Als langjähriger Moderator von „Dein Song“ im KiKA hat Bürger Lars Dietrich – frischgebackener Grimme Preisträger in der Kategorie Kinder & Jugend – sich längst als Kinderversteher etabliert. Kein Wunder, dass nun auch ein Album mit waschechter Kindermucke aus seiner Feder erscheint. Genau wie die Hamburger Band Deine Freunde schafft Lars Dietrich hier den schwierigen Spagat zwischen Peinlichkeit und Coolness.
„Ich wollte mal wieder wirklich Hip-Hop machen“, sagt er zur Entstehung. „Am Anfang dachten wir an eine oder zwei Singles, aber es lief einfach so gut und jetzt sind es eben ein paar mehr.“ Sein wunderbar stilgemischtes und alle Generationen übergreifendes neues Album „Menschenskind“ ist eindeutig Hip-Hop. Dafür steht Produzent Tai Jason, dessen Beats schon Hits von Fler, Sido, K.I.Z. oder Samy Deluxe zierten.
Die 16 Songs schlagen einen weiten Bogen von Reggae über Trap und Disco-Grooves bis hin zu klassischen Samples oder Swing-Rhythmen. So vielseitig wie stets witzig und eindeutig positiv geht es um nervende Nachbarn („Königin der Nacht“), unangenehme Eltern („Mama sooo peinlich“) oder den coolen „Jodel-Opa“, ums Tanzen im Regen oder das „Rap-Huhn“. Die Musik geht ins Ohr und in die Beine. Und alles ist angenehm frisch produziert, so dass keine Langeweile aufkommt.
Dass der mittlerweile vollbärtige Herr Dietrich trotz einiger grauer Haare sein Kind im Manne hegt und pflegt, machen das selbstironische Vater-Sohn-Frage-Antwort-Spiel von „Du warst ganz genauso“, das abgehangene „Schonung“, der in eine Superhelden-Fantasie verpackte Anti-Mobbing-Song „Manchmal“ und natürlich der Titelsong als selbstbewusste Generationen-Hymne deutlich.
„Viel kommt von Herzen und vom Bauch auch“, sagt Bürger Lars Dietrich über sein neues Album. Der 47-jährige versteht die, für die er singt, ganz selbstverständlich auf Augenhöhe. Obendrein liegt ihm die Jugend einfach im Blut, nicht zuletzt als dreifacher Vater.
Die Hip-Hop-Tunes in Verbindung mit kindergerechten Themen sind stimmig und klingen niemals aufgesetzt. Auch wenn Dietrich altersmäßig nicht mehr so nah an der Zielgruppe dran ist, findet er doch die richtigen Worte ohne sich anzubiedern. „Menschenskind“ ist ein gelungenes Debüt in Sachen Kindermusik. Mit der nächsten Staffel „Dein Song“ im Rücken darf da gerne noch mehr kommen.
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Als BAP 1980 mit „Affjetaut“ in mein Leben traten, begann eine Verbindung, die bis heute gehalten hat. Dazu trug natürlich der Umstand bei, dass die Band aus meiner Heimatstadt Köln kommt und die erste war, die den kölschen Dialekt auch außerhalb der Karnevalszeit über die Grenzen der Domstadt hinaustrug. Hinzu kam, dass BAP mit Wolfgang Niedecken über einen Frontmann verfügte, der mit seinen politischen und gesellschaftskritischen Texten zum Sprachrohr (m)einer Generation wurde und dessen Themen auch sonst den Nerv der Zeit punktgenau trafen. In den vier Jahrzehnten seitdem haben wir uns beide weiterentwickelt. Bei BAP gab es zahlreiche Besetzungswechsel, die nicht immer förderlich für ihre musikalische Entwicklung waren und die 2016 schließlich in einer Umbenennung zu Niedeckens BAP gipfelten. Auch ich habe meinen musikalischen Horizont seitdem natürlich erweitert, was dazu führte, dass die Band zwischen 1986 („Ahl Männer, aalglatt“) und 2008 („Radio Pandora“) zunehmend unter meinem Radar flog. „Radio Pandora“ führte uns schließlich wieder zusammen. Seitdem durfte ich Wolfgang Niedecken zweimal interviewen und ihn als einen Menschen kennenlernen, dessen Blick auf das Leben, die Liebe und unsere Gesellschaft so wach und klar ist wie eh und je und der mit „Halv su wild“, „Lebenslänglich“ oder „Das Märchen vom gezogenen Stecker“ nach wie vor großartige Alben veröffentlicht.
„Alles fliesst“ ist nun das insgesamt Zwanzigste in dieser Reihe. Der Titel ist eine Reminiszenz an den Fluss, dessen Verlauf durch Köln der Stadt eine „Schäl Sick“ beschert hat und der gleichzeitig ein Zeichen von Aufbruch und Vergänglichkeit ist. So sind einige Songs auf „Alles fliesst“ stark autobiographisch geprägt, was man sich als fast 70-Jähriger auch erlauben darf. Dabei verteilt Niedecken seine Lebensweisheiten klugerweise nie vom hohen Ross herab, sondern durchaus selbstironisch und bringt dabei sogar Verständnis für all diejenigen auf, die sich abgehängt fühlen und deshalb am Rockzipfel eines Populisten hängen wie in der bluesigen Spießerballade „Verraten und verkauft“.
Im AC/DC-mäßig abrockenden „Jeisterfahrer“ nimmt er das vergiftete gesellschaftliche Klima aufs Korn und blickt quasi als Spiegel dazu mit der atemlosen Polka-Nummer „Jenau jesaat: Op Odysee“ auf die seligen Anfangstage von BAP zurück. „Amelie, ab dofür“ ist die rechtmäßige Fortsetzung von „Frau, ich freu mich“ und „Morje fröh doheim“, nur dass er diesmal mit dem Auto im Berufsverkehr steckt. Das eindringliche „Ruhe vor dem Sturm“ warnt vor den Verführern der Marke Trump und seinen kleinen deutschen Ablegern. Der Schunkelblues „Huh die Jläser, huh die Tasse“ ist eine Verbeugung vor allen Corona-Helden und Klimaaktivisten. Dazu gibt es übrigens auch ein sehr schönes Video. Das Album erfasst das Leben in seiner ganzen traurigschönen Fülle.
Dazu gehören Trauer, Verzweiflung und Wut ebenso wie Euphorie, Glück, Liebe und Hoffnung. Das weiß auch Wolfgang Niedecken. So wirft er in „Volle Kraft voraus“ einen optimistischen Blick nach vorne. Dazu gibt es Vogelgezwitscher und Vinylgeknister. In „Mittlerweile Josephine“ setzt er seiner Tochter ein Denkmal, das jeder andere Vater vermutlich sofort nachbauen würde. „Für den Rest meines Lebens“ ist eine samtweiche musikalische Umarmung für seine Frau und „Alles zoröck op Ahnfang“ eine wunderschöne Ballade, die sich nahtlos in die Reihe wunderschöner Balladen in der langen Geschichte von BAP einreiht. Und nicht zu vergessen das abschließende „Wenn ahm Ende des Tages“, eine wunderbar sentimentale Ode an die Liebe und das Leben.
