„Fireworking At St.Croix“, gefilmt im Proberaum der Band in Fredrikstad, Norwegen, bietet Fans eine sehr stimmungsvolle Reise in die Welt von Gazpachos „The Fireworker“, aufgenommen im Lockdown am 25. Oktober 2020. Keine Korrekturen, keine Polituren, keine Lichtshow und nichts weiter. Nicht einmal Verpflegung. Nur die reine Wiedergabe der Musik zusammen mit ein oder zwei Überraschungen für diejenigen unter euch, die der Band schon eine Weile folgen.
Der Original-Stream wurde jetzt komplett neu bearbeitet und um 30 Minuten zusätzliches Material erweitert, das nicht in der Originalsendung enthalten war. Alles ist neu abgemischt in herrlichem 5.1-Surround-Sound. Die Blu-Ray-Edition enthält außerdem 2,5 Stunden Bonusmaterial, darunter Promo-Videos, Interviews und ein Bonuskonzert, das in der letzten Nacht der Sojus-Tour 2019 gedreht wurde.
Ein wundersames, ganz besonderes, fantastisches Live-Erlebnis – VÖ: 11. März 2022!
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Mit “An Hour Before It’s Dark” veröffentlichen Marillion eines der eingängigsten und dynamischsten Alben ihrer Karriere und scheuen gleichzeitig dennoch nicht vor unbequemen Themen zurück, erheben den Zeigefinger, auch sich selbst gegenüber, und legen ihren Finger in die Wunden der aktuellen Zeit.
Wie gut das zusammenpasst, zeigt die Band genau einen Monat vor der Veröffentlichung des Albums mit einem neuen Vorgeschmack auf ihr neuestes Werk. „Murder Machines“ ist ein Song, der in den herausfordernden Zeiten von Lockdown und Social Distancing geboren wurde und doch so viel mehr als nur ein Spiegel unserer Zeit geworden ist – mehr als ein Song über die wertvollen und dunklen Seiten menschlicher Beziehungen.
Steve Hogarth über die Hintergründe: “Ich habe versucht, nicht über das Virus zu schreiben. Aber es war in den letzten zwei Jahren so sehr Teil des Lebens, dass es sich immer wieder einschlich. Die erschreckende Tatsache, dass ich meinen Vater oder meine Mutter in die Arme nehmen und sie dadurch töten könnte, war der Auslöser für diesen Song. Der Text wurde dann so weiterentwickelt, dass er auf Eifersucht und Herzschmerz anspielt – auf den Schmerz, wenn man mit ansehen muss, wie die Frau, die man liebt, einen anderen Mann umarmt, oder auf den emotionalen „Mord“ eines Serien-Ehebrechers. Und natürlich die Waffen der Supermächte und die Psychopathen, die manchmal ihre Finger am Abzug haben. Hüte dich vor den Murder Machines…“
“An Hour Before It’s Dark” wurde in Peter Gabriels Real World Studios aufgenommen, wie auch schon der von der Kritik umjubelte und in den Charts erfolgreiche Vorgänger “F*** Everyone And Run (F E A R)”. Dabei entstand auch eine Dokumentation über den Schaffensprozess mit viel Behind-the-Scenes Material sowie eine Performance des Songs “Murder Machines” im Studio.
Nach mehreren Marillion Weekend Terminen bis Sommer 2022, begeben sich Marillion im Herbst auf große Europatour mit vier Terminen in Deutschland:
Der Albumtitel kann einem schon ein wenig Angst machen. Das Cover zeigt einen entfesselten Walfisch in einer Industrielandschaft. Klimakatastrophe, Umweltzerstörung, Pandemie – „Kein Land in Sicht“. Mit rockigen Klängen gibt der Titeltrack den Einstieg ins Album. Allemal ein Aha-Erlebnis, denn der Sound erinnert an deutsche Rockmusik alter Schule, die Stimme von Hans-Peter Junger an Wolfgang Niedecken.
Mit rauer Gitarrenmusik geht es weiter durch elf mitreißende Songs. Selbst angedeutete Balladen wie „Kein Tag für Helden“, „Flugverbot“ und „Sensation“ rocken ordentlich nach vorn. „Lass uns einfach existieren“ und „Tausend lange Nächte“ könnten sowohl textlich als auch musikalisch von Meister Lindenberg stammen.
JUNGER aus Österreich sehen sich selbst als Alternative-Rockband. Ihren Proberaum nennen sie „Walfischbauch“: „Im Walfischbauch fängt alles an“, sagt Junger, wenn er über seinen Kreativraum spricht. „Dort kann man, wie Jonas in der biblischen Geschichte man selbst sein und sich ganz auf sich konzentrieren. Alles was wir irgendwo aufgesaugt haben, bekommt da drinnen seine Form. Und am Ende wirst du dort wieder ausgespuckt, wo du hingehörst. Ob du das willst, oder nicht.“
JUNGER ist Ziel und Ergebnis einer langen Reise. Aufgebaut auf langjährige, intensive und sehr resiliente Beziehungen der Musiker. Der Sound ist erdig, die Gitarren bissig. Mit “Kein Land in Sicht” steht jetzt das Erstlingswerk von JUNGER in den Startlöchern, in welchem sich die vielen Jahre intensiver Arbeit mit großer Wucht und großen Gefühlen entladen. Musikalisch spannt die Band dabei einen weiten, schillernden und vor allem eigenständigen Bogen.
Der Sound wurde dabei bewusst ruppig und roh gehalten und führt vom ausgereizten High-End Perfektionismus der letzten Jahrzehnte zurück in die Garage. Wie Hans-Peter Junger sagt: „Unser Sound ist so raubeinig, wie wir inzwischen selbst schon geworden sind.“ Man hat das Gefühl einer alten Seele zuzuhören, wenn der Frontmann mit seiner kratzigen, rauchigen, whiskygeschwängerten Stimme Geschichten von der Liebe und vom Scheitern, von Leid und Leidenschaften vorträgt. Manche sagen, er könne mit seiner Stimme sogar Schiffe durch den Nebel leiten.
Die Musiker machen bereits seit den 90ern zusammen Musik. Da verwundern die hörbaren Einflüsse nicht. Jetzt also ein Debüt mit eigenen Stücken: Spät, aber nicht ZU spät. Der raue Sound und Jungers Charisma an den Vocals schaffen ein homogenes Rockalbum vom Feinsten. Top. Weitermachen!
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COLD NIGHT FOR ALLIGATORS sind eine angesehene und zukunftsweisende Progressive-Metal-Band aus Kopenhagen, Dänemark. Das lässt die Plattenfirma wissen. „The Hindsight Notes“ ist das erste Album, das ich von der mir bislang unbekannten Band angehört habe.
Das Cover mit vier Farbquadraten ist völlig nichtssagend und lässt nicht erahnen, welches Musik-Genre im Album steckt. In kalten Nächten sind Alligatoren starr und bewegungslos, kaum gefährlicher als Kettensägen, denen man den Stecker gezogen hat. Wer jetzt jedoch glaubt, dieses Album habe keinen Biss, wird eines Besseren belehrt.
Den Hörer erwarten innovative Songs mit einer progressiven Note. Stimmungsvolle Synthesizer wechseln sich mit mehrsaitigen Gitarrensounds ab. Frontman Johan Pedersen glänzt in den mehrheitlich textlastigen Songs mit gesanglichen Meisterleistungen. In ihnen verarbeitet er laut Plattenfirma persönliche Traumata, Hoffnungen und Zweifel.
