tour zu gehen. Gleichzeitig hatten wir die Idee, das Ganze in einer Art Wohnzimmer stattfinden zu lassen, bzw. wir hatten das schon für die „Road Salt“-Tour angedacht, aber das schien damals nicht das richtige Setting für die Tour zu sein. Für die Akustik-Tour schien das aber genau richtig. Wir begannen also damit, die „Wohnzimmer“-Tour zu planen und hatten eine Menge Ideen, wir wollten z. B. eine Couch und einen Kühlschrank und all so was.
Seid ihr dann richtig auf Flohmärkte gegangen, um die Requisiten zu finden?
Daniel: Ja, wir haben alle möglichen Charity- und Antiquitäten-Läden aufgesucht, um die Möbel zusammenzusuchen, die diesen Vibe hatten, hinter dem wir herwaren. Das gestaltete sich aber schwieriger als wir dachten. Es ist richtig schwer, Siebziger-Jahre-Möbel zu finden. Achtziger sind kein Problem, aber Siebziger sind eine Herausforderung. Und es war in diesem einen letzten Laden, kurz bevor sie Ladenschluss hatten, dass ich durch eine Tür in den Lagerraum sah und da diese coole, große und schwere Couch sah. Und ich musste eine richtige Charmoffensive starten, damit der Angestellte uns hineinließ. In diesem Lager fanden wir viele der Möbel, die wir jetzt auf der Bühne haben.
Ich hatte wirklich gedacht, dass es sehr einfach sein würde, dieses Wohnzimmer zusammenzustellen, aber letztendlich war es viel Arbeit. Ganz zu schweigen von den Schwierigkeiten auf der Tour selbst. An manchen Grenzübergängen hat man uns schon ziemlich schräg angeguckt, als sie diese braun-orangenen Tapeten und das ganze Mobiliar sahen.
Es war euch sehr wichtig, das alles auf euch zu nehmen, um diesen Traum wahrzumachen …
Daniel: Ja, aber es kamen auch noch so viele andere Dinge so schön zusammen. Das Setting sollte natürlich stimmen, aber auch was die Support-Acts anging war ich auf der Suche … ich bin schon seit 1998 Fan von Annekes Stimme, als ich The Gatherings Alben hörte. Und in Griechenland war sie mit Agua de Annique unser Support. Dort spielten sie diese energetische Siebzigerjahre-Musik. Ich fand, dass das perfekt für die Road-Salt-Tour sein würde, aber das haute damals zeitlich nicht hin. Ragnar kannte außerdem diese isländische Band Árstíðir, die ich mir im Netz angeschaut habe und von denen ich richtig beeindruckt war. Für die Akustik-Tour haben wir Anneke und Árstíðir dann noch mal gefragt, und diesmal klappte alles. Anneke und ich spielen übrigens auch auf dieser Tour einen Song zusammen …
Einen Song von Pain of Salvation?
Daniel: Hehe, nein, ich kann es ja jetzt sagen, denn das Interview wird auf keinen Fall vor diesem letzten Gig veröffentlicht werden. Wir singen zusammen einen Song von Kris Kristofferson … obwohl wer weiß, wahrscheinlich ist es schon überall auf youtube zu sehen, was eigentlich richtig schade ist. Denn obwohl ich es cool finde, auf youtube präsent zu sein, finde ich es schade, dass die Leute auf Konzerten mittlerweile in einem Wald voller iPhones stehen, anstatt ihre Feuerzeuge hochzuhalten.
Anneke und Daniel live
Diese Nostalgie, von der du sprichst, erinnert mich ein wenig an die Nostalgie, die in „1979″ anklingt. Ich habe ja immer diese Astrid-Lingren-Welt vor meinen Augen, wenn ich diesen Song höre. Ist das die Welt, nach der du dich sehnst?
Daniel: Wahrscheinlich ist das so, dass jede Generation dazu neigt, die Zeit, in der sie aufgewachsen ist, zu idealisieren, egal wann das war. Das ist wahrscheinlich in unserer Natur. Aber ich bin der Meinung, dass, obwohl ich wirklich versuche, objektiv zu sein, wirklich etwas verlorengegangen ist. Die Sechziger sind für mich – und ich spreche wirklich nur von meinen Empfindungen – ein Jahrzehnt der Revolution, wo man viel ausprobiert hat und frei war. In den Achtzigern war alles plötzlich wieder so kontrolliert und der Erfolg sehr wichtig. Die Siebziger stechen für mich heraus als eine Art angenehme Pause, eine Art natürliche Brücke zwischen den wilden Sechzigern und den Achtzigern, die für mich beide nicht so interessant sind, auch musikalisch nicht. In den Achtzigern gab es diesen übertrieben Einsatz von Hall und diesen kalten Effekten. In den Siebzigern gab es dieses Gefühl der Ruhe, die politische Bewegung war noch stark, aber nicht mehr so radikal wie in den Sechzigern.
Und diese Zeit zelebrierst du ja auch auf den letzten „Road Salt“-Alben. Wie sieht es mit dem kommenden Album aus, wie geht es von hier aus weiter?
Daniel: Diese Tour entstand ja eigentlich aus einer gewissen Planlosigkeit heraus. Was immer auch jetzt passiert, ist schwer berechenbar. Im Rückblick ist es immer viel einfacher zu sehen, wie natürlich es war, dass die Dinge aufeinander folgten. „Be“ zum Beispiel ist das natürliche Ergebnis der vorherigen Alben, auch „Scarsick“ war die natürliche Weiterführung der vorangegangenen Alben. „Scarsick“ ist intensiver, wütender und politischer als „12:5″ und „Be“, die nicht das richtige Forum für die Ideen gewesen waren, die es auf „Scarsick“ gab. Im Rückblick ist es wirklich einfacher zu sagen, warum dieses oder jenes entstanden ist, andersherum ist es sehr schwierig. Ich kann also momentan nicht sagen, was sein wird.
An der Stelle werden wir erstmal von der Tourmanagerin unterbrochen, denn Daniel soll den Abend eröffnen und einen Song mit Árstíðir spielen – was er dann auch tut. Danach treffen wir uns wieder im Treppenhaus, um das Gespräch fortzuführen.
Weiter geht’s … Es war gar nicht mal so schlecht, diese Unterbrechung zu haben. Ich hatte keine Ahnung, dass die Show so sein würde. Du hast jetzt einige Themen des Abends angesprochen, als da wären der Tod, Demenz und hast ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert usw. … ist das nicht riskant?
Daniel: (lacht) Ja schon, aber ich mag es ganz gerne, bei Shows eine Art Intimität zum Publikum herzustellen und einen Rahmen für die Show zu schaffen.
Wie ist die Reaktion bisher gewesen?
Daniel: Sehr positiv eigentlich, allerdings habe ich heute Abend auch viel mehr geredet, weil es die letzte Show dieser Tour ist. Aber ja, jedes Publikum reagiert anders. Ich taste mich da meistens langsam heran und versuche herauszufinden, ob das Publikum darauf steht oder lieber nur Musik hören will. Heute waren die Leute im Publikum cool, ich hatte das Gefühl, dass sie gerne zugehört und reagiert haben.
