Als zweite Single-Auskopplung aus dem neuen Alphaville-Album „Eternally Yours“, das Marian Gold zusammen mit den Arrangeuren Max Knoth und Christian Lohr sowie dem Filmorchester Babelsberg aufgenommen hat, erschien gerade am 10. Juni 2022 „Sounds Like a Melody“.
Als Ergebnis eines besonderen Miteinanders kann nicht nur das neue Alphaville-Album im Ganzen bezeichnet werden. Die Parallelen zwischen dem Großprojekt und seinen elementaren Zahnrädern sind unübersehbar. Besonders deutlich wird dies in „Sounds like a Melody“, einem Song, den Gold und seine Mitstreiter genau 4 Monate vor der Veröffentlichung von „Neuromancer“ von William Gibson im Juli 1984 geschrieben haben. Ein erstaunlicher Zufall, wenn man bedenkt, dass der Song von dem Virtual-Reality-Abenteuer zweier junger Liebender handelt, die sich in das Hitchcock-Universum des Films „Über den Dächern von Nizza“ beamen. Die Musik selbst bietet einen träumerischen Blick hinter den Vorhang und den Tanz gegensätzlicher Gemeinsamkeiten. Orchester und Alphaville, die schlittschuhfahrenden Tänzer im Musikvideo, Traum und Wirklichkeit, Wunsch und Realität.
Gleichzeitig ist die elegische Orchestrierung von „Sounds Like a Melody“ wie eine Wiederbegegnung mit einem alten Bekannten: dieselbe Stimme, die gleiche Melodie, das bekannte Arrangement, aber ein völlig neuer Klangkörper. Bereits im Original waren gegen Ende des Songs Streicher zu hören, die ihm einen symphonischen Charakter gaben. Sie wurden von Wolfgang Loos arrangiert und von einem Ensemble der Deutschen Oper Berlin unter seinem Dirigat eingespielt.
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„Sounds like a Melody“ schloss direkt an den Erfolg von Alphavilles Debüt-Hit „Big in Japan“ aus demselben Jahr 1984 an, wurde in Österreich sogar noch erfolgreicher als sein Vorgänger, mit direkten Top-10-Einstiegen auf dem gesamten Kontinent und in Südafrika. Der Song steht nicht nur hinsichtlich seiner Veröffentlichung in direktem Zusammenhang mit „Big in Japan“ und „Forever Young“ – wie seine beiden Nachbarn bringt er eine ganz eigene Klangfarbe in das legendäre Debütalbum von Alphaville. Als „guilty synth pleasure“ oberster Güte führte er Alphaville 1993 zu einer Goldenen Schallplatte und begleitet die Band seit nunmehr fast vier Jahrzehnten.
Marian Gold: „Wenn ich Lieder von früher singe, dann kennt meine Stimme sie bereits. Ich muss sie ihr nicht abtrotzen, mein Verstand folgt einfach, anstatt zu führen. Es ist ein Prozess, vergleichbar mit automatisiertem Schreiben. Mein Gesang entsteht aus einer unterbewussten Interaktion, unabhängig von irgendwelchen Zwängen oder Zielen des Verstandes. Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund dafür, dass die vergangenen vier Jahrzehnte keine nennenswerten Spuren in meiner Stimme hinterlassen haben.“
Fotocredit: Helen Sobiralski
Was im fast 40 Jahre alten Original als Beat-getriebene Synthie-Nummer Alphavilles zweiter großer Hit wurde, erhält mit Orchester eine fast drängende Unmittelbarkeit. Die Offbeat-Snare im Alphaville-Sound der 80er wird zum unerbittlichen, niemals endenden Vorwärts der Paradetrommel. Das Grandioso des Orchesters findet seine Klimax mit dem Beginn des letzten Refrains, wie als Erfüllung dessen, was Marian Gold vor vier Jahrzehnten schrieb: „Give me more tragedy, more harmony and fantasy, my dear, and set it alight, just starting that satellite. Set it alight.“
„Eternally Yours“ 2023 live auf der Bühne der großen deutschen Konzerthäuser und Philharmonien:
13.04.23 Essen Philharmonie
14.04.23 Düsseldorf Tonhalle
15.04.23 Kassel Kongress Palais
05.05.23 Frankfurt Alte Oper
19.05.23 Bremen Die Glocke
20.05.23 Hannover Theater am Aegi
27.05.23 Freiburg Konzerthaus
28.05.23 Stuttgart Liederhalle
07.06.23 Leipzig Gewandhaus
11.06.23 Hamburg Laeiszhalle
12.06.23 Berlin Philharmonie
13.06.23 Dresden Kulturpalast
16.06.23 München Isarphilharmonie
17.06.23 Nürnberg Meistersingerhalle
20.06.23 Dortmund Konzerthaus
Simon McBride ist unter anderem deshalb in der Rockwelt momentan in aller Munde, weil er bei der anstehenden Tour von Deep Purple Gitarrero Steve Morse ersetzen wird, da dieser eine kleine Auszeit braucht. Zudem hat Simon just sein neues Album „The Fighter“ auf den Markt gebracht. Die Zeichen stehen also auf Sturm.
Kämpferisch geht es bei seinem fünften Soloalbum direkt ans Eingemachte. Starke Gitarren und eine Stimme, die ihn auch am Mikro zum Bluesrocker qualifiziert. Obwohl die Gitarrenarbeit jederzeit im Mittelpunkt steht, sind die Tracks doch sehr songorientiert ausgefallen. Melodische Passagen wechseln sich mit hervorragender solistischer Frickelarbeit ab. Das macht von Beginn an Laune.
Keine Frage: McBride ist ein virtuoser Gitarrist. Einer, in dessen DNA die Finesse und Klasse von Blues-Rock-Legende Gary Moore gleichermaßen stecken wie die virtuosen, aber stets melodischen, versatilen Hochgeschwindigkeitslicks von Joe Satriani, Steve Lukather oder Eddie Van Halen. Einer, der die Lehre von Deep Purple genau so liebt und aufgesogen hat wie die Musik von Jimi Hendrix und Yes.
Fotocredit: Franz Schepers
„The Fighter“ ist ein in vielen Teilen beseeltes Rockalbum. „Show me how to love“ kommt keineswegs als Ballade, sondern liefert die Herz-Schmerz-Klänge mit beherzten Riffs. Ein Song wie „Kingdoms“ rockt straight nach vorne, während der Titeltrack den ersten Ohrwurm liefert.
Simon ist ein guter Geschichtenerzähler und hat das Album sehr autobiografisch angelegt. Der Kämpfer ist er selbst – in einem Leben on the road, voller Träume, Chancen und Kämpfe. Mit „Let Me Go“ darf dann auch eine echte Ballade an den Start und den vollendeten Blues auf uns loslassen.
Ein Song wie „Trouble“ erinnert in seiner Verspieltheit ganz an Jimi Hendrix, doch Simon McBride hat fast alle Songs selbst geschrieben. Nur der letzte Track „The Stealer“ ist ein Cover von Paul Rodgers, das Simon aber auch sehr gut steht.
Simon kommt aus Belfast in Nordirland, einem Ort, an dem in bester Musiktradition Künstler, wie Gary Moore, Rory Gallagher sowie Bands wie Thin Lizzy, Stiff Little Fingers und natürlich U2 zu Hause sind. Ian Gillan von Deep Purple ist der Meinung, dass er einer der besten Gitarristen der Welt ist – kein Wunder also, dass er schnell als Ersatz für Steve an der Stelle war.
„The Fighter““ ist ein fantastisches, beeindruckendes und vielschichtiges Album. Es ist der Blues- und Rocktradition verpflichtet, aber nie anachronistisch, immer modern, aber nie um Trends bemüht.
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Wieder mal ein Best of von PineappleThief? Kann man so nicht sagen, denn es handelt sich nicht um eine Sammlung ihrer größten und beliebtesten Hits, sondern um Songs, bei denen Gavin Harrison nicht am Schlagzeug saß.
Gavin hat nun diese Stücke mit seinem Spiel aufgepeppt. Als Nicht-Musiker muss ich gestehen, dass mir beim ersten Hören keine großen Unterschiede, falls überhaupt welche, zu den bekannten Versionen aufgefallen sind. Erst beim direkten Vergleich mit den Originalen wurden Nuancen hörbar. Obwohl es sich teils um selten live gespielte Songs handelt, enthält die Auswahl jedoch auch viele meiner Lieblinge.
