Night of the Prog Festival 2013 Fotos – 13.07.2013
Night of the Prog Festival 2013 Fotos
Night of the Prog Festival 2013 Fotos
Zwölf Jahre ist es her, dass Crazy Horse zuletzt durch Europa tourten. Nun ist es endlich wieder soweit. Der Tross macht Halt in der Domstadt. Ein Hauch von Melancholie macht sich seit dem frühen Abend rund um die Arena breit, denn angesichts des fortgeschrittenen Alters des Quartetts und eben jener niedrigen Frequenz in der sie nach Europa kommen, könnte die heutige Begegnung mit Crazy Horse die letzte sein.
Entsprechend aufgeregt sind die Jungs von Okta Logue, die den Abend eröffnen dürfen. Für die Darmstädter ist diese Aufgabe eine ganz besondere, das spürt man. Und sie meistern sie mit Bravour. Auch wenn ihr Psychedelic Rock viel stärker in der Tradition Pink Floyds steht, sind die teils weit angereisten Neil Young Fans begeistert. Zu „Dream On” darf noch ein Bassist aus dem Team mitmischen, während sich Sänger Benno Hertz die Akustik-Gitarre schnappt. Nicht wenige Zuschauer werden sich den erneuten Besuch der Band im Dezember in Köln vormerken.
Es folgt eine unterhaltsame Umbauphase, in der Bauarbeiter in Warnwesten und verschrobene Wissenschaftler in weißen Kitteln über die Bühne wuseln. Kurz vor 21 Uhr sieht das Bühnenbild dann fast so aus wie auf der „Rust Never Sleeps”-Tour von 1978. Riesige Fender-Verstärker dominieren den Blick. Dahinter hängt eine gigantische Deutschlandfahne und zur Hymne versammeln sich alle, inklusive Neil Young und Crazy Horse mit der Hand auf dem Herz. Nach dem letzten Ton fällt Schwarz-Rot-Gold und es erscheint der wohlbekannte Indianer auf seinem Crazy Horse. Von oben wird ein überdimensionierter Ständer herabgelassen, an dem bei genauerer Betrachtung statt eines Mikros eine (psychedelic) Pille befestigt ist.
Hier gibt es die komplette Galerie.
Dieser ganze Klimbim tritt dann in den Hintergrund und es bleiben vier Musiker, die sich über die ersten Feedbacks in den Opener „Love And Only Love” begeben. Die riesige Bühne schrumpft auf einen kleinen Bereich vor Ralph Molina´s Schlagzeug, in dem sich die Musiker wie vor einem Lagerfeuer versammeln. Schon danach der Klassiker „Powderfinger”. Frank „Poncho” Sampedro, dessen Shirt ein großes Hendrix-Portrait ziert, breitet mit seinem wahnsinnigen Groove den Teppich für den Virtuosen Young aus. Mit „Psychedelic Pill” kommt dann der erste Song vom aktuellen und gleichnamigen Album ins Spiel. Das zentrale Stück dieses Werks folgt mit „Walk Like a Giant”,… und der hat es in sich. Während zu Beginn noch das unbedarfte Pfeifen hippieske Leichtigkeit suggeriert, endet der Epos in Noisegewitter und Feedbackschleifen. Für manche Ohren mag das eine echte Herausforderung sein, aber es ist Teil der Dramaturgie. So macht das Gewitter anschließend „Hole In The Sky” Platz, was seinerseits in „Red Sun” übergeht. Solche Geschichten verdeutlichen, dass die Setlist auf einer Tour einem Konzept folgt und nur an wenigen Stellen variiert. Eine solche Stelle ist heute das selten gespielte „Sedan Delivery”.
Ganz allein darf das Publikum mit Neil Young nicht nur bei jenem „Red Sun”, sondern auch beim enthusiastisch gefeierten „Heart Of Gold” sein. Wie oft wurde dieses Stück eingefordert und wie selten wurden die Erwartungen erfüllt? Bei Dylan´s „Blowing In The Wind” dürfen ebenfalls alle mitsingen. Ein weiteres Cover vermutet der ein oder andere vielleicht in „Mr. Soul”, das in seinen Riffs stark an die Stones erinnert, aber ein alter Buffalo Springfield Song ist.
Vor der Zugabenpause wird es mit „Hey Hey, My My” noch einmal hymnisch. Als die vier zurückkommen, gibt es eine echte Rarität. Über 20 Jahre wurde „Surfer Joe And Moe The Sleaze” nicht mehr gespielt! Vor „Roll Another Number” richtet der bis dahin voll auf die Musik fokussierte Neil Young einige Worte an die Zuschauer. Er tut dies sehr eindringlich und begleitet von sanften Akkorden. Worte des Dankes, Wünsche an die Kinder zu Hause, Frieden und die Aussicht sich vielleicht doch noch einmal zu begegnen,… an einem so schönen Abend wie diesem. Als die Fans nach „Everybody Knows This Is Nowhere” aus der Halle strömen, machen viele noch einmal Halt an den Bierbuden und schwelgen gemeinsam in Erinnerungen, die teils über 40 Jahre zurückreichen.
Muse Fotos Freilichtbühne Loreley, St. Goarshausen
In Münster ist es mittlerweile Gang und Gäbe, dass einmal im Jahr scharenweise Metal, Rock, Punk und Hardcore-Fans die kleine Fahrrad-Stadt einnehmen. Bereits um 9 Uhr morgens sieht man die Menschen Richtung Sputnikhalle und Halle Münsterland pilgern.
Denn heute findet das Vainstream Rockfest 2013 statt. Auf drei Bühnen spielen über 20 Bands ab 9 Uhr morgens immer im Wechsel. Generell ist das Vainstream das perfekte Festival für eigentliche Festivalmuffel. Es geht einen Tag lang, man kann keine Band verpassen, da alle hintereinander statt zeitgleich spielen und die Getränke haben einen bemerkenswert angenehmen Preis. Drei Dinge die das Vainstream seit seiner Entstehung 2006 auszeichnen. Zwar hat man 2009 versucht ein Zwei-Tages-Festival daraus zu machen, aber zum Glück (für die Zeltgegner) wurde eingesehen, dass ein Tag volle Power einfach mehr Spaß macht. Ein weiterer Pluspunkt dieses Festivals ist ein durchgehend großartiges Line-up. In diesem Jahr sind zum Beispiel dabei: Deez Nuts, A Day To Remember, Agnostic Front, Anti-Flag, Boysetsfire, Callejon, H2O, In Flames, Jennifer Rostock, Neaera, Parkway Drive, Red Fang, Sondaschule, Strike Anywhere, The Devil Wears Prada und The Ghost Inside. Und dazu kann man sieben weitere Bands auf kleinen Clubstages sehen. Da opfert man gerne ein paar Stunden Schlaf, um um 9.22h mit dem Zug in Münster anzukommen.
Bleed from Within
Eröffnet wird das Vainstream 2013 von Bleed from Within. Eine unglaublich lange Schlange von Menschen stehen noch am Bändchen-Wagen an, als die erste Band des heutigen Tages die EMP Stage betritt. Bleed from Within starten ihr 30-minütiges Set mit ihrem Lied Colony. Obwohl wir 10Uhr haben bewegt sich die Menge, wenn auch nicht energisch, mit. Trotzdem bleiben die Versuche von Sänger Scott Kennedy einen Circle Pit zu eröffnen vergebens. Es werden Fäuste gehoben und das Festival beginnt mit einem guten Start. Generell ist Bleed from Within eine passende Band um das Vainstream 2013 mit ihrem Deathcore Metalcore Mix zu eröffnen. Das die Band selbst merkt wie schwer es ist ein Festival um diese Zeit zu eröffnen, merkt man an der Dankbarkeit die Kennedy zum Ende des Sets betont.
The Devil wears Prada
Weitaus aktiver sind die Fans schon beim zweiten Act, der die Desperados Stage eröffnet. The Devil wears Prada starten mit deutlich mehr Power aber schlechterer Tonquälität. Der Gesang von Sänger und Rhythmusgitarrist Jeremy Depoyster ist generell zu laut und klingt dazu auch leider etwas sehr gedrückt. Trotz alledem liefern die fünfs Jungs aus Ohio eine gute Show ab. Obwohl sie als zweites einen neuen Song ihrer 2013 erscheinenden Platte spielen, ist und bleibt der Höhepunkt der Show ihr Song Danger Wildman. Bei dem wohl bekanntesten aller The Devil wears Prada Songs fliegen die ersten Bierbecher des Festivals. Leider fallen auch bei diesem Song die sehr angestrengten Vocals auf. Das macht der Stimmung allerdings wenig aus. Die gesamte halbe Stunde die die Jungs spielen ist vorrantreibend und lässt die Menge ihre ersten Tanzbewegungen ausüben. Generell geizen die Jungs eher mit Ansagen und hauen einen Song nach dem nächsten raus. Zum Abschluss des Sets perfomen sie ihren 2011 erschienenen Song Born To Lose. Obwohl die Bühnenshow der gesamten Band mitreißend ist, stürmen die ersten Zuschauer zurück zur EMP Stage um den dritten Act des Tages von den besten Plätzen aus sehen zu können.
