Molly’s Peck, das ist das deutsch-brasilianische Duo Julia Selbherr und Guilherme Castelhano. Zwei ausgebildete Musiker, die aus zwei völlig verschiedenen Musikstilen und Teilen der Welt kommen, finden die perfekte Mischung aus Soul und Blues und erleben die aufregendste Zeit ihres Lebens.
Der Musikstil ist ein authentischer blue-eyed Soul und begeistert das Publikum mit starkem Gesang und expressiven Gitarrenlinien. Die Songs behandeln Themen sowie politische Blindheit, den Willen für die wahre Liebe zu kämpfen und auch ganz simple Dinge sowie einfach das Leben zu genießen.
Die Musik spiegelt die musikalische und persönliche Reise des deutsch-brasilianischen Paares wieder, die sie in den letzten fünf Jahren geprägt hat. Ihre Mission ist es, ihre Musik mit Jedem zu teilen und sich dabei selbst treu zu bleiben. Die Idee ihres nunmehr zweiten Albums „Hope You Don’t Mind“ ist es, Musik mit den Erinnerungen an eine wichtige Zeit in ihrer Vergangenheit zu verbinden.
Da sie das Glück hatten, unglaublich gute und bekannte Musiker zu treffen, und so viele inspirierende Musikszenen zu sehen, wollten sie diese Zeiten wieder aufgreifen und die Bandbreite der Einflüsse, Kulturen und Gefühle einfangen, die sie erlebten. Dabei konnten sie gleichzeitig den eigenen Sound von Molly’s Peck Musik heute weiterentwickeln. Das Album enthält besondere Gastauftritte von John Avila (Oingo Boingo), Sammy Avila (Walter Trout, Philip Sayce) und Izzy Gordon.
Sieben Songs in 25 Minuten CD-Länge haben zwar eher EP-Charakter, doch das Ergebnis kann sich hören lassen. Eine schwungvolle Zusammenstellung verspielter Blues-Perlen. Das Zusammenspiel der Kulturen funktioniert gut.
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Wenn man die aktuelle deutsche Schlagerszene betrachtet, kann man feststellen, dass zwei altgediente Veteranen die Szene fest im Griff haben: Auf der einen Seite Dieter Bohlen, der sich per Castingshow eigene Kurzzeit-Stars heranzüchtet und mit seinen auf Halde liegenden seichten Songs beglückt. Auf der anderen Seite Matthias Reim, der nicht nur selbst die Fans mit einer rockigen Attitüde begeistert, sondern auch noch bei Ex-Frau Michelle mit ihm Boot sitzt, seine aktuelle Flamme Christin Stark produziert und auch bald Töchterchen Marie ins Rennen schickt. Zunächst aber ist Christin am Zug:
Das erste Album der 30jährigen Mecklenburgerin trug den Titel „Unglaublich stark“. Vier Alben später heißt es einfach nur noch „Stark“ – und damit ist schon alles gesagt. Es handelt sich um eine Sammlung von emotionalen und rockigen Songs, die mit einer formidablen Band eingespielt wurde. Hier stand eindeutig auch der gute Matthias Pate, der sich nie mit halben Sachen zufrieden gibt, wie seine letztjährigen Liveshows bewiesen haben.
Foto: Lara Jankovic
Bereits die erste Single „Komm nie wieder“ ist ein Statement! Typisch Christin, die in ihren aus dem Leben gegriffenen Songs Facettenreichtum und Überraschungseffekte gekonnt miteinander verschmelzen lässt. Lebensecht kommt auch der Song „Spinnst du“ daher – eine Frage, mit der sich vermutlich jeder mindestens einmal im Leben selbst konfrontiert hat. Dennoch sollte man sich neuen Abenteuern niemals gänzlich verschließen. Das gemeinsame, unter die Haut gehende Duett von Christin Stark und Matthias Reim beweist, dass man „Sich verlieben“ kann. Die Pianoballade „Love“ klingt sehr bewegend. Der Song „Lara Jane“ geht gitarrenlastig unter die Haut“ – und als kleines Bonbon gibt es ein Remake des ersten großen Hits „Ich nicht!“ mit einem Hauch von AOR.
Bei der Produktion von „Stark“ wurde im wahrsten Sinne des Wortes großer Wert daraufgelegt, die richtigen Töne zu treffen. Das Album lebt auch von den Live-Instrumenten, die das musikalisch anspruchsvolle Gesamtwerk abrunden. Diese enorme Liebesmüh bei der Produktion unterstreicht den Anspruch und die Qualität von Christin Stark als Live-Künstlerin. Mit ihrem vierten Studioalbum liefert sie den Beweis, dass sich Lederjacke und moderner Schlager nicht ausschließen. Dass es in der Musik noch so viel gibt, über das es sich zu reden lohnt. Lebensbejahend. Mit dem Herz am rechten Fleck. Stark.
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Mit seinem Motto „Singen ist stark!“ ist der Hamburger Musiklehrer und Kindermusiker Olli Ehmsen schon seit einigen Jahren in ganz Deutschland unterwegs, um Kinder zum Singen und Tanzen zu bringen. Mit seiner neuen CD „Fliegen“ wird nun auch das heimische Wohnzimmer zur Bühne für das nächste Mitmachkonzert.
Der Fokus liegt bei Ollis Kinderliedern meist auf der Bewegung, wie auch schon die Titel verraten: „Wir fliegen, fliegen, fliegen“, „Lachen, spielen, tanzen, springen“ oder „Voll in Bewegung“ motivieren mit auffordernden Texten und eingängigen Melodien direkt zum Mitmachen. Auch das beliebte Klatschspiel „Schoko-Schoko-La-La“ wird in ein lustiges Lied verpackt und mit „Keine Hexerei (Der Bodypercussion-Song)“ verwandelt sich der ganze Körper in ein Instrument.
Daneben hat Olli aber auch noch andere wichtige Botschaften für die Jüngsten im Gepäck. „Vielfalt ist das Leben“ wirbt mit einfachen Worten für Toleranz, und ganz klar: „Wir Kinder haben Rechte“. Sehr schön ist auch das berührende „Eure Zeit“, eine Hymne für alle Kinder dieser Welt. Mit „Hokey Pokey“ hat auch ein beliebter Tanzklassiker den Weg auf dieses Album gefunden, recht erfrischend interpretiert. Und als Bonus gibt es eines von Ollis ersten Kinderliedern – „Ein grüner Frosch mit einer roten Mütze“.
Beim Gesang wird Olli von erwachsenen Sängerinnen und jeder Menge Kinder unterstützt, was den Aufforderungscharakter der Lieder noch verstärkt. Die Arrangements bewegen sich zwar nicht auf künstlerisch höchstem Niveau, heben sich jedoch angenehm von Kinderdisco-Massenproduktionen ab. Für Kinder im Kita- und Grundschulalter bietet „Fliegen“ jede Menge Spaß und musikalische Unterhaltung und hilft auf jeden Fall , die Zeit bis zum nächsten richtigen Mitmachkonzert zu überbrücken!
1977 gab es im englischen Sheffield eine Schülerband namens Atomic Mass. Als Def Leppard eroberten sie kurz darauf von Großbritannien aus ganz Europa und schließlich auch die USA mit einer wegweisenden Mischung aus Hardrock und Heavy Metal. Vor allem zwei Alben gingen in die Musikgeschichte ein und gelten bis heute als Meilensteine des Rock: “Pyromania” aus dem Jahr 1982 und der Nachfolger “Hysteria” (1987). Dazwischen lag ein schwerer Schicksalsschlag, der Drummer Rick Allen ereilte, als er nach einem Verkehrsunfall seinen linken Arm verlor.