Von den zwölf Songs aus der Zeit zwischen 2002 und 2012 (55 Min. Spielzeit) stammen alleine fünf vom 2012er-Album „All theWars“. Die Tracks sind alle komplett neu aufgenommen und neu arrangiert. GavinsSchlagzeugspiel haucht den Songs neues Leben ein. Das gewonnene Qualitätslevel wird mir bewusster, je öfter ich zum Vergleich die Originale höre. Zweifelsohne hat die Band mit dieser Produktion unscheinbaren Stücken neuen Glanz verliehen.
Meine Anspieltipps sind der Opener „Wretched Soul“, der Titelsong „Giveit back“, „Shootfirst“ und „Someone pull me out“.
Natürlich kann man sich als Familie mit kleinen Kindern immer wieder die zeitlosen Klassiker von Rolf Zuckowski oder Detlev Jöcker anhören. Beide sind jetzt über 70, aber ihre Musik funktioniert immer noch.
Doch man darf auch gern den neuen, jungen Kinderliedermacher*innen ein Ohr gönnen. Da gehört definitiv Papa Müsli dazu. Papa wer? Hinter dem Künstlernamen versteckt sich Tobi Hebbelmann. Er stammt aus Köln und ist Pianist, Pädagoge sowie zweifacher Vater. Aus dem Fernsehen kennt man ihn als Pianisten der WDR-Satiresendung „Mitternachtsspitzen“ und als Chorleiter in der ZDF-Produktion „Chor für Menschen mit Demenz“ – sehr engagiert und mit viel Herzblut.
Dieses Engagement und Herzblut steckt auch in den „11 Liedern für den Tag und die Nacht“. Papa Müsli erzählt mit Augenzwinkern, Wortwitz und einem mitreißenden Groove seine Geschichten, in denen sich Kinder und Eltern gleichermaßen angesprochen fühlen. Themen sind nächtlicher Hunger wie im Opener, Titelsong und namensgebenden „Papa Müsli“, Widerworte wie in „Mein Lieblingswort ist Nö“ oder Schlafprobleme wie in „Manchmal kann ich nachts nicht schlafen“.
Dabei bleibt es keineswegs beim Liedermacher-Einerlei. Schon der Opener kommt beschwingt im funky Bigband-Sound. So geht es im mitreißenden „Das Konzert“ gleich weiter, bei dem die Instrumente vorgestellt werden. Immer wieder geben sich Soul, HipHop und Elektro-Swing die Klinke in die Hand.
Doch es gibt auch ruhige Balladen, die die Nachtseite beschreiben und Kinder (hoffentlich) zur Ruhe kommen lassen. „Das Zauberwort heißt gute Nacht“ und „Komm mit mir ins Land der Träume“ versüßen mit sanften Klängen den Übergang in den Schlaf. Und der melancholische Pianosong „Wisst ihr, wie die Elefanten abends“ ist ein echtes Highlight.
Tobi Hebbelmann alias Papa Müsli versteht es, sich in die Gemütslage kleiner Kinder hinein zu versetzen. Im Kindergarten- und Grundschulalter dürfte man hier jedenfalls goldrichtig liegen.
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Malika Tirolien ist eine bemerkenswerte Sängerin, Musikerin, Songwriterin und Produzentin aus Guadeloupe, die heute in Montreal lebt. Mit ihren kreativen Kollaborationen erlangt sie internationale Aufmerksamkeit. Ihre neueste Veröffentlichung „Higher“ ist der zweite Teil einer Tetralogie – vier Alben, die alle jeweils ein Element Erde, Luft, Feuer und Wasser thematisieren.
Das Album ist ein Paradebeispiel für afro-futuristischen Stil und wurde gemeinsam mit dem Bokanté-Schöpfer Michael League produziert. Es verkörpert energiegeladenen Groove mit Einflüssen aus R&B, Soul, Hip-Hop, Funk und Jazz, gelegentlich unterbrochen durch französische Rap-Parts. Malika Tirolien nimmt ihre Zuhörer*innen mit auf einen psychedelischen Trip, der sich von emotional aufgeladener Spannung hin zu ausbalancierter Tranquilität bewegt.
Malika Tiroliens kraftvolle Stimme zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich, und ihre kunstvollen Kompositionen übermitteln intensive Emotionen mit modernen Einflüssen aus verschiedenen Genres, das Ganze durchsetzt von einer fundierten Kenntnis des Jazz. Ihre Liebe, Leidenschaft und ihr Respekt für die Musik sind in jedem Song zu spüren.
Während der kurze Opener „No Mercy“ die rhythmische Stimmvielfalt der Sängerin im Rap betont, wird es schon mit „Change Your Life“ sehr atmosphärisch-psychedelisch. Es folgen die verjazzten Schlenker von „Better“. So vielseitig und überraschend geht es weiter. Die Kompositionen überzeugen ebenso wie Malikas Stimme, die zwischen kraftvoll und verführerisch pendelt.
Fotocredit: Headshots by James
Mit Bokanté hat sie bereits über 20 Länder bereist. Zwei brillante Alben der Band haben ihr bereits weltweite Anerkennung und eine Grammy-Nominierung eingebracht. Tiroliens elektrisierende Performance auf „I’m Not The One“ (1,9 Mio. YouTube-Aufrufe) ist ein erstklassiger Track auf dem mit einem Grammy ausgezeichneten Album von Snarky Puppy, mit denen sie weiterhin zeitweise live unterwegs ist.
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Mit ihrem Ruf als formidable und dynamische Live-Band, nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Europatourneen und hochkarätiger Festivalauftritte, haben sich LONG DISTANCE CALLING schon seit einiger Zeit auf eine Art Crescendo ihres Könnens und ihrer Möglichkeiten hin entwickelt. Im Jahr 2020 veröffentlichte die Band, obwohl sie nicht auf Tournee gehen konnte, ihr siebtes und bisher fesselndstes Album „How Do We Want To Live?“, das aus dem Stand Platz 7 der deutschen Album Charts erreichte.
Da sie dieses Mal nicht in der Lage waren, ihre neue Musik direkt unter die Leute zu bringen, beschlossen sie stattdessen, sich erneut mit Begeisterung in den kreativen Prozess zu stürzen. Das Endergebnis all dieser Kreativität ist sicherlich dazu bestimmt, eine der großen progressiven Platten des Jahres zu werden. Das achte Album von LONG DISTANCE CALLING trägt den Titel „Eraser“: eine direkte und herzliche Hommage an die allmähliche Erosion der Natur durch den Menschen. „Eraser“ wird am 26. August veröffentlicht und ist den bedrohten Tierarten der Welt gewidmet, wobei jeder Song ein bestimmtes, vom Aussterben bedrohtes Lebewesen darstellt.
Die erste Single „Kamilah“, die gestern erschienen ist, ehrt den Gorilla mit einer wilddynamischen Reise durch glückselige, schimmernde Post-Rock-Aussichten, dringende und muskulöse metallische Crescendos und einen zutiefst melodischen und melancholischen Schlusspunkt.
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„Eraser“ Tracklisting:
1. Enter: Death Box
2. Blades
3. Kamilah
4. 500 Years
5. Sloth
6. Giants Leaving
7. Blood Honey
8. Landless King
9. Eraser
Fotocredit: André Stephan
LONG DISTANCE CALLING sind:
Florian Füntmann – Guitars
Jan Hoffman – Bass
David Jordan – Guitars
Janosch Rathmer – Drums
Ab dem 4. Mai geht die Band mit ihrem letzten Album „How Do We Want To Live“ auf Tour:
04.05.22, Hamburg, Kleine Elbphilharmonie
05.05.22, Dresden, Tante-Ju (neue Venue)
10.05.22, Hannover, Pavillon
11.05.22, Mannheim, Capitol
12.05.22, Stuttgart, Liederhalle, Mozart-Saal
13.05.22, Leipzig, Peterskirche
14.05.22, Berlin, Passionskirche
15.05.22, Frankfurt, myticket Jahrhunderthalle Club
16.05.22, München, Backstage Werk (neue Venue)
18.05.22, Bochum, Christuskirche
19.05.22, Köln, Theater Am Tanzbrunnen
Eine neue Band legt ein hörenswertes Album vor, das allerdings ungehört an mir vorübergegangen wäre, wenn nicht die Mitwirkung von Alex Lifeson meine Aufmerksamkeit geweckt hätte. Das Mitglied von Rush, der kanadischen Rockband, die sich nach dem Tod ihres Drummers Neil Peart aufgelöst hat, hat das einzige Instrumental auf der CD, „Western Sunset“, welches das Album abschließt, beigesteuert. Lifeson hat es seinem Kumpel Neil Peart gewidmet, den er zu Hause besucht hatte, als er längst vom Tode gezeichnet war. Vom Balkon aus beobachtete er den Sonnenuntergang, erzählt Lifeson. Dieser hat etwas Endgültiges, dennoch beginnt nach einer kurzen Zeit der Dunkelheit stets ein neuer Tag.