Hast du keine Angst, dass es die Leute völlig deprimiert?
Daniel: (lacht) Aaaalso, wenn es irgendwas gibt, das sich in den Jahren mit PoS gelernt habe, ist, dass die Leute durch deprimierende Dinge aufgebaut werden. Ich kann das verstehen, denn stell dir vor, dir geht es schlecht und du hörst fröhliche Musik á la „alles ist voll toll!“ Du wirst dich damit nicht identifizieren können und fühlst dich vielleicht noch isolierter. Aber wenn jemand sagt: „Weißt du was, das Leben ist manchmal halt echt kacke, aber wir sollten versuchen, etwas Cooles draus zu machen, weil es doch wertvoll ist!“, dann kannst du dich eher damit identifizieren … die ersten Jahre sind oft Leute nach Gigs zu uns gekommen, denen wirklich schreckliche Dinge passiert sind – z. B. der Verlust von Eltern, Freunden oder gar Kindern – und unsere Musik hat ihnen anscheinend durch diese schwierigen Zeiten geholfen. Ich habe mich damals gewundert, aber so ist es anscheinend.
Daniel nach dem Konzert in Essen
Ich habe das Gefühl, dass du dich in den letzten Jahren sehr von dieser schweren und aggressiven Musik verabschiedet hast. Die „Road Salt“-Alben kommen ja viel beschwingter und fröhlicher rüber …
Daniel: Fröhlich?? Wirklich??
Ja schon, obwohl ein paar Themen natürlich nicht weg sind. Als großer Fan darf man ja manchmal auch Scherze über seine Lieblingsmusiker machen …
Daniel: Ja, klar. Na ja, vielleicht … okay, sag es! (lacht)
Okay, bring mich nicht um, es ist ja nur mein Eindruck … in deinen Texten gibt es so viele leidende Frauen. Sie weinen immer und sterben und leiden …
Aaaaaaah, hmm, also, da bräuchte ich mehr Details … ja, es ist entweder persönliche Erfahrung, dann ist es halt so und man sollte nicht erwarten, dass es politisch korrekt ist. Aber wenn du z. B. „Mrs. Modern Mother Mary“ nimmst, geht es im Text genau darum, wie Frauen über die Jahrhunderte hinweg unterdrückt wurden. Gerade dieser Song handelt von dem Kampf um Gleichberechtigung und wie Religion die Gesellschaft beeinflusst. Du hast auf der einen Seite Maria Magdalena und auf der anderen Seite Maria, die Mutter. Und das hast du immer noch – und beide Marias leiden. Die Marias sind heute immer noch zu Hause und versuchen, Kinder aufzuziehen und die anderen sind im Internet, auf Porno-Seiten zu sehen. Die Heiligen und die Huren eben, wenn man es vereinfacht darstellen will.
Hmm, da du gerade eben das Thema Religion ansprichst. Wie sieht es damit aus? Ihr spielt ja des Öfteren ein Cover von „Halleluja“ am Ende eurer Konzerte. In Leipzig hast du auf der Bühne gesagt, in dem Song ginge es um Sex und nicht um Religion …
Daniel: (lacht) Ja, und es stimmt ja auch, da geht es gar nicht um Religion. In „Halleluja“ geht es darum, sich in der Sexualität und in Beziehungen zu verlieren. Es geht aber darum, dass Beziehungen in Kämpfe ausarten, in denen es um Gewinnen und Verlieren geht. Auf eine gewisse Weise geht es darin auch um Sucht. Meine Vermutung ist, dass er (Anm. d. Redaktion: Leonard Cohen) zu einem Zeitpunkt in seinem Leben sexsüchtig war und dass es in diesem Song auch um die Trauer geht, ein Problem mit Beziehungen zu haben. Ich finde den Text wunderschön, sehr sinnlich und gleichermaßen positiv und sehr traurig. So ein bisschen wie die Freude einer Ejakulation (lacht), es ist schön, aber gleichzeitig kommt danach eine Leere. Es ist das Fehlen von Größe und Erfüllung im Leben. Das Leben ist letztendlich ein Halleluja des Kommens – in jemandem (Anm. d. Red.: okay, im Original sagt er: „a halleluja of coming into someone“). Für was für ein Magazin war dieses Interview noch mal? (lacht)
Playgirl halt … es ging von Anfang an nicht um Prog sondern Pornos …
Daniel: Dann bin ich ja froh. (lacht)
Okay, also wie steht es denn jetzt mit der Religion. Oder findest du die Frage doof?
Daniel: Nein nein, aber wenn Leute nach Religion fragen, dann habe ich das gleiche Gefühl, wie wenn Leute nach Prog fragen. Dann denke ich immer, okay, ich kann jetzt höflich sein und die Frage umschiffen, ohne sie wirklich zu beantworten, und ohne irgendwelche Leute anzugreifen. Ich persönlich habe keinen Vertrag mit Religion. Ich bin der Meinung, dass jede Art von Religion falsch ist. Darum geht es z. B. in „Be“, obwohl seltsamerweise unheimlich viele religiöse Menschen dieses Album toll finden. Wo doch die Essenz des Albums ist, dass viele Dinge, die als Werkzeuge für die Menschen geschaffen wurden, die Menschen beherrschen. Und Dinge, die dazu da geschaffen wurden, die Menschen zu beherrschen, am Ende nur Werkzeuge werden. Es gibt also eine ständige Verschiebung der Paradigmen: Wir erschaffen Geld als Werkzeug und es wird zum Herrscher über alles, wir kreieren Gott als unseren Herrscher und er wird zum bloßen Werkzeug. Ich habe in einem meiner frühen Interviews eine Parabel aufgestellt: Religion ist für mich wie, wenn zwei Menschen in einer zweidimensionalen Welt leben und für eine Sekunde einen Zylinder zu sehen bekommen. Beide sehen diesen Zylinder von einer anderen Seite, der eine sieht ein Rechteck, der andere einen Kreis. Und in der zweidimensionalen Welt dieser beiden gibt es keine Figur, die sowohl ein Rechteck als auch ein Kreis sein könnte. Das funktioniert nicht, weil es auf einer höheren Ebene existiert als sie es sich vorstellen können. Und so gründet der eine die Rechteck-Religion und der andere die Kreis-Religion. Und bis zum Ende ihrer Tage und der Tage ihrer Kinder und Kindeskinder werden sie nicht aufhören, sich darum zu prügeln oder gar zu töten. Für mich ergibt das Ganze keinen Sinn. Dieser Kampf muss aufhören. Das ist für mich das Wichtigste.