Die Band sagt dazu: „Diese Platte ist der Sound von uns, wie wir als Menschen und Musiker erwachsen werden. Vor und während der Pandemie war der kreative Prozess ein Fixpunkt in einem großen persönlichen Chaos, das wir versuchten, in eine ehrliche und persönliche Aussage zu kanalisieren. Alles war erlaubt, musste aber auch perfekt umgesetzt werden. Wir haben eine Menge cooler Kollaborateure hinzugezogen, um diese Vision zu verwirklichen und wirklich das Gefühl zu haben, dass wir eine vollwertige Platte gemacht haben, die keinen Trends folgt und keine Kompromisse eingeht. Ob es nun weicher, geradliniger oder experimenteller werden sollte, wir haben uns immer an unserem gemeinsamen kreativen Empfinden orientiert. Es war ein riesiges Stück Arbeit, aber das Album fühlt sich aus diesem Grund sehr lohnend und persönlich an.“
Ich musste mir das Album zweimal mit ein paar Tagen Abstand anhören, um es unter diesen Kriterien anzuhören. Beim zweiten Hörgang gefiel es mir auf jeden Fall besser. Im ersten Song erinnerte mich Pedersens Stimme ein wenig an die von Feargal Sharkey. „Behind Curtains“ wird am Ende jedoch kaputtgebrüllt. Ich habe eine Abneigung gegen Metalbands, deren Sänger mit Brachialgewalt die Songs eher röcheln als singen. Sie scheinen hier jedoch von einer zweiten Stimme zu kommen. Auf diese Weise werden noch weitere Songs, vor allem gegen Ende des Albums, für mein Empfinden verhunzt. Ohne dieses Höllengeschrei würde ich dem Album wesentlich mehr Punkte geben. „Worn out Mannequin“ ist so ein Beispiel. Eine tolle Melodie mit harmonischem Gesang – bei manchen Titel erinnert mich die Stimme Pedersens auch an „Fury in the Slaughterhouse“ –, und dann schlägt in der Mitte das Höllengebrülle wie eine Bombe ein. Furchtbar, diese Songverstümmelung! Auch „Thin Line“, als Single 4 gekennzeichnet, wird so in die Tonne getreten.
Meine beiden Lieblingstitel kommen an Stelle zwei und drei. „No Connections“ ist als Single 1 und „Verism“ als Single 3 angegeben. Obwohl das Album erst am 4. Februar erscheint, hat man sich offensichtlich schon frühzeitig festgelegt, welche vier Titel als Single ausgekoppelt werden sollen.
Das Album enthält zehn Songs bei 49 Minuten Laufzeit. Mit jeweils 3:30 sind die Singles „Verism“ und „Nostalgic“ die beiden kürzesten Songs. Der längste, „Hindsight“ (6:34), beendet das Album. Hier hat der Sound, umgekehrt als bei den meisten Titeln, die harmonischsten Stellen im Mittelteil.
„The Handsight Notes“ gebe ich 5 von 9 Punkten (2 Punkte Abzug für das Gebrülle). Schade, hier war mehr drin!
Ich habe selten ein mir ansprechendes Solo-Album eines Schlagzeugers gehört. Dazu gehört auch nicht das Debütalbum von Gavin Harrison, „Sanity & Gravity“, das am 4. Februar als 25-Jahres-Edition wiederveröffentlicht wird.
Die fast durchgängig instrumentalen Stücke plätschern so dahin. Ich hätte mich besser vorher informiert, dass Harrison ursprünglich aus dem Jazz kommt, einem Musikstil, mit dem ich wenig anfangen kann. Ich kenne ihn hauptsächlich von Porcupine Tree, King Crimson oder zuletzt The Pineapple Thief und habe mich von deren Musik auf den Holzweg führen lassen.
Man hört fernöstliche Klänge, bei „Darest Blood“ erklingt auch eine Sängerin in chinesischer oder japanischer Sprache, es klingt teilweise wie zwischen Geisha und Thai Buffet, insgesamt gefällt mir dieser Stil aber von Ryuichi Sakamoto besser. „Sonata in H“ und „Witness (Reprise)“ sind so kurz, dass es sich wie Soundschnipsel aus einer unbekannten Filmmusik oder irgendwelchen Outtakes anfühlt.
Ich habe beim ersten Hören das Album nur im Hintergrund angehört, da dauerte es gefühlt noch nicht einmal eine halbe Stunde. Tatsächlich laufen die zehn Titel 49 Minuten. Beim zweiten, diesmal konzentrierten Hören, dauerte es dann gefühlt anderthalb Stunden. Die Musik zieht sich spannungslos dahin ohne Höhepunkte.
Das Album ist allenfalls etwas für echte Harrison-Fans oder Hörer, die Jazzmusik gegenüber geneigter sind als ich. Mich spricht das Album überhaupt nicht an. Mehr als 2 von 9 Punkten sind von mir nicht drin.
Nach einem phänomenalen Erfolgsjahr für die walisische Produzentin, Multiinstrumentalistin und Songwriterin The Anchoress (alias Catherine Anne Davies), erscheint ihr von der Kritik gefeiertes zweites Album „The Art of Losing“ jetzt auch offiziell in Deutschland (am 04. März über Kscope/Edel) und zwar als erweiterte Edition mit 19 Titeln und 5 zusätzlichen brandneuen akustischen Tracks.
„The Art of Losing“ wurde von Kritikern gelobt und im Radio gespielt und erreichte in Großbritannien eine Top 40 Albumcharts-Platzierung und wurde von Elton John als „eine meiner Lieblingsplatten des Jahres“ bezeichnet. Es wurde zum Album des Jahres von Prog Magazine gekrönt und als eines der „Besten Alben des Jahres 2021“ von The Sunday Times, The Times, Record Collector, Line of Best Fit, Classic Rock, und Mail on Sunday gewählt. Die Juroren des Welsh Music Prize schlossen sich kürzlich den Lobeshymnen an und wählten das selbstproduzierte Album in die engere Wahl für den renommierten Preis, während die Schriftstellerin und Frauenrechtsikone Caitlin Moran das Album als „unbeabsichtigten, schönen und wahrheitsgetreuen Soundtrack zu diesem Moment“ lobte, da es Themen wie toxische Männlichkeit und #MeToo aufgreift.
Produziert und geschrieben von Davies, entstand „The Art of Losing“ nach mehreren Jahren großer persönlicher Verluste, nach dem frühen Tod ihres Vaters, der Behandlung wegen Gebärmutterhalskrebs und mehreren Fehlgeburten. Die daraus resultierende Platte begegnet der Trauer mit einem trotzigen Optimismus, der wie man inmitten des Verlustes einen Sinn finden kann: „Hatte es einen Sinn, meinen Verstand zu verlieren?“
Es ist ein klanglich ehrgeiziges Album, das von Davies als alleinige Produzentin geleitet wird – ein Schritt, der nach ihren Worten und notwendig war, nachdem sie in den letzten Jahren nebenbei als Engineer und Produzentin für andere Bands tätig war. „Es sollte keine Seltenheit sein, Frauen hinter einem Mischpult zu sehen.“
„The Art of Losing“ folgt auf ihr von der Kritik hochgelobtes Debütalbum „Confessions of A Romance Novelist“, das von den Kritikern des Guardian zu einem der Alben des Jahres gekürt wurde, den HMV-Preis für das walisische Album des Jahres erhielt, Best Newcomer bei den PROG Awards und eine Nominierung für den Welsh Music Prize.
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Die Trilogie „Mara und der Feuerbringer“ ist bereits seit einigen Jahren in Buchform auf dem Markt und inzwischen sogar bereits verfilmt worden. Nun erscheint die spannende Geschichte um einen Teenager, der auf geheimnisvolle Weise in das Schicksal der nordischen Götter verwickelt wird, erstmal als aufwendig produziertes Hörspiel.
Autor Tommy Krappweis, unter anderem als Erfinder von „Bernd das Brot“ und durch die Hörspielserie „Ghostsitter“ bekannt, entwirft hier ein recht originelles Fantasy-Szenario: Die 15-jährige Mara Lorbeer lebt mit ihrer Mutter in Berlin, seit ihr Vater die Familie verlassen hat. Die Mutter nervt sie mit immer neuen esoterischen Seminaren, in der Schule wird sie von der fiesen Larissa und ihrer Clique gemobbt und zudem plagen sie seltsame Tagträume. Dabei will Mara eigentlich nur normal sein! Aber gerade dieser Wunsch erfüllt sich nicht, als Mara nach einem Baumsprechseminar tatsächlich von einem Zweig angesprochen wird und erfährt, dass sie eine Spákona – eine germanische Seherin – ist und ihre Tagträume eigentlich Visionen sind. So beginnt ein spannendes Abenteuer, in dem Mara tief in die Welt der nordischen Mythologie eintaucht und allmählich herausfindet, was ihre eigentliche Aufgabe ist.
