Nach offizieller Zählung ist „Space for the Earth“ bereits das 15. Studioalbum der rührigen Space Rock-Band aus Sommerset, England. Hinzu kommen unzählige Livealben und Compilations. Ja, sie waren fleißig in den 37 Jahren seit Bandgründung. Da verwundert es tatsächlich, dass zwischen dem letzten Release („Technicians of the Sacred „) und heute ganze fünf Jahre vergangen sind.
Die Musik von Ozric Tentacles ist eine Kombination aus treibenden Basslinien, Keyboards und komplizierter Gitarrenarbeit mit einem Sound, der stark von Künstlern wie Steve Hillage und Gong beeinflusst ist. Viele ihrer Songs enthalten ungewöhnliche Taktarten und überaus komplexe Arrangements. Da macht auch das aktuelle Werk keine Ausnahme, das zudem mal wieder melodische Ausflüge in östliche Gefilde macht und neben den obligatorischen Keyboards und effektlastigen Synthesizern auch ethnisch anmutende Klänge zu bieten hat. Dabei wird mit chorischen Einsprengseln die instrumentale Ausrichtung des Albums beispielsweise im verspielten „Humboldt Currant“ durchbrochen.
Das explorative und abwechslungsreiche musikalische Abenteuer wurde 2019/20 komplett im Alleingang von Ed Wynne in den Blue Bubble Studios am Meer geschrieben, programmiert, aufgenommen und produziert. Inspiriert von den schottischen Hügeln, Tälern und Stränden rund um sein Studio wandelt das Album zwischen elegischen Soundscapes, Space Grooves und Ambient-Atmosphären, bisweilen durchbrochen von knallharten Gitarrensoli.
Ein großartiges musikalisches Abenteuer für altgediente Hippies und Freunde des psychedelischen Progressive Rock. Wohlige Erinnerungen an das fröhliche Gedaddel alter Computerspiele inklusive.
Man hat sich schon an ihn gewöhnt – den sympathischen Kerl aus Merseburg, der Dieter Bohlens Schlager singt. Inzwischen ist ja DSDS ohnehin nur noch die Schmiede smarter Schlagerstars, die alles singen müssen, was der selbsternannte Meister noch auf Halde liegen hat. Ramon wuchs mit dem Nachnamen Kaselowsky in einer Zirkusfamilie auf. Das Leben „on Tour“ ist er also gewohnt. Die Legende besagt, dass er 44 verschiedene Schulen besucht hat.
Kein Wunder also, dass ihm das Künstlerleben in die Seele geschrieben ist und er das Rampenlicht liebt. Musikerkollegen und seine Fan-Community sind durchweg vom unglaublichen Talent, dem Charme und der sofort einnehmenden Bühnenpräsenz begeistert. Ramon Roselly entstaubt das generationsübergreifende Genre gründlich, um es auf eine unverbrauchte, moderne und doch zeitlose Art zu interpretieren. Mit traumwandlerischer Stilsicherheit verbindet er sein wiedererkennbares Timbre mit einer charismatischen Ausstrahlung und einem coolen Look.
Bereits am Release-Tag schoss „Herzenssache“ auf Platz 2 der deutschen Charts, auf Platz 1 in Österreich und erzielte einen 2. Platz in der Schweiz. Das Album stand über acht Wochen in den Top 10 der deutschen Album Charts und ist mit über 100.000 verkauften Einheiten bereits nach zehn Wochen mit Gold ausgezeichnet worden.
Einziges Manko: Die Bohlen-Songs. Damit kann ich mich einfach nicht anfreunden. Auch die drei neuen Titel der sogenannten „Platin Edition“ stammen aus dessen Feder. Die neue Single „Unendlich“ bietet eingängigen Schlager-Pop mit Flamenco-Rhythmen. Ebenso wie alle Tracks von der Produktion her okay und mit den üblichen Schlagerbeats versehen. Insgesamt enthält die Platin-Edition sieben unveröffentlichte Tracks, darunter auch das exklusive Florian Silbereisen-Duett „Mandy“, auf dem das neue Dream-Team des deutschen Schlagers eine wunderschöne Version von Karel Gotts Welthit performt.
Die spannendsten Tracks des jetzt 65minütigen Albums mache ich aber zum Schluss aus. Da es auf Weihnachten zugeht, gibt es zwei entsprechende Klassiker: „Feliz Navidad“ versprüht südländischen Flair mit viel Espril und das unverwüstliche „White Christmas“ singt Ramon smart und schmalzig zu orchestraler Begleitung – virtuose Koloraturen inklusive, ja fast schon mit Jazz-Attitüde. Auf jeden Fall recht stimmungsvoll.