Deez Nuts
Warum Deez Nuts einen so frühen Spiel-Slot bekommen haben bleibt vielen Fans ein Rätsel. Natürlich glänzen die Jungs aus Australien nicht unbedingt durch Vielfältigkeit oder besonders anspruchsvolle Riffs, aber das müssen sie auch gar nicht.
Deez Nuts ist 2007 von Sänger/Rapper JJ Peters gegründet worden, nachdem sich seine vorherige Band I killed the Promqueen aufgelöst hatte. Sie stehen für puren Hardcore / Rapcore und beweisen mit ihrem Set wieder einmal, dass man nicht besonders innovativ sein muss, um mitreißend und gut zu sein. Deez Nuts sind und bleiben simpler Hardcore und genau so muss es bei dieser Kombi aus sein. Das beweisen sie spätestens bei ihrem zweiten Song Stay True. Der Sound ist mittelmäßig aber die Stimmung für die frühe Stunde unglaublich. Es geht eben darum echten Hardcore zu spüren, zu feiern und seine Freunde zu schätzen. Mit ihren Songs wie DTD oder I Hustle Everyday bringen sie die Menge zum Mitschwingen. Dass es der Band nicht um einen lupenreinen Ablauf der Show geht, sieht man deutlich daran, dass JJ Peters auch gerne einfach einen langen Shout einsetzt, anstatt den Text zu singen. Mit Band Of Brothers beenden die vier Musiker ihr Set. Der Gesangsteil der im Original von Sam Carter von den Architects gesungen wird, wird hier einfach vom Band gespielt und von einer begeisterten Menge mitgebrüllt. Pünktlich geht die erste Highlight-Band von der Bühne.
Neaera
Mit Neaera betritt die erste deutschsprachige Band eine der drei Bühnen. Die Münsteraner gehören mitlerweile zum Urgestein des Festivals. Bereits zum vierten Mal stehen sie auf der Bühne des Vainstreams, das dieses Jahr zum achten Mal stattfindet. Bei ihrem Heimspiel kommt Sänger Tobias Buck den Fans besonders nah. Für ihn scheint es kein Problem zu sein, einen Großteil des Konzerts über die Wellenbrecher gelehnt in der Menge zu verbringen. Um den Leuten besonders nah zu sein, wurden vor der Bühne zwei weitere Bühnenelemente aufgebaut, auf denen Buck wie wild performt und dem Publikum sein Mikrofon zum Mitsingen hinhält. Neaera beweisen vom Start bis zum Ende ihres Sets das sie nicht ohne Grund eine der deutschen Melodic Death Metal Bands sind. Zum Song Through Treacherous Flames springt Buck in die Menge und lässt sich auf Händen tragen. Nach 35 Minuten beenden die Jungs ihre Show und verlassen ein gut erhitztes Publikum.
Sondaschule
Mit Sondaschule haben sich die Veranstalter des Vainstreams eine nicht unbedingt ins Lineup passende Band eingeladen. Nichtsdestotrotz ist das Publikum vor der EMP Stage bei ihrem Eröffnungssong Neue Welt nicht gerade klein und die Stimmung schnell auf einem guten Level. Auffallend ist, dass eine unglaublich gemischte Menge vor der Bühne steht, während sie Songs wie Sklave der Uhr, Irgendwie Andersrum und Sieh mich nicht so an spielen. Mit ihrem Set beweisen die sieben Jungs, dass sie nicht nur gute Musiker sondern vor allem ausgezeichnete Entertainer sind. Auch wenn sie mit ihrer Musik wie gesagt nicht unbedingt ins Line up passen, haben sie eine Berechtigung dabei zu sein.
Red Fang
Um 12.50h betritt die erste Band die Converse Stage. Eine Bühne die durch eine Skateboard Show zum Highlight wird. Denn von der rechten Seite der Bühne aus führt eine angebaute Treppe auf den Boden an der knapp zehn Skateboarder beweisen, was sie können. Wer um diese Uhrzeit die Band 7 Seconds erwartet, wird leider enttäuscht, denn Red Fang springen für die Amerikaner ein, wovon andere begeistert sind. Red Fang die 2009 erst ihr erstes Album herausgebracht haben, gehören zu den sehr unterschätzen Acts des heutigen Tages. Leider stehen viel zu wenig Leute vor der kleinsten Bühne um eine Band zu sehen die zwar sehr Wortkarg, aber dafür musikalisch für sich sprechend performt. Da die Stage nicht direkt neben den anderen beiden Hauptbühnen steht, verliert sich die Menge leider ein wenig. Dafür bekommt man leicht gute Plätze um ganz vorne bei Songs wie Prehistoric Dog und Wires zu stehen. Nach viel zu kurzen 30 Minuten beenden die vier Männer (Jungs würde bei ihrem Alter und ihrer Ausstrahlung nicht passen) ihre Show und lassen eine kleine aber zufriedene Menge zurück.
The Ghost Inside
Einen wirklich fetten (und man kann es nicht anders nennen) Start legen The Ghost Inside hin. Mit einem der besten Sounds des Mittags ziehen sie eine Menge an Menschen an, die man bis jetzt noch nicht auf dem Gelände gesehen hat. Es kommt einem vor als wären jetzt die Spätaufsteher angekommen. Obwohl The Ghost Inside vor der bis jetzt größten Menge spielen, scheinen die fünf Amerikaner nicht wirklich große Lust zu haben. Natürlich könnte es auch am Image der Metalcore Szene liegen, aber wirklich offen wirken sie nicht. Ein definitives Highlight was keinen Fan überrascht, ist als sie die ersten Klänge zu ihrem Song Unspoken anspielen. Straight ziehen sie ihre Show durch und wenden sich kaum ans Publikum. Trotzdem scheinen die Leute bei gefühlten 35 Grad noch mehr aufzutauen und bilden durchgehend Circle- und Moshpits. Zum letzten Song Engine 45 fordert Sänger Jonathan Vigil die Menge zum Mitsingen auf und die Masse folgt. Zum Höhepunkt springt Vigil in die Menge. Diese steht mittlerweile bis in die Mittelgänge in denen die Shops stehen und feiert den Abschluss von The Ghost Inside.
Anti-Flag
Traditionell mit Sirenen erscheinen Anti-Flag auf der EMP Stage. Leider mit einem zu leise eingestellten Mikrofon, so dass die Vocals von Sänger und Bassisten Chris Barker leider erst zu leise rüberkommen. Zum Glück ändert sich das im Laufe des zweiten Liedes. Als erstes Highlight ihres Konzerts covern sie Should I Stay Or Should I Go von The Clash. Dass die Jungs sich auf Deutschland vorbereitet haben, merkt man nach diesem Song an den Sätzen „Spaß an allen Ecken” und „Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei”, Sätze die die Jungs an ihr Publikum richten. Weitere Highlights sind Songs wie Die For Your Government, Power To The Peaceful, Police Brutality und The Press Corpse. Man merkt dass die Jungs aus Pittsburgh Bock haben und das überträgt sich auf Publikum bis sie um viertel vor drei die Bühne verlassen.
Strike Anywhere
Ein zweites Mal an diesem Tag versammelt sich das Publikum vor der Converse Stage. Und das für Strike Anywhere, die Band die eigentlich als erste auf dieser Bühne spielen sollte, doch durch den Ausfall von 7 Seconds auf den zweiten Spielslot gerutscht ist. Mit I’m Your Opposite Number eröffnen sie ihre Show. Besonders freuen sich die Fans bei ihren alten Songs und zeigen den Amerikanern was das deutsche Publikum kann. In den gesamten 30 Minuten fällt auf, dass die Band für Skatemusik gemacht ist, während bei Songs wie Sunset On 32nd die Skater weiter über die Bühne springen.