Ich war im Urlaub im Jordan und wir waren am Strand. Unser ältester Sohn war gerade mal ein Jahr alt und spielte mit einem arabischen Jungen, der mit seinem Vater da war. Und es kam uns so wunderschön vor, so nach dem Motto „Ach, wie schön, Kinder kümmern sich nicht um Hautfarbe und Nationalitäten, sie spielen einfach.“ Wir fühlten uns sehr stolz und plötzlich fingen sie an, sich richtig zu kloppen, so dass ich und der Vater des anderen Jungen dazwischen gehen mussten. Wir hatten solche Angst und haben versucht, sie dazuzubringen, sich zu versöhnen, während wir uns mit einem leicht entschuldigenden Lächeln anguckten. Danach war alles wieder in Ordnung. Und so eine Funktion sollte Gott eigentlich haben, er sollte die Leute davon zurückhalten, miteinander zu kämpfen. Darum geht es bei Religion vielleicht auch, nämlich darum, dass Menschen ab und an jemanden brauchen, der die Elternrolle übernimmt und ihnen sagt, was sie tun sollen.
Man denkt, wenn man erwachsen ist, bräuchte man keine Eltern, weil man kein Kind mehr ist. Aber ich glaube, dass man egal wie alt man ist, in erster Linie eine Person ist, und als eine Person brauchst du manchmal einen Elternteil, der einem sagt, was man tun und lassen sollte.
Ich bin der Überzeugung, dass Religion von Menschen gemacht sein muss und allein schon aus diesem Grund kann sie nicht unfehlbar sein. Wenn ein zweidimensionales Wesen versucht, dreidimensional zu sein, dann wird das einfach nicht funktionieren. Religionen haben zwar ganz nette Regeln und Gebote, aber am Ende gehen sie hin und töten einander. Sie nutzen Gott also als ein Werkzeug. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass wenn es Gott gäbe, dass das in seinem oder ihrem Sinne wäre, dass er oder sie als Werkzeug benutzt wird.
Live im Turock
Wie sieht es denn mit Spiritualität aus?
Daniel: Ich weiß nicht genau, was Spiritualität bedeutet. Ich kenne Leute, die Selbstfindungskurse besuchen, wo sie in eine Tapete eingewickelt werden und einer setzt sich auf sie, damit sie die Geburt neu erleben können. Das nennen sie dann Spiritualität. Oder Leute, die meditieren und versuchen, dabei an rein gar nichts zu denken, und das dann Spiritualität nennen. Manche versuchen, die Zukunft vorherzusehen und nennen wiederum Spiritualität. Für mich ist Spiritualität ein großer Mülleimer für alles, was sich nicht mit empirischem Wissen belegen lässt.
Und Spiritualität einfach als die Fähigkeit zu sehen, sich in etwas zu verlieren?
Daniel: Ja, das unbedingt. Musik, Bücher, Kunst, wenn du das alles meinst, bin ich dabei. Für mich ist das Leben binär, existent und nicht-existent. Und ich ziehe einfach das Lebendige vor.
Ich bin überrascht, denn ich habe dich aufgrund deiner Musik für einen spirituellen Menschen gehalten. Und ich hätte nicht gedacht, dass du so ein rational denkender Humanist bist.
Daniel: Oh, ich kann auch sehr irrational sein (lacht). Ich denke, wenn es etwas gibt, das größer als das Leben ist, dann werde ich es eh nicht verstehen. Letztendlich musst du einfach nur nett sein und auf dein Herz hören oder manchmal auch nicht, hehe, und mehr kannst du auf dieser Welt nicht tun. Ich bin sicher, dass selbst wenn irgendwer uns erschaffen hat, was ich für sehr unglaubwürdig halte, dass er dafür sorgen wird, dass diejenigen, die sich gut verhalten haben, auch dann in diese bessere Welt eintreten, wenn sie nicht eine bestimmte Religion hatten. Ich kann das Konzept des Glaubens schon irgendwie verstehen, aber ich habe keine Wertschätzung für Religion. Selbst bin ich einfach zu alt, um zu glauben. Ich habe es versucht, aber ich habe das alles hinter mehr oder werde wohl auch nicht mehr zurückkehren.
Das ist eine sehr abgeklärte Haltung. Hat sich das auch in der Entwicklung deiner Musik niedergeschlagen? Wenn man es simpel verpacken will, kann man ja sagen, dass auf den Frust und die pubertären Elemente in der Musik – wenn ich das so sagen darf …
Daniel: (lacht) Ja, es war pubertär!
… doch eine viel erwachsenere geerdetere Musik gefolgt ist. So als wärst du mit dir mehr oder weniger im Reinen.
Daniel: Nee, ich denke nicht, dass ich mit mir im Reinen bin. Ich habe einfach neue Wege gefunden, meine Gefühle zu kanalisieren. Die Texte der „Road Salt“-Alben zum Beispiel beschäftigen sich immer noch mit ähnlichen Themen wie die Alben davor, aber es ist nicht mehr alles so in-the-face, sondern tiefgründiger. Ich würde sagen, dass sie subtiler sind, während die alten Alben melodramatischer und pompös daherkommen mit großen Gesten – was allerdings auch manchmal wichtig sein kann. Wenn ich es mit Filmen vergleichen würde, dann würde ich meine jetzige Musik mit „Being John Malkovich“, „Vergiss mein nicht“, „Adaptation“ oder „The Big Lebowski“ vergleichen. Diese Filme handeln von großen Themen, haben aber auch viel Humor und Wärme. Man kann sie sich auf viele verschiedene Arten anschauen. Und sie handeln alle von der Komplexität des Lebens. Denn wenn ich etwas in meinem Leben gelernt habe, ist es die Tatsache, dass das Leben sich nicht für den Ernst interessiert. Du kannst sich in einer ernsten Situation befinden und trotzdem passiert zur gleichen Zeit etwas Witziges, denn das Leben zielt nicht auf irgendetwas hin. Manche religiöse Menschen würden jetzt sicherlich widersprechen. Aber ich könnte jetzt einen Anruf bekommen, dass mein Vater gestorben ist und während ich mich hastig aufmache, könnte ich im Treppenhaus stolpern. Das würde in normalen Filmen nicht passieren, aber im normalen Leben passiert so was andauernd. Und in diesen Filmen, die ich genannt habe, wird gerade diese Unvorhersehbarkeit des Lebens, die gleichzeitig schön und traurig ist, zugelassen. Es ist, was ist es. Eine meiner Lieblingsfilmszenen ist die Szene in „The Big Lebowski“, wo Walter und der Dude Donnys Asche verstreuen, mit diesem militärischen Ernst und dann bekommt der Dude die ganze Asche ins Gesicht. Der Dude rastet richtig aus, aber am Ende umarmen sie sich wieder, denn das ist ihre Art, mit ihrer Trauer fertig zu werden. Das ist traurig und unheimlich witzig zugleich. Ich liebe das sehr! Das Gleiche gilt auch für meine Musik, denn man braucht eine große Anzahl verschiedener Emotion, damit sie wirklich funktioniert und echt ist.
Zum Schluss geht es natürlich um die Zukunft. Wie sehen deine Pläne für PoS aus?
Daniel: Die letzten Alben haben wir in Proberäumen aufgenommen und ich würde so gerne wieder in ein Studio gehen. Ich möchte allerdings auch nicht die Intimität verlieren, die so typisch für Pain of Salvation ist. Das ist aber alles, was ich jetzt gerade dazu sagen kann. In ein paar Jahren werden wir uns wahrscheinlich treffen und sagen: „Mensch, dass war doch klar, dass da dieses oder jenes Album kommen musste.“ Wir werden es sehen!