Der STERN hat sich kürzlich weit aus dem Fenster gelehnt und Prince‘ „Sign o‘ the Times“ zum besten Album der 80er Jahre gekürt. Für mich liegen Marillions „Misplaced Childhood“, U2s „The Joshua Tree“ und Simple Minds‘ „Street Fighting Years“ an vorderster Front. Pop- und Post-Rock-Enthusiasten werden vermutlich „Spirit of Eden“ von Talk Talk nach oben heben – und dann sind da noch die New Wave-Könige Tears for Fears mit „The Seeds Of Love“. Was alle diese Alben gemeinsam haben? Sie sind erst in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts erschienen und haben eine Legion von Künstlern inspiriert.
„Seeds of Love“ feiert seinen dreißigsten Geburtstag mt einem Jahr Verspätung in einer Neuauflage, die kaum Wünsche offen lässt. Roland Orzabal schrieb fünf der acht Titel gemeinsam mit der Pianistin Nicky Holland. Den Ohrwurm-Titeltrack schrieb er zusammen mit Curt Smith. Dass das Album in der vier Jahre andauernden Produktionsphase eine ganze Million britische Pfund an Kosten verschlungen hat, verwundert nicht aufgrund der Unmenge an beteiligten Künstlern (Oleta Adams, Manu Katché, Phil Collins, Simon Phillips und Chris Hughes, um nur einige zu nennen) sowie der äußerst filigranen und komplexen Herangehensweise an Arrangements und instrumentale Umsetzung.
Zu Recht gilt „The Seeds of Love“ als Blaupause für die moderne Popmusik der Neuzeit. „Von all unseren Alben würde ich es wohl auch am Höchsten einstufen“, sagt Roland Orzabal. „Ich glaube, dass es damals viele Menschen überrascht hat, auch viele unserer Kollegen, also jene Leute, mit denen man uns womöglich in der Mitte der Achtziger noch verglichen hatte.“
Bis heute verbreitet das Album einen zeitlosen Glanz. Es war ein genialer Schachzug, Gastsängerin Oleta Adams eine zentrale Rolle einzuräumen. Im Zusammenspiel mit Orzabal setzt sie einen kongenialen Gegenpol. Bombastische Gitarren, der treibende Rhythmus und filigrane New Wave-Experimente tragen ihr Übriges dazu bei. Definiv eines der Alben, die man am Stück genießen muss.
Mir liegt die Neuauflage in der 2CD-Version vor. Ich kann also nicht den Steven Wilson 5.1 Mix bewerten, sondern nur das in den Abbey Road Studios von Andrew Walter remasterte Album. Klanglich allerdings gibt es hier meiner Ansicht nach nichts zu verbessern – „Seeds of Love“ klingt auch 2020 wie ein Jungbrunnen des Pop.
CD 2 enthält Single-Versionen, Radio Edits und B-Sides. Wer wirklich tief in die Materie einsteigen will, muss sich vermutlich das Super Deluxe Box Set mit vier CDs und den Remixen auf Blu-ray zulegen. Dem nostalgischen Liebhaber guter Popmusik genügt aber dieser hübsch aufgemachte 2CD-Digipack
Die Geschichte der schottischen Erfolgsband RUNRIG dauerte insgesamt 45 Jahre, von 1973 bis 2018. Sie ist für die Schotten so eine Art Nationalheiligtum. Die Band spielte einerseits Rockmusik mit starken schottischen Einflüssen, andererseits setzte sie historische schottische Liedtexte und Songs in gälischer Sprache ein. Mit ihrem charismatischen Frontmann Donnie Munro begann dann auch der internationale Erfolg. Munro verließ RUNRIG 1996, um für das schottische Parlament zu kandidieren. Nachfolger wurde der Kanadier Bruce Guthro aus Nova Scotia (Neuschottland). Nicht nur in Schottland, sondern auf der ganzen Welt, vor allem in Skandinavien, Benelux und Deutschland, hat die Band eine treue Fangemeinde, die „Riggies“.
Drei Mal waren RUNRIG in ihrer Karriere zu Gast beim „Rockpalast“ des WDR. Zwei dieser Konzerte gibt es jetzt in einem CD/DVD-Boxset: Am 3. Februar 1996 waren sie zu Gast in der Düsseldorfer Philippshalle, 5 Jahre später kurz vor Weihnachten (am 15.12.2001) im Kölner Palladium.