Musikalisch bewegen sich Niedeckens BAP auf „Alles fliesst“ zwischen solidem Rock („Besser du jehss jetz“), kräftigen E-Gitarren („Du häss dich arrangiert“) und leisen poetischen Momenten. Auffällig ist, dass Niedecken häufiger mal auf Hochdeutsch singt. Vermutlich damit auch der letzte dumpfbackige Vegankoch und die letzte Mannheimer Heulsuse seine Botschaft versteht. Die insgesamt vierzehn Songs haben zwar durchaus ihre Längen, aber für Wolfgang Niedecken war seine Kunst noch nie ein Grund zur Selbstbeweihräucherung, sondern immer ein Mittel, um Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit zu finden und damit zum Nachdenken und zur eigenen Reflektion anzuregen. Dass dabei nicht jeder mitgeht, liegt in der Natur der Sache. „Alles fliesst“ ist im Vergleich zu seinen neunzehn Vorgängern dabei irgendwo im oberen Drittel einzuordnen. Wolfgang Niedecken ist mittlerweile in der glücklichen Lage, dass er niemandem mehr nach dem Mund reden muss und das ist genau das, was dieses Album so wertvoll macht. Oder wie er selbst es im Opener „Hauptjewinn“ etwas holprig ausdrückt: „Man muss keinem was beweisen, nicht einmal Florian Silbereisen“. Jenau!
Einnen wunderbar selbstironischen Titel hat der Herr Schweighöfer da für sein zweites Album gewählt. Sind es nicht viele Menschen, die sich wünschen, ihr Hobby zum Beruf machen zu können? Bei Matthias Schweighöfer war vermutlich die Zusammenarbeit mit Philipp Poisel der springende Punkte: 2011 erschien „Eiserner Steg“ im Soundtrack zum Film „What a Man“ und kurz darauf war der Hauptdarsteller bei einigen Konzerten von Poisels „Projekt Seerosenteich“ am Start. Vielleicht ist er da auf den Geschmack gekommen? Sein erstes Album mit dem nicht weniger fragwürdigen Titel „Lachen Weinen Tanzen“ erschien jedenfalls im Jahr 2017.
Nach dem Motto „Schuster bleib bei deinen Leisten“ werden singende Schauspieler gerne mal im Mediengeschäft angefeindet. Satitiker Jan Böhmermann beispielsweise nahm Matthias‘ erstes Album noch im gleichen Jahr gehörig auf die Schippe und produzierte das Video „Menschen Leben Tanzen Welt“. Eine behutsame Retourkutsche gibt der erste Song („Anfang“) des neuen Albums: „Jeder, der mich nicht kennt, fragt: ‚Wieso muss er übertreiben, statt einfach nur beim Film zu bleiben? Schuster bleib bei deinen Leisten!‘ / Bin mein Leben lang was nachgejagt / aber glücklich hat’s mich nicht gemacht / frag‘ die Menschen, die mich lieben und mir nah sind / die wissen das“, spricht eine leise, brüchige Stimme zu sanft gespielten Klaviertasten und sanften Streichern. Das kann einem schon zu Herzen gehen und ich bin irgendwie froh, dass er sich nicht hat ins Bockshorn jagen lassen.
Das zweite Album ist durchaus gelungen zwischen Deutschpop und Rap. Es gibt harmlosen Sprechgesang in „BEEM“ und „Melodie“ und sehr hymnische, ausproduzierte Stücke wie „Lauf“ und „Eifersucht“. Außerdem hat die Zusammenarbeit mit Poisel Spuren hinterlassen: „Sonnenberg“, „Türkis“ und „Ins Licht“ würden auch dem Stuttgarter perfekt zu Gesicht stehen. Besonders gut gefällt mir aber der atmosphärische, melancholische Song „Motten“, der mit seiner Bildsprache aus dem Album heraus sticht.
Matthias Schweighöfer hat an allen Songs mitgeschrieben. Chapeau! Und man merkt ihm an, dass dieser Zweig seiner künstlerischen Schaffens ihm sichtlich Spaß macht. Die vielen Smileys im Artwork des Albums sind nicht zu übersehen. Ich glaube aber auch zu spüren, dass der Sänger seinen eigenen Stil noch nicht gefunden hat, sondern sich zu sehr an seinen Vorbildern orientiert: Die Rapsongs klingen nach Cro, die Hymnen nach Adel Tawil und die Balladen nach Poisel. Das mag darin liegen, dass Schweighöfer nie die musikalische Ochsentour durch die Straßen und kleinen Clubs machen musste wie manch anderer Singer/Songwriter.
Trotzdem: „Hobby“ ist ein solides Popalbum, das sicher seine Freunde finden wird. Was noch fehlt sind tiefergehende Lyrics und mehr Eigenständigkeit in der Interpretation.
In ihrer beeindruckenden Karriere hat Joy Denalane es immer geschafft, das Publikum mit emotionalen, authentischen und lebensnahen Songs in den Bann zu ziehen. Mit „Let Yourself Be Loved“ hat sie jetzt ihr definitives Soul-Statement aufgenommen. Es geht um Liebe – ganze vier Songs tragen sie schon im Titel. Nicht nur romantische Liebe, auch um die Liebe zu Freunden, Familie und zu sich selbst. Ein musikalisches Statement, auf dem Denalane souverän alle Stränge ihres bisherigen Wirkens zusammenführt.
Zum ersten Mal veröffentlicht eine deutsche Künstlerin ein Album beim legendären Motown Label. Und dessen Einfluss ist deutlich hörbar. Die Sängerin aus Berlin-Schöneberg klingt, als sei sie in Detroit musikalisch sozialisiert worden. Ihre deutschsprachigen Stücke der letzten Jahre haben mir ausgesprochen gut gefallen, doch wenn man jetzt die englischsprachigen Songs hört, muss man ihr zugestehen, dass sie sich hinter Soul-Größen wie Aretha Franklin und Diana Ross nicht zu verstecken braucht.
Die jazzigen Arrangements, oft mit Bläsern versehen und rhythmisch sehr prägnant, laden zu einer nostalgischen Reise in die Zeit der großen Melodien und der großen Stimmen ein. Joy Denalane hat ihren Traum eines echten Soulalbums mit Herzblut und viel Enthusiasmus umgesetzt. Das Ergebnis klingt stilistisch absolut gelungen und alle Songs atmen den Geist von Motown – Mission erfüllt!
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Es wird laut… Wer die feinfühlige Musik von Alex Diehl kennt, weiß natürlich, dass das nicht so ganz stimmt. Es sind einfach die ruhigen deutschen Popsongs, die ihm am besten liegen. Und doch hat sich einiges geändert, wenn man den direkten Vergleich zu den beiden Vorgänger-Alben zieht: Fette Drums, sphärische E-Gitarren und detaillierte Lyrics bestimmen den neuen Sound der Platte, die Alex ohne Kompromisse auf seinem eigens gegründeten Label Big Diehl Records auf uns loslässt.
Die Texte sind heftig und bohren sich tief in die Emotionen des Hörers. Der ein oder andere Song erinnert eher an Genres wie Hip-Hop oder Synthie Pop als an Singer-Songwriter-Romantik. Und es gibt durchaus sozialkritische Stücke wie das energische „Keiner is besser als wir“, das Alex als Statement gegen Nationalstaaterei und Ausländerfeindlichkeit in die Welt brüllt.
Alex Diehl hat mit fast zwei Jahren krankheitsbedingter Pause einen ordentlichen Schuss vor den Bug bekommen und verarbeitet diese harte Zeit in zwölf Tracks. „Wieder am leben“ feiert die Rückkehr in die Normalität. „Meine Angst“ hingegen scheint die selbstbewusste Auseinandersetzung mit dem anderen Selbst zu sein.
„Christoph P.“ verarbeitet den Tod eines geliebten Freundes mit sehr eindringlichen Worten. „So schön“ erklingt als wunderschöner gefühlvoller Lovesong an eine unerfüllte Liebe. Auch „David & Goliath“, „Kaffee“ und „25 Quadratmeter“ sind ungewöhnliche Beziehungssongs mit vielleicht biographischem Hintergrund.
Alex erzählt unverblümt seine schön bebilderten Anekdoten und findet immer die richtigen Worte – ganz authentisch. Diese Platte ist wie eine Therapie für Hörer und Autor gleichermaßen. Sie erzählt dir nichts vom Sonnenschein ohne den Regen, sie ist klar und ehrlich.