Daniel, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast!
Pain Of Salvation aus Schweden können auf eine über 20-jährige Bandgeschichte zurückblicken, in denen sie acht Studioalben veröffentlicht haben, die in keiner Musiksammlung von wahren Prog-Fans fehlen sollten. Mit den letzten Alben „Road Salt 1″ (2010) und „Road Salt 2″ (2011) hatte Frontmann Daniel Gildenlöw eine Richtung eingeschlagen, die sich musikalisch wieder mehr dem Geiste der Siebziger Jahre verschrieben hatte. Vorbei die Zeiten von komplizierten und pathosgeschwängerten Songs, die neue Devise von Pain of Salvation lautet seither: Erdiger Rock ohne Pomp und Gloria. Und so passt es vielleicht auch, dass die Band im Frühjahr 2013 auf eine Akustik-Tour ging. Schon 2012 hatte es ein Akustik-Konzert in Leipzig gegeben, das zunächst als exklusive Show gemeint war und dann doch die Initialzündung für eine ganze Tour wurde.
Die zahlreichen Besucher, die an diesem Sonntagabend in Essen das Turock besuchen, um sich von der akustischen Darbietung von Pain of Salvation überraschen zu lassen, erwartet beim Eintritt ein ganz besonderes Setting: Die Bühne ist zum Wohnzimmer umdekoriert worden, und zwar mit allen Schikanen! Eine alte Couch, mehrere Sesseln, Lampen, Siebziger-Jahre-Tapeten und Jimmy-Hendrix-Poster an der Wand. Die Message: Fühlt euch wie zu Hause. Und sehr familiär geht es dann auch an diesem Abend zu. Es ist die letzte Show von Pain of Salvation und ihrer Supports Anneke van Giersbergen und Árstíðir, als Konzertgänger kann man also auf einige Überraschungen gespannt sein …
Daniel Gildnlöw höchst persönlich begrüßt die Gäste. Während er auf der gemütlichen Couch Platz nimmt, hält er erstmal einen Monolog über den kommenden Abend. Es geht darin um die großen Themen: Demenz, Tod und Ähnliches – allerdings mit einem Augenzwinkern – und dabei erzählt er von der Großmutter seiner Frau, die an Altersdemenz leidet und immer wieder die gleichen Geschichten erzählt, die – so vermutet Gildenlöw – aus irgendeinem bestimmten Grund ihre persönlichen Schlüsselerinnerungen sein müssen. Und während er darüber philosophiert, was wohl seine Schlüsselerinnerungen im Alter sein werden, klingelt es „an der Tür“ und herein kommen die fünf Musiker von Árstíðir aus Island. Gemeinsam mit ihnen eröffnet Gildenlöw den Abend, und zwar mit einer wunderschönen akustischen Version von Pain of Salvations „Road Salt“. Den Rest von Árstíðir muss ich leider verpassen, weil ich das Interview, das ich bereits vor deren Auftritt mit Gildenlöw angefangen habe, weiterführen muss. Ich habe mir aber sagenlassen, dass die Show von Árstíðir wunderschön war: Sanfter und ruhiger Folk mit vielstimmigem Gesang.
Ich komme erst dann wieder in die Halle, als Daniel und seine Mitmusiker Anneke van Giersbergen mitten in ihrem Auftritt überraschen, indem sie jeder mit einem Besen in der Hand die Bühne betreten und die überraschte und belustigt grinsende Anneke gesanglich begleiten. Nach Abgang der Überraschungsgäste habe ich noch das Vergnügen, einige Songs von Anneke, die sie auf der Gitarre vorträgt, mitzubekommen und obwohl ich noch nie ein großer Fan von The Gathering war, muss ich sagen: Annekes Stimme ist einfach großartig und die Frau umwerfend gut (abgesehen davon, dass sie toll aussieht und unheimlich witzig ist). Für besonders heitere Stimmung sorgte übrigens ihr Cover-Song von Dolly Partons „Jolene“, bei dem doch der eine oder andere im Publikum mitsingen musste …
Dann ist es endlich Zeit für den Hauptact und wer gedacht hat, dass er dabei entspannen kann, hat die Rechnung ohne Gildenlöw gemacht. Denn er nimmt das Publikum auf eine abenteuerliche Reise durch das vielfältige Werk der Band. Man kann fast von Neu-Interpretationen reden, denn die Kreativität, mit denen altbekannte Songs wie z.B. „Falling Home“, „Ashes“, „Spitfall“ (Eminem lässt grüßen!) oder „Diffidentia“ neu arrangiert wurden, ist atemberaubend und genial. Hinzukommen noch einige Cover-Songs. Der erste ist Kris Kristoffersons „Help me make it through the night“, der von Daniel gemeinsam mit Anneke und einem der Árstíðir-Musiker auf der Couch dargeboten wird – inklusive Lach- und Kuschelanfällen (ich kann leider nicht sagen, welcher der fünf Árstíðir-Männer es war, denn er trug eine enorm große Perücke mit blonden Locken …). Wenig später gibt es eine absolut hirnverbrannte, aber göttliche Jazz/Reggae-Version von DIOs „Holy Diver“, die die Stimmung im Saal zum Kochen bringt. Richtig getanzt wird allerdings erst bei „Disco Queen“ (quasi DER „Dancefloor-Hit von PoS), und zwar sowohl vor als auch auf der Bühne, denn alle Musiker von Árstíðir und Anneke stürmen während des Songs die Bühne und tanzen sich auf den Tischen und Sesseln die Seele aus dem Leib! Noch ein Cover gibt es, und zwar „Dust in the Wind“ – mit Gildenlöws überirdischer Stimme: Zum Niederknien schön!
Konzerte von Pain of Salvations sind immer musikalische LSD-Trips, berauschend und bewusstseinserweiternd, aber man darf dabei nicht unerwähnt lassen, dass Daniel Gildenlöw auch ein begnadeter Alleinunterhalter ist. So erinnert er sich, wie er als Fünfzehnjähriger gepeinigt vom ersten Liebeskummer den schmalzigen Song „Second Love“ schrieb (ja, er ist schmalzig aber auch wunderschön). Herrlich, wie er sich über Textzeilen wie „you came like the wind“ und „night after night, the stars are shining so bright“ beömmelt, nur um den Song mit einer Innbrust anzustimmen, dass kein Auge trocken bleibt. Der emotionale Höhepunkt und gleichzeitig der Abschluss eines unvergesslichen Konzerts und einer fabelhaften Tour ist aber „1979″ aus dem letzten Album der Band. Für mich DAS heile-Welt-und-gute-Laune-Lied schlechthin Und während der ganze Saal jubelt, klatscht, glücklich lacht und die Chips-Tüte kreisen lässt, die Daniel neben sehr viel Obst im Publikum verteilt hat, lassen sich noch mal alle Musiker auf der Bühne feiern. Wer an diesem Abend nicht mit einem seligen Grinsen nach Hause geht, sollte dringend einen Arzt aufsuchen. Für mich bisher das Konzert des Jahres!