Seit ihrer Gründung Ende der Siebziger entwickelte sich die Band von einem reinen Rock-Act zu einer der bekanntesten und innovativsten Melodic Rock-Bands der Welt. Def Leppard gehören zu den fünf einzigen Rockacts der Musikszene, die es geschafft haben mit zwei aufeinanderfolgenden Alben jeweils mehr als zehn Millionen Alben in den USA zu verkaufen.
Das im Dezember 2018 aufgezeichnete Konzert „Hysteria At The O2“ präsentiert die britische Band beim Heimspiel im Rahmen der 30-Jahre-Jubiläumstour zum Album, das 1987 erschienen ist. Joe Elliott (Gesang), Phil Collen (Gitarre), Rick Savage (Bass), Vivian Campbell (Gitarre) und Schlagzeuger Rick Allen spielten in der ausverkauften O2 Arena das komplette Album und zahlreiche ihrer größten Hits, darunter „Pour Some Sugar On Me“, „Animal“, „Women“ und „Love Bites“ sowie im zweiten Konzertblock weitere Klassiker wie „Let’s Get Rocked“, „When Love And Hate Collide“ und „Photograph“.
Die Setlist ist damit ebenso phänomenal wie die energiegeladene Performance. Der mir vorliegende Digipack enthält das Konzert auf zwei Silberlingen als Audio-Mitschnitt und in bester Bild- und Tonqualität auf DVD. Ergänzt wird das Ganze um eine Dokumentation zum „Hysteria“-Album.
Diese Veröffentlichung ist schon recht essentiell, doch für Rock-Liebhaber gibt es noch mehr: Das große Set „London To Vegas“ enthält noch eine zweite Aufnahme, diesmal aus dem Jahr 2019. So vereint der zweite Mitschnitt „Hits Vegas, Live At Planet Hollywood“ ein aus insgesamt 28 Songs bestehendes Live-Set, das nicht nur alle Klassiker der Band beinhaltet, sondern auch seltener gespielte Titel wie „Too Late For Love“, „Billy’s Got A Gun“, „Slang“ oder „Promises“. Die Bühnenpräsenz und Vielseitigkeit der einzelnen Musiker wird insbesondere in der Show in Vegas sichtbar: Zwischen zwei Bühnen und mehreren Videowänden spielte die Band eine starke Show, in deren Verlauf sie auch intime Akustikversionen vorstellte.
KIDZ BOP sind die erfolgreichsten Kindermusik-Newcomer in Deutschland des letzten Jahres. Die bisherigen beiden Alben voller aktueller Tophits, gesungen von Kids für Kids, stürmten beide auf Anhieb in die offiziellen Albumcharts und blieben dort für ganze 25 Wochen!
Das neue Album „KIDZ BOP Party Playlist“ lädt Groß und Klein mit kinderfreundlichen Versionen von Welthits wie „Dance Monkey“, „Señorita“ oder“Je ne parle pas français“ zum Mitsingen und Mittanzen ein. Hinzu kommen deutsche Partykracher wie „Auf uns“ oder „80 Millionen“.
Die 22 Hits sind aus dem Radio bekannt – da dürfte für jeden etwas dabei sein. Die Stimmen der Interpretinnen und Interpreten sind sehr jung. Das passt ins Konzept und bringt alle Songs auf die gleiche Ebene. Zur Homogenität des Albums trägt der allumfassende Discosound bei, der die rhythmische Komponente absolut in den Vordergrund rückt.
Ich muss gestehen, dass ich als Elternteil recht schnell genervt bin von diesem stampfenden Beat in Dauerrotation. Aber ich gehöre halt nicht zur Zielgruppe. Kinder im Alter zwischen 6 und 10 Jahren sind damit schon eher zu begeistern – die Party kann starten.
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Für das Buch „Bauer trifft Bloggerin“ haben die Autoren zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten zusammengebracht – den langjährigen Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes Gerd Sonnleitner aus Bayern und die junge Landfrau und Bloggerin Julia Nissen aus Schleswig-Holstein. Beide vereint aber ihr leidenschaftliches ehrenamtliches Engagement für die Landwirtschaft, um das es in diesem Buch auch hauptsächlich geht.
In den ersten Kapiteln werden Sonnleitner und Nissen mit ihren unterschiedlichen Lebensläufen vorgestellt und die jeweils persönliche Motivation beleuchtet, sich ehrenamtlich zu engagieren. Im Folgenden erzählen die beiden von prägenden Vorbildern, der tragenden Bedeutung der eigenen Familie, persönlichen Erfolgen, aber auch Herausforderungen und Niederlagen. Teilweise geschieht dies zusammenfassend durch die Autoren, aber auch vielfach in Interviewform. Aufgelockert wird das Ganze durch zahlreiche Fotografien und durch einzelne, hervorgehobene Zitate. Teilweise gerät das Buch dadurch meiner Meinung nach ein bisschen zu sehr zum Bildband. Auch die persönlichen Gespräche und Diskussionen von Sonnleitner und Nissen nehmen nicht so viel Raum ein, wie der Titel vermuten lässt.
Die Autoren vermitteln aber erfolgreich die Begeisterung dieser beiden unterschiedlichen Menschen für das Ehrenamt, zeigen auf, welch unterschiedliche Facetten ehrenamtliches Engagement haben kann und wie es auch immer ein persönlicher und gesellschaftlicher Gewinn ist. Sie wollen mit diesem Buch ihren Lesern Mut machen und die Lust wecken, sich selbst zu engagieren. Ein wahrhaft wichtiges Anliegen, denn unsere Gesellschaft ist auf das Ehrenamt angewiesen – in dieser aktuell von der Corona-Krise geprägten Zeit mehr denn je, auch wenn das bei der Entstehung diese Buches noch keiner ahnen konnte.
Die Tatsache, dass ein Fünftplatzierter bei „Deutschland sucht den Superstar“ im Anschluss eine solche Medienpräsenz in der deutschen TV-Landschaft aufzuweisen hat, ist schon bemerkenswert. So verwundert es auch nicht, dass der Münchner Popsänger und Tausendsassa schon mit 27 Jahren seine Autobiografie auf den Markt bringt.
Joey beschreibt seinen atemberaubenden Weg vom Casting bis zum angesehenen und respektierten Künstler. Der junge Entertainer führt den Leser durch eine aufregende Musik- und Fernsehwelt und erzählt von seinen schönsten und auch bittersten Erfahrungen im privaten Leben und im TV-Geschäft. Dazu gehören Engagements bei „Promi Big Brother“, „Global Gladiators“, „Dancing On Ice“ und „Konny goes wild“.
Seine Kindheit und Jugend beschreibt er in teils verstörenden Bildern und zeigt die Narben seiner Seele. Doch trotz dieses Rückblicks, verfällt der Leser Joeys Humor und liebevollem Charme und wird bis zum Schluss von einer positiven Energie begleitet.
Neben John Kelly, Lucas Cordalis und anderen guten Freunden kommt der Filmkritiker E. Pavel zu Wort: „Joey kommt ausgesprochen sympathisch rüber. Seine herzensgute Ehrlichkeit im Umgang mit Menschen und dem Medienzirkus, sowie seine Gabe, die absurde Komplexität der Gesellschaft mit entwaffnender Naivität zu dekonstruieren ist schon zauberhaft. Kein Wunder, dass die Zuschauer ihn lieben. Er ist wie ein entlastendes Heilmittel gegen das immer aggressiv fordernde Establishment.“
In der Reality Show „Promi Big Brother“ wird Joey von Big Brothers Stimme als einer der mutigsten Menschen im TV Geschäft bezeichnet. Mit über vierhundert Fernsehauftritten und einer eigenen Sendung, einem Musikalbum und etlichen Singles und Videos wurde Joey Heindle europaweit bekannt und begehrt.