Agnostic Front
Wenn man sich Agnostic Front anschaut, weiß man warum sie zu den prägensten Bands der New York Hardcore Szene gehören. In den 80ern gegründet, ist sie eine der richtungsweisenden Bands dieses Genres. Und das beweisen sie auch heute auf dem Vainstream 2013. Bei ihrem Eröffnungssong bilden sich die ersten Circle- und Moshpits. Die Band ist gelanden und übertragt das auch auf die Menge. Als absolutes Highlight spielen sie ihren Song For My Family. Wer sagt Hardcore müsse jung sein, der kann sich von Agnostic Front eines Besseren belehren lassen. Was für eine Energie! Leider geht der Gesang in der Musik etwas unter, aber da die Menge mitsingt, macht es nichts aus. Dass die Jungs auch auf Spanisch überzeugen, beweisen sie mit A mi Manera. Ein weiteres Highlight ist allerdings das Cover Blitzkrieg Bob, das sie den Urhebern The Ramones widmen. Auch wenn man es nicht mit dem Original vergleichen kann, ist es ein Lied das die deutsche Menge mitbrüllt. Nach Liedern wie Peace, Crucified, dem wohl bekanntesten Lied Gotta Go und Take Me Back kommen sie zum Ende eines bewegungsreichen Sets.
Jennifer Rostock
Obwohl Agnostic Front noch am Spielen sind, bewegen sich massenweise vor allem junge Mädchen zur EMP Stage. Und das für eine weitere Ausnahmeband des Festivals. Jennifer Rostock sagen selbst, dass sie heute die „Weichspülerfraktion“ sind, doch das Publikum scheint es nicht zu stören. Viele die selbst mit der Musik nichts anfangen können, bleiben allein wegen der Bühnenshow stehen und bekommen ihren Blick nicht mehr von der Sängerin Jennifer Weist abgewendet. An dieser Stelle muss man sagen, dass das auch vollkommen verständlich ist. Nur wenig deutsche Bands verstehen es ihr Publikum so zu unterhalten wie die wahl-berliner Band. Zu einem Elektro Remix Intro von Fuchteufelswild kommen die einzelnden Bandmitglieder auf die Bühne. Selbst ein kleiner Moshpit bildet sich in den ersten Reihen. Konfettikanonen werden abgefeuert und unter Applaus spielen sie ihren zweiten Song Der Kapitän. Es wird auf der Bühne getrunken und lasziv getanzt. Nach Es tut wieder weh werden Textstellen von Mein Mikrofon unter den Fans verteilt und Frauen singen gegen Männer. Zu Blut geleckt bekommt Weist es sogar hin eine kleine aber feine Wall of Death anzustacheln. Bei Kopf oder Zahl dürfen zwei Fans selbst ans Mikrofon. Chantal und Angelina, zwei junge Mädels, treten gegeneinander im Singen an um nur eins der weiteren Highlights zu beschreiben. Die Bühnenshow macht Jennifer Rostock zu einem absoluten must-see des Festivals. Wer die Band schon vorher live erleben dürfte weiß zwar, dass es bei den meisten Konzerten die gleichen Aktionen sind, aber man kann eben nicht jeden Tag das Rad neu erfinden. Mit nenn mich nicht Jenny und unter erneutem Konfettibeschuss endet ein weiteres Konzerthighlight des Samstags.
Asking Alexandria
Ihr heutiges Set eröffnen Asking Alexandria mit Closure vom ihrem 2011 erschienen Album Reckless & Relentless. Eine gute Wahl, da es gleich zu einem kleinen Highlight ihres Auftritts wird, was sie nur durch ihren dritten Song The Final Episode übertreffen können. Bei diesem Song beweist es sich was für eine gute Kommunikation zwischen Publikum und Band besteht. Bei den wohl bekanntesten Worten ihrer Songs „Oh my God“ brüllt eine Menschenmasse mit. Der Ton ist auch leider bei diesem Konzert nicht besonders gut wodurch bei weniger bekannten Liedern leider nicht viel Stimmung aufkommt. Je nachdem wo man steht, fällt es einem sogar schwer die Lieder zu erkennen.
H2O
H2O…Go. Das gesprochenen Intro zu H2Os offiziellem Video von What Happened ist beschreibend für die Band. Als dritte und letzte Band auf der Converse Stage steht mit H2O ein großartiger Act auf der Bühne. Die bühne ist passend zu den Skatern aber zu klein für diese Musik. Sie eröffnen ihr Set mit dem Song Nothing to Prove. Dass H2O zur New York Hardcore Szene gehören, ist nicht schwer zu erkennen. Ähnlich wie Agnostic Front benötigt es nicht viel von ihnen um das Publikum zu begeistern. Was allerdings schade ist, ist dass die meisten der Festivalbesucher sie anscheinend nicht kennen. Erstaunlich wenig Leute, wenn auch mehr als bei den beiden ersten Acts der Converse Stage, stehen vor der Bühne. Und das obwohl H2O schon seit der Mitte der 90er existieren und mittlerweile sieben Studioalben veröffentlicht haben. Dass die Menschen, die sie allerdings kennen nicht wenige und vor allem textsicher sind, sieht man spätestens beim letzten Song ihres Sets. Zu bereits genanntem Song What Happend singen die Fans aus vollem Halse mit und beenden ein leider kurzes und zu wenig geschätztes Set.
Callejon
Nachdem auf den großen Bühnen über dreißig Minuten keine Band mehr gespielt hat, betritt ein neues Phänomen der deutschen Metalcore-Szene die Bühne: Callejon. Wenige Bands spalten eine Musikszene so wie die NRWler. Viele lieben sie aus den Zeiten in denen ihre eigene Interpretation von He-Man noch neu im world wide web zu finden war und viele können seit ihrer Kooperation mit K.I.Z. nichts mehr mit ihnen anfangen. Mit Blitzkreuz eröffnen sie ihre Show, die von vielen komplett mitgesungen werden kann. Nach dem Song Dieses Lied macht betroffen versucht Sänger Basti „BastiBasti“ Sobtzick die Menge zu animieren, was ihm und der Band bei ihrem Cover von Schwule Mädchen ohne Probleme gelingt. Sie spielen Highlights wie Porn from Spain, Sommer.Liebe.Kokain und Kind im Nebel. Letzteres beweist, dass Callejon auch mit ruhigen Tönen an ihr Publikum gelangen. Insgesamt sind sie musikalisch einwandfrei, nur leider etwas monoton. Es fehlen die Höhen und Tiefen, was sich auch beim Publikum wiederspiegelt. Mit Porn from Spain II beendet die Band ihr Set und bedankt sich bei der Menge.
Boyssetsfire
Mit boyssetsfire betrit ein weiteres Highlight die Bühne. Die Band die die Schreibweise ihres Namens gerne ändert, ist und bleibt ein starker Liveact. Besonders sticht die unglaublich klare und starke Stimme von Sänger Nathan Gray hervor. Das bemerkt man direkt beim ersten Lied des frühen Abends After The Eulogy, einem der bekanntesten Lieder von boyssetsfire. Der Schlachtruf „Rise!“ weckt die Menge auf. Spätestens bei ihrem zweiten Song Requiem fällt einem der gute Sound besonders auf. Ruhiger Anfang, mit Höhen und Tiefen, so kann man den Song beschreiben und genau so spielen sie ihn live. Auch wenn das Publikum müde scheint, fühlt man die Energie die von der Band ausgeht. Nach Songs wie Walk Astray, My Life In The Knife Trade und zwei neuen vom 2013 erschienen Album While a Nation Sleeps kommen sie mit Empire und Rookie zu ihrem Höhepunkt und letzten Songs. Insgesamt kann man sagen, dass die 1994 gegründete Band eine musikalische Wucht und ein muss des Vainstream Rockfest 2013 ist.
A Day to Remember
Nach boyssetsfire schließt sich ein eigentliches Highlight an, wenn der Sound nicht leider sehr schlecht wäre. A Day to Remember starten ihr Set mit einem neuen Song ihres bald erscheinenden Albums Common Courtesy. Nach Klassikern wie 2nd Sucks und The Danger In Starting A Fire kommen sie zum ersten Höhepunkt ihres Sets I’m Made Of Wax Larry What Are You Made Of. Trotz des schlechten Sounds singt die Menge mit und zeigt das A Day to Remember kein Problem haben ihre Fans einzubeziehen. Auch wenn sie heute Wortkarg sind begeistern sie mit Songs wie I Hate This Town, Better Off This Way und All I Want. Bei Have Faith In Me überzeugen sie mit leisen Klängen und schaffen es ohne Probleme sich wieder auf schnelle Songs wie A Plot To Bomb The Panhandle einzulassen. Als krönenden Abschluss enden sie mit ihrem wohl bekanntesten Song Downfall Of Us All und einer singenden Menge. Allerdings muss jeder der die Band bereits erleben dürfte leider zugeben, dass es nicht ihr bestes Konzert war.