Dieser Song ist quasi ein Ausreißer. Die restlichen Titel sind eher poppig als rockig. Auf seine alten Tage hat sich Lifeson auf ein gänzlich andersartiges Projekt als Rush fokussiert. Wenn man es nicht wüsste, würde man Envoy of None niemals mit ihm in Verbindung bringen. Ob ihn seine Fans darum beneiden? Es ist nicht Lifesons Projekt, er wurde erst Mitglied, nachdem ihn Andy Curran gebeten hat, einzusteigen. Getragen werden die sofort ins Ohr gehenden Songs von der Stimme der Sängerin Maiah Wynne, die am 8. April zudem ihr selbstbetiteltes Debütalbum bei Kscope veröffentlicht hat.
Etwas in die Irre geführt hat mich der Song „Kabul Blues“. Entweder ist der Text sehr kryptisch oder der Text hat wirklich nichts mit der afghanischen Hauptstadt zu tun. Als Single wurde „Liar“ ausgekoppelt. Er gefällt mit „industrial beats“ und atmosphärischen Gitarren erzeugen einen verführerischen Strudel wie bei Depeche Mode.
Fazit: Kein Rock-, sondern ein Popalbum des ehemaligen „Rushers“ Alex Lifeson. Aber ein verdammt gutes.
Joe Satriani gehört zweifelsfrei zu den besten Gitarristen der Welt. Neben unzähligen instrumentalen Soloalben war er gemeinsam mit Steve Vai beim erfolgreichen Projekt G3 dabei und ist seit 2008 festes Mitglied der Supergroup Chickenfoot. Die Liste seiner Beteiligung als Gastmusiker ist Legion – so war er unter anderem bei Crowded House, Alice Cooper, Blue Öyster Cult, Brian May, Spinal Tap, Tarja und der Steve Miller Band am Start. Das Gitarrenspiel hat sich der 65jährige Noch-lang-kein-Rentner aus Long Island der Legende nach selbst beigebracht, um seinem großen Vorbild Jimi Hendrix nachzueifern.
Das neue Werk „The Elephants of Mars“ erscheint fast genau zwei Jahre nach „Shapeshifting“ und ist wieder ein astreines Soloalbum. Will heißen: Joe hat alle Songs geschrieben, die bis auf Spoken Words von Ned Evett komplett instrumental vorgetragen werden. Unterstützt wird er von Kenny Aronoff an Drums und Percussion, Bryan Beller am Bass sowie Tai Thistlethwayte und Eric Caudieux an den Keys. „The Elephants of Mars“ repräsentiert das Album, das Satriani und seine Band gehofft hatten schreiben zu können: “Wir haben die verrücktesten Ideen ausprobiert. Und wir haben jede Idee in Betracht gezogen, um zu sehen was passieren könnte.” Die Musiker seiner Band konnten ihren kreativen Ideen freien Lauf lassen und sich selbst verwirklichen.
In über einer Stunde virtuoser Klasse gibt es ein vielschichtiges Album mit melodischen und ergreifenden Songs wie der Ballade „Faceless“. Das erzählende Gitarrensolo ist einfach göttlich. Dann aber auch verjazzte Stücke mit aufrüttelndem Funk wie „Pumpin'“. Voll Energie und mit vertrackten Keyboardpassagen. Ein besonderes Schmuckstück ist der Titeltrack mit seinem nervösen Sound, der im Video ein imaginäres Videospiel zur Rettung der Mars-Elefanten musikalisch illustriert und bisweilen durchaus psychedelisch daherkommt.
Auch die eröffnende Hymne „Sahara“ greift das Natur-Thema auf und vermittelt cineastische Bilder. „Blue Foot Groovy“ und „E 104th St NYC 1973“ kommen sehr entspannt um die Ecke, während „Sailing the Seas of Ganymede“ und „Dance of the Spores“ starke Science-Fiction-Themen inklusive sphärischer Klänge abliefern. Nein – langweilig ist dieses Album sicher nicht.
Der Gitarrist setzte sich selbst das Ziel, einen neuen Standard für instrumentale Gitarrenalben zu setzen, der auf “einer neuen Ebene seines eigenen Designs” funktioniert, wie er es ausdrückt. “Ich möchte den Leuten zeigen, dass instrumentale Gitarren-Alben weitaus unterhaltender und kreativer sein können, als sie denken”. Das ist ihm absolut gelungen – ohne wenn und aber!
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Skid Row und earMUSIC freuen sich auf die Veröffentlichung des mit Spannung erwarteten neuen Studioalbums „The Gang’s All Here“ am 14. Oktober 2022. Die Ankündigung fällt mit dem Beginn der Las Vegas-Residency der Hard Rock-Ikonen diesen Samstag zusammen (als Special Guest der Scorpions). Ebenso erscheint heute ihre brandneue Single, der titelgebende Song „The Gang’s All Here“.
„The Gang’s All Here“ strotzt nur so vor Energie und triumphiert über alle Erwartungen an die Rückkehr der Band. Das Album ist nicht nur die kompromisslose Weiterentwicklung des Skid Row-Trademark-Sounds: mit dem Dazustoßen von Sänger Erik Grönwall (ehemals H.E.A.T. und einer der besten Hard Rock-Frontmänner aller Zeiten) in die Familie, beschreitet Skid Row auch mutig neue Wege.
Produzenten-Koryphäe und langjähriger Fan Nick Raskulinecz (Foo Fighters, Rush, Alice In Chains, Halestorm, Evanescence) entfacht gemeinsam mit Skid Row einen musikalischen Flächenbrand, der ihnen den Platz auf dem Hard Rock-Thron sichert.
„Wir freuen uns wahnsinnig, diese Platte zu veröffentlichen. Sowohl wir als auch unser Produzent Nick Raskulinecz haben viel Zeit und harte Arbeit investiert. Mit Erik sind wir nun komplett, er hebt die Songs auf ein neues Level. Und dann starten wir im Rahmen der Scorpions-Residency diesen Samstag auch noch unsere Welttour im Zappos Theater in Las Vegas… Skid Row hat wirklich ein großartiges Jahr vor sich.” – Rachel Bolan und Snake Sabo.
Weitere Details zum Album werden zeitnah bekannt gegeben.
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Der Tod von Roger Cicero kam völlig unerwartet. Einen Tag nach seinem letzten Live-Auftritt im Bayerischen Fernsehen traten plötzlich akute neurologische Symptome infolge eines Hirninfarktes auf. Im Krankenhaus verschlechterte sich sein Zustand rapide. Der 45jährige verstarb am Abend des 24. März 2016 im Kreise seiner Lieben ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben. Sehr plötzlich hat er die Musikbühne verlassen.
Schnell taten sich Parallelen zu seinem Vater Eugen Cicero auf, der im Alter von 57 Jahren ebenfalls sehr früh verstarb. Eugen war ein bekannter rumänischer Pianist, der während einer Konzerttournee 1960 mittels eines Visums von Ost-Berlin nach West-Berlin wechselte und nicht mehr zurückkehrte. Während viele seiner Kollegen nach Nordamerika gingen, blieb Eugen Cicero in Westdeutschland und spielte fünf Jahre später die Platte „Rokoko-Jazz“ ein, die sich weltweit über eine Million mal verkaufte. Er spielte beim RIAS Tanzorchester und bei der SFB Big Band.
1970 wurde Roger geboren. Der Vater erlebte noch mit, dass sein Sohn ebenfalls zum Jazz ging und von 1991 bis 1996 Gesang studierte, doch die erfolgreiche Karriere des Sohnes, der sich zu einem der beliebtesten deutschsprachigen Pop- und Jazzsänger der Gegenwart entwickelte, erlebte er nicht mehr mit.
Im berührenden Dokumentarfilm „Cicero – zwei Leben, eine Bühne“, der am 24.3.22 in den Kinos startete, offenbaren Kai Wessel, Katharina Rinderle und Tina Freitag die einzigartige Vater-Sohn-Beziehung zweier Ausnahmetalente. Engste Wegbegleiter und namhafte Zeitzeugen beleuchten zwei Genies, die es immer wieder auf die Bühne zurücktrieb. Außergewöhnliche Konzertmomente lassen die schmerzliche Lücke, die ihr früher Tod hinterließ, umso deutlicher werden. Der Film ist eine emotionale Hommage an zwei strahlende Persönlichkeiten voller Widersprüche, Humor und Inspiration – so frei und überraschend wie ihre Musik.