Etwas enttäuscht bin ich, weil man doch recht wenig zu den Hintergründen der verschiedenen Sendungen erfährt. Ich denke, gerade zu DSDS gäbe es doch einiges aus dem Nähkästchen zu plaudern: Wie das mit der Songauswahl funktioniert, wie die Künstler manipuliert werden, wie die Produktion das komplette Setting des Geschehen beherrscht. Oder beim Dschungelcamp: was passiert da wirklich hinter den Kulissen? Vermutlich hätte Joey für diese Dinge jeweils ein eigenes Buch veröffentlichen können – wenn er das vertraglich dürfte.
Die Naivität des Erzählens finde ich sehr charmant. Der 27jährige Ich-Erzähler berichtet frei von der Leber weg, was ihn bewegt hat und was ihn immer noch bewegt. Er nennt seine Vorbilder und Freunde, bedankt und entschuldigt sich. Das hat schon etwas von großer Lebensbeichte, die aber nicht ins Detail geht. Ich habe das Büchlein an einem Nachmittag gemütlich in der Sonne sitzend in einem Rutsch durchgelesen. Es ist sehr kurzweilig und mit einfachen Worten geschrieben. Man muss ihn einfach mögen, diesen Chaoten aus dem Fernsehen.
In Zeiten von Krisen sind Resilienzfaktoren wichtige Aspekte, um Menschen zu helfen. Es sind die erlernten und erworbenen Bewältigungsstrategien, die jeder in sich hat. Vermutlich entstand der Albumtitel „Resilience“ schon vor der Corona-Krise, doch er passt definitiv wie Faust aufs Auge.
„Für mich steht das Album für die Fähigkeit, trotz Rückschlägen schnell wieder aufzustehen und seinen Weg weiterzuverfolgen“, erläutert Sänger/´und Gitarrist Raffael „Schlo“ Trimmal den Titel des dritten Longplayers der österreichischen Metal Helden. Zusammen mit Drummer Boris Balogh stand er vor einem Scherbenhaufen: „Unmittelbar vor dem Songwriting mussten wir Bass und Gitarre neu besetzen und hatten keine Ahnung, wie schnell und gut uns das gelingen wird.“
Es gelang schnell und vor allem: Sehr gut. In Form von Andrés Cuenca an den sechs und Mauro Putzer an den vier Saiten fand man die nicht nur musikalisch perfekte Ergänzung des metallischen Kleeblatts: „Von der ersten gemeinsamen Probe an waren Andrés und Mauro wie jahrelange Freunde. Unfassbar, wie stark Musik Menschen verbinden kann“, zeigt sich Schlo euphorisch. „Die zwei haben sich auch sofort ins Songwriting eingebracht, vor allem Andrés hat dem Album einen ordentlichen Stempel aufgedrückt. Beide waren so eine immense Bereicherung, dass uns klar wurde: Wir werden stärker denn je aus dieser Krise gehen!“.
Das Album bietet zehn abwechslungsreiche, intensive Songs, die dem alten Bandmotto „Nothing But Pure Metal“ mehr als gerecht werden und gleichermaßen thrashig, melodisch, modern, brutal, eingängig, progressiv, messerscharf, ehrlich klingen – und dabei auch einiges zu sagen haben. Die 45 Minuten sind soundtechnisch hervorragend und druckvoll produziert. Der Opener „Dissociation“ führt mit seinen Riffs in eine spannende metallische Welt ohne elektronischen Schnickschnack. Die Geschwindigkeit der drei folgenden Songperlen ist durchaus beeindruckend, bevor es ab „Absorbing Energy“ ruhiger wird. Dass der Titeltrack zu Beginn einen sehr erzählenden Charakter hat, ist sicher eine mutige Entscheidung. Schnell nimmt er aber Fahrt auf und führt in die variantenreiche zweite Albumhälfte, die mit dem roboterhaft eingeleiteten „The Cube“ ausklingt.
Black Inhale sind definitiv gestärkt aus der Bandkrise hervorgegangen. Lasst uns hoffen, dass sie auch die kulturelle Krise des Jahres 2020 halbwegs unbeschadet überstehen.
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Artwork und Titel der EP „S.I.T Annexe“ weisen schon darauf hin, dass es sich mit dieser digitalen und in einer Vinyl-Edition erscheinenden EP um eine Art Nachtrag zum 2019er Album „Swimming In Thunderstorms“ handelt.
Was wir im letzten Jahr dazu geschrieben hatten: Wie in alten Zeiten verbinden Fischer-Z Elemente von Folk, Punk und New Wave zu einem schönen Gesamtbild. Auch weltmusikalische Elemente sind (wenn auch reduziert) weiterhin vorhanden, beispielsweise in “Stolen” und “Prime”. John Watts wird in Kürze 65 Jahre alt. Seine charismatische Stimme hat nicht an Ausdruckskraft verloren. Er kann energisch nach vorne preschen und sich dezent zurücknehmen. “Swimming In Thunderstorms” ist ein weiteres sehr abwechslungsreiches Album und begeistert mich durch die Bank.
Inzwischen hat Watts den halbrunden Geburtstag hinter sich und ist so produktiv, politisch und trotzig wie immer. „Ich glaube, Bewegung ist Leben“, teilt er mit. „Ich möchte immer in Bewegung bleiben und wachsen. Immerhin bist du nur so gut wie deine neuesten Sachen und das ist es, was mich am Laufen hält.“
Auf der knapp 11minütigen EP gibt es neben der aktuellen, zum Nachdenken anregenden Single zwei weitere Tracks. „Choose“ funktioniert als energischer Weltretter-Song mit mitreißendem Refrain. „Shine“ ist ruhiger und lebt von Watts typischem Sprechgesang, während „Pumping Up The Drama“ als akustische Songwriter-Ballade funktioniert.
Ich muss ehrlich sagen, dass mir diese drei Songs zu wenig sind, um sie als Weiterentwicklung anzusehen. Klar, sie fügen sich gut ins Gesamtkonzept des letzten Albums ein – mehr aber auch nicht. Was man Fischer-Z zugute halten muss: In der heutigen Zeit nutzt man neue Tracks oft dazu, eine „Special Edition“ auf den Markt zu bringen und den Fans ihr Geld erneut aus der Tasche zu ziehen. Die Briten tun das nicht. Die machen drei Songs digital verfügbar – und wer unbedingt Hardware braucht, wird mit der Vinyl-EP und ihrem grandiosen Artwork gut bedient. Passt.
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Fabian Holland macht seit seiner Kindheit Musik. Er wuchs in einem Haushalt auf, in dem Performance und künstlerischer Ausdruck zum Alltag gehörten. Er begann im Alter von sieben Jahren Gitarre zu spielen, unterrichtet von seinem Vater, der Gitarre und Mundharmonika spielte. Seine frühen Einflüsse kamen von den Blues-Platten seines Vaters, als er Typen wie Sonny Boy Williamson, Muddy Waters, RL Burnside und Son House hörte. Fabian besuchte später die Akademie für zeitgenössische Musik in Guildford, Großbritannien. Nach seinem Studium zog er in die Berge der Abruzzen, Italien, wo er vier Jahre lang seinen Musikstil entwickelte.