Lena Meyer-Landrut hat in kürzester Zeit eine Karriere durchlaufen, für die andere Künstler Jahrzehnte opfern müssen. 2009 bewarb sie sich bei Stefan Raab für die Show „Unser Star für Oslo“ und der Rest ist deutsche Musikgeschichte. Damals war sie 18 Jahre alt. Heute ist sie mit 22 immer noch ein junger Hüpfer, hat aber schon drei Alben auf den Markt gebracht, die sich allesamt an der Spitze der deutschen Charts verorten konnten. Nun kann man über die Langlebigkeit eines Titels wie „Satellite“ streiten. Heute können noch Generationen von Deutschen das Siegerlied „Ein bißchen Frieden“ von Nicole mitsummen. Ob das in dreißig Jahren auch mit „Satellite“ funktioniert wage ich zu bezweifeln.
Egal. Lena vereint die Generationen. Das war in der Saarbrücker Garage deutlich zu spüren, denn es fanden sich Zuschauer vieler Altersklassen ein. Recht viele Kinder (vor allem Mädchen) mit ihren Eltern, eine respektable Menge Jugendlicher, aber auch Vertreter der älteren Generation, die ohne Alibi-Kind erschienen waren. Alles war kinderfreundlich organisiert. Verzicht auf unnötige Vorbands, ein pünktlicher Konzertbeginn kurz nach 20 Uhr und damit ein Ende schon gut vor 22 Uhr. Die von weiter angereisten Eltern werden es dem Veranstalter danken.
Lena hüpfte putzmunter auf die Bühne, warf ein fröhliches „Hallo ihr Süßen“ in die Menge und es konnte losgehen. Den Anfang machte der Titel „To The Moon“. Lena kann inzwischen auf ein großes Repertoire eigener Songs zurück greifen. Das erlaubt ihr eine facettenreiche Zusammenstellung der Setlist. Vom modernen Pop über Funk und Retro-Sound bis zu akustischen Balladen ist alles dabei. So kann Lena ihre Vielseitigkeit zeigen und bleibt dabei trotzdem ihrem persönlichen Stil treu. Besondere Freude hat sie an den Uptempo-Nummern, die zum Tanzen anregen. Dabei bewegte sie sich in typischer Lena-Manier mit ausgebreiteten Armen auf der Bühne und ließ sich von der Musik treiben.
Die Setlist zog sich durch alle drei Alben und Kenner wissen, dass ungewöhnlich viele Songwriter an den Produktionen (vor allem beim zweiten Album) beteiligt waren. Die grandiose Band mit Keyboards, Gitarren und Kontrabass trug ihr übriges dazu bei, die Songs zum Leben zu erwecken. Zunächst bekamen die Zuschauer viele Albumtitel zu hören, die man nicht aus dem Radio kennt. Erst zur Hälfte des Sets gab es das düster-elektronische „Taken By A Stranger“ von Lenas zweitem Eurovisions-Auftritt, gekonnt durchmischt mit dem Coversong „Tainted Love“ (Soft Cell). Überhaupt präsentierte Lena einige spannende Coverversionen wie „Je Veux“ von ZAZ, „Rich Girl“ von Hall & Oates und „Life-ning“ von Snow Patrol. Damit wurde auch klar, wo ihre eigenen musikalischen Prioritäten liegen, was sie bei den Ansagen immer wieder betonte.
Natürlich warteten die Zuschauer vor allem auf „Satellite“. Als ersten Song im Zugabenblock musste man aber noch „Hit Me Baby One More Time“ (Britney Spears) über sich ergehen lassen, bevor endlich der erlösende Nummer-1-Hit erklang. Insgesamt war das Konzert sehr ausgewogen. Lenas Stimme wurde stark gefordert, das merkte man zeitweise auch. „Satellite“ beispielsweise klang bei weitem nicht so stark, wie man es aus der Fernsehpräsenz gewohnt ist. Allein Lenas sympathisches Auftreten reichte aber schon aus, um über einige stimmliche Probleme hinweg zu sehen. Sie ist ein Energiebündel, eine gute Entertainerin, hat ihr Publikum im Griff, bittet ein Mädchen zum Duett auf die Bühne, erzählt, was ihr gerade in den Sinn kommt.
Lena ist ein bezauberndes junges Talent geblieben. Wenn man sie dieser Tage in der Show „Voice Kids“ sieht, merkt man, dass sie nichts von ihrer Verrücktheit und Spontanität verloren hat. Das war in Saarbrücken ebenso spürbar. Gebt mir ein Mikro und lasst uns alle zusammen Spaß haben – diese Freude vermittelt die junge Künstlerin bei jedem Konzert.
Als Lana Del Rey am 17.04. die reichlich dekorierte Bühne der Mitsubishi Halle in Düsseldorf betritt, muss man sich die Ohren zu halten. So laut kreischen die Mädels in den ersten Reihen. Sowas kennt man eher von einem Teenie-Schwarm- Konzert, und erwartet man nicht wenn man auf die Alternative- Retro- Pop –Queen trifft. Ihren Stil zu beschreiben ist gar nicht so einfach, die Mischung von aktuellen Sounds mit dem Charme und Glamour der 50’s und 60’s „Americana“ Musik, amerikanische Volkmusik um es mal knapp zu vereinfachen, bringt sie einher mit Lolita Image und mächtig dick aufgelegten Fake- Wimpern. Mit diesen klimpert sie sich gekonnt durch den Abend, haucht und stöhnt sich sanft durch ihre Songs.
Passend zu dem Thema verleiht die Bühne der Halle einen amerikanischen Charme, Videoausschnitte werden eingespielt und zeigen amerikanische Idyllen; wie Lana sich durch die Wüste schlängelt und lasziv in die Kamera blickt. Das Ganze erinnert doch sehr an ihre letzte H&M Werbekampagne, aber wem soll man das verübeln, wo doch ihre künstliche Ausstrahlung, ohne jegliche Emotionen nicht wirklich wandelbar scheint. Jedoch wird sie noch eine Weile an ihrem Image festhalten, da das Konzept für ihre Fans aufzugehen scheint. Durch ihre kühle Art, die anmutet als sei sie psychisch nicht anwesend, sondern von außen beobachtend, wirken Songtexte wie „My pussy tastes like Pepsi Cola“, geheimnisvoll und künstlerisch. Anspruch bekommt ihre Show auch noch von dem Strechquartett, welche dem Auftritt eine wundervoll atmosppörische Stimmung verleiht. Gefolgt von ihren Hit Songs „Blue Jeans“, „Born to die“ und eignen Interpretationen von „Blue Velvet“ und „Knockin‘ on heaven‘s door“ begeistert sie ihre Fans von Song zu Song. Lana’s Programm umfasst 16 Songs, inklusive Zugabe.
Über ein Jahr mussten die Fans der Band Tocotronic nun auf ein neues Album, und somit auch auf eine neue Tour warten.
Nach einem ausgedehnten „Sabbat-Jahr“ (wie es die Jungs in Newslettern auch immer wieder gern und liebevoll betont haben) meldeten sie sich nicht nur mit einem neuen Album („Wie wir leben wollen“) sondern auch gleich mit sämtlichen Konzertterminen in der Bundesrepublik zurück.