Musikalisch zeigen die Konzerte die Band und den jeweiligen Frontmann von ihrer jeweils besten Seite. Dabei sind die Aufnahmen sehr verschieden. Es liegen zwar nur fünf Jahre dazwischen, aber immerhin ein einschneidender Wechsel des Frontmanns. Der Qualität des Gesangs tut das allerdings keinen Abbruch. Bruce hat die gleiche smarte Stimmfarbe wie sein Vorgänger, aber während Donnie oft sehr klassisch gesungen hat, steigerte sich Bruce in rockige Vocals.
Die Aufnahme von 1996 bietet einen mystischen Start. Hier passt das dunkle Bild der DVD noch, aber es wird leider nicht besser. Der Sound ist okay, doch das Bild ist sehr diffus – verschwommen, verzerrt und oft ohne Kontrast. Schade. Was die Songauswahl angeht, startet das Konzert sehr träge. Mehr als die erste Hälfte klingt sehr getragen. Erst ab „Stepping Down The Glory Road“ nimmt der Set wirklich Fahrt auf. Die Vielzahl an gälischen Songs schafft aber eine ganz besondere Atmosphäre und das Finale mit „Alba“, „Flower Of The West“ sowie „Loch Lomond“ nach über zwei Stunden Konzertlänge ist einfach grandios.
Auch das 2001er Weihnachtskonzert liefert über zwei Stunden starke Musik. Die Bildqualität ist auch hier nicht perfekt, aber um Klassen besser als bei DVD 1. Vor allem ist eine ordentliche Lightshow zu bemerken. Songs wie „Book Of Golden Stories“ und „Protect And Survive“ zeigen schon früh im Set die außerordentlichen Qualitäten von Bruce Guthro. Es war wirklich ein Glücksfall, diesen Sänger in Kanada (!) für eine schottische Band zu finden. Dass er zudem die gälische Sprache beherrschen muss, ist selbstredend. Vor allem der akustische Part mit „Every River“ ist sehr berührend, wobei das anschließende „Beat The Drum“ ohne Schlagzeugeinsatz schon recht gewöhnungsbedürftig klingt. Aber ich schätze Bruce‘ bodenständige und sympathische Art. Wenn dann die Band a cappella „The Summer Walkers“ singt, kann man nur dahin schmelzen. Im Finale gibt es ebenfalls „Loch Lomond“, aber in einer fast schon country-mäßig anmutenden Gitarrenversion. Und zum Abschluss erklingt „Silent Night“, das in ein vollkehliges „Stille Nacht, heilige Nacht“ übergeht.
Die Aufmachung der Box ist sehr wertig und gemeinsam mit dem Infoteil im Booklet bietet sie einen nostalgischen Rückblick auf die wichtigste Phase der Band im Übergang von Donnie zu Bruce.
Der erst 2014 in Dresden gegründete Wunderhaus Verlag hat sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, den Menschen mit der Reihe „Unendliche Welten“ klassische Märchen wieder näher zu bringen. Für die Hörspielreihe hat der Verlag 2019 „Rotkäppchen und der Wolf“ als Märchen-Musical neu inszeniert.
Das Märchen selbst wird nah an der Sprache und der Version der Gebrüder Grimm erzählt. Modernen Schwung bekommt das Musical durch die von Sebastian Lohse komponierten Lieder, mit denen sich die Märchenfiguren auf humorvolle Weise präsentieren. Da mahnt die Mutter, gesprochen und gesungen von Angelika Mann, ihr „Rotkäppchen“, auch ja schön artig und vorsichtig auf dem Weg zur Großmutter zu sein, und Tina Haas in der Rolle der Tochter singt zur Antwort unbekümmert „Kein Problem“. Die Begegnung im Wald mit dem scheinbar freundlichen Wolf wird als unterhaltsamer Wechselgesang inszeniert, während kurz darauf Lohse selbst als rappender Wolf sein wahres Gesicht zeigt.
Auch die Großmutter (Peter Anders) darf sich mit dem „Omalied“ als leidenschaftliche Radiohörerin und heimliche Tänzerin outen, bevor der Wolf sie verschlingt. Rotkäppchen bewundert inzwischen die bunten Blumen und besingt de n Lauf der Jahreszeiten, bis sie zum Haus der Großmutter kommt und sich das berühmte Zwiegespräch aus dem Märchen hier als „Bettduett“ abspielt. Und natürlich hat auch der rettende Jäger (Patrick Stahnke) seinen großen Auftritt mit dem „Jägerlied“, bevor er Rotkäppchen und die Großmutter aus dem Bauch des Wolfes befreit. „Und so war´s einmal“ wird schließlich von allen Hauptfiguren zum Finale gesungen.