Während Eugen in den 60er Jahren als Klaviervirtuose Berühmtheit erlangte und mit Starsängerinnen wie Ella Fitzgerald oder Shirley Bassey auftrat, füllte Roger Jahre später als einer der begnadetsten Sänger Deutschlands riesige Konzerthallen. Ihre Lebensgeschichten sind untrennbar miteinander verwoben und weisen faszinierende Parallelen auf – Genialität gepaart mit einer beispiellosen Leidenschaft, das Überwinden von Grenzen, der Balanceakt zwischen kommerziellem Erfolg und künstlerischer Integrität und schlussendlich der tragische Ausgang, der die Musikwelt bis heute erschüttert.
Leider habe ich den Film noch nicht gesehen, aber der Soundtrack ist bereits ein hervorragender Einstieg. Erstmals sind Werke beider Künstler auf einem Album vereint und man mag sich vorstellen, wie beide zusammen gewirkt hätten. Die Zusammenstellung der Songs wirkt wie eine musikalische Einheit, die es so leider nie gegeben hat.
Roger ist mit einigen ungewöhnlichen Interpretationen bekannter Popklassiker im Swing-Format vertreten. „Kiss“ (Prince), „No Moon At All“ (Redd Evans) und „I Cannot See“ (Julia Hülsmann Trio) zeigen eindrucksvoll die stimmlichen Fähigkeiten des Sängers. Liveversionen von „Have A Talk With God“, „From The Morning“ und dem wundervollen „Just The Way You Are“ beweisen Rogers Talent, jedes Stück mit verjazzten Improvisationen zu seinem eigenen zu machen.
Und dieses Talent hatte auch der Vater. Wie wundervoll vermischt Eugen die Pianoversion von „Easy“ mit Mozarts „Alla Turca“ sowie weiteren klassischen Versatzstücken von Claude Debussy und anderen Komponisten. Allein dieses Klavierstück zeigt ein enormes Talent, frei zu improvisieren und doch immer wieder in gespielter Leichtigkeit zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Das Publikum dankt es mit enthusiastischem Zwischen- und Endapplaus. Weitere Tracks liefern verswingte Versionen von Frederic Chopins „Prelude E-Minor“ und Johann Sebastian Bachs „Badinerie“. Wenn man das hört, wird klar, woher Roger sein Talent hatte. Mit solchen musikalischen Wundern aufzuwachsen, muss einfach prägend sein.
Auch Rogers deutschsprachige, eigen Stücke werden nicht vergessen. Der Hit „Zieh die Schuh aus“ erinnert ebenso an die beliebten Pop- und Swing-Alben wie der Livesong „Ich hätt‘ so gern noch Tschüss gesagt“, dessen berührende Worte man sowohl als Abschied Rogers an seine Fans als auch an den verstorbenen Vater verstehen kann.
Rogers Musikschaffen ist nahezu die Fortsetzung des Weges, den sein Vater beschritten hat. Es scheint, als wäre er gerade in der Zeit vor seinem Tod dort angekommen, wo er immer hinwollte. Von dort wollte er weitermachen, vieles hatte er noch vor sich. In seinem letzten Interview sagte er, „dass für ihn alle Türen offen stehen und er sich nur entscheiden müsse, durch welche er geht.“ Diese Worte lassen das Ausmaß der Tragik erkennen, denn genau dazu sollte es nicht mehr kommen. Diese beiden Lebenswege – ihre Wirkung, ihre Intensität, ihr Nachhallen und musikalische Einmaligkeit – konnten nur gemeinsam für die Leinwand erzählt werden. Und der Soundtrack bringt zusammen, was zusammen gehört.
Hoffentlich werden wir irgendwann einmal kopfschüttelnd auf diese unsägliche Zeit der Streaming-Konzerte zurück blicken und sie als Fußnote der Musikgeschichte abtun. Events ohne echtes Livefeeling sind nun mal auch nicht besser als die dritte Rockpalast-Wiederholung im WDR. Trotzdem kann man es den Bands nicht verdenken, wenn sie solche Mitschnitte als live-CD veröffentlichen. Immerhin steckt viel Arbeit drin und die Soundqualität ist oftmals besser als bei vergleichbaren Konzertmitschnitten mit Publikum.
Die Norweger von Gazpacho haben im Herbst 2020 mit „Fireworker“ ein Feuerwerk sphärischer und mystischer Musik auf ihre Fans und die weltweite Gemeinde des Progressive Rock losgelassen. Diesmal ging es nicht um ein echtes Albumkonzept – stattdessen nahm man den Hörer mit auf eine Reise in die Psyche. So startete die Band zur Freude der Progressive- und Artrock-Fans mit einem epischen 20minüter. „Space Cowboy“ bietet komplexe Songstrukturen, Tempowechsel, Klangmalereien und chorische Passagen. Es geht um den instinktiven Teil jedes Menschen, den Keyboarder Thomas Andersen „Space Cowboy“ oder „Fireworker“ nennt. Nach drei kürzeren balladesken Stücken bringt „Sapien“ die hypnotische Wirkung der Musik zurück und entfacht ein weiteres Feuerwerk.
Dann waren Gazpacho aber nach der Absage ihrer Tour festgefahren in der misslichen Lage, eine ausgefeilte Show einstudiert zu haben, und der Aussicht auf eine lange Zeit abseits der Straße zu sein. So musste die Band eine Entscheidung treffen. Die Idee eines Live-Streams, der Fans weit und breit erreichen würde, war schnell da und die Band hatte einen perfekten Rahmen in ihrem eigenen Proberaum im schönen Fredrikstad. Die Musiker stellten sich im Kreis auf und spielte den Stream genau so, wie sie sich auch zum Proben und Aufnehmen dort versammeln.
Was soll man sagen? Die Soundqualität ist hervorragend. Chorische Passagen kommen vom Synthesizer, aber das stört den Musikgenuss nicht weiter. Das Album wird komplett in der originalen Reihenfolge gespielt, ergänzt um einige ältere Songs.
Gazpacho sind eine Wucht. Immer und immer wieder! So ist auch dieses aus der Not geborene und ganz besondere Album ein Genuss. Absolute Empfehlung!
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Erschreckende fünfeinhalb Jahre ist es jetzt schon her, dass mit dem Album „F.E.A.R. (Fuck Everyone And Run)“ das letzte reguläre Studioalbum der britischen Band Marillion erschien. Ein Meisterstück, das eigentlich kaum zu toppen war. So ließ man sich auch Zeit mit dem neuen Werk. Zwischenzeitlich hatte das Rockquintett mit einem in Belgien beheimateten Streicherquartett namens In Praise Of Folly zusammen gearbeitet. Deren orchestrale Einsprengsel in die bekannten Artrock-Arrangements kamen bei den Fans so gut an, dass im Anschluss einige Tourdaten mit den Streicherinnen folgten und es gar eine Compilation von Neuaufnahmen unter dem Titel „With Friends from the Orchestra“ gab.
So weit – so gut. Folgt jetzt im Jahr 2022 die Rückkehr zur puren Lehre des Rock? Nicht unbedingt, denn es war schon immer eine große Stärke von Marillion, sich stetig weiterzuentwickeln. Mit Neoprog hat ihre Musik nach dem Ausstieg von Fish im Jahr 1988 nichts mehr zu tun. Die progressive Ausrichtung gestaltete sich unter Steve Hogarth eher in Richtung Artrock und Melodic Rock. Highlights wie „Brave“, „Afraid of Sunlight“, „Marbles“ und eben „FEAR“ waren die Folge.
Das neue Album wurde wie sein Vorgänger in Peter Gabriels Real World Studios aufgenommen. Der Titel des (je nach Zählung) zwanzigsten Studioalbums der Band hat eine vielseitige Bedeutung. Im englischen Sprachgebrauch handelt es sich dabei unter anderem um die letzte Stunde, in der man als Kind draußen spielen darf. Es ist aber sicher auch eine Anspielung auf den Kampf gegen die Zeit in der Klimakrise. Und geht es hier nicht auch um die letzten Minuten im Leben eines Menschen? Bassist Pete Trewavas hat uns im Interview die Idee folgendermaßen erklärt: „Die Aussage hat verschiedene Bedeutungen – und so ist es bei allen Songs auf dem Album. Alles hängt zusammen und das macht die Magie des Albums aus.“
So wird das neue Werk zum konzeptionellen Album, das sich den Problemen unserer Zeit auf verschiedene Weise nähert. „Reprogram The Gene“ befasst sich mit der Klimakatastrophe. Unglaublich, dass der Titelsong des ersten Marillion-Albums mit Hogarth vor 33 Jahren ebenfalls dieses Thema behandelte („Season’s End“). Gleich zwei Songs beschäftigen sich unterschwellig mit der Corona-Pandemie. „Murder Machines“ betrachtet die Menschen als Gefahr für sich selbst, wobei es auch darum geht, einen anderen mit seiner Liebe zu erdrücken („I put my arms around her and I killed her with love“). Ebenso groß im Pathos ist das abschließende „Care“ als Quasi-Titelsong des Albums, der allen Helfern und Pflegern („Angels on Earth“) gewidmet ist.