Parkway Drive
Ein episches Intro und blaues Licht leiten den vorletzten Act des Abends ein. Parkway Drive haben von Anfang an einen großartigen Sound uns beweisen ihr musikalisches Können auf voller Linie. Bei ihrem zweiten Song Sleepwalker ist die Menge gebannt. Circlepits und verschwitzte Menschen regieren die Fläche vor der Bühne. Zu Karma und Songs wie Wild Eyes sieht man die erste Lichtshow des Abends die wirklich wirken kann. Wo es bis jetzt zu hell war um Stroboskope und Lichteffekte zu sehen, werden sie jetzt passend zur Bassdrum eingesetzt und untermalen den guten Sound. Nachdem Gitarrist Luke Kilpatrick 2011 noch im Rollstuhl auftreten musste, kann er sich heute, wie der Rest der Band, auf der Bühne austoben. Parkway Drive die für ihre Energie bekannt sind, legen eine großartige Show hin. Auch wenn dem einen oder anderen Fan der Song Romance is dead wohl fehlt, beenden sie ihre Show mit Carrion. Parkway Drive sind wie gewohnt musikalisch einwandfrei und mitreißend. Nach 50 Minuten verlassen sie die Bühne und leiten damit den Hauptact des Vainstream Rockfest 2013 ein.
In Flames
Es ist erstaunlich wie viele Menschen das Festivalgelände verlassen, nachdem Parkway Drive ihren Auftritt beendet haben. Man kann es auf das Durchschnittsalter der Festivalbesucher schieben, denn der Hauptact des heutigen Abends gehört nicht zu den Jungenspunden unter den Metalcorebands. In Flames die sich 1990 zusammengefunden haben, sind als Band schätzungsweise vier Jahre älter als der heutige Durchschnittsbesucher. Seit 23 Jahren stehen sie zusammen auf den Bühnen dieser Welt und strahlen damit eine Souveränität aus, die so manchen „jungen“ Metalcore Bands fehlt. Mit seiner markanten Stimme erkennt man Sänger Anders Fridén der seit 1995 dabei ist sofort.
Die Schweden eröffnen ihr Set mit einer roten Lichtshow und Strobo-Blitzen. Nach elfeinhalb Stunden Festival würde man denken, die Menge würde nicht mehr Tanzen können, aber zu ihrem Hauptact ist die (zwar deutlich kleinere Menge) wieder hellwach. Zwei Songs dauert es bis die Band zu Wort kommt, da der Applaus ihnen die Sprache verschlägt. Eindeutige Highlights sind Songs wie Trigger und Cloud Connected die beide vom 2002 erschienenden Album Reroute To Remain stammen. In Flames beweist wie sehr sich eine Band über die Jahre treu bleiben kann ohne langweilig zu werden. Zu The Mirror’s Truth versucht die Band das Publikum zu einem riesen Circlepit zu bringen. Die Idee: Die Menge läuft um den Turm in dem die Technik steht. Die Menge will, nur versperren Wellenbrecher genau diesen Weg, wodurch es fast schon schmerzt den Versuchen der Zuschauer zuzusehen. Obwohl der Circlepit-Versuch nicht funktioniert hat, spielen die Schweden souverän weiter und enden mit Take This Life in einem ihrer bekanntesten Lieder.
Fazit:
Als Vainstream-Kenner wünscht man sich die alte Zeit zurück, in der es noch möglich war bei Münsters Festival bis nach vorne an die Bühne zu kommen, obwohl der Hauptact schon spielt. Nicht nur, dass die Besucherzahl einfach zu groß geworden ist, es tragen auch die Vorschichtsmaßnahmen ihren Teil dazu bei, dass man sich kaum mehr auf dem Gelände bewegen kann. Natürlich wächst ein Festival mit solchen Qualitäten rasant. Sowohl bei den Besucherzahlen sowie an den Sicherheitsmaßnahmen. Doch hätte man sich das für das Vainstream erst später gewünscht.
Nichtsdestotrotz geht ein Tag voller Höhepunkte für das Publikum zu Ende und man freut sich schon auf das Vainstream 2014.
Ein lauer Sommerabend in Trier, die Sommerbühne im Innenhof des Ex-Hauses, einige Hundert gut gelaunte Zuschauer und der Schmusebarde Laith Al-Deen. Das ist die perfekte Rezeptur für einen gelungenen Abend. Die aktuelle Tour des Musikers aus Karlsruhe trägt den Titel „live acoustic“. Um dem gerecht zu werden, sitzen die drei Gitarristen (Laith inklusive) auf Hockern und schicken sanfte Töne in die Menge. Es kann aber auch mal lauter werden, vor allem wenn Keyboard und Schlagzeug einsetzen.
Musikalisch dreht sich nicht mehr alles um das 2011er Album „Der letzte deiner Art“. Stattdessen findet man eine gesunde Mischung aus allen Studioalben – nur das Werk voller Coverversionen („Session“) wird ausgespart und auch nicht vermisst. Zu meiner großen Freude geht es mit „Alles unter diesem Himmel“ los. Ein Stück von meinem Lieblingsalbum „Die Liebe zum Detail“, das noch mit dem Titelstück und zwei weiteren Songs vertreten ist.
Laith versteht es, die Zuhörer am Schopf zu packen und ihre Gefühlswelt zu durchleuchten. Und dazu nutzt er eine Mischung aus sanftem Rock, Pop und akustischen Elementen – verbunden mit einer überaus souligen Stimme. Da sind wunderschöne, melancholische Songs wie „Alles an dir“, „Leb den Tag“ und „Dein Lied“, die das ganze stimmliche Potential des Sängers in die Waagschale werfen und in denen er ohne ausschweifende instrumentale Unterstützung bestehen kann.
Zum Teil wurden die Arrangements gegenüber den Originalen abgeändert und vor allem das Piano bekommt viel Raum. Laith führt in seiner aktuellen Band einige Talente mit sich, die zudem stimmlich überzeugen können und den Background vokal mitgestalten. Er zeigt sich bodenständig, nimmt ein Bad in der Menge – und gibt vor allen Dingen den sympathischen Frontmann, der zu Späßen aufgelegt ist und dem immer ein leichtes Schmunzeln ins Gesicht geschrieben scheint.
Vor dem Zugabenblock gibt es den großen Hit „Bilder von dir“, mit dem im Jahr 2000 alles begann. Es folgen zwei abschließende Stücke und das Konzert endet pünktlich um 22 Uhr nach zwei Stunden Länge. Laith Al-Deen hat auf ganzer Linie überzeugt und die Herzen gewonnen. Das lag nicht nur an dem herrlichen Ambiente, sondern einfach an seinem lockeren Auftreten ohne Starallüren und mit stetiger Bühnenpräsenz. Vielleicht ist er wirklich der letzte seiner Art?
Setlist
Mit ca. 44.000 Besuchern ist die Esprit Arena nahezu ausverkauft. Beim Zusatzkonzert am Freitag, den 05.07.2013, werden es nochmal so viele sein, welche Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher erleben wollen. Die Kultband der Synthie Pop/Synth Rock/New Wave Szene feiert dieses Jahr ihr 33. Bühnenjubiläum und tourt durch die Welt.
Drum´n´Bass Musik klingt durch die große Arena, steigert die Spannung auf das was gleich kommt. Die Menschenmassen harren aus, sitzen teils noch auf ihren Plätzen oder stehen verhältnismäßig ruhig im Innenraum und man hört förmlich die Gedanken: „Kommt endlich und legt los!“ Um 20.50 Uhr ist es dann soweit. Die Lichtshow beginnt und die Stars des heutigen Abends erscheinen auf der Bühne. Die Ruhe ist vorbei. Intro ist der Song „Welcome to my world“, gefolgt von „Angel“. Songs des neuen Studioalbums „Delta Machine“. Danach kommt richtig Stimmung auf, den DM bringt das ca. 20 Jahre alte „Walking in my Shoes“. Ja, der Song ist bekannt, denn es wird richtig viel mitgesungen und mitgerockt. Und so wechseln die Songs, mal altbekannte, mal neue, mal richtig rockige und auch manche verhaltene, ruhige und sehr melodische Darbietungen, die letzteren von Martin Gore, mit seiner Stimme, die hohe Töne fantastisch und klar rüberbringt. Aber auch Dave Gahan zeigt sich heute von seiner besten Seite. Die Töne stimmen, er bewegt sich wie in früheren Zeiten. Tanzt und swingt über die Bühne mit Bewegungen, die einfach nur zu ihm gehören. Depeche Mode gibt wirklich alles.
