Felicitas Mietz, wie die gebürtige Marburgerin mit bürgerlichem Namen heißt, legt mit „Nachtluft“ ihr zweites Album vor. Vor ihrer Solokarriere war sie bei der Popband Neoh aktiv, doch mit ihren eigenen Alben wird deutlich, dass sie niemals nur das hübsche Aushängeschild der Musikindustrie sein konnte. Mit den akustischen Stücken und als Songwriterin ihrer eigenen Musik zeigt sich ihre wahre Größe. Dazu braucht es im Prinzip nicht mehr als eine Gitarre, doch „Nachtluft“ ist ordentlich durchproduziert, voller schöner Chansons und auch mal mit melodischem Sprechgesang zu starkem Piano wie in „Elexier“.
Fotocredit: Christoph Seubert
Fee. wurde schon mit Udo Lindenbergs Panikpreis ausgezeichnet – und ihre Musik ist genau so direkt und ehrlich wie die Songs des großen Rockpoeten. „Nachtluft“ bietet eine lyrische Reise mit lebhaften und nachdenklichen Songs. Markenzeichen ist Fees lakonische Stimme, die oft zugleich frustriert und melancholisch klingt. Besonders die reduzierten Songs wie „Straßburger Straße“, „Mit dir“ und „Dein Haus ist umstellt“ überzeugen in ihrem Minimalismus, der Fees klare Stimme herausstreicht.
Sie hat beim zweiten Album alles selbst in die Hand genommen und es per Crowdfunding finanziert. Die zehn Songs in knapp 35 Minuten sind ungestüme Oden ans Leben, skurrile Beobachtungen, voll Selbstironie und vertrauter Schwesternhaftigkeit. Alles geht, was von Herzen kommt!
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Gary Barlow war von Anfang an der kreative Kopf von Take That. Nach dem Ausstieg von Robbie Williams und dem vorläufigen Ende der Band gab es Soloalben beider Egomanen, doch Robbie war bei weitem erfolgreicher. Nicht, weil er der bessere Musiker gewesen wäre – er erwischte einfach den besseren Start. Im Prinzip blieben Barlows Chartplatzierungen hinter den kommerziellen Erwartungen zurück. Aber das war vermutlich gut so. Denn sonst hätte es die triumphale Rückkehr von Take That 2005 nie gegeben.
Das letzte Soloalbum des Briten erschien im Jahr 2013. Zeit also für neue Taten. Da kam es gerade Recht, dass Take That aufgrund der Pandemie ohnehin nicht im Vordergrund des Interesses standen. Ab Mitte März veröffentlicht der Sänger und Songwriter unter dem Hashtag #thecroonersessions Soloaufnahmen, häufig mit Unterstützung prominenter Musiker wie Rick Astley, Cliff Richard oder Ronan Keating. Selbst ein Duett mit Robbie war zu hören und ließ die Take That-Welt jubeln.
„Music Played By Humans“ ist in diesen unsicheren und kulturell eingeschränkten Zeiten ein perfekter Albumtitel. Und tatsächlich besinnt sich Barlow auf handgemachte Musik. Nicht akustisch, sondern im opulenten Sinne: Orchestral und im Bigband-Sound. Die CD startet mit einem Orchester, das übertrieben lautstark seine Instrumente stimmt, und einer kurzen Ansprache des Vokalisten. Und dann geht es in die Vollen, wie man sich das nur wünschen kann.
Das Album ist eine Ode an die Klänge von Garys Kindheit, die Orchester- und Big-Band-Musik, die seine Fantasie beflügelten und ihn somit zu diesem Album inspirierten. Mit einem 80-köpfigen Orchester aufgenommen, vermischt er in 14 Eigenkompositionen eine Vielzahl von eklektischen Klängen und Stilen zu einem der aufregendsten Alben des Jahres.
Das Album beinhaltet die bereits vorher veröffentlichte lateinamerikanisch inspirierte Single „Elita“ mit Michael Bublé und dem kolumbianischen Künstler Sebastián Yatra. Außerdem sind weitere Kollaborationen mit Stars aus aller Welt, darunter James Corden, Beverley Knight, Ibrahim Maalouf und Alesha Dixon enthalten.
“Als wir mit diesem Album begannen”, sagt Gary, “war es mein Ziel, etwas wirklich Leuchtendes zu schaffen, eine Feier der Musik und der wunderbaren Musiker, die wir in Großbritannien und auf der ganzen Welt haben. Einiges davon ist mit einem Orchester aufgenommen, einiges mit Quartetten, einer Latin-Band, und einige der Stücke haben Jazz- und Big-Band-Sektionen – es ist wirklich Musik, die von Menschen gespielt wird, daher der Titel des Albums – Music Played By Humans”.
Das Ergebnis ist ein beschwingtes Popalbum. Barlow hat nicht den klassischen Orchestersound gewählt, sondern bewegt sich vor allem im modernen Swing- und Bigband-Gewand. Daraus ergeben sich zwar keine gefälligen Singlehits, aber ein Album, das in seiner Gesamtheit und Komplexität wirkt und die Kunst der Musik feiert.
Die Deluxe Edition im schmucken Digipack enthält fünf Bonustracks: Drei weitere neue Songs inklusive „You Make The Sun Shine“ featuring Barry Manilow, und zwei Remixe von „Incredible“, wobei vor allem die Acoustic Version Garys große Stärke am Jazzpiano zeigt.
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Wenn ich so an dieses unsägliche Jahr 2020 zurück denke, hatte ich im Sommer doch unerwartet noch einige schöne und intensive Konzertmomente. Da war zum Beispiel das „My Urban Piano“ Festival in Trier mit Tastenkonzerten von Tobias Schmitz (ehemals Von Brücken, jetzt EINS.), dem europaweit bekannten Luxemburger Künstler David Ianni und dem kalifornischen Weltstar Kit Armstrong. Und man hatte sich schnell dran gewöhnt, dass alles im Freien stattfand – Nebengeräusche aller Art inklusive. Sei es das Martinshorn eines Rettungswagens, Geplätscher einsetzenden Regens, Vogelgezwitscher oder gar eine brummende Drohne im Nachthimmel.
Die Geräusche der Natur gepaart mit Musik schaffen eine besondere Atmosphäre – Vögel, Wind und Regentropfen natürlich mehr als Fahrzeuge und Fluggeräte. Und Martin Kohlstedt macht daraus eine Tugend! Das neue Album geht wieder weg von elektronischen Experimenten. Die letzten Werke „Strom“ und „Ströme“ enthielten nicht nur rein akustische Klavierstücke, sondern mehrschichtige Kompositionen mit Chören und Elektronikkomponenten.