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Kurz nach dem Erscheinen ihres neuen Studioalbums „Manic“ überrascht Halsey die Fans mit ihrem ersten Live-Album “Badlands (Live From Webster Hall)” . Und das ist eine Wucht!
2020 hält vielleicht keine großen Konzerte für uns bereit, aber das ist für Halsey-Fans jetzt wohl kein Problem mehr, denn diese dürfen sich über das beste Mittel gegen die Sehnsucht nach Live-Momenten freuen: Fünf Jahre nach der Veröffentlichung ihres bahnbrechenden, trendsetzenden Albums hat Halsey ihr allererstes Live-Album mit dem Konzertmitschnitt ihrer ersten Headliner-Konzerttournee veröffentlicht.
Das Album enthält die zeitlosen Hits “Ghost”, “New Americana”, “Colors” und “Castle”, die ihre Popularität als neue Pop-Rock-Sängerin in die Höhe trieben. Die Sängerin aus New Jersey liefert hier einen durch und durch energischen Auftritt. Die dazugehörende Tour war damals innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft, so wurden z.B. in Australien rund 6.000 Tickets in einer Minute verkauft und alle 10.000 UK Tickets waren an nur einem Tag vergriffen.
„Badlands“ schoss 2015 in den USA direkt auf #2 der Albumcharts. Auf ihrem ersten Live-Album zeigt Halsey einmal mehr, dass sie auf der Bühne zu noch weiteren Highlights fähig ist. Ein packendes Debütalbum mit einer faszinierenden Halsey – jetzt endlich auch im Live-Gewand.
Das Publikum rastet von Beginn an hörbar aus und singt jedes Stück textsicher mit. Keine Frage, dass man vor allem einen starken Frauenchor im Hintergrund hört, der die kämpferischen Ansagen Halseys und ihren zum Teil recht sanften Gesang unterstützt. Sie scheint es selbst kaum fassen zu können, wie die Konzertbesucher ihre Musik frenetisch abfeiern.
Der Blick in die Anfänge von Ashley Nicolette Frangipane, die alle jetzt nur noch als Halsey kennen, gibt Einblick in ihr von Beginn an vorhandenes Charisma und die enorme Bühnenpräsenz. Ein fantastisches Zeitdokument.
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Beinahe vier Jahre sind verstrichen, seit Gregory Porter mit “Take Me To The Alley” sein letztes Album mit frischem Eigenmaterial herausgebracht hat. Vier Jahre, in denen der Sänger natürlich nicht untätig war. Denn in diesem Zeitraum nahm er für Decca den wunderbaren Nat-King-Cole-Tribut “Nat King Cole & Me” (2017) auf und veröffentlichte zudem zwei europäische Konzertmitschnitte: “Live In Berlin” (2016) und “One Night Only: Live At The Royal Albert Hall” (2018).
Doch mit seinem sechsten Studioalbum “All Rise”, das einen brillanten Mix aus Jazz, Soul, Blues und Gospel bietet, kehrt er jetzt endlich wieder zurück zu von ihm selbst verfassten neuen Songs, in denen er sein Herz auf der Zunge trägt. Die Lyrics sind von Porters Alltagsphilosophie durchtränkt und handeln vom wahren Leben. Es strotzt nur so vor Liedern über unerschütterliche Liebe, enthält aber auch ein paar aufmüpfigere Songs, weil der Weg zur Heilung schließlich nicht eben ist.
“Ja, man könnte sagen, dass ich hier aufs Ganze gegangen bin”, meint Porter über sein jüngstes Werk. Für dessen Einspielung vereinte er die Talente seiner langjährigen treuen Bandkollegen mit einer handverlesenen Bläsersektion, einem zehnköpfigen Chor und den Streichern des London Symphony Orchestra. “Aber wenn ich die Musik im Kopf komponiere, passiert alles zunächst nur mit Stimme und Klavier und entwickelt sich von da aus weiter. Es fühlt sich gut an, wieder zurückzukehren zu den Rhythmen und Stilen und Gefühlen und der Art und Weise, wie ich meine eigene Musik von Anfang bis Ende festlege.”
Die Phrase „All Rise“ bekommt man in den USA zu hören, wenn Richter oder Präsidenten den Raum betreten. Doch Porter will sie auf eine neue Ebene führen: Alle sollen sich erheben! „Wir sind alle bedeutend und werden von Liebe beflügelt. Das ist mein politischer Glaube und meine echte Wahrheit. Beides rührt von meiner Persönlichkeit her, von der Persönlichkeit meiner Mutter, der Persönlichkeit des Blues und der Schwarzen.”
Die Texte sind zum Teil durchaus sozialkritisch: In “Merchants Of Paradise” geht es um die Versklavung und den Handel mit Kindern aus Kriegsgebieten. Im prachtvollen Opener “Concorde” staunt der jetsettende Porter darüber, dass er es geschafft hat, solch seltene Höhen — im übertragenen wie buchstäblichen Sinn — zu erreichen, während er sich einfach nur danach sehnt, zu Hause bei seiner Familie zu sein. Das mit einem galaktischen Video versehene Stück hatte Porter ursprünglich während eines Übernacht-Fluges an Bord eines Jumbos komponiert.
Im von sanften Streichern unterlegten Pop-Crooner-Juwel “Merry Go Round” singt er von unerwiderter Liebe. Auch in Stücken wie “Faith In Love” und “Thank You”, das allen gewidmet ist, die Porter auf seinem Weg geholfen haben, geht es um die Komplexität der Liebe, wenngleich auf andere Art. “Ich mache immer wieder Anspielungen, die sowohl weltlich sind als auch den Allerhöchsten betreffen”, erklärt Porter. “Spreche ich von Gott oder von den Menschen, die hier mit mir auf der Erde sind? Spreche ich von meinem tatsächlichen Vater, der tot und im Himmel ist, oder spreche ich von meinem Himmlischen Vater?”
Die ruhigen Songs sind Balsam für die Seele, mit den hymnischen, energischen Stücken lässt er sein ganzes stimmliches Kraftpaket auf die Zuhörer los. Porters fesselnder und souliger Bariton funktioniert schafft Atmosphäre und kann jeden Hörer mitnehmen. Der kleine Gregory hat in jungen Jahren die Plattensammlung seiner Mutter rauf und runter gehört: Nat King Cole und John Coltrane. Jetzt zeigt er sich würdig, mit diesen großen Namen in einem Atemzug genannt zu werden.
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Es war ein lebenslanger Traum, den sich Lang Lang erfüllte, als er Johann Sebastian Bachs “Goldberg-Variationen” aufnahm. Das Album bietet dem Hörer gleich zwei Darbietungen des Stücks: Die erste wurde in einem einzigen Take live bei einem Konzert in der Leipziger Thomaskirche aufgenommen, wo Bach fast 30 Jahre tätig war und auch begraben ist. Die zweite entstand kurz darauf in der Abgeschiedenheit eines Studios. Die beiden Einspielungen sind zusammen als Teil einer Super-Deluxe-Edition erhältlich, in der als Weltneuheit Studio- und Liveaufnahme gleichzeitig erscheinen.
