Das Projekt von Steve Rothery und Thorsten Quaeschning war schon länger in der Pipeline. Bereits beim Berliner Marillion Weekend im Juni 2023 stellten die beiden erste musikalische Ergebnisse vor, die durchaus beeindruckend waren. Ist ja auch kein Wunder, wenn zwei so begnadete Musiker aufeinander treffen. Steve gilt seit den 80er Jahren als Gitarrengott und wird für seine ausgiebigen Soli bei Marillion von Tausenden Fans bewundert. Quaeschning gehört seit über zwanzig Jahren zu den legendären Tangerine Dream, die als Pioniere der elektronischen Musik gelten und bis heute weltweit aktiv sind. Als dienstältestes Mitglied der aktuellen Besetzung ist Thorsten der kreative Kopf der Band.
Copyright: earMUSIC, Fotocredit: Thomas Ecke
Kein Wunder, dass es aufhorchen lässt, wenn zwei solche Musiker sich zu einem Duo-Projekt zusammenschließen. Ihr Debütalbum „Gentō“ ist gerade erschienen und lädt ein auf eine atmosphärische Reise, bei welcher zwei eigenständige musikalische Welten aufeinandertreffen. Gemeinsam bringen sie jahrzehntelange musikalische Erfahrung in das Projekt ein, welches nicht nur eine stilistische Verschmelzung, sondern ein durchdachter Dialog zwischen zwei etablierten musikalischen Welten ist. Der Name Bioscope stammt aus dem Griechischen: bios (Leben) und skopeein (schauen). Vor der Vereinnahmung durchs Kino bedeutete er „ein Blick auf das Leben“ – eine treffende Metapher für ein Projekt, das musikalische Erfahrung in gemeinsame Wahrnehmung verwandelt.
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Angefangen hat es 2020 mit einem ersten Treffen in Berlin und in den darauffolgenden Jahren haben Rothery und Quaeschning stetig weiter an den Kompositionen gefeilt, bis sie dann in einer fünftägigen Session in Rotherys Heimstudio im Südwesten Englands fertiggestellt wurden. Jeder der fünf Instrumental Tracks ist von der Faszination des Menschen für das Bewegtbild inspiriert. Die Musik reicht von eindrucksvollen Gitarrenklängen, die an klassischen Progressive Rock erinnern, bis hin zu rhythmischen Sequencer-Passagen im Stil der Berliner Schule.
Copyright: earMUSIC, Fotocredit: Thomas Ecke
Das Album bietet einen gediegenen Ambient-Sound, gepaart mit Rotherys grandiosem Gitarrenspiel. So entwickelt sich eine schöne Dynamik, die durch das Album trägt. Man wird an die elegischen Melodien von Vangelis erinnert, aber auch an Pink Floyd, womit der Bogen zum modernen Prog geschlagen ist. Spacige Konstrukte, viel Synthesizer – und wenn dann die Gitarre groß einsetzt, könnte aus mancher Passage auch ein klassischer Marillion-Song werden. Fans beider Lager werden begeistert sein!
Das mir vorliegende CD+Blu-ray-Digipak enthält das komplette Album auf CD sowie hochauflösende Audioformate auf Blu-ray: PCM Stereo, Dolby Atmos und 5.1 (48kHz/24bit). Sound-Enthusiasten kommen so definitiv auf ihre Kosten!
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Gerade habe ich den neuen Roman von Freida McFeddan beendet. „Der Lehrer“ ist ein psychologischer Thriller, der sehr zu überzeugen weiß. Die Autorin verwendet den Kniff, ihre Geschichte aus der Sicht zweier Protagonistinnen zu erzählen, die zudem Gegenspielerinnen sind: einer Schülerin und ihrer Lehrerin. Warum der Roman nicht „Die Lehrerin“ heißt, sondern die männliche Form verwendet, wird auch schon ganz zu Beginn klar. Eigentlich dreht sich nämlich alles um den beliebten Englischlehrer Nate Bennett, den Ehemann der erwachsenen Ich-Erzählerin.
Zum Inhalt: Eigentlich hat Eve Bennett ein gutes Leben. Sie ist Mathelehrerin an der örtlichen Highschool und verheiratet mit Nate, der dort Englisch unterrichtet. Doch letztes Jahr wurde die Schule von einem Skandal erschüttert, in dessen Zentrum eine Schülerin stand. Und dieses Jahr ist diese Schülerin in Eves Klasse. Addie kann man nicht trauen, sie lügt und verletzt Menschen. Aber niemand kennt die wahre Addie. Niemand kennt das Geheimnis, das sie zerstören könnte. Und Addie würde alles dafür tun, dass es so bleibt. Ihr einziger Lichtblick in diesem Schuljahr: ihr neuer Englischlehrer Nate Bennett.
Die beiden Sichtweisen werfen ein unterschiedliches Bild auf das Geschehen. Eve ist frustriert von ihrer Ehe und dem Mann, der sie nur noch oberflächlich liebt. Sie sucht nach Zerstreuung, liebt Schuhe und den Schuhverkäufer – zudem will sie eine gute und doch einigermaßen strenge Lehrerin sein. Aus der Sicht von Addie passt sie nicht zu dem beliebten und sympathischen Englischlehrer, der immer Verständnis für seine Schüler*innen hat. Seele und Verliebtheit der 16jährigen Teenagerin sind sehr gut beschrieben und man kann ihre Motive einigermaßen nachvollziehen.
Es gibt einige überraschende Wendungen, vor allem wenn nach drei Vierteln des Buches ein Perspektivwechsel stattfindet und Ereignisse auch aus Nates Sicht geschildert werden. Entwickeln die tragischen Geschehnisse eine Eigendynamik, die nicht mehr aufzuhalten ist? Wird am Ende ein Mord geschehen? Ich will nicht zu viel verraten, aber es bleibt spannend und in Teilen unvorhersehbar bis zur letzten Romanseite. Zudem werden viele Themen angeschnitten, die für sich eine Erzählung wert sind: Mobbing, Gewalt in der Ehe, Missbrauch, Sex mit Minderjährigen, außereheliche Affären – da kommt einiges zusammen.
Einzig die alte Geschichte um einen Lehrer, der die Schule verlassen hat, weil ihm ein Verhältnis mit Addie nachgesagt wurde, kommt meiner Ansicht nach zu kurz und wird nicht genügend beleuchtet. Da bleibt noch einiges im Dunkeln, über das ich als Leser gern mehr erfahren hätte. Davon abgesehen ist „Der Lehrer“ aber ein raffiniert aufgebauter Thriller mit vielen Überraschungen. Flüssig zu lesen, geradlinig erzählt und ein echter Pageturner.
Nachdem Anna Buchegger bereits die Singles „Maria“ und „Wos i nit bin“ aus ihrem am 03. Oktober 2025 erscheinenden, zweiten Album „Soiz“ veröffentlichte, folgt heute mit „Teppich“ eine weitere Single.
Sich gegenseitig zuhören, das Erfasste verarbeiten, in den richtigen Kontext setzen und in einer offenen, vorurteilsfreien Atmosphäre miteinander reden – die wichtigen und vom Aussterben bedrohten Tugenden des Diskurses und des Miteinanders im Allgemeinen sind der Salzburger Sängerin Anna Buchegger ein besonderes Anliegen. „Ois is schwoaz oder weiß, dazwischen gibt’s nix mehr wos bleib, es geht bergåb und ois foaht schuss, dass de Sicht schlecht is, is jed’m wurscht“ besingt sie wütend und fordernd in ihrer neuen und dritten Single „Teppich“. Ein in Liedform gegossenes Manifest gegen Engstirnigkeit, Sturheit und die allumfassende Egozentrik der Gegenwart.
Credit: Anna Buchegger
Wie können Probleme und Missverständnisse gelöst und geklärt werden, wenn man sich dem Gegenüber nicht mehr öffnet und alles unter den Teppich kehrt, was nicht ins eigene Weltbild passt? „Mia sitzt’n uns auf de Fehler drauf, jeder suacht si an Schuldigen aus“ – Buchegger zeichnet ein bedrohliches und längst Realität gewordenes Szenario aus Unverständnis und Ignoranz.
Sanft wird das Lied mit Piano-Klängen eingeleitet, bevor es sich mit einem intensiven Bläsersatz zu einem Klangmonolith erhebt und mit knarzig-dissonanten Geigenklängen am Ende so verstört, wie es die Menschen in ihrem Umgang untereinandermachen. „Mia håm nix mehr zu verlier’n, hiaz kimma uns ungeniert gegenseitig ohliag’n“ – was bleibt, wenn die Ehrlichkeit verschwindet und man sich von allen Problemen abwendet? Lüften wir den Teppich, bevor es zu spät ist.
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Für „Windschatten“ erhielt Buchegger u.a. zwei Amadeus Award-Nominierungen, den Hubert von Goisern Kulturpreis 2024 und ein ARTE TRACKS-Porträt. Mit Songs wie „Fisch“ oder „Vaterland“ hat sie nicht nur das Konzept von „Heimat“ neu definiert, sondern auch bewiesen, dass Popmusik zugleich poetisch und politisch sein kann.
Mit „Soiz“ wird aus innerer Reibung eine neue Sicherheit – eine, die Dialekt, Widerstand, Selbstironie und musikalisches Wagnis miteinander verbindet. Der Sound ist kantiger, lauter, experimenteller. Die Kunstfigur zwischen Clown, Couture und Tracht wird weiterentwickelt und steht sinnbildlich für den Anspruch, Tradition nicht zu konservieren, sondern zu konfrontieren.
Was der Bluesrock-Gitarrist, Sänger, Songwriter, Komponist und Texter aus New York im Vierteljahrhundert seit Karrierestart veröffentlicht hat, kann ganze CD-Regale füllen. Nicht nur seine Solo-Veröffentlichungen, auch die Projekte mit Beth Hart und Black Country Communion sind Legion. Je nach Zählweise sind es über fünfzig Alben aus seiner Feder. Ob er nun Blues-Klassiker covert oder eigene Werke interpretiert – sein Gitarrenspiel ist einfach göttlich. Und auch seine Vocals hat man inzwischen im Ohr.
Fotocredit: Haluk Gurer
Das neue Album ist mal wieder ein Gesamtkunstwerk – beginnend mit dem grandiosen Cover, das eine sich öffnende Tür zeigt, die aus der Dunkelheit ins Licht führt. Es ist sein stilistisch vielfältigstes und emotional eindrucksvollstes Werk. Die zehn Songs umfassende CD/LP umfasst diverse Genres und verbindet globale Einflüsse mit tiefgründigem Songwriting und natürlich Bonamassas charakteristischer Gitarrenkunst.
Zeitgleich mit dem Album-Release veröffentlichte Bonamassa die neue Single „Broken Record“ – eine eindringliche, langsam glühende Meditation über Widerstandsfähigkeit, Reflexion und die emotionale Last langer Wege. Mit seinem grüblerischen Arrangement und den introspektiven Texten offenbart der Track eine weitere Seite von Bonamassas sich ständig weiterentwickelndem künstlerischem Schaffen: “I’ve been lost in the wilderness / For too long, too long / Singing the same old song.”