Im stillen Jahr 2020 gibt es eine Rückkehr zum Einfachen und Besinnlichen. Er nahm das Album zurückgezogen in seiner Dachgeschosswohnung auf, mit Blick auf Weimar, mit all den heimeligen Naturmomenten, dem Licht, mit der Geometrie und Tiefe, die diese Tage begleiteten und sich nun auf „Flur“ wiederfinden. Man hört die Pianoläufe – mal nachdenklich, mal fließend. Dazu ganz dezente Rhythmus-Elemente. Und man spürt und fühlt, wie Martin Kohlstedt am offenen Fenster sitzt und die Atmosphäre einfängt.
Das Ergebnis ist alles andere als Pianogeplätscher. Vielmehr liefert uns „Flur“ eine spannende Reise, die mal wie ein langsamer Fluss, mal wie ein schneller Spaziergang klingt. Ein Trip durch die Lichtung des Waldes oder wahlweise durch die Lichtung zwischen den Häusern einer Großstadt.
„Lichtung“ ist auch der Titel des Gemäldes des Leipziger Malers David Schnell, das Martin Kohlstedt sah und sofort wusste, dass er das Albumcover gefunden hatte, ohne danach suchen zu müssen. Weil Schnells Werk das in Form fasst, was „Flur“ für Kohlstedt ist: Ein Raum ohne Zeit. Und so ist dieses Album auch ein bewusstes Statement. Für das Klavier als Protagonist. Für den Verzicht auf Filter. Für Empathie, für Nähe, das Intuitive. Dafür die Türen zu öffnen.
Es war genau der richtige Zeitpunkt für den Pianisten, zu seinen Wurzeln zurück zu kehren. Und das neue Album ist ein virtuoses Meisterwerk. Einfach wunderschön in seiner Schlichtheit und den erzählenden Melodien.
Wer sich wie die Formation Blackmore’s Night der Musik im Renaissance-Stil verschrieben hat, dem liegen natürlich auch die traditionellen Weihnachtslieder am Herzen. Mit dem 2006 erstmals erschienenen und 2017 neu aufgelegten Album „Winter Carols“ haben Candice Night und Ritchie Blackmore dies bereits bewiesen – nun läuten sie mit vier neu interpretierten Songs auf der EP „Here We Come A-Caroling“ die diesjährige Adventszeit ein.
Die vier Stücke sind alle traditionell überliefert. Der schwungvolle Titelsong „Here We Come A-Caroling“ in der Tradition der englischen Weihnachtsänger ist hierzulande kaum bekannt, ebenso wie das besinnliche „It Came Upon A Midnight Clear“. „O Little Town Of Bethlehem“ gehört allerdings schon fast zu den Klassikern, und „Silent Night“ hat seinen Siegeszug um die Welt ja im Original als „Stille Nacht“ begonnen. Diese Version überzeugt nach dem sehr ruhigen Intro mit einer überraschend rhythmischen Begleitung, die dem fast schon zu bekannten Lied nochmal eine neue Facette verleiht.
In den Arrangements dominiert wie immer Candice‘ klarer und gefühlvoller Gesang, umrahmt von Ritchies virtuosem Gitarrenspiel und ergänzt durch weitere akustische Instrumente wie Blockflöten, Streicher und Tamburin.
Wer den Stil von Blackmore’s Night mag und sich mit „Here We Come A-Caroling“ passende Festtagsstimmung ins Haus holen will, sollte sich besser beeilen: Die CD und die gleichzeitig erscheinende Version auf Vinyl sind nämlich weltweit auf 5.000 beziehungsweise 2.000 Exemplare limitiert.
Das Koninklijk Concertgebouworkest (auf Englisch RCO abgekürzt) in Amsterdam ist das bedeutendste Sinfonieorchester der Niederlande. Es wurde im Jahr 1888 gegründet und 100 Jahre später hat ihm Königin Beatrix das Prädikat „königlich“ verliehen. Zum Beethovenjahr 2020 gibt es eine Reihe von Veröffentlichungen. Da darf auch dieses renommierte Orchester nicht fehlen – doch man hat eine besondere Form der Würdigung des großen Meisters gewählt.
Die neun Sinfonien von Ludwig van Beethoven gehören zum Kernrepertoire praktisch aller Orchester der Welt, und das Concertgebouworkest bildet da keine Ausnahme. Bis in die 1960er Jahre schlossen jährliche Beethoven-Sinfoniezyklen die Konzertsaison. Später wurden die Sinfonien hauptsächlich einzeln aufgeführt, jeweils mit einem anderen (Gast-)Dirigenten.
Mit überwiegend unveröffentlichten Live-Aufnahmen, die eigens für diese Box ausgewählt und freigegeben wurden, bietet dieses Set die besten RCO-Aufnahmen der neun Sinfonien seit den 1970er Jahren. Mit einer Vielzahl von Dirigenten, von Leonard Bernstein bis Nikolaus Harnoncourt, demonstriert es die unglaubliche Vielseitigkeit des Orchesters.
In einer soliden Pappschachtel finden sich fünf CDs. Jeweils zwei Sinfonien auf einem Silberling und die fulminante neunte für sich allein stehend. Die Zeitreise geht vom Jahr 1978 (2. Sinfonie dirigiert von Bernstein) bis ins Jahr 2010 (1. Sinfonie dirigiert von David Zinman). Ich bin nun wirklich kein so großer Klassik-Kenner, dass ich hier Unterschiede in den Dirigaten ausmachen könnte, aber das Konzept gefällt mir. Es zeigt die Zeitlosigkeit des großen Komponisten – und es zeigt, dass das Publikum in jedem Jahrzehnt zu begeistern war. Eine Begeisterung, die seit Jahrhunderten bis heute anhält.
Ein dickes Begleitheft (fast schon ein kleines Taschenbuch) erklärt die Hintergründe der Sinfonien in englischer, französischer, deutscher und holländischer Sprache. So kann man sich vor dem nächsten Sinfoniekonzert locker die wichtigsten Infos anlesen, um bei der Begleitung mitreden zu können. 2020 ist das Jahr des guten alten Ludwig van. Da kann auch Corona nicht gegen ankommen: Seine Musik wird überleben!