Als Sprecher für die Hörspielversion konnten mehrheitlich die Schauspieler gewonnen werden, die bereits im Film die entsprechenden Rollen verkörperten. So sind beispielsweise Esther Schweins als Maras Mutter und Christoph Maria Herbst als Halbgott Loki zu hören. Oliver Kalkofe leiht wieder dem Zweig seine Stimme und Jan Josef Liefers stand zwar nicht als Professor Reinhold Weissinger, Maras einziger Verbündeter zur Verfügung, wird aber hervorragend von seinem Kollegen Rufus Beck vertreten. Besonders überzeugend ist Lilian Prent in der Hauptrolle der Mara. Sie bringt Zweifel, Überforderung aber ebenso den Mut der jungen Heldin wider Willen auch im Hörspiel wunderbar zum Ausdruck.
Neben den großartigen Sprechern sorgen akustische und musikalische Effekte dafür, dass man als Hörer ganz in die Geschichte eintaucht. Und so ganz nebenher erfährt man eine Menge über die Welt der germanischen Götter, die ja ein Teil unseres kulturellen Erbes ist. Tommy Krappweis hat hier eng mit dem Fachmann Professor Rudolf Simek zusammengearbeitet, um dem aktuellen Stand der Wissenschaft zu entsprechen. Einige Hintergrundinfos gibt es jeweils auch in den Booklets, sowie einen QR-Code, der zu einem ausführlichen Glossar führt.
Die vorliegende Hörspiel-Box beinhaltet auf 3 CDs und mit 210 Minuten Laufzeit den ersten Teil von „Mara und der Feuerbringer“. Aber auch für Teil 2 und 3 ist bereits die Veröffentlichung als Hörspiel geplant.
Wir Menschen lieben Rituale – besonders in der Advents- und Weihnachtszeit. Und so ist es für die Mittelalter-Folk-Band Blackmore´s Night inzwischen zum Ritual geworden, alle paar Jahre ihr Album „Winter Carols“ neu zu veröffentlichen und dabei die Songliste immer wieder zu erweitern – so auch diesen Winter.
CD 1 der aktuellen Edition enthält die bereits bekannten „Winter Carols“ in einer digital remasterten Version. Neu dabei ist „Conventry Carol“ ein traditionelles Weihnachts-Wiegenlied, das ihm gewohnten Stil von Candice Night und Ritchie Blackmore arrangiert ist und ein wenig besinnliche Stimmung verbreitet, bevor es mit den beschwingten Liedern wie „Deck The Halls“ und „Hark, The Herald Angels Sing“ weitergeht.
Mehr Neues im Vergleich zu der Vorgängerversion von 2017 bietet allerdings erst CD 2 mit fünf zusätzlichen Titeln. Komplett neu ist allerdings nur „Crowning Of The King“, eine vielseitig arrangierte Hymne, die inhaltlich zwar nicht direkt mit Weihnachten zu tun hat, aber passende Festtagsstimmung verbreitet. Die anderen Lieder waren bereits auf der 2020 veröffentlichten EP „Here We Come A-Caroling“ zu hören. Da diese aber nur in einer limitierten Auflage erschienen ist, werden sich Fans sicher freuen, die Songs nun hier wiederzufinden. Ergänzt wird das Ganze mit sechs stimmungsvollen Live-Aufnahmen von einem Konzert auf dem Familiensitz Minstrel Hall.
Besonders gelungen ist die Aufmachung im hochwertigen Digipack und mit einem liebevoll gestalteten Booklet, das erstmal die Texte aller Songs enthält. So steht nun dem gemeinsamen Singen von Carols unterm Weihnachtsbaum nicht mehr im Weg!
„Winter Carols“ gehört definitiv zu den Must-Haves unter den Weihnachtsalben. Wer bisher nur das Originalalbum aus dem Jahr 2006 sein Eigen nennt, hat mit der aktuellen Edition einen tatsächlichen Mehrwert – wer aber bereits die Version von 2017 und die letztjährige EP im Regal stehen hat, kann hier auch mal verzichten.
„Versions of Truth“ heißt das aktuelle Album der britischen Progressive Rocker um den genialen Bruce Soord. So ist der Albumtitel „Nothing but the Truth“ ein klares Understatement, denn es werden keineswegs nur Songs des letzten Studio-Longplayers gespielt. Im Gegenteil! Das Livealbum ist ein gelungener Ritt auf zwei Silberscheiben durch die Bandgeschichte.
Die Entstehung ist – wie sollte es anders sein – der Pandemie geschuldet. Das Quintett konnte nicht live auftreten und entschied sich für ein Streaming-Event. Man nutzte die besondere Situation und schuf ein intimes Ambiente mit einer Band, die sich im Kreis aufstellte und von unzähligen Kameras gefilmt wurde. So entstand ein cineastischer Konzertfilm, der jetzt auch auf DVD und Blu-ray erhältlich ist.
Fotocredit: Greg Holland
Hier soll es aber um die 2CD-Version gehen. Und auch die hat es in sich. Seit fünf Jahren ist Schlagzeuger Gavin Harrison mit an Bord und hat inzwischen ebenso großen Einfluss auf den Sound der Band wie Gitarrist und Sänger Bruce Soord. So dürften Kenner der älteren Tracks aufhorchen, wenn sie die neuen Arrangements hören, die einen enormen rhythmischen Drive bekommen.
Soord kommentiert zu „Someone Pull Me Out Of Here“: It felt really special to do this song after so many years, it’s still one of my favourite compositions and with Gavin adding his brand-new drums it feels completely new. From a compositional point of view, it’s quite unique in that, even though on the surface it’s a straightforward rock song, it travels through quite a lot of time signature changes. Although the key for me is that no one is supposed to notice that…”
Die Doppel-CD klingt wie ein Studioalbum, hat aber viel mehr Charme als eine Compilation neuer und älterer Songs im Remix. Der Flow von Track zu Track ist stimmig und führt uns eine spielfreudige Band vor Augen, die das Beste aus der ungewöhnlichen Situation macht. So kombiniert man die Energie eines Livekonzerts gekonnt mit auditiv beeindruckenden Studioaufnahmen.
Seit Jahrzehnten gehören The Pineapple Thief zur Speerspitze des melodischen Artrocks. Sie liefern atmosphärische Musik sowie epische Momente – und ziehen hier alle Register ihres Könnens. Wie immer dominieren ruhige Songs, es kann aber auch mal heftig krachen („Break It All“). Und in „Far Below“ wird die Gitarrenarbeit deutlich ausgebaut.
Es war die erste Liveperformance der neuen Songs – und gleichzeitig haben The Pineapple Thief ein Gesamtkunstwerk abgeliefert. Sie standen auf ihren „kleinen Inseln“ (wie Soord es ausdrückt) und lieferten das vielleicht beste Konzert ihres Lebens ab. Magisch!
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Caravan sind inzwischen seit 53 Jahren mit Höhen und Tiefen im Geschäft. Das selbst betitelte Debüt im Canterbury Sound erschien schon im Jahr 1968. Danach wurde die Band mehrfach aufgelöst und wieder neu gegründet. Eine Konstante ist dabei Pye Hastings – Sänger, Gitarrist und Gründungsmitglied.
Dass die Band auch heute noch relevant ist, zeigt der neue Release „It’s None Of Your Business“. Das erste Werk nach acht Jahren Pause verbindet in klassischer Weise Rock, Jazz und Folk zu einer großartigen Mixtur. Das klingt nicht mehr so originell wie zu Anfangszeiten, hat aber immer noch einen hohen Wiedererkennungswert.