Ergänzt wird das Märchen von einem Prolog und Epilog, die eine Wandertheatergruppe als Darsteller dieses Märchens präsentieren. Für eine wirkliche Rahmenhandlung ist das Ganze allerdings zu kurz und nichtssagend, und man bekommt eher den Eindruck, dass hier lediglich noch ein paar Minuten Spielzeit gefüllt werden sollten. Da hätte man es meiner Meinung nach lieber bei einer rein instrumentalen Umrahmung belassen sollen. Insgesamt ist mit diesem Märchen-Musical jedoch eine kindgerechte und unterhaltsame Neuinszenierung von Rotkäppchen und der Wolf gelungen.
1975 gegründet waren Motörhead in den 70ern enorm angesagt und entsprechend aktiv. Von 1977 bis 1979 entstanden mit „Motörhead“, „Overkill“ und „Bomber“ drei knallharte, wegweisende Alben. Die Band aus London sorgte nicht nur für Aufmerksamkeit in Großbritannien – der Funke schwappte auch schnell nach ganz Europa über.
„Ace of Spades“ schließlich katapultierte Lemmy und Co. in die Top 5 der britischen Charts und läutete die erfolgreichste Bandphase ein, die bis 1982 andauern sollte. Danach allerdings gab es den üblichen Zores wie Probleme mit dem Management, bandinterne Streitigkeiten und einen daraus resultierenden Besetzungswechsel. Das sollte aber den großen Erfolg von „Ace of Spades“ nicht schmälern.
Es war ein lautes, nach vorn treibendes Album, das wegweisend für die Szene sein sollte, und es gilt bis heute als magischer Moment in der Geschichte des Rock’n’Roll und hatte einen enormen globalen Einfluss. Die Musik inspirierte die Fans weltweit und hallt noch immer nach. Vor allem der Titeltrack wurde zur immerwährenden Hymne der Zuhörer und gab einen Ausblick auf die künftigen Auswüchse knallharten Thrash Metals. Kein Wunder, dass die Einflüsse auf die entstehende New Wave of British Heavy Metal enorm waren, auch wenn die Band sich diesem Subgenre nicht zuordnete.
Die mir vorliegende Edition zum 40jährigen Bestehen liefert ein schmuckes Digipack im Hardcover-Format mit dem zeitlosen Desperado-Cover. Das umfangreiche Booklet enthält einen informativen Text, den der Journalist Kris Needs exklusiv für diese Edition geschrieben und anhand von Interviews mit Zeitgenossen erstellt hat.
Während CD 1 das Originalalbum mit neuem Mastering aufgrund der Original-Tapes enthält, bietet CD 2 einen bisher unveröffentlichten Livemitschnitt, der im Dezember 1981 in Belfast mitgeschnitten wurde. Ein solides Livealbum mit starken Tracks der ersten Alben und einem soliden Sound.
Der Titel „Germania“ und der Schriftzug in heroischen altdeutschen Lettern lassen zunächst bewusst falsche Assoziationen aufkommen. Es ist keineswegs ein Forum für Populisten und Ewig-Gestrige. Im Gegenteil: Germania ist ein YouTube-Kanal, welcher sich mit den Themen Migration und Einwanderung auseinandersetzt. In der Regel werden bekannte Persönlichkeiten porträtiert, die entweder nicht in Deutschland geboren sind oder einen Migrationshintergrund haben, aber trotzdem schon länger in Deutschland leben. Dafür gab es 2018 den Grimme-Preis in der Kategorie „Kinder und Jugend“.
Das Buch von Juri Sternburg sammelt einige Geschichten, die in der Porträt-Reihe erzählt wurden. Dabei kommen bekannte Größen der Rapmusik und Influencer*innen zu Wort. Am Start sind unter anderem Capital Bra, Dr. Bitch Ray, Kool Savas, Massiv, AK Ausserkontrolle, Celo & Abdi, Sugar MMFK, Manuellsen, Olexesh und Yonii.
Musikjournalist Juri Sternburg erzählt die Geschichten aufgrund persönlicher Interviews und gibt den 16 versammelten Stars damit eine Stimme. Es geht in intensiven Erzählungen um Themen wie Heimat und Ankommen. Auch der allgegenwärtige Rassismus bleibt nicht außen vor – und die Fluchtmöglichkeiten, die das Hinwenden zur Öffentlichkeit (sei es als Musiker*in oder Influencer*in) bisweilen bietet.