Our Oceans sind ein Projekt des niederländischen Sängers und Gitarristen Tymon Kruidenier, der sich in Progkreisen durch seine Bands Exivious und Cynic einen Namen gemacht hat. Vor fünf Jahren erschien das selbstbetitelte Debüt – jetzt legen Our Oceans mit „While Time Disappears“ nach und entführen uns in einen abwechslungsreichen Klangkosmos.
Mit dem neuen Werk lässt Tymon nach eigenen Worten die letzten fünf Jahre Revue passieren und bietet eine frappierende Mischung aus Artrock und Progmetal. Man kann sich nie sicher sein, ob gerade säuselnde melancholische Klänge vorherrschen oder das atmosphärische Konzept durch harte Riffs und Growls durchbrochen wird. Die Texte sind – der Thematik angemessen – zutiefst introspektiv und voll Melancholie. Um so wirkungsvoller dringen die aggressiven Ausbrüche durch, die Sehnsucht, Wut und Verzweiflung aufzeigen wie „Your Night, My Dawn“.
„Das Album erzählt die Geschichte, wie man scheinbar an einem guten Punkt im Leben ist, unerwartet bis ins Mark gebrochen wird, wieder aufsteht und alles überwindet. Es ist stellenweise ein sehr dunkles Album, aber letztendlich hat es einen positiven Unterton“, so beschreibt Tymon seine Gemütslage.
Vor allem der Gesang ist bisweilen sehr eindringlich und trifft mitten ins Herz. Ein Song wie „Passing By“ bietet puren Weltschmerz und transportiert große Gefühle. Das Songwriting ist trotz aller Härte sehr klar und präzise. Der moderne und absolut virtuose Sound mit elegischen Soli und starken Riffs weiß durchweg zu überzeugen.
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Mit ihrem aktuellen Album „Kompass zur Sonne“ haben In Extremo im Mai ihr 13. Studioalbum veröffentlicht und direkt Platz 1 der Albumcharts erobert. Jetzt legt die Band eine „Extended Version“ des Albums nach und bringt ein Doppelalbum mit insgesamt 32 Songs (inkl. Livealbum) auf den Markt. Dazu gibt es den neuen Song „Ewig sein“ als Single.
“Kompass zur Sonne” gehört definitiv zu den stärksten Werken der Band. Das Album liefert ein optimistisches Motto in wirren Zeiten. Schmissige Refrains, dazu Dudelsack, Leier und Schalmei zu bisweilen harten Gitarrenriffs. So lassen wir uns gern Geschichten erzählen über „Troja“ und das „Narrenschiff“. Eine Überraschung ist sicherlich „Wer kann segeln ohne Wind“ – ein schwedisches Traditional, das stilecht vom Amon Amarths Johann Hegg eingegrowlt wird.
Neben den 14 Songs der ursprünglichen Ausgabe vom Mai wird mit dem wunderbar brachialen Rockstück „Ewig sein“ ein völlig neuer Song präsentiert, der sich flott und eingängig in die Tracklist einfügt. Von „Wer kann segeln ohne Wind“ gibt es zusätzlich eine Variante ohne den Vokalbeitrag von Johan Hegg und bei der ergreifenden Klavier-Version von „Schenk nochmal ein“ greift niemand geringeres als Götz Alsmann in die Tasten.
Die größte Freude dürfte den Fans aber die Bonus-CD bereiten, denn sie enthält den kompletten In Extremo-Auftritt beim „Wacken World Wide“-Festival, das Ende Juli, Anfang August 2020 wegen der Corona-Pandemie online als Live-Stream über die Bühne gehen musste. Auch wenn kein Publikum dabei sein durfte, legte die Band doch einen begeisternden Gig hin.
Was ich etwas nervig finde: Man hat beim Livealbum wie in einer zweitklassigen Pro7-Show ein jubelndes Publikum vom Band eingespielt. Das sorgt zwar für Live-Feeling am CD-Player, entspricht aber nicht der objektiven Wahrheit. In Zeiten der Pandemie muss es auch mal ungewöhnliche Livealben geben – ohne Publikum – so wie beispielsweise Nick Cave das vorgemacht hat. In Extremo tun sich und ihren Fans hier keinen Gefallen, finde ich. Aber zur Ehrenrettung sei gesagt: Wenn man die Hintergründe nicht kennt, hört sich das Publikum sehr echt an.
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2019 fand das 5. Adventskonzert in der Heimstätte der SG Dynamo Dresden statt. Es waren (wie immer bei diesem Event) zwei Stunden voller Emotionen und ein Fest, das Dresden als Weihnachts- und Kulturhauptstadt von europäischem Rang präsentierte. Wenn kurz vor Weihnachten über 25.000 Menschen zum großen Adventskonzert ins Stadion strömen und hunderttausende TV-Zuschauer im Wohnzimmer Platz nehmen, dann beginnt für viele Dresdner das Weihnachtsfest so richtig.
Dieses Jahr ist das leider so nicht möglich und daher gibt es anstelle des traditionellen Adventskonzertes im Rudolf-Harbig-Stadion ein aufwändig produziertes Studioalbum mit Weihnachtsliedern gesungen vom Dresdener Kreuzchor unterstützt von einer Vielzahl bekannter Künstler.
Das neue Doppelalbum bannt die einzigartige Atmosphäre dieses besonderen Events auf Doppel-CD und bringt sie ins Wohnzimmer. Im Zentrum steht der acht Jahrhunderte alte Dresdner Kreuzchor unter der Leitung von Roderich Kreile. Begleitet wird er dabei vom eigens gegründeten Cross Bell Orchestra: renommierte Band- und Studiomusiker aus ganz Deutschland, die unter der Leitung von Peter Christian Feigel auch für das Studioalbum die perfekten musikalischen Partner der Kruzianer sind. Feinfühlig und mit großer Spiel- und Singfreude erwecken sie die anspruchsvollen Arrangements der Weihnachtsklassiker zum Leben.
Mir gefällt die Mischung aus klassischen Weihnachtsliedern, orchestralen Arrangements und beschwingtem Soulpop sehr gut. Man bietet ein absolut vielseitiges Programm, das Tradition und Moderne vereint.
