Fotos von PUR and Friends am 30.08.2013 im Strandbad Losheim am See
Fotos von PUR and Friends Losheim 2013
Fotos von PUR and Friends Losheim 2013
Das war mal wieder ein spannendes Wochenende im Losheimer Strandbad. Zwei deutsche Bands, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Am Freitag waren es die Deutschpopper PUR aus dem beschaulichen Bietigheim-Bissingen, die uns in ihr romantisches Abenteuerland entführten. Am Samstag bereiteten DIE ÄRZTE auf ihrem ureigenen ÄRZTIVAL eine „Nacht der Dämonen“ voll Punk und Rock. Weitere Vergleiche gefällig? Das Strandbad in Losheim war in beiden Fällen proppevoll gefüllt. Bei PUR mit ca. 12.000 begeisterten Fans, beim ÄRZTIVAL waren es gefühlte 15.000, was aber (in meiner Schätzung) auch daran liegen kann, dass ich samstags erst mitten ins laufende Geschehen einstieg. In beiden Fällen bestes Festivalwetter ohne Regen, wenn die dämonische Samstagnacht auch logischerweise einen düsteren Himmel vorsah.
Was noch? PUR in Gestalt von Hartmut Engler verloren kanzler-like kein Wort über ihre „Herausforderer“, während Bela, Farin und Rod ständig das Konzert des Vorabends thematisierten und es sich zur Aufgabe gemacht hatten, die Dämonen, die Hartmut Engler und die Band aus Bietigheim-Bissingen an den See gebracht hatten, auszutreiben. Sie gingen sogar so weit, zu behaupten, dass Menschen, die Parteien am rechten Rand wählen, ganz sicher nicht auf ein Ärzte-Konzert gehen. „Wenn schon, dann waren sie gestern Abend da.“ Eindeutig ein Schlag unter die Gürtellinie. Bei beiden Bands stand das jeweils aktuelle Album Im Mittelpunkt des Sets. PUR boten ein harmonisches Wohlfühlkonzert für alle Generationen mit einem relativ schweigsamen Frontmann, die ÄRZTE hingegen laberten zwischen den Songs, was das Zeug hielt, und erfreuten sich an blanken Brüsten, crowdsurfenden Zuschauern sowie sogar minimalen Ansätzen von Circle Pit und Wall Of Death. Beide Bands begannen um 20.30 Uhr und verließen um 22.15 Uhr erstmals die Bühne. Bei Hartmut und Co. ging es danach nochmal dreißig Minuten in die Zielgerade, die ÄRZTE dehnten den Zugabenblock gar auf eine volle Stunde aus.
Und jetzt genug der Vergleiche. Die Tage im Einzelnen: Freitags gab es zwei deutschsprachige Vorbands. Denn Anfang machten F.R.E.I., eine Truppe aus fünf jungen Männern, die alle schon heftig viel Erfahrung im Geschäft haben. Internationale Tourneen und Festivals von Lateinamerika und USA über Europa bis in den Fernen Osten, dazu mehr als zehn Millionen verkaufte Tonträger, auf denen einer oder mehrere der F.R.E.I.-Mannen zu hören sind. Zu den Stationen der Bandmitglieder zählen illustre Namen wie Sarah Connor, James Blunt, Doro, LaFee, Mousse T, Krypteria, Terenzi, Mike Posner, Caliban, Letzte Instanz, Nino De Angelo oder Kreator. Dort waren sie als Session-Musiker unterwegs. Jetzt endlich die eigene Band: elegant-gefühlvoller Pop und melodiegeladene Songs im modernen Gewand. Das klingt in etwa so, als würden OneRepublic plötzlich auf Deutsch singen. Ins Vorprogramm von PUR passten sie zumindest sehr gut.
Es folgte die Cherry Gehring Band. Seit 2001 unterstützt Cherry Hartmut Engler mit seinem Background-Gesang und fungiert als zweiter Keyboarder von PUR. Mit seiner eigenen Band bot er Rock- und Popsongs in seiner Muttersprache Schwäbisch. Es wurde ein energiegeladener Auftritt, der die Zuschauer am schönen Spätsommer-Nachmittag eher mitriss als das vorherige Quintett. Die aktuelle CD trägt den Titel „Machs laut, ’s isch Stereo“ und dürfte gerade für hartgesottene Fans ein nettes Gimmick im PUR-Backkatalog sein.
Hartmut Engler und seine Mitstreiter enterten schließlich ohne viel Brimborium die Bühne. Die Show war nicht zu bombastisch gehalten. Keine „Mittendrin“-Bühne, keine Auflauf von „Friends“, stattdessen die reine Lehre von PUR. Angestrahlt von großen Scheinwerfern gaben sie vom Start weg alles und begeisterten fast zweieinhalb Stunden musikalisch mit einer bunten Mischung aus lauten und leisen Tönen.
Auch wenn PUR älter geworden sind, wenn Hartmut nicht mehr so agil über die Bühne springt, sondern bisweilen recht nachdenklich wirkt, war es ein mitreißendes Konzert. In der Setlist hörten wir viele Stücke der letzten Alben, vor allem von der aktuellen CD „Schein und Sein“. Die Klassiker wurden häufig in Medleys verbraten. Das ist bei der Vielzahl von Fan-Lieblingssongs wohl kaum mehr anders machbar. Und zum Glück waren es nicht die Einzeiler aus dem Party-Hitmix, die wir zu hören bekamen, sondern durchaus lange Songpassagen – von „Wenn Sie diesen Tango hört“, „Seiltänzertraum“, „Brüder“, „Indianer“ und „Funkelperlenaugen“. Dazu gesellen sich Evergreens als komplette Songs: „Drachen sollen fliegen“, „Hab mich wieder mal an dir betrunken“, „Lena“ und „Abenteuerland“. Meine Highlights waren der erste große Hit „Freunde“ ganz zu Beginn der Setlist und das berührende „Kein Krieg“, das aus aktuellem Anlass vielen Zuschauern sehr nahe ging. PUR entließen ein seliges Publikum in die laue Sommernacht – mal wieder.
Samstags konnte ich leider erst pünktlich zum Auftritt der ÄRZTE anreisen. Ich hatte also das große Ärztival mit Der Fall Böse, The Damned und NOFX verpasst. Schade, aber leider nicht zu ändern. Zumindest konnte man einige Protagonisten des Vorprogramms auch während des ÄRZTE-Gigs auf der Bühne bewundern.
Mit dreißig Jahren Bandgeschichte und zwölf Studioalben kann man es nicht allen recht machen. Manche ältere Fans maulten hörbar wegen der fehlenden „Hits von früher“, dabei begannen Bela, Farin und Rod schon recht früh, diese einzustreuen. „2000 Mädchen“ beispielsweise, sogar „Madonnas Dickdarm“ als Hommage an die anwesenden Saarbrücker und „Westerland“ sowie der „Schrei nach Liebe“ noch vor dem Zugabenblock. Dazu gesellten sich moderne Klassiker wie „Lasse redn“, „Ist das noch Punkrock“, „Waldspaziergang mit Folgen“ (inklusive T-Shirt-schwingender Zuschauermasse) und „Unrockbar“. Demnach war für jeden was dabei. Nur die Rufe nach „Geschwisterliebe“ und „Elke“ blieben mal wieder ungehört.
Bestens aufgelegt boten die ÄRZTE in ihren Ansagen die gewohnt launige Drei-Mann-Show, verarschten sich und das Publikum, die Band des Vorabends, zogen über Politiker im Allgemeinen und Nazis im Besonderen her, amüsierten sich aufgrund der willigen Mädels im Publikum, die doch locker ihre Töchter sein könnten.
Während viele Bands im Zugabenblock stark nachlassen, ging es bei den ÄRZTEN in der letzten Stunde erst richtig los. Jede der drei Zugaben hatte ihre Highlights. Der Start mit „Der Graf“ und „Rebell“ war noch zäh, dann aber gab es „Junge“ und das tanzbare „Radio brennt“. Weiter ging es mit „Himmelblau“, dem lang erwarteten „Sweet, Sweet Gwendoline“ (schließlich hing eine riesige Gwendoline-Puppe links von der Bühne) und einem uralten Klassiker aus dem Jahr 1983: „Sommer, Palmen, Sonnenschein“. Die dritte Zugabe schließlich begann mit dem aktuellen Highlight „TCR“, leitete über zum erlösenden „Zu spät“ und dem überaus passenden „Ist das alles“, bevor mit „Dauerwelle vs. Minipli“ ein glänzender Konzertabend sein Ende nahm.
Es war das letzte ÄRZTIVAL der Saison und ein sehr gelungenes. Fans der Band dürfen sich auf die kommende Live-DVD freuen, die in der Frankfurter Festhalle und auf der Berliner Waldbühne mitgeschnitten wurde. Erscheinungstag ist der 13. September 2013 und hier gibt es einen kleinen Vorgeschmack:
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Bauchredner und Puppenspieler – eine Kunst, die sich seit dem Altertum in unserer Kultur etabliert hat. Mancher mag meinen, solche Formen der Unterhaltung hätten sich überholt, seit es Kino und Fernsehen gibt. Doch weit gefehlt! Wer gestern Abend am beschaulichen Sonntag den Weg nach Trier fand, durfte sich wundern, wie viele Fans diese alte Kunst heutzutage hat.
Sascha Grammel ist aber auch ein Phänomen. Jung, gut aussehend, aus Berlin stammen. Der Künstler, der nächsten Februar seinen 40. Geburtstag feiert, hat nach eigenen Angaben bereits mit neun Jahren das Bauchreden angefangen. Zuhause, auf Kindergeburtstagen, später in kleinen Clubs und Kabaretts. Die klassische Ochsentour also. Sascha war Mitglied des Magischen Zirkels Berlin und schaffte es mit der Zeit verstärkt, ein ganz neues Genre in Deutschland zu etablieren: Puppet Comedy.
Grammel vereint Versatzstücke aus Comedy, Puppenspiel, Bauchreden und Zauberei zu einer bunten Show, die in dieser Form einzigartig ist. Seit 1997 tritt er öffentlich auf und hat Preise über Preise gewonnen, war im Fernsehen in vielerlei Hinsicht präsent und schafft jetzt mit seinem zweiten großen Programm „Keine Anhung“ das, wovon alle Künstler träumen: die ganz großen Arenen zu füllen. Da gehört Trier jetzt eher zu den kleineren Veranstaltungsorten, wenn man sich die Tourdaten anschaut.
Die Größe der Halle hat natürlich den entscheidenden Nachteil, dass die Zuschauer in den Rängen einen recht kleinen Sascha und noch kleinere Puppen auf der Bühne sehen und sich ihre Konzentration mit der Zeit wohl eher auf die LCD-Leinwände richtet. Man ist live dabei, schaut sich aber eher den Film an. Nun gut – das ist bei großen Rockkonzerten auch nicht anders.
Sascha machte das durch ein spektakuläres Bühnenbild wett, in dem jede Figur ihr buntes Haus hatte. Als er auf die Bühne kam, ging zunächst einmal tosender Applaus los. Die wenigsten haben ihn schon einmal live gesehen, doch fast jeder kennt ihn aus dem Fernsehen. Und wen der sympathische Künstler und seine genialen Figuren erst einmal in den Klauen haben, den lassen sie so schnell nicht wieder los.
Sascha Grammel stellt sich mit seinen originellen Charakteren dem Klischee entgegen, dass Bauchredner als verhärmte Alleinunterhalter auf der Dorfkirmes enden. Klar, auch Grammel legt ein Dauergrinsen an den Tag, das einem Autoverkäufer zur Ehre gereichen würde, aber er macht seinen Job mit viel Selbstironie.