Wie von Marillion gewohnt, bekommt man kaum eine Verschnaufpause. Nur das Instrumental „Only A Kiss“ lässt den Hörer kurz zur Ruhe kommen. Die sechs großen epischen Tracks sind deutlich songorientierter als manche Titel von „FEAR“, die doch bisweilen arg zerstückelt wirkten. Auch hier gibt es mit Überschriften versehene Einzelkapitel in den Longtracks (siehe Tracklisting ganz unten), aber die Songs wirken eher als Einheit und sind nur thematisch unterteilt.
Das schon als Single-Auskopplung bekannte „Be Hard On Yourself“ ist kraftvoll und mit starken Lyrics versehen. Neu ist die Integration eines Chores namens Choir Noir, der stilvoll und sphärisch in die Arrangements integriert wird. Wie die Streicherinnen von In Praise Of Folly, die auch wieder mit dabei sind, hat er seine Beiträge aus der Ferne eingespielt und Produzent Mike Hunter hat sie in das musikalische Geschehen eingewebt. Selbst Meistergitarrist Steve Rothery war diesmal aus Pandemie-Gründen nicht durchgehend im Studio. Das tut allerdings seinen genialen Solo-Einlagen keinen Abbruch.
Klar gibt es Höhen und Tiefen, vor allem in der dynamischen Entwicklung des Albums. Zwei getragene Songs läuten die zweite Albumhälfte ein: „The Crow And The Nightingale“ ist eine Hommage an Leonard Cohen. „Sierra Leone“ bietet einen cineastischen Sound mit melancholischen Klängen. Doch der hymnische Charakter des Albums überwiegt und die 55 Minuten vollendeten Sounds wirken dann am besten, wenn man das Werk am Stück hört. Man darf gespannt sein auf die Konzerte im Herbst und auf die Herangehensweise der Band an die Songs.
Nach mehreren Marillion Weekend Terminen bis Sommer 2022, begeben sich Marillion im Herbst auf große Europatour mit vier Daten in Deutschland:
Am 4. März 2022 erscheint mit „An Hour Before It’s Dark“ das neue Album von Marillion. Wir hatten acht Tage vorher, am 24. Februar, die Gelegenheit zu einem längeren ZOOM Call mit dem Bassisten Pete Trewavas. Ein seltsamer Tag, der ganz unter dem Eindruck einer russischen Invasion in der Ukraine stand. Und doch stand uns Pete Rede und Antwort zum Album und zu seinem zweiten Projekt Transatlantic, das ihn ebenfalls gut auf Trab hält. Das Interview führte Andreas Weist.
Hallo Pete. Wir haben uns zuletzt im Dezember 2019 in Essen gesehen. Das war euer letzter Auftritt für lange Zeit.
Es war eine schöne Tour damals mit dem kleinen Orchester, unseren „Friends From The Orchestra“. Das habe ich sehr genossen. Schön, wieder mit dir zu sprechen.
Wie ist es dir seitdem ergangen?
Tatsächlich war ich sehr beschäftigt. Mal abgesehen vom Lockdown, der aber dazu führte, dass wir mehr Zeit mit dem neuen Marillion Album verbrachten. Außerdem war ich sehr mit dem neuen Transatlantic Album beschäftigt, das wir in dieser Zeit aufgenommen haben.
Auf jeden Fall war es eine seltsame Zeit und wir waren auch sehr frustriert, denn wir wollten unbedingt das Album rausbringen. Die Themen, mit denen wir uns beschäftigt haben, waren sehr aktuell und wir wollten nicht, dass sie an Relevanz verlieren. Aber das haben sie wohl auch nicht. Wenn sie auch etwas sekundär geworden sind nach dem Chaos, das wir heute erleben müssen
Du meinst den Krieg in der Ukraine?
Genau. Niemand hätte doch jemals gedacht, dass so etwas wirklich passieren wird. Also ich zumindest nicht.
Mark Kelly und Ian Mosley haben ihre Biografien geschrieben. Auch Steve Hogarth ist schon länger mit seinen Tagebüchern am Start. Hat es dich nicht auch gejuckt, in dieser konzertlosen Zeit unter die Schreiber zu gehen?
Nein. Ich verbringe meine Zeit lieber damit, Musik zu schreiben. Das ist auch bequemer. Seltsamerweise haben mich aber viele Leute nach einem Buch gefragt. Sie sagten, es sei ein Vermächtnis für die Familie und die Freunde, wenn man seine Gedanken niederschreibt. Damit auch die Enkel verstehen, was man mit seinem Leben gemacht hat.
Aber ich denke, du lieferst dein Vermächtnis mit deiner Musik.
Ja, das stimmt. Musik ist einfach ein riesiger Teil meines Lebens. Schon als ich noch sehr jung war, war sie eine große Inspiration. Und ich habe Musik nicht einfach nur geliebt. Von Beginn an habe ich sie auch verstanden. Die Sprache der Noten. Mein Vater war Pianist und spielte Saxofon. Allerdings habe ich ihn nie am Saxofon gehört. Er hat das Instrument verkauft, um einen Verlobungsring zu kaufen. Eine sehr schöne Geschichte.
Ich habe also auf dem Piano geübt. Ich hatte auch Klavierstunden, aber ich habe es gehasst. Ich wollte alles für mich selbst entdecken und ich habe gefühlt, dass ich das kann.
Hast du dir auch den Bass selbst beigebracht?
Im Prinzip schon. Ich hatte ein paar Gitarrenstunden von einem Typen namens Keith. Er hat mir einige Akkorde gezeigt. Eigentlich wollte meine Schwester Gitarrespielen lernen und ich durfte dabei sitzen. Wenn sie dann die Gitarre beiseite gelegt hat, habe ich sie genommen und geübt. Was sie recht schwer fand, fiel mir leicht. Ich habe mit sieben angefangen, Gitarre zu spielen. Ich habe Songs von den Beatles und den Monkees gehört. „Last Train To Clarksville“ war damals ganz aktuell. Ich hatte ein gutes Ohr für die Musik und konnte alles nachspielen.
Die Fans schauen ja auch gespannt darauf, was mit Transatlantic passiert. Gibt es da Tourpläne nach dem Album “The Absolute Universe”?
Wenn alles gut geht, werden Marillion im April eine Convention in Polen spielen. Dann werde ich umgehend nach Amerika fliegen und es wird eine kleine Tour mit Transatlantic geben. Wir werden auch an zwei Abenden Headliner beim „Morsefest“ sein und auf der Kreuzfahrt „Cruise To The Edge“ werde ich mit beiden Bands spielen. Du merkst also, ich bin sehr beschäftigt. Ich muss ja auch alle Songs lernen.
Dann wird es weitere Marillion Conventions geben. In Schweden, Portugal, Leicester (UK) und in Montreal. Und mit Transatlantic gehen wir auf eine kleine Tour durch Europa. Die Priorität liegt aber ganz klar bei Marillion und im Moment promoten wir das neue Album. Es gibt eine große Resonanz in den Medien. Das freut uns.
Ich finde es ist ein großartiges Album, das alle Aufmerksamkeit verdient hat.
Oh danke. Ja, wir sind auch sehr stolz auf das Album. Wir sind die Sache diesmal anders angegangen. Auf „F.E.A.R.“ haben wir die Musik atmen lassen. Wir haben sehr lange Geschichten erzählt wie beispielsweise „The New Kings“. Das ist ein Song, der im Moment wieder sehr aktuell ist weil er vom russischen Geld in Europa erzählt.
Das neue Album „An Hour Before It’s Dark“ ist eher songorientiert, oder?
Ja. Es ist anders. Der Titelsong erinnert mich an die frühen YES. Er trägt eine chaotische Energie in sich und die Musik kann überall hin gehen. Wir wollen uns von Album zu Album verändern und uns auch selbst überraschen. Es passiert viel in den Raum, wenn wir zusammen sind und Musik schreiben. Normalerweise setzen wir uns nicht einfach zusammen und haben vor, einen bestimmten Song zu schreiben. Vielmehr lassen wir die Ideen fließen und jammen zusammen. Wir schauen, was passiert, und lassen die Musik ihren eigenen Weg finden. So verbringen wir oft drei oder vier Jahre, bevor wir ein Album zusammenstellen.