Das 2020er Album „Under The Red Island Bakery“ wurde von Anfang bis Ende an einem Tag im Keller von Fabians Wohnung in Berlin aufgenommen. Alle Tracks sind Single-Takes. Es wurden nirgendwo Loops oder Neuaufnahmen verwendet und alle Instrumente wurden von Fabian live im Raum gespielt, mit Ausnahme der Trompete, die von Jake Painter gespielt wurde.
Zum Albumtitel: Einen Monat nach der Geburt seines ersten Kindes zogen Fabian und seine neue Familie von London nach Berlin. In dieser neuen Stadt lebten sie in einer ehemaligen Bäckerei in einem kleinen Stadtteil Berlins namens „Rote Insel“ – die „Red Island Bakery“ ist also Realität.
Auf diesem Album jongliert Fabian mitten in den Songs zwischen den Gitarren und spielt manchmal mehrere Instrumente gleichzeitig. „Ich wollte den Hörer in den Raum transportieren. Ich wollte, dass all diese Instrumente und Frequenzen an einem Ort zusammen herumspringen und all das in einer Aufnahme festhalten. Es ging nicht unbedingt darum, mehrere Instrumente gleichzeitig zu spielen, sondern vielmehr darum, sich flüssig zwischen einem Instrument zum anderen bewegen zu können, ohne dass Lücken entstehen. Dazu musste ich mir ein paar Techniken und Tricks einfallen lassen.“
Das Cover mit dem dreifachen Fabian gibt einen perfekten Eindruck von dieser virtuosen Herangehensweise: Fabian hat zwei Lap-Slide-Gitarren auf Ständern, die wie Klaviere um ihn herum platziert sind. Eine davon ist eine Lapsteel-E-Gitarre, die er selbst für dieses Album aus einem einzigen Stück 40 Jahre altem Mahagoni gebaut hat. Das Hauptaugenmerk liegt aber immer noch auf der Akustikgitarre.
Die Songs sind Geschichten über Liebe, Verlust und Herzschmerz. Das Album beginnt mit „Two Men in a Boat“. Es ist Fabians Metapher für den Brexit mit einer eindringlichen Einführung, die den Ton für das Album angibt. „Holiday“ ist eine tragische Geschichte, die ein Vater seinen Kindern über eine Familienreise erzählt, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft aus ihrem Land geflohen ist. „She Don’t Love Me“ ist ein liebeskranker Blues-Song, der vom legendären Chicagoer Blues-Pianisten Otis Spann inspiriert wurde. Einige Songs auf dem Album sind persönlicher: „Another Monday“ sind die Erfahrungen, die Fabian und sein Partner während der Geburt ihres Sohnes gemacht haben. „Cold Tea“ befasst sich mit den Sorgen der Einsamkeit im Alter.
Die Virtuosität von Fabian Holland ist unbestritten. Man staunt bei jedem einzelnen Song. Mir persönlich ist die Musik allerdings zu verkopft. Es fehlt an Eingängigkeit. Ich bin aber überzeugt, dass Gitarrenfreunde, die sonst Bonamassa oder Rodrigo Y Gabriela hören, hier ganz zufrieden und bewegt sein werden.
Der Tod von Neil Peart im Januar 2020 hat die Musikwelt in tiefe Trauer versetzt. Sein Können am Schlagzeug war Vorbild für Generationen. Und als Texter mit durchaus philosophischer Ausrichtung haben seine Lyrics die Musik von RUSH entscheidend geprägt. Hier soll es aber nicht nur um diesen genialen Menschen, sondern um das Album „Permanent Waves“ gehen, dass vor vierzig Jahren als siebtes Studioalbum der kanadischen Rock- und Progband erschien.
„Permanent Waves“ sollte dauerhaft hohe Wellen in der Rocklandschaft schlagen. Rush hatten damit einen neuen Kurs eingeschlagen – und einen Sound geschaffen, der ihnen noch mehr Fans bescheren sollte. Die sechs Songs vereinen ihren unverwechselbar druckvollen Prog-Sound mit eingängigeren, radiofreundlichen Elementen. Dazu orientierten sich Rush auch an den Grooves des gefeierten Vorgängeralbums „Hemispheres“ (1978).
Der explosive Eröffnungstitel „The Spirit Of Radio“ ebnete den Weg für das Hit-Album, denn er erwies sich als selbsterfüllende Prophezeiung: Es ist ein Song über das Glücksgefühl, das gute Musik auslösen kann, wenn sie im Radio gespielt wird. Tatsächlich lief der Song schon bald bei unzähligen Sendern auf höchster Rotation. Die rhythmisch anspruchsvolle Hymne „Freewill“ handelt von der Unabhängigkeit und darüber, wie wichtig es ist, zu den eigenen Entscheidungen zu stehen. „Jacob’s Ladder“ hingegen ist eine packend vertonte und spürbar düstere Interpretation jener Bibelgeschichte, in der die Jakobsleiter als Bindeglied zwischen Himmel und Erde auftaucht. Die atmosphärische Beschreibung eines Sturms ist wundervoll gelungen.
Die zweite Hälfte der LP startete mit „Entre Nous“: Ein zutiefst introspektives Stück, das davon handelt, zwischenmenschliche Differenzen zu überwinden. Dass Rush auch wussten, wie man bewegende Balladen schreibt, belegten sie mit „Different Strings“, um das siebte Album schließlich mit dem grandios-kosmischen Klangkosmos von „Natural Science“ ausklingen zu lassen.
Mit seinen ausgiebigen Keyboardsounds war das Album wegweisend für Rush in ihrer Verortung im Progressive Rock. Die Jubiläumsedition „Permanent Waves – Fortieth Anniversary“ erschien am 29. Mai 2020 in vier unterschiedlichen Konfigurationen: als Super Deluxe Edition, 2CD Deluxe Edition, 3LP Deluxe Edition und Deluxe Digital Edition. Mir liegt zur Review die 2-CD-Version im Digipack vor.
Die bislang unveröffentlichten Live-Aufnahmen basieren auf drei Konzerten, die damals im Rahmen der „Permanent Waves World Tour 1980“ mitgeschnitten wurden: im Manchester Apollo, im Londoner Hammersmith Odeon sowie im Kiel Auditorium in St. Louis, Missouri. Sie ergeben eine perfekte Multimomentaufnahme der Band zu ihren Glanzzeiten.
Dazu gibt es ein 20-seitiges Booklet mit unveröffentlichten Fotos und neu interpretiertem Album-Artwork von Syme. Ein sehr kunstvoll gefertigtes Schmuckstück. Der Hinweis auf Neil Peart „In Memoriam“ auf der letzten Seite des Booklets lässt uns dann auch noch ein kleines Tränchen verdrücken. Gesamteindruck: Grandios!
Im März 2010 wurde Iggy Pop in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen – eine Auszeichnung, auf die er vermutlich nie hingearbeitet hat. Zu exzessiv war sein Leben, zu exzentrisch seine Performance. Doch verdient hat er es allemal. Im Jahr 2020 gibt es einen Blick zurück in die Anfangszeit der Karriere: Nach drei Alben mit den Stooges war er Ende der 70er in Berlin und begann sein Soloschaffen im Dunstkreis von David Bowie.
Die 7-CD-Box „The Bowie Years“, die Iggy Pops Alben aus dieser Berlin-Ära enthält, erschien am 29. Mai 2020. Das Box-Set enthält neu remasterte Versionen von „The Idiot“ und „Lust For Lif“, das Live-Album „TV Eye“, drei weitere Konzerte und seltene Outtakes, alternative Mixe sowie ein 40-seitiges Buch.