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„Breakthrough“ wurde von seinem langjährigen Weggefährten Kevin Shirley (Iron Maiden, Journey, The Black Crowes) produziert und in Los Angeles, Nashville und Griechenland aufgenommen. Es zeigt Bonamassa in seiner furchtlosesten Form, wie er sich über seine Blues-Wurzeln hinauswagt und sich ganz einer weiten Palette an Klängen und Geschichten hingibt. Von Texas Swing und Singer-Songwriter-Intimität bis hin zu schwungvollem Rock und funky Soul vereint das Album alles, was er im Lauf seiner Karriere perfektioniert hat.
„Trigger Finger“ war die vierte Single-Veröffentlichung und folgt auf den Titeltrack, eine gefühlvolle und erhebende Hymne der Transformation. Davor erschienen das stimmungsvolle, introspektive „Shake This Ground“ und das warme, groove-betonte „Still Walking With Me“. Jede dieser Singles präsentiert eine andere Facette von Bonamassas sich immer weiter entwickelndem künstlerischem Schaffen.
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Es gibt viel Gitarrenpower, aber auch gefühlvolle Balladen. Trotz der exorbitanten Soli vergisst Bonamassa nicht den erzählenden Charakter seiner Songs. Das macht seine Musik seit vielen Jahrzehnten aus.
Johna ist eine Songwriterin aus Köln, die mit akustischer Musik zwischen Country, Pop und Folk glänzt. Sie begann in englischer Sprache, ist aber inzwischen zu ihrer Muttersprache gewechselt. Das wundervolle Album „Postkarten“ erschien vor drei Jahren. Jetzt ist sie mit einer neuen EP am Start, die den Titel „Nachtzug“ trägt.
Ihre Handschrift: Sanfte Töne verbinden sich mit starken Botschaften zu Songs, die zum Nachdenken einladen oder einfach Spaß machen und die Gefühle tanzen lassen. Ihre Musik lässt Einflüsse wie Sarah McLachlan, Heather Nova oder Jewel erkennen, ohne zu kopieren. Mit ihrer aktuellen EP setzt sie diese Reise fort und lässt ihre Zuhörer dabei wie gewohnt ganz nah an sich heran. Sie zeigt das emotionale Gepäck, den Ballast aber auch die schönen Souvenirs, die ihr Leben als Mensch und Künstlerin prägen.
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Die Stücke „Nachtzug“ und „Wolken“ sind ganz philosophisch gehalten. Sehr atmosphärisch und gefühlvoll beschreibt Johna Situationen, die viele schon erlebt haben. „Karma“ ist der einzige Song, der mich nicht ganz überzeugt. Er erzählt von negativen Menschen, die sich nach außen gut darstellen, aber in Wirklichkeit lügen und betrügen. Musikalisch okay, aber inhaltlich zu flach.
Wunderschön jedoch sind die Lieder, in denen es vermutlich um eigene Erlebnisse geht. „15“ spricht mit dem jugendlichen Ich der Sängerin, einer Aussenseiterin, die in der Schule gemobbt wurde, jetzt aber als starke Frau auf diese Zeit zurückblickt. Sehr stark! Und ganz emotional geht es in „Still und leise“ um den Abschied von einem geliebten Menschen. Die beschriebene Situation ist nachvollziehbar und verursacht Gänsehaut.
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Die EP ist gefüllt mit einer Idee von Americana made in Germany, aber ohne sich etwas anzueignen. In der Tradition der Singer/Songwriter*innen verwurzelt, offenbart Johna Gefühle und Gedanken, mal zart und zerbrechlich, mal stark und kämpferisch. In einer Welt, die viel vom Außen geprägt ist, lenkt sie den Fokus auf das Innere und lädt ihre Zuhörer*innen ein, das Gleiche zu tun: sich an das Gestern erinnern und das Morgen feiern, Gedanken spinnen und wieder loslassen, die Leichtigkeit und Wärme des Lebens annehmen genau wie die Schwere. Die Arrangements auf „Nachtzug“ stellen dabei Johnas Stimme in den Mittelpunkt, die nuanciert die verschiedenen Stimmungen transportiert.
Der Song „Nachtzug“ steht symbolisch für den Aufbrauch, das Weiterreisen in neue Welten und Abenteuer. Ich freue mich jetzt schon auf Johnas nächstes Album und bin gespannt, was sie Neues zu erzählen hat.
Auch mit 77 Jahren ist Alice Cooper noch für eine faustdicke Überraschung gut. Wer hätte gedacht, dass er die Band aus seinen Anfangstagen nochmal zusammen bringt? Vor der Solokarriere des Schockrockers war es die Band aus Alice Cooper, damals noch mit bürgerlichem Namen Vincent Furnier, am Gesang, Michael Bruce (Gitarre, Keyboard), Glen Buxton (Gitarre), Dennis Dunaway (Bass) und Neal Smith (Schlagzeug), die den Namen Alice Cooper trug. Bis 1973 hatte man sieben überaus erfolgreiche Alben veröffentlicht und sich dann getrennt, um allen Mitgliedern Zeit für ihre Soloprojekte zu geben, was aber nur bei Alice selbst funktionierte.
Zum ersten Mal seit über 50 Jahren hat sich die Originalbesetzung der Alice Cooper Band nun wiedervereint, um ein brandneues Studioalbum zu veröffentlichen: „The Revenge Of Alice Cooper“. Das neue Album atmet den Vintage-Horror und klassischen Shock Rock der 70er Jahre und fängt genau den Sound, die Energie und die rebellische Essenz ein, die die Originalbesetzung von Alice Cooper zu Legenden machte. Ein besonders bewegender Moment des Albums ist der posthume Auftritt von Glen Buxton, der 1997 verstarb. Auf dem Song „What Happened To You“ ist ein bisher unveröffentlichter Gitarrenpart von Glen zu hören – eine perfekte Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart.
Alice, Neal, Michael und Dennis fanden sich für die Albumaufnahmen mit ihrem Produzenten Bob Ezrin in einem Old-School-Studio in Connecticut wieder und entfachten dort die Magie der 70er neu. Das Album ist eine Hommage an Freundschaft, Nostalgie und den zeitlosen Sound, welcher die Alice Cooper Band zu Rock-Ikonen gemacht hat. Und als wäre das nicht schon genug, enthält einer der Bonustracks (erhältlich im Box Set & limitierten Smart Format) eine lang verschollene Rarität aus dem Jahr 1970. Eine alternative Version von „Return of The Spiders“, die nach 50 Jahren aus den Original-Multitrack-Aufnahmen geborgen und von Bob Ezrin neu abgemischt wurde.
Musikalisch wird es rau und laut. Ein Album voller authentischer Momente und ohne den Schickschnack moderner Produktionen. Es scheint, als sei die Zeit stehen geblieben und wir dürften die Anfänge des Genres ganz neu erleben. Man spürt und hört den Spaß, den die alten Herren bei den Aufnahmen hatten. Vom giftigen Biss der „Black Mamba“ über die rebellische Energie von „Wild Ones“ bis hin zu den sanften, gespenstischen Melodien von „See You On The Other Side“ – jeder Track ist ein Rock’n’Roll-Klassiker.
Auch wenn kein neuer Superhit wie „Eighteen“, „School’s Out“ oder „No More Mr. Nice Guy“ dabei ist, dürfen sich die Fans doch auf ein kraftvolles, nostalgisches Erlebnis freuen, das die Brücke zwischen der glorreichen Vergangenheit der Band und ihrer lebendigen Gegenwart schlägt.
Grandios: Die Originalbesetzung der Alice Cooper Group vereinte sich am 25.7. live auf der Bühne der ausverkauften O2 Arena in London – am selben Tag, an dem ihr erstes gemeinsames Studioalbum seit über 50 Jahren erschien. Und das kurz nachdem der große Mitstreiter Ozzy Osbourne verstorben ist. Was wie das große Finale des Konzerts wirkte, wurde zunächst durch einen besonderen Überraschungsgast eingeleitet, denn Johnny Depp betrat die Bühne und schloss sich Alice Cooper und seiner Tour-Band an, um Ozzy zu gedenken. Gemeinsam performten sie eine kraftvolle Version von Black Sabbaths „Paranoid“, die das Publikum elektrisierte.
Doch als alle dachten, das sei das Ende – kam der wahre Höhepunkt: Dennis Dunaway, Neal Smith und Michael Bruce betraten unter tosendem Applaus die Bühne. Gemeinsam mit Alice, Johnny und der Live-Band spielten sie eine tief emotionale Version von „School’s Out“ – ein generationsübergreifendes Finale voller Gänsehautmomente, das Freundschaft, Vermächtnis und den Neuanfang dieser ikonischen Band feierte.
Mit „The Revenge Of Alice Cooper“ beweist die Band eindrucksvoll, dass sie noch immer zu den kraftvollsten und einflussreichsten Rockformationen der Welt zählt – und dass ihre Geschichte noch lange nicht zu Ende geschrieben ist.
2025 ist für Saltatio Mortis ein Jahr voller Meilensteine: Die Band feiert ihr 25-jähriges Bandjubiläum und passend zum Jubiläum erschien am 25. Juli das Best-of-Album „Weltenwanderer – Von Träumen & Krawall“, auf dem zwei Jahrzehnte musikalischer Höhenflüge vereint sind – ausgewählt von den Fans selbst. Vorab veröffentlicht wurden bereits „Wo sind die Clowns?“ neu interpretiert mit dem Prager Sinfonieorchester und „Spielmannsschwur (United)“ gemeinsam aufgenommen mit den wichtigsten Freunden und Weggefährten der Band aus der deutschen Folk-, Rock- und Metal-Szene.
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Das Album erscheint in vielen unterschiedlichen Formaten. Mir liegt zur Review der Digipack mit drei CDs vor. Natürlich nicht so opulent wie der 5er-Vinylrelease, aber die Tracklist umfasst ebenso alle 50 Songs, das kultige Albumcover mit Schriftzug als Ambigramm und ein Booklet mit den kompletten Lyrics.
Ausgewählt wurden jeweils zehn Songs, die für eine der Welten stehen, in den Saltatio Mortis musikalisch unterwegs sind: Mittelalter-Rock, Mittelalter-Metal, Folk-Rock, Pagan-Metal und Irish Folk. Das Ergebnis ist ebenso vielseitig wie umfassend. Vor allem die neu arrangierten Songs und die Vielzahl beteiligter Weggefährten geben dem Best-of-Album einen besonderen Touch, der auch Fans ansprechen dürfte, die ansonsten schon alles von der Band im Schrank haben.