Auf dem Album sind neben alten Bekannten des Adventskonzerts auch neue musikalische Partner des Kreuzchors zu hören: Im Duett mit dem Chor verzaubert Rocklegende Peter Maffay mit seinem Tabaluga-Hit „Nessaja – Ich wollte nie erwachsen sein“, während die finnische Starsopranistin Camilla Nylund mit den Kruzianern die Atmosphäre des skandinavischen Weihnachtsfestes nach Deutschland holt. Auf allen Bühnen der Welt zu Hause und mit „O holy Night“ und „Adeste fidelis“ auch Gast auf dem Album ist Tenor Klaus Florian Vogt. Musical- und Soul-Akzente setzt Sabrina Weckerlin, die dem besonderen Genremix eine weitere Facette hinzufügt. Gleiches gilt für die finnische Trompeterin Tine Thing Helseth und ihren ganz eigenen Weihnachtssound. Die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium, gelesen von Schauspieler Samuel Koch, rundet das neue Studioalbum ab.
Es ist eine gute Lösung, den Freunden des Kreuzchors diese Alternative zu bieten – in einem Jahr, da so viel Liebgewonnenes wegfallen muss. Die Doppel-CD ist sehr ausgewogen erstellt und schafft es, die Atmosphäre eines Weihnachtskonzerts ins heimische Wohnzimmer zu bringen.
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Genau das war es doch, was wir uns wünschten, als wir gehört haben, dass nach vier Jahren ein neues Werk von SODOM ins Haus steht: Knallharte Riffs und Thrash vom Feinsten. Und Fans werden auch nach der zigsten Band-Umbesetzung nicht enttäuscht! Seit 2018 ist wieder einmal nur Shouter und Gründungsmitglied Thomas Such alias Tom Angelripper als Konstante übrig. Doch die beiden Neuen (Yorck und Toni) machen einen fantastischen Job. Und Frank Blackfire, der schon Ende der 80er mit an Bord war, tut alles, um SODOM in einen neuen Höhenflug zu heben.
Dafür hat Tom seine Bandphilosophie in die Realität umgesetzt. „Ich will Jungs aus dem Pott, aus meinem Dunstkreis, mit denen man kontinuierlich proben und arbeiten kann.“ Ein Wunsch, der anno 2020 mehr denn je fruchtet. Denn bereits mit den ersten Lockerungen des Pandemie-bedingten Lockdowns konnten SODOM sofort wieder kreativ arbeiten. Auch deshalb ist „Genesis XIX“ genau das geworden, worauf es die Beteiligten angelegt haben: eine der härtesten und vielseitigsten Studioscheiben, die es von SODOM je gegeben hat.
Das dystopische Cover gibt die zerstörende Urgewalt als Thema vor. Da passen Songs wie „Sodom & Gomorrah“, „Euthanasia“ und „Nicht mehr mein Land“, das den Zustand westlicher Gesellschaften aufzeigt, wie die Faust aufs Auge in dieser orientierungslosen Welt. „Thrash-Metal-Storys müssen natürlich martialisch sein, bei uns sind sie jedoch niemals böse oder respektlos gemeint“, bekräftigt Tom und erklärt seinen textlichen Ansatz: „Ich singe einfach über das, was mir auf der Seele brennt.“ Was das sein kann? In „The Harpooneer“ vertont er die bekannte Moby Dick-Erzählung um den herrischen Käpt’n Ahab. In „Glock´n`Roll“ beschreibt er die Geschichte eines Serienmörders. Und in „Waldo & Pigpen“ erinnert er an die gleichnamigen US-Kampfpiloten, deren Funkverkehr bei ihrem Einsatz in Vietnam für die Nachwelt erhalten blieb.
„Genesis XIX“ kommt angenehm oldschool und haut uns den Thrash so gewaltig um die Ohren, dass man nur damit schlackern kann. Wie die Ruhrpott-Kollegen von KREATOR zelebrieren auch die Gelsenkirchener SODOM hier die knallharte Idee des Metal, der Hörern keine Zeit zum Rasten oder Atem holen lässt. Mindestens so stark wie „Decision Day“ und damit mit das stärkste Album der Band im neuen Jahrtausend.
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Marathon ist das neue Bandprojekt von Mark Kelly, der seit fast 40 Jahren als Keyboarder von Marillion fungiert. Die Aufnahmen für das Debütalbum entstanden in Peter Gabriels Real World Studios. Und wie es der Zufall will, hat Mark einen Vokalisten gefunden, der sich in weiten Teilen wie der junge Peter Gabriel anhört. Allein das ist schon Freude genug für Fans des guten Progressive Rock. Darüber hinaus steht Kelly als Instrumentalist natürlich für breite Keyboardflächen und atmosphärische Musik. Bei Marillion kann er das nicht mehr so ausleben wie noch in den 80er Jahren – jetzt hat er wieder die Chance dazu. Und er nutzt sie!
“Seit jeher sehnt sich die Menschheit nach der Fähigkeit zu fliegen, angefangen beim Erreichen von Höhen, weiter bis zum Überqueren von Kontinenten, dann Ozeanen, der Umrundung der Welt, bis hin zum Aufbrechen ins All und ersten Versuchen mit dem zu kommunizieren, was auch immer da draußen ist. Doch was, wenn die Kommunikation ausfällt?” Das ist die inhaltliche Idee hinter dem Album, das zwar nicht als echtes Konzeptalbum daher kommt, doch einer Mission folgt – nämlich die Musik als Mittel zur Verständigung heranzuziehen. Alle Lyrics stammen von Guy Vickers und er nutzt die Liner Notes des Booklets, um Hintergründe zu erklären. So geht es im Zehnminüter „Amelia“ um die Frauenrechtlerin und Flugpionierin Amelia Earhart, die 1937 im Pazifik verschollen ist. „Puppets“ beschäftigt sich philosophisch mit dem freien Willen und das viertelstündige Epos „Twenty Fifty One“ diskutiert die Existenz außerirdischen Lebens.
Zusammen mit Guy Vickers, Oliver M. Smith (Vocals), Pete “Woody” Wood (Gitarre), John Cordy (Gitarre), Henry Rogers (Schlagzeug) und seinem Neffen Conal Kelly (Bass), hat Mark Kelly seine Visionen in Realität umgesetzt. Es sind nur fünf Songs insgesamt, doch das Album dauert ordentliche 44 Minuten. Die Longtracks stehen am Anfang und am Schluss – jeweils in kleine Abschnitte eingeteilt – und sind extrem facettenreich.