Unser Produzent Mike Hunter ist sozusagen das sechste Bandmitglied. Er sammelt die Ideen und schneidet alles mit. Er ist unsere Bücherei. Außerdem ist jedes Schnipsel unserer Musik in einer Cloud und wir alle können jederzeit drauf zugreifen. Irgendwann fügt sich dann alles zusammen und das Album entsteht.
Man hört, Steve Rothery sei aus Gründen der Pandemie nicht so oft im Studio präsent gewesen. Habt ihr dann aus der Distanz gejammt und geschrieben?
Ja, das stimmt tatsächlich. Wir haben schon sehr früh entschieden, uns zu isolieren. Schließlich sind wir alle in einem Alter, in dem die Krankheit Probleme bereiten kann. Vor allem Steve Rothery war sehr gefährdet. Inzwischen sind wir aber alle voll geimpft – inklusive Booster – und fühlen uns sicher. Am Anfang der Pandemie hatten wir uns aber entschieden, nicht alle zusammen im Studio zu sein. Obwohl es sehr groß ist und wir es mit Trennwänden coronakonform ausgestaltet haben. Wir haben die Räume gut belüftet und Masken getragen. So konnten wir nach einiger Zeit wieder zusammen im Studio sein, aber Steve Rothery war nicht dabei.
In dieser Zeit haben wir stärker an den keyboardlastigen Stücken gearbeitet. Und wir haben uns auf die lyrische Struktur konzentriert Trotzdem konnten wir immer auf Steves Aufnahmen zugreifen. So hat das in dieser Zeit funktioniert. Aber frustrierend war es schon, weil wir unsere Ideen nur über Zoom diskutieren konnten. Als wir alle wieder zusammen waren, wurde die Arbeit auch wieder einfacher.
Auf dem neuen Album habt ihr erstmals mit einem Chor gearbeitet. Wie lief das ab? Waren die Sänger bei euch im Studio oder habt ihr digital mit ihnen gearbeitet?
Der Chor war Mikes Idee. Er wurde auf den Choir Noir aufmerksam und hatte eine ziemlich klare Idee, wie sie klingen sollten. Sehr gotisch und disharmonisch mit Close Harmonies. Sie waren nicht im Studio und haben uns ihre Teile von zuhause aus zugeschickt. Der Chor ist es ohnehin gewohnt, digital zu arbeiten. Es sind acht Stimmen, aber manchmal haben wir sie doppelt übereinander gelegt, um mehr weibliche Stimmen zu haben.
Außerdem waren die Streicherinnen von In Praise Of Folly wieder dabei, mit denen wir in der Vergangenheit schon zusammen gearbeitet haben. Sie haben auch digital eingespielt. Mike hat ihnen grob ausgearbeitet Teile zugeschickt und sie haben daran gefeilt und uns Vorschläge zugeschickt. Außerdem war ein Harfenspieler mit dabei und ein Perkussionist. Mike hatte den Überblick und brachte alles zusammen.
Mike Hunter kennt euch schon sehr gut. Ich denke, seit dem „Brave“ Album.
Oh ja, da war er noch sehr jung. Später haben wir ihn dann wieder dazu geholt, um Dave Meegan beim „Marbles“ Album zu unterstützen. Wir haben großes Vertrauen in ihn und er mischt auch unsere Livealben ab. Er ist ziemlich im Einklang mit allem, was wir tun, und er macht einen fantastischen Job. Die letzten drei Alben klingen hervorragend und Mike hat einen großen Anteil daran.
Lass uns noch über einige Songs sprechen. Mir gefällt die Idee des Albumtitels. Es sind nicht “2 minutes to midnight” wie bei Iron Maiden, sondern “One Hour Before It’s Dark”. Der Zeitpunkt, den Eltern bei ihren Kindern wählen, um sie nach Hause zu rufen.
Genau. Komm rein, es wird dunkel. Das haben meine Eltern auch zu mir gesagt und es wurde zum geflügelten Wort. Heute funktioniert das nicht mehr so. Die Kinder haben schon Smartphones und werden einfach angerufen. Früher hatten wir strenge Regeln und Anweisungen. Tu dies nicht, tu das.
Man kann den Titel also auf zwei Arten lesen: In einer Stunde ist alles dunkel. Oder: Kommt jetzt nach Hause, bevor es zu spät ist. Was ist deine Sicht?
Es ist eine unterschiedliche Interpretation und das ist die Schönheit des Albums. Die Aussage hat verschiedene Bedeutungen – und so ist es bei allen Songs auf dem Album. Alles hängt zusammen und das macht die Magie des Albums aus.
Den letzten Song “Care” findet ich sehr berührend. Es geht um die Pflegekräfte in der Pandemie. Was hat euch dazu bewogen, ihnen ein Denkmal zu setzen?
Ich denke, sie haben es einfach verdient. Sie haben so viele Menschen gerettet und tun es immer noch jeden Tag. Wir haben in unseren Ländern so viel Glück, dass die medizinische Versorgung so gut ist. Das ist nicht in allen Ländern so. Meine Frau war auch Krankenschwester und sie hatte diese Berufung: über sich hinaus zu wachsen, um anderen zu helfen. Die Pflegekräfte haben diese Herausforderung mit großer Leidenschaft auf sich genommen.
Auch “Murder Machines” dreht sich um Corona und Social Distancing. Ich habe das Gefühl, viele Bands vermeiden es, direkt über diese Thematik zu schreiben. Warum habt ihr euch dafür entschieden?
Wir haben die Pandemie natürlich schon zu Beginn diskutiert. Steve Hogarth wollte eigentlich keinen Text dazu schreiben, weil wir alle dachten, es sei eine vorübergehende Sache, die bei Erscheinen des Albums nicht mehr aktuell ist. Und überhaupt würde ja jede Band darüber schreiben. Und dann kam der Moment, in dem wir schon so lange mit der Pandemie lebten. Es wäre fast schon seltsam, wenn wir kein soziales Statement dazu hätten. Plötzlich wurde es zu einer großen historischen Sache, mit der wir alle leben mussten. Man spricht auch heute noch über die Pest. Wie in den 1920ern die Wall Street zusammenbrach und die Weltwirtschaftskrise begann, so gibt es in den 2020ern die Pandemie als Start einer neuen Ära.
Die Aussage von „Murder Machines“ kann viel bedeuten. Es geht zum Beispiel darum, jemanden mit zu viel Liebe zu erdrücken. Es kann auch darum gehen, eine Beziehung aufrecht zu erhalten, bis sie sich zum schlechten wendet. Oder es geht darum, jemandem zu nahe zu kommen und ihm den Virus zu übertragen.
“Seasons End” ist schon über 30 Jahre alt. Jetzt gibt es mit “Reprogram The Gene” wieder ein Stück über die drohende ökologische Katastrophe. Macht ihr euch gemeinsam Gedanken über solche Themen oder kommen diese Ideen meist von Steve Hogarth?
Die Lyrics schreibt Steve Hogarth und er fügt sie zu der Musik, wie es passt. In dem Song sprechen wir ganz klar vom ökologischen Zustand der Welt. Er ist aus der Sicht eines jungen Menschen geschrieben. Die jungen Menschen interessieren sich für das Thema, im Gegensatz zu den Regierungen und der Wirtschaft. Der Planet wird ausgebeutet und wir haben keinen anderen zur Verfügung.
Fotocredit: Anne-Marie Forker
Was sind eure Planungen für die Zukunft? Es wird mehr Marillion Weekends geben als sonst. Und dazwischen eine Tour. Dürfen wir etwas Besonderes erwarten?
Ich glaube, ich darf das sagen: Wir werden das neue Album in voller Länge auf den Weekends spielen. Mit 55 Minuten ist es eigentlich ein kurzes Album. Obwohl es sehr dunkle und melancholische Themen verarbeitet, ist es doch ein sehr lebendiges Album.
Vielen Dank für deine Zeit, Pete! Ich hoffe, wir sehen uns bei den Konzerten im Herbst und natürlich auch beim Marillion Weekend in Holland 2023. Ich wünsche euch viel Erfolg mit dem neuen Album!
Danke, Andi. Es war mir eine Freude. Das Weekend in Holland wird großartig werden.
Ein herzliches Dankeschön geht an Kai Manke für die Vermittlung des Interviews und an earMUSIC für Organisation und Schaffung der technischen Voraussetzungen.
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Hinter The Anchoress (Ankerin) verbirgt sich die Singer/Songwriterin und Multiinstrumentalistin Caitlin Moran aus Wales. Ich weiß nicht, ob sie die Frau auf dem Cover darstellt, die ein aufgeschlagenes Buch in der Hand hält, aus dem die Seiten im Bogen auf ihren geöffneten Mund zu wegfliegen.