Manche Figuren kennt man bereits aus dem ersten abendfüllenden Programm. Das trug den Titel „Hetz mich nicht“ und machte uns bekannt mit der Schildkröte Josie, die als schüchterner Geldautomat arbeitet, mit dem mehr als selbstbewussten Adler-Fasan Frederic Freiherr von Furchensumpf und mit dem Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Peter Hacke, einem Hamburger im doppeldeutigen Sinn des Wortes. Diese traten auch im neuen Programm „Keine Anhung“ wieder auf.
Die Show begann mit Frederic, der gewohnt schnoddrig sein Gegenüber vorführte und kein gutes Haar an Grammel ließ. Dann folgte Außer Rüdiger, eine gelbe Socke mit großen treuherzigen Augen. Mein Favorit war aber auch diesmal Josie, die sich auf der Suche nach einem Freund befand und schließlich Sascha ansang „Willst du mein Freund sein?“ – ein herzzerreißender Moment, der alle Zuschauer vergessen ließ, dass Grammel beide Rollen spielte. Da steckt überhaupt Saschas große Stärke. Die Dialoge verpassten den Puppen das perfekte Eigenleben. Er ging oft auf die Metaebene, walzte Versprecher oder Lacher zu handfesten Streitereien aus. Da blieb kein Auge trocken.
Prof. Hacke bekam in der zweiten Programmhälfte seinen besonderen Moment – hat er doch das ultimative Lebensmittel entdeckt, isotonisch, laktosefrei, ohne Zucker und voller natürlicher Aromen: Wasser! Wenn Sascha von seinen Versuchs-Wässerchen trank, verwandelte er sich stimmlich in die verschiedenen Figuren des Programms. Ein netter Gag, der die Stimmvielfalt eindrücklich unter Beweis stellte.
Viel Herzblut steckt auch in der neuen Figur, dem außerirdischen Handelsvertreter Herr Schröder, der im ständigen Clinch mit seinem Symbionten, der Sternschnuppe Ursula lag. Ein Auftritt, der wie ein Ohrwurm lange nachwirkte (wer die Show gesehen hat, weiß was ich meine). So entführte uns Grammel in seine Welt, die am Schluss über einen Brief von Josie nochmal in allen Figuren zusammen geführt wurde. Zudem ließ es sich der (Ver-)Zauberer nicht nehmen, auch noch ein kleines Zauberkunststück in die Geschichte mit einzubauen. Seine Jonglierkünste hatte er zuvor ebenfalls unter Beweis gestellt.
Die Zuschauer verabschiedeten Grammel mit stehenden Ovationen, die dieser gerührt entgegen nahm. Vermutlich tut er das jeden Abend, doch es war schon sehr bewegend, als er in einer letzten Ansprache ans Publikum seiner Freude darüber Ausdruck verlieh, es vom Kindergeburtstag in die große Arena geschafft zu haben. Man gönnt es ihm von ganzem Herzen. Für den Bambi ist er auch nominiert – und: „es gibt ein Zuschauervoting, man kann online dafür abstimmen“. Werden wir tun, Sascha. Ehrensache.
gamescom Festival 2013 Fotos
gamescom Festival 2013 Fotos
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Sechs Bands, eine Bühne in der Veltins Arena und über 27000 Menschen: Rock im Pott 2013. Dieses Jahr mit System of a Down, Volbeat, Tenacious D, Casper, Deftones und Biffy Clyro. Vor einem Jahr ist das Tagesfestival in Gelsenkirchen gestartet. Vorheriges Jahr lockte das Festival 35000 Menschen an, dadurch sah es dieses Jahr vergleichsweise leer aus. An der Qualität der Bands scheint es allerdings nicht zu liegen. Denn auch wenn es eine auffallend gemischte Runde war, haben sich die Veranstalter allein mit System of a Down und Volbeat zwei große Bands auf die Bühne geholt.
Biffy Clyro
Der Opener des Tages ist die schottische Gruppe: Biffy Clyro. Man hat das Gefühl an keinem Festival vorbei zu kommen, ohne die drei Jungs zu sehen. Mit „Stingin Belle“ eröffnen sie ihr 45 minütiges Set. Ein zugegeben starker Anfang für eine in Deutschland erst jetzt aufsteigende Band. Die Stehplätze der Veltins Arena sind bereits jetzt fast komplett besetzt. Im Vergleich zu 2012 eine starke Leistung, zumindest für diese Uhrzeit. Generell muss man den Schotten auch zugestehen ein gut gewählt Opener zu sein. Mit ihrem 2013 erschienenen Album „Opposites“ sind Sie immerhin in den deutschen Albumcharts auf Platz fünf gelandet. Und auch an Bühnen Präsenz fehlt es ihnen nicht. Auf deutsch begrüßen sie ihr Publikum und geben einem das Gefühl, dass sie das, was sie uns zeigen, selbst lieben. Generell gibt es für die Fans ein vielfältiges Set zu höre. Von schnellen Songs wie „That Golden Rule“ bis hin zu gefühlvollen wie „Opposite“. Ein klares Highlight ihres Sets ist ihr wohl bekanntester Song „Mountains“. Mit einem letzten deutschen „Vielen Dank“ verlassen sie die Bühne und beenden damit einen guten Start in den heutigen Festival Sonntag.
Deftones
Die Deftones zu so früher Stunde spielen zu lassen, war nicht wirklich gut geplant. Denn eigentlich braucht es für die Stimmung der Ausnahmeband doch wenigstens Abenddämmerung. Generell ist es mit den Jungs aus Sacramento ein Glücksspiel. Man weiß nie ob man zufrieden nach Hause gehen wird, oder man sich fragen muss, ob überhapt jemals ein Soundcheck stattgefunden hat, oder die Instrumente gestimmt wurden. Und heute ist leider ein Tag, der einem keine eindeutige Stimmung geben kann.
Mit Applaus begrüßt die Arena die fünf Musiker. Passend sphärisch beginnen sie ihre Show mit „Rosemary“, einem Stück ihres neusten Albums „KOI NO YOKAN“. Stimmlich scheint Sänger Chino, anders als bei vorherigen Konzerten, gut drauf zu sein, wenn auch generell zu leise. Highlights sind definitiv ihre älteren Stücke, wie „Be Quiet and Drive (Far Away)” und „My Own Summer (Shove It)”.
Zugegeben, die Deftones live sind kein vergleich mit ihren Platten. Songs mit so einer Disharmonie und experimentellen Sounds müssen vor allem den nicht-Fans exotisch, wenn nicht sogar befremdlich vorkommen. Zu schade ist aber auch, dass leider keine passende Stimmung aufkommt. Es ist zu hell und die Menge redet selbst bei Songs wie „Diamond Eyes” lautstark weiter. Zu ihrem letzten Song „Root“ klatscht die Menge im Takt mit. Nach gerade mal 40 minuten beenden Sie ihre Show. Leider muss man zugeben, dass die Deftones leider nicht zur Spitzenklasse der Live Bands gehören, aber eben auch die gesammte Arena Stimmung einfach nicht zu ihrem außergewöhnlichen Sound passt.
Casper
Die Veranstalter von Rock im Pott scheinen sich jedes Jahr einen Künstler raus zu suchen, der nicht ins Bild des Festivals passt. 2012 war es Jan Delay und dieses Jahr ist es Casper, der momentan in der Deutschrap-Szene durchstartet. Beschäftigt man sich allerdings einmal genauer mit Benjamin Griffey, Caspers bürgerlichem Namen, merkt man schnell, dass in ihm mehr Rock steckt, als man vermutet. Seine musikalischen Wurzeln reichen bis in den Metal/Hardcore Bereich. Erfahrungen sammelte er auch mit Bands wie „A Fear Called Treason“ oder „Not Now Not Ever“, in denen er tätig war.
Passend zu seinem neuen Album „Hinterland“ prangt ein Banner mit einem Priester, der bereit ist seine Jünger im Fluss zu taufen, hinter Casper und seiner Band. Eröffnet wird sein Set von dem Lied „Auf und davon“. Eins kann man nicht verleugnen: Casper hat eine starke Ausstrahlung und überträgt das für gewöhnlich auch auf die Menge. Doch scheint das Publikum heute bei ihrem dritten Act eingerostet. Dass die Menge nicht für Hip Hop da ist, wissen Casper und Band ganz genau und versucht dadurch an das Publikum zu gelangen. Leider lässt er sehr zickig klingende Sprüche fallen. Sätze wie „Wir finden es auch nicht toll, hier zu sein“ oder „Vor einem Gig im Altersheim hätte ich mehr Angst“. Diese Art scheint bei anderen Festivals anzukommen, aber leider nicht bei dem Publikum von Rock im Pott 2013. Ob man das nun einfach mit dem Satz „Er ist eben ein Rapper“ abtuen kann, oder sich daran stört bleibt jedem selbst überlassen. Trotzdem performt die Band, wenn auch mit schlechtem Sound, straight weiter. Es folgen Songs wie „Die letzte Gang der Stadt“ und „XOXO“. Erst mit „Blut sehen (Die vergessenen Pt.2)“ bringt Casper fast die komplette Arena zum ausrasten. Zugegben, Casper provoziert gerne und grenzt sich absichtlich vom Rest der Bands ab, aber in einem Punkt ist er bis jetzt der Vorreiter: Kommunikation mit dem Publikum. Auch wenn er weiterhin behautet es ganz schrecklich zu finden hier zu sein, hat kein Künstler des Tages bis jetzt so viel mit dem Publikum geredet.
Mit „So perfekt“ beendet Casper seine Show. Was einem komisch erscheint, schließlich hat er seinen neuen Song „Ascheregen“ nicht gespielt. Das dazugehörige Album „Hinterland“ wird in wenigen Monaten veröffentlicht und nicht nur von Hip Hop Fans sehnlichst erwartet.
Tenacious D
In guter alter Tenacious D Manier kommen Kyle Gass und Jack Black und ihre Band als Kuttengestalten auf die Bühne. Bekannt nicht nur wegen ihrer Musik, sondern auch wegen ihrer Filme und Serien, sind die beiden als Allround-Paket am besten als Entertainer zu beschreiben. Bei ihnen kommt es eben nicht nur auf die Stimmen an, sondern auch auf Bühnenshow, Anekdoten und besonders bescheuerte Texte. Bestes Bespiel, ihr Bühnenbild: Ein wütender Vogel, der ohne seine Flügel eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Penis besitzt.
Ihre Mühen lohnen sich. Selbst die mittlerweile mehr gewordenen Leute auf den Rängen stehen auf, um einen Blick auf sie zu werfen. Den dritten Song des Abends, „Roadie“, widmen sie passend ihrem Roadie und allen anderen Roadies der Welt. Es ist erstaunlich wie zwei Männer eine Arena so beeindrucken können. Bei diesem Duo vermisst man als Zuschauer Leinwände, die Close Ups übertragen. Sie leben von ihrer Bühnenshow und da ist es ab den ersten Wellenbrechern schwer, etwas zu erkennen. Dabei passiert so viel auf der Bühne. Zu „The Metal“ kämpft ein Metal-Roboter-Ritter-Riese gegen ein Alien und gewinnt. Tenacious D gelingt das, was Casper vorher mehrere Male versucht hat. Zu „Tribute“ singt die Arena unaufgefordert mit. Nach über einer Stunde kommen die Jungs zum Ende ihrer Show. Konfettiregen und der Song „Fuck Her Gently“ beenden das beeindruckende Set von Tenacious D. Ein Duo, das nach 20 Jahren auf der Bühne immer noch kindlich geblieben ist und genau deshalb Massen von Menschen unterhalten und begeistern kann.