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Zur VÖ der Best Of erscheint „Gardyloo“ ganz aktuell in einer neuen Version mit den legendären Folk-Metal-Piraten Alestorm. Mit treibenden Dudelsäcken, fetten Riffs und einem Refrain, der zum kollektiven Mitgrölen einlädt, vereinen Saltatio Mortis und Alestorm ihre Kräfte zu einem Trink- und Kampfgesang, der keine Kehle trocken lässt. Gemeinsam feiern sie die Liebe zu Geschichten, die nach Meer, Met und Moshpit klingen – laut, wild und absolut grenzenlos. „Gardyloo“ zeigt einmal mehr, wie sehr Saltatio Mortis ihre Vielseitigkeit leben und ihren Platz als eine der wichtigsten Stimmen der deutschen Rock- und Mittelalterszene untermauern.
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Alle Wacken-Besucher dürfen sich auf die große Jubiläumsshow nächste Woche freuen und allen anderen sei die aktuell noch laufende Burgentour ans Herz gelegt und natürlich die große Headliner-Tour im Herbst.
Die Autorin Leah Pitt wuchs an der Küste der englischen Grafschaft Dorset auf und lebt heute in Hertfordshire. Seit mehr als zehn Jahren ist sie als Rechtsanwältin tätig. „Das Haus am Strand“ ist ihr Thrillerdebüt.
Zum Inhalt: August 1997 – Die Teenager Sophie und Matilda verbringen die Ferien mit ihren Familien an der malerischen Küste von Dorset. Es soll der Sommer ihres Lebens werden – unbeschwerte Strandtage, neue Freunde, erste Liebe. Doch dann kommt Matilda auf tragische Weise ums Leben… Zwanzig Jahre später kehrt Sophie nach Dorset zurück, um das Strandhaus ihrer Familie zu verkaufen. Die schrecklichen Erinnerungen an Matildas Tod haben sie nie losgelassen. Doch was geschah wirklich in jener Sommernacht, als ihre Freundin starb? Sophie sucht in der eingeschworenen Strand-Community nach der Wahrheit – und steht bald vor einem dunklen Abgrund.
Dieses Setting liefert natürlich die perfekte Sommerlektüre. „Das Haus am Strand“ ist ein psychologischer Krimi, der auf zwei Zeitebenen spielt und zudem aus der Sicht unterschiedlicher Charaktere erzählt wird, wobei Sophie den größten Raum einnimmt. Dennoch zeichnen die unterschiedlichen Sichtweisen auch ein anderes Bild der jeweiligen Charaktere und das bringt Schwung in die Geschichte.
Zwar sind manche Geheimnisse beim Lesen zu offensichtlich – und doch wird man immer wieder auf falsche Fährten gelockt und fast jeder scheint etwas zu verbergen. Mit seinen pubertären Wirrungen funktioniert die Story auch gut als Teenieroman und kann sicher auch jugendlichen Lesern gefallen.
Die Atmosphäre ist hervorragend beschrieben und der Roman lässt sich flüssig lesen. Wirkliche Action zeigt sich selten, dennoch ist die Geschichte durchgehend spannend und liefert einen melancholischen Thriller mit tragischem Schluss.
Das E-Werk in Saarbrücken-Burbach, die ehemalige Industriehalle auf den Saarterrassen, hatte schon viele großartige Konzerte gesehen. Von Punk bis Metal, von Capital Bra bis The BossHoss war da inzwischen einiges am Start. Und seit vielen Jahren hat sich auch das Gelände hinterm E-Werk für Open Airs etabliert. Absolut sinnvoll, findet man doch hier im Gewerbegebiet Parkplätze en masse und hat die perfekte Logistik für Veranstaltungen vor Ort. Okay – es ist jetzt nicht gerade idyllisch zwischen den Industriedenkmälern, aber Saltation Mortis hat es auch nicht wirklich was ausgemacht, hier auf ihrer „Burgentour“ Station zu machen. Es kommt auf die Konzertstimmung an. Und die war in Saarbrücken mal wieder über Wochen sehr gut.
Credit: Universal Music
Saltatio Mortis am 13.7.2025
Mein Konzertreigen bei den „SB Open Airs“ startete also mit den Mittelalterrockern aus der Pfalz, die vor zwei Jahren noch als Support von Powerwolf ran mussten, jetzt aber endlich mit einer respektablen Headlinershow aufwarten konnten. Der Set startete mit „Finsterwacht“ und eine Tänzerin im weißen Gewand bewegte sich zu den Klängen der Band. Mit solchen Schauspielereien sorgt man immer für eine besondere Festivalstimmung.
„Brunhild“ und „Odins Raben“ mussten für martialische Erzählungen herhalten, begleitet von einer großen Flammenshow. An Pyrotechnik wurde wahrlich nicht gespart. Doch es war nicht alles bombastisch. Für die Verschnaufpause zwischendurch hatte man eine zweite Bühne aufgebaut, wo es ein akustisches Zwischenspiel mit dem lateinischen „Totus Floreo“ und dem Mitsing-Klassiker „Was wollen wir trinken“ gab.
Saltatio Mortis sind schon immer mehrsprachig unterwegs und ließen mit „Pray to the Hunter“, „Valhalla Calling“ und „We Might Be Giants“ auch den englischen Vocals Raum. Zwischen Folk und Mittelaltersound wurde vor allem ordentlich gefeiert. Zu „Heimdall“ wirkte eine Feuertänzerin mit, der Spaßsong „Mittelalter“ brachte das Publikum springend in Bewegung und zu „Vogelfrei“ gab es einen großen, soliden Circle Pit, wie man ihn sonst nur von Metalbands kennt.
Nach dem Finch-Cover „Keine Regeln“ gab es ein vorläufiges Finale mit „Rattenfänger“, „Prometheus“ und „Feuer & Erz“. Nach den ersten 100 Konzertminuten musste das Publikum aber nicht lange darum bitten, die Band wieder auf die Bühne zu holen. Der Publikumsliebling „Wo sind die Clowns“ wurde ebenso abgefeiert wie „Für immer jung“. Und beim abschließenden „Spielmannsschwur“ ließen sich die Fans auch nach zwei Stunden Livepower nicht lumpen und feierten die Band ausgiebig mit einem endlos langen Zuschauerchor.
Saltatio Mortis zeigten sich in bester Verfassung und waren ein würdiger Headliner. Das 25jährige Bandjubiläum feiert man in Kürze mit der Compilation „Weltenwanderer“. Die Tracklist besteht aus 51 Stücken, die von den Fans per Online-Voting ausgewählt wurden. Lohnt sich!
LEA am 18.7.2025
Weiter ging es am darauffolgenden Freitag mit melancholischen Deutschpop von LEA. Spätestens seit ihrem zweiten Album ist LEA als Sängerin der leisen Töne bekannt. Sie legt eine unglaubliche Fülle an Emotionen in ihre Lyrics und ihre Stimme. Manchen mag das gar zu viel werden, doch ich persönlich kann mich an ihren authentischen Songs einfach nicht satt hören.
Das Bühnenbild war voller Blumen. Man konnte sich also auf viel Romantik und lyrische Dichte gefasst machen. Zudem waren unheimlich viele Kinder mit ihren Eltern vor Ort, was die sympathische Sängerin sichtlich freute. Der Set startete mit „Tausendmal“ und dann folgte direkt der Kracher „Drei Uhr nachts“, den LEA ursprünglich mit Mark Forster aufgenommen hat. Hier zeigte sich die Textsicherheit des Publikums.
„7 Stunden“ ist ebenfalls ein typischer LEA-Song, der eine berührende Geschichte erzählt. Zu „Welt“ hielt sie eine flammende Rede gegen Hass und Intoleranz, mit der Bitte, für eine bunte Welt zu kämpfen. Es folgten „Ich mag dich“ und der Partysong „Aperol im Glas“, den sie mit ihrem Support Dani Lia im Duett zu Gehör brachte.
LEA erzählt in Saarbrücken gern von ihrem ersten Auftritt 2016 im Kleinen Klub der Garage, der vor gerade mal vier Zuschauer*innen stattfand. Schon ein Jahr später war die Garage brechend voll. Beides hatte seinen Reiz für die Band und man denkt nach eigenen Worten immer gern an Saarbrücken zurück.
Auch jetzt gab es ein Konzert im Kleinen, denn es war eine B-Stage aufgebaut, die ausgiebig für ein akustisches Set genutzt wurde. Mit „Wenn du mich lässt“, dem Max Raabe-Cover „Guten Tag, liebes Glück“, ihrem größten Hit „Leiser“, dem romantischen „Treppenhaus“ und der Melancholie von „Kennst du das“ bewies LEA viel Fannähe und war auf Augenhöhe mit dem in Teilen sehr jungen Publikum, das mit selbst gemalten Schildern um ihre Aufmerksamkeit buhlte. Einige wollten mit LEA singen und sie wählte ein junges Mädchen aus, das auf eigenen Wunsch den Refrain von „Okay“ zum besten gab. Zum Abschluss des langen Acoustic Sets, bei dem LEA zeitweise am Piano saß, gab es den Paddington-Song „Das Leben ist schön“.
Zurück auf der Hauptbühne erklangen die Mitsing-Hymnen „Immer wenn wir uns sehen“ und „Heimaptplanet“ ausgeleuchtet mit einem Sternenhimmel aus Handylichter. Zum Finale hin wurde es dann durchaus rockig (zumindest für die Verhältnisse einer Deutschpoetin) und es gab den Rapsong „110“, das von einer Pyroshow begleitete „In Flammen“ und die grandiosen Titel „Schwarz“ sowie „Chaos“.
Im Zugabenblock wurde „Okay“ zum Thema Social Media und Body Awareness endlich komplett performt. Allein am Klavier spielte LEA den berührenden Track „Elefant“ für ihre Eltern und beendete das Konzert schließlich mit „Ein Liebeslied“, dem recht naiven Stück über die Liebe zwischen Igel und Stachelschwein, den es auf keinem Album von ihr gibt und den vor allem die Kinder ganz besonders lieben.
LEA hat mal wieder bewiesen, warum sie an der Spitze deutschsprachiger Songwriterinnen steht. Ihre Texte strotzen vor Melancholie und Poesie und für ihre Fans ist das genau richtig. Die Kids bewundern Lea wie eine große Schwester – und auch das erwachsene Publikum nimmt sie an einem solchen Abend mit auf die emotionale Reise.
Revolverheld am 19.7.2025
Die Gerüchte, dass Revolverheld zum 20jährigen Jubiläum ihre Instrumente an den Nagel hängen wollen, halten sich hartnäckig. Zumindest scheint sowas wie ein Sabbatjahr geplant zu sein, wenn die Tour nach dem „Best of“ Album gelaufen ist. Das soll nämlich unter dem Titel „20“ im August erscheinen. Diese Zahl prangte auch groß im Bühnenbild. Kaum zu glauben, dass der ewig junge Johannes Strate und seine Mitstreiter schon so lange Musik zusammen machen.