„Ich bin jetzt 38 Jahre alt. Das ist nicht alt, aber die Zeit war reif für einen weiteren Entwicklungsschritt“, sagt Lang Lang. „Mit den Goldberg-Variationen habe ich mich auf neues Terrain begeben und mich komplett in dieses Projekt vertieft. Als Künstler ist es mein Ziel, immer bewusster, wissender und letztlich inspirierender zu werden. Es ist ein stetiger Prozess. Und ich glaube, dass diese Arbeit mich ein Stück weitergebracht hat.“
Foto: Olaf Heine / Deutsche Grammophon
Erst nach 20 Jahren war der Moment gekommen, um Bachs großartige Aria und die 30 Variationen aufzunehmen. Anfang März dieses Jahres, kurz vor den Studiositzungen, gab er das Konzert in Leipzig. „Es war unglaublich berührend für mich, in der Thomaskirche zu spielen, in der Bach begraben ist“, sagt er. „Noch nie habe ich mich einem Komponisten so nah gefühlt. Die Liveaufnahme ist sehr spontan. Im Studio dagegen ist mein Spiel ein anderes, äußerst überlegt und reflektiert. Beim Konzert durchlebt man das 100-minütige Werk als Ganzes. Das Studio erlaubt die Arbeit an einzelnen Teilen im Detail. Das wirkt sich natürlich erheblich auf das musikalische Ergebnis aus.“
Es fällt mir schwer zu sagen, welche der beiden Varianten die stärkere ist. Wenn ich mich entscheiden muss, dann wohl die Liveversion – vermutlich wegen des emotionalen Bezugs zur Thomaskirche, den man zu spüren glaubt. Lang Lang spielt wie vom anderen Stern – emotional und energisch zugleich. Die Klangqualität ist (wie immer bei der Deutschen Grammophon) außerordentlich gut.
Sehr schön finde ich die Aufmachung als Digipack mit Hardcover und umfangreichen Liner Notes. Neben vielen Fotos des Pianisten gibt es informative Texte in englischer, deutscher und französischer Sprache. So würdigt man zwei Virtuosen: Den vermutlich besten Pianisten der Neuzeit und den alten Meister aus Leipzig.
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Es ist schon ein recht gequältes Lächeln, dass Katy Perry uns da von ihrem sechsten Studioalbum entgegen schickt. Der zur Unterhaltung seines Publikums verdammte Clown, der müde geworden ist. Die in den letzten zweieinhalb Jahren geschriebenen 12 Songs erzählen die Geschichte einer schwierigen Periode in Perrys Leben, in der sie sowohl mit ihrem Liebesleben haderte als auch mit ihrem Platz in der Musikindustrie hinterfragte. Das neue Album des Popstars soll aber vor allem inspirierend und hoffnungsvoll wirken. “Was dich nicht umbringt, macht dich stärker, aber manchmal musst du durch die Hölle gehen, um diese Stärke zu erlangen”, sagt Perry dazu.
In alter Manier zeichnet sich das neue Album durch einen beschwingten und verspielten Neon-Pop aus. “Es ist ein optimistischer Rekord. Die Töne sind sehr belastbar und fröhlich, und ich hoffe, dass sie das bei jedem, der zuhört, entfachen können“, vermeldet die Künstlerin. Es gibt auch einen Grund, um freudig in die Zukunft zu blicken: Just am Vortag der Albumveröffentlichung kam die gemeinsame Tochter mit Orlando Bloom auf die Welt und wurde mit dem Song „Daisies“ begrüßt.
So ist „Smile“ ein in weiten Teilen fröhliches Popalbum voller krachender Dancefloor-Songs. Selbst ein halbwegs melancholischer Song wie „Resilient“ blickt voll Vertrauen in die Zukunft. Der Titelsong und Stücke wie „Harleys in Hawaii“ setzen sich umgehend im Gehörgang fest, während „Only Love“ als Dauerbrenner im Formatradio funktionieren dürfte.
Katy Perrys neues Album ist nicht so schrill und quietschbunt wie die meisten seiner Vorgänger. Die Sängerin und Songwriterin ist weiter gereift und erzählt mehr aus ihrem Leben als von einer Scheinwelt. Das steht ihr sehr gut und weist in eine Zukunft mit guter, authentischer Popmusik.
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Das Livealbum „S&M“ wurde vor 21 Jahren durchaus zwiespältig aufgenommen. Der Albumtitel stand für „Symphony and Metallica“, doch das Wortspiel mit dem Kürzel für Sadomasochismus war für viele Fans beinharte Realität. Es war das Ankommen einer Metalband im Mainstream. Der Erfolg gab ihnen aber Recht: Die Arrangements von Michael Kamen waren großartig – das kann man gar nicht anders sagen – und die orchestralen Elemente funktionierten besonders bei den Bombastsongs sehr gut. Platz 1 in Deutschland, Platz 2 in den USA, über 40 Wochen in den Charts – eigentlich ein Wunder, dass die Fortsetzung so lange auf sich warten ließ.
Jetzt geht es mit einem erneuten Livemitschnitt weiter. Die zwei gefeierten Konzerte, die Metallica und die San Francisco Symphony am 6. und 8. September 2019 gespielt haben, waren in mehrfacher Hinsicht historisch: Die „S&M2“-Shows fungierten nicht nur als feierliche Eröffnung des neuen Chase Centers, sondern brachten nach gut 20-jähriger Wartezeit, erstmals seit dem Frühjahr 1999, die in San Francisco lebenden Metal-Ikonen und das Orchester wieder zusammen, die schon für ihr erstes „S&M“-Album einen Grammy gewonnen hatten. Im Rahmen der zwei Jubiläumskonzerte präsentierten sie erstmals auch Arrangements von Stücken, die Metallica erst in den Jahren danach geschrieben hatten – was die Set- beziehungsweise Tracklist von „S&M2“ wie ein Best-of mit Orchesternachdruck wirken lässt.
Es gibt Dopplungen in der Setlist – ziemlich viele sogar. Doch das geht in Ordnung. Wer hätte denn auf „One“, „Enter Sandman“, „Nothing else matters“ und „Master of Puppets“ verzichten wollen? Die Symbiose von Metal und Orchester ist immer noch stimmig. Mehr als das: Über die Jahrzehnte ist die Idee gereift und die orchestralen Elemente greifen noch stärker. Gerade die neueren Stücke beweisen das eindrücklich.
Das Orchester darf sich auf „S&M2“ viel stärker zeigen, als dies noch im ersten Durchlauf der Fall war. Die klassischen Elemente bekommen mehr Gewicht und im Zusammenspiel von Band und Symphony bekommen beide Seiten genügend Raum. Ganz stark wird es, wenn bei „The Unforgiven III“ die Band komplett verstummt. Und mit zwei Orchesterstücken, nämlich der “Scythian Suite” (Sergei Prokofjew) und “The Iron Foundry” (Alexander Mosolov) kann das große Ensemble aus San Francisco absolut glänzen und überzeugen.
Erst drei Alben sind im neuen Jahrtausend erschienen und Fans hätten sich vielleicht eher ein neues Studiowerk gewünscht. So gibt es halt ein Lebenszeichen im Liveformat, das zumindest eins zeigt: Metallica sind nicht müde. Und wer weiß? Vielleicht führt ja die Corona-Pause zu neuer Kreativität. Bis dahin hält „S&M2“ die Legende am leben und wird ihr vermutlich auch neue Hörerschichten erschließen.
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Veröffentlichungen dieser Art wird es vermutlich noch häufiger geben. Was tut man, wenn man unerwartet zuhause sitzt und nichts zu tun hat? Man wird kreativ. Das dachten sich wohl auch die Alternative Rocker Snow Patrol. Die Compilation „Reworked“ aus 2019 war nett, aber kein Überflieger. Die doch recht langen Abstände zwischen den regulären Studioalben („Fallen Empires“ erschien 2011, „Wildness“ 2018) ließen vielleicht mangels Material kein komplettes neues Album zu, doch für eine EP mit fünf Stücken reicht es allemal.
Und diese EP ist etwas ganz Besonderes, waren doch die Hardcore-Fans am Songwriting beteiligt: „The Fireside Sessions“ wurde während des Lockdowns geschrieben und aufgenommen. Die EP besteht aus fünf Songs, die mit den Fans der Band während einer Reihe von Streams auf Instagram Live mit dem Titel „Saturday Songwrite“ geschrieben wurden. Als Verbeugung vor dieser Zusammenarbeit werden „The Fireside Sessions“ unter dem Banner von Snow Patrol And The Saturday Songwriters veröffentlicht.