Volbeat
Keine Band des Tages ist auf so vielen T-shirts vertreten wie Band Nummer fünf: Volbeat. Zu einem epischen Intro kommen die Musiker einzelnd auf die Bühne. Der Gesang ist so sauber und gerade, dass es fast wie vom Band klingt. Wo es bei Acts wie Casper oder Deftones noch etwas dünn um die Soundqualität stand, hört man hier alle Instrumente einzelnd heraus. Ein starker Auftritt, seit Beginn des ersten Songs „Hallelujah Goat“. Wer schon vorher einmal in den Genuss eines Auftritts von Volbeat kommen durfte, ist es aber auch nicht anders gewohnt.
Vor ihrem Song „Heaven nor Hell” begrüßen die Jungs die Menge und zeigen wie sehr sie sich freuen wieder in Deutschland zu sein. Dass sich die deutschen Fans genau so freuen sie zu sehen, zeigen sie durch lautes Mitsingen von „Sad Man’s Tongue“. Wie sehr die Menge Sänger Michael Schøn Poulsen folgt, wird erneut bewiesen, als er „We Will Rock You“ ansetzt und die Arena mitmacht. Die ersten Crowdsurfer werden über die Köpfe getragen und kleine Circle Pits zum pogen öffnen sich. Man hat das Gefühl, dass die Menge sich ihre Kraft für diese Band gespaart hätte. Dass sie musikalisch ganz vorne mitspielen beweisen sie bei kurzen Covern von Rammsteins „Keine Lust“, Judas Priests „Breaking the Law“ und Slayer’s „Raining Blood“. Aber sie sind nicht zum covern hier.
Zum ersten mal des Tages wirkt die Lichtshow, die ihren Song „Still Counting” perfekt unterstreicht. Im Hintergrund fällt der große Volbeat Banner zu Boden und lässt es wie ein großes Finale aussehen. Zur Freude der Fans ist das aber nicht ihr letzter Song. Sonst könnte das Publikum auch nicht zu „Pool of Booze, Booze, Booza“ mitbrüllen, welches definitiv eines der Highlights ihrer Show ist.
System Of A Down
Der Headliner des heutigen Abends ist eine Band, die man lange vermisst hat. Nachdem sie eine fünfjährige Pause eingelegt haben, waren sie 2011 das erste mal wieder auf deutschen Festivals unterwegs. Mit Rock im Pott 2013 scheint sich für viele ein Traum zu erfüllen. Die Menge ist groß und die Stimmung erwartungsvoll.
Zu einem Intro von „Aerials“ kommen die Headliner auf die Bühne. Die Stimme von Sänger Serj Tankian fällt besonders auf. Sein melodischer Gesang ist stark und der Sprechgesang wie gewohnt einmalig quietschig. Die Menge jubelt bei Lied drei ihres Sets „Prison Song „. Zu „I-E-A-I-A-I-O„ fängt sie an laut mit zu singen. Das weiße Banner hinter der Band wird in rot und blau bestrahlt, sodass es abwechselnd so aussieht, als stände die Bühne unter Wasser oder in Flammen. Bereits jetzt kann man unterstreichen, dass der richtige Headliner ausgesucht wurde. Denn es kommt einem vor, wie ein System of a Down Best-of Konzert. Lieder wie „B.Y.O.B. „, „Deer Dance „, „Radio/Video”, „Hypnotize “ und „Needles“ sind nur ein paar Beispiele dafür. Wortkarg aber musikalisch stark. Das beweisen sie auch mit „Lost in Hollywood“, während die Menge sie mit einem Meer aus ausgestreckten Händen belohnt. Auch wenn auf den Eintrittskarten ein unmissverständliches Verbot für Videoaufnahmen steht, sehen die Kameras aus wie Glühwürmchen Schwärme, während Sänger Serje zur Gitarre greift, um „Question!“ zu performen. Mit „Sugar“ kommen die Kalifornier mit knapp zwei Stunden Spielzeit zum Ende ihrer Show. Sie beweisen mit ihrem Auftritt, dass vier Personen eine ganze Bühne ausfüllen können. Und das, ohne viel Worte, nur mit ihrer Musik. Nach über neun Stunden Rock im Pott gehen zwar nicht so viele Fans wie letztes Jahr, dafür aber glückliche Fans nach Hause.
Der Sonntag bei Rock n‘ Heim – Volle Power bei leichtem Regen!
Der Blick aus dem Fenster unseres Hotels am frühen Sonntagmorgen verheißt nichts Gutes. Es schüttet wie aus Eimern! Gott sei dank waren wir auf das Schlimmste gefasst und haben dementsprechend wetterfeste Kleidung eingepackt. Regenjacke übergezogen und ab zum Gelände. Trotz der Tatsache dass es schon Sonntag war und das Wetter mehr als bescheiden und zugegebenermaßen ganz schön kühl war litten die Stimmung und die Besucher gar nicht darunter. Nach wie vor gab es viel nackte Haut und Sommeroutfits zu sehen.
Kaum betraten gegen späten Nachmittag Kraftklub die „Evolution Stage“, machten die Regenwolken eine Pause und ein Regenbogen zog sich gen Himmel lang. Das schien schon so kitschig, dass Sänger Felix direkt darauf hinwies und er die Erläuterung brachte, dass dieses Wetterphänomen nur auftrat, weil sie die Bühne rockten. Kraftklub ließen auf der Stage nichts anbrennen und hatten auch in Sachen Bühnendeko mächtig aufgefahren in Form von meterhohen aufblasbaren Händen und einer Begrüßung mit schwarzen und roten Nebenschwaden. Das brachte die Menge zum Toben und während die Sonne wieder herauskam und die Sonnenbrillen ausgepackt wurden heizten die Chemnitzer über 1 Stunde lang ihren Fans ein.
Während vor der „Revolution Stage“ bei Materia und Chase & Status wild getanzt und gefeiert wurde begannen die Aufbauten für das absolute Highlight vieler Fans – Der Auftritt von Nine Inch Nails. Trent Reznor, einer der wichtigsten Musiker und Mitbegründer der Industrial/Experimental und Dark Rock-Szene war in Höchstform und so ähnelte der Auftritt mit seiner 6-köpfigen Live-Band einer ganz eigenen Lichtshow. Der Sound war perfekt auf die Lichttechnik abgestimmt, einige Fans tanzten sich wie in Trance. Während der Show wechselte die Bühnendeko stetig, es wirkte dynamisch und voller Bewebung und gut durchdacht. Nach jedem Song wechselten die Bandmitglieder ihre Instrumente sodass der Auftritt einer der abwechslungsreichsten des gesamten Festivals war.
Gegen Mitternacht hatte Seeed die Ehre, das erste Rock n‘ Heim-Festival mit viel Bass und guter Stimmung zu beenden. Alle Zuschauer strömten zur „Revolution Stage“, die Security-Mannschaften waren wieder damit beschäftigt, die Fans zu beruhigen, die voller Vorfreude tanzend zur Bühne sprangen. Die Bässe waren mal wieder so stark, dass man sie durch den ganzen Körper spürte, selbst von weiter hinten. Die 11-köpfige Berliner Raggae und Dancehall-Band lieferten über 1 Stunde einen perfekten Mix aus bekannten Songs aus den Charts und interessanten Remix-Covern und rundeten die Vielfalt und Stärke dieses neuen Festivals perfekt ab.
Fazit: Das Konzept von Marek Lieberberg geht voll und ganz auf. An Professionalität und Vielfältigkeit hat es an nichts gefehlt und so kann das Rock n‘ Heim-Festival ohne Einschränkungen sich in die Reihen der „ganz Großen“ einreihen. Kurz nach Ende wurde auf der Webseite bekannt gegeben, dass es 2014 in die 2. Runde des Frischling-Festivals gehen soll. Wir werden auf jeden Fall wieder dabei sein!
Der Samstag bei Rock’n‘ Heim – Der Hype geht weiter!
Wie wir hinterher festzustellen haben, ist der Samstag der anstrengendste und längste Tag des Festivals. Wir sind bereits gegen Mittag auf dem Konzertgelände und die Sonne knallt bei knapp 30 Grad auf unseren Kopf. Dank der vielen Giveaways und Werbegeschenke, die auf dem Gelände verteilt werden können wir uns eine Cap und eine Sonnenbrille abgreifen. Vor allem sind wir dankbar über das Mediencenter für die Presse und die Fotografen. Nicht nur dass wir dort mit gekühlten Getränken versorgt wurden, wir hatten dort auch die Möglichkeit, unsere wunden Füße auszuruhen.
Die erste Band, die wir aktiv verfolgt und die ich auch fotografieren durfte waren die legendären Deftones. Ganz in alter Manier heizten die 5 alten „Metal-Hasen“ aus Kalifornien dem Publikum ab dem ersten Ton richtig ein und dem Publikum sah man die knapp 40 Grad in der Sonne gar nicht mehr an. Sänger Chino scheute sich nicht um mit einem deftigen und überraschenden Stagedive ein Bad in der Menge zu nehmen. Die Deftones rockten gut 1 Stunde die Menge und so gab es selbst nach diesem Auftritt keine Hitzeerscheinungen, denn die legendäre Band des Hollywoodschauspielers Jack Black „Tenacious D“ stand hinter der Bühne schon bereit. Die Zuschauermenge vor dem ersten Wellenbrecher füllte sich so schnell mit Fans, sodass zum ersten Mal die Security-Mannschaften mit Absperrbändern aushelfen mussten um das Publikum in Zaum zu halten.
Anhand des Auftrittes konnte man merken, dass Hollywood wiedermal im Spiel war. Personen mit riesigen Tentakel-Kostümen mit wedelnden Tentakelarmen und im Ganzkörper-Metall-Anzug machten das Konzert zu einer eigenen Geschichte und es hat einfach Spaß gemacht zuzuschauen, selbst für die Zuschauer, die nicht so gut mit den Songs der Band vertraut waren. Neben vielen neuen und alten Klassikern gab es auch zwischendurch viel Comedy und witzige Dialoge zwischen Jack Black und seinem Partner Kyle Gass. Nach über 1 Stunde und 2 Zugaben verließen sie dann auch wieder die Bühne für, mit Vorfreude vieler Fans, System of a Down.
Um kurz nach 22 Uhr ertönten die ersten Töne von „Aerials“, Serj’s atemberaubende Stimme tönte durch die Menge und es begann eine düstere und sehr intensive Lichtshow über 1,5 Stunden. Während auf der „Evolution Stage“ Boys Noize feierwütige Fans zum Tanzen brachte, stand auch schon Casper hinter der Bühne bereit. Gegen Mitternacht ertönten dann markerschütternde Basstöne auf der „Evolution Stage“ durch die raunende Menge und Casper sprang wie ein Flummi auf der Bühne herum. Der Sound war grandios und sehr deutlich und klar. Für die Zuschauer, die nicht die Texte mitsingen konnten wie die eingefleischten Fans im Pit gab es durch die Tontechnik aber die tolle Möglichkeit, den tiefgründigen Texten des Berliner zu lauschen und einfach nur zuzuhören. Nach gut 1 Stunde einschlägiger Melodien und starker Bässe fielen wir dann auch neben vieler anderer Festivalbesucher müde und erschlagen ins Bett.
Fazit: Geniales Wetter, die Ansprüche an das Rock n‘ Heim sind weiterhin auf hohem Niveau, wir sind auf den Sonntag gespannt!
Der Freitag bei Rock’n’Heim – Lasst die Spiele beginnen!
Am Freitag, dem 16. August 2013 war es endlich soweit. Wir packten morgens unsere Sachen ins Auto, knapp 300km vom neuen vielversprechenden Festival am Hockenheimring entfernt und machten uns voller Vorfreude auf den Weg. Die Hinfahrt war leider alles andere als unkompliziert und so brauchten wir dank vielen Baustellen und Ferienstaus viel länger als wir geplant haben.