„Lust For Life“ und „The Idiot“ wurden auch als eigenständige 2CD-Deluxe-Editionen mit Bonus-Live-CDs veröffentlicht. Das Box-Set und die Alben bieten einen faszinierenden Einblick in die einzigartige kreative Phase, die die legendäre Berlin-Ära des Post-Punk definierte. Zur Review liegen mir diese beiden Digipacks vor.
Beginnen wir mit „The Idiot“, das im März 1977 erschienen ist. Iggy stand damals unter den Fittichen von Bowie, der ihn ermutigte und förderte, der das Album produzierte und teilweise auch die Arrangements schrieb. Wichtigster Titel ist natürlich „China Girl“, den Bowie sechs Jahre später in einer seichteren, tanzorientierten Version zum Welthit machte. Die Live-CD wurde am 7. März 1977 im Rainbow Theatre London mitgeschnitten. Eine sehr authentische Aufnahme, die auch klangtechnisch dem Punk alle Ehre macht. Sicher nichts für Sound-Puristen, aber eine kraftvolle und dynamische Performance.
Auch auf „Lust For Life“ ist Bowies Einfluss deutlich spürbar. Es erschien ebenfalls 1977 (nur ein halbes Jahr nach dem Erstling) und ist deutlich aggressiver als der Vorgänger. Mit „The Passenger“ enthält es Iggys bekanntesten Titel, den jeder noch im Ohr haben dürfte. Sein „lalala“-Mitsingteil hat schon Generationen mitgerissen. Ebenso wichtig ist natürlich der Titeltrack, der auf Anhieb an „Trainspotting“ erinnert. Das Livealbum entstand 1977 in Cleveland und ist klanglicher ein Stück besser als oben erwähnte Version. Auch hier sind noch einige Stooges-Titel vertreten.
Die Digipacks sind schön aufgemacht mit Schwarz-weiß-Fotos auf den Innenseiten und jeweils einem aussagekräftigen Booklet, das sowohl die Lyrics, viele Illustrationen und kurze Interviews mit Weggefährten enthält. Feine Sache – und die Bezeichnung „Deluxe“ ist wirklich angebracht.
„Aus der Vergangenheit hinüber in die Gegenwart“, heißt es im Song „In Wien“ auf Reinhard Meys neuem Album „Das Haus an der Ampel“. Jetzt könnte man sagen, das sei doch nichts Besonderes. Reinhard Mey schreibt schon seit Jahrzehnten über Vergangenes. Über Dinge, die er – wie er sagt – selbst erlebt hat, die er erlebt haben könnte oder die ihm so zugetragen worden sind. Stücke wie „Vaters Mantel“, „51er Kapitän“ und „Viertel vor sieben“ sind berührende und inzwischen schon legendäre Anekdoten aus seiner Kindheit. „Meine Söhne geb ich nicht“ und „Aller guten Dinge sind drei“ besingen seine Kinder. In „Dann mach’s gut“ und „Mr. Lee“ hat er uns mitgenommen auf den langen und emotionalen Weg des Abschieds von seinem im Koma liegenden und inzwischen verstorbenen Sohn.
Man kann also sagen, dass die Hörer seiner Musik immer auch Wegbegleiter waren. Dass sie die Höhen und Tiefen eines (Künstler-)Lebens miterleben durften. Und jede neue Tour hat mit den Erzählungen zwischen den Songs diese Nähe noch vertieft. Trotzdem blieb noch Vieles unerzählt. Und selbst der 77jährige Reinhard Mey kann noch tief in der Mottenkiste graben, um uns neue Einblicke zu geben. Wie kein anderer fasst er das Leben in Worte – das menschliche Leben, manchmal aber auch das tierische. Oder gar das Wirken personifizierter Dinge wie sein Bleistift (im Song „An meinen Bleistift“).
Auf dem 28. Studioalbum gibt er besonders viel Persönliches von sich Preis. Der Titeltrack zum Beispiel gibt am Beispiel seines Elternhauses der Liebe zu den Eltern Ausdruck und führt sie durch die Jahrzehnte. Aus der Zeit, in der Reinhard selbst noch Kind war, über die liebevolle Beschäftigung des Paars mit ihren Enkeln bis hin zum Ist-Stand der Gegenwart, wo er den Verstorbenen im Wolkenthron erzählt, was aus den Enkeln geworden ist. Da hatte ich schon beim ersten Hören einen Kloß im Hals, als es sich um den verstorbenen Max drehte, der schon gegangen ist, weil er alles gesehen hat. Es sind gerade diese Momente, die trotz aller Trauer auch Zuversicht geben. Die einen wundervollen Menschen zeigen, der für sich den Weg gefunden hat, mit dem Unabänderlichen umzugehen.
Mit „In Wien“ macht Reinhard eine Reise zu den Anfängen der Karriere. Als plötzlich die Hallen größer und die Hotelzimmer besser wurden. Ich mag solche perfekt formulierten Zeilen, in denen er beispielsweise Berlin und Wien vergleicht: „Du wohlvertraute, fremde, schöne Schwester meiner Stadt, die, ein Symbol, als Wegweiser den Reim schon auf dich hat“. Da stehen Nostalgie, Melancholie und unbändige Freude gleichberechtigt nebeneinander. „Wir haben jedem Kind ein Haus gegeben“ beschreibt das hoffnungsvolle und trostlose Familienleben mit dem Gefühl von Heimkommen und Zusammenhalt.
Das waren jetzt erst drei Songs. Und nicht alles ist so leicht zu verstehen. „Im Hotel zum ewigen Gang der Gezeiten“ wird mich in seiner Morbidität vermutlich noch länger beschäftigen. Ebenso das ominöse „Zimmer mit Aussicht“.
Und dann sind da diese Miniaturen aus kleinen Begebenheiten, die eine so große Wirkung entfalten. „Der Vater und das Kind“ beschreibt seine Sicht auf einen Konzertbesucher, der sein Kind im Rollstuhl mit ins Konzert bringt. Einfache Worte, wie der Sänger durch diese Begegnung in der Ferne bewegt ist und wie trostvoll die Wirkung dieses Ereignisses ist. Bis hin zum Sinnspruch: „Es ist ein eigenart’ger, schöner Trost, den dieses Bild mir gibt, dass man das schwächste seiner Kinder, das zerbrechlichste, immer ein bisschen inniger, ein bisschen zärtlicher liebt“. Wundervoll!
Zudem wissen wir seit langem, dass Reinhard Mey ein beseelter Geschichtenerzähler ist. Beweis dafür ist diesmal „Gerhard und Frank“. Egal, ob diese Geschichte echt oder erdichtet ist. Sie könnte sich so zugetragen haben. Und sie beschreibt in wenigen Minuten ein ganzes, ereignisreiches Leben. Von den beiden Männern, die das Schicksal zusammen gebracht hat, die sich lieben gelernt haben, die viele gute und schwere Zeiten verbracht haben – und von denen der eine jetzt, da im Alter die wirklich guten Zeiten beginnen sollten, lebensbedrohlich erkrankt und nur noch einen Ausweg sieht. Mey versteht es, die Worte so zu formulieren, dass sie wie ein Film im Kopf des Hörers ablaufen.
Nach soviel Wehmut aber auch noch ein Hinweis auf drei lustige Stücke. „Menschen, die Eis essen“ beleuchtet den Genuss des Schleckens aus unterschiedlichen Perspektiven. „Häng dein Herz nicht an einen Hund“ ist trotz des Titels eine verklausulierte Liebeserklärung an die Vierbeiner. Und „Ich liebe es, unter Menschen zu sein“, zeigt trotz aller Ironie in den ersten Strophen am Ende doch auf, in welcher Situation Gemeinschaft gar nicht so schlecht ist (Slogan: „Du gehst niemals allein“). Gerade in der Corona-Krise ein durchaus positiv stimmender Song.