Marathon ist in weiten Teilen ein sehr modernes Rockalbum. Man muss sich also keine Sorgen machen, dass Mark hier nur alte Ideen auslebt. Mal dominieren die Gitarren, dann gibt es wirklich elegische Keyboardparts. Auch Marillion Bandkollege Steve Rothery hat es sich nicht nehmen lassen und hat für den Song „Puppets“ seine Gitarre in die Hand genommen. Die solistischen Einlagen Rotherys sind unverkennbar. Dieses Markenzeichen haben Marillion in 40 Jahren niemals aufgegeben – und auch hier schwelgt er in seinen typischen Akkorden und Läufen.
Das Marathon-Projekt beschert Fans von Marillion und Bands wie IQ, Jadis, Arena oder Spock’s Beard ein schönes Nostalgie-Feeling, doch es ist eigenständig und modern genug, um nicht als Kopie durchzugehen. Mark Kelly hat hier seine Ideen verwirklicht, die er in einer demokratischen fünfköpfigen Band nicht immer durchsetzen kann. Das Ergebnis ist überragend gut.
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„Ohne uns ist’s still“: Mit diesem Slogan kämpft eine ganze Branche um Aufmerksamkeit für die derzeit prekäre Lage der Veranstaltungswirtschaft. Seit Freitag, 13. März 2020 steht aufgrund des bestehenden Veranstaltungsverbot ein ganzer Wirtschaftszweig still.
Die Aktion „Ohne uns ist’s still“ mit ihrer Fotoreihe „Kulturgesichter“ ist eine Initiative der deutschlandweiten Veranstaltungsbranche, die ihren Ursprung beim Verband der Münchner Kulturveranstalter e.V. nahm und seither in viele Städte und Regionen adaptiert wurde.
Mit „Kulturgesichter0651“ schließen sich die Trierer Initiatoren dieser gemeinsamen Aktion an und möchten damit auf die vielen Schicksale hinweisen, die in der Region hinter dem sechstgrößten deutschen Wirtschaftszweig stehen. Denn auch hier gibt es eine Vielzahl an Betroffenen und ein Ende dieser Situation ist für jene, ohne passgenauere Hilfen und Stufenpläne zur Lockerung der andauernden Veranstaltungsverbote, leider nicht in Sicht.
Ihre Single „Leiser“ wurde zur Radio-Hymne und bescherte ihr die erste goldene Schallplatte. Dank dieser neuen Leichtigkeit und dem Öffnen des Lea-Universums hat sie mit „Zwischen meinen Zeilen“ im Jahr 2018 ihre ganz eigene Soundwelt gefunden.
Dieser Welt bleibt sie auch mit ihrem dritten Album „Treppenhaus“ treu – ohne sich zu wiederholen. Die Songs erzählen neue Geschichten aus Leas Leben, zeigen neue Facetten und lassen sie als Künstlerin wachsen. Dabei ist ihre eigene Art, wahre Geschichten auf musikalische Weise zu erzählen, unverkennbar.
Das Album erschien ursprünglich im Mai und wurde jetzt zum Weihnachtsgeschäft als Deluxe Edition mit viel Bonusmaterial neu aufgelegt. Darunter die neue Erfolgssingle mit Majan („Beifahrersitz“), drei weitere unveröffentlichte Songs, acht Pianoversionen und die beliebtesten Stücke aus der Fernsehsendung „Sing meinen Song“.
Lückenfüller gab es schon auf dem ursprünglichen Album nicht. Lea erzählt von ihrer Kindheit, von Liebe, Familie und Freundschaft, natürlich auch von schmerzhaften Trennungen. Das darf schon mal ein wenig energisch klingen wie in „Kaputt“ oder ganz melancholisch-dezent in „Elefant“ und „Staub“.
Leas Vocals schwanken zwischen zerbrechlich und stark. Damit kann sie vor allem bei den neuen Piano Sessions glänzen, die ich ungeheuer eindrucksvoll finde. „Sie“, „Treppenhaus“, „Sylt 98“ – da kommen die Emotionen über die schwarzen und weißen Tasten noch deutlicher und authentischer durch.
Die Coverversionen von Max Giesinger, Nico Santos, MoTrip und Jan Plewka entsprechen den Aufnahmen, die für die Tauschkonzert-CD Volume 7 mitgeschnitten wurden. Also nichts wirklich Neues, aber man bekommt einen schönen Rundumschlag zu Leas Fähigkeiten, sich die Songs befreundeter Künstler ohne Umschweife zu eigen zu machen.
2020 war Leas Jahr, auch wenn sie live kaum in Erscheinung treten konnte. „Treppenhaus“ ist ein wundervolles drittes Album, das diese Deluxe Version absolut verdient hat. Zudem bringen die neuen Titel und Versionen einen Mehrwehrt, der auch den Zweitkauf des Albums sinnvoll machen kann.
Die Idee war, dass der Konzertfilm zum Streaming-Event im November in die Kinos kommt. Es wäre eine klare Würdigung dieses wichtigen Ereignisses gewesen: Publikum, Kinosound, Atmosphäre – doch dann kam (natürlich) wieder die Pandemie dazwischen. Kultur-Verhinderer Corona macht also das visuelle Erlebnis zunichte, doch man kann zumindest dem Hörgenuss frönen.
Fotocredit: Joel Ryan
Das Cover zeigt schon, was den geneigten Hörer hier erwartet: Der geniale Nick Cave allein am Piano – und das an diesem eindrucksvollen Konzertort. Es wäre jetzt bei einem Künstler wie Nick Cave gar nicht undenkbar, dass es ein solches Konzert auch ohne Corona gegeben hätte. Immerhin sind spannende und skurrile Ideen sein Metier von Haus aus. Und wenn man Melancholie und Düsternis darstellen will, macht man das am besten allein, ob jetzt im stillen Kämmerlein oder am ansonsten so lebendigen Ort, der durch das unwirkliche Ambiente ein fast schon unheimliches apokalyptisches Setting bietet.
Aufgenommen wurde das Konzert im Juni 2020, als in England gerade die ersten Maßnahmen zurückgenommen wurden und das Land langsam wieder aus dem Lockdown erwachte. Caves Solo-Performance sollte in erster Linie eine Reaktion auf die Isolation und die Einschränkungen der Zeit davor sein. „Idiot Prayer“ zeigt die Essenz von Nick Cave, der hier auf sich allein gestellt ist: Er präsentiert seine Stücke so minimalistisch wie selten zuvor, allein am Klavier, wobei das Set des Australiers alles von frühen Bad Seeds- und Grinderman-Kompositionen bis hin zum aktuellen Nick Cave & The Bad Seeds-Album „Ghosteen“ beinhaltet.