Mit dem ganzen Einchecken und Organisieren der Foto- und Pressepässe sind wir dann endlich auf dem Gelände angekommen. Das Konzept des Rock n‘ Heim war sehr simpel und klar. Es gab 2 Bühnen, auf der „Evolution Stage“ wurde gerockt, auf der „Revolution Stage“ hauptsächlich getanzt und gerappt. Beide Bühnen waren in unmittelbarer Nähe zueinander, ohne dass sich die Sounds gegenseitig störten. Dazwischen gab es die obligatorische Fressmeile mit dem typischen Festivalessen, außerdem viele kleinere Buden mit Merchandise, Sonnenbrillen, Accessoires, Piercings, etc. Neben den typischen Ständen gab es aber auch einige Überraschungen. So zum Beispiel der Stand von Pall Mall, in der es eine Chill-Out-Lounge und eine „Holi-Area“, in Anlehnung an die bunten Holi-Festivals deutschlandweit und eine spektakuläre Motocross-Show, bei der waghalsige Stunts auf Motocrossrädern dem Publikum die Pausen zwischen den Künstlern versüßten.
Was uns sehr positiv auffiel war dass man auch von weiter hinten eine gute Sicht auf die beiden Bühnen hatte, ohne dass der Sound darunter litt. Die Stunden des ersten Tages vergingen wie im Fluge und so standen schon die Ärzte auf der „Evolution Stage“ parat, um dem Publikum einzuheizen. Trotz der Fülle an Zuschauern konnte man sich noch gut bewegen und kam sogar noch nach den ersten Songs vor den ersten Wellenbrecher um mitzufeiern. Ärzte-typisch lieferten die 3 Berliner wieder eine sehr gute Mischung von neuen Songs und alten Klassikern. Der Sound war sehr gut, die Späßchen von Farin zwischendurch konnte man gut verstehen. Wer die Ärzte schonmal live erlebt hat weiß aus Erfahrung, dass die 3 so oft sie können, das Publikum mit einbeziehen und so durfte die gute alte „Sitz-Laola“ bei „Unrockbar“ auch nicht fehlen. Zu guter Letzt wechselten Farin und Rod ihre Instrumente und spielten am Ende auf futuristischen Gitarren, aus deren Gitarrenhälsen am Ende Sprühfunken flogen.
Unmittelbar nach den Ärzten, ebenfalls auf der gleichen Stage und nach einer kurzen Umbaupause standen auch schon Volbeat in den Startlöchern und hauten 1,5 Stunden kräftig in die Saiten und Drums. Der Sound war auch hier sehr klar und so klang die unverwechselbare Stimme des Frontmanns Michael Poulsen fast so wie auf den Platten der Dänen. Nachdem auf der „Revolution Stage“ Robert DeLong die Massen zum Tanzen gebracht und Franz Ferdinand schon in auf der Bühne standen, wurde auf der anderen Stage der Film „Planet der Affen Prevolution“ gezeigt.
Fazit: Nach dem großartigen Wetter und dem tollen Auftakt des ersten Headliners „Die Ärzte“ war die Stimmung perfekt und so konnte ein erster erfolgreicher Tag enden und der zweite starten.
Rock im Pott Fotos 2013 aus der Veltins Arena in Gelsenkirchen
Als Gitarrist der Foo Fighters dürfte Chris Shiflett jedem Rockfan ein Begriff sein. Dass der 42-Jährige nebenbei noch eine heimliche Vorliebe für Country, Rockabilly und Americana hat, weiß man spätestens seit dem gleichnamigen Debütalbum seines Sideprojects Chris Shiflett & The Dead Peasants von 2010. Anfang August erschien deren zweites Album „All Hat And No Cattle“ (hier findet ihr unser Review), auf dem Chris Shiflett nicht nur Gitarre spielt, sondern auch singt.
Musicheadquarter-Chefredakteur Thomas Kröll verabredete sich mit Chris Shiflett zu einem Skype-Interview zu frühmorgendlicher Stunde in Los Angeles. Dabei unterhielten sie sich natürlich über The Dead Peasants und das neue Album, aber auch über Kassetten und alte Platten, Frühstücksgewohnheiten und fehlende Tipps von Dave Grohl (English Version available here).
Hallo Chris. Danke für deine Zeit. Wo bist du im Moment?
Chris Shiflett: Zuhause in Los Angeles. Ich bin erst vor kurzem aufgestanden.
Oh ja, ich glaube es ist verdammt früh in Los Angeles. 8.30 Uhr, richtig?
Chris Shiflett: Ja, aber wir haben drei kleine Jungs. Deshalb stehen wir sowieso immer um diese Zeit auf.
Du hast also schon gefrühstückt.
Chris Shiflett: Ja, ein wenig. Einen Kaffee und Frühstück. Warte mal, hier kannst du mein Frühstück noch sehen (hält eine leere Müslischale hoch).
Sieht gut aus. Lass uns über The Dead Peasants sprechen. Das ist dein zweites Nebenprojekt nach Jackson United. Wer sind die Mitglieder der Band und wie seid ihr zusammen gekommen?
Chris Shiflett: Wir haben schon 2010 ein Album als The Dead Peasants veröffentlicht. Zu dieser Zeit hatte ich keine eigene Band. Als das Album erschienen war, hatte ich große Lust darauf die Songs live zu spielen. Also rief ich ein paar alte Freunde an. Wir trafen uns und spielten ein paar Konzerte. Zur selben Zeit fing ich aber auch wieder an mit den Foo Fighters zu arbeiten. Die nächsten Jahre war ich damit sehr beschäftigt und hatte keine Zeit, um mich um The Dead Peasants zu kümmern. Danach habe ich dieselben Jungs wieder angerufen, um ein bisschen Honky Tonk-Zeug zu machen. Einige von ihnen sind wirklich richtig alte Freunde, andere hatte ich erst vor kurzem kennengelernt. Irgendwann fingen wir dann mit der Arbeit an einem neuen Album an, als uns plötzlich unser Schlagzeuger verließ. Ich rief meinen alten Kumpel Mitch (Marine, Anmerkung der Redaktion) an, der ein großartiger Schlagzeuger ist. Ich fragte ihn, ob er jemanden kennt, der einspringen könnte und er sagte: Ich mache es selbst. Ich hatte das überhaupt nicht erwartet, weil er immer sehr beschäftigt ist. Deshalb übernimmt auf den Konzerten auch Milo Tedesco seinen Part. Mein Kumpel Marty Rifkin spielt auf dem Album die Pedal Steel. Die Band ist also eine Mischung aus alten und neuen Freunden, zusammen mit meinen besten Freunden Luke (Tierney an der Gitarre, Anm.d.Red.) und Jeff (Gross am Bass, Anm.d.Red.). Wir hatten also ein paar richtige Countryjungs dabei, die uns beibrachten wie es geht.
In Deutschland erscheint „All Hat And No Cattle“ am 2. August, also kommenden Freitag. Steckt hinter dem Titel irgendeine tiefere Bedeutung?
Chris Shiflett: Ich habe diesen Satz mal irgendwo gehört und er hat mir gefallen. Er klingt irgendwie nach einem Haufen Scheiße (lacht). Alles Hüte aber keine Rinder. Das ist was für Poser. Unser Album enthält fast nur Coversongs, also sind wir auch eine Art Poser. Deshalb ergab der Satz als Albumtitel Sinn. Er ist ironisch gemeint.
Ich konnte mir das Album schon anhören. Normalerweise ist dieses Americana-Zeug nicht unbedingt die Art von Musik, die ich mag. Aber diese zehn Songs machen richtig viel Spaß. Welche Kriterien hast du bei der Auswahl der Coversongs angelegt? Ausgenommen natürlich „A Woman Like You“, das du selbst geschrieben hast.
Chris Shiflett: Eigentlich hatte ich die Idee mit The Dead Peasants für eine Weile als Honky Tonk-Coverband weiterzumachen. Ich bin mit Country-Musik aufgewachsen und ich liebe sie seit langem. Ich dachte es würde Spaß machen die alten Stücke von 1950 oder 1960 zu spielen. Also haben wir dreißig oder vierzig Songs gelernt und damit ein paar Konzerte gegeben. Als wir dann die für das Album auswählen mussten, war das Kriterium einfach, welche Songs uns live am meisten Spaß bereitet hatten. Ich begann „A Woman Like You“ zu schreiben und spürte, dass er vom Gefühl her perfekt zu den übrigen Coversongs passen würde. Ich wollte zumindest einen Song auf dem Album haben, den ich selbst geschrieben hatte.
Wie du schon sagtest sind neun der Songs auf „All Hat And No Cattle“ Coversongs. Auf eurem ersten Album von 2010 gab es nur einen Coversong von insgesamt neun. Also quasi genau anders herum. Was können wir als nächstes erwarten?
Chris Shiflett: Das nächste Album wird definitiv nur eigene Songs enthalten. Ich habe schon einige Ideen im Kopf, aber ich habe keine Ahnung wann wir dafür Zeit finden. Im Moment arbeiten wir an einem neuen Foo Fighters-Album und damit werde ich erstmal eine Zeitlang beschäftigt sein. Ich hoffe aber, dass es nicht wieder drei Jahre bis zum nächsten Dead Peasants-Album dauert. Vielleicht diesmal nur ein Jahr. Ich will es am Laufen halten. Mal abwarten.
Ich habe gelesen, dass ihr „All Hat And No Cattle“ komplett live zusammen in einem Raum eingespielt habt. Diese Aufnahmeweise ist selten geworden. Die meisten Bands benutzen heutzutage Overdubs und all dieses Zeugs. Magst du die Art aufzunehmen so wie ihr es getan habt besonders?
Chris Shiflett: Ich mochte sie definitiv bei diesem Album. Weißt du, die ursprüngliche Idee war ja sogar ein Live-Album in irgendeinem Club aufzunehmen. Das erwies sich aber als zu schwierig.
Weil?
Chris Shiflett: Einfach von der technischen Seite her. Du musst dafür eine Menge Kram aufbauen. Und du hast nur einen Versuch um es gut hinzukriegen. Wenn es nicht klappt bist du im Arsch (lacht). Außerdem haben wir kein Budget und es wäre einfach zu teuer geworden. Aber ich habe ja noch das Foo Fighters-Studio (Studio 606 in Los Angeles, Anm.d.Red.). Wenn wir da nicht gerade mit den Foo Fighters arbeiten, benutzen wir das Studio auch für unsere anderen Bands. Und in diesem Studio gibt es einen schönen riesengroßen Raum. Also entschied ich mich das Live-Album dort zu machen. Ich habe noch nie ein Album auf diese Weise aufgenommen. Natürlich habe ich so schon Demos aufgenommen, aber es herrscht eine andere Energie. Wir versuchten es nicht zu übertreiben, sondern es locker anzugehen. Nicht nach dem Motto: Habe ich das perfekt gespielt? Es ging mehr um das Feeling insgesamt. Das war sehr cool. Wir haben mit diesen Songs vorher ein paar Live-Shows gespielt. Normalerweise gehst du ins Studio, lernst die Songs, nimmst sie auf, aber du spielst sie vorher nicht live, um zu sehen was sie bedeuten. Songs verändern sich, wenn man sie live spielt. Es war gut, dass wir sie live gespielt haben bevor wir sie aufnahmen. Ich würde es gerne nochmal auf unsere Art machen.
Ist diese Art aufzunehmen nicht auch ein Zeichen von großem Vertrauen innerhalb einer Band?