Die Band arbeitet für die EP mit der Trussell Trust Charity zusammen, und alle Einnahmen aus dem Projekt gehen an die Wohltätigkeitsorganisation zur Bekämpfung von Armut. Über das Zustandekommen von „The Fireside Sessions“ sagt Frontmann Gary Lightbody: „Während des Lockdowns habe ich jeden Samstag einen Song auf Instagram Live geschrieben. Menschen aus der ganzen Welt nahmen daran teil, und jede Woche waren im Laufe der Stunde 4000-5000 Menschen beteiligt: The Saturday Songwriters. Sie schlugen Akkorde und Texte vor, und ich fügte sie alle zusammen und ergänzte einige meiner eigenen Ideen, wo es angebracht war, aber meine ungeschriebene Regel war, dass in jeder Zeile des Liedes ein Text von einem Samstag-Songwriter stehen würde. Wir haben das 11 Wochen lang gemacht und 12 Songs zusammen geschrieben. Es hat sehr viel Spaß gemacht“.
Herausgekommen ist dabei eine EP, die neben „Reaching Out To You are“ die Songs „On The Edge Of All This“, „The Curve Of Earth“, „Dance With Me“ und „Light Years“ enthält. Es sind nicht die ganz großen Hymnen der Band, wie sie oft im Radio laufen, sondern vor allem melancholische Kleinode. Mir gefällt das akustische „On The Edge Of All This“ sehr gut in seiner Einfachheit und mit eindringlichen Vocals. Ebenso „The Curve Of Earth“ mit sanften, traurigen Gitarrenklängen.
Diese Stimmung von Isolation und Melancholie zieht sich durch das ganze 18minütige Minialbum. Ein besonderes Werk in seltsamen Zeiten. Es hätte mich schon gereizt, alle zwölf Songs als eigenständiges Album zu hören. So verkürzt es zumindest die Zeit bis zur verschobenen Tournee, die Snow Patrol im Jahr 2021 (hoffentlich) auch endlich nach Luxemburg führen wird.
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„Willkommen in den Zwanzigern!“ – der perfekte Name für ein Retro Album. Das war zumindest mein erster Gedanke. Und dann die erschreckende Erkenntnis: Wir sind schon wieder in den Zwanzigern des neuen Jahrhunderts. Die Parallelen sind erschreckend, wenn man an eine weltweite Pandemie und das deutschlandweite Erstarken rechten Gedankenguts denkt. Doch wir wollen uns mal dem Positiven zuwenden: Erfrischende, swingende Populärmusik zwischen HipHop und Jazz. Damit sorgten Goldmeister schon beim ersten Album 2018 für Furore. Inzwischen durfte ich sie live bei den Moselmusikfestspielen erleben. Traumhaft schön, wie sie ihre Idee verwirklichen und das Konzept auf der Bühne leben – mit Bläsersound und viel Humor.
Phil Ohleyer und Chris Dunker machen mit ihrem Projekt Goldmeister deutlich, was in der Musik alles möglich ist. Die beiden großen Einflüsse und Inspirationen ihrer Musik, nämlich die Goldenen Zwanziger und Grandmaster Flash, haben Goldmeister schon im Bandnamen zusammengefasst. Und diese Idee zieht sich durch das ganze Album, das geprägt ist von Dixieland, Oldtime Jazz, Swing und Lounge-Musik. Die Musik sowieso das Outfit von Goldmeister sind angelehnt an den Gatsby-Style. Auf ihrem zweiten Album präsentieren sie jetzt sogar sieben selbstkomponierte Songs.
Es sind authentische, beschwingte Stücke, die das Duo hier zum Besten gibt und damit die „neuen Zwanziger“ gekonnt einläutet. Da haben wir zum einen Flo Megas Abschiedshymne „Ferddich“ im eleganten Style. „Rückenwind“ klingt noch entspannter als bei Thomas D und der „Astronaut“ (im Original von Sido und Andreas Bourani) fliegt jetzt so chillig durch den Weltraum, dass man ihn nur beneiden kann.
Hinzu kommen die eigenen Songs – meist im Bigband Sound und mit fettem Bläsersatz, manchmal aber auch ganz laid back und zum Träumen. Wie von Zauberhand verbinden sich bekannte und neue Melodien zu einem famosen Mix und geben uns einen Eindruck davon, wie kurz die Spanne von 100 Jahren klingen kann. Auch das zweite Album ist ein Meisterwerk – Chapeau!
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Im Januar 2014 begann die Schauspielerin und Sängerin Senta-Sofia Delliponti eine unvergleichliche musikalische Reise. Sie suchte sich dafür den Künstlernamen „Oonagh“ aus und ahnte noch nicht, dass dieser sie durch den ganzen musikalischen Reichtum der Welt und zugleich durch einen wahren Höhenflug innerhalb der deutschen Musikszene begleiten würde. Sechs Jahre, vier Top-Ten-Alben, zwei Echos und mehr als 750.000 verkaufte Tonträger später blickt Oonagh zurück auf ihren Weg und lässt ihre Fans mit einem Best Of Album an ihrem Erfolg teilhaben.
Von ihren musikalischen Anfängen in keltisch-mystischen Sphären und Anlehnungen aus der Elbensprache von J.R.R. Tolkien hat Oonagh über die Jahre einen weiten Bogen geschlagen: Auf ihrem zweiten Album „Aeria“ näherte sie sich der indigenen Musik der Andenvölker an und nahm die geballte Lebensfreude daraus mit. Auf „Märchen enden gut“ wagte sie einen Streifzug durch unsere eigenen musikalischen Wurzeln unserer Heimat und wandte sich dann mit „Eine neue Zeit“ nach der Geburt ihrer Tochter weiter nach Afrika, wo sie traditionelle wie moderne Einflüsse dieses pulsierenden Kontinents aufsaugte und in ihre eigene Musik übersetzte.
Die neue Single „Du bist genug“ scheint wie ein Ruhepol zwischen all diesen vielen Erlebnissen. Wir begegnen Oonagh beim Zuhören inhaltlich wie musikalisch in ihrer Mitte und gerade in diesen turbulenten Zeiten schenkt sie uns genau die Ruhe und Kraft, die sich viele Menschen im Augenblick wünschen: „Schließ die Augen und halt inne“. In die Stille hinein, nur von den glockenklaren Tönen eines Klaviers und sphärischen Klängen begleitet steht die Stimme der Sängerin zunächst für sich und bekommt viel Platz und Raum. Mit dem Refrain steigert sich die Energie des Songs und dann gibt es doch auch bei „Du bist genug“ musikalische Momente des Erinnerns: Archaische Trommeln, wie sie schon ihre ersten, großen Hits „Gäa“ und „Orome“ ausmachten.
Die Fans ihrer Musik dürfen sich neben „Du bist genug“ zugleich auf ein Best Of Album freuen, das sich Oonaghs bisherigem Weg widmet. Neu arrangiert stellt sie die liebsten Stationen ihrer Reise zusammen und bereichert dieses persönliche Tagebuch durch vier ganz neue Songs. Zudem interpretiert sie einige ihrer Songs auf ganz neue Weise im akustischen Gewand. Es ist ein besonderer Moment im Leben einer Künstlerin, wenn sie sich die Zeit für eine Atempause nimmt, um noch einmal zu durchleben und zu verarbeiten, was sie bis hierhin erlebt hat. Im Fall von Oonagh fällt diese Rückschau bunt und vielseitig, und angesichts ihrer Erfolge auch ganz besonders beglückend aus, und das ist in jedem Ton der neuen Musik zu hören.