Dem Publikum allerdings merkt man nach meinem Gefühl heute Abend sehr an, dass es sich etwas schwer mit den neuen Songs anfreundet. Für meine Empfindung sind sie sehr verhalten. Ziemlich am Schluss kommen Klassiker wie „Enjoy the Silence“. Ja, endlich Fans, man merkt Euch! Dann folgt, mit einem langsamen Intro, der absolut rythmische Song „Personal Jesus“, dabei gibt Dave alles, ob mit seiner Stimme, den passenden Bewegungen oder Tanzschritten und er erfreut sich daran, wie gut seine Fans dieses Lied kennen.
Die Zugabe beginnt mit dem Song Home – gesungen von Martin Gore – und endet mit einem Klassiker, nämlich „Never let me down again“.
Da ich mich nicht unbedingt mit meinen Empfindungen für das wirklich hervorragende Konzert zufrieden geben wollte, habe ich einfach in einer anderen Ecke des Stadions eine junge Frau angesprochen, um ihre Meinung zu dem heutigen Abend zu hören. Sie war total begeistert. Dort wo sie war, hat man mit gesungen, mit getanzt und hat sich total an die liedbezogenen Bewegungen des Frontmannes erfreut und mitgemacht. Ihr Favorit des heutigen Abends war die etwas ruhigere Version des Song „Helo“. „Einfach schön!“
Vielleicht muss man die neuen Songs von Depeche Mode erst live erleben, damit man die Paarung von Musik und der dazu passenden rythmischen Darstellung von Dave Gahan in sich aufsaugt.
Aber …. Daumen ganz hoch …. Depeche Mode ihr wart einfach Spitze!
Hier gibt es unsere Depeche Mode Konzertfotos der Delta Machine Tour 2013 aus der ESPRIT Arena in Düsseldorf
Das Wetter in Köln hat sich der Heimat von Kings of Leon anscheinend angepasst – es ist so schwül wie in Nashville. Mindestens. Ein paar Monate vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums hoffe ich natürlich auf ein paar Kostproben. Und insgeheim hoffe ich auch auf ein paar der alten Songs – „Marry’s Chamber“, „Charmer“ etc.
Um 20 Uhr geht’s los. Ausverkauft ist die Arena nicht ganz, und zur Vorband ist vielleicht die Hälfte der Zuschauer drinnen. Wenn die alle wüssten, was sie verpassen. Auch wenn Kings of Leon richtig schlecht gewesen wären (keine Sorge: waren sie nicht), für die Vorband The Weeks hätte sich der Besuch schon gelohnt – sie klingen wie Kings of Leon vor 15 Jahren.
Dann füllt sich die Arena plötzlich ganz schnell. Es wird dunkel, die vier kommen zügig raus. Bis dahin alles unspektakulär. Dann packt Matthew seine Gitarre aus und beginnt das Konzert, indem er das Intro von „Closer“ mit dem Mund spielt. Da will jemand beweisen, dass er’s drauf hat. Das Besondere ist außerdem: Die Monitore an den Seiten zeigen nicht einfach nur das Geschehen auf der Bühne, sondern lassen es gleich wie ein Musikvideo wirken. Nahaufnahmen in dreckigem schwarz/weiß, zerkratzte Effekte, Überblendungen mit dem Publikum.
Die Songs sind durchgängig gut, spätestens bei „Back Down South“ haben sich Kings of Leon richtig eingespielt. Es gibt eine gute Mischung aus allen Alben. Das Publikum wartet auf jeden Song vom Erfolgsalbum „Only By The Night“. Insgesamt interagieren die Jungs wenig mit dem Publikum und legen den Fokus ganz auf die Musik. Nicht nur Calebs Stimme macht Kings of Leon zu einer der größten und beeindruckendsten Rockbands unserer Zeit. Obwohl er sich entschuldigt, weil er heute ein bisschen angeschlagen ist, ist er live perfekt, klingt fast besser als auf Platte. Damit die restlichen Bandmitglieder nicht Gefahr laufen, hinter dieser Stimme zu verschwinden, gibt es genug Songs in der Playlist, die die Stärken von allen hervorheben. Bei „Holy Roller Novocaine“ z.B. kracht das Schlagzeug und schlägt der Bass herrlich.
Im Laufe des Konzerts wird deutlich, dass besonders die harten und schnellen Songs der Band heute besonders Spaß machen. Ist das ein Vorgeschmack auf das neue Album? Gegen Ende bringen sie das Publikum mit „Knocked Up“ und dann endlich „Sex On Fire“ noch einmal richtig in Bewegung. Spätestens an dieser Stelle muss jeder zugeben, was den Charme einer großen Arena ausmacht: Die Power, wenn ca. 15.000 Menschen zusammen mit Kings of Leon den Refrain zu „Sex On Fire“ gröhlen, ist beeindruckend.
Es gibt eine Zugabe. Die Menschen sind inzwischen so euphorisch und laut, dass die Band die restlichen drei Songs kaum noch mitzusingen braucht. „Radioaktive“, „Use Somebody“, „Black Thumbnail“, sie beenden das Set also auch mit einem härteren Stück…
Kings of Leon Fotos Lanxess Arena / Köln am 20.06.2013 gibt’s hier!
Bon Jovi Fotos aus Köln im RheinEnergieStadion 2013
Fotos – Xavier Naidoo & Quartett Support Sing um dein Leben
Die südafrikanische Band „Prime Circle“ gilt in ihrer Heimat als erfolgreichster Rock-Act in der Geschichte Südafrikas. Nun erobern die Herren aus der Bergbaustadt Witbank auch die europäische Musikszene. Nach der erfolgreichen Evidence-ReLoaded Tour im April ist die Band jetzt für einige Konzerte zurück in Deutschland, um weiterhin Werbung für ihr fünftes Album „Evidence“ zu machen. Damit ihr die Band etwas besser kennenlernt, habe ich die Gelegenheit genutzt um dem Sänger, Ross Learmonth, einige Fragen zu stellen.
Hallo Ross, wann hast du angefangen Musik zu machen?
Ross: Ich habe spät angefangen Musik zu machen, mit ungefähr 16 Jahren. Meine Freunde haben schon lange Instrumente gespielt. Als ich einen Freund beim Gitarre spielen gesehen habe, dachte ich mir, das ist das beste Instrument, was ich auch lernen könnte. So kaufte ich eine Gitarre und habe angefangen zu spielen.
So ähnlich war das auch bei mir. Ich habe mir das Gitarrespielen auch selbst beigebracht.
Ross: Wir nennen das „Streetkid“, wenn man sich das selbst beibringt, so wie ich. Mein erstes Lied auf der Gitarre war „Blister in the sun“.
Ihr habt Prime Circle im Dezember 2000 gegründet. Kanntet ihr euch schon vorher?
Ross: Wir waren vorher alle in verschiedenen Bands und haben eine Show gespielt -ein Tribute- für einen verstorbenen Freund. Es kamen sieben oder acht Bands zusammen. Wir wollten mit dem Konzert Geld für seine Familie sammeln. Außerdem sind an diesem Abend die Sängerin und der Gitarrist einer Band ausgestiegen. Da ich ebenfalls meine Band verlassen hatte, traf sich das gut, denn sie benötigten einen Sänger und ich eine neue Band.
Warum habt ihr euch dafür entschieden, eine Rockband zu werden?
Ross: Wir haben versucht Musik mit afrikanischen Einflüssen zu machen, aber das war nichts für uns. Wenn Rock´n´Roll ein Leben bestimmt, dann muss man auch diese Musik machen. Aus diesem Grund war es die richtige Entscheidung eine Rockband zu werden!
Wer hatte die Idee für den Bandnamen?
Ross: Die kam von Marco. Ich sagte, dass wir den Namen nicht nehmen können, da es schon eine Band gibt, die „Perfect Circle“ heißt. Marco kannte sie nicht. Wir haben den Namen anfangs nur für Auftritte behalten und irgendwie blieb der Bandname dann bis heute. Wir mögen den Namen. Wir sind Prime Circle!
Ich habe gelesen, dass Neil viele Songs schreibt. Wer schreibt sonst noch?
Ross: Ich bin zwar der Chef-Songwriter. Aber auch Neil schreibt gute Lieder, wie die andern aus der Band. Wir helfen uns gegenseitig, wir arbeiten zusammen. Ich mache die Lyrics und dann erarbeiten wir die Musik dazu. Wir haben eine gute Dynamik und das ist der Grund, warum das Album Hardrock und ruhigere Songs hat. Jedes Lied profitiert von den unterschiedlichen Einflüssen, die wir alle einbringen.