Kein Wunder also, dass viele der Konzerte irre schnell ausverkauft waren und die anderen Gigs mehr als gut besucht. So auch an jenem Donnerstagabend im gemütlichen Kölner E-Werk.Doch es gab gleich mehrere Gründe zu feiern, so war es nicht nur irgendeine neue Tour und irgendein neues Album, sondern auch ein 20 jähriger Geburtstag, der dazu feiern war: den der Band selbst.
Nachdem erst einmal die deutsch/schwedische Indietronic-Band „It’s a Musical“ für das Erwärmen der Beine, Gedanken und Klatschapparate gesorgt hat, betraten die sehnlichst erwarteten Jungs die Bühne: Ein etwas in die Jahre gekommener Dirk von Lowtzow – kaum wiederzuerkennen im Graue-Strähnchen-Look- aber ansonsten vier gut gelaunte Männer, die sichtlich Lust hatten, ein wenig zu musizieren, feiern und sich feiern zu lassen.
Den Auftakt gibt es von der neuen Platte mit dem Song „Im Keller“, wobei sich die neuen Songs in ihrer Häufigkeit tatsächlich nicht gerade überschlugen.Natürlich gab es „Auf dem Pfad der Dämmerung“, „Abschaffen“ oder „Die Revolte ist in mir“ zu hören, für die eingefleischten Fans dürften die Highlights aber andere gewesen sein.
Mit auffällig sympathischen und menschenoffenen Kommentaren leitet Dirk von Lowtzow von „This boy is Tocotronic“ hin zu „Jackpot“ bis über eine verrückte, etwas zeitlupenartige Version von „Drüben auf dem Hügel“, und für viele sicher eine wahre Überraschung, eher selten gespielte Songs wie „Alles wird in Flammen stehen“.
Ein bunter Strauß an Melodien aus 20 Jahren Tocotronic, alle herrlich untermalt durch bunte Bilder, Zeichnungen oder das dazugehörige Video, abgespielt auf großer Leinwand hinter der Band. Optisch und akustisch ein wahres Feuerwerk der tocotronischen Emotionen. Und da auch eine dritte Zugabe noch drin war, dürfte ganz sicher keiner mit traurigem Gesicht nach Hause gefahren sein, im Gegenteil, sie haben uns entschädigt, für ein ganzes Jahr Toco-frei. Und wie!
Mit „vulgären Versen“ sind sie zurück, und obwohl wir natürlich immer wieder auch auf dem Grund des Swimmingpools auf sie warten würden, bis sie den „Pfad der Dämmerung“ hinter sich gelassen haben, um ihrer inneren Revolte Luft zu machen, so hoffen wir doch sehr, dass es kein weiteres Jahr dauert, bis man sie wieder auf den Bühnen im Land stehen sieht, denn eins steht fest: Tocotronic-Konzerte zaubern eine Atmosphäre und bieten bei Weitem mehr, als man auf Platte nur erahnen kann.
Herzlichen Glückwunsch, zu einem grandiosen Konzert und zu 20 Jahren Denken und Denker sein.
Bereits vor fünf Jahren war dieses infernalische Duo gemeinsam auf Tour und nannte die Konzerte „Hellish Rock“ – der Name war Programm. Überhaupt war es schön zu sehen, dass sich Kai Hansen mit den alten Bandkollegen noch eine Bühne teilen kann, auch wenn sein Abschied von Helloween Ende der 80er Jahre für alle Seiten nicht so glorreich war. Das Erfolgskonzept schrie jedenfalls nach Wiederholung und so sind Gamma Ray und Helloween auch 2013 wieder gemeinsam unterwegs, um die Konzerthallen der Welt im Sturm zu erobern. Den Anfang in Deutschland machte die Garage in Saarbrücken. Ideale Location, um die Metalgemeinde wach zu rütteln.
Als Support gab es Shadowside. Sorry, leider knapp verpasst. Ich traf gegen 19.45 Uhr in der prall gefüllten Garage ein und kurz darauf begannen Gamma Ray ihren einstündigen Set. Was für eine Wucht! Ich bin geneigt zu sagen, dass Kai Hansen hier mit seiner neueren Truppe die alten Weggefährten fast an die Wand gespielt hat. Ganz so frappierend war es zwar nicht, doch als er zum Ende des Sets „Future World“ anstimmte, war die Stimmung im Saal auf einem Höhepunkt, den sie später nicht mehr erreichen sollte.
Darüber hinaus gab es einen Set mit Klassikern wie „Men, Martians And Machines“, „Dethrone Tyranny“, „Empathy“ und „To The Metal“. Hinzu kamen die neuen Songs von der aktuellen EP „Master Of Confusion“, nämlich der Titeltrack und „Empire Of The Undead“. Musikalisch ging‘s in bewährter Manier zur Sache: Power und Speed. Wenn Gamma Ray sich von ihrer temporeichen, hymnischen Seite zeigen, ist der alte Spirit wieder da – und auch Hansens Stimme leidet nicht unter Abnutzungserscheinungen. Nach einer Stunde war das Publikum mehr als aufgewärmt und die Umbauarbeiten für Helloween begannen.
Mit „Straight Out Of Hell“ hat die Band um Andi Deris (inzwischen schon seit 19 Jahren Leadsänger) momentan ein heißes Album am Start, das die Band erstmals auf Platz 4 der deutschen Albumcharts katapultierte. Das hat nicht mal „Keeper Of The Seven Keys“ geschafft. Auf dem neuen Werk findet sich eine gesunde Mischung aus virtuosen, rauen und ruhigen Tracks. „Straight Out Of Hell“ ist ein Werk voller Spielfreude, mit komplexen Arrangements, starken Hooks und dichter Atmosphäre. „Nabataea“ ist ein Ohrwurm, zu dem Deris‘ Stimme perfekt passt. Hier zeigt er, zu was er stimmlich fähig ist und die Schreie entschwinden in ungeahnten Sphären. Ein Hammersong gleich an zweiter Stelle im Set.
Vom neuen Album gab es noch mehr zu hören und auch der Vorgänger war mit „Where The Sinners Go“ und „Are You Metal?“ hervorragend vertreten. Auf den letzten Scheiben boten Helloween so solide Kost, dass sie sich nicht hinter ihren Klassikern verstecken müssen. Diese kamen natürlich auch, doch vor das Feiern hat Gott leider den Balladenblock gesetzt. Hier kühlte die Stimmung in der Garage merklich ab. Spannend wurde es erst wieder ab den Zugaben und „Dr. Stein“. Zum krönenden Abschluss standen gar die Mitglieder beider Bands zusammen auf der Bühne und rockten, was das Zeug hielt.
Helloween sind und bleiben ein Phänomen. In Südamerika und Asien auf riesigen Festivals zuhause und gnadenlos abgefeiert, bei uns nur in eingefleischten Metalkreisen beliebt. Der Prophet im eigenen Land zählt halt nicht so viel. Das macht auch der Charteinstieg nicht wett, denn wir wissen, dass man für einen Platz in den Top 5 lange nicht mehr so viele CD-Verkäufe braucht wie noch in den 90ern.