Fotocredit: Joel Ryan
Mit diesem Setting ist Cave absolut in seinem Element. Das ist genau das Konzerterlebnis, das sich viele Fans vermutlich schon lange gewünscht haben. Grandios und doch teilweise enorm anstrengend. Nick Cave hält die extremste Form von Distanz zu seinem Publikum – und doch fühlt man sich ihm sehr nah. Ich tendiere zu: grandios!
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Tatsächlich gab es ganz besondere Lockdown-Momente im Frühjahr 2020, beispielsweise als Andrea Bocelli am Ostersonntag ein Onlinekonzert aus dem Mailänder Dom streamte. Ohne Zuschauer in dieser beeindruckenden Kulisse – begleitet vom Organisten der Kathedrale Emanuele Vianelli. Was für ein bewegender Moment, als er zum Abschluss des Konzerts nach draußen ging und „Amazing Grace“ mit Blick auf den Domplatz sang. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran denke – und man muss ehrlich sein: Keiner wusste zu dem Moment, was uns in Zeiten der Pandemie noch alles bevorsteht.
Ob es der Glaube an eine bessere Welt ist, der den Startenor dazu bewegt, das aktuelle Album „Believe“ zu nennen? Oder sein unerschütterlicher Glaube an Jesus Christus – was zumindest durch die imposante Auswahl religiöser Werke zu belegen wäre. Eine Zusammenstellung des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung. Das ist es, was hier an Emotionen geboten wird – beginnend mit einem solidarischen „You’ll Never Walk Alone“.
Das insgesamt 14 Songs umfassende Werk enthält sowohl brandneue Titel, beliebte Stücke in nie zuvor dargebotenen Versionen, weltweit beliebte Hymnen, Duette mit Weltstars wie beispielsweise Cecilia Bartoli oder Alison Krauss und somit auch das ein oder andere versteckte Juwel. Es handelt sich um eine Sammlung von Liedern, die Bocelli über Jahre hinweg inspiriert und ihm Kraft geschenkt haben. Zu hören sind ein bisher unveröffentlichtes Stück des verstorbenen, großen italienischen Komponisten Ennio Morricone sowie „Gratia Plena“ – das Schlusslied aus dem neuen, von der Kritik gefeierten Film „Fatima“. Bocelli hat auch seine eigenen Vertonungen von „Ave Maria“ und „Padre Nostro“ speziell für diese Platte komponiert.
Stimmlich ist der Tenor aus der Toskana über alle Zweifel erhaben und kann sich jedem Musikstil anpassen, seien es Choräle, klassische Duette oder im Pop verhaftete Songs wie das wunderbare „Hallelujah“ mit einer Stimme, die zwischen tiefen sonoren Klängen und Bocellis unvergleichlichem Tenor schwebt.
Die in dieser neuen Aufnahme untersuchten Themen sind für Bocelli zutiefst persönlich – und das vermittelt er ehrlich, authentisch und vor allem mit gewaltiger stimmlicher Kraft.
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In Kürze wird Keith Richards 77 Jahre alt. Aber der Gitarrist der Rolling Stones, der gerne mal in die Top 5 der weltbesten Saitenquäler gewählt wird, ist natürlich unkaputtbar. Erst vor fünf Jahren hat er sein drittes Soloalbum veröffentlicht – mit dem neuen Release geht es aber um ein Livealbum, das bereits 1991 erstmals erschienen ist.
Am 15 Dezember 1988 spielten Keith Richards und seine unvergleichliche Band, The X-Pensive Winos, einen Gig im Hollywood Palladium. Es war die vorletzte Show im Rahmen einer 12-Städte-Tournee durch die USA. Keith hatte den Kern der Band in den Jahren 1987 und ’88 während der „Talk Is Cheap“-Sessions zusammengestellt. Bei dieser ersten Live-Solo-Tournee von Keith Richards war die Starbesetzung ein Who-is-who der Musikszene: Gitarrist Waddy Wachtel (Everly Brothers, Fleetwood Mac, Linda Ronstandt, Stevie Nicks), Schlagzeuger Steve Jordan (langjähriger Mitarbeiter von Keith Richards), Bassist Charley Drayton, Keyboarder Ivan Neville (Neville Brothers, der aber auch für Rolling Stones gearbeitet hatte), Sängerin Sarah Dash und am Saxophon der unnachahmliche langjährige Sideman der Rolling Stones, Bobby Keys.
Die Band spielte an diesem Abend sowohl Titel vom damals aktuellen Soloalbum „Talk Is Cheap“ wie „Take It So Hard“, „Make No Mistake“ oder „Rockawhile“. Aber es gab auch fulminante Stones-Klassikern, so zum Beispiel „Happy“, „Time Is On My Side“, „Connection“ und „Too Rude“. Die Aufnahmen sind remastert und rocken ordentlich nach vorne. „The real stuff“, so beschreibt Keith Richards die X-Pensive Winos. „Ich möchte allen Jungs in dieser verrückt-tollen Band danken. – Etwas zum Lieben. Ich weiß, dass ich das tue.“
Stones-Fans werden die Aufnahme ohnehin schon im Regal haben. Ob man den Remaster wirklich haben muss? Keine Ahnung. Zumindest ist der Digipack wertig aufgemacht und macht sich bestimmt gut in der Sammlung. Allerdings hätte ich die Liner Notes im Booklet nicht ausschließlich in Großbuchstaben gesetzt – das macht den Text für mich eigentlich unlesbar.
Neil Diamond, einer der einflussreichsten Künstler der Musikgeschichte, präsentiert auf seinem neuen Studioalbum „Classic Diamonds“ die größten Hits seiner Ausnahmekarriere – mit Orchesterbegleitung.
Aufgenommen in den legendären Londoner Abbey Road Studios sowie in Diamonds eigenem Studio in Los Angeles, vereint „Classic Diamonds“ insgesamt 14 Klassiker aus seiner knapp sechs Jahrzehnte umspannenden Karriere. Die Songs wurden von dem gebürtigen New Yorker neu eingesungen und vom London Symphony Orchestra neu interpretiert. Das ist schon mal ein feiner Zug. Andere Künstler lassen einfach das Orchester über alte Aufnahmen drüber legen – er legt selbst nochmal los.