Zwei CDs. 16 Stücke pro Album. Und ja: es sind die gleichen, aber in ganz unterschiedlichen Versionen. CD 1 bietet durchproduzierte Stücke. Mit passender Instrumentierung, natürlich viel Gitarre, aber auch Flöten, Streicher, Keyboards, E-Gitarre, Harfe, Akkordeon – eine große Klangvielfalt, die die Stimmungen unterstützt. CD 2 hingegen zeigt uns den puren Reinhard. So, wie man es von seinen Konzerten gewohnt ist: Der Meister ganz allein an der Gitarre. Fans wissen, dass diese Versionen genau so gut funktionieren, wie die großen Arrangements. Tatsächlich lenken sie sogar häufiger den Blick auf das Wesentliche, nämlich die einfache Melodie und den aussagekräftigen Text.
Reinhard Mey hat sich diesmal etwas länger Zeit gelassen für sein neues Album. Vier Jahre lagen noch nie zwischen zwei CDs. Das Ergebnis ist so großartig und bewegend wie immer. Ich freue mich schon darauf, wenn wieder Konzerte möglich sind und vielleicht auch Reinhard wieder auf der Bühne steht. Bis dahin muss man sich mit Aufnahmen wie seinem privaten YouTube-Open-Air zufrieden geben. 13 Minuten, die mir bis zum abschließenden „Viertel vor sieben“ die Tränen in die Augen treiben: „Manchmal wünscht ich die Dinge wär’n so einfach geblieben und die Wege gingen nur geradeaus. Manchmal wünscht ich es wär nochmal viertel vor sieben und ich wünschte ich käme nach Haus.“
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Was haben Lewis Capaldi und Ed Sheeran gemeinsam? Neben der Herkunft aus Großbritannien sicher die Tatsache, dass sie optisch wie der nette Typ im Pub nebenan wirken. Und dass sie einfach unheimlich intensive und tiefgehende Singer-/Songwriter-Musik machen.
Capaldi ist einer der absoluten Shootingstars der letzten Jahre und hat mit seinem Album “Divinely Uninspired To A Hellish Extent” Musikgeschichte geschrieben! Jetzt hat der Brite eine neue EP veröffentlicht: Auf „To Tell The Truth I Can’t Believe We Got This Far“ präsentiert Lewis Capaldi eine Auswahl an Live-Favoriten.
Ganz vorne mit dabei sind die beiden UK-Nummer 1-Hits „Someone You Loved“ und „Before You Go“. Herz-Schmerz-Balladen voller Melancholie und tiefer Emotionen. Die einfachen Arrangements wirken in den Liveversionen noch ein Stück intensiver. Egal ob er seine Songs vom Dach des Capital Records Gebäudes in Hollywood in die Nacht schmettert oder das Publikum bei den BRIT Awards 2020 betört.
„Forever“ gibt es in einer akustischen Version live aus Edinburgh und „Hollywood“ sowie „Headspace“ als Ergebnis einer balladesken Studiosession. Besonderes Schmankerl ist aber Capaldis zunächst verträumte, dann aber zunehmend aggressive Version des Soundtrack-Hits „Shallow“, den er mindestens so energetisch interpretiert wie Lady Gaga im Duett mit Bradley Cooper.
Wer den Schotten erst neu für sich entdeckt, der liegt mit dieser digitalen EP zum Einstieg ganz gut. Die vorläufige Essenz einer einzigartigen Karriere.
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The 1975 haben ihre gegenwärtige musikalische Ära als „Music for cars“ bezeichnet. Vermutlich hat die Band aus Manchester in keinster Weise geahnt, wie nah sie damit an die Realität des Jahres 2020 heran kommen. Der vorhergehende Teil („A Brief Inquiry into Online Relationships“) erschien immer schon 2018. Und zwei Jahre später legen sie mit „Notes on an Conditional Form“ nach. Es ist ein ausuferndes Album – 80 Minuten lang mit 22 Stücken. Beginnend mit ihrem bisher vielleicht politischsten Song.
Nicht von Ungefähr haben „The 1975“ dem ersten Track ihren Bandnamen gegeben. Und ihnen war wohl bewusst, dass sich die Medien darauf stürzen werden, wenn die momentan so schweigsame Greta Thunburg plötzlich ihre anklagende Stimme in einem Spoken-Words-Song erhebt. Doch das ist nur ein Aspekt des Albums. Gleich darauf geht es mit dem energischen „People“ hart rockend weiter. Die Musik ist vor allem ein Streifzug durch die 80er und 90er Jahre. Manchmal abstrakt, dann wieder absolut radiotauglich wie in „If You’re Too Shy (Let Me Know)“.
Matthew Healy schmachtet sich durch die Songs oder versinkt im Auto-Tune. Wir finden orchestrale Passagen und Keyboard-Orgien. Ganz als wollte man alle Facetten der Soundmalerei austesten. Das wirkt bisweilen etwas chaotisch, doch der Wahnsinn hat Methode. Auch nach den instrumentalen Passagen findet die Band stets wieder zu songdienlichen Tracks zurück.
Die „Notizen“ sind in ihrer Gesamtheit nicht unbedingt einfach zu konsumieren, doch es lohnt sich, das Album als Einheit zu betrachten. Laut Healey sollte es zunächst eine Hommage an seine Jugend in Großbritannien sein. An nächtliche Fahrten zu McDonald’s und das Hören von Garage Rock im Peugeot 206. Doch die gesellschaftliche und sozialkritische Dimension gewann immer stärker an Überhand. Gut so!
Im Herbst wird die Band für mehrere Konzerte live in Deutschland zu sehen sein:
Es ist das bislang sechste Studio-Album der Indie Rock-Band aus Los Angeles. Thematisch ist es nahe an seinem autobiografischen Roman gehalten, erklärt Frontmann Mikel Jollett: „Nach dem Tod meines Vaters vor vier Jahren musste ich mir eine Auszeit nehmen. Währenddessen begann ich an meinem Buch zu schreiben. Die Musik begleitete mich auf meinem Weg in der Bewältigung der Trauer. Alle Lieder die dabei herauskamen finden sich auf dem Album wieder.“
Mit diesem Hintergrund entfalten die Stücke eine sehr starke Wirkung. Da herrscht viel Melancholie und Nostalgie vor – und diese wird in wundervolle Songs gepackt, die irgendwo zwischen Bruce Springsteen und Kings of Leon durch die Sphären schweben. Es ist vor allem die charismatische Stimme des Sängers und Protagonisten, die die Geschichten zum Leben erweckt. Und das mit eindringlicher musikalischer Kraft.
Zu verarbeiten hat der Sänger und Lyriker tatsächlich enorm viel. In seinen Memoiren berichtet Jollett über eine außergewöhnliche persönliche Reise. Diese begann mit dem Aufwachsen in einer religiösen Sekte. Nach seiner Kindheit voller Armut und emotionalem Missbrauch fand der Künstler seine Stimme erst durch das Schreiben und die Musik wieder. Genau diese Kraft steckt laut Jollett auch in den zwölf Songs: „Als ich meinen Jungs die Songs — die ich nie veröffentlichen wollte — vorspielte, schlossen wir einen Pakt. Wir schworen uns, daraus ein Album zu formen, das für die Liebe zum Rock’n’Roll steht.“
Der Opener und Titeltrack ist eine sehr energetische Erinnerung an Mikels Vater. Ein episch nach vorne treibender Song, der sich als Stadionrocker hervorragend machen wird. Doch schon im zweiten Track wird es nachdenklich und in gewisser Weise auch anklagend. „Brother How Was The War?“ stellt die Sinnfrage, „Carry Me“ und „Come On Out“ äußern den Wunsch nach einer Flucht aus dem tristen Geschehen. Verkleidet in folkige Klänge macht man mit dem Sänger eine Reise in die tiefe Vergangenheit.