Was bleibt also? Die alten Recken haben in 60 bzw. 90 Minuten gezeigt, warum ihre Platten immer noch die reinsten Burner sind und dass man sie musikalisch nicht unterschätzen darf. Kai und Andi auf der Bühne sind ein Traum. Beim nächsten Mal sollen sie einfach noch Kiske mit dazu nehmen. Unisonic sind auch mehr als ein Geheimtipp. Wäre schön, wenn es nicht zu lange bis „Hellish Rock Part III“ dauert.
Die nächsten metallischen Ereignisse in Saarbrücken:
Eisige Kälte herrscht noch in den letzten Zügen des Winters. Trotzdem stehen schon um 12 Uhr die ersten Fans vor der Lanxess Arena und warten darauf, dass die Türen geöffnet werden. Drinnen angekommen ist die Hölle los. Viele junge Mädchen haben sich nur für Justin Bieber schick gemacht.
Um 19.30 Uhr soll es losgehen. Doch erst zwanzig Minuten später kommt Justin ganz in weiß mit Sonnenbrille und goldenen Handschuhen von oben herabgeschwebt. Wenn 20 Minuten auch viel klingen, konnten die kölner Fans sich noch glücklich schätzen. In Frankfurt ließ er knapp eine Stunde auf sich warten und in Dortmund ganze zwei einhalb Stunden. Die Flügel an seinem Rücken sind überwältigend. Kaum auf der Bühne angekommen geht es los mit seinem ersten Song „All Around The World“ vom aktuellen Album „Believe“. Nach einigen weiteren Songs vom neuen Album ist es in der ganzen Arena dunkel. Es folgt ein Video von Justin Bieber, ab dem Jahr 2011 bis heute. Mit dem Satz „I just wanne be Me!“ steht Justin wieder auf der Bühne und der Song „Love Me Like You Do“ ertönt. Plötzlich läuft ein Fotograf über die Bühne und man weiß im ersten Moment nicht, ob es geplant war oder nicht. Doch schnell wird klar: Das ist geplant! Denn darauf folgt ein kurzer Clip der zeigt wie Justin von Fotografen verfolgt wird und sich einen Weg erkämpfen muss. Er singt den Song „She Don’t Like The Lights“. Nach zwei weiteren Tracks geht es für Bieber ab in die Luft. Dort oben singt er zuerst „Be Alright“ und danach wird es sehr romantisch. Er greift sich die Gitarre und performed in atemberaubender Höhe akustisch „Fall“. Einige der Mädchen werden jetzt schon raustransportiert, weil sie so überwältigt von ihrem Star sind.
Die Performance zu „Never say Never“ reißt mich, als nicht Fan, so mit, dass ich mich selber dabei ertappe wie ich mitsingen muss. Leider war Nicki Minaj nicht live dabei, jedoch spielt man sie im Song „Beauty and a Beat“ auf Leinwänden ab. Plötzlich ist Justin wieder von der Bühne verschwunden. Einige Minuten später sitz er hinterm Schlagzeug und fängt an zu spielen. Beim nächsten Song „One Less Lonely Girl“ hat Jenny, ein Fan aus der Menge, das Glück und darf zu Justin auf die Bühne. Dort singt er den Rest vom Lied nur für sie und gibt ihr zum Abschied einen Kuss auf die Wange.
Daraufhin erscheint ein weiteres Video von ihm, wo er noch klein ist und nicht berühmt. Wie er angefangen hat Schlagzeug zu spielen und man zeigt Justin singend beim Zähneputzen. Dann sieht man ihn in der heutigen Zeit wie er sich bedank bei seinen Fans fürs kommen und das sie ihn so unterstützen.
Er kommt zurück auf die Bühne und performed seine letzten beiden Songs „As Long As You Love Me“ und zum Schluss „Believe“, der Song zum Album. Und erst jetzt wird mir bewusst, dass die Halle nahezu ausverkauft ist. Alle Fans stehen da, schauen zu Justin, der am Piano sitzt und singen laut seinen Song mit.
Doch die Fans sind nicht bereit Justin Bieber aus Deutschland zu lassen. Sie wollen mehr und werden nochmal dazu animiert zu kreischen und nach ihm zu rufen. Und nach wenigen Sekunden steht Justin wieder auf der Bühne und singt weitere zwei Songs. Ich bin sicher, nach diesen 90 Minuten Popmusik gingen alle Fans sehr zufrieden nach Hause.
Chris de Burgh – in diesem Jahr wird er 65 Jahre alt. Denken Musiker da ans Rentnerdasein? Wohl kaum. Was das Schreiben neuer Musik angeht, ist es allerdings ruhig geworden um den Iren, der sich in Deutschland unveränderter Beliebtheit erfreut. Im Prinzip betrieb er eine Form von Vergangenheitsbewältigung und lieferte in den beiden „Footsteps“-Alben vor allem Coverversionen bekannter Songs, die ihn während seiner Karriere beeinflusst haben. Hinzu kam vor zwei Jahren das Werk „Moonfleet“, das dann aber mehr musikalisch unterlegte Erzählung als ein echtes neues Album war. Auch der letzte Longplayer „Home“ hatte nichts Neues zu bieten. Es ist eine Retrospektive älterer Titel, die akustisch gehalten ist und die er selbst produziert und im heimischen Studio aufgenommen hat.
Und dennoch. Chris de Burgh ist unermüdlich auf den Bühnen zuhause. So war er zum wiederholten Mal in Trier und eröffnete diesmal sogar die Tour 2013/2014 in der Arena. Eine Tatsache, die Fans aus einem weiten Umkreis in die älteste Stadt Deutschlands führte. Zumindest waren die ersten Reihen fest in Fanclub-Hand. Und Chris de Burgh überraschte mit einer Ankündigung und einem neuen Song kurz vor der Pause: Es wird Ende des Jahres ein neues Album geben und er spielte daraus „The Fields Of Agincourt“, einen Song, der ins 15. Jahrhundert zurück geht und den britisch-französischen Krieg unter Heinrich V. behandelt.
Bis zu dieser Stelle war über eine Stunde Konzertlänge verstrichen und ich muss sagen, dass die erste Hälfte mich nicht gerade vom Hocker riss. Auch was die Zuschauer anging, sprang der Funke nicht über und der Applaus war oft nur höflich. Natürlich gab es trotzdem Highlights. Den Opener „Waiting For The Hurricane“ zum Beispiel, der sehr zum Spannungsaufbau beitrug. Dann natürlich die Ballade „Missing You“ oder der Klassiker „Ship To Shore“ – zwei Songs, die einige Zuschauer zum Jubeln brachten.
Chris de Burgh hat viele Seiten. Es finden sich häufig progressive Elemente in den Stücken. Das sind dann allerdings nicht die großen Hits. Seine Band besteht auf der aktuellen Tour ganz klassisch aus der Fünfer-Besetzung mit Gitarre, Bass, Keyboards und Schlagzeug. Also nicht viel Firlefanz. Der Bühnenaufbau ist auch recht schlicht gehalten. Ein paar LCD-Streifen im Hintergrund, die aber nicht oft genutzt werden. Stattdessen versteht sich der Ire aufs Geschichten-Erzählen. Wenn er „The Escape“ vom Moonfleet-Album interpretiert, hängen alle gebannt an seinen Lippen.