Schon bei „Down From London“ kommt eine verspielte Violine zum Einsatz. Ähnlich beschwingt geht es weiter, wobei der neunminütige Titelsong eine unbeschwerte Fröhlichkeit vermittelt. Bisweilen kann man gar nicht genug bekommen von dem optimistischen Sound im Widerspruch zur tristen Pandemie. Hastings sagt selbst, dass man trotz der Hygieneauflagen nach Möglichkeit im Kreis zusammengesessen hat, um neue Stücke zu komponieren und aufzunehmen. Dieser Zusammenhalt ist mit jedem Song spürbar.
Melancholisch wird es im Zusammenspiel von Flöte und Violine in „Spare A Thought“. Dabei geht es um ein durchaus ernstes Thema, nämlich die Menschen, die sich wissenschaftlichen Ratschlägen entgegen stellen („all those people who denied“) und die Rückkehr zur Normalität gefährden. So entfalten die rauen Vocals bei „Every Precious Little Thing“ zu dieser Thematik große Wirkung.
„If I Was To Fly“ erklingt sehr hymnisch mit akustischer Gitarre und „I’ll Reach Out For You“ ist ein weiterer mitreißender Longtrack. Erst mit den zwei abschließenden Stücken wird der Sound getragener. So ist vor allem in der zweiten Albumhälfte die stilistische Vielfalt ordentlich ausgebaut.
Ich hätte nicht gedacht, dass Caravan mich nochmal so packen können, aber sie haben es geschafft. Ein großartiges Spätwerk!
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Vor einem Jahr erschien mit „Nachtluft“ das zweite Album der gebürtigen Marburgerin Felicitas Mietz, die sich als Künstlerin den Namen Fee. gegeben hat. Vor ihrer Solokarriere war sie bei der Popband Neon aktiv, doch mit ihren eigenen Alben wird deutlich, dass sie niemals nur das hübsche Aushängeschild der Musikindustrie sein konnte. Mit den akustischen Stücken und als Songwriterin ihrer eigenen Musik zeigte sich ihre wahre Größe.
Dazu braucht es im Prinzip nicht mehr als eine Gitarre, doch in „Nachtluft“ steckt noch viel mehr. Das zeigt sich jetzt in den Liveversionen, die Fee. mit der hr-Bigband nach feinsinnigen Arrangements von Rainer Tempel eingespielt hat. Neun der zehn Albumsongs sind vertreten. Nur den Song „Utopie“ hat sie weggelassen. Mag sein, dass der Sprechgesang nicht zum breiten Bandformat gepasst hat.
Jedenfalls sind die 36 Liveminuten vollgepackt mit Überraschungen. Schon der Opener „Chérie“ zeigt, dass Fee. sich bestens gegen den Bläsersound durchsetzen kann. „Dein Haus ist umstellt“ erklingt wundervoll melancholisch und filigran. „Elixier“ hat sich sein Rapgewand bewahrt und wirkt überaus modern. „Straßburger Straße“ ist dezent instrumentiert absolut atmosphärisch. „Landebahn“ gewinnt enorm durch den verspielten Jazz-Stil.
Dieser Release setzt dem Studioalbum auf jeden Fall noch einen drauf und führt Felicitas‘ Musik auf eine neue Ebene. Dass dies zustande kam, ist tatsächlich der Pandemie zu verdanken:
Zur Unterstützung jungen lokaler Talente in der Corona-Zeit hatte das hr-Bigband-Management die Reihe „Act Local – Fokus Rhein-Main“ ins Leben gerufen, um Jazz-Solisten und Solistinnen mit Live-Streams aus dem Sendesaal eine Plattform zu bieten. Für die Folge 4 wartete hr-Bigband-Manager Olaf Stötzler mit einer Überraschung auf und lud Fee. ein. Rainer Tempel, der als Pianist schon mit Jazz-Größen wie Nils Landgren und Nils Wogram aufgetreten ist und zudem viel Bigband-Erfahrung hat, wurde als durchaus auch Pop-affiner Musiker, der schon mal das Orchester des ABBA-Musicals „Mamma Mia““in Stuttgart dirigierte, mit den Arrangements betraut.
„Ich möchte eine Win-Win-Situation herstellen, sonst bräuchte Fee. die Bigband nicht und die Bigband könnte ihr eigenes Repertoire spielen. Denn ihre Musik ist aus gutem Grund wie sie ist, es würde mir also nicht genügen, da einfach noch siebzehn andere Musiker mitspielen zu lassen. Das ist also meine Aufgabe: um Fee. herum etwas zu errichten, das da schon immer hätte sein können und nun möglich wird“, erklärte der Tübinger seinen Ansatz, den er konsequent ausführte. „Ich kann mich in den Klangwelten dieser Arrangements verlieren und mich in die Songs fallen lassen“, ergänzte die Künstlerin. „Ich habe gesehen, wie viel Potenzial in meinen Songs steckt, wie anders sie klingen können und was das für neue Gefühle beim Hören oder Singen wecken kann. Daran kann ich als Musikerin und Songschreiberin sehr wachsen.“
Im Januar 2021 wurde dann das „Act Local – Fokus Rhein-Main“ mit Fee. und der hr-Bigband live aus dem hr-Sendesaal gestreamt und anschließend mehrfach in Funk und Fernsehen gesendet. „Die gesamte Arbeit mit der Bigband war für mich ziemlich magisch“, sagt Felicitas. Schon früh in der Zusammenarbeit spürte sie, dass hier etwas Großes am Entstehen war. Und wieder konnte sie sich auf ihre Intuition verlassen, als sie spontan beschloss, dass es hiervon ein Live-Album geben muss.
Inga Rumpf, die Grande Dame der deutschen Rockmusik feiert dieses Jahr ihren 75. Geburtstag und beschenkt ihre Fans nicht nur mit einem Jubiläumskonzert, sondern auch mit neuer Musik. „Universe of Dreams“ heißt ihr aktuelles Studioalbum – und obendrauf packt sie noch eine ganze CD mit „Hidden Tracks“.
Musiker drehen ja oft nochmal richtig auf, wenn andere längst in Rente sind – so auch Inga Rumpf, die uns hier eine ordentliche Portion Blues und Soul um die Ohren haut. Mit dem Titelsong „Universe Of Dreams“ beamt sie sich und ihre Hörer direkt in ihr eigenes musikalisches Universum. Hier laden Titel wie „Back to the Roots“ und „Slow Motion“ zum mitgrooven ein und andere wie „My Diary“ oder „All In Good Time“ verführen zum Träumen. Etwas düsterere Stimmung verbreitet das nachdenkliche „One Man Band, aber meistens machen Ingas Songs einfach gute Laune, wie etwa „About You“, ein herrlich unbeschwertes Liebeslied.
Das Album enthält aber nicht nur neue Kompositionen der Hamburger Musikerin. „I Wrote A Letter“ – besonders bekannt in der Coverversion von Tina Turner – wird von Inga hier als einfühlsame Ballade nochmal ganz neu interpretiert. Und mit „I’ve Been Loving You“ nimmt sie sich auf ihre unnachahmliche Art den Soul-Klassikers von Otis Redding vor.
Auf der zweiten CD „Hidden Tracks“ finden sich 13 Songs aus den letzten 25 Jahren ihrer Karriere, allesamt bisher unveröffentlichte Raritäten. So sind hier beispielsweise „Dance It Up“, „I Am I“ und „Two Is One“ aus einer legendären Session mit den drei Gitarristen der Rolling Stones zu hören. „Es war einmal…“, eine Erinnerung an eine Kindheit und Jugend ohne Hand und Helikopter-Eltern, ist einer der seltenen deutschsprachigen Titel von Inga Rumpf, und einige Stücke nahm sie gemeinsam mit Helmut Krumminga von BAP auf, darunter eine zauberhafte Version von „What A Wonderful World“.
Für Fans von Inga Rumpf ist dieses Doppelalbum definitiv Pflicht – es bietet aber auch allen anderen Musikliebhabern die Chance, diese großartige Musikerin vielleicht neu kennenzulernen. Wer nun noch neugierig auf den Menschen Inga ist, kann sich außerdem die ebenfalls aktuelle erscheinende Autobiographie „Darf ich was vorsingen?“ zu Gemüte führen.