Was die bisherigen Alben ausmachte, war ihre Form als weltmusikalisches Konzept, das sich stets einer bestimmten ethnischen Richtung zuwandte oder wahlweise dem Fantasy-Schatz der Elben bzw. traditionellen Märchen. Hier werden diese Ideen erstmals verknüpft und zu einem homogenen Nerz verwoben. Es sind persönliche Songs und bewegende Erzählungen, denen Senta-Sofia ihr fantastische Stimme leiht. Da muss sie sich vor ihren stimmgewaltigen Gästen nicht verstecken: Helene Fischer wirkt mit, Björn von Santiano ist mit dabei, Oomph! und Celtic Woman, um nur einige zu nennen. Ganz besonders wird es aber zum Schluss, wenn „Gäa“ und „Vergiss mein nicht“ rein akustisch erklingen. Da könnte man ewig zuhören.
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Geboren in Hameln, Deutschland, und aufgewachsen in England, lebt der britische Komponist Max Richter heute in Berlin. Sein Markenzeichen ist die Verbindung eines elektronischen Ambient-Sounds mit kammermusikalischen Elementen. „Voices“ ist bereits das neunte Studioalbum und folgt auf so bahnbrechende Aufnahmen wie „Memoryhouse“ (2002), „The Blue Notebooks“ (2004), „Infra (2010)“, „Recomposed: Vivaldi – Die vier Jahreszeiten“ (2012) und zuletzt „Sleep“ (2015).
Sein großes neues Werk ist inspiriert von der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet). „Ich hatte das Gefühl, dass die Welt, wie wir sie kennen, aus den Fugen gerät; dass plötzlich alle Sicherheiten verschwinden.“ Darum wollte er erst eigentlich ein düsteres Album aufnehmen; doch gab er der Hoffnung schließlich wieder den Vorrang vor der Verzweiflung.
Richter suchte für sein neues Projekt Lesungen des Textes. Seinem Aufruf folgend erhielt er Hunderte von Einsendungen in über 70 Sprachen. Diese Lesungen bilden die Klanglandschaft von „Origins“: sie sind die Stimmen („Voices“) des Albumtitels.
Es war Richter wichtig, dass es sich bei diesen Stimmen um echte Menschen und nicht um Schauspieler handelte. Das Ergebnis ist unglaublich kraftvoll und bewegend. Max Richter sagt: „At such times it is easy to feel hopeless but just as the problems of our world are of our own making, so the solutions can be. While the past is fixed, the future is yet unwritten, and the Declaration sets out an uplifting vision of a better and fairer world that is within our reach if we choose.“
Mit „Voices“ überschreitet Max Richtet wie zuvor die Grenzen von Musik, Kunst und Technologie – und schlägt neue kreative Wege ein, um ein Publikum in der ganzen Welt zu erreichen. Dieses neue Werk ist nicht nur ein Beweis seines außergewöhnlichen Talents, sondern auch ein Aufruf zur Kontemplation und eine Feier der Gemeinschaft in einer sich wandelnden Zeit.
Obwohl der Fokus deutlich auf den Stimmen der Menschen liegt, enthält die 2CD einen zweiten Silberling, der die Tracks als „Voiceless Mix“ enthält – also nur den instrumentalen Teil jedes Tracks liefert.
Das Ergebnis bildet eine wundervolle und sehr filigrane Herangehensweise an dieses so wichtige Dokument – in der heutigen Zeit intensiver denn je. Und es funktioniert in beiden Varianten: mit oder ohne Worte. Max Richter bringt die Musik zum Sprechen und bietet überaus verträumte Passagen mit sphärischen Mustern.
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Das war mal wieder ein Paukenschlag der vermutlich erfolgreichsten Künstlerin der Gegenwart. „Folklore“ kam wie aus dem Nichts. Einen Tag vor Veröffentlichung kündigte Taylor Swift das Album erstmals auf ihren Social-Media-Accounts an und in der Nacht war es bereits auf allen gängigen Portalen erhältlich. Dabei ist das letzte Werk „Lover“ nicht einmal ein Jahr alt.
Die Grammy-Gewinnerin hatte sich eigentlich auf die Tour rund um ihr letztes Album gefreut, die in diesem Sommer weltweit stattfinden sollte. Doch der Lockdown führte dazu, dass sie zuhause bleiben und sich schützen musste – wie so viele andere Menschen auch. Diese Widrigkeiten ermöglichten es ihr, andere unvorhergesehene Dinge zu tun. Und was macht die inspirierte Künstlerin? Natürlich: Sie schreibt ein neues Album.
An allen Songs hat Taylor mitgewirkt – und sie alle sind in der Phase der Selbstisolation entstanden. Jetzt könnte man vielleicht ein melancholisches, in sich gekehrtes oder depressives Werk erwarten. Doch keineswegs: Der Name ist Programm. Mit „Folklore“ liefert die Amerikanerin ein Album, das stilistisch ganz anders ist als ihre bisherigen. Keine Countrymusik im strengen Sinne, kein Dancefloor-Pop, aber auch keine fröhlichen Hymnen. Stattdessen gibt es folkloristische Singer/Songwriter-Stücke und Balladen in Reinkultur.
Das 63minütige Album mit ganzen 16 Tracks erzählt in entspannter Manier Geschichten aus der Fülle des Lebens. Musikalisch geht es in Richtung Indie-Folk und Alternative Rock. Diesen Weg hat sie vermutlich selbst bestimmt, wenn man ihren O-Ton liest: “Ich habe all meine Launen, Träume, Ängste und Gedanken hineinfließen lassen. Ich schrieb und nahm diese Musik in Isolation auf, arbeitete aber mit einigen meiner musikalischen Helden zusammen“.
Die musikalischen Helden waren Aaron Dessner, William Bowery und Jack Antonoff, aber auch Justin Vernon (Bon Iver), der den wichtigen Track „Exile“ mit ihr im Duett gestaltet.
Das erzählende Songwriting mit langsamen Stücken führt Taylor Swift in eine neue Richtung. Wunderschön und entspannt singt sie sich durch das Album und begeistert vom ersten bis zum letzten Ton. Es war ein guter Plan, mit dem Album nicht die übliche Promo-Maschinerie zu durchlaufen, sondern es noch zu veröffentlichen, während die Krise in vollem Gange ist. Als erste Künstlerin mit Weltruhm trifft sie den Nerv der Zeit und verleiht den Ideen ihrer Generation Ausdruck. Das essentielle Album für den Sommer 2020 – ohne dabei ins allgegenwärtige Jammern zu verfallen.
Ellie Goulding ist wieder am Start. Im März 2020 feierte ihr erfolgreiches Debütalbum „Lights“ sein 10-jähriges Jubiläum, nun veröffentlich sie ihr neues (viertes) Studioalbum „Brightest Blue“. Sie selbst beschreibt das Album als zweiteilig: Der eine Teil besteht aus Songs, die sie allein geschrieben und selbst produziert hat. Die andere Hälfte besteht aus bereits veröffentlichten Songs, die aus Kollaborationen mit anderen Künstlern entstanden sind und es bis ins Radio schafften.
Die Britin erklärt, dass die erste Albumhälfte ihre Verletzlichkeit widerspiegelt, das Schmerzhafte an vielen Beziehungen, die zugleich aber auch großes Glück bedeuten können. Die zweite Hälfte hingegen zeigt die selbstbewusste, mutige und furchtlose Seite der Künstlerin. Die Kollaborationen haben ihr Kraft gegeben: „Ich werde immer versuchen, meine Stimme auf eine Weise zu verwenden, die niemand jemals erwarten würde, und mit der am wenigsten wahrscheinlichen, aufregenden und eklektischen Gruppe anderer Künstler zusammenzuarbeiten.“
Mir hat Ellies ruhige und intime Seite schon immer am besten gefallen. So sind es Songs wie „Women“ und „Love I’m Given“ die in meiner Favoritenliste ganz vorne liegen. Doch auch ausproduzierte Hymnen wie „Power“, „Tides“ und „Lux“ wissen auf ihre mitreißende Art zu gefallen. Dass dabei sehr viel Elektronik im Spiel ist, sei mal geschenkt.