Auch die zweite Konzerthälfte begann recht ruhig. Es gab eine Acoustic-Session, zu der sich alle Musiker im kleinen Rund versammelten und Songs von „Home“ spielten, einem Album mit (wie er selbst sagt) unentdeckten Perlen seiner Karriere, die nicht unbedingt Best-of-Charakter haben. „Living On The Island“ war noch der bekannteste dieser Titel.
Sehr stark wurde es im letzten Drittel. Da sah ich den Künstler, wie ich ihn mir gewünscht habe. Mit einer Mischung aus alten Hits und selbstbewusst dargebotenen Songs. „I’m Not Scared Anymore“ war hier ein guter Anfang. Dann „Borderline“, das schon bei den ersten Tönen mit heftigem Applaus bedacht wurde und sicher zu den besten und komplexesten Stücken gehört, die Chris de Burgh je geschrieben hat.
Natürlich gab es auch Unvermeidliches wie „The Lady In Red“. Hier überraschte Chris de Burgh mit einem ausgiebigen Bad in der Menge, gab während des Songs Autogramme, ließ sich fotografieren, verteilte Küsschen und Umarmungen. Wahrlich ein Star zum Anfassen und man muss ihm zugestehen, dass er hier keine Allüren zeigte und unverkrampft auf die Menschen zuging. Das erhöhte den Sympathiefaktor sehr.
Eine unausgesprochene Regieanweisung sagt anscheinend, dass ab „Lady In Red“ die größten Fans ihre Sitzplätze aufgeben, nach vorne stürmen und vor der Bühne Party feiern. Tatsächlich hatte sich das Konzert nun für viele zum Stehkonzert entwickelt und es gab vor allem Coversongs der Footsteps-Alben, unter anderem „Blue Bayou“, „Let It Be“, „Lady Madonna“ und Totos „Africa“. Zum Öffnen des Konzerts in Richtung Rockmusik ganz brauchbar – wenn ich auch der Meinung bin, dass er genug eigene Hits hätte (gerade aus den 80er Jahren) um diesen Block zu füllen.
Immerhin gab es ganz zum Abschluss noch „Don’t Pay The Ferryman“ und „High On Emotion“ mit hohem Mitsingfaktor und glücklichen Gesichtern allerorten. Dennoch ist mein Fazit durchwachsen. Zeitweise hatte der Auftritt einen Hauch von Rentnerveranstaltung und alles wirkte recht träge. Wenn der Meister dann allerdings aufdreht und seine Stärken – vor allem die Bühnenpräsenz – ausspielt, macht es großen Spaß, ihm zuzusehen. Die Gesamtlänge des Konzerts lag nach Abzug der Pause immerhin deutlich über zwei Stunden. Und damit hat er seine Fans sicher nicht enttäuscht.
Foals, die britische Indierock-Band aus Oxford, haben sich einiges vorgenommen. Spielten sie vor ein paar Jahren noch im relativ kleinen Kölner Luxor, haben sie sich jetzt schon in die Live Music Hall vorgewagt und sollten damit recht bekommen.
Komplett ausverkauft drängte sich hier ein überaus gemischtes Publikum zur Bühne: 15jährige, schmachtende Mädchen, 20-jährige Überhipster, Mittzwanziger, die garantiert noch bewusstseinserweiterndere Substanzen zu sich genommen hatten als das angebotende Bier, und Altrocker mit langer Mähne, die später beim wilden Headbangen und Luftgitarre-Spielen noch zum Einsatz kommen sollte.
Eröffnet wurde der Abend von der Band Jagwar Ma, deren Melodien so eingängig waren, dass wir den kompletten Auftritt über fieberhaft darüber nachdachten, woher wir die Jungs denn wohl schon kennen. Das kam uns alles sehr bekannt vor. Die Elektrobeats brachten das Publikum jedenfalls schon ein wenig in Stimmung, auch wenn der Auftritt der drei Australier mehr Elan hatte als ihre Musik selbst.
Nach der üblichen halben Stunde Umbau war es dann endlich so weit: langsam und lässig betrat jedes Bandmitglied einzeln die Bühne, stellte sich im Dunkeln an sein Instrument und wartete kurz, bis alle schließlich gemeinsam mit dem Titelsong ihres zweiten Albums Total Life Forever mit der Show starten konnten.
Vor uns in der ersten Reihe diskutierten die mitgereisten englischen Fans ausgiebig darüber, welchen Song die Band nun wann anders, besser oder überhaupt gespielt hatte, und vergaßen dabei vor lauter Aufregung fast zu tanzen. Spätestens aber ab dem vierten Song des Abends, der Single My Number aus dem aktuellen Album Holy Fire, konnte niemand mehr still stehen und die Stimmung war perfekt. Was das in einer ausverkauften Live Music Hall bedeutet, wissen regelmäßige Besucher nur allzu gut: Der Sauerstoff schwand von Song zu Song. Band und Publikum schwitzten also gemeinsam und freuten sich an einer von Beginn an unglaublich energiegeladenen Show. Die Hitze hielt Leadsänger Yannis Philippakis auch nicht davon ab, zweimal engen Kontakt mit dem Publikum zu suchen.
An dieser Stelle muss ich mich dann wohl auch offiziell bei ihm entschuldigen: Bei einem seiner Ausflüge ins Publikum konnte ich nicht sehen, wo er steckte und hielt ihn dann schließlich, als er mich von hinten anrempelte, um wieder auf die Bühne zu kommen, für einen übertrieben enthusiastischen Fan. Aber: während dem ganzen Hin und Her und Klettern über Absperrungen spielte er ohne Unterbrechung weiter auf seiner Gitarre – das muss man ihm auch erst mal nachmachen.
Und überhaupt – live sind die Foals wirklich eine Wucht. Zwischen „Die sind so süüüß!“-Rufen entzückter Teenager und den Luftgitarre-Künstlern gleich dahinter war wirklich jeder angetan. Besser als auf Platte! Die Jungs aus Oxford wechselten zwischen rockigen Gitarren-Einlagen und tanzbaren Beats und machten aus dem Konzert eine einzige Party.
Der Schwerpunkt lag dabei natürlich auf den Liedern ihres neuen, im Februar dieses Jahres erschienenen Albums, aber auch Fans des Vorgängers Total Life Forever kamen nicht zu kurz. Und mit Olympic Airways, Balloons und der Zugabe Two Steps, Twice fanden sogar noch ein paar Songs ihres Debütalbums Antidotes (2008) Platz auf der Setliste. Seine softe Seite zeigte Yannis am Ende dann auch noch, als er in der Zugabe Moon (ebenfalls vom aktuellen Album), nur von Jimmy Smith am Klavier begleitet, sang – schön!
Alles in allem lieferten die fünf Briten eine tolle, abwechslungsreiche Show. Alle Fotos von Foals gibt es hier. Und nicht traurig sein – im November sind die Foals schon wieder in Köln. Diesmal im E-Werk.