Das Buch ist emotional und packend geschrieben. Sternburg gibt den Protagonisten eine Stimme und ist stets bemüht, ihre Botschaft nicht zu verfälschen. Das ist die große Schule des Journalismus – sich selbst für die Story in den Hintergrund zu stellen. Das Buch wirkt gerade in der Zusammensetzung von 16 Persönlichkeiten, die ihren ganz eigenen Blick auf Deutschland haben und diesen unumwunden äußern. Ebenso empfehlenswert wie die gleichnamige YouTube-Reihe.
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Tribe Friday stammen aus Schweden und liefern fetten Garage Rock gewürzt mit Punk und IndiePop. Bereits im März veröffentlichten sie die EP „Chasing Pictures“ mit vier Songs und legen jetzt die neue EP „Waiting For A Sign“ mit ebenfalls vier Songs (und einem Bonus-Mix) drauf. Genug Material also, um parallel ein Vinylalbum zu veröffentlichen.
Die Songs sind in den meisten Fällen sehr energetisch und heizen kräftig ein. „Freaky“ (von EP 1)besticht durch schnelle Gitarren und einen mitreißenden Klatschrhythmus. „Talk So Loud“ hingegen bietet melancholischen Gesang zu einer trotzdem schnellen Grundmelodie. Dazu passt auch „Choreograph“, während „If I Were You“ als ungewöhnliche Ballade ohne Schmalz-Faktor Wirkung zeigt.
Die neuen Songs starten mit dem psychedelisch verträumten „Julie“, bevor „Loosie“ und „Cool Song“ die gewohnten Powerhymnen liefern. „Sleepwalk“ schließlich beendet das Album mit eingängigen und zugleich verstörenden Tönen.
Das Quartett ist durchaus mit großen Indie-Vorbildern wie The Strokes und The Kooks vergleichbar. Da dürfte noch einiges auf uns zu kommen – spätestens wenn die EPs durch ein eigenständiges Album abgelöst werden.
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Die Beastie Boys sind eine der einflussreichsten Hip-Hop-Bands der letzten 30 Jahre. Mike D, MCA und Ad Rock schlugen mit ihrem Debüt “Licensed To Ill” nicht nur eine Crossover-Brücke zwischen Rap und Harcore-Punk, sondern öffneten Hip Hop mit dem Song “(You Gotta) Fight For Your Right (To Party)” auch die Tür zum Mainstream. Es folgten unsterbliche Klassiker wie “Sabotage”,“Intergalactic“ und “Sure Shot”. Nach dem Tod des Gründungsmitglieds Adam Yauch im Mai 2012 lösten sich die Beastie Boys auf, doch die Legende lebt weiter.
Im Jahr 2018 erschien die von den Bandmitgliedern Michael Diamond und Adam Horovitz verfasste Bandbiografie „Beastie Boys Book“. In Zusammenarbeit mit dem Regisseur und Produzenten Spike Jonze verwirklichten die verbliebenen Bandmitglieder zwei Jahre später auf Grundlage des Buchs den Dokumentarfilm „Beastie Boys Story“, der die Geschichte der Band aus Sicht der Protagonisten erzählt. Es sollte im April 2020 eine limitierte Kino-Veröffentlichung geben, die aber aufgrund der Pandemie abgesagt wurde. Stattdessen wurde der Film von Beginn an digital auf Apple TV+ gestreamt. Der passende Soundtrack erscheint nun auf CD und Vinyl.
Kracher wie „Fight For Your Right“ und „No Sleep Till Brooklyn“ hat man auch nach 33 Jahren im Ohr, als seien die wilden Partys im Jugendclub erst gestern gewesen. Karriereumspannend geht die Zusammenstellung bis ins Jahr 2011, wobei der Schwerpunkt aber in den 80ern und Anfang der 90er Jahre liegt. Wie bereits „Solid Gold Hits“ aus dem Jahr 2005 verschafft „Beastie Boys Music“ einen guten Überblick und übertrifft diesen noch. Die 20 gewählten Tracks sind wirklich essentiell.
Nachdem sie für ihren Dokumentarfilm „Beastie Boys Story“ für 5 Emmys nominiert wurden und mit „Beastie Boys Book“ die Bestsellerliste der New York Times toppten, vervollständigt diese Sammlung zeitloser Hymnen das künstlerische Vermächtnis von Brooklyns beliebtestem Trio.