Die Kult-Metal-Formation meldet sich mit froher Kunde zurück: War es nach der legendären Reunion-Show auf dem Wacken Open Air 2015 lange still um die Band um Jon Oliva und Chris Caffery, geht es im Hause SAVATAGE nun Schlag auf Schlag.
2021 zollt earMUSIC den Metal-Ikonen mit einer sorgfältig kuratierten Vinyl-Reissue-Reihe aller Studioalben Tribut: Von “Sirens“ (1983) bis “Poets And Madmen“ (2001) werden alle Alben nach und nach auf feinstem Vinyl zurück in die Läden kommen. Allesamt neu aufgelegt mit erweitertem Artwork, ausführlichen Liner Notes und natürlich Mastered for Vinyl für eine hochkarätige Audioqualität.
Die umfängliche Neuveröffentlichung des gesamten, von Fans aus aller Welt heiß geliebten Backkatalogs auf schwerem, hochwertigem 12″-Vinyl wird mit einem würdigen Vorboten zelebriert: Am 31. Juli 2021 erscheint “The Hourglass” mit einer weltweiten Auflage von 2.000 Exemplaren im Vinyl-Fachhandel in Deutschland. Die streng limitierte 10″-Single wird geschmückt von einer maßgeschneiderten, aufwendigen Illustration des namensgebenden Zeitmessers, den sechzehn Skelette gegen eine tosende Brandung aufrecht halten. Die atemberaubenden, von Doré inspirierten Visuals der Single greifen Aspekte des memento mori auf und spielen mit ihrem maritimen Unterton auf “The Wake of Magellan” (1997) an. Die sorgfältig gefertigte Platte ist nicht nur ein Muss für SAVATAGE-Fans, sondern auch für jede:n Vinyl-Liebhaber:in. Überzeugt euch selbst mit einem kleinen Stimmungsvideo zur Herstellung:
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Wer sich noch weitere SAVATAGE-Klassiker ins heimische Plattenregal holen möchte, wird nicht lang warten müssen. Den Anfang einer ganzen Reihe von LPs macht am 20. August 2021 die Wiederveröffentlichung des Albums “Sirens” (1983). Vom Rock Hard Deutschland als “Klassiker der Metalgeschichte” gefeiert, ist das Debüt von SAVATAGE auch heute noch ein absoluter Favorit unter den Fans, mit Songs wie “Sirens” oder “Holocaust”, die feste Bestandteile des Liveprogramms der Band waren.
Zeitgleich mit der Veröffentlichung von “Sirens” wird auch der Nachfolger “The Dungeons Are Calling” neu aufgelegt. Die erstmals 1984 veröffentlichte EP entstand in denselben Aufnahme-Sessions wie für “Sirens” und widmet sich in metaphorischer Weise der Beschreibung der Auswirkungen von Drogen auf den menschlichen Geist. “The Dungeons Are Calling” ist nicht nur, ähnlich wie sein Vorgänger, ein absoluter Fan-Liebling, sondern auch die perfekte Ergänzung zu “Sirens”.
Beide Alben erscheinen am 20. August 2021 als streng limitierte, schwere 12″ LP-Sammler-Edition sowie regulär auf 180g schwarzem Vinyl, jeweils im attraktiven Gatefold, und sind ab sofort vorbestellbar.
Zur Band:
Die amerikanischen Heavy-Metal-Legenden SAVATAGE gelten als eine der einflussreichsten Bands ihres Genres überhaupt. 1981 von den Brüdern Jon und Criss Oliva in Florida gegründet, traf die Band Mitte der 1980er-Jahre während einer gemeinsamen Europa-Tour mit Motörhead auf den Produzenten Paul O’Neill – und der Rest ist Geschichte. Unter den Fittichen des versierten Produzenten und Visionärs O’Neill gelang es der Band schon bald, sich in die Riege ihrer Vorbilder Rainbow, UFO oder Rush einzureihen und dabei ihren ganz eigenen Sound zu entwickeln.
Das Erstlingswerk “Sirens” aus dem Jahr 1983 wurde ebenso wie der Nachfolger “The Dungeons Are Calling” (1984) von Jim Morris und Dan Johnson produziert, rasch folgten die Alben “Power Of The Night” (1985) und “Fight For The Rock” (1986), ehe unter O’Neills Feder “Hall Of The Mountain King” (1987) und “Gutter Ballet” (1989) herauskamen, die schnell Kultstatus erlangten.
Nach der Veröffentlichung des Konzeptalbums “Streets – A Rock Opera” (1991) gab Jon Oliva das Mikrofon aus gesundheitlichen Gründen an Zak Stevens ab, schlüpfte aber für “Edge Of Thorns” gemeinsam mit seinem Bruder Criss Oliva und Paul O’Neill in die Rolle des Produzenten und blieb so der Band weiterhin treu. Das 1993 veröffentlichte Album ist nicht nur das erste mit Stevens als Sänger, sondern auch das letzte SAVATAGE-Release mit Criss Oliva als Gitarrist, ehe nach seinem tragischen Unfalltod Testament-Gitarrist Alex Skolnick die Leadgitarre für “Handful Of Rain” (1994) übernahm; die dazugehörige Tour war die erste mit Jeff Plate als Drummer.
1995 releaste die Formation Stevens/Oliva/Plate mit “Dead Winter Dead” unter Mitwirkung der Gitarristen Al Pitrelli und Chris Caffery erneut ein Konzeptalbum, das zugleich den Grundstein für das international bekannte Projekt Trans-Siberian Orchestra (TSO) legte. Bis heute touren die Mitglieder von Savatage mit TSO regelmäßig durch die USA und erreichen allein mit ihren aufwendigen orchestralen Christmas Shows Millionen von Fans.
Nach “The Wake of Magellan” (1997) veröffentlichten SAVATAGE 2001 ihr bis dato letztes Studioalbum “Poets And Madmen”. Nach einer zwölfjährigen Pause trat die Band 2015 noch einmal auf dem Wacken Open Air auf, wo sie eine spektakuläre Doppelshow mit TSO spielte, die ebenso wie die Musik der Kultband bis heute Maßstäbe für Live- und Album-Konzeptionen setzt.
2021 wird der heiß begehrte Backkatalog von SAVATAGE auf Vinyl durch earMUSIC/Edel neu aufgelegt – die Legende lebt weiter.
Das letzte Studioalbum „F. E. A. R. (Fuck Everyone and Run)“ ist eines der stärksten Alben, die Marillion herausgebracht haben (HIER unsre Review). Es bescherte der britischen Progband die erste Nummer 10 in den deutschen Charts und den ersten Top 5 Titel in UK seit über dreißig Jahren. Das ist jetzt allerdings auch schon wieder fünf Jahre her. Der Abstand zwischen zwei Marillion CDs steigt an – zumindest wenn man die reinen Studioalben betrachtet. Aber Marillion haben schon lange ihr eigenes Vertriebs- und Marketingkonzept entwickelt. Sie gelten gar als Erfinder des Crowdfundings im Musikgeschäft, seit sie sich um die Jahrtausendwende das Album „Anoraknophobia“ von Fans vorfinanzieren ließen. Viele Livealben gibt es nur im bandeigenen Shop zu kaufen und die treuen Fans weltweit sind stets bestens informiert.
Das zwanzigste Studioalbum ist derzeit in Arbeit und wird vielleicht noch im diesem Jahr erscheinen. Die Zeit dazwischen nutzen Marillion, um ein ganz besonderes Projekt auf die Beine zu stellen: Für ihre Fan-Weekends im Jahr 2017 hatten sie sich ein Streichquartett namens „In Praise of Folly“ engagiert, das einige Bandklassiker mit Arrangements von Michael Hunter und Kevin Halporn auf einen neuen Level brachte. Die Idee erwies sich als so erfolgreich, dass 2019 ein Album „With Friends from the Orchestra“ erschien, zu dem man neben besagtem Quartett auch noch den Hornisten Sam Morris und Emma Halnan an der Querflöte hinzu zog. In großer Besetzung gab es neue Studioaufnahmen bekannter und weniger bekannter Stücke (HIER unsre Review). Bei den Fans kam die Idee gut an und es folgten einige Livekonzerte gemeinsam mit den klassischen Musikern.