Chris Shiflett: Du musst natürlich auch gut vorbereitet sein. Du musst dich sicher fühlen. Wir hätten das nicht zwei Wochen nachdem wir die Songs gelernt hatten machen können. Wir haben das Album sechs oder acht Monate später aufgenommen und nachdem wir die Songs bereits einige Male live gespielt hatten. Übrigens hatten wir das Album schon vor etwa einem Jahr im Sommer komplett mit unserem alten Schlagzeuger eingespielt. Als wir fertig waren habe ich mit ihm telefoniert und er hat mir mitgeteilt, dass er die Band verlässt. Und ich dachte: Scheiße, jetzt habe ich hier ein fertiges Album mit diesem Typen drauf (lacht). Wie gesagt rief ich daraufhin Mitch an und er spielte ein Konzert mit uns. Ich sagte mir: Verdammt, das ist so viel besser als mit dem alten Schlagzeuger. Das ist die Platte, die wir machen sollten. Also haben wir das Album nochmal neu mit Mitch aufgenommen und er spielte eine wichtige Rolle in Sachen Produktion und Dynamik. Er ist ein enorm erfahrener Country-Veteran. Wir waren nur ein Haufen Jungs, die mit Rock’n’Roll aufgewachsen waren und versuchten ihre Version von Country zu spielen. Er war es, der den wahren Kern des Originals verteidigt hat. Und wir durften dabei sein und unseren Senf dazugeben (beugt sich vor und macht ein Geräusch, das sich wie Kotzen anhört). Er hat uns wirklich enorm weitergebracht.
Hört sich gut an. Du warst mit The Dead Peasants auf Tour und in diesem Sommer stehen erneut einige Konzerte an, richtig?
Chris Shiflett: Ja, wir spielen diese Woche einige Promo-Gigs und nächste Woche ein paar Konzerte an der Westküste.
Gibt es eine Chance euch irgendwann auch mal in Europa live zu sehen?
Chris Shiflett: Ja, auf jeden Fall. Wir haben einen Booking Agenten, der in Europa ein paar Locations für uns finden soll. Ich würde gerne einige der Sommerfestivals spielen. Aber es ist nicht einfach, denn niemand weiß wer wir sind. Wir bedeuten nichts. Deshalb zögern auch die Veranstalter. Und so eine Tour ist ja auch nicht ganz billig. Wenn ich ein neues Konzert auf unserer Facebook-Seite ankündige heißt es sofort: Wann kommt ihr nach Brasilien? Wann kommt ihr nach Australien? An mir soll es nicht liegen, ich gehe nach Europa und auch sonst überall hin. Aber das ist mein Wunsch und auf der anderen Seite steht die Realität, wie die Industrie arbeitet. Hoffentlich kommen wir an den Punkt, an dem wir auch Konzerte in Europa machen können. Vielleicht als Support für jemand anderen. Das wäre ideal. Ich bin sicher, dass es klappt, aber du musst noch ein wenig Geduld haben.
Ich kann warten. Dein Gesang auf dem Album erinnert mich übrigens ein wenig an Johnny Cash.
Chris Shiflett: Oh, vielen Dank (grinst).
Warum hast du dich dafür entschieden zu singen? Oder wollte niemand anders aus der Band den Job haben?
Chris Shiflett (lacht): Ich fühle mich in dieser Musik einfach sehr wohl und ganz besonders mit dem Gesang. Obwohl, wenn ich mir die Platte jetzt anhöre, dann würde ich den Gesang gerne nochmal machen, weil ich glaube, dass ich heute besser singe. Es war ein Lernprozeß, weil diese Musik ganz anders ist als Rockmusik. Ich bin kein begnadeter Sänger und in der Countrymusik hängt sehr viel vom Gesang ab. Also musste ich härter daran arbeiten als in der Vergangenheit. Bei Jackson United war das eher Shouting. Es hat Spaß gemacht, aber es ist definitiv anders.
Hat Dave (Grohl, Anm.d.Red.) dir keine Tipps in Sachen Gesang gegeben?
Chris Shiflett: Nein, er gab mir keinen einzigen Tipp (lacht). Er hat bloß gesagt: Schreib einfach eine Handvoll Songs und es wird großartig.
Wenn man so wie du professioneller Musiker ist, dessen Tage vermutlich voll sind mit dem Schreiben von Songs, dem Aufnehmen von Songs, um diese dann auf Tour live zu spielen, hört man da privat überhaupt noch Musik?
Chris Shiflett: Das ist eine lustige Frage, weil ich zuhause tatsächlich kaum Musik höre. Ich habe gar keine Stereoanlage. Ich höre Musik auf meinem iPhone oder im Auto. Die meiste Musik höre ich beim Joggen und im Auto. In Los Angeles verbringst du verdammt viel Zeit im Auto. Vor ein paar Monaten habe ich meinen Kindern ein kleines Turntable gekauft, meine alten Platten wieder rausgekramt und noch ein paar bei ebay gekauft. Als ich ein Kind war, da haben wir Musik noch aktiv gehört. Verstehst du? Wir haben eine Platte aufgelegt und es uns auf dem Bett gemütlich gemacht. Ungefähr so (pfeift und lehnt sich zurück). Wir haben der Musik zugehört. Heute läuft Musik im Hintergrund während du irgend etwas anderes machst. Manchmal wünsche ich mir, dass ich mehr Zeit hätte um Musik wirklich zu hören.
Ich erinnere mich auch noch an die Zeiten, als es noch keine CDs oder iPods gab. Man saß stundenlang vor dem Radio und hat versucht seine Lieblingssongs auf Kassette aufzunehmen. Und wehe der Sprecher quatschte in das Ende des Songs. Dann war alles umsonst.
Chris Shiflett: Ja, da wirst du verrückt. Platten als Kunstform sind praktisch tot. Heutzutage legt kein Mensch mehr eine Platte auf und hört sie sich vom ersten Song bis zum Ende an. Ich tue das nicht, meine Kinder nicht und auch sonst niemand. Ich hatte als Kind einen Walkman für Kassetten. So etwas ähnliches wie ein iPod nur achtmal so groß (lacht). Ich hatte immer Angst um meine Batterien. Deshalb habe ich nie vor- oder zurückgespult. Niemals. Ich habe die Kassette immer von Anfang bis Ende gehört, umgedreht und dann wieder von Anfang bis Ende gehört. Es war die einzige Möglichkeit um die Batterien zu schonen. Es ist erschreckend, dass den Leuten eine solche Erfahrung heute fehlt.
Letzte Frage: Wenn du den Rest deines Lebens auf einer einsamen Insel verbringen müsstest…
(lacht)
Du kennst die Frage schon?
Chris Shiflett: Ja.
Okay, also du musst den Rest deiner Tage auf einer einsamen Insel verbringen. Welche fünf Platten würdest du mitnehmen?
Chris Shiflett: Da muss ich schummeln. Erstmal den kompletten Backkatalog der Beatles. Ich liebe „Beatles For Sale“. Ich würde „London Calling“ von The Clash mitnehmen. Dann noch… (überlegt) „Destroyer“ von Kiss. Und „24 Hour Revenge Therapy“ von Jawbreaker. Und zuletzt „Suffer“ von Bad Religion. Oh, da ist gar kein Countryalbum dabei. Ich würde das Boxset von Buck Owens in meiner Tasche verstecken (lacht). Das ist echt schwierig. Aber wahrscheinlich würdest du auf der Insel selbst eine beschissene Tonne voll Songs schreiben, weil dir so verdammt langweilig wäre.
Trotzdem eine sehr gute Wahl. Okay, das war’s.
Chris Shiflett: Wunderbar. Das war einfach. Und wir hatten keine Probleme mit der Skype-Verbindung (dreht sich um, winkt zur Terrassentür hinaus und ruft: Macht’s gut Jungs, habt viel Spaß). Sie fahren heute in ein Sommercamp. Und keiner sagt mir auf Wiedersehen (lacht). Meine Kinder glauben sowieso, dass ich den seltsamsten Beruf der Welt habe. Heute haben sie mich gefragt, warum ich mich mit jemandem in meinem Computer unterhalte. Ich habe vor kurzem einen Podcast gestartet, in dem ich selbst Interviews führe. Diese Art von Interviews sind schwierig. Dabei habe ich auch ein Skype-Interview mit John Doe von „X“ gemacht. Er lebt im Norden und ist ein ganz ganz großer Held für mich. Mein verdammter Computer hat dabei dreimal die Verbindung unterbrochen und das ganze Interview ruiniert.
Da hatten wir mehr Glück. Ich danke dir vielmals für das Gespräch!
Musicheadquarter bedankt sich ebenso bei Thomas Dreux von SideOneDummy Records und Torsten Schlimbach von Dream Out Loud für ihre Unterstützung bei der Vermittlung dieses Interviews!
Chris Shiflett is absolutely well-known as guitarrist of the Foo Fighters. That the 42-year old has also a hidden preference to Country, Rockabilly and Americana should be notably since the debut album of Chris Shiflett & The Dead Peasants from 2010. On August, 2nd, 2013 their second album „All Hat And No Cattle“ (click here to read our review) was released, in which Chris Shiflett not only plays the guitar but also does all of the vocals.
Thomas Kröll, chief editor of Musicheadquarter, had a date with Chris Shiflett by Skype on a very early morning in Los Angeles. Of course they talked about The Dead Peasants and the new album but also about cassettes and old records, breakfast habits and missing hints by Dave Grohl (German Version available here).
Hi Chris. First of all thank you for your time. Where are you at the moment?
Chris Shiflett: I’m here at home in Los Angeles. I just woke up a little while ago.
Oh yes, I think it’s very early in Los Angeles. About 8:30am, right?
Chris Shiflett: Right, but we have three little boys so we are always up at this time.
So you had breakfast already.
Chris Shiflett: Yes, a little bit. A little coffee and a little breakfast. Wait, here you can see my breakfast (shows an empty bowl).
That looks good. Let’s talk about The Dead Peasants. This is your second project after Jackson United. Who are the members of the band and how did you come together?
Chris Shiflett: Well, you know I made a Dead Peasants record in 2010. At this time I didn’t have a band. When I got that record done and put it out I wanted to do some shows. So I called some old friends and we got together and did a little bit of touring for that record. Right about the time I put that record out I started working with Foo Fighters again. The next couple of years were busy and I wasn’t able to do that Dead Peasants stuff. When we started coming together to do that Honky Tonk thing I just called all the same guys. Some of them are my really good old friends and some of them were newer friends. We started to make this record and then our drummer decided to quit the band. I asked my buddy Mitch (Marine, edited by author) who is a great drummer if he knew anybody. And he actually said: Oh, I’ll do it. I didn’t expect that. He is a busy guy. He did the record with us, which is great. He hasn’t doing many of the live shows. For that we have Milo Tedesco who is playing with us now. That’s pretty much the band. My buddy Marty Rifkin plays Pedal Steel with us. The band is sort of a mixture of guys I grew up playing music with as my buddy Luke (Tierney on guitar, edited by author), my buddy Jeff (Gross on bass, edited by author) and then some newer friends. We have a couple of real country guys in it that teaches us how to do it.
The record will be released in germany on August 2nd, which is next friday. It’s called „All Hat And No Cattle”. Is there a message behind the title?
Chris Shiflett: I don’t remember where I heard that phrase. I just liked it. It means like your a kind of full of shit (laughs). All Hat and no Cattle. It’s like you’re a poser. I liked that phrase and I wrote it down to use that for something. When we decided to do this record it’s mostly coversongs. So it seems to make sense. It’s tongue-in-cheek, you know.
I had the opportunity to listen to the album yet. Normally this Americana influenced stuff is not my special sort of music but these ten songs really make a lot of fun. Which criteria did you establish before choosing these ten songs except „A Woman Like You” that you wrote yourself?