Nach einer kurzen orchestralen Ouvertüre zeigt Ellie Goulding, wie sie neben blackbaer, Lauv, Diplo, Swae Lee und Juice WRLD locker bestehen kann. „Slow Grenade“ zeigt ihre emotionale Seite während „Close To Me“ ordentlich im Uptempo nach vorne geht.
Die Mischung macht das Album zwar sehr abwechslungsreich, doch es wirkt in vielen Teilen eher wie eine Best-of-Zusammenstellung als wie ein homogenes Album. Schade eigentlich.
Obwohl seit 2011 kein neues Album veröffentlicht wurde, zählt das von Mike Skinner angeführte Projekt The Streets noch immer zu den wichtigsten und prägendsten Popkultur-Exporten aus dem Vereinigten Königreich..
Bereits 2018 erfolgte das grandiose Live-Comback: Alle Shows waren binnen Minuten ausverkauft. Jetzt kommt auch endlich neue Musik: Die Single „Call My Phone Thinking I’m Doing Better“ feat. Tame Impala war der erste Vorbote des neuen Mixtapes, das am 10 Juli erschien. Mike Skinner bezeichnet das Werk als „eine Art Rap-Duettalbum“ mit mindestens einem Gast auf jedem Track. Dieses Konzept hat er konsequent durchgezogen, auch wenn die Feature-Gäste dem szenefremden Rezensenten doch alles andere als geläufig sind. Künstler wie Idles, Ms Banks, Jesse James, Donae’O, Kasien, Jimothy Lacoste, Rob Harvey, Chris Lorenzo stellen die illustre Schar.
„None Of Us Are Getting Out Of This Life Alive“ ist auf jeden Fall ein mehr als solides Comeback und wird zu einem Rundumschlag durch das Genre – von beatlastigen Tracks bis zu melodischen Ohrschmeichlern. Skinner geht mit der Zeit. Der Opener „Call My Phone Thinking I’m Doing Nothing Better“ richtet sich an alle Menschen, die gerade in Selbst-Isolierung leben und sozialen Kontakt nur noch über Video- und Telefonanrufe erleben. Direlkt danach folgt der Titeltrack, der zwischen Sarkasmus und Fatalismus schwankt.
Die durchkomponierten Songs des Multi-Instrumentalisten legen meist mehr Wert auf die rhythmischen Arrangements und elektronische Spielereien als auf den Rap. Das ist okay, gibt es dem Album trotz der unterschiedlichen Gäste doch einen poppigen Flow. Beweisen muss der 40jährige Brite aus Birmingham nichts mehr – als Pionier der Clubszene steht er auch nach neun Jahren ohne neues Album ganz oben. An Ideenreichtum ist er ohnehin kaum zu überbieten. Man schaue sich nur das Video zu „I wish You Loved You As Much as You Love Him“ an, das der Künstler während der Quarantänezeit vor einem Green Screen drehte, während seine Mitstreiter Donae’O und Geentea Peng durch die Nachbarschaft liefen.
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Mit ihrem ersten Album für Kinder, „Überall ist Musik“, gewann Kinderliedersängerin Nadine Sieben 2017 bereits den 1. Preis als „Bestes Kinderliederalbum“ beim Deutschen Rock und Pop Musikpreis. 2019 folgte der fröhliche Sommerhit „Bim Bim Bimmelimmelim (Das Eismann-Lied)“.
Ihr neues Album „Kinderland“ präsentiert zwölf charmante und verspielte Songs, die der Hamburger Musiker und Produzent Dieter Faber mit ihr zusammen aufnahm. Musikalisch beherrscht Nadine Sieben von Hause aus diverse Genres von Oper und Musical bis Schlager, all das ist in ihr Liederschaffen für Kinder mit eingeflossen. Ihr eigener Kinderchor, der passenderweise „Zwerge“ heißt, vermittelt außerdem natürliche Sing- und Spielfreude, genau wie ihre berühmten Vorbilder aus Grimms Märchen.
Neben Nadines Song zu ihrem Lebensmotto „Überall ist Musik“ ist der titelgebende Song „Im Kinderland“ eine Hymne auf die kindliche Imagination, frech, poppig, kindgerecht. „Fun Fun Fun“ und „So ein Sommer“ machen zusammen mit dem „Eismann-Lied“ das „Sommer-Triple“ perfekt. Mit „Tippetipptapp“ und „1, 2, 3, 4“ stellt Nadine Sieben zwei Kindertanzsongs vor, die auf keiner Kinderparty mehr fehlen dürfen. In der Coverversion des Rolf-Zuckowski-Songs „Überall ist Wunderland“ verneigt Nadine sich vor dem großen Liedermacher.
Abgerundet wird das Album mit den Titeln „Lieblingskinderlieder“, „Nachts im Zoo“ und „Wolkenbilder“, in denen Nadine sensibel Geschichten, Bedürfnisse und Gedanken von Kindern wie Eltern musikalisch-traumhaft erzählt. Krönender Abschluss aber ist das Lied „Abendgold“ im Duett mit Rolf Zuckowski, der den Song bereits im Musik-Hörspiel „Cosmo und Azura“ sang. Das wunderschöne Duett darf nicht nur am Abend zum Einschlafen gehört werden, sondern sorgt auch im hektischen Familienalltag für Ruhe und Besinnung.
Die Songs sind sicherlich naiv, aber der Zielgruppe durchaus angemessen. Es gibt vor allem fetzige Tanzlieder mit rhythmischen Elementen. Ruhigere Stücke wie „Überall ist Wunderland“ zeichnen ein optimistisches Weltbild. Alles in allem ein schöner Soundtrack für den Sommer, der die „Heile Welt“ in den Kinderalltag (zurück)bringt.
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Vor vier Jahren erschien die letzte Folge der „Giraffenaffen“-Sampler und ich muss sagen, ich habe das Format wirklich vermisst. Okay – zeitweise ist das Konzept ziemlich ausgeschlachtet worden. Es gab neben den CDs auch Stofftiere, Bücher, Hörspiele zu den Fantasiefiguren. Sogar eine sehr zwiespältige Bühnenshow musste ich mal gemeinsam mit meiner Tochter über mich ergehen lassen. Besonders seltsam fand ich den „Nö mit Ö“ Dancefloor-Sampler, der komplett mit der Idee brach, dass bekannte Künstler klassische Kinderlieder neu interpretieren. Vielleicht war das auch der Knackpunkt, die Reihe einmal für vier Jahre ruhen zu lassen.
Jetzt also mit „Giraffenaffen 6“ die ultimative Wiederauferstehung. Und das Ergebnis ist besser denn je. Auch wenn ständig neue Musik für Kinder geschrieben wird, so sind es doch oft die altbekannten Lieblingslieder, die man im heimischen Wohnzimmer oder in Schule und Kindergarten immer wieder hört. Die größten deutschen Künstlerinnen und Künstler interpretieren auch in der neuen Ausgabe wieder bekannte Kinderlieder auf ihre ganz eigene Weise und machen sie so zu Songs, die Jung und Alt begeistern.