Legendär ist inzwischen der Mitschnitt aus der Royal Albert Hall 2017 mit dem Titel „All One Tonight“ (HIER unsre Review). Dieser ist in seiner beeindruckenden Show mit unvergleichbarer Leidenschaft und Energie vermutlich nicht mehr zu toppen, doch „With Friends At St David’s“ fängt zumindest den Reiz einer kleineren Konzertlocation ein. Das Klassik-Ensemble ist prominent inmitten der Band platziert und hat oft die musikalische Ausrichtung in der Hand. Da sind keine Eitelkeiten bei Sänger Steve Hogarth und seinen Mitstreitern zu erkennen: Sie überlassen gerne den jungen Frauen die Zügel und fügen sich in das musikalische Geschehen. Erneut wartet die Band nicht nur mit einer visuellen und akustischen Glanzleistung auf, sondern zeigt auch, dass durch das Überqueren musikalischer Grenzen wunderbare Freundschaften entstehen können, die Genres überwinden.
Der Mitschnitt erscheint über earMUSIC als 2CD Digipak, 3LP Gatefold (180g), Ltd. Coloured 3LP (Violet transparent), 2DVD und 2Blu-ray. Schon der auditive Genuss ist überragend. Songs wie „The Sky Above The Rain“, die bisher nie zu meinen Favoriten zählten, werden mit ihren orchestralen Parts wunderschön neu interpretiert und leben dadurch sehr auf. Der Rockkracher „Zeperated Out“ bekommt eine ganz neue Dimension durch die energische Performance und das Stakkato. „Fantastic Place“ verbreitet eine unglaublich heimelige Atmosphäre. Der 16. November 2019 bot in Cardiff vielleicht nicht die beste Setlist (mir fehlen definitiv einige Must-Haves wie „Afraid of Sunlight“ und „Neverland“), aber die Liveaufnahme vermittelt die ganze Stärke dieser besonderen Konzertreihe. Zwei weitere Tracks im Bonus-Bereich haben noch Besonders zu bieten: „Man of a 1000 Faces“ stammt vom Konzert in Paris und wartet mit einem stimmgewaltigen Chor auf und „Estonia“ gibt als Promofilm Einblick in die Studioarbeit der Band mit den klassischen Musikern.
Im DVD-Format kommt dann auch die mehr als respektable Lightshow mit Videoprojektionen zur Geltung. Und auf Blu-ray erzählt die Dokumentation „Making Friends“ die ganze Geschichte dieser schönen Zusammenarbeit. Steve Hogarth sagt zur Tour und zum Album: “Das war vielleicht unsere Lieblings-Tour bisher. Sie bot uns die Gelegenheit, von Zeit zu Zeit innezuhalten und uns darin zu verlieren, wie sechs “klassische” Musiker die wundervollen Arrangements unseres Produzenten Mike zum Leben erwecken. Das hat wirklich eine andere emotionale Ebene und oft auch eine spielerische Freude an unserer Musik erzeugt.”
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Es ist schon verdammt skurril, wenn man sich eine Band wie Scooter ohne feierndes Publikum vorstellt. Daher beginne ich bei der Review zum neuen Album „God Save The Rave“ ausnahmsweise mal nicht mit dem aktuellen Studiowerk sondern mit der beiliegenden Bonus-live-CD.
Und da haben wir auch schon das Problem / die Besonderheit: „I Want You To Stream“ ist ein Livekonzert ohne Publikum. Man fühlt mit H.P. Baxxter, wenn er seine Ansagen macht, die zwischen Euphorie und Melancholie schwanken. Der 64minütige Mitschnitt kommt ohne Publikum aus, ohne große Show, ohne Tänzer. Der Gig fand in den Rehearsal Studios der Band in Hamburg statt und wurde an überragende zwei Millionen Fans weltweit gestreamt. Elektronische Hymnen und Baxxters Megafon-Stimme funktionieren natürlich auch ohne Publikum, zumal die Jubelchöre ohnehin aus der Retorte eingespielt werden – so wie bei den Studioreleases der Band.
Was live also gut funktioniert, ist auch auf dem Album enthalten. Das 20. Studioalbum von Deutschlands erfolgreichstem Technoact trägt den Titel „God Save The Rave“ und erinnert uns mit jedem Beat daran, dass wir das Feiern nicht vergessen dürfen – ein Statement, wie es bekanntlich nur H.P. Baxxter derart griffig zu formulieren vermag: „First we save the rave! Then we save the world!“
Das Ergebnis sind 15 Tracks, von denen mit „Rave Teacher (Somebody Like Me)“, „God Save The Rave“, „Devil’s Symphony“, „Which Light Switch Is Which?“, „Bassdrum“, „FCK 2020“ und „Paul Is Dead“ bereits sieben Singles erfolgreich veröffentlicht wurden. Auch die übrigen Tracks helfen beim Durchdrehen auf jeder Party: hymnische Melodiepassagen mit viel Rhythmus, stampfende Beats, H.P. als Shouter vor dem Herrn, ein insgesamt sehr positiver Vibe und unendlich viele Ohrwürmer.
„Einmal im Leben wollten wir dieses unglaubliche Geschenk einer konzentrierten Arbeitssituation annehmen und ein Album produzieren, bei dem jeder einzelne Track ein potenzieller Hit ist. Wir hatten zum ersten Mal seit Gründung der Band die Zeit, uns wirklich einmal und ohne jede Ablenkung und Unterbrechung durch anstehende Festival-Auftritte einer Albumproduktion zu widmen“, erklärt Baxxter.
Das Ergebnis spricht für sich. Wenn die Clubs geöffnet hätten, wären viele Songs – trotz der allgemeinen Flaute im Techno und Eurodance – inzwischen in den Ohren der tanzwütigen Bevölkerung. So wird „God Save The Rave“ zumindest zum Soundtrack für die Party zuhause.
Die Tour steigt 2022. Ich bin schon heute gespannt auf das Event in Luxemburg.
GOD SAVE THE RAVE Arena Tour 2022
11.03.2022 Stuttgart – Schleyer-Halle
12.03.2022 München – Olympiahalle
13.03.2022 Zürich (CH) – Hallenstadion
15.03.2022 Antwerpen (BE) – Lotto Arena
17.03.2022 Düsseldorf – ISS Dome
18.03.2022 Bremen – ÖVB-Arena
19.03.2022 Dresden – Messe
21.03.2022 Wien (AT)- Stadthalle
22.03.2022 Esch-Sur-Alzette (LU) – Rockhal
24.03.2022 Amsterdam (NL) – Ziggo Dome
25.03.2022 Hannover – ZAG Arena
26.03.2022 Kiel – Wunderino Arena
Das Alleinstellungsmerkmal von Ila Ruf ist es zunächst einmal, dass er ein erstaunlich schnelles und virtuoses Pianospiel an den Tag legt. Der Komponist, Texter, Musiker und Sänger legt hier ein sympathisches Album vor, das alle Aspekte seiner Kunst zeigt: energische Instrumentalstücke und Songs von emotional bis eindringlich – so entsteht ein abwechslungsreicher Einblick in sein Repertoire. Und dass der Gesang kein verlegenes Vor-sich-hin-Trällern ist, stellt man spätestens dann fest, wenn in „like we used to be“ auch die hohen Töne stilsicher aus den Boxen erklingen.
Ein 19-Jähriger schreibt Musik über Aufbruch, seinen Aufbruch in eine neue Zeit, eine neue Lebensphase. Er beschreibt in poetischen und kraftvollen Instrumentals seine inneren Bilder von neuseeländischen Weihnachtsbäumen über Regen im August bis zu einem tanzenden Mond, berichtet musikalisch von seinen jugendlichen Erlebnissen als Handballspieler und Musiker. In seinen Songs singt er natürlich von Liebe, auch von seinen Freundschaften und Träumen.