Chris Shiflett: I had the idea of becoming a honky tonk cover band for a while. I grew up playing country music and I’m a fan of country music for a long time. So I thought it would be fun for us playing that kind of country, I personally enjoy. Which is that 1950s, 1960s era. So we learned about thirty or forty songs. We started to do a lot of shows with it. And when it came time to record them, the criteria were basically what songs are the most fun to play live. We wind up writing that song „A Woman Like You” and I felt that it fits with the spirit of the other songs. I wanted at least one song on it that I wrote.
As you said nine of the songs are cover songs. On your first record with The Dead Peasants from 2010 there was only one cover song of nine in total. The other way around. What can we expect next?
Chris Shiflett: We are definitively doing a record of originals. I’m not sure when we’re gonna get to that. I’ve got a bunch of new songs but we just started working on the new Foo Fighters record. So I’m not sure when we get the next Dead Peasants record out. Hopefully it won’t be three years again. Maybe a year, I wanna keep it up and running. We’ll see.
I’ve read that you recorded „All Hat And No Cattle” live and all together in one room. This kind of working became very rare nowadays. A lot of bands use overdubs and stuff like that. Do you especially like this sort of recording and if so, why?
Chris Shiflett: I definitively liked it for that record. My initial thought was to record a live album in a club somewhere. But it seemed to be too difficult to do that.
Why is that?
Chris Shiflett: From the technical side of things, you gonna have a lot of set up and then you have only one shot to do it. If it wasn’t good you’re fucked (laughs). We of course don’t have any kind of budget and this kind of stuff is expensive. But I have the Foo Fighters studio (Studio 606 in Los Angeles, edited by author). When the Foo Fighters aren’t working, all of us go in and record with our other bands. We got this big beautiful room there. So I decided let’s basically make a live album here. I never made a record like that. I made some demo recordings and stuff like that. But it’s a different energy. We didn’t nitpick everything as much. We tended to keep it looser and not sitting there playing a solo track: Oh did I play that perfect? It was more about the overall vibe of it. That was great. I wanna do that again. It was pretty cool. We did a bunch of shows with these songs. Usually when you make a record you go into the studio, you learn the songs and you record them. But you never play them live first to see what they mean. Songs of all they change when you play them live. It was good that we got to do that before we recorded.
Isn’t that kind of working also a sign for a strong belief between you and the other band members?
Chris Shiflett: You have to be rehearsed. You have to be comfortable. We couldn’t have done it two weeks after learning the songs. We had to do it six or eight months after learning the songs and doing them live. And then actually having Mitch come in. We recorded a whole version of this record with our old drummer last summer. At the end of recording all the basic tracks, me and the drummer had a phoning out and he quit. And I thought: Fuck, I have this whole record with this guy on it (laughs). Then I called my friend Mitch and he wanted to play with us. And we did one show and I said: That is so much fucking better than it was with our other drummer. This is the record we got to make. And it was great because he played a huge role in the production and in the dynamic. He’s a really seasoned country veteran. He helped us a lot. Here’s a bunch of guys that grew up listening to Rock’n’Roll doing their sort of version of Country. At least he was the guy that keeps the truth to the original thing and we could all come in on top of it (makes a funny noise that sounds like a puke and laughs). He really helped us a lot.
Sounds good. You were on tour with the Dead Peasants and I think you will be on tour this summer again, right?
Chris Shiflett: Yes we do a bunch of shows in stores this week and then we have a run of dates down the west coast next week.
Is there any chance to see you in Europe one time?
Chris Shiflett: Yeah, definitively. I’m talking to our booking agent over there for months to find us some shows. I would like to get there for some summer festivals. But it’s a tough thing because nobody knows who we are. Promoters don’t necessarily wanna pay because we don’t mean anything. And then it becomes very expensive. Every time I put up a new date on our facebook page all the replies are like: When do you come to Brazil? When do you come to Australia? It’s not up to me. I go all over Europe. I go everywhere. But this is our desire to do that and then there is the reality how the industry works. Hopefully we come to the point where we can do some shows in Europe. Maybe someone gives us a support slot on a tour. That would really be ideal. It’ll happen for sure. We have to wait for some open arms.
I can wait. By the way, your vocals on the record remind me a little bit of Johnny Cash.
Chris Shiflett: Oh, thank you (grins).
Why did you decide to sing or did nobody else want to do this job?
Chris Shiflett (laughs): It’s funny. I feel so much more comfortable with this style of music and especially with the vocals. When I hear the record I wish I could re-do all the vocals now because now I feel I could sing them better. There’s been a learning curve there because it’s so different than Rock. And I’m not like a great singer. With Country it’s all about the vocal. So I had to work a lot harder than I did in the past when I made some stuff with Jackson United. This was a little more like shouting. It’s fun but it’s definitively different.
And did Dave (Grohl, edited by author) give you any advice for the vocals?
Chris Shiflett: No he didn’t gave me any advice (laughs). He just said: Write a couple of songs and it’ll be great.
If you are an artist like you, a musician, your days are probably full of writing songs, recording songs and then beeing on tour to play them live. Do you still listen to music at home?
Chris Shiflett: That’s a funny question because I actually don’t listen to music at home much. I don’t have a stereo at home. Cause I listen to music on my iPhone or I listen in the car. I’m listening to most of music when I’m jogging and when I’m in my car. And in L.A. you’re in your car a lot. But I bought a little turntable for my kids a few months ago. I went to hear my old records and bought a bunch of old records at ebay. That has been a lot of fun. When I was a kid, listening to music was like an activity in itself. Just put on a record and sit there like this (starts to whistle and leans backwards). Lay on my bed and just listen to music. That was the thing that I did. Now listening to music is something in the background while you’re doing something else. I wish I had more time to just casually listen to it.
I remember these times with no CDs or iPods very well. We sat in front of the radio with our cassette recorder for hours and tried to tape the songs from the radio. And sometimes the presenter started talking before the song was finished. That was horrible.
Chris Shiflett: It drives you crazy. Nowadays records as a kind of art form are kind of dead. Nobody puts a record on at song one and lets it play till the end. I don’t do it, my kids don’t do it, nobody does it. But when I was a kid I had a walkman and cassettes. It’s like an iPod just eight times bigger (laughs). I was always in worry about running out of my batteries. I would never fast forward or rewind it. Never. So I just listened to it from start to finish, flip the thing over and go start to finish. That was the only way cause I was so terrified I was gonna run out the batteries. It’s abandoned that people don’t experience that now.
Last question: If you would have to live on a lonely island for the rest of your days…
(laughs)
You already know this question?
Chris Shiflett: Yes.
Okay then, which five records would you take with you?
Chris Shiflett: There are some of them. I would take the whole Beatles catalogue. I probably take „Beatles For Sale“ which I love. I would take „London Calling“ by The Clash. I would take… (considers) „Destroyer“ by Kiss and „24 Hour Revenge Therapy“ by Jawbreaker. And I would take Bad Religion’s „Suffer“. Hey, but there isn’t any country. So I would sneak Buck Owens boxset in my bag (laughs). But maybe you just write a shit ton of songs because you’ll be so bored.
Very good choice. That’s it.
Chris Shiflett: Alright. That was easy. And we didn’t have any skype problems (turns around to the terrace door and calls: Bye guys. Have a funny camp). They go in a summer camp today. And nobody says goodbye to me (laughs). My kids think I have the weirdest job in the world. Today they asked me: Why are you talking to somebody on your computer? I started interviewing a bunch of people and I cut off the interviews for some different podcasts. The art of the interview is hard. But I also used skype to do an interview with John Doe from X. He’s a huge, huge hero of mine and he lives in the north. My fucking computer dropped the call for three times ruined the whole interview. It just killed the flow.
So we are real lucky men. Thank you very much!
Musicheadquarter also takes a call to Thomas Dreux from SideOneDummy Records and Torsten Schlimbach from Dream Out Loud, who made this interview possible.
Das traditionelle Open Air im Amphitheater Trier widmete sich in diesem Sommer vor allem italienischen Opern- und Gaumenfreuden. Dazwischen versteckte sich jedoch eine Band, deren Name zwar südländisch klingt, die allerdings aus dem hohen Norden stammt. Wie Sänger Björn Both zur allgemeinen Erheiterung bemerkte: „Wir kommen nicht vom Arsch der Welt, aber man kann ihn von da aus sehen.“
Santiano stammen aus Flensburg und legten gleich mit ihrem Debüt einen Sprung auf den Spitzenplatz der deutschen Charts hin. Das erste Album trug den Namen „Bis ans Ende der Welt“ und war der Überraschungserfolg einer deutschen Band im Jahr 2012. Bereits ein Jahr später folgte „Mit den Gezeiten“ und wieder war aus dem Stand Platz 1 drin. Die Mischung aus nordisch angelegten Schlagern mit Irish Folk und Shanty-Musik funktioniert hervorragend. Da hat Produzent Hartmut Krech den richtigen Riecher gehabt und mit den rauen Haudegen die perfekte Crew um sich geschart.
Die Band genießt selbst in Hardrock-Kreisen ein gutes Renommee und durfte schon eine Metal-Kreuzfahrt musikalisch unterstützen. Nächste Woche werden sie gar beim Wacken Open Air auftreten. Davon war allerdings in Trier wenig zu spüren. Vor der Bühne gab es zunächst mal viele Stuhlreihen, was für die rockige Musik des Quintetts Gift ist und erst spät echte Stimmung aufkommen ließ. Es scheint sich auch noch nicht bis an die Mosel herum gesprochen zu haben, welch generationenübergreifend gute Musik die Flensburger zu bieten haben. Zumindest bestand das Publikum eher aus älteren Semestern, die vielleicht der Schlagerszene zuzuordnen sind oder die sich hier zwischen Nabucco und italienischer Nacht irgendwie verirrt hatten. Auf jeden Fall schade, dass die Resonanz so spärlich war. Ein solches Konzert in Hamburg oder Rostock hätte die alte römische Arena vermutlich zum Bersten gebracht.
Sei’s drum – die nordischen Heroen machten das Beste draus und sorgten auf ihre Art für gute Stimmung. Nach kleinen Übungsphasen erschallte bald ein herzhaftes „Aye Aye“ aus allen Kehlen und auch das mit dem Radau zwischen den Songs klappte einigermaßen. Die Stücke wurden vor allem auf hochdeutsch mit einem traditionellen, folkigen Instrumentarium präsentiert. Den Anfang machte das Volkslied „Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren“ – der perfekte Beginn für Männer mit Bärten. Einige fremdsprachige Originale wie „Scarborough Fair“ und „500 Miles“ kamen mit eigenem deutschem Text, Klassiker wie „Whiskey In The Jar“ und „Irish Rover“ behielten ihre ursprünglichen Lyrics. Dazu kamen viele Eigenkompositionen, die Teile des Publikums textsicher mitsangen. Alle anderen durften üben: „Es gibt nur Wasser überall und wir haben nichts zu trinken / wir brauchen Rum“.
Der Gesang lebte von sonoren Klängen und dem rauen Flair, das die Sänger umgab. Auch konzeptionell funktionierten die Lieder um Fernweh, Freiheit und unendliche Weite perfekt. In seinen Ansagen begab sich Both immer wieder auf das Schiff Santiano und erzählte von den Reisen in fernen Gewässern. Ganz exotisch wurde es, als er mit einem Didgeridoo die Klänge des Schiffshorns imitierte und das Amphitheater vibrieren ließ. Mit den enthaltenen Pop- und Rock-Elementen wurden nicht nur Schlagerfreunde, sondern auch ein von lauteren Klängen begeistertes Publikum gut bedient. Insgesamt verbreiteten Santiano in ihrem zweistündigen Konzert eine sehr gute Stimmung und ermutigten sicher manchen Zuhörer, sich das musikalische Programm auf CD mit nach Hause zu nehmen.