Ganz ohne Starallüren kam der Sänger schon zum Support EMY auf die Bühne und performte mit ihr zusammen das Duett „Leerer Stuhl“. Das brachte den beiden großen Jubel ein. Überhaupt lieferte EMY ein schönes Deutschpop-Set, ganz allein auf der Bühne mit Musik vom Band. Teile des Publikums wussten von ihrem Geburtstag und stimmten ein „Happy Birthday“ zum 23. an.
Johannes konnte dann gleich darauf in Erinnerungen schwelgen, die zwei Jahrzehnte umfassten. Er erzählte von Auftritten in Garage und E-Werk. Dazu gab es viele bekannte Songs aus der Karriere. Mit Lückenfüllern wollte man sich gar nicht erst aufhalten. Schon als erstes Stück erklang „Spinner“, gefolgt von „Keine Liebeslieder“ und „Ich werd die Welt verändern“. Jeder kennt die Texte und – zack – sind alle wieder jung.
„Immer in Bewegung“ brachte einen sehr rockigen Sound, der dann für „Halt dich an mir fest“ direkt wieder runtergefahren wurde. Die Ballade wurde wieder im Duett mit EMY interpretiert.
Nostalgische Lyrics gibt es in vielen Revolverheld-Stücken. Hier waren es „Bands deiner Jugend“, „Das kann uns keiner nehmen“ und „Sommer in Schweden“ mit ihrem schwelgenden Charakter. Zum Finale des Hauptsets erklang „Lass uns gehen“ und große bunte Bälle sorgten für ein Happening im Publikum. Der Zugabenblock bot dann pure Publikumsnähe: Johannes sang aus der Menge „Deine Nähe tut mir weh“ und ließ die Fans „Ich lass für dich das Licht an“ anstimmen. Zurück auf der Bühne gab es den Hit dann nochmal und der Kracher „Darf ich bitten“ beendete die zweistündige Show.
Zum alten Eisen gehören Revolverheld sicher nicht und live waren sie wie immer eine Bank. Bleibt zu hoffen, dass die musikalische Auszeit nicht allzu lange dauert.
Frida Gold und Samu Haber am 20.7.2025
Frida Gold, das kongeniale Duo Alina Süggeler und Andi Weizel, hatte nur 35 Minuten Zeit für seinen Set, aber ich bringe es einfach nicht übers Herz, die beiden als „Support“ zu bezeichnen. Es war lange ruhig um Frida Gold, doch bald schon soll es ein neues Album geben und die alten Hits funktionieren wie eh und je.
Es gab einen Elektrosound vom Band, aber auch handgemachte Musik mit Piano, Gitarre und Querflöte. Dazu die gewohnte Mischung aus Poesie und Pop mit einigen neuen Songs sowie Klassikern wie „Liebe ist meine Rebellion“ und „Leuchten“. Da die Zeit knapp war, wurde Letzteres vorzeitig abgebrochen, um „Wovon sollen wir träumen“ in voller Länge feiern zu können. Insgesamt ein grandioses Set voller Energie mit einer tanzfreudigen Alina.
Samu Haber startete seine Show mit einem französischen Discohit vom Band. Die vier Musiker kamen wie Gladiatoren auf die Bühne und stellten sich zu viert in einer Reihe auf, um sich als Band zu präsentieren. Vielleicht will man sich so in der Nachfolge von Sunrise Avenue positionieren. Das Publikum nahm es jedenfalls positiv auf und feierte schon den ersten Song „Me Free My Way“, der ja auch sowas wie ein Mottosong für Samus Solokarriere ist.
Stilistisch gab es ein wenig Folk, etwas Rock und viel Pop. Samu war glänzend gelaunt, tanzte mit der ersten Zuschauerreihe und machte sympathische Ansagen auf Deutsch mit seinem typischen Akzent, den man bei „Voice of Germany“ lieben gelernt hat. Es gab viel Aktuelles wie „Big Guitars“ und „Hometown Gang“. Wenn Samu seine tiefen Vocals auspackte, war er in seinem Element. Doch auch die hohen Tenortöne gelangen ihm aus dem Effeff.
Es waren auch einige Bandsongs von Sunrise Avenue zu hören. „Lifesaver“war der Erste und man spürte förmlich die Erleichterung und Begeisterung bei den Fans, die jubelten und lauthals mitsangen. Auch „Heartbreak Century“ brachte einen solchen Moment.
Samu war – wieso oft – in Erzähllaune und rekapitulierte den Nachmittag, der einige Unsicherheiten gebracht hatte. Gewitter, Sturm und Platzregen hatten für Ungemach gesorgt und auch die Technik lahm gelegt. Die Band brauchte Ersatz für ein Gitarrenelement und ein Aufruf in den sozialen Medien führte tatsächlich einen Menschen zum E-Werk, der mit dem entsprechenden Teil aushelfen konnte. Er wurde von Samu als auch vom Publikum ausgiebig gefeiert.
Traditionell gab es auch einen finnischen Song von Samu. Danach „You Destroyed My Life“ als Pianoballade. Zu „Hollywood Heels“ meldeten sich drei junge Frauen aus dem Publikum, die eine Choreografie erarbeitet hatten und mit Samu eine heiße Sohle aufs Parkett legten. Das anschließende „Hideaway“ beendete den Hauptset.
Im Zugabenteil stimmte Samu den Hit „Fairytale Gone Bad“ zunächst ganz allein mit einem Playback-Beat an. Die Fans feierten den Song mit ihm zusammen in ausgiebiger Länge. Die Ballade „Seasons“ diente zum Abkühlen bevor mit „Hollywood Hills“ der Party-Höhepunkt erreicht war. Nach zwei Stunden endete die furiose Show, die zeigte, dass Samu Haber locker solo bestehen kann – vor allem wenn er zur Freude der Fans einige Klassiker mit einstreut.
So gingen die diesjährigen SB Open Airs grandios zu Ende und wir dürfen gespannt sein, was man 2026 zu bieten hat. Infos dazu folgen in Kürze auf https://garage-sb.de/ Wir halten euch auf dem Laufenden!
Seit 1991 gehören BUSH zur Speerspitze der großen britischen Rockbands. Zu Beginn schienen sie noch im Grunge verwurzelt, doch inzwischen kann man sie eher der Schublade Alternative Rock zuordnen. Da passen sie auch sehr gut hin, wie das zehnte Album „I Beat Loneliness“ beweist. Ein grundsolides Werk mit einprägsamen Melodien.
Über zwölf Songs hinweg eröffnet „I Beat Loneliness“ einen schonungslosen Dialog über emotionale Verletzlichkeit, insbesondere über das Schweigen, welches häufig das Thema mentale Gesundheit umgibt. Songs wie „Scars“, der Fokustrack des Albums, stellen sich diesem Schweigen direkt entgegen: Eine schonungslose Auseinandersetzung mit Schmerz und Heilung, in der Narben zu Beweisen des Überlebens werden.
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„Das ist das persönlichste Album, das ich je gemacht habe“, sagt Frontmann Gavin Rossdale. „Es soll Menschen das Gefühl geben, nicht allein zu sein. Das Leben ist wunderschön, aber nicht einfach. ‚Scars‘ ist der perfekte Einstieg, weil er den Kern des gesamten Albums auf den Punkt bringt: Die Akzeptanz, dass wir alle ein bisschen verrückt sind und dass wir da gemeinsam durchgehen. Enjoy!“
Mit dieser Attitüde und dem Hang zur Bekämpfung von Einsamkeit liefert die Band ein emotionales, ganz intimes Album, das von Gavins melancholischem Gesang und seinen Lyrics beherrscht wird. Sehr viel Weltschmerz findet sich dort, aber auch ein Stück Hoffnung: Wie besiegt man die Einsamkeit? Mit elektronisch verzerrten Klängen geben Songs wie „60 Ways To Forget People“ oder „I Am Here To Save Your Life“ die Antwort.
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Zum Ende hin finden sich mit „Don’t Be Afraid“ und „Rebel With A Cause“ wundervoll zerbrechliche Balladen, die eine heimelige, fast schon versöhnliche Atmosphäre schaffen. Es geht um mentale Gesundheit und Widerstandskraft. Themen, die in einer seltsam veränderten Welt immer wichtiger werden.
Fazit: „I Beat Loneliness“ bringt keine wirklich neuen Klänge und gehört auch nicht zu den besten Alben der Band, doch es atmet immer noch den Geist einer großen Rockband, die mit Gavin an den Vocals stets überzeugt.
Cat-O-Log Records veröffentlicht in Zusammenarbeit mit Universal Music Recordings am 5. September „On The Road To Findout: Greatest Hits“. Es ist die erste karriereübergreifende Sammlung von Yusuf/Cat Stevens‘ beliebtesten Songs aus seiner fast 60-jährigen Karriere.
„On The Road To Findout: Greatest Hits“ präsentiert die Höhepunkte des phänomenalen Werks von Yusuf/Cat Stevens mit zeitlosen Titeln wie zum Beispiel „The First Cut Is The Deepest“, „Where Do The Children Play?“, „Wild World“, ‚Moonshadow‘, „Morning Has Broken“ oder „Father And Son“. Die Bandbreite reicht von Songs seines Debütalbums „Matthew & Son“ aus dem Jahr 1967 bis hin zu „King Of A Land“ von 2023.
Yusuf/Cat Stevens sagt: „Ich bin glücklich, dass endlich eine Sammlung von Aufnahmen einige der Lieder enthält, die ich nach meiner Weiterentwicklung geschrieben habe, „Take The World Apart“ und “Heaven / Where True Love Goes“ zum Beispiel, die den Frieden und das Glück widerspiegeln, die mein Leben seitdem verändert haben. Ich danke euch allen. Es ist wirklich demütigend, darüber nachzudenken, wie viele Seelen auf dieser Reise mit mir unterwegs waren.“
Die Nachricht kam im Vorfeld von Yusufs mit Spannung erwartetem Auftritt im BST Hyde Park, London am 11. Juli als Special Guest von Neil Young. Yusufs letzter Festivalauftritt im Vereinigten Königreich war sein viel gefeiertes Debüt beim Glastonbury Festival im Juni 2023, bei dem er auf der Pyramid Stage vor über 100.000 Musikfans auftrat und den begehrten Platz der Sonntagslegenden einnahm.
Cat Stevens wurde in den Swinging Sixties mit Chart-Hits wie „Matthew And Son“ oder „The First Cut Is The Deepest“ berühmt. Seine frühe Karriere wurde durch einen fast tödlichen Kampf mit Tuberkulose unterbrochen – ein Wendepunkt, der seine Suche nach Frieden und Verständnis entfachte. Nach dieser Erfahrung avancierte er schnell zu einem der produktivsten Singer-Songwriter der siebziger Jahre und begeisterte die Welt mit seelenbewegenden Hymnen wie „Wild World“, „Father And Son“, „Peace Train“ oder „Morning Has Broken“. Seine klassischen Alben „Mona Bone Jakon“, „Tea for the Tillerman“ und „Teaser And the Firecat“ ermöglichten ihm einen Platz in der Rock & Roll Hall of Fame und in der Songwriters Hall of Fame.