„Ich bin so glücklich, dass ich die Musik, die sich über die Jahre in mir aufgestaut hat, noch vor meinem 20. Geburtstag veröffentlichen kann. Das macht mich frei für einen neuen, noch unbekannten Weg.“ Musikalisch pendelt das Album zwischen Pop und Jazz. Klezmer und Tango klingen leise an, energetische Swing- und Bebop-Phrasen blitzen immer wieder auf. Und doch zeichnet das Album bei all seiner Vielseitigkeit ein Bild eines jungen, außergewöhnlichen Singer/Songwriters, dessen musikalische Stimme etwas zu sagen hat, aufwühlt und berührt.
Die Aufnahmen entstanden in einer August-Woche, mitten im Corona-Sommer 2020 im Kolosseum in Lübeck, einem durch den Lockdown verwaisten Konzertsaal mit inspirierendem Ambiente und großem Steinway-Konzertflügel. Der Künstler selbst sagt dazu: „Mein erstes Album Ilja_19 ist eine Sammlung von Songs, die ich in den letzten Jahren geschrieben habe. Es kombiniert verschiedene Stile: Popsongs, Jazztunes und Kompositionen mit einem kammermusikalischen Ansatz. Jeder Track erzählt seine eigene Geschichte. Einige Geschichten tauchen auf, wenn die Zeit stillzustehen scheint und wir direkt in eine imaginäre Welt oder Stimmung eintauchen können. Andere Kurzgeschichten beschreiben Situationen, die Ihr vielleicht aus Eurem Alltag kennt.“
Die musikalisch-stilistischen Grenzen auszuloten ist für Ilja Ruf nichts Außergewöhnliches. Aufgewachsen in einer Musikerfamilie, mit dem Crossover-Spezialisten und Dirigenten Bernd Ruf als Vater und dem um zwei Jahre älteren Klarinettisten Ivo Ruf als Bruder, sind ihm Berührungsängste zwischen Jazz, Klassik, Pop und Worldmusic fremd. Und da ist es auch kein Zufall, dass Ilja sich Jamie Cullum zum musikalischen Vorbild nahm, der sich bekanntermaßen wenig für Genregrenzen zwischen Pop und Jazz interessiert. „Wie Jamie Cullum mit Musik umgeht, spielt, singt, das reißt mich jedes Mal mit. Als ich ihn zum ersten Mal live erlebte, wusste ich, das möchte ich auch machen.“
Das Ergebnis ist vielseitig und abwechslungsreich. Ein Album nur mit Vocals und Pianomusik – absolut überzeugend. Er kann es sich erlauben. Dass Ilja sein Debüt mit der Zweitüberschrift „acoustic album“ versieht, mag ein Zeichen dafür sein, eventuell auch großformatige Arrangements in petto zu haben. Nötig wäre das allerdings nicht. „Ilja_19“ ist stimmig so, wie es hier erklingt.
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In den letzten 6 Jahren mussten sich die Fans von Blackmore‘s Night mit Compilations und EPs begnügen. Nun erscheint mit „Nature‘s Light“ endlich wieder ein neues Studioalbum, auf dem die Band um Ritchie Blackmore und Candice Night uns wieder mit ihrer ganz eignen Mischung aus Renaissance, Folk, Pop und Rock bezaubern.
Thematisch ist das Album – wie der Titel schon vermuten lässt – der Kraft und Schönheit der Natur gewidmet. Der Opener „Once Upon December“ beschwört zu einer traditionellen Melodie aus Italien die Magie von frostkalten Winternächten herauf, in denen man gemeinsam singt und alten Geschichten lauscht. „Four Winds“ besingt Ozeane und Wälder als Zufluchtsort vor den Anforderungen des modernen Lebens, und „The Twisted Oak“ beschreibt einen ganz persönlichen Lieblingsort, um Frieden zu finden. Der Titelsong „Nature‘s Light“ schließlich ist eine majestätische Hymne zu Ehren der Natur, die hier sogar als Königin bezeichnet wird. Mein Lieblingstitel ist allerdings „Going to the Faire“, das mit seiner tänzerischen Beschreibung eines fröhlichen Mittelaltermarktes wohl derzeit vielen Menschen aus der Seele spricht, die sich nach unbeschwerter geselliger Unterhaltung sehnen.
Wie immer sind die Songs mit traditionellen Instrumenten und dezenter elektronischer Unterstützung arrangiert und werden vom melodiösen Gesang von Candice getragen. Und natürlich bekommt Ritchie Gelegenheit, sein virtuoses Können an der Gitarre zu zeigen. Das Instrumentalstück „Der letzte Musketier“ ist dabei überraschend rockig und modern produziert, wogegen sich im atmosphärischen, aber etwas langatmigen „Darker Shade of Black“ neben der Gitarre auch Geige und Keyboard solistisch beweisen dürfen.
Auch zwei Coverversionen sind wieder dabei. Die eindringliche Interpretation von „Second Element“ (im Original von Frank Peterson und Sarah Brightman) ist sehr gelungen. Auf die etwas zu kitschige Neuauflage des bereits 1997 von Blackmore´s Night gecoverten Rednex-Hits „Wish You Were Here“ hätte ich allerdings verzichten können.
„Nature´s Light“ ist insgesamt ein rundes Album und bietet alles, was Fans der Band erwarten und lieben. Es ist als CD und auf Vinyl erhältlich, und zusätzlich in einer limitierten Mediabook-Edition mit der Bonus-CD „Blackmore´s Night Classics“ mit neun der beliebtesten Songs aus der bisherigen Karriere der Band. Hier überzeugt besonders die Ausstattung als Hardcover mit integriertem Booklet, das neben den Lyrics und stimmungsvollen Bildern auch zwei kleine Geschichten von Autumn Blackmore, der Tochter des Musikerpaares, enthält.
Vincent Damon Furnier wurde 1948 in Detroit geboren, der berühmten Motor City – auch bekannt als Motown. Was das mit seinem neuen Album zu tun hat? Zunächst mal den perfekt gewählten Albumtitel „Detroit Stories“. Dann ist es ein durch und durch dreckiges Album, das den Staub der Arbeiterstadt atmet. Alice Cooper hat sich mal wieder selbst übertroffen und liefert ein astreines Rock’n’Roll Album ab. Das dürfte für Fans nichts Neues sein, hat er doch bereits 2019 die Gemeinde mit einer EP namens „Breadcrumbs“ überrascht, die unter anderem den älteren Titel „Detroit City“ als Remake brachte und außerdem Songs von Bob Seger und Suzie Quatro enthielt.
Schon in den Liveshows des neuen Jahrtausends wandte sich Alice Cooper gern den Heroen seiner Jugend zu und ließ sie quasi aus dem Grab erstehen, um ihre Musik zu würdigen. Das passte perfekt zu der morbiden Show, die sich seine Fans wünschen.
In „Detroit Stories“ erzählt Alice nun die eigene Geschichte, die eng verknüpft ist mit der von Produzent Bob Ezrin. Alles begann im Jahr 1970, als Bob Ezrin, damals ein erst noch flügge werdender, aufstrebender Musikproduzent, ein Farmhaus am Stadtrand von Detroit aufsuchte, um mit der Band um Alice Cooper zu arbeiten. Diese hatte Los Angeles hinter sich gelassen, da sie das Gegenteil der dortigen Flower-Power- und Hippie-Szene mit ihren Idealen von Liebe und Frieden verkörperte. Alice Cooper scharte seine deutlich düstere Gang in Detroit um sich – in der Stadt, in der nicht nur er selbst, sondern auch Genres wie Hard Rock, Garage Rock, Soul, Funk und Punk geboren wurden. Was folgte, war viel harte Arbeit: täglich zehn Stunden arbeitete Bob Ezrin zusammen mit der Band daran, deren Signature-Sound zu definieren. Sobald sie einen Song perfektioniert hatten, schallte lauter Applaus aus der Psychiatrie von der anderen Straßenseite. So entstand der klassische Alice Cooper-Sound, wie ihn heute alle kennen. „Los Angeles hatte einen eigenen Sound mit The Doors, Love und Buffalo Springfield”, sagt Alice Cooper selbst. „In San Francisco gab es The Grateful Dead und Jefferson Airplane. In New York The Rascals und The Velvet Underground. Aber in Detroit wurde wütender Hard Rock geboren. Alice Cooper mit dem gitarren-lastigen Hard-Rock-Sound und der krassen Bühnenshow hat einfach nirgendwo in den USA reingepasst, weder musikalisch noch imagetechnisch. Detroit war der einzige Ort, an dem Außenseiter wie wir reinpassten. Und als die Leute noch rausfanden, dass ich im Osten von Detroit geboren wurde… waren wir zu Hause angekommen.”