Verarbeitet ihr persönliche Erlebnisse und Erfahrungen in euren Songs?
Ross: Ja klar. Wir versuchen über Dinge zu singen, zu denen wir einen Bezug haben. Wir singen über Themen, die Realität für uns sind, alles andere ist Quatsch.
Wie entsteht ein Lied?
Ross: Wenn man ein Lied schreibt, verarbeitet man Dinge, die man im Kopf hat. Die Umsetzung in ein Lied ist manchmal allerdings sehr schwierig, beispielsweise, wenn man über Freunde singt, die man verloren hat. Wenn man solche Lieder schreibt, die später auf den Alben sind, wollen wir diese natürlich auch bei Konzerten spielen, aber es fällt einem trotzdem immer schwer.
Welcher eurer vielen Songs ist dein Lieblingslied?
Ross: Das kann ich nicht genau sagen, dass ist schwer. Momentan sind es‚ „Staring at Satallites“ vom neuen Album und die Akustikversion von „Evidence“. Ich liebe es diese Akustikversion zu spielen, aber die elektronische Version macht auch Spaß. Meine Lieblingslieder wechseln und das ist auch klar. Wir arbeiten so lange an den Liedern, bis sie uns gefallen.
Ihr habt jetzt das fünfte Album veröffentlicht. „All or Nothing“ und „Jekyll and Hyde“ waren die ersten Alben, die ich in Afrika kennengelernt habe. Was kannst du über das neue Album „Evidence“ sagen, worin unterscheidet es sich von den anderen Alben?
Ross: Es ist nicht besser, aber anders! „Jekyll and Hyde“ ist ein besonderes Album für uns, da es das erste Album mit Dale war. Die Band hat sich neu gefunden, es hat alles gepasst. So sehen wir „Jekyll and Hyde“ als unser erstes gemeinsames Album an. Das neue Album „Evidence“ ist unser nächster Schritt. Deshalb kann man nicht sagen, dass es besser ist, sondern es ist anders. Dale hat sehr viel an dem Album mitgearbeitet und das war super! Jetzt sind wir die endgültigen und perfekten Fünf!
Wie lange habt ihr am Album gearbeitet?
Ross: Wir haben ungefähr 1 ½ bis 2 Jahre daran gearbeitet, aber nicht immer im Studio, sondern meistens auf Tour. In Dales Studio „Bat Mountain“ in Johannesburg haben wir das Album aufgenommen und es hat Spaß gemacht.
Ihr habt viele interessanten Lieder auf dem neuen Album, aber wenn irgendjemand der Name des Liedes „Time kills us all” liest, würde er diesen Satz unterschreiben wollen und zugleich wissen, um was es in diesem Lied geht. Kannst du das Lied kurz beschreiben?!
Ross: Wenn ein Familienmitglied, Freunde oder sonstige Menschen die man gern hat, vor einem sterben oder weggehen, dann hofft man, diese Menschen irgendwann wiederzusehen. Die Zeit tötet uns irgendwann alle, und wir warten darauf. Wir sind alle Sklaven der Zeit.
Was können eure Fans oder Menschen, die euch nicht kennen, von eurem neuen Album erwarten?
Ross: Es ist ein Album mit viel neuer Energie und neuem Leben, das wir drin investiert haben. Die Leute können das aus dem Album heraushören. Durch die energiegeladene CD hat man das Gefühl, jünger zu sein.
Es ist in diesem Jahr eure zweite Tour in Deutschland. Damals hab ich euch in einem kleinen Club in Saarbrücken gesehen, es waren vielleicht zwanzig Leute im Publikum. In Südafrika spielt ihr vor Tausenden. Wie ist es vor ganz wenigen Menschen zu spielen?
Ross: Es war für uns eigentlich keine Frage, dass wir nicht auch vor wenigen Menschen spielen, denn wir lieben unsere Musik und möchten mit denjenigen die auf den Konzerten sind Spaß haben. Es ist uns auch bewusst, dass hier noch alles neu ist und wir noch nicht so bekannt sind. Aus diesem Grund ist es schön zu sehen, dass sich das ändert und immer mehr Leute zu unseren Konzerten kommen. Die Menge wächst von zwanzig auf vierzig und dann stehen hunderte von Menschen vor der Bühne. Und das ist cool. Es macht natürlich auch Spaß vor tausenden von Fans zu spielen, aber im Grunde freuen wir uns einfach, Musik machen zu dürfen!
Wo in Deutschland spielt ihr am Liebsten? Habt ihr eine Lieblingsstadt?
Ross: Berlin ist toll! Hamburg ist auch sehr schön…, was sich dort alles bewegt. Die Stadt hat eine besondere Dynamik. Wir lernen Deutschland immer besser kennen, sehen viel, aber in Berlin verbringen wir die meiste Zeit. Es gibt dort so viele verschiedene Menschen, mit denen man Spaß haben kann und das gibt uns ein gutes Gefühl.
Ihr habt euch schon mit vielen berühmten Musikern die Bühne geteilt, z. B. Seether und jetzt mit 3 Doors Down. Mit wem würdet ihr gerne mal auf Tour gehen?
Ross: Wir sind große „Foo Fighters“- Fans. Mit dieser Band, gerade mit Dave Grohl, würden wir gerne mal auf Tour gehen. „Foo Fighters“ sind einfach großartig.
Wie sieht bei euch ein Tag auf einer Deutschland-Tour aus?
Ross: Der typische Tag sieht so aus. Wir sitzen im Bus, schauen aus dem Fenster und fahren zum nächsten Konzert. Das haben wir vor vielen Jahren auch in Südafrika gemacht und wir mögen das. Es ist schön, verschiedene Landschaften zu sehen. Wenn wir lange im Bus sitzen, tanken wir viel Energie, die wir später auf der Bühne rauslassen können.
Warum seid ihr hauptsächlich nur in Südafrika auf Tour und nicht in Namibia oder in anderen afrikanischen Ländern?
Ross: Wir haben schon einige Konzerte in Namibia und Botswana gegeben. Auch im Swaziland hatten wir ein schönes Festival gespielt, mit vielen dunkelhäutigen Menschen und es war interessant zu sehen, wie ihnen unsere Rockmusik gefällt. Es ist schön für uns, dort zu spielen, aber auch sehr schwierig. Wir möchten auch mehr „international“ spielen, was einfacher ist, als in Afrika, denn dort ist alles etwas komplizierter.
Ihr habt in Südafrika auch schon einige Awards gewonnen. Was bedeuten euch solche Preise?
Ross: Es gibt einen Preis, den „People Choice Award“, der uns viel bedeutet, da der bei den Fans übergeben wird, die uns diesen Preis auch ermöglichen. Es ist nett Preise zu bekommen, aber wir stehen lieber auf der Bühne und machen Musik.
In meiner Zeit in Namibia war ich auf vielen Konzerten von afrikanischen Musikern. Gibt es afrikanische Künstler, die du dir gerne anhörst?
Ross: Johnny Clegg. Er ist der größte Superstar bei uns. Er ist wirklich ein großartiger Musiker. Er ist ein „White-Black Man“, der afrikanische Musik mit internationalen Styles mischt. Johnny Clegg ist ein musikalisches Vorbild. Gute traditionelle Musik macht auch „Ladysmith Black Mambazo“.
Letzte Frage, Ross: Was sind die weiteren musikalischen Pläne für die nächsten Jahre mit der Band?
Ross: Wir wollen viel in Europa touren und vielleicht auch in den USA, aber hauptsächlich in Europa. Außerdem möchten wir weitere Alben aufnehmen. Es wird beispielsweise ein Akustik-Album geben, mit vielen alten und einigen neuen Liedern. Wir haben eine Menge zu tun und dann kommen wir wieder!
Die Fragen stellte Anika Biwer, Trier. Ein herzlicher Dank geht an Maren Kumpe vom Music Matters, die das Interview möglich gemacht hat!
Kings of Leon Fotos Lanxess Arena / Köln am 20.06.2013
Prime Circle stammen aus der südafrikanischen Bergbaustadt Witbank. Seit Dezember 2000 stellen die Herren um Frontsänger Ross Learmonth die komplette Musikszene in Südafrika auf den Kopf. Nach ihrem Debütalbum im Jahr 2003 gelten sie als erfolgreichster Rock Act in der Geschichte Südafrikas. Mit ihren Rockballaden und Rockhymnen bereichern sie nicht nur die südafrikanische Musikszene, sondern sie erobern auch immer mehr den europäischen Musikmarkt.