Credit: Cat-O-Log Records
Nach einer weiteren gefährlichen Begegnung mit dem Schicksal und einem Beinahe-Ertrinken im Jahr 1975 nahm Cats Leben eine spirituelle Wende, als er zum Islam konvertierte und seinen Namen in Yusuf Islam änderte. Yusuf ließ die Musikindustrie hinter sich und widmete sein Leben Gott, seiner Familie und seiner humanitären Arbeit, wofür er zahlreiche angesehene internationale Auszeichnungen erhielt, darunter den World Award für „humanitäre Hilfe für Kinder und Kriegsopfer“ und den Man of Peace Award, der von den Friedensnobelpreisträgern gewählt wurde.
Das jüngste Kapitel ist Yusufs Rückkehr zur Musik, mit der er sein früheres und sein jetziges Leben wieder zusammenführt. Jetzt ist er als Yusuf/Cat Stevens bekannt – ein Name, der die Synergie zwischen den beiden Schlüsselabschnitten seines Lebens repräsentiert – und seine inspirierende Geschichte ist eine Geschichte von Suche, Überleben und Erlösung. Mit über 100 Millionen verkauften Tonträgern und Milliarden von Streams inspirieren seine gefühlvolle Stimme und seine poetischen Texte nach wie vor, jetzt verbunden mit einem Leben voller Aktivismus und Altruismus. Als Kämpfer für seinen Glauben, ökologisches Bewusstsein und humanitäre Arbeit ist Yusuf zu einem globalen Fürsprecher für Frieden und Koexistenz geworden.
„On The Road To Findout: Greatest Hits“ wird vor Yusufs lang erwarteten Memoiren Cat On The Road To Findout erscheinen, die am 18. September 2025 veröffentlicht werden. Die neue Autobiografie ist eine außergewöhnliche Reise durch die Triumphe, Prüfungen und die transzendentale Suche einer der rätselhaftesten Persönlichkeiten der Musik unserer Zeit. Das Buch kann man unter catstevens.com vorbestellen.
„On The Road To Findout: Greatest Hits“ wird weltweit in verschiedenen Formaten veröffentlicht, darunter 1CD, 2CDs, 2LPs 140g oder 4LPs 140g, alle mit neu gemastertem Ton.
Gegründet vor über 50 Jahren kann man sich die AOR- und Progressive Rock-Welt ohne die Band STYX aus Chicago gar nicht vorstellen. Muss man auch nicht, denn das Quintett ruht sich nicht etwa auf seinen Klassikern aus, sondern fertigt in zwar großen aber dennoch gut wahrnehmbaren Abständen solide Studioalben mit neuer Musik.
Die 70er Jahre waren die Hochphase der Band. Perfekter Rock für Erwachsene, bombastische Progalben, quasi Soundschicht auf Soundschicht gestapelt. „Boat On The River“ sollte jeder kennen, aber auch den Smahhit „Mr. Roboto“. Das Album „Kilroy Was Here“ (1983) ermöglichte den Sprung in den Mainstream, war gleichzeitig aber auch ein tiefer Einschnitt. Viele potentielle Fans verbanden den Namen der Band jetzt eher mit dem Discosound als mit den Heroen des AOR.
Viele Besetzungswechsel und zwei Reunions später gab es 2017 das geniale Konzeptalbum „The Mission“. Man muss den Männern um James Young und Tommy Shaw zugute halten, dass eine Rückbesinnung auf die musikalischen Wurzeln immer drin ist und diese Science Fiction -Story um eine Marsmission im Jahr 2033 gehört auf jeden Fall zu den besten Alben der Band. Vier Jahre später legte man mit „Crash of the Crown“ noch eine Schippe drauf. Kein Konzeptalbum im eigentlichen Sinn, aber thematisch verknüpfte Songs, in denen es um Hoffnung, ums Weitermachen, um einen Neuanfang geht. Ein Album, das einerseits zur wechselvollen Bandgeschichte passte, zum anderen aber auch die Situation nach der Pandemie beschrieb.
Am neuen Werk „Circling From Above“ (VÖ: 18.7.2025) haben alle sieben Mitgliedern der Band, darunter Gründungsgitarrist/Sänger James „JY“ Young (liebevoll „The Godfather of Styx“ genannt), Gitarrist/Sänger Tommy Shaw, Original-Bassist Chuck Panozzo, der langjährige Schlagzeuger Todd Sucherman, Keyboarder/Sänger Lawrence Gowan, Gitarrist/Sänger Will Evankovich und Bassist Terry Gowan, mitgewirkt.
Inhaltlich geht es um vergessene Satelliten, die einst mit hohen Ambitionen ins All geschossen wurden und nun ziellos um die Erde treiben. Der Titelsong als kurzer Opener und „Build and Destroy“ starten dieses Konzept. „Als sie in den Weltraum geschossen wurden, waren diese Satelliten der Traum und der Ehrgeiz von jemandem“, sagt Shaw über die einst hochmoderne Technologie. „Sie haben ihren Zweck erfüllt und wurden weggeworfen. Es ist eine Einöde da oben, aber sie wurden einst mit Liebe geschaffen. Wir sind alle Menschen, und wer kann schon sagen, dass unser Liebesprojekt besser ist als das von jemand anderem?“
Wieder zeigen sich STYX als aufregende Geschichtenerzähler und liefern eine dynamische Sammlung an Tracks, die die gesamte emotionale und stilistische Bandbreite des Styx-Kanons widerspiegelt. Das Album ist kraftvoll und doch auch introspektiv, in manchen Momenten theatralisch und in anderen aufrichtig – mit einem Gleichgewicht zwischen progressiven Tendenzen und tieferen, zum Nachdenken anregenden Botschaften.
Fazit: Es gibt wenig zu meckern. Die Rock-Veteranen von Styx legen hier (mal wieder) ein grandioses Album vor, das sich stilistisch durch die Jahrzehnte zieht und Freunde guter filigraner Rockmusik begeistern dürfte. Musikalisch wird das Konzept mit genialem Progressive Rock und fantastischen Hymnen umgesetzt. Definitiv kann man sagen, dass Styx noch die Gabe besitzen, Zuhörer zu fesseln und auf ihre Reise mitzunehmen. Ich bin auch ein großer Fan von „Mr. Roboto“, doch ich muss gestehen, wenn Styx ihre Songs von Gitarrenriffs umwehen lassen, zeigen sie ihre ganz große Stärke – auch nach über 50 erfolgreichen Jahren als Band.
Am 14. Juli 2025 spielte OSKA aus Österreich als Support für Philipp Poisel. Wir konnten die sympathische Singer-Songwriterin bereits zum zweiten Mal nach 2021 für ein Interview gewinnen und sie dazu befragen, was seit unserer letzten Begegnung in ihrer Karriere passiert ist.
Hallo Maria. Schön, dich wieder zu treffen. Wir haben uns zuletzt 2021 beim Reeperbahnfestival in Hamburg getroffen. Seitdem hat deine Karriere so richtig Fahrt aufgenommen. Magst du uns ein wenig erzählen, wie es dir ergangen ist?
Ja, da muss ich kurz nachdenken. Damals war ich Anfang 20 und es ist viel passiert seitdem. Reeperbahn war deswegen so spannend, weil man rückblickend sieht, wie sich eines aus dem anderen ergeben hat. Man fängt irgendwo an und träumt auch gar nicht so groß. Ich bin aus einem kleinen Dorf in Österreich und wusste gar nicht, was alles möglich ist. Beim Festival war ich damals für den ANCHOR Award nominiert. Ich hab den zwar nicht gewonnen, aber Tom Odell saß in der Jury und hat mich im Anschluss gefragt, ob ich mit ihm auf Tour gehen möchte.
Du kanntest ihn vorher gar nicht?
Nein. Er hat mich dann auf Instagram angeschrieben und gesagt, dass er meinen Auftritt so toll fand. Und dann hat er mich auf die Europatour mitgenommen. So ergibt sich eins aus dem anderen. Das ist sehr komisch und lustig und schön. Es gab viele Prozesse in mir. Unsicherheiten, denen ich mich hab stellen müssen. Was will ich jetzt eigentlich und wie soll es bei mir weitergehen? Weil es doch schwierig ist, Musik zu machen und davon leben zu können. Ich dachte aber, ich möchte das so gerne.
Inzwischen hast du ja zwei eigene Alben veröffentlicht.
Genau. Ich war letztes Jahr in England und hab dort mein zweites Album aufgenommen und auch viel von dem verarbeitet, was man so Mitte 20 an Gedankenstrudeln hat. Wo man nicht ganz weiß, wohin mit sich. Aber es ist sehr viel Schönes passiert, was mir dann auch immer wieder das Selbstbewusstsein gegeben hat, mit der Musik weiterzumachen.
Du bist bestimmt schon tausend Mal wegen der Coldplay-Konzerte befragt worden. Magst du trotzdem was dazu erzählen? Wie war das so? Lernt man eine solch große Band wirklich kennen oder ist das eher anonym?
Ich hab das am Anfang in Interviews nicht so erwähnt, weil das damals alle wissen wollten und ich verhindern wollte, dass die Leute sich allein darauf aufhängen. Ich wollte es auch für mich behalten, weil es so schön war. Es war unglaublich – die Woche meines Lebens – und sie hat sich sehr lang angefühlt. Oft vergeht ja die Zeit so schnell, wenn was Tolles passiert, aber ich hab die Zeit so richtig genießen können. Es waren vier Konzerte und ich habe gemerkt, wie ich jeden Abend dran gewachsen bin. Es hat mir sehr viel bedeutet, dazu eingeladen zu werden. Es war ein guter Moment, da auch bei mir in dieser Zeit viele Veränderungen waren. Ich habe gemerkt, ich schaff das irgendwie und fühle mich jetzt gewappneter für gewisse Dinge.
Wie hat dein Umfeld reagiert?
Meine Tante war so lieb. Sie sagte nach den Konzerten, sie hat sich so gefreut. Sie hatte Angst, dass ich ausgebuht werde. Und ich sagte dann: „Wow. ich eigentlich auch.“ Diese Angst, die man hat, vor so vielen Leuten zu spielen… Es hat mich sehr gefreut, dass es dann doch so gut geklappt hat. Es war wie Geburtstag haben vier mal die Woche und ganz Österreich ist gefühlt mit dabei.
Im Moment bist du wieder als Support unterwegs. Zunächst mit Philipp Poisel, dann mit Christina Stürmer. Was dürfen wir denn von der Show heute erwarten?
Ich finde es sehr schön, ein zweites Album zu haben und noch mehr auswählen zu können, was man spielt. Ich bin bei den Support-Shows meist alleine und nicht mit Band. Das wird dann noch intimer und sehr ursprünglich. Ich komme ja auch von der Straßenmusik und ich hoffe, den Leuten gefällt’s. Gestern habe ich José González gesehen, der auch nur mit der Gitarre auf der Bühne sitzt. Ich mag das ganz gern.