50 Jahre später nehmen Alice und Ezrin in einem Studio in Detroit gemeinsam mit einer Vielzahl legendärer Detroiter Musikern das neue Album auf und lassen damit den Geist der Stadt wieder aufleben. Eingerahmt von Stücken, die im Original von Lou Reed („Rock’n’Roll“) und Bob Seger („East Side Story“) stammen, lebt man Blues und Rock’n’Roll in eigenen Songs und Worten. Ein perfekter Trip in die 70er Jahre, mit Saxofon, jaulenden Gitarren, Motown-Chören, der Lehre vom puren Sound.
Wahnsinn, dass Alice auf seine alten Tage noch ein solches Album vorlegt, das Track um Track einen Riesenspaß macht. Wer sich die Deluxe Edition zulegt, bekommt zudem noch eine aktuelle Liveshow aus Paris auf Bonus-DVD. Eine Zusammenstellung der größten Hits mit entsprechender Show. Klasse!
Die Stimme ist unverkennbar, auch wenn Bonnie Tyler bald schon 70 Jahre alt wird. Songs wie “Total Eclipse Of The Heart”, “Holding Out For A Hero” und “It’s A Heartache” machten sie weltberühmt, doch sie ruht sich nicht auf alten Heldentaten aus, sondern veröffentlicht auch nach fünf Jahrzehnten einer einzigartigen Karriere noch zwölf brandneue Songs ganz im Stil ihrer alten Erfolge.
Ja, es gibt Synthesizer, Dance-Rhythmen und eingängige Refrains. „The Best Is Yet To Come“ repräsentiert Bonnies heutigen Sound, der nach wie vor die Leidenschaft, die Energie und den Spaß der glorreichen 80er hervorruft. Die erneute Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Produzenten David Mackay brachte ein Album hervor, das seinen Vorgängern in nichts nachsteht.
Bonnie erklärt: “Ich konnte es in den letzten zehn langen und gruseligen Monaten kaum erwarten, für euch alle zu singen. Ich weiß, dass manche von euch unter dem Virus und dem Verlust von Familienmitgliedern, Freunden und Freundinnen leiden und das tut mir von Herzen leid. Musik kann alles ein bisschen leichter machen und ist für mich immer mein Rückzugsort. Ich hoffe, dass euch diese neuen Songs aufmuntern werden. Ich bin wirklich glücklich und stolz auf dieses neue Album. Es rockt einfach und zaubert mir immer ein Lächeln aufs Gesicht, wenn ich es anhöre. Der Moment, wenn wir endlich wieder auf einer Bühne stehen und eure lächelnden Gesichter sehen können, wird etwas ganz Besonderes sein. Ich verspreche: Das Beste kommt WIRKLICH erst noch!”
Die Songs sind optimistisch und grundlegend fröhlich. Tanzbar und emotional kochen bei jedem Track die Glanztaten der 80er Jahre hoch. Das Cover von 10CCs „I’m Not In Love“ klingt aus Bonnies rauchiger Kehle schonungslos ehrlich. Doch insgesamt bewegt sie sich gekonnt im Uptempo-Bereich. So bleibt man auch mit fast 70 Jahren noch die Rockröhre alter Zeiten.
„Carnival“ erschien ursprünglich im Jahr 2005 als neuntes Album von New Model Army. Es war eine schwierige Zeit für die Band. Fünf Jahre waren seit „Eight“ vergangen und die Band befand sich immer noch im Umbruch. 2004 gab es zwei Todesfälle im Umfeld: Mit Darryl Kempster starb im Juni ein langjähriger Wegbegleiter und Mitarbeiter des Merchandising-Standes. Er wurde bei einem Überfall vor einem Hotel in Südafrika im Alter von 37 Jahren erschossen. Am 4. November starb Schlagzeuger Robert Heaton mit 43 Jahren aufgrund eines Tumors.
Schon in der ersten Ausgabe setzten die Songwriter Justin Sullivan und Michael Dean ein Konzept in den Mittelpunkt, das „Leben und Sterben“ thematisierte. Das Album begann mit „Water“, auf dem der vorgeburtliche Ultraschall von Michaels erstem Sohn als Sound verwendet wird und es endete mit „Fireworks Night“, das die Band dem während der Aufnahmen verstorbenen Heaton widmete.
„‘Carnival’ war ganz anders“, sagt Sullivan im Nachhinein dazu. „Ambitioniert entworfen als eine Art eklektisch-wirbelndes Soundkarussell war es der Beginn meiner kreativen Partnerschaft mit Michael – mit einem endlosen Strom von neuen Ideen von Nelson, Dean und Dave. Vielleicht wählten wir damals mit Chris Tsangarides den falschen Produzenten. Er war nicht dafür gemacht unser Chaos zu steuern und in Bahnen zu lenken. Und die Dinge wurden durch das häufige Fehlen von Nelson und Dave, der aus familiären Gründen dabei war die Band zu verlassen, nur noch komplizierter. Wir hatten immer das Gefühl, dass ‘Carnival’ das Album war, bei dem die Aufnahmesessions, das Mixing und das Mastering den Songs nie gerecht geworden sind.”
Dem will man jetzt zum 40jährigen Bandjubiläum entgegen wirken. Konzerte waren ohnehin Fehlanzeige – warum also nicht am Backkatalog arbeiten? Die Band übergab die Originalaufnahmen an Lee Smith, den Co-Produzenten und Mixer ihrer neusten Werke. Neben dem neuen Mix wurde das Album um vier Songs und damit 14 Minuten Lauflänge erweitert. Zudem wurde die Reihenfolge der Tracks grundsätzlich umorganisiert, ohne aber den umfassenden Rahmen des Openers „Water“ und des Abschlusses „Fireworks Night“ zu ändern.
Die neuen Stücke fügen sich energisch und intensiv in das Tracklisting ein. Keine Fremdkörper, sondern bedeutsamer Bestandteil des neuen Werks: „Rumour and Rapture 1650“ wurde von Sullivan für die Theatertour von “Freeborn John”, dem Konzeptalbum von Rev Hammer, geschrieben und erzählt die Geschichte eines desillusionierten Soldaten der Parlamentsarmee. „Caslen (Christmas)“ war zunächst instrumental, von Nelson auf der Akustikgitarre eingespielt, und wurde nun mit einem Text von Sullivan erweitert. „One Bullet“ und „Stoned, Fired and Full of Grace“ sind Fans der Band als Live-Akustik-Songs bekannt, doch sie kommen auf „Carnival“ als bisher unveröffentlichte Versionen, eingespielt von der gesamten Band, zum Einsatz. Vor allem „One Bullet“ hat sich schnell zu meinem Favoriten entwickelt.
Als neues Konzeptalbum klingt „Carnival“ jetzt deutlich schärfer und rhythmisch kraftvoller als bisher. Starke Gitarren und ein energisches Schlagzeug beherrschen die Platte. Der Charakter von Protesten gegen die Widrigkeiten unserer Zeit (seien es die Not in Afrika, die Flüchtlingskrise oder die Amtsmüdigkeit der Polizei) treten stärker hervor. Und dazwischen verstecken sich Perlen wie das düster-atmosphärische „Too Close to the Sun“ und das orchestral-hymnische Keyboard von „Another Imperial Day“.
In dieser neuen Form macht „Carnival“ einen großen Sprung nach oben und entwickelt sich langsam aber sicher zu meinem NMA-Favoriten im neuen Jahrtausend. Das Artwork wurde modernisiert und die Aufmachung als Digipack ist absolut gelungen. Aus alt mach neu. Perfektes Upcycling!