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1. So What’cha Want
2. Paul Revere
3. Shake Your Rump
4. Make Some Noise
5. Sure Shot
6. Intergalactic
7. Ch-Check It Out
8. Fight For Your Right
9. Pass The Mic
10. Don’t Play No Game
11. Body Movin
12. Sabotage
13. Hold It Now, Hit It
14. Shadrach
15. Root Down
16. Brass Monkey
17. Get It Together
18. Jimmy James
19. Hey Ladies
20. No Sleep Till Brooklyn
Vinyl
1. Fight For Your Right
2. Brass Monkey
3. No Sleep Till Brooklyn
4. Paul Revere
5. Hold It Now, Hit It
6. Shake Your Rump
7. Shadrach
8. Hey Ladies
9. Pass The Mic
10. So What’Cha Want
11. Jimmy James
12. Sure Shot
13. Root Down
14. Sabotage
15. Get It Together
16. Body Movin’
17. Intergalactic
18. Ch-Check It Out
19. Make Some Noise
20. Don’t Play No Game That I Can’t Win
Pumuckl gehört seit fast 60 Jahren zur Popkultur. Autorin Ellis Kaut verstarb im Alter von 94 Jahren im Jahr 2015. Zunächst wurde die bekannte Hörspielreihe im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt, ab 1965 gab es sie im Buchformat und Anfang der 80er Jahre schaffte der „Kobold mit dem roten Haar“ den Sprung ins Fernsehen. Zum Start der Serie gab es 1982 den ersten Kinofilm „Meister Eder und sein Pumuckl“, 1994 kam „Pumuckl und der blaue Klabauter“ ins Kino und 2003 schließlich „Pumuckl und sein Zirkusabenteuer“.
Unvergessen sind der 1993 verstorbene Gustl Bayrhammer als Meister Eder und der 2005 verstorbene Hans Clarin als Stimme des frechen Kobolds. Auch Jahrzehnte später hat Pumuckl noch einen hohen Bekanntheitsgrad und viele Fans werden sich freuen, dass die ersten beiden Kinofilme endlich auf DVD erscheinen.
Zur Review liegt mir „Pumuckl und der blaue Klabauter“ vor. Es war der letzte Film mit Gustl Bayrhammer, der kurz nach den Dreharbeiten verstarb. Daher musste er von Wolf Euba nachsynchronisiert werden.
Zum Inhalt: Der blaue Klabauter haust auf einem Donauschiff und findet es gar nicht gut, dass der Kobold Pumuckl bei den Menschen lebt. Darum schickt er eine Möwe los, um Pumuckl auf das Schiff zu locken – mit der Versprechung, ihm das Zaubern zu lehren. Was Pumuckl auf dem Schiff so alles erlebt und anstellt und ob er wieder zu Schreinermeister Eder zurückkommt, erfahren wir in diesem großen Filmspaß für die ganze Familie.
Natürlich hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen, doch nach der digitalen Überarbeitung ist die Qualität der DVD überraschend gut. Es freut mich einfach, diese nostalgische Zeitreise in die heile Welt der lustigen Kinderfilme zu unternehmen. Pumuckl weiß auch heute noch zu gefallen.
Das Cover der neuen Best-of-Compilation ist typisch für Jürgen Drews: smart und sympathisch mit Dauergrinsen, Koffer und Krone in der Hand. Durch seine zahlreichen Hits, besonders das “Bett im Kornfeld”, das in jeder Schlagershow abgenudelt wird, kennen ihn nahezu alle Deutschen, und seine Fans lieben ihn über alles.
Für die „ultimative Jubiläums-Best-of“ hat sich der König von Mallorca etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Er legt kein Hitmix-Medley vor und auch keine neue Zusammenstellung der alten Studio-Songs, die ohnehin schon jeder kennt. Stattdessen hat er sich das Who-is-who der aktuellen Schlagerszene mit an Bord geholt, die ihrem Vorreiter huldigen und ihn in Duetten unterstützen.
In der illustren Riege finden sich Ben Zucker, Kerstin Ott, Matthias Reim, Otto Waalkes, Howard Carpendale, Klubbb3, DJ Ötzi, Giovanni Zarrella, Ross Antony, Maite Kelly, Bernhard Brink, Mickie Krause, Stefan Mross, Thomas Anders, Hermes House Band, Sotiria und seine Tochter Joelina Drews.
Spötter könnten jetzt behaupten, dass er die Duettpartner nur dabei hat, weil mit 75 Jahren die eigene Stimme nicht mehr mitmacht. Doch weit gefehlt! Jürgen könnte das ohne Probleme allein stemmen. Davon konnte ich mich erst Anfang des Jahres (einer der letzten Konzertbesuche vor Corona) bei Silbereisens „Schlagerfest XXL“ überzeugen.