Moran war zuletzt mit den Simple Minds auf Tour und an deren beiden letzten Studioalben beteiligt war, jeweils als Keyborderin, Gitarristin und Hintergrundsängerin. Aber nicht Jim Kerr ist Gastsänger auf ihrem zweiten Album, sondern James Dean Bradfield von den Manic Street Preachers im Stück „The Exchange“.
Die Solokünstlerin ist bereits mit einer Menge Preisen überhäuft worden und erhielt für ihr neues, im März erscheinendes Album von „The Sunday“ und der „Times“ Vorschusslorbeeren. Selbst Elton John bezeichnete das Album bereits als das beste des Jahres. Nun, das Jahr hat gerade erst begonnen, und solche Lobeshymnen sind zwar nett, aber alles andere als objektiv.
Ohne Zweifel ist es ein hervorragendes Album, das sich mir aber auch erst nach dem zweiten Hören richtig erschließt. Die Vergleiche mit Kate Bush mögen sich vielleicht auf das Texten beziehen, von der Stimme ähnelt sie nach meinem Empfinden eher Tori Amos. Ich höre eine Sonderausgabe, die neben den 14 Albumtiteln noch sieben Zugaben enthält (im Pressetext ist nur von fünf die Rede). Unter den tollen Songs – das Album hat keinen Leerlauf – befinden sich auch zwei Instrumentaltitel.
Moran singt, wie der Albumtitel vermuten lässt, über die Kunst loszulassen. Streichinstrumente kleiden die Songs mit Melancholie ein. Der Umgang mit Trauer, Verlustängste – das sind die Themen, die die Musikerin interessieren. Viel Gefühl zeigt sie in ihren Songs, nicht nur in „The Heart is a Lonesome Hunter“. Dieser Song ist neben „Let it hurt“, „Show your face“ und „Moon Rise“ einer meiner Favoriten.
Ein Album voller Songs, die zum tristen Wetter und der Teilnahmslosigkeit durch die Pandemie passen, die aber dennoch eher das Gemüt aufheitern.
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Der weltbekannte Gitarrist JOE SATRIANI kündigte kürzlich die bevorstehende Veröffentlichung seines 19. Studioalbums „The Elephants of Mars“ an, das am 8. April 2022 erscheinen wird. Heute veröffentlicht er seine zweite Single „Faceless“ über sein neues Label earMUSIC, das internationale Rocklabel der Entertainment-Gruppe Edel.
Fotocredit: Eduardo Peña Dolhun
Die neueste Single „Faceless“ zeigt eine melodische, ergreifende Seite des Albums. Laut Satriani handelt „Faceless“ von Einsamkeit: „Wenn die Person, von der du möchtest, dass sie dich so sieht, wie du bist, dich nicht wirklich zu erkennen scheint.“ Und weiter: „Es bezieht auch Stellung zu einer Gesellschaft, in der sich die Menschen aufgrund ihrer Unterschiede immer weiter voneinander entfernen, anstatt sich durch ihre gemeinsamen Hoffnungen und Träume zu vereinen. Der Solo Part steht für den Ausbruch des wahren Selbst.“
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„The Elephants of Mars“ repräsentiert das Album, das Satriani und seine Band gehofft hatten schreiben zu können: „Wir haben die verrücktesten Ideen ausprobiert. Und wir haben jede Idee in Betracht gezogen, um zu sehen was passieren könnte.“ Die Musiker seiner Band konnten ihren kreativen Ideen freien Lauf lassen und sich auf „The Elephants of Mars“ selbst verwirklichen.
„Hall Of The Mountain King“ aus dem Jahr 1987 markiert den Beginn der erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem Produzenten Paul O’Neill. Das Album gilt als Wendepunkt in der musikalischen Identität der Band und zeigt den Beginn ihrer progressiven Tendenzen, während sie neue Ausdrucksformen in ihrer Musik erforschen und eine Brücke zwischen den „alten“ und den „neuen“ SAVATAGE bauen.
Nach den neu aufgelegten LPs „Sirens“, „The Dungeons Are Calling“, „Power Of The Night“ und „Fight For The Rock“ wird die Vinyl-Neuauflagenserie mit der heutigen Veröffentlichung des hochgelobten vierten Longplayers „Hall Of The Mountain King“ fortgesetzt.
„‚Hall Of The Mountain King‘ war eine ganz besondere Platte für uns“, erinnert sich Jon Oliva. „Das ist das Album, mit dem unsere Beziehung zu Paul O’Neill begann. Wir wussten damals nicht, wie sehr das unser aller Leben verändern würde. Ich glaube, er war auf der Suche nach einer Band, die wirklich an die Grenzen gehen und etwas anderes machen konnte, und ich glaube, da passten wir ins Bild. Paul sagte uns, dass er etwas in uns sah und dachte, dass wir die erste Progressive-Metal-Band sein könnten. Das Mountain King-Album war der entscheidende Moment in unserer Band-Karriere und eine Zeit, an die ich mich gerne erinnere. Es war eine sehr glückliche Zeit für uns alle, die ich nie vergessen werde.“
Mit erweitertem Artwork, ausführlichen Liner-Notes und für Vinyl gemastert, erscheint die Neuauflage als 180g LP-Reissue-Edition auf schwarzem Vinyl im hochwertigen Gatefold sowie als streng limitierte 12″ Sammler-Edition auf goldfarbenem Vinyl mit exklusiver 7″ Vinyl-Single, auf der die Songs „This Is Where You Should Be“ (Seite A) und eine 1987er Live-Version von „Hall Of The Mountain King“ (Seite B) zu hören sind. Ein echtes Juwel in jeder Plattensammlung!
Fans und Sammler können sich auf weitere SAVATAGE LP-Reissues in diesem Jahr freuen. Ende April/Anfang Mai erscheinen mit „Gutter Ballet“ und „Streets“ gleich zwei weitere musikalische Meilensteine der Band auf feinstem Vinyl.
Aggressiv geht’s zur Sache auf „Scar Weaver“, dem neuen Album von Once Human. Seit ihrer Gründung im Jahr 2014 hat die Bandbereits mehrfach bewiesen, dass sie eine der unverwechselbarsten und zerstörerischsten Metalbands der heutigen Zeit sind. Die Combo wurde von Gitarrist Logan Mader (ehemals Machine Head) und Sängerin Lauren Hart in Los Angeles gegründet. Von Beginn an arbeiteten sie hart und voller Leidenschaft an ihrer Liveperformance und entwickelten für die Erschaffung und Dokumentation ihrer Hymnen eine akribische Herangehensweise.
Geniales Alleinstellungsmerkmal ist definitiv Lauren Hart. Sie schreit und growlt sich die Seele aus dem Leib. Man kann sich kaum vorstellen, dass hier eine weibliche Stimme am Werk ist. Im Duett mit Robb Flynn (Machine Head) zeigt sie aber, dass sie jederzeit im Vergleich mit einem männlichen Altmeister bestehen kann.
Auch musikalisch ist der Modern Metal, den Once Human hier bieten, durch und durch überzeugend. An keiner Stelle wird Tempo rausgenommen. Stets geht es kraftvoll und energisch nach vorne – mit Riffgewittern, die sich gewaschen haben. Thrash und Death Metal wirken ebenso mit wie eine Prise Doom. Die Geschwindigkeit von Tracks wie „Erasure“ ist schwindelerregend, in „Bottom Feeder“ schwebt Lauren rockröhrend in die Höhe, während „We Ride“ absolut brutal um die Ecke kommt, und zum Schluss gibt es mit „Only In Death“ gar einen Ausflug in Richtung progressiver Klänge.
Die Lyrics stammen durchgehend von der Vokalistin, während Gitarrist Max Karon für die Musik verantwortlich zeichnet. Kompromisslos geht es durch zehn Tracks, die uns mit den Ohren schlackern lassen. Hart und gewaltig!
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Wie Vater und Sohn schauen die beiden bekannten Tenöre René Kollo und Jay Alexander vom Cover der CD „Romantische Abendlieder“. Das sind sie natürlich nicht, aber sie bilden zwei Generationen von Sängern ab, die sich nicht nur auf den Theaterbühnen bewegen, sondern die Opernmusik zur Popkultur erhoben haben. Hier finden sie sich auf dem Label „Berlin Classics“ zu einer feinen Zusammenstellung mit Liedern aus der Romantik zusammen.