Für das nächste Santiano-Konzert in Trier wünsche ich mir ein Publikum, das vor der Bühne wie ein Mann steht und die Band frenetisch abfeiert. Die Zuschauer, die es beschaulicher mögen, müssten dann weiter entfernt platziert werden. Im Amphitheater ist das leider logistisch nicht machbar. Santiano haben zumindest bewiesen, dass sie auch unter ungünstigen Voraussetzungen die Menschen begeistern können und brachten die nordfriesische Lebensart stilsicher nach Trier: „Wat mutt, dat mutt!“
Am 20. Juli 2013 hat das lange Warten ein Ende, das IX Amphi Festival öffnet die Tore des Kölner Tanzbrunnens für ca. 16.000 Besucher aus aller Welt! Den gelungenen Anfang bietet „FabrikC“, welcher sich für seine Live-Auftritte Verstärkung mit auf die Bühne nimmt, welche dann Keyboard und Effektpad bedienen. Trotz der frühen Spielzeit ist die Halle schon gut gefüllt. Zwischenzeitlich fangen auch die deutschen „A Life [Divided]“ auf der Mainstage an zu performen. Um 12:30 habe ich die Wahl, zur Vorlesung des Autors „Christian von Aster“ ins Theater zu gehen, oder „Xotox“ im Staatenhaus zu sehen. Ich entscheide mich für Letzteres, was ich nicht bereue, da die Stimmung des Konzertes und seines Publikums nicht zu wünschen übrig lässt. Nach dem Auftritt leert sich die Halle etwas, da viele noch die letzten Lieder von „Stahlmann“ auf der Mainstage sehen wollen. Ich hingegen behalte meinen Platz und warte auf „Frozen Plasma“ eines meiner persönlichen Highlights des ganzen Festivals. Die deutsche Future-Pop Band enttäuscht ihre Fans keineswegs indem sie ältere Stücke wie beispielsweise „Hypocrite“ spielen. Von ihrem neuen Album, welches im Herbst erscheinen wird, performen sie die Single „Herz“. Nach diesem mehr als gelungenen Auftritt, habe ich noch knapp 20 Minuten Zeit, mir die ebenfalls deutsche Future-Pop Band „Solitary Experiments“ anzuhören, welche ihre Vorstellung auf der Mainstage haben.
Die unerträgliche Hitze in der Sonne, treibt nicht nur mich wieder zurück ins Staatenhaus, wo gerade „Faderhead“ auf der Bühne steht. Auch hier gibt es speziell für Live-Auftritte Unterstützung an Keyboards und Back Vocals. Wie immer legt die Gruppe einen sehr guten Auftritt ab. Währenddessen wird auf der Mainstage schon „Wesselsky“ begrüßt. Der Eisbrecher Frontmann performt eine gesunde Mischung seiner Hits bei Megaherz und Eisbrecher. Auch solo ist der Mann ein Kracher! Während „Funker Vogt“ im Staatenhaus spielt, warte ich draußen auf „Tanzwut“, die Mittelalterrock-Band begeistert ihre Fans unter anderem mit dem Ärzte-Cover „Bitte Bitte“. Um noch ein paar Lieder der Niederländer „Grendel“ mitzubekommen, führt mich mein Weg wieder ins Staatenhaus, wo ich gerade rechtzeitig zum Tanzhit „Zombie Nation“ ankomme. Wieder draußen im Freien begeben wir uns erneut zur Mainstage, wo „Agonoize“ bereits auf der Bühne steht. Wie bei jeder ihrer Live-Shows wird auch diesmal nicht an Kunstblut gespart, welches auch großzügig im vorderen Drittel des Publikums verspritzt wird. Nach diesem Spektakel drängen sich die Massen jetzt zum Staatenhaus. Dort spielt die Synthie-Pop Band „De/Vision“.
Dem Auftritt von „Phillip Boa & The Voodooclub“ kann ich nur kurz beiwohnen, bevor ich erneut zur Halle gehe, welche während des Auftrittes von dem belgischen „Suicide Commando“ gut gefüllt ist und man zu Hits wie „Dein Herz Meine Gier“ tanzt. Direkt nach diesem Konzert geht es nach draußen zum Mainact „VNV Nation“. Der komplette Bereich vor der Mainstage ist voll von Fans und ich habe Schwierigkeiten mir überhaupt einen Platz zu ergattern, von dem aus man die Bühne sehen kann. Das Publikum steht bis in die Händlermeile um den Auftritt des englisch-irischen Future-Pop Duos mitzuerleben. Es ist wirklich, um Ronan Harris zu zitieren, ein „little Depeche Mode – Feeling“ auf dem Festival Gelände. Nach diesem grandiosen Abschluss auf der Mainstage, folgen noch „Atari Teenage Riot“ und „Alien Sex Fiend“ im Staatenhaus, die Meinungen über die beiden Konzerte gehen im Publikum stark auseinander, die hartgesottenen Fans der jeweiligen Band sind aber vollkommen zufrieden mit den Auftritten. Und damit geht ein ausgefüllter Samstag zu Ende.
Der Sonntag fängt mit dem Duo „Chrom“ an, welches für mich persönlich die Überraschung des Festivals ist, da ich die Band vorher nicht kannte, sie aber doch wirklich gut finde. Auch „[x] – Rx“ , die etwa die selbe Spielzeit haben, ziehen viele Fans an, sodass das Festival Gelände schon um die frühe Mittagszeit recht gut gefüllt ist. Hier dürfen die Hits „Tanz Schlampe“ und als Abschluss „Stage 2“ natürlich nicht fehlen.
„Ben Ivory“ und „Tyske Ludder“ teilen sich ebenfalls etwa die selbe Spielzeit, ich entscheide mich für letztere Band, die Electro-Gruppe um Claus Albers. Im Anschluss an „Tyske Ludder“ spielen im Staatenhaus „Santa Hates You“, eine meiner Lieblingsbands, die ich unbedingt sehen will. Da ich mir hier einen guten Platz sichere, verpasse ich leider die Schweizer „The Beauty Of Gemina“. Aber zurück in die Halle, die sich mittlerweile gut füllt bevor das Konzert des Seitenprojekts von Sänger Peter Spilles (Projekt Pitchfork) anfängt. Ich muss sagen, dass „Santa Hates You“ zu meinen persönlichen Highlights des Wochenendes gehört, die Performance ist ein voller Erfolg!
Danach geht es wieder zur Mainstage um den Klängen der norwegischen Future-Pop Band „Icon Of Coil“ zu lauschen. Als nächstes auf meinem Plan steht dann „Faun“, die wiederrum im Staatenhaus spielen. Die deutsche Pagan-Folk Gruppe ist jedesmal wieder sehenswert und gehört ebenfalls zu meinen persönlichen Favoriten des Wochenendes. Auf der Mainstage beginnt nun die Folk-Rock Band „Letzte Instanz“ mit ihrem Konzert, welches ich nicht ganz mitverfolge. Aufgrund des viel zu warmen Wetters, flüchten sich immer mehr Leute in das Staatenhaus, wo noch die Auftritte von „Umbra et Imago“, „Die Form“, „Anne Clark“ und „Peter Heppner“ als Abschluss des Festivals folgen.
Ich entscheide mich allerdings dazu an der Mainstage zu bleiben und noch die Konzerte von „Diary of Dreams“ und „Oomph!“ zu verfolgen. Erstere enttäuschen ihre Fans keineswegs und spielen unter anderem Lieblingslieder wie „The Wedding“. Auch die deutsche Rockband um Dero Goi liefern eine tolle Show ab. Leider scheitert mein Versuch zum „Welle: Erdball“ Auftritt ins Theater zu kommen am Sonntag erneut und ich kann sie auf dem diesjährigen Amphi Festival nicht sehen. Anschließend geht unsere Reise dann heimwärts und ich muss auch auf den Auftritt von „Fields of Nephilim“ verzichten. Aber alles in allem ist es wieder ein gelungenes Festival und ich freue mich schon jetzt auf das „X Amphi Festival“ am 26. & 27. Juli 2014!
Ein lauer Sommerabend. Die Sonne geht langsam unter und taucht den kleinen Beachclub an der Spree in ein warmes, rotes Licht. In der Mitte lodert ein kleines Lagerfeuer. Hocker und Kissen im Sand warten auf Besucher. Eine kleine Bühne ist aufgebaut und die Instrumente stehen für die Musiker bereit.

Noch läuft der Soundcheck auf der Bühne und der Regisseur gibt letzte Instruktionen an die Kameraleute, Tontechniker und Helfer. Ab 21:30 Uhr trudeln die ersten Gäste ein. Es sind vornehmlich glückliche Gewinner einer Verlosung.

David Lemaître ist in La Paz, Bolivien, aufgewachsen, begab sich mit Anfang 20 auf eine Reise durch Europa und ließ sich nach zahlreichen Stationen in Berlin nieder. Es sind besonders die Eindrücke dieser Reise zwischen zwei Welten, die das Debut-Album „Latitude“ prägen und auf dem er mit seinen Liedern viele kleine Geschichten erzählt.
Mit David Lemaître stehen Joda Foerster und Sebastian Schlecht auf der Bühne. Die Instrumente reichen von Gitarren und Violinen über Synthesizer bis hin zu selbst gebauten Rhythmus- und Klanginstrumenten aus allerlei Materialien. Die Setlist musste leider der Länge der späteren Sendung Tribut zollen und so werden in der Sendung nur die Stücke „Spirals“, „Megalomania“ und „Jacques Cousteau“ zu sehen sein.

Es herrscht große Betroffenheit und Ratlosigkeit bei Veranstaltern und Künstlern. Niemand will die Veranstaltung abbrechen. Es sind noch nicht alle Sequenzen im Kasten und man will auch die Zuschauer nicht enttäuschen. Alle Beteiligten einigen sich auf einen weiteren Durchlauf ohne jegliche Verstärker. Für Musiker und Techniker eine besondere Herausforderung, die mit bemerkenswerter Souveränität gemeistert wird. Die Anspannung der Crew ist jedoch nicht zu übersehen.
Es folgt ein komplettes Akustikset. Und was zunächst aus der Not entsprang, entwickelt sich zu einem Höhepunkt des Abends. Die Zuhörer sitzen andächtig auf Kissen und im Sand. Das Ambiente wird dezent von zahlreichen Kerzen erleuchtet. Und der pure Klang von Instrumenten und Stimmen, ohne technische Verstärkung, lässt Künstler und Publikum noch enger zusammenrücken.

Es war ein Abend voller Überraschungen, bei dem die ursprünglichen Planungen mächtig über den Haufen geworfen wurden und der letztendlich zu einem ganz besonderen Ereignis wurde.
Man darf auf das Ergebnis der Aufzeichnung gespannt sein. Und man sollte die Augen offen halten, um vielleicht selbst mal glücklicher Gewinner bei musicmix zu sein und einen solchen besonderen Abend live miterleben zu können.
Bis die Aufzeichnung des Konzertes am 30. Juli bei „musicmix -powered by Sennheiser“ zu sehen sein wird, hier schonmal ein kleiner Leckerbissen – aufgenommen am späten Abend am Lagerfeuer: David Lemaître spielt „Olivia“.