Das Album vereint Frühwerke ebenso wie Klassiker und die neusten Hits, angefangen natürlich mit „Ein Bett im Kornfeld“, das er mit der Hilfe von Ben Zucker in die Gegenwart holt, über „Irgendwann, irgendwo, irgendwie“, das als Duett mit Kerstin Ott zum Tanzen und Träumen einlädt, bis hin zu „Ich bau dir ein Schloss“, auf dem Jürgen zusammen mit Matthias Reim den gemeinsamen Status als Schlager-Legenden angemessen feiert.
Bei „Es war alles am besten“ gibt sich mit Howard Carpendale, der im Januar ebenfalls die Wegmarke 75 erreichen wird, einer der größten Altmeister die Ehre und „Barfuss durch den Sommer“ wird durch DJ Ötzi zum Tanzflächenhammer.
Eine Besonderheit stellt auf jeden Fall der Titel „Am Ende dieser Zeit“ mit Maite Kelly dar, den die Künstlerin explizit für Jürgen geschrieben hat. Schon im Zusammenspiel mit Roland Kaiser zeigte sich Maite als zeitgemäße Songwriterin und führt dies hier gekonnt fort.
Die geheimen Höhepunkte sind jedoch die brandneuen Hits „Unfassbar“ und „Was einmal war das kommt nie wieder“, auf denen er zeigt, dass er sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruht und immer noch als Hitmaschine taugt. Sehr schön ist auch „We´ve got tonight“ – eine Powerballade, die Jürgen mit seiner Tochter Joelina singt und die ihn von einer ganz neuen, emotionalen Seite zeigt.
Erschienen ist „Das Ultimative Jubiläums-Best-ff” in zwei Versionen: Als Standard-Album mit 20 Songs sowie als limitierte Deluxe-Variante. Deren Highlight ist ein üppiges, liebevolles Fotobuch mit den schönsten Bildern aus seiner gesamten Karriere. Neben dem regulärem Album enthält das Deluxe-Paket auch eine zweite CD mit einem zirka 30-minütigen Mega-Hit-Mix. Also doch.
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Vor einem Jahr hat Howard Carpendale seine größten Hits mittels des Royal Philharmonic Orchestra London neu erzählt. Das orchestrale Gewand steht den bekannten Schlagerhits ausgesprochen gut. Kein Wunder also, dass die Sinfonie einen zweiten Satz bekommt. Wieder in der inzwischen eingespielten Konstellation, wieder – und als erster deutscher Künstler bereits zum zweiten Mal! – in den legendären Abbey Road Studios. Aufgrund der aktuellen Situation konnte die Arbeit an dem Album jedoch nicht gemeinsam vor Ort stattfinden, sondern in vielen spannenden Telefon-Diskussionen und übers Internet. Was das Ergebnis in keinster Weise beeinträchtig hat, im Gegenteil: Das bereits eingespielte Team hat erneut zwölf besondere Interpretationen erschaffen, völlig neue Blickwinkel auf vertraute Melodien, orchestrale Arrangements von großer Tiefe, fantastische Details und nostalgische Rückblicke. Es gibt einige der großen Lieder, Perlen, die es zu entdecken lohnt, sowie Howards ganz persönliche Wunschtitel.
Den Anfang macht der Evergreen „Dann geh doch“. Sehr gut umgesetzt: zunächst im Stil romantischer Filmmusik, später in orchestraler Fülle. Genauso geht es auch auf dem Album weiter mit verträumt-schön arrangierten Balladen („Da nahm er seine Gitarre“, „Du fängst den Wind“) oder auch opulenteren Versionen („Mit viel Herz“) die mit ebenso viel Liebe zum Detail dieses herrliche Gefühl stimmig in Musik umsetzen.
Den gerade in diesen unsicheren Zeiten so nötigen Optimismus versprühen „Durban, South Africa“ mit seiner puren Lebensfreude im stimmgewaltigen südafrikanischen Chor sowie „Das ist unsere Zeit“, das mit seiner mitreißenden Melodie daran erinnert, dass wir alle unsere Wünsche noch frei haben.
Zwischen allen kleinen, großen, epischen und nostalgischen Momenten finden sich auf „Symphonie meines Lebens 2“ zwei bemerkenswerte Duette. Diesmal mit Giovanni Zarella (mit rockigem Stakkato und italienischen Lyrics) und Kerstin Ott, die als neue Schlagerstars den Altmeister gekonnt unterstützen.