Die Aggressivität von „I Don’t Want To Be Here Anymore“ und die tiefe Intensität in „Everything I Love Is Broken“ nehmen uns mit in die Zeit großer Desorientiertheit. Selten erlebt man, dass ein Songwriter seine Gefühle so klar und persönlich in Worte packt. „The Common Touch“ ist der vielleicht wichtigste Song des Albums, eingerahmt vom zweiteiligen „The Place We Meet A Thousand Feet Beneath The Racetrack“. Erzählend. Voller Fragen und Selbstzweifel. Zumindest bietet „True“ schließlich einen optimistischen und versöhnlichen Abschluss.
Als Konzeptalbum und Soundtrack zu einer dramatischen und turbulenten Geschichte zwischen Sekte, Drogen und Bewährungsauflagen funktioniert das Album hervorragend und nimmt uns mit auf eine berührende Reise.
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Es gibt kaum jemanden in Deutschland, der den Namen Laith Al-Deen noch nie gehört hat. Der Sänger von Hits wie „Bilder von dir“, „Dein Lied“ oder „Keine wie du“ prägte von Anfang an maßgeblich den Deutschpop. Dabei verkaufte der Künstler Millionen Tonträger und erntete goldene Platten sowie Top Chart-Platzierungen. Während seiner Zeit in der deutschen Musiklandschaft verlor er nie an Leidenschaft, Qualität und Neuerfindungsdrang, was sein letztes Album „Bleib unterwegs“ (2016) bis an die Spitze der Deutschen Charts brachte. Ein neues Album von Laith Al-Deen ist für mich immer ein Gewinn. Auch wenn die großen Radiohits seit einigen Jahren ausbleiben, schafft er es doch immer, seine Hörer mit authentischen und emotionalen Songs zu bewegen. Da macht auch das neue Werk „Kein Tag umsonst“ keine Ausnahme.
Die Release-Konzerte für sein zehntes Studioalbum hätte sich der Sänger aus Karlsruhe aber sicher anders vorgestellt. Beiden fanden nämlich in Autokinos statt. Am Donnerstag (Vorabend) in Gießen, am Freitag (Release-Tag) im saarländischen Schiffweiler. Laut seiner Aussage waren es zwei sehr unterschiedliche Konzerte, denn in Gießen herrschte Hup-Verbot. Damit war die Stimmung im Saarland schon ausgelassener – und ich selbst war auch froh, mir das Konzert nicht bei geschlossenen Fenstern anschauen und anhören zu müssen.
Kommen wir zunächst zum neuen Album, bevor ich mich dem skurrilen und dennoch wundervollen Konzert in Schiffweiler zuwende. Das Album dreht sich um die Dinge, die einem Halt geben und im Leben verankern. In Zeiten des Wandels und der Selbstoptimierung kennen viele Menschen das Gefühl, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Laith ruft in „Kein Tag umsonst“ dazu auf, einen Schritt zurückzutreten, das eigene Leben wieder schätzen zu lernen und sich auf das, was zählt, zu besinnen.
Der Opener „C’est la vie“ spricht davon, die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen und die Risiken eines Neubeginns zu wagen. „Liebe ist ein Geschenk“ behandelt die Kraft von Beziehungen, die man für sich nutzen kann. „Zwischen den Zeilen“ ist ein Aufruf, den Blick nicht nur auf die Vergangenheit, sondern auch auf Gegenwart und Zukunft zu richten. „So nah“ erklärt, wie nah man oft der eigenen Vorstellung vom Glück ist, ohne es zu merken. Und „Ein Wort“ widmet sich den wirklich guten Freunden, die immer für einen da sind und für die man immer da ist.
Der Balladen-Anteil ist bis zum melancholischen Piano-Abschluss „Kein Tag umsonst“ sehr hoch. Zwischendrin wird der Sound bisweilen durch elektronische Elemente aufgepeppt. Das sind zwar sehr energetische Augenblicke – ich muss aber sagen, dass mir die puren rockigen und akustischen Töne (wie sie auch live geboten wurden) besser gefallen. Packende Melodien und Laith Al-Deens unverkennbare und herausragende Stimme. Mehr braucht es nicht für ein wunderschönes Deutschpop-Album mit Tiefgang.
Beim Autokino-Releasekonzert hatte Laith eine fünfköpfige Band mit zwei Gitarren, Bass, Keyboard und Schlagzeug dabei. Der Sound auf der Radiofrequenz war überragend gut und schließlich – als es langsam dunkel wurde – entfaltete die Lightshow ihre Wirkung. Verstärkt natürlich durch Gehupe, Warnblinker, Fernlicht, geschwenkte Warnwesten und die Betätigung des Scheibenwischers, was laut Laiths Ansage emotionale Betroffenheit ausdrückt. Man lernt doch nie aus.
Das über zweistündige Konzerte umfasste sieben der neuen Stücke und natürlich Klassiker wie „Bilder von dir“, „Dein Lied“ und „Keine wie du“. Insgesamt 16 Stücke. Die Setlist hätte von einem normalen Konzert stammen können. Da wurden keine Kompromisse gemacht. Interaktion mit dem Publikum fand auf die oben erwähnte Weise statt. Und das war „ganz großes Kino“, wie Laith mehrfach feststellte. Die Refrains mancher Songs wurden rhythmisch gehupt, was den Sänger sichtlich erfreute.
Fazit: Das zehnte Album ist musikalisch eine Bank. Ohne große Innovation, aber ganz solide, emotional und in altbewährter Schönheit. Laith Al-Deens einzigartig kraftvolle Stimme schafft es dabei, jedem Song einen unvergleichlichen Charme zu verleihen. Die Musik ist vielfältig, sei es das klangvolle „Du bist es wert“ oder der reflektierende Titelsong. Sie verliert niemals die unverkennbare Handschrift des Musikers.
Vielleicht werden wir in ein paar Jahren über die Form des Konzertes lachen. Hoffentlich. „Es bleibt trotz allem ein bisschen unwirklich“, meinte der Protagonist des Abends abschließend. Das jubelnde Hupkonzert war vermutlich kilometerweit zu hören.
Setlist, 22.5.2020, Autokino Saar in Schiffweiler
Noch lange nicht genug
Bilder von dir
Zwischen den Zeilen
Ein Wort
Dein Lied
So nah
Hör mir zu
Keine wie du
Fliessende Wasser
C’est la vie
Liebe ist ein Geschenk
Damit ich wieder schlafen kann
Glaub an dich
Halt mich fest
Jetzt hier immer
Jedes Mal
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Sie ist eine der großen deutschen Fernseh- und Kinostars. Wenn die deutsch-iranische Schauspielerin Jasmin Tabatabai in der ZDF-Serie „Letzte Spur Berlin“ als Kommissarin Mina Amiri in einer Hauptrolle vor der Kamera steht, schauen regelmäßig Millionen zu. Doch was viele gar nicht wissen: Auch als Sängerin weiß die wandelbare Mimin zu begeistern. Ihr Gesangsdebut gab sie als Rockröhre im Blockbuster „Bandits“, zusammen mit Katja Riemann und Nicolette Krebitz. Der Kultfilm aus dem Jahr 1997 hatte fast eine Million Zuschauer, der Soundtrack, der größtenteils aus Songs von Jasmin Tabatabai besteht, avancierte mit über 700.000 verkauften Exemplaren nicht nur zum bestverkauften deutschen Soundtrack aller Zeiten, sondern ist auch der meistverkaufte Soundtrack eines europäischen Kinofilms.