Nach der Regenschlacht vom vergangenen Jahr hatte das traditionelle Festival an der Burg Herzberg wahrlich gutes Wetter verdient. 2012 mussten die Landwirte der Umgegend aktiviert werden, um Fahrzeuge auf die Zeltplätze zu schleppen und später wieder raus zu holen. Nächtelang hörte man die Motoren dröhnen – aber das Festival konnte stattfinden und war wie immer ein Zeugnis von Gemeinschaft und Zusammenhalt. Trotzdem hatte das die Veranstalter auf eine harte Probe gestellt, war der Aufwand doch mit hohen Kosten verbunden. Umso erlösender die Nachricht, dass das Event auch 2013 stattfinden kann. Mit ordentlichem Line-up und (wie sich in den mittleren Juli-Tagen herausstellte) unter hervorragenden Wetterbedingungen. Es war den rührigen Leuten vom Herzberg-Team mehr als gegönnt.

Alteingesessene Besucher waren bereits seit Dienstag vor Ort, das Festival startete donnerstags, ich selbst traf erst am Freitag ein. Strahlender Sonnenschein, ein aufgeräumter Zeltplatz, die gewohnt hervorragende Infrastruktur. Ich weiß, dass für viele Besucher, die der Hippie-Kultur frönen, der musikalische Aspekt nur eine untergeordnete Rolle spielt, doch es darf wieder gesagt werden, dass es einige Hochkaräter zu bestaunen und einige Perlen zu entdecken gab.
In der Nachmittagshitze hatte es sich die Band um den Bluesgitarristen Bassekou Kouyate auf der Bühne bequem gemacht und unterhielt mit einer bunten Mischung aus westafrikanischem Blues und weltmusikalischen Elementen. Hier standen das Beherrschen der Instrumente und die Verbreitung entspannter Stimmung im Vordergrund. Ein perfektes Ensemble für den durstigen Nachmittag.

Um 18 Uhr standen dann die Progrocker Riverside aus Polen auf der Bühne. Gerne wird das Quartett um Mariusz Duda mit Bands wie Marillion, Porcupine Tree oder gar Pink Floyd verglichen. Und tatsächlich haben sie in den letzten Jahren einen immer höheren Grad an musikalischer Perfektion erreicht. Die Reise geht vom psychedelischen Prog der 70er über Blues und Jazz bis hin zu den rockigen, bisweilen gar metallischen Klängen der Gegenwart. Dies bewiesen sie auch im Rahmen des Festivals und legten einen klanglich perfekten Auftritt hin. Mariusz ist kein Exzentriker auf der Bühne, aber er besticht immer wieder durch sein Können. Das brachte die Zuschauer nicht zum Tanzen, aber oft genug zum Staunen. So funktioniert Prog – ob man will oder nicht.

Steve Hackett war der zweite Topact am Freitag. Wenige Tage später musste ich im Rolling Stone lesen, dass er „die schlimmste Musik der Welt“ fabriziert. Obacht! Natürlich ist das ellenlange Instrumental-Gedudel großer Progwerke nicht jedermanns Sache. Natürlich bewegen sich manche Prog-Götter nur sporadisch auf der Bühne und schwelgen darüber hinaus in elegischen Passagen. Aber Hackett? Gerade, wenn er mit der Genesis-Show unterwegs ist? Er hat einen charismatischen Sänger bei sich, der auffällt, der die Bühne einnimmt und einen extrovertierten Peter Gabriel gibt. Manchem mag das affig erscheinen, doch es passt zu der Musik, die man darbietet. Hier leben die Genesis der 70er Jahre weiter und es macht große Freude, Klassiker wie „The Musical Box“, „I Know What I Like“ und vor allem das halbstündige „Supper’s Ready“ vom Gitarrenmeister himself zu hören.

Der Abschluss mit Agitation Free und Orange lud dann wieder mehr zum Schwofen ein. Die Atmosphäre am Ende des heißen Tages war sehr entspannt und man konnte sich umso mehr auf den interessanten Samstag freuen. Der begann für mich mit den gitarrenlastigen Cactus und einer furiosen Rockshow in der Sonne. Die Musiker standen meist mit Sonnenbrillen auf der Bühne, um das grelle Licht zu ertragen. Die Zuschauer freute es hingegen, dass die Sonne auf den Rücken brannte und nicht das Sichtfeld einengte.
Erstes Highlight am Samstag waren The Levellers. Die Briten halten seit Ende der 80er Jahre den Geist des Folkrock hoch und übertragen ihn locker in die Gegenwart. Musik mit Banjo und Fiddle, viele akustische Elemente, eine raue Stimme, viel Kraft, viel Mut und eine Menge musikalischer Einfälle zeichnen die sechs Musiker aus. Hymnen wie „What A Beautiful Day“ luden die Zuschauermassen zum Tanzen ein und verwandelten die Wiese zu einem einzigen großen Fest. Die Darbietung war perfekt und erreichte ihren Höhepunkt mit Einsatz eines Didgeridoos, der das Geschehen mit basslastiger Klangfülle zur Vollendung brachte.

Die hochgelobten Gov’t Mule waren dann so gar nicht mein Fall. Ihr Southern Rock begleitete den sonnigen Tag über den Sonnenuntergang hinaus, war aber in seiner eintönigen Ausrichtung auch recht langweilig. Die Songs erreichten ständig Überlänge (10+) und das, was ich beim modernen Prog so liebe – nämlich dass man nur schwerlich auf den Punkt kommt – war hier ziemlich nervig. Das Geschehen auf der Hauptbühne fand aber genug begeisterte Fans. Für viele war es also genau das Richtige.
Fast um Mitternacht traten dann endlich Crippled Black Phoenix auf die Bühne. Zu meiner Schande muss ich gestehen, diese famose Band bisher nicht live gesehen zu haben. Das ging vielen Anwesenden so und die Truppe nutzte ihre Chance, ein aufnahmefähiges Publikum zu verzaubern. Hymnische Klangkonstruktionen, filigrane Balladen und durchaus psychedelische Klänge lassen mal wieder Erinnerungen an die seligen Pink Floyd hoch kommen – und auch CBP gehören zu den Bands, die diesen Vergleich verdienen und sich ihm stellen können. Die atmosphärische Dichte des Auftritts war einfach fantastisch und wohl keiner wird bereut haben, das Träumen am Lagerfeuer noch ein wenig aufzuschieben.
Ich war meist vor der Hauptbühne zu finden. Das Lesezelt hatte die richtigen Autoren zur falschen Zeit, die Protagonisten auf den kleinen Bühnen wurden beim leichten Antesten meist zu Ohrenquälern. Allerdings fanden sie immer ihr begeistertes Publikum – und das ist die Hauptsache. Leider musste ich am Sonntag bereits abreisen, so verpasste ich beispielsweise die Party mit den Spin Doctors. Doch man muss sich seine zeitlichen Kapazitäten nun mal gut einteilen. Zum Entschleunigen haben zwei Tage Herzberg allemal gereicht.

Das Herzberg-Festival kann einem schnell ans Herz wachsen. Zehntausend Besucher plus Kinder konnten die Veranstalter vermelden. Also ausverkauft. Zwar würden noch mehr Besucher auf das Gelände passen, doch man will das Konzept nicht überstrapazieren. Kinder unter 14 Jahren sind traditionell frei und es wird einiges für die Kleinen geboten. Der große Spielplatz ist eine Attraktion, ebenso die selbstgebastelten Musikinstrumente und die Konzerte, die man damit gibt. Überhaupt findet viel abseits des großen musikalischen Geschehens statt: Immer wieder findet man Einzelpersonen und Musikgruppen am Wegrand, die sich spontan ein ordentliches Publikum erarbeiten und für manche Lacher sorgen. Mein Kompliment gilt den Veranstaltern, die immer präsent waren und für einen friedlichen Ablauf sorgten. Und auch das Publikum lebte Friede, Freude und biologisch wertvolle Lebensmittel. Die stets präsente Müllentsorgung nicht zu vergessen – so wird man zum Musterbeispiel für ein nachhaltiges Festival.
Ganz kurzfristig sind die Jungs der Kölner Band Jade & Lotus angefragt worden, den Support für Torche im Underground zu übernehmen. Nun stehen sie vor einem ausgewählten Publikum, das sich im Wesentlichen aus Musikliebhabern zusammensetzt, die sich an einem so wunderbaren Sommerabend weder am Baggersee noch im Biergarten aufhalten. Wobei, ein bisschen Biergarten bietet der Ehrenfelder Club auch und so macht man sich bei den ersten Klängen von dort ins Innere. Und der Weg lohnt sich, denn Jade & Lotus überzeugen mit ihrem progressiven Metal. In manchen Stücken singen alle vier Bandmitglieder, aber am überzeugendsten sind sie in ihren melodischen Instrumentalstücken. Kein Wunder, dass die Anwesenden noch eine Zugabe fordern, die sie auch bekommen.
In der kurzen Umbauphase versorgt sich Torches Bassist Jonathan Nuñez noch mit einem Whisky, bevor er wie die Bandkollegen sein Instrument klar macht und den Sound checkt. Rasant legen sie los mit „In Return” und schon ist klar, dass Torche live viel rauer und dreckiger klingen als auf Platte. Die Anfangsphase ist bestimmt durch Songs des aktuellen Albums „Harmonicraft”, welches für mich das beste der drei Studiowerke ist. Und so genieße ich das treibende „Kicking” ebenso wie die energetischen „Reverse Inverted” und „In Pieces”. Die tief wummernden Gitarren ergänzen sich hervorragend mit der klaren Stimme von Steve Brooks, der für einen Bandleader untypisch am rechten Bühnenrand steht und sich gerne mal seine wild rockenden Bandkollegen betrachtet. Sein Lächeln im Gesicht wird dabei auch mal zu einem Lachen, wenn Zuschauer die Bühne entern und zwei Takte mitfetzen. In der Regel bricht bei Bands und Verantwortlichen in solchen Situationen Panik aus. Anders bei Torche, die sich über Besuch zu freuen scheinen. Spätestens jetzt wissen alle Anwesenden, dass sie es heute mit extrem sympathischen Musikern zu tun haben.
Wieder folgt eine von einem Album geprägte Phase. Von „Meanderthal” werden „Grenades”, „Healer” und das stimmungsvolle „Across The Shields” gespielt und der Bereich vor der Bühne gerät in Wallung. Platz zum Pogo ist genug, denn das Underground ist nur zur Hälfte gefüllt. Die Songs gehen oft ineinander über und wenn nicht werden die Pausen von einzelnen Bandmitgliedern überbrückt. Allen voran von Drummer Rick Smith, der scheinbar keine Erholung braucht. Er trommelt vor sich hin und leitet erst den nächsten Song ein, wenn alle anderen Instrumente wieder gestimmt und Kehlen geölt sind. Das führt zu einer unglaublichen Dichte und Energie im Raum. Ausschweifender werden dann auch die Stücke wie „Rockit” und „Little Champion”, die in ihrer Studioversion keine drei Minuten dauern.
Nach einem gewaltigen „Harmonslaught” geht es in die Zugabenpause. „One more song, one more song!” schallt es aus den Kehlen und Rick Smith freut das so, dass er den Takt mitspielt. Auch Gitarrist Andrew Elstner hat die Bühne erst gar nicht verlassen, um die tolle Stimmung nicht zu verpassen. Steve Brooks lässt dann auch nicht lange auf sich warten und stimmt in den Rhythmus mit „Hoy shit, holy shit” mit ein. Während „Tarpit Carnivore” gesellt sich noch einmal ein Fan auf die Bühne und zu seiner Freude stellen sich John und Rick neben ihn, um ein schönes Motiv für die Fotos, die gemacht werden, zu bieten. Zum Schluss verabschiedet sich die Band bei allen die möchten persönlich und nimmt sich auch viel Zeit um Platten zu signieren. Hab ich schon gesagt, dass diese Band sehr sympathisch ist? Egal, ich sag´s gerne nochmal.