Mir hat schon das erste sinfonische Album in seiner Umsetzung sehr gut gefallen. Alles war sehr stimmig und mit virtuosen Arrangements versehen. Das setzt sich bei Teil 2 fort. So kann man die alten Schlager (und viele eher unbekannte Tracks) auf ganz neue Art genießen – entspannt und ohne aufgesetzten Discosound.
Johannes Oerdings sechstes Studio-Album „Konturen“ meldete nur zwölf Wochen nach dem Release Ende 2019 Gold-Status und war das erste Nr. 1-Album seiner Karriere. Es ist ein Fest aus lässigem Pop, knackigem Elektro, satten Streichern, reduziertem Beat, NDW-Übermut und orchestralem Filmmusik-Pathos. Und keine Angst: Wer die melancholische Seite des sanften Songwriters liebt, wird ebenfalls nicht enttäuscht.
“An guten Tagen” ist ein optimistischer Poptitel, der ebenso gut ins Ohr geht wie der Nostalgie- und Mutmachsong “Alles okay”. Doch schon mit “Blinder Passagier” wird es nachdenklich und politisch. Überraschend tanzbar sind der Weckruf “Anfangen” und die Hymne “Vielleicht im nächsten Leben”. Diese Songs tragen zur Auflockerung bei, doch mir gefällt vor allem der ruhige Sänger. Egal, ob er mit “Unter einen Hut” still zurückblickt oder für “Besser als jetzt” perfekten Gitarrenpop im Stil von Gregor Meyle abliefert. „Konturen“ ist mindestens ebenso gut wie mein bisheriges Lieblingswerk „Kreise“.
Die Zeit bis zu den kürzlich bestätigten Nachholterminen der Corona-bedingt abgebrochenen Tour überbrückt aktuell eine 2-CD „Special Edition“ von „Konturen“, die am 23. Oktober inklusive zwei neuen Songs und einer Bonus-CD mit ausgewählten Akustikaufnahmen erscheint. Darunter, neben einem Feature von Kumpel Wincent Weiss, auch die neue Single „Ungeschminkt“. „Manchmal hat man das Glück, in wenigen Minuten und in wenigen Zeilen ein Gefühl genau auf den Punkt zu bringen. Es ist ein Liebesbrief, der sich wie von selbst geschrieben hat.“ Der neue Song funktioniert als Liebeserklärung an die Schlichtheit, an die einfachen Dinge des Lebens – und passt damit auch perfekt zu den akustischen Tracks, die CD 2 bilden. „Ketten“ hingegen ist eine treibende Hymne mit elektronischen Sounds, die den Wunsch nach einem neuen Aufbruch thematisiert. Ebenfalls sehr passend in dem Jahr der kulturellen Stille.
Die Konzertreihe „Lagerfeuer Acoustics“ erlaubte im Rahmen der „Stadtpark Acoustics“ in Hamburg mit maßgeschneidertem Setting und durchdachtem Hygienekonzept erstmals wieder Liveshows für bis zu 900 Zuschauer. Oerding spielte so an fünfzehn Dates bis Mitte September live vor insgesamt 13.500 Fans, die Tickets waren in Rekordzeit ausverkauft.
Die zehn Akustik-Tracks, die zum größten Teil vom „Konturen“ Album stammen, wurden im Studio neu aufgenommen und geben einen perfekten Eindruck davon, wie Oerdings Songs ohne große Produktion und technisches Brimborium klingen. CD 2 wird somit zur melancholischen, nachdenklichen Compilation, die das erwähnte Lagerfeuer-Feeling perfekt in den heimischen Player bringt. Das zweistimmige Duett mit Wincent ist wirklich ganz großes Kino und lässt mich die Bewertung des Albums in unserer Skala um einen Punkt auf die Höchstwertung anheben. Wundervoll!
Schade, dass es die Songs in diesen Versionen 2020 nur in Hamburg gab. Hoffen wir, dass im nächsten Jahr auch der Rest des Landes in den Genuss kommt.
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Bruce Springsteens einzigartige Karriere erstreckt sich mittlerweile über mehr als vierzig Jahre, angefangen mit dem 1973 erschienenen Album „Greetings From Asbury Park, NJ”. Seitdem hat der Boss achtzehn weitere Alben veröffentlicht, mal solo, mal zusammen mit der E Street Band. Dabei ist er stets der gleiche hemdsärmelige Kumpeltyp geblieben, der den Träumen, Sehnsüchten und stillen Triumphen des “kleinen Mannes” eine Stimme gibt