Es gibt ganz unterschiedliche Settings, in denen man dich sehen kann. Beim letzten Reeperbahn Festival 2024 habe ich drei Konzerte von dir gesehen, allein mit Gitarre vor dem Reeperbus, in der St. Pauli-Kirche und mit einer sehr ausgefeilten Show im Bunker. Was magst du davon am liebsten?
Shows sind immer was unglaublich Fragiles. Ich hatte schon tolle Auftritte mit Band. Da ist eine großartige Dynamik auf der Bühne. Jedem geht es irgendwie anders. Manchmal bekommen die Leute das gar nicht so mit, aber ich schon. Und dann hatte ich Shows, wo ich selber nicht so das gute Gefühl hatte und dann kamen manche zu mir und gaben mir voll gute Resonanz. Das gleiche ist es, wenn ich alleine auf der Bühne bin, aber da habe ich es mehr selbst in der Hand, was passiert. Jede Show ist anders und es spielen ganz viele Faktoren mit rein. Ich hab Phasen, wo ich voll gern alleine spiele, aber dann spiele ich auch wieder gern mit Band.
Dein neues Album „Refined Believer“ ist kürzlich erschienen. Der Titel bezieht sich darauf, dass du nach einer Zeit der Zurückhaltung wieder Vertrauen in die Menschen deiner Umgebung entwickelt hast. Magst du uns davon erzählen?
Ja. Es geht schon um diesen Beruf, Musiker zu sein. Dies zu erreichen, das erste Album zu veröffentlichen, und dann war sehr viel los. Es war wie beim ersten Job, den man hat, und der Erkenntnis, was finde ich gut dran und was finde ich nicht so gut. Was will ich verändern… Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, ist es doch mit Schwierigkeiten verbunden, in der heutigen Zeit Musiker zu sein. Und das zweite war, dass eine Beziehung sich sehr verändert hat, die mir sehr wichtig war und von der ich glaubte, das kann nicht erschüttert werden. Das hat mich so in meinen Grundfesten erschüttert und es war schwierig, wieder Vertrauen zu fassen. Ich war dann in England und hatte eine Zeit, in der ich ganz allein war, auch ohne Freundesgruppe. Ich war im Studio, habe Musik gemacht und konnte mit Distanz auf manche Dinge blicken. Das war voll schön – eine richtig tolle Zeit. Und ich habe mir die Zeit genommen, wieder Vertrauen zu schöpfen und einen gesunden Abstand zu manchen Dingen zu gewinnen. Dadurch wurde das Album sehr persönlich und es war sehr wichtig für mich, davon zu schreiben. Das war fast schon therapeutisch für mich.
Der Titel ist zweideutig. Im Deutschen würde man es mit „Bekehrter, geläuterter Gläubiger“ übersetzen. Gibt es religiöse Aspekte für dich?
Ich finde die Übersetzung nicht schön. In der deutschen Sprache funktioniert der Titel nicht. Auf Englisch bedeutet er so viel mehr und man kann viel mehr rein interpretieren. Mir gefällt das Wort „geläutert“ nicht und auch „Gläubige“ mag ich nicht, weil das gleich so festgefahren ist. Dabei hat der Albumtitel etwas total Positives für mich. Es geht nicht um Religion, sondern um den Glauben an die Welt und an sich selbst.
Was hat es denn mit den Tarotkarten auf sich, die deine Entscheidung beeinflusst haben, nach London zu gehen. Warst du bei einer Wahrsagerin?
Ich hatte ein ganzes starkes Gefühl, dass meine Zeit in Wien vorbei ist. Ich habe meine Wohnung aufgelöst und überlegt, wie es weitergeht. Auch jetzt weiß ich immer noch nicht, wohin mit mir, wo ich leben möchte. Es zieht mich in verschiedene Richtungen – ganz spannend. So war das damals auch und ich dachte, Berlin wäre ganz cool. Meine Schwester hat mir ein Tarotkarten-Set geschenkt und ich leg halt einmal im Jahr die Karten, meist am Ende des Jahres. Und ich hab die Karten gefragt, ob Berlin eine gute Stadt für mich wäre. Und das Ergebnis war eher: ganz schlimm, es wird dir nicht gut gehen, es ist kalt. Da dachte ich erst, jetzt will ich erst recht nach Berlin, es gab aber auch Karten mit neuen Türen, die sich öffnen. Ein paar Wochen später hatte ich die Möglichkeit, nach London zu gehen. Ich hatte Angst davor und war unsicher, ob es die Leute dort überhaupt interessiert, mit einer Österreicherin zu arbeiten. Aber es war gar nicht so. Ich habe in zwei Wochen dort so viele Kontakte geschlossen und es hat sich so gut angefühlt. Alle wollten mit mir arbeiten, ich hatte Sessions, habe meinen Produzenten kennen gelernt, der mit mir am zweiten Album gearbeitet hat. In Österreich habe ich zu meiner Mama gesagt, es wäre cool, einen Raum für mich in London zu haben. Und sie hat noch am gleichen Abend einen Anwalt kennengelernt, der in London lebt, und ihm davon erzählt. Lustigerweise hatte der sich grad ein Haus gekauft und meinte: „Wenn sie ein Zimmer braucht, soll sie sich melden.“ Solche Zufälle passieren und in meinem Leben zieht sich das durch. Ich habe immer geglaubt, dass sich was ergeben wird und so war es dann auch.
Siehst du das neue Album als Konzeptalbum, bei dem die Songs einem bestimmten Thema folgen?
Ja, schon. Es ist eine Momentaufnahme von einem sehr herausfordernden Jahr, wo ich etwas über mich hinaus gewachsen bin. Ich hab mich neue Dinge getraut und dieses Thema kommt in den Texten immer wieder vor, wie in „Like a song“: Du machst, dass ich mich fühle, als könnte ich wieder an etwas glauben. Das zieht sich durch die Lieder durch, auch in „Gloria“. Ich hatte ganz viel überlegt, was die Trackliste angeht. Das Album startet mit „The Final Straw“, was ich dann ganz lustig fand, es quasi mit dem Ende zu beginnen und die Geschichte rückblickend zu erzählen. Das Album beginnt mit dem „Breaking Point“ und wird dann positiver. Wie ganz zum Schluss im Titelsong: „It’s gonna take all my life“. Die Phase war irgendwie abgeschlossen für mich, als das Album fertig war, und ich kann jetzt weitermachen. Aber was ich da gelernt habe und was passiert ist, das werde ich ein Leben lang mit mir weitertragen. Ich freue mich jetzt auf die neuen Dinge, das dritte Album, weil ich grade so viele Lieder schreibe und mich irgendwie befreiter fühle.
Gibt es Songs auf dem Album, die dir besonders viel bedeuten? „Forever blue“ spielst du ja schon sehr lange live. Oder sind dir alle Songs gleich viel wert?
Ich habe schon Songs, die mir besonders viel bedeuten. „Like a song“ gehört auf jeden Fall dazu. Das spiele ich super gern mit Band. Und „Forever blue“ ist für mich auch ein wichtiges Lied, weil es einer der ersten Songs war, die ich für das Album geschrieben habe. Da spreche ich von der Traurigkeit, die immer irgendwie da ist. Dabei sagen alle zu mir: Du bist doch so ein positiver Mensch. Aber es gibt eine Grundtraurigkeit, die sich dann irgendwo versteckt. Ich gehe persönlich für mich ins Detail, ohne dem Hörer zu viel zu verraten. So dass jeder sich darin wiederfinden kann, auch wenn es eigentlich sehr persönlich ist.
Danke für deine offenen Worte und wir freuen uns sehr auf das Konzert heute Abend!
Beim diesjährigen Rock am Ring hatte ich mich samstags sehr auf den Gig von Heaven Shall Burn gefreut. Leider musste die Band aus Thüringen ihren Gig nach nur einem Song („Übermacht“) abbrechen, weil sich Sänger Marcus Bischoff wohl eine Halsverletzung zugezogenen hatte und keinen Ton mehr heraus bekam. Er war schon auf dem Weg ins Krankenhaus, als das Publikum ihn noch solidarisch feierte.
Als kleines Trostpflaster gibt es jetzt das neue Album „Heimat“ mit dem grandiosen Cover, das einen röhrenden Hirschen zeigt. Was mag sinnbildlich besser zu Mitteleuropa mit seinen tiefen Wäldern passen? Eine sehr gute Wahl, wie man es bei HSB für die Gestaltung ihrer Alben in Form großer Gemälde schon gewohnt ist.
Dem folgt auch die musikalische Ausrichtung. Mehr melodischer Death Metal als Metalcore, und dabei sehr martialisch und pathetisch. Solche kraftvollen Kriegsgesänge wie „Ad Arma“ und „War is the father of all“ ist man sonst eher von Sabaton gewohnt. Aber keine Sorge, Maik Weichert wird ziemlich deutlich, wenn es um die inhaltliche Bedeutung des Albums geht: „Heimat ist hier nicht wie bei Hetzern und Populisten der engstirnige Endpunkt, sondern der Ausgangspunkt der Betrachtungen und Perspektiven. Es geht auf dem Album um viele Heimaten verschiedenster Menschen und außerdem auch um die geistige Heimat, das was unser Denken und Handeln formt und bestimmt.“
„Heimat“ ist der Nachfolger des Nummer 1-Albums „Of Truth and Sacrifice“ von 2020. Auf dem neuen Werk beweisen Heaven Shall Burn einmal mehr, warum sie eine der relevantesten und erfolgreichsten Metal-Bands aus Deutschland sind. Und sie zeigen erneut Haltung und Gespür für die gesellschaftliche und politische Stimmung hier und anderswo.
Was alles in den letzten fünf Jahren passiert ist, lässt sich am Opener ablesen. „Ad Arma“ ist ein gewaltiges, gleichwohl wehmütiges Orchesterstück, in dem die ganze Düsternis der aktuellen Weltlage steckt. Die – durchaus mächtigen – „Waffen“ von Heaven Shall Burn sind indes weiterhin Worte, Riffs, Heavy Metal. „War Is The Father Of All“ ist etwa ein bombastischer Hymnus, ein unglaublich gewaltiges Stück, das unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs entstanden ist und von einem Chor begleitet wird, den der Dirigent Wilhelm Keitel aus ukrainischen Musiker*innen zusammengestellt hat.