Mit den Neuzugängen, dem Keyboarder Neil Breytenbach im Juli 2007 und dem Schlagzeuger Dale Schnettler im September 2008 sind laut Ross Learmonth die „endgültigen und perfekten Fünf“ zusammen. Nach der erfolgreichen Evidence-ReLoaded Tour im April ist die Band nun für einige Konzerte zurück in Deutschland. Neben den Konzerten mit den US-Rockern von 3 Doors Down haben Prime Circle auch drei Club-Shows gespielt, wie in Karlsruhe im Substage.
Am Freitag, den 14.06.2013, war es soweit. Die Band aus Südafrika hat nach einer langen Autofahrt aus Berlin und einigen Staus das Substage erreicht. Nach dem Aufbau und einer ordentlichen Stärkung fand der Frontman Ross Learmonth noch die Zeit für ein Interview, das ihr HIER nachlesen könnt!
Gegen 21.00 Uhr eröffnete die Supportband Unbuttoned Heart aus Ulm und heizte dem Publikum gemischten Alters ordentlich ein. Als Prime Circle gegen 21.50 Uhr die Bühne betraten und das erste Lied „Closure“ anstimmten, gab es kein Halten mehr.
Neben dem bekanntesten Song „Hello“, den die Band für die WM 2010 in Südafrika geschrieben hat, sowie „Breathing“, „Jekyll and Hyde“, „Never gonna bring us down“, „Turning in my sleep“, „She always get what she wants“, „Everything you need“ und „Live this life“, stellten Prime Circle einige Songs aus ihrem neuen Album „Evidence” vor.
„Time kills us all”, „Change”, „Staring at Satellites“, „Evidence“, „Know you better” oder „King for a day” rissen ungefähr 350 Fans im Substage mit. Viele sangen mit und tanzten zu den Songs. Kurz vor Schluss wurde es dann etwas ruhiger und nachdenklicher: Zuerst stand Frontman Ross Learmonth zusammen mit Keyboarder Neil Breytenbach auf der Bühne und stimmte „Turn me to Stone“ an, ein Song für die Menschen, die nicht mehr da sind.
Nach und nach stießen die restlichen Bandmitglieder dazu, der Bassist Marco Gomes, der Gitarrist Dirk Bisschoff und der Schlagzeuger Dale Schnettler. Sie erzeugten eine Stimmung, die Gänsehaut auslöste!
Gewohnt rockiger ging es dann weiter. Am Ende ließ das Publikum die Band erst nach drei Zugaben gehen. Nach 1 ½ Stunden verabschiedeten sich Prime Circle endgültig mit dem Lied „Consider me“ von den Fans aus dem Substage in Karlsruhe.
Nach dem Konzert stand die Band den Fans am Merchstand noch für Autogrammwünsche und Fotos zur Verfügung. Dort wurde mir im Gespräch mit einigen Zuschauern schnell klar, dass für viele Fans kein Weg zu weit ist, um Prime Circle live zu sehen. Einige kamen extra aus Trier, Saarbrücken, Ludwigshafen, Stuttgart und sogar aus Südafrika angereist.
An diesem Abend hat Ross Learmonth wieder mit seiner Stimme überzeugt und die Rockband hat bewiesen, warum sie nicht nur in Südafrika so erfolgreich ist, sondern auch langsam in Europa durchstartet. Ich bin mir sicher, dass Prime Circle nach diesem Abend wieder einige neue Fans haben.
Der erste richtige Sommertag im Jahre 2013 treibt die Massen in Frankfurt in die Innenstadt oder an den Main. Aber eine Handvoll freut sich darauf in eine Kirche zu gehen und einem Konzert zu lauschen. Schnell wird beim Anblick des Publikums klar: Wer keine Tattoos hat, gehört hier zur Minderheit. Man folgt dem Trend der Hauptperson des heutigen Abends. Dallas Green steht unter seinem Bandnamen „City And Colour“ im Frankfurter Sankt Peter auf der Bühne.
Bereits eine gute halbe Stunde vor Einlass sitzen die ersten Fans im Schatten der einstigen Kirche mitten im Zentrum der Stadt am Main. Mit rund 500 Besuchern ist die Location komplett ausverkauft. Die Tickets waren schon innerhalb von zwei Tagen vergriffen. Den Abend eröffnet die Band Twin Forks und nachdem sich über die Hitze beschwert wird und der Fehlstart des ersten Songs weggelacht ist, geht es los. Die Band überzeugt mit einer Mischung aus Folk- und Countrymusik und bringt das Publikum schon einmal in Bewegungslaune. Unter anständigem Applaus endete das Set nach etwa 45 Minuten.
Pünktlich um 21 Uhr entert ein gut gelaunter Dallas Green samt vier Mitmusikern die Bühne. Das Set besteht aus einer sehr ausgewogenen Mischung aus alten Songs und welchen, die gerade erst mit dem Album „The Hurry And The Harm“ – wie „Harder Than Stone“ – auf den Markt gekommen sind. Aber gerade bei den älteren Songs wie „Waiting“ ist das Publikum sehr begeistert. Es wird viel mitgesungen oder mitgeklatscht.
Zur Zugabe – eröffnet durch „Body In A Box“ – bittet dann Dallas Green das Publikum für – wenigstens einen – Song die etlichen Handies und Kameras weg zu stecken und das Konzert für immerhin diesen einen Song direkt zu erleben. Und nicht: „instead of watching a shitty version on your computer“. Nach gut 100 Minuten ist das Konzert dann beendet. Vielen Leuten sieht man an, dass sie die sehr gute Show genossen haben. Aber man sieht ihnen auch an, dass sie froh sind, endlich aus der gut 35Grad warmen Location raus zu kommen. Nicht nur eine(n) hat es während des Konzertes von den Füssen gezogen.
Fakt ist: Wer einmal die Chance geboten bekommt, City And Colour zu sehen, nein… zu erleben, dem sei dies dringend anzuraten. Als nächstes besteht diese Möglichkeit beim Doppelfestival Hurricane/Southside am kommenden Wochenende!
Die Fotos der Show findet ihr hier: City and Colour Fotos aus Frankfurt
City and Colour Fotos Jugend-Kultur-Kirche Sankt-Peter
Die Sommerkonzerte an der Nordmole in Mainz – da versammelt sich eine hübsche Auswahl von nationalen und internationalen Musikgrößen. Und als ich sah, dass auch Philipp Poisel sich auf die riesige Bühne wagt, lautete die Devise „Nix wie hin“. Mal zunächst was zum Ambiente: Das Konzertgelände liegt am Rhein. Das bringt ein Problem mit sich, das man schon aus Bonn kennt. Die Parkfläche ist naturgemäß knapp, da in einer Richtung der Rhein die natürliche Grenze bildet. Die Einweisung des Personals bestand darin, zu zeigen, wo man nicht hinfahren darf. Hinweis auf geeignete Parkflächen? Fehlanzeige! Also rein in die Stadt, Nebenstraße gesucht, kleiner Fußmarsch. War okay, vor allem weil das Wetter mitspielte. Was für ein herrlicher Sommertag. Die Bühne in glänzendes Licht getaucht – ein Ambiente wie geschaffen für den sanften Virtuosen.
Den Anfang machte aber die Alin Coen Band. Frontfrau Alin Coen ist spätestens seit dem „Projekt Seerosenteich“ ein Begriff, wo sie zur kongenialen Duettpartnerin von Poisel wurde. Eine großartige Stimme, die so gar nicht zu den schüchternen Ansagen passen will, die sie abliefert. Aber das macht Alin so sympathisch. Sie singt zunächst einige englische Stücke und wechselt dann ins Deutsche. Sehr ungewöhnlich. Folkpop und viel Melancholie – so lässt sich das am besten beschreiben. Und wenn es mich plötzlich stört, wie laut die Zuschauer neben mir quatschen, weil ich der Vorband lauschen will, wird mir klar wie gut mir diese Musik gefällt. Vor allem die deutschen Stücke waren sehr emotional und ergreifend. „We’re Not the Ones We Thought We Were“ heißt das neue Album, das am 28. Juni erscheint. Meine Empfehlung! Die Sängerin bot ein respektables Mini-Konzert. Eine halbe Stunde, die wie im Flug verging. Und man sollte ja Alin Coens Stimme im Lauf des Abends noch öfter hören.