René Kollo wurde kürzlich 84 Jahre alt. Er ist der einzige Sänger, der im Unterhaltungssegment genauso begeistern konnte wie an den renommiertesten Opernhäusern der Welt. Bekannt wurde er insbesondere durch seine Partien in Wagner-Opern, doch es muss nicht immer heroischer Bombast sein. Hier zeigt er sich feinfühlig in den romantischen Liedern und beweist zudem, dass man auch im gestandenen Alter stimmlich voll auf der Höhe sein kann.
Jay Alexander, bürgerlich: Jochen Alexander Pfitzenmeier, ist vor allem bekannt im Zeichen des Gesangsduos mit Marc Marshall. Als Marshall & Alexander haben sie seit vielen Jahren die Konzertbühnen Deutschlands erobert. Auch als Solist gibt Jay Alexander zahlreiche Konzerte und stand beispielsweise mit José Carreras auf der Bühne. Zwei seiner sechs Soloalben landeten auf Platz 1 der deutschen Klassikcharts und hielten sich dort mehrere Monate.
Zwei Crossover-Künstler also, die sich hier ganz von ihrer klassischen Seite zeigen. Dabei passen ihre Stimmen – so unterschiedlich sie sein mögen – sehr gut zusammen und es scheint eine gute Idee zu sein, ein gemeinsames Album zu veröffentlichen. Allerdings singen sie die neuen Arrangements mit dem Mitteldeutschen Kammerorchester meist als Solo. Nur zwei Stücke, „Der Mond ist aufgegangen“ und das „Wiegenlied“ von Brahms werden im Duett dargeboten.
Von der Zusammenarbeit zeigten sich Alexander und Kollo begeistert. „Trotz seiner großen Erfahrung vermittelt René Kollo nicht das Gefühl, als würde er über den Dingen stehen. Sondern er war voller Enthusiasmus und Energie, und man spürte sofort: Die Musik steht im Mittelpunkt“, berichtet Jay Alexander von der Aufnahme. René Kollo untermauert die gute Partnerschaft mit dem Tenorkollegen: „Jay macht die eine Seite, ich die andere. Das fand ich gut. Ich hatte ihn schon ein paar Mal im Fernsehen gehört und jedes Mal gesagt: Der hat es gelernt.“
Die berühmten Lieder aus der Epoche der Romantik sind allesamt neu für Streichorchester arrangiert und in dieser Form erstmals im Studio aufwändig produziert worden. Obwohl beide Sänger im Wechsel die Führung haben, wirkt das Album sehr homogen. Bei dieser Thematik bietet sich das auch an. Die Musik von Franz Schubert, Robert Schumann, Felix Mendelssohn, Johann Schulz und Johannes Brahms wirkt meist elegant und melancholisch. Die Texte von Eichendorff, Goethe, Heine, Claudius und Bretano stellen oft den Mond in den Mittelpunkt der Betrachtung, den Wald („Wandrers Nachtlied“, „Waldesgespräch“) oder die zärtliche Stille des Abends.
Zweimal darf das Kammerorchester allein sein Können zeigen. Die 37 Minuten Konzertmusik nach Arrangements von René Möckel sind äußerst kurzweilig und bieten mir als Chorsänger ein uns andere Mal einige Aha-Erlebnisse. Das Treffen der Generationen weiß zu begeistern.
Ganz zart startet der Opener „Fragrances“ mit einem sphärischen Grundton, bevor die Bläser einsetzen. Und dann Josefine Lindstrands Stimme voll skandinavischer Zerbrechlichkeit. Sanft, wohlklingend, wunderschön. Perfekt schwelgt sie in hohen Tönen und legt an Tempo zu. Ein Chor setzt ein und die Rhythmusfraktion übernimmt das Geschehen. Am Ende des Songs kommt alles zusammen zum großen Finale. Wow – und das war erst der Einstieg!
Josefine Lindstrand ist eine hochgelobte Jazzsängerin, Komponistin und Pianistin, die in Stockholm lebt und seit mehr als 15 Jahren zu den führenden Sängerinnen der Jazzszene in Skandinavien gehört. Das Debütalbum „There Will Be Stars“ wurde 2009 als bestes schwedisches Jazzalbum ausgezeichnet. Ihr neues Album „Mirages by the lake“ ist voll von Musik, die auf eine Reise zurück in Josefines Kindheit mitnimmt, in die dunklen und abenteuerlichen Wälder und kalten, versteckten Seen in Schweden.
Zwischen Jazz und Pop schwebt Josefine durch ihre luftigen Arrangements. Da gibt es kein Schema F, sondern spannende Songs, die sowohl in ihren Texten als auch musikalisch eine Geschichte erzählen. „Where the lilies grow“ hat einen reduzierten intrumentalen Mittelteil, bevor zum Ende Chor und Trompete wieder übernehmen. Es gibt feine Pianomelodien und hymnische Passagen. In „Phoenix“ geben eine energische Percussion und ein leidenschaftlicher Chor die Richtung vor.
Die Mischung aus Klangcollagen und Lautmalereien enthält Elemente von Jazz, Pop, Folk und einer Prise Elektronik. Die Musik wurde auf dem Land außerhalb von Stockholm in einem wunderschönen Studio aufgenommen, mit ihren eigenen Lieblingsmusikern von früher (Jonas Östholm – Piano, Gunnar Hallet – Trompete, Pär-Ola Landin – Kontrabass, Fredrik Myhr – Schlagzeug). Danach hat Josefine mit dem Material in ihrem eigenen Studio gearbeitet und Klänge, Stimmen, Synthesizer, Atmosphären kreiert und herumgeschnitten, wie beim Bauen von LEGO-Steinen. Im Februar 2019 reiste sie nach Bonn, um die wunderschönen Stimmen des Bundes Jazz Orchester Chors aufzunehmen. Das war der letzte Baustein, um das Projekt komplett zu machen.
Das sechseinhalbminütige „Streams“ führt uns mit Wassergeräuschen und einem fließenden Piano in die Natur. „Winter’s Tail“ ergänzt das Geschehen um mystische Klänge. Darüber schweben Josefines Vocals wie eine geisterhafte Sirene. Doch es muss nicht immer in die Höhe gehen. Zu Beginn von „It could have been us“ zeigt sie eine entspannte Altstimme, während „Our House“ an die verspielten Melodielinien von Björk erinnert.
Josefine Lindstrand lässt sich Zeit, um ihre Songs wirken zu lassen. Neun Tracks in einer knappen Dreiviertelstunde Länge sprechen ihre Sprache und wenden sich gegen Kompromisse oder Radiotauglichkeit. Sie lässt die kristalline Klarheit skandinavischer Seen und die dunkle Mystik schwedischer Wälder widerhallen und lädt uns zum Eintauchen ein. Großartig!
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Dieses Album ist das Dokument einer ganz speziellen Zeit, als Reisen und gemeinsames Musizieren nur unter erschwerten Bedingungen möglich waren. Der griechische Pianist Vangelis Katsoulis, der deutsche Trompeter Markus Stockhausen und der norwegische Bassist Arild Andersen kennen sich bereits seit 1996, als sie sich bei einem Konzert in Athen begegneten. „Across Mountains“ entstand als Online-Projekt. Vangelis und Markus starteten im Duo, bald darauf kam Arild hinzu. Tonspuren wurden hin und her geschickt, Ideen wurden sich wie Bälle zugeworfen. So konnte man digital die Entfernungen zwischen Athen, Erftstadt und Oslo überbrücken.
Das Ergebnis sind vier lange und zwei kurze Kompositionen, die sich zu einem fast einstündigen Album zusammenfügen. Ohne große Effekte lassen sich die Instrumente aufeinander ein. Piano und Trompete tasten sich behutsam vor, elektronische Klangcollagen verbinden die Melodien zu sphärischen Songs.
„Beyond The Dark“ wirkt wie der morgendliche Sonnenaufgang. Erst ganz leise und sanft, dann in epischer Breite. Stockhausens zartes Trompetenspiel ist ein Genuss. „To See“ ist eine verspielte Jazz-Improvisation, bei der Piano und Trompete wechselweise dominieren. „Invitation To The Unknown“ liefert düstere Vocals orientalischer Klangart. „Arco Flight“ lässt zunächst der Elektronik mehr Raum, bevor Trompete und ein entspannter Bass übernehmen. Der fast 14minütige Titeltrack liefert uns zum Abschluss eine erneute Klangreise in die Weiten der Natur.
Das Zusammenspiel der drei Künstler ist durchaus beeindruckend. Mit der ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte können sie punkten, doch in seiner Gesamtheit wirkt das Album etwas eintönig. Ohne Frage: Jeder zeigt sein virtuoses Können, doch echte Highlights und Ausreißer in die Extreme bleiben aus.