Jasmin machte weiter Musik. Zunächst überaus rockig – doch dann wandte sie sich sehr erfolgreich dem Jazz zu. Für „Eine Frau“, ihre erste CD als Jazz- und Chansonsängerin wurde sie aus dem Stand mit einem Echo-Jazz ausgezeichnet. Das zweite Jazz-Album „Was sagt man zu den Menschen wenn man traurig ist?“ enthielt neben vielen spannenden Coverversionen auch einige „Bandits“-Titel, die plötzlich voll wehmütiger Poesie erklangen. Damit war klar, dass die Sängerin den Richtungswechsel endgültig vollzogen hatte.
Nun steht die dritte CD-Veröffentlichung an. Vielfalt ist das Zauberwort. Auch Jasmin Tabatabai und ihr musikalischer Partner, der Schweizer Musiker, Komponist und Produzent David Klein, geben sich mit ihrem neusten Programm und der Produktion ihrer dritten gemeinsamen CD dieser Prämisse hin. Keine stilistische Grenze, die nicht gesprengt, kein Genre, das nicht erforscht wird.
So darf sich die Zuhörerschaft auf eine meditative Version von Schuberts „Ständchen“ freuen sowie auf radikale Neudeutungen von „River Man“ (Nick Drake) und „Why“ (Annie Lennox). Eine soulige Interpretation von „Sei mal verliebt“ (Hildegard Knef/Cole Porter) im Dreivierteltakt findet genauso ihren Platz wie „Schlafen gehen“, ein unbekanntes Juwel des Burgschauspielers und Kinderbuchautors Martin Auer oder David Kleins Vertonung des impressionistischen Textes „Zeit für Lyrik“ des Slam-Poeten Sebastian 23.
Ein Reinhard Mey-Song ist seit Tabatabais erster CD als eine lieb gewonnene Verneigung vor dem kongenialen Berliner Liedermacher immer dabei. Dieses Mal geht es um die berühmten „Männer im Baumarkt“, aber in einer äußerst tanzbaren Version. Selbst vor einem schon fast etwas ketzerischen Cover des Beatles-Hits „Hey Jude“ machen Tabatabai und Klein nicht halt. Dass Tabatabai auf Französisch („La Rose“) und Persisch („Shekare Ahoo“) singt, versteht sich mittlerweile fast schon von selbst.
„Jagd auf Rehe“ ist ein sehr virtuos eingespieltes Album mit tollen Ideen und einer glänzenden Umsetzung. Jasmin Tabatabai ähnelt in vielerlei Hinsicht der lieben Hildegrad Knef – durch ihren verspielten Charme, die Authentizität und das Timbre in der Stimme. Hoffentlich lässt die Liveumsetzung nicht allzu lange auf sich warten.
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Man kann nur hoffen, dass Clubs wie das „Rind“ in Rüsselsheim die aktuelle Krise halbwegs unbeschadet überstehen. Es wäre ein Jammer, wenn Konzerte wie das hier als Mitschnitt vorliegende nicht mehr stattfinden könnten. Bands wie Subsignal sind nun mal „special interest“ für Progressive Rock Liebhaber. Damit wird man nicht reich – aber man kann die Freunde anspruchsvoller Rockmusik für sich gewinnen und erfreuen.
Subsignal wurde 2007 von Markus Steffen und Arno Menses zunächst als Nebenprojekt gegründet. Nach der Auflösung von Sieges Even wurde sie zur Hauptband der beiden Protagonisten. Die Band bietet alles, was guten Prog ausmacht: große Gefühle und hymnische Rockmusik. Dabei wird der Härtegrad bisweilen ordentlich hochgefahren. Die Musik ist äußerst komplex gehalten und glänzt mit spannenden Gitarrenmelodien, die gerne mal abrupt vom aggressiven Klang in ruhige Passagen wechseln. Hinzu kommen die Vocals von Menses, der überaus sauber singt und sich in Höhen wagt, die nicht jeder Rockshouter vollbringen kann.
Manchmal spürt man, wenn die Band die Bühne betritt, dass es ein besonderer Abend werden könnte. Und dann gibt es diese magischen Abende, an denen einfach alles passt: Die Technik funktioniert, das Publikum geht mit und die Musiker sprudeln über vor Spielfreude. So in etwa muss es sich am 28. März 2019 im Live Club „Das Rind“ zugetragen haben. Und zum Glück hat jemand rechtzeitig auf Aufnahme gedrückt.
Die Setlist von „A Song for the Homeless – Live in Rüsselsheim 2019“ spiegelt Subsignals vielfältige musikalische Facetten wider, die von innovativem Progressive-Rock über AOR und Metal bis hin zum Pop reichen. Bestimmende Elemente von Subsignals Musik sind eine gewisse Melancholie gepaart mit Virtuosität, emotionalen melodischen Passagen und ein tiefes Verständnis für komplexe Arrangements.
Eine dicke Empfehlung für Freunde melodischer und metallischer Rockmusik. Progger wissen ohnehin, was sie vom Qualitätslabel der Sieges Even-Macher zu erwarten haben.
Tracklisting:
Touchstones
Ashes of Summer
The Bells of Lyonesse
The Sea
Walking with Ghosts
Even though the Stars don’t shine
The passage (incl. drum solo)
La Muerta
My Sanctuary
Time and Again
Paraiso
Paradigm
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Der Kenianer Fadhilee Itulya begann seine professionelle Musikkarriere bereits im Jahr 2008 und präsentiert nun sein Debüt-Album „Kwetu“. Der in Kakamega im Westen Kenias geborene und in Nairobi aufgewachsene Fadhilee begann seine Liebesbeziehung zur Gitarre mit drei Akkorden, die ihm seine Mutter auf ihrer Gitarre gezeigt hatte. Das weitere Spiel brachte er sich selbst bei und wurde schnell zum Ärgernis in seinem Elternhaus in den Eastlands Nairobis.
Während ihn die Gitarre ständig begleitete, arbeitete er unter anderem als Bauarbeiter, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, und unterrichtete freiwillig Kinder in den benachbarten Slums von Soweto in Musik. Auch als Student der Internationalen Beziehungen und Diplomatie an der Universität von Nairobi bot er weiterhin privaten Gitarrenunterricht an.
Inspiriert durch Omutibo, einem Musikstil der Luhya im Westen Kenias, kreiert Fadhilee Songs, die die Menschen zum Tanzen bringen. Seine Musik lebt von Synkopen und enthält Elemente aus Folk, Pop, Dance und Weltmusik – eine gute Mischung, die sich mit Themen aus Kultur, Gemeinschaft und Umweltschutz befasst.
Es ist definitiv keine Musik zum Zurücklehnen, sondern seine Songs sind unruhig und animieren zum Bewegen. Der erste Track „Afirika“ lebt von einer beschwingten Flötenmelodie und ist der perfekte Einstieg in ein ungewöhnliches Album. Danach dominieren die Akustikgitarre und Fadhilees Stimme, die bisweilen chorisch verstärkt wird.
„Kwetu“ (übersetzt: Heimat) enthält zehn lebendige, zum großen Teil sehr lange Songs, die mit traditionellen Gesängen und Isikuti-Percussion verwoben sind und den ursprünglichen Percussion-Style West-Kenias widerspiegelt. Das Album vermittelt gekonnt ein afrikanisches Lebensgefühl, das von Freiheit und Naturverbundenheit spricht.