Pünktlich um 20 Uhr begann Philipp Poisel. Und mir war schon etwas bange, wie seine Musik auf der Riesenbühne und vor gut Zwölftausend Menschen funktionieren wird. 2011 war er mit „Bis nach Toulouse“ unterwegs – unter anderem in der nicht ganz gefüllten Trierer Europahalle. Das war noch ein typisches Songwriter-Konzert vor studentischer und vorwiegend weiblicher Zuhörerschaft. Danach gelang Poisel der große Coup und er stellte 2012 das „Projekt Seerosenteich“ auf die Beine, das Konzerthallen und ungewöhnliche Spielstätten (wie die Luxemburger Philharmonie) füllte und mit seiner ins Detail ausgefeilten Virtuosität die Besucher begeisterte. Der Dank war das erste Nummer 1-Album seiner Karriere, das Livealbum zur Tour.
Jetzt die nächstgrößere Nummer – Open Air auf riesigem Gelände. Würde Philipp Poisel es schaffen, den Zauber und die Intimität der Projektkonzerte in diesen Rahmen zu retten? Ein erster Hinweis war das liebevoll gestaltete Bühnenbild. Ein Wald aus geometrischen Figuren, in Goldpapier eingewickelt, die den Zuschauern entgegen glänzten. Das hatte etwas Magisches, vor allem, wenn die Sonne reflektiert wurde.
Zunächst war die Rockband auf der Bühne und Philipp wurde mit tosendem Applaus empfangen. Fast ein wenig eingeschüchtert stand er da, legte aber ordentlich los und präsentierte auch Stücke, die man auf den letzten Konzerten nicht zu hören bekam. Das war schon mal ein guter Anfang. Er war bestens gelaunt, begrüßte den Sommer und animierte die Masse zum Mitfreuen.
Richtig genial wurde es aber, als die Mitstreiter vom „Projekt Seerosenteich“ die Bühne enterten. Das Streichquartett und Alin Coen sorgten wieder für eine Klangfülle, die Poisels Songs würdig ist. Der bauchdröhnende Kontrabass, die sanften Streicher, Alins Stimme als Ergänzung zu Poisels emotional-vernuschelten Vocals, Glockenspielklänge. Oh ja, das funktioniert auch auf der großen Bühne! Und Songs wie „Bis nach Toulouse“, „Zünde alle Feuer“, „Halt mich“ und „Wo fängt dein Himmel an“ sind einfach zeitlos schön. Sie gewinnen zudem durch Philipps Ansagen, die gerne etwas über die Hintergründe der Lyrics verraten.
Was aber ist mit den intimen Momenten? Mitten im Zuschauerraum gab es ein kleines Podest. Wirklich winzig. Dort tauchte Philipp zunächst allein mit Gitarre auf und gab eine herzzerreißende Version von „Froh dabei zu sein“ zum Besten. Ich finde es allemal mutig, auf der Bühne von seiner Angst vor dem Tod und dem Umgang mit der Sterblichkeit zu singen, dann noch allein in dieser Zuschauermasse. Und der Moment war voller Magie – spätestens als sich ein Chor entwickelte, der Tonreihen und schließlich ganze Textzeilen mit sang. Dass Philipp die erste Strophe versemmelte, wurde mehr als nebensächlich. Danach kam der Rest der Band mit Alin zum Podest und es wurde wahrlich eng. Das sorgte schon für Gelächter, als Philipp und Alin sich aneinander vorbei schlängeln mussten, um während der Songs die Standmikros zu wechseln, damit jeder mal in jede Richtung singt.
„Als gäb‘s kein Morgen mehr“ brachte auf der Bühne wieder laute Momente. Gerade wenn Poisel gesanglich in die Höhen geht oder ein wenig hysterische Schreie ausstößt, klingt er wie sein Entdecker Herbert Grönemeyer. Und den stimmgewaltigen Abschluss „Ich will nur“ zelebrierte er zunächst mit dem Publikum, um dann als Zugabe eine Art Big-Beat-Version mit Dancehall-Sound, dunklen Bässen und kleiner Pyroshow zu präsentieren. Das war nach Zwei Stunden und Fünfzehn Minuten ein unerwartet lauter Abschluss eines im Allgemeinen recht verträumten Konzertabends. Der Knalleffekt hat aber gepasst.
Philipp Poisel ist umstritten – ganz klar. Viele mögen seine weinerliche Art nicht, oder das nuschlige in der Stimme. Ich aber muss sagen, dass ich ihn in Mainz mal wieder absolut überzeugend und stark fand. Das Spiel mit den Emotionen, das Mitnehmen der Zuschauer in seine ganz eigene Welt. Man nimmt ihm jedes Wort ab. Und die kleinen Fehler (mal den Text vergessen, Gitarre verstimmt, falsch in die Tasten gegriffen, zu früh von der Bühne gestolpert) machen ihn so menschlich und heben ihn über jedes Superstar-Getue hinweg. Mein Fazit: Auch Männer dürfen das Poiselchen mögen. Und der sopranlastige Zuschauerchor könnte noch einige Bass-Stimmen vertragen. Es gibt in diesem Sommer noch eine Reihe von Gelegenheiten. Geht hin!
Rock am Ring Fotos 2013
„Everyone is paranoid” erklingt es mantrahaft aus den Boxen des kleinen Saals im Dortmunder FZW als zwei schräge Vögel die Bühne betreten. Drummer Ashton Bird macht noch ein paar Liegestütze auf offener Bühne, während sein Bruder Caleb die fünfsaitige Gitarre brummen lässt. Wahrscheinlich würde ihm auch ein dreisaitiges Instrument genügen, denn er bevorzugt die tiefen Töne. Schon beim Opener „People” dröhnt es so gewaltig aus seinen Amps, dass sich niemand der vielleicht 150 Zuschauer mehr fragt, wo denn der Bassist verlorengegangen sei. Den Bird-Brüdern reicht ein Bass-Verstärker, durch den das Gitarrensignal zusätzlich geschliffen wird. Und sollte das mal nicht genug sein, stimmt Caleb die Gitarre eben noch ein paar Halbtöne nach unten.
Dass zwei Instrumente völlig ausreichen können, ist natürlich auch ein Verdienst von Ashton an den Drums. Schon nach dem zweiten Stück „Weight” entledigt er sich seines so ausgeleierten wie störenden Oberteils. Klischeefreie Tatoos wie „sweet” über der einen und „sour” über der anderen Brustwarze offenbaren sich in kleiner Schrift nur den besten Augen. Wild treibt Ashton „Psychorain” voran, das aber hauptsächlich vom knabenhaften Doppelgesang der Brüder lebt. Der Gegensatz von wuchtigen Riffs und zerbrechlich wirkenden Stimmen ist das herausstechende Merkmal des Stonerrocks à la Tweak Bird. Ein weiteres ist die Kürze der Songs, die live gespielt zwar hier und da durch Jams gestreckt werden, ansonsten aber Mühe haben, die Zwei-Minuten-Schallmauer zu durchbrechen.
Die psychedelische Seite der beiden Wahl-Kalifornier bringt vor allem „The Future” vom Album „Tweak Bird” hervor. Mit „Lights in Lines” wird ein weiterer Kracher dieses Albums zum Besten gegeben. Ansonsten besteht das Set fast ausschließlich aus Songs des aktuellen Werks „Undercover Crops” welches vom Melvins Drummer Dale Crover produziert wurde (hier gibt’s das Review). Dass die Tweak Birds also schon die Melvins als Support Act begleitet haben liegt nahe. Etwas überraschender dagegen ist die Tasache, dass sie diese Rolle auch schon für die Progrocker von Tool 2009 eingenommen haben. Ashton und Caleb haben große Fürsprecher, die in ihnen ein recht einzigartiges Phänomen entdeckt haben. Vergleiche mit anderen Bands bleiben nämlich schon im Ansatz stecken.
Mit „Pigeons” wird auch mal ein Gang runter geschaltet und zusammen mit dem anschließenden Jam entwickelt es sich zum längsten Stück des Abends. Dieser ist nicht nur musikalisch interessant, sondern auch äußerst unterhaltsam. Ashton übernimmt den Job des Teilzeit-Standup-Comedians. Dialoge wie „Here we go” (Ashton) – „Here we go, too” (Caleb) vor dem tollen „Bunch Of Brains” sind einfach amüsant. Nach 50 Minuten voller Hingabe verlassen die beiden die Bühne. Bis zur Zugabe dauert es lange und sie scheint tatsächlich spontan zu sein. Zumindest soll der Handtuch-Turban auf Calebs Kopf dies vermitteln. Stand er schon halb unter der Dusche? Als Bonus gibt es ein schönes Cover der T.Rex-Hitsingle „Children Of The Revolution”. Jetzt aber wirklich ab unter die Dusche ihr zwei und vielen Dank für die kurzweilige Unterhaltung!