Neil Diamond kann auf eine über 50 Jahre anhaltende Erfolgsserie zurückblicken, die neben seiner Liebe zum Songwriting ganz klar auf seiner Liebe zur Bühne basiert. Er schrieb von Anfang an herausragende, zeitlose Songs – und daran hat sich bis heute nichts geändert. Sie sind und bleiben das Fundament seiner unglaublichen Karriere, in deren Rahmen der heute 79-Jährige weltweit mehr als 130 Millionen Alben verkaufte. 56 seiner Songs landeten in den Billboard Hot-100, 37 Titel in den Top-40, zwölf davon erreichten die Top-10 der Charts, während gleich 16 seiner Longplayer in die Top-10 der Alben-Charts einstiegen
Während die Neuaufnahme von „Heartlight“ erster Vorbote des Albums ist, zählen auch ikonische Hits wie „I Am… I Said“, „Song Sung Blue“, „America“, „You Don’t Bring Me Flowers“ oder auch „Sweet Carolin“ zu den Höhepunkten der neuen Compilation. Jeder Song wurde mit zum Teil pompösen Arrangements versehen. Klar trieft da bisweilen etwas Schmalz aus den Boxen, aber das Orchester und der Sänger übertreiben es nicht. Streicher und Bläser klingen bisweilen fast schon episch – wie bei einem guten Soundtrack. Dem Soundtrack zum Film, der Diamonds Karriere perfekt einfängt!
Das Booklet ist ebenfalls ganz liebevoll gestaltet. Neben einem Vorwort des Sängers gibt es Liner Notes zu allen Songs.
Live-Auftritte waren für die meisten Musiker in diesem Jahr ja nur sehr begrenzt möglich. Was liegt da näher, als einfach ins Studio zu gehen, um den Fans zumindest ein neues Album präsentierten zu können? Das dachte sich wohl auch Angelo Kelly, und produzierte mit seinem kleinen Familienunternehmen passend zur im Mai erschienen CD „Coming Home“ das pünktlich zum 1. Advent erscheinende „Coming Home For Christmas“.
Die irische Großfamilie präsentiert hier eine gelungene Mischung aus traditionellen Volksliedern, bekannten Weihnachts-Songs und gefühlvollen Eigenkompositionen, alle stimmig mit hauptsächlich akustischen Instrumenten arrangiert. Vom Opener und Titelsong „Coming Home For Chrismas“ im typischen Angelo-Kelly-Stil bis zum fast meditativen „O Come, O Come Emmanuel“ wird vielseitige musikalische Unterhaltung für die Advents- und Weihnachtszeit geboten.
Dem schon ein bisschen angestaubten „Go Tell It On The Mountain“ verleihen Angelo Kelly & Family ebenso neuer Glanz wie den Klassikern „White Christmas“ oder „Hark! The Herald Angel Sing“. „Jingle Bells“ ist ein wenig bieder geraten, dafür überzeugt das sehr stimmungsvolle „Mary Did You Know“, und der jüngste Kelly-Spross William bezaubert in „The Little Drummer Boy“.
„Merry Christmas“ ist ein wunderschöner neuer Song, der liebgewordene und in christlichen Traditionen verwurzelte Familienrituale besingt, und „All Christmas Night“ zeigt die rockige und ausgelassene Seite von Weihnachten.
Alle sieben Familienmitglieder sind mit einzigartigen Stimmen gesegnet und dürfen mit diesen auch alle solistisch glänzen. Ein bisschen schade allerdings, dass zwar auch oft im Chor, aber fast immer einstimmig gesungen wird. Wie das Intro von „Carol Of The Bells“ beweist, beherrscht die Familie den mehrstimmigen Gesang durchaus – da hätte ich mir mehr davon gewünscht! Und auch fürs Booklet gibt es einen leichten Punktabzug, da es zwar jeder Menge Fotos enthält, aber leider keine Texte.
Als Bonus ist auf einer zweiten CD nochmal das komplette Album „Coming Home“ enthalten, mit drei neuen zusätzlichen Songs: Die ruhige Ballade „Blue Cloak“ über die Gottesmutter Maria, das vom ältesten Sohn Gabriel Kelly komponierte „This Is How I Feel“ und das traditionelle „Carrickfergus“. So bekommt man hier schon einiges geboten – und wem das noch nicht reicht, dem sei die limitierte Fanbox von „Coming Home For Christmas“ inklusive Keksdose, Weihnachtkugel, Postkarten, Kochbuch und Karaoke-CD empfohlen, das ultimative Weihnachtspaket für Fans von Angelo Kelly & Family!
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Wenn mich in diesem Jahr ein Album absolut überraschend vom Hocker gehauen hat, dann war es „One More Year“ von Patricia Kelly. Sie hat uns damit ein optimistisches Album in schweren Zeiten geliefert. Für mich ist es das perfekte Popalbum – in seiner Aussage, der Produktion und der musikalischen Ausarbeitung.
Leider gab es kaum eine Möglichkeit, die stimmgewaltige Sängerin danach live zu erleben. Ich hatte noch auf ein Kirchenkonzert im Dezember gehofft, aber auch das wird wohl der Pandemie zum Opfer fallen. Als Ersatz gibt es mit „My Christmas Concert“ ein weihnachtliches Livekonzert für zuhause.
Während „Es ist ein Ros entsprungen“ noch einen sehr verhaltenen Start bietet, geht es schon mit „Angels we have heard on high“ in die Vollen. Was für eine Freude aus diesem folkigen und mitreißenden Song entspringt!
All die Emotionen des Jahres, die Erinnerungen an ihre Kindheit sowie den Zauber der Weihnacht hüllt Patricia in ein einzigartiges magisches Gewand. Die dabei entstandenen Aufnahmen von „Stille Nacht“, „The First Noel“ oder „Brothers And Sisters“ konnten Patricia und ihr Team in den vergangenen Monaten neu aufbereiten und zu einem ganz besonderen Geschenk schnüren. Und auch die Tracklist liest sich wie ein wahr gewordener Wunschzettel ans Christkind, denn Patricia Kelly beschenkt ihre Hörer mit deutsch-, englisch- und spanischsprachigen Weihnachtsklassikern.
Vor allem die deutschsprachigen Songs sind es, mit denen die Musikerin viele Emotionen verbindet: „Deutsche Weihnachtslieder sind für mich die schönsten auf der ganzen Welt.“ Und auch wenn sie als Kind Weihnachtslieder in allen Sprachen gesungen hat, waren es die deutschen Songs, in die sie sich verliebte. Ich kann ihr nur zustimmen: „Maria durch ein Dornwald ging“ hat mich noch nie so bewegt wie in dieser Version.
Es ist ein Livealbum, doch das stört absolut nicht. Applaus am Schluss, ansonsten absolute Studioqualität. Ob Piano, Gitarre oder Streicher – alles ist perfekt arrangiert und glasklar produziert. „An Angel“ der Kelly Family ist auch in Patricias Soloversion bewundernswert schön (hier hört man dann doch das jubelnde und mitsingende Publikum) und Lennons „Happy X-mas (war is over)“ klingt aus ihrem Mund so authentisch und wichtig wie lange nicht mehr.
Patricia Kelly ist für mich die Frau des Jahres – und dieses Album ein wunderbarer Abschluss in einer seltsamen Zeit.
„Driving Home For Christmas“ ist ein sehr schöner, fast schon jazziger Start für dieses Album. Andreas Gabalier hat eine smarte Stimme, die in den tiefen Lagen durchaus überzeugt. Weihnachten in der Steiermark also – da passt dieser Titel ganz gut für den selbsternannten Volks-Rock’n’Roller. Wo würde man gern das Fest der Liebe feiern? Eine verschneite Hütte auf der Alm wäre doch in coronabedingter Einsamkeit eine durchaus annehmbare Alternative.
Andreas Gabalier kam bereits im vergangenen Winter die Idee zu einem Weihnachtsalbum. Sah das Jahr 2019 sein großes zehnjähriges Jubiläum, verlief 2020 natürlich anders als geplant und auch sein großes Festival vor den Toren Münchens musste leider vertagt werden. Aber es entspricht nicht seinem energiegeladenen Naturell, zuhause Däumchen zu drehen. Jetzt legt er dieses Weihnachtsalbum vor und findet selbst die besten Worte um es zu beschreiben: es ist beschwingt, rockig, kernig und emotional. Aber vor allem liefert es viel Melancholie – passend zur besinnlichen Zeit.
Der zweite Track „Es ist die Zeit“ stammt aus Gabaliers Feder und liefert einen schönen persönlichen Text. Vor allem aber gibt es Coverversionen und Traditionals. „Swing Low Sweet Chariot“ passt sehr gut und der Österreicher kann auch mit Gospelchor überzeugen. „White Christmas“ darf ebenso nicht fehlen wie ein fetziges „Rocking Around The Christmas Tree“. Selbst das atmosphärische „Winter Wonderland“ und der Klassiker „Es wird scho glei dumpa“ finden ihren Platz.
Besonders genial wird es aber, wenn im Duett mit Gregor Meyle das unverwüstliche „Last Christmas“ erklingt. Ich bin ohnehin bekennender Fan dieses Songs, doch in dieser Version gewinnt er definitiv durch das Zusammenspiel der beiden und die urige Blasmusik-Begleitung. Ob allerdings das in Elvis-Manier gehauchte „Blue Christmas“ nötig gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln.
Andreas Gabalier liefert ein bisweilen absolut schmalziges Weihnachtsalbum – mit Streichern, Bigband und beschwingten Backgroundsängerinnen. Wer weiß, worauf er sich einlässt, wird seine Freude daran haben.
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Frauen jenseits der 40 schweigen ja gerne mal über ihr tatsächliches Alter – Ina Müller allerdings steht zu ihren 55 Jahren und wählt diese schöne Schnapszahl sogar als Titel für ihr aktuelles Album. Die „55“ steht dabei aber nicht nur für ihr Alter sondern ebenso für die vielen Facetten ihres Lebens und ihrer Persönlichkeit.
Ina präsentiert uns 12 neue vielseitige Songs, in denen sie uns schonungslos ehrlich an ihrem Leben und an ihren Erinnerungen teilhaben lässt. Mal singt sie mit dem für sie typischen Humor von den Tücken des Alltags, etwa über das Ausprobieren verschiedenster Sportarten in „Laufen“, wobei sie offen bekennt „Ich kämpf nur noch gegen den Verschleiß“. Und wer hat nicht auch hin und wieder einen „Eichhörnchentag“, an dem man sich einfach nicht erinnern kann, wo man was verbuddelt hat? „Rauchen“ ist eine heimliche Hymne an eine schlechte Angewohnheit, mit „Das erste halbe Mal“ bringt sie sogar peinliche Teenager-Erinnerungen unterhaltsam rüber, und in „Wie Heroin“ liefert sie den Beweis, das Zucker eine nicht zu unterschätzende Droge ist, deren Entzug zu gefährlichem Verhalten führt!
Auf „55“ schlägt die Sängerin und Entertainerin aber oft auch nachdenkliche Töne an, etwa direkt im Opener „Obwohl du da bist“, der sich mit der Einsamkeit beschäftigt, vor der man selbst in festen Beziehungen nicht sicher ist. „Fast hält länger als fest“ ist eine wehmütige Erinnerung an eine Liebe, mit der sie nie wirklich abschließen konnte und „Die Zeit fliegt Dir davon“ ein schwungvolles Plädoyer für bewusstes Leben. Und Inas Wunsch nach Normalität und einer irgendwie wieder heilen Welt, dem sie mit „Ich halt die Luft an“ Ausdruck verleiht, können wir wohl momentan alle gut nachvollziehen. Zwischendurch wird es mal kurz romantisch mit dem ruhigen „Wohnung gucken“, und im Abschlusstitel „Wenn der liebe Gott will“ sogar fast philosophisch.
Wie bereits beim Vorgängeralbum „Ich bin die“ gibt es auch diesmal eine Premium-Edition mit Bonus CD. „Inas kleine Nachtmusik Vol.II“ enthält wieder 8 Titel aus der Fernsehshow „Inas Nacht“. Wer die Show kennt, weiß, dass sich Ina Müller hier immer ihre Lieblingskünstler einlädt und gemeinsam mit ihnen ihre Songs interpretiert. Von Gregory Porters „Don´t Be A Fool“ über Beth Harts „Thankful“ bis zum bittersüßen Duett „Ich hab dich nicht mehr zu verlier‘n“ mit Johannes Oerding sind hier wunderschöne intime Songperlen zu hören, die definitiv den Kauf der Premium-Edition lohnen. Und als zusätzlichen Bonus gibt es mit „Fünf Minuten“ noch einen brandneuen Titel von Ina selbst.
Die nächste Tour von Ina Müller & Band ist mit gesundem Realismus erst für 2022 geplant. Solange bietet „55“ aber immerhin gute Unterhaltung und eine Menge Vorfreude!