Das Thema zieht sich durch das gesamte Album: Es war der griechische Philosoph Heraklit von Ephesos, der gesagt hat: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge und König aller.“ Das ist über 2500 Jahre her – und erfreut sich in diesen Tagen gegen jede Vernunft einer bedrückenden Renaissance. „Ich bin ja hinter dem Eisernen Vorhang in Ostdeutschland aufgewachsen“, sagt Weichert. „Für uns als friedliebende Menschen ist es eine harte Erkenntnis, dass der Kalte Krieg mit seinem Wettrüsten, den Atomwaffen auf beiden Seiten den Frieden offenbar mehr gesichert hat als sämtliche völkerrechtlichen Verträge. ›Wenn du mich angreifst, gibt’s auf die Fresse‹ – das scheint der menschlichen Natur mehr zu entsprechen als der Wunsch, Frieden auf Erden zu haben. Das ist eine ganz bittere Pille.“
Den Rahmen für diese philosophische Auseinandersetzung mit Krieg setzen drei Orchesterstücke. Neben dem eröffnenden „Ad Arma“ unterteilt „Imminence“ „Heimat“ gewissermaßen in eine A- und eine B-Seite, ehe „Inter Arma“ das Werk beschließt. Wiederum sind die Streicher hier von Wehmut getränkt, metaphorisch gesprochen ist der Krieg vorbei, der Pulverdampf vernebelt die Sicht, auf dem Schlachtfeld liegen die Gefallenen. Wo Ad Arma „zu den Waffen“ bedeutet, heißt Inter Arma „Unter Waffen“, bezeichnet also Krieg als das große Kontinuum der Menschheitsgeschichte.
Musikalisch sind die Orchesterstücke seltene Inseln der Ruhe, die meiste Zeit springen Heaven Shall Burn uns auf „Heimat“ mit brachialer Urgewalt mitten ins Gesicht. In Songs wie „My Revocation Of Compliance“, „Those Left Behind“ oder „Ten Days In May“ trifft von der GöteborgSchule inspirierter Metalcore auf harmonisch-düstere HSB-Signature-Riffs und -Breakdowns, auf Hardcore-Elemente und Blastbeats, gekrönt von den kompromisslosen Shoutings und Screamings von Marcus Bischoff sowie einer konsequenten, mit historischen und philosophischen Verweisen angereicherten politischen Haltung.
„Numbered Days“ wiederum ist ein Killswitch-Engaged-Cover. Von Beginn an waren Heaven Shall Burn riesige Fans der US-Metalcore-Band, der sie nun gemeinsam mit deren Shouter Jesse Leach und einer stürmischen Version des Songs vom Klassiker-Album „Alive or Just Breathing“ eine Referenz erweisen.
„Heimat“ strotzt vor Energie und Kreativität und klingt wie das Breakthrough-Album einer jungen Band, was nicht zuletzt daran liegt, dass Heaven Shall Burn zwar weiterhin eine große Freundschaft verbindet, aber alle Bandmitglieder parallel ihr eigenes Leben führen. Marcus hat weiterhin mit dem Krankenhaus zu tun, Chris ist in der Wirtschaft tätig, Eric ist Ergotherapeut und der Staatsrechtler und kreative Bandkopf Maik ist ein Hansdampf in allen Gassen. Der einzige ausschließlich im Musikbereich Beschäftigte ist Ali Dietz.
„Wir genießen aber gerade die kreative Energie, die sich aus dieser Konstellation ergibt“, sagt Maik. „Wir sind inzwischen in der glücklichen Position, dass wir selbst festlegen können, wann es ins Studio und wann auf Tour geht, niemand kann uns noch Deadlines setzen.“ Die schöpferische Kraft, die sich aus dieser komfortablem Ausgangslage ergibt, hört man „Heimat“ in jeder wild nach vorne preschenden Sekunde und jedem fein austarierten Detail an.
Man kann Philipp Poisel in den unterschiedlichsten Settings erleben. Allein an der Gitarre, mit kompletter Band, mit Cello-Begleitung, ja sogar in Projekten mit orchestralem Charakter. Jedes seiner Konzerte ist ein Erlebnis. Aber gerade wenn er in reduziertem, akustischem Rahmen unterwegs ist – wie momentan als Duo mit Florian Ostertag – bekommen seine Auftritte etwas absolut Magisches. Da braucht es gar keine atmosphärische Location, doch die kam in Trier auch noch dazu. Der Brunnenhof direkt neben der Porta Nigra bietet ein grandioses Ambiente, eingeschlossen von hohen Mauern, in vielen Momenten (abgesehen von den Vogelschwärmen in der Luft) absolut ruhig.
Natürlich war das Konzert ausverkauft. Schon lange. Und die Fans standen bereits eine Stunde vor Einlass an, um einen guten Sitzplatz zu ergattern. In gespannter Erwartung konnte man sich auf den Support OSKA freuen. Die 28jährige Songwriterin aus Wien ist einfach grundsympathisch und hat ein absolut einnehmendes Wesen. So kam sie um 19.35 Uhr mit knapper Verspätung auf die Bühne gehetzt und spielte den ersten Song „Starstruck“, bevor sie mit ihrem österreichischen Charme erklärte, dass sie eigentlich von 20 Uhr als Beginn ausgegangen ist, als sie plötzlich jemand fragte, warum sie nicht auf der Bühne sei.
Diesen Stress ließ sie sich aber gar nicht anmerken und leistete ihr 25minütiges Set mit Bravour. Der zweite Titel hieß „Misunderstood“, was ihr großes Gelächter im Publikum einbrachte. Es gab den ganz neuen Song „Stadiums“, der vielleicht davon inspiriert ist, dass OSKA im vergangenen Jahr vier Konzerte als Support von Coldplay gespielt hat, und „Like a song“, eine wunderschöne Nummer vom aktuellen Album „Refined Believer“.
Die Songs von Maria Burger (so heißt sie mit bürgerlichem Namen) sind eine musikalische Kuscheltherapie. Ganz sanft und melancholisch klingen ihre Vocals stets etwas naiv, haben aber eine poetische und philosophische Tiefe. OSKA singt über die Liebe und erzählt alltägliche Geschichten. Dazu eine akustische Gitarre und eine kleine blaue Wolke als Dekoration. Man braucht nicht viel, um zeitlos schöne Popsongs zu schaffen.
Obwohl alles sehr melancholisch klingt, haben die Lieder fast immer eine optimistische Grundhaltung und können auch in traurigen Momenten witzig klingen. So beim letzten Song „Mona Lisa, a girl’s best friend“, der von einem verstorbenen Hund erzählt. Der Set von OSKA ging viel zu schnell vorbei und viele hätten ihr noch länger zuhören wollen, wie man am lang anhaltenden Applaus erkennen konnte.
Der Umbau dauerte nur kurz und Philipp Poisel kam zum Song „Halt mich“ zunächst allein mit Gitarre auf die Bühne. Das letzte seiner Alben ist 2021 erschienen, man konnte also nichts wirklich Neues erwarten. Doch seine Lieder sind einfach zeitlos schön und wurden durch die Bank von weiten Teilen des Publikums mitgesungen.
Als Sidekick hatte Philipp sich Florian Ostertag mitgebracht, der ihn schon lange begleitet und der inzwischen selbst ein renommierter Songwriter ist. Zu „Roman“ kam Flo auf die Bühne und Philipp nahm am Keyboard Platz. Zeitweise saßen sie dort auch zusammen (wie bei „Eiserner Steg“) und spielten vierhändig. Oder sie waren mit zwei Gitarren im Mittelpunkt („Wie du“).
Philipp Poisel ist der Anti-Typ des deutschen Pop. So untypisch, dass es fast schon wieder Methode hat. Schüchtern, introvertiert, authentisch. Er lebt seine Lieder auf der Bühne – und wenn er diese ganz reduziert ohne Band darbietet, wird es noch intensiver. So klingt „Bis nach Toulouse“ noch viel mehr nach dem Aussteigersong, den der Text hergibt. Und dann „Bordsteinkantenleben“ ganz allein am Piano – grandios!
Es gab neben den romantischen auch viele humorvolle Momente. Philipp hatte ein Schwäbisch-Lexikon dabei und versuchte, dem Publikum neue Schimpfwörter beizubringen. Danach folgte „Erkläre mir die Liebe“, um den inhaltlichen Bruch perfekt zu machen. Nicht immer war er deutlich zu verstehen. Ein Markenzeichen, durch das vielleicht Herbert Grönemeyer auf ihn aufmerksam wurde. „Ein Song aus der Zeit, als ich noch genuschelt habe“, sagte er „Alt und grau“ an. Das Gelächter war groß und der Sänger musste auch selbst in sich rein schmunzeln.
Zur Freude vieler gab es die bewegende Geschichte „Herr Reimer“. Vielen kennen das Lied über den Arbeiter, der noch nie auf Mallorca war. Doch das gibt es nur live. Den Zeitpunkt, es auf ein Album zu bannen, hat Philipp irgendwie verpasst. Aber das macht es doppelt schön.
Nach dem Urlaubssong „Garten von Gettis“ und „Wie soll ein Mensch das ertragen“ (wundervoll ganz allein an der Gitarre) folgte zum vorläufigen Abschluss „Froh dabei zu sein“, eine Ballade über das Leben und den Tod, die Philipp bei fast jedem Konzert ganz akustisch spielt. Und dann sollte schon Schluss sein. Nach 60 Minuten Spielzeit? Oh nein, so wollten die Trierer ihn nicht weggehen lassen.
Der Zugabenblock dauerte dann auch geschlagene 40 Minuten und brachte Highlights wie „Ich und du“, „Liebe meines Lebens“ und ganz zum Schluss „Mit jedem deiner Fehler“. Pure Romantik für verliebte und gebrochene Herzen. Daneben gab es „Wolke 7“, im Original von Max Herre featuring Philipp Poisel, und „Als gäb’s kein Morgen mehr“, das als einziges Stück mit einem starken Beat vom Band versehen wurde.
Um 22 Uhr wurden Poisel und Ostertag frenetisch gefeiert. Es war ein absolut magisches Konzerterlebnis, das sie hier ohne großes Brimborium mit einfachsten Mitteln geschaffen hatte. Philipp zeigte sich sichtlich bewegt und machte kniende Verbeugungen. Ein wunderschöner Abschluss für diesen warmen und trockenen Sommerabend.
Setlist OSKA – Brunnenhof Trier, 14.7.2025
Starstruck
Misunderstood
Stadiums
Like a song
Mona Lisa, a girl’s best friend
Setlist Philipp Poisel – Brunnenhof Trier, 14.7.2025
Halt mich
Roman
Eiserner Steg
Wie du
Bis nach Toulouse
Bordsteinkantenleben
Erkläre mir die Liebe
Alt und grau
Herr Reimer
Im Garten von Gettis
Wie soll ein Mensch das ertragen
Froh dabei zu sein
Ich und du
Liebe meines Lebens
Wolke 7 (Max Herre Cover)
„Deine blauen Augen machen mich so sentimental!“ In meiner Stammdisco verging in den 80ern kein Musikabend, an dem diese Textzeile nicht zu hören war. Was für ein Song, was für eine Band, was für ein Album! Kaum zu glauben, dass diese Songs bereits 45 Jahre alt sind. Mit dem „2025 Mix“ ihres legendären Debüts zeigen Ideal, wie zeitlos Musik klingen kann, wenn Haltung, Sound und Vision stimmen.