In 17 Liedern sammelt sich eine enorme Stardichte aus allen Genres, die es so nur selten auf einem Album gibt. Von Pop über Hip-Hop oder Schlager bis hin zu Punk-Rock ist für jeden was dabei – und zwar nicht nur für die kleinen Musikfans, sondern auch für Teens, Twens, Mama, Papa und alles darüber. Für mich war es schon vor Jahren das ideale Konzept, um die Kleinen nicht einseitig auf Zuckowski und Jöcker zu fixieren, sondern ihnen wirklich gute Deutschpop- und Deutschrockkünstler nahe zu bringen. Da fallen einem längere Autofahrten plötzlich viel leichter.
Den Anfang machte Afrob mit der ersten Single „Manchmal hab’ ich Wut“. Beileibe kein Heile-Welt-Song und ein perfekter Einstieg in die sechste Runde. Mit „Giraffenaffenband“ gibt es auch einen neuen Titelsong, doch der macht mich wehmütig: Niemand wird jemals den ersten Titelsong „Wir sind da“ vom seligen Roger Cicero auf der ersten CD ersetzen können. Er steht immer noch für die Reihe und ist ein Ohrwurm erster Güte.
Doch im Gegenzug gibt es viele neue schöne Sachen. „Mio, mein Mio“ ist eine wundervoll sentimentale Reise in die Kinderwelt. Lea singt mit melancholischer Stimme „Die Gedanken sind frei“, was vor allem ein Protestlied des Widerstands ist. Und Phil Siemers macht zum Schluss mit „Bunt sind schon die Wälder“ den atmosphärischen Reigen perfekt. Dazwischen gibt es Schlager von Howard Carpendale (der sich tatsächlich an das Schlumpflied wagt) und Roland Kaiser, der „Guter Mond, Du gehst so stille“ mit viel Gefühl interpretiert.
Doch auch die rockige und wilde Seite macht Spaß: Das Lumpenpack liefert eine Hommage an „Fleißige Handwerker“ aus Kinderaugen. Versengold presst „Ottokar hat Segelohren“ als Stück zu Inklusion und Diversität in ein sehr folkiges Gewand. Die Brüder Wingenfelder von Fury in the Slaughterhouse geben „Lottas Krachmacherlied“ mit den Kindern aus der Krachmacherstraße eine aktuelle Stimme. Und selbst „The Masked Singer“ Finalist Gil Ofarim legt gekonnt los – ebenso wie „Sing meinen Song“ Spezi Nico Santos – beide mit sehr optimistischen Haltungsliedern.
Alle Beteiligten haben eine gemeinsame Vision: die Lieder ihrer eigenen Kindheit für klein und groß richtig cool klingen zu lassen und so gute Musik wieder mehr in den Mittelpunkt des Familienlebens zu rücken.
Auch der soziale Aspekt ist schon seit Beginn an eine wichtige Motivation für die Giraffenaffen, weshalb sie auch weiterhin “Die Arche” Kinderstiftung mit einem Teil der Einnahmen unterstützen. Das Kinder- und Jugendwerk hat es sich zum Ziel gesetzt, Kinderarmut zu bekämpfen und Kinder wieder ins Zentrum der Gesellschaft zu stellen, indem sie ihnen unter anderem Sport- und Kulturangebote ermöglichen. Dabei spielt natürlich auch die Musik eine bedeutende Rolle, was sich perfekt mit den Zielen der Giraffenaffen verbinden lässt. Kürzlich hat der Giraffenaffe sogar die Kinder in der Arche besucht und mit ihnen ein Video zu “Jetzt Alle! (Giraffenaffensong)” der Giraffenaffenband gedreht. Mit viel Spaß haben sie gezeigt, dass man gemeinsam alles schaffen kann.
Ich höre immer noch sehr gerne vor allem die ersten beiden CDs der Reihe. Und Nummer 6 setzt genau diese Tradition der ersten beiden Alben perfekt fort. Ich bin sogar geneigt zu sagen, dass es die bisher beste Giraffenaffen-Folge ist. Das mag an „Mio, mein Mio“ liegen, das mich wirklich berührt. Wer nachholen will, was er bisher versäumt hat, findet übrigens aktuell neben der neuen CD Nummer 6 auch eine Box mit den fünf älteren Silberlingen zum kleinen Preis in günstiger Verpackung. Und dann habe ich just heute das Kinderliederbuch entdeckt. Zack. Gleich bestellt.
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Über die vergangenen 15 Jahre sind FEUERSCHWANZ nicht nur zu einer der heißesten Bands im Folk Rock avanciert, sondern haben sich auch einen Namen als eine der unterhaltsamsten Vertreter des Genres gemacht. Ihren Weg an die Spitze hat sich die Band durch Beharrlichkeit, unnachgiebigem Touren und einem grandiosen Album nach dem anderen erarbeitet – nun greifen FEUERSCHWANZ mit „Das elfte Gebot nach den Sternen“. Bekannt für ihre ironischen Texte, eingängigen Songs und eine ordentliche Spur Hedonismus, haben FEUERSCHWANZ auf Album #9 mit einem härteren, direkteren Ansatz noch eine Schippe draufgelegt.
Neben den eigenen fesselnden und intensiven Songs, haben FEUERSCHWANZ einmal tief durchgeatmet, gegrinst, ihre Komfortzone verlassen und ein Coveralbum mit dem Namen „Die sieben Todsünden“ eingespielt – mit Songs von deutschen wie auch international erfolgreichen Künstlern, die man nicht unbedingt in FEUERSCHWANZ‘ Nähe verorten würde. Unter anderem dabei: „I See Fire“ von Ed Sheeran, „Hier kommt Alex“ der Toten Hosen, „Amen & Attack“ von Powerwolf, „Gott mit uns“ von Sabaton oder „Engel“ von Rammstein.
Zunächst zu den Coversongs:
„Ding“ und „Hier kommt Alex“ funktionieren sehr gut mit dem Härtegrad, den FEUERSCHWANZ zum Original hinzufügen. Dabei ändert sich gerade bei dem Hosen-Song gar nicht so viel. Das war schon immer ein starkes Brett. Die Songs von Powerwolf und Sabaton klingen den Originalen sehr ähnlich – aber was hätte man da auch ändern sollen? „Engel“ bekam zumindest einige orientalische Elemente mit. Ganz spannend. Größte Überraschung ist aber „I See Fire“. Aus der sphärischen Hymne wurde eine Powerballade mit mittelalterlichen Instrumenten. Nicht von schlechten Eltern. Fazit: „Die sieben Todsünden“ sind gut und schnörkellos zusammengefasst. Und es war ganz sicher keine Todsünde, dieses Album quasi als Bonus mit draufzulegen.
Die neuen Stücke:
Es dürfte ja allen bewusst sein, dass FEUERSCHWANZ vor allem als Liveband wirken. Aber um sich nicht ständig zu wiederholen, braucht man natürlich bisweilen neues Repertoire. Vor zwei Jahren stand die Band ganz im Zeichen des Met. Daran ändert sich auch jetzt nicht viel. Met und schöne Frauen sind ihr Markenzeichen – so sind Songs wie „Metfest“ und „Schildmaid“ natürlich gesetzt.
„Meister der Minne“, „Kampfzwerg“ und „Mission Eskalation“ bieten harte Metalklänge mit Folkrock und stilvollen Instrumenten. Ganz wie immer und in positiv feierndem Wohlklang. Doch es geht auch ernster: Da sind der nachdenkliche Titelsong, die erzählende Geschichte „Im Bauch des Wals“, ein morbider „Totentanz“ und die abschließende Hymne „Unter dem Dravhenbanner“.
Beide CDs bilden eine musikalische Einheit. Die Themenkomplexe sind gut gewählt und führen an manchen Stellen von der Met-Spaßgesellschaft weg, was mir besser gefällt als bei manchen Vorgängeralben. Mittelalter-Folk und metallische Klänge halten sich die Waage. Auf ein Neues – beim nächsten Mittelaltertag. Spätestens 2021 sollte die Truppe die Bühnen wieder zum brennen bringen.
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