Für die Neuveröffentlichung wurden die originalen Mehrspurbänder digitalisiert und von Produzent Moritz Enders (u. a. Kraftklub, Casper) mit frischem Ohr neu abgemischt. Das Ergebnis? So klar, druckvoll und nah dran, als hätten Ideal das Album gestern aufgenommen – nur eben mit dem analogen Zauber von damals.
Credit: Bodo Dretzke
Für den neuen Mix kam ausschließlich Technik zum Einsatz, die bereits 1980 zur Verfügung stand. Der Sound ist also nicht einfach nur neu – sondern neu gedacht im Geist der alten Zeit. „Ideal (2025 Mix)“ ist nicht bloß ein nostalgischer Rückblick, sondern ein eindrucksvolles Update: Songs wie „Berlin“, „Blaue Augen“ oder „Hundsgemein“ wirken heute so kompromisslos, radikal und relevant wie eh und je.
Der Gesang von Annette Humpe klingt immer noch frisch und genial. Mit diesem Album hat man der „Neuen Deutschen Welle“ Anschub gegeben und einen Musikstil kreiert, der die beginnenden 80er Jahre musikalisch prägen sollte. Der Vibe des Originals bleibt auch nach Jahrzehnten erhalten und die Albumtexte wirken heute so stark und bissig wie damals.
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Als sie zwölf Jahre alt war gewann Ella Yelich-O’Connor alias Lorde einen Talentwettbewerb an ihrer Schule. Ein Video ihres Auftritts gelangte zu Universal Music, man nahm sie unter Vertrag und förderte ihre weitere musikalische Entwicklung. Das US-Billboard Magazine erkor sie schnell zur “New Queen Of Alternative” und widmete ihr das Cover. Ob solche Vorschusslorbeeren im Alter von 16 Jahren ein guter Wegbereiter für die zukünftige Karriere sind? Es scheint zu funktionieren. Seitdem liefert Lorde nämlich im 4-Jahres-Rhythmus atmosphärisch dichte Alben mit energetischer Popmusik. „Virgin“ ist das vierte Werk der Neuseeländerin und stieg in der ersten Woche auf Platz 3 der deutschen Albumcharts ein.
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Samt neuer Ästhetik, neuer Inspiration und musikalischen Themen eroberte die Sängerin mit den Single-Auskopplungen “What Was That“, “Man Of The Year“ und “Hammer“ bereits die volle Aufmerksamkeit und Begeisterung der Pop-Szene weltweit. Elf Tracks umfasst das Album, das sie neben Jim E-Stack teils selbst mit produziert hat – und die weltweite Ultrasound Tour ist bereits größtenteils ausverkauft. Mit scharfen Lyrics und einem diversen Sound, eröffnet Lorde ihren Fans nicht nur den Lorde Summer, sondern auch eine prickelnde Harmonie aus verführenden neuen Sounds und der Rückkehr des lang vermissten Lorde-Pop.
Das Albumcover zeigt eine Röntgenaufnahme des Beckens der Sängerin, darauf enthalten ein Reißverschluss, eine Gürtelschnalle und eine Verhütungsspirale. Ein äußerst intimer Blick ins Innere also, so wie es auch Lordes Songs sind. Besonders beeindruckt mich der A-cappella-Titel „Clearblue“, auch wenn die Stimmen zum Teil elektronisch verfremdet sind. Lorde singt von ihren Gefühlen, von Liebe und Macht, von Unsicherheiten. Das alles verpackt in grandiosen Artpop, mal elektronisch, mal hymnisch, mal ganz intim und introvertiert.
Während „Solar Power“ eine Hommage an die Natur war, widmet sich „Virgin“ der Weiblichkeit und intensiven, authentischen Momenten. Ein Album, das unter die Haut geht!
Die legendäre Albumreihe des portugiesischen Musikers und Freiheitskämpfers José Afonso (1929-1987) geht in die nächste Runde.
„Stadt, ohne Mauern und Zinnen. Der Mensch, der dir in die Augen schaut und nichts leugnet“ – so besingt José Afonso seine Utopie in seinem vorletzten Album aus dem Jahr 1983, in dem der Musiker bereits unter der unheilbaren Nervenkrankheit ALS litt, an der er dann 1987 viel zu jung mit gerader mal 57 Jahren verstarb. „Como se Fora seu Filho“ erscheint nun am 20. Juni auf CD und Vinyl und erneut zeichnet das Hamburger Soundgarden Studio für das behutsame Mastering der alten Bänder verantwortlich.
Wir hören eine große musikalische Reise, die „Zecas“ Genie einmal mehr mit Unterstützung seiner musikalischen Weggefährten Fausto Bordalo Dias, José Mário Branco und Júlio Pereira präsentiert. Ein kritisch-poetischer Blick auf den Traum von Menschlichkeit in einem Land, das hartnäckig auf „ir di icarrinho – (“alles geht den Bach runter”). – beharrt und die späte Gelegenheit dieses zeitlose Werk (wieder) zu entdecken, das uns immer wieder herausfordert – oder um es mit den Worten des Liedes Utopia zu sagen: que outro fumo deverei seguir na minha rota („welch anderem Rauch soll ich auf meinem Weg folgen?“).
1929 geboren, wurde José Afonso, der ebenfalls als Zeca Afonso oder einfach Zeca bekannt ist, in Portugal aufgrund der Rolle seiner Musik im Widerstand gegen das diktatorische Estado Novo-Regime zu einer Ikone. Sein bekanntestes Lied „Grândola, Vila Morena“ war verabredetes Startsignal am 25. April 1974 an die eingeweihten Militärs und Zivilisten des Movimento das Forças Armadas (MFA, ) um die sogenannte „Nelkenrevolution“ (Revolução dos Cravos) auszulösen. Kurz nach Mitternacht wurde das verbotene Lied über das Radio ausgestrahlt.
Die von der portugiesischen Plattenfirma „Mais 5“ verantwortete Wiederveröffentlichung des Kataloges von Afonso begann im Jahr 2022 und umfasst insgesamt elf Alben. Alle bisherigenTitel sind beim Hamburger Vertrieb Broken Silence erhältlich.
Auf geht’s Europa – kämpfen wir gegen den wachsenden Nationalismus mit der Musik von O GAJO.
Die Reise des portugiesischen Musikers João Morais „O GAJO“ geht weiter mit seinem neuen Album „Trovoada“ ( zu deutsch: Gewitter), das den musikalischen und erstmals stimmlichen Horizont erweitert und seinen kreativen Abenteuergeist und Neugier widerspiegelt. Neben der bekannten Viola Campaniça gesellen sich nun Akkordeon und das portugiesische Zupfinstrument Cavaquinho sowie eine Rhythmusgruppe zur Band, die ordentlich Groove und Power in die Musik bringen.
Und erstmals wird gesungen bei O GAJO – und die Stimmen, teilweise solo von João Morais, teilweise im Chor, fügen sich wunderbar in die Musik, so zum Beispiel bei dem grandiosen Titel Pedra sobre Pedra, an dessen Ende man schon den aufbrausenden Applaus des Publikums zu hören glaubt. Trovoada ist ein melodisch-rhythmisch und im besten Sinne träumerisches Werk eines Projekts, das musikalisch auf höchstem Niveau überzeugt und in der portugiesischen Musikszene nicht mehr wegzudenken ist. O GAJO wächst im Rhythmus seiner traditionell inspirierten zeitgenössischen Musik und sind bereit, größere Bühnen zu erobern.
Besetzung
João Morais (O Gajo) – Viola Campaniça, Bouzouki and vocals
Isaac Achega – Percussion
Francesco Valente – Bass
João Martins – Sanfona, Cavaquinho, Flute and Choir
Diana Ferreira – Adufe, Bagpipes and Choir
Tracklist
1. Baile de Búfalos
2 Pedra sobre Pedra
3 Filhos do Vendaval
4 Flores Silvestres
5 Marabunta
6 Piratas do Tietê
7 Mar de Gente
8 Povo da Fenda
9 Barca do inferno
10 Carregando a Cruz
11 Velho Tocador
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Erst kürzlich hat Madeline Juno bei „Sing meinen Song“ geglänzt und vielen Songs von Bosse („Mein Hurra“), Mia („Fallschirm“), Paddy Kelly („Wonders“) und den Fanta 4 („Ernten was wir säen“) ihren wundervollen Deutschpop-Stempel aufgedrückt. Seit sich die Offenburgerin entschieden hat, von der englischen zur deutschen Sprache zu wechseln, gehört sie zu meinen absoluten Favoritinnen in der poetischen Popmusik. Das war im Jahr 2017 mit dem Longplayer „DNA“ und inzwischen ist ihr fünftes Album mit deutschen Lyrics erschienen. Die Sängerin hat schon in jungen Jahren einen erstaunliche Werdegang durchgemacht. Sie wuchs in einer Musikerfamilie auf, der Vater ist Schlagzeuger, die Mutter Pianistin. Früh begann sie, ihre eigenen Songs zu schreiben, und stellte mit 14 Jahren die ersten Werke online.
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Madeline Juno schreibt da weiter, wo andere aufhören. Ohne Eitelkeiten produziert sie scharfsinnige, sensible, selbstironische, tanzbare und gnadenlos ehrliche Songs. Sie hat schon seit Jahren eine abgeklärte Art, mit ihren Depressionen umzugehen, indem sie eindringliche Bilder für ihren Gemütszustand findet. Das neue Album handelt von Mut, Selbstvertrauen und dem Wunsch, sich nicht von äußeren Meinungen beeinflussen zu lassen. Maddie beschreibt „Anomalie“ als eine Abweichung von der Norm, ein Ausdruck ihrer Bereitschaft, Grenzen zu überschreiten und sich selbst neu zu entdecken. Sie vereint klugen Pop, innovative Sounds und eine offene, ehrliche Haltung. Es ist eine Einladung, über das Leben nachzudenken, aber auch zum Tanzen und Feiern.
In „Mediocre“ geht es um die Angst, nicht besonders, sondern mittelmäßig zu sein. Ein Song über Selbstzweifel. In diese Richtung geht auch „Schlimmster Mensch der Welt“, das fehlendes Selbstvertrauen und verschwimmende Grenzen thematisiert. „Butterfly Effect“ erzählt von den seltsamen Wendungen des Lebens und mit „Hab ich dir je gesagt…“ sowie „Liebe in Spiegelschrift“ gibt es zwei ungewöhnliche Liebeslieder.
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Das alles verpackt Madeline in intelligente Popsongs, wundervoll und filigran arrangiert. Etwas Urban Pop, aber immer mit eindringlichen Vocals im Vordergrund. Die Vielfalt ihrer musikalischen Fähigkeiten ist bewundernswert, man höre nur das Wechselspiel zwischen tiefen und extrem hohen Tonlagen in ihrer Stimme. Madeline lebt stets im Wechselbad der Gefühle, was sich in der Vielfalt des Albums niederschlägt, und ist damit vielleicht die wichtigste weibliche Stimme der deutschsprachigen Popmusik. Ein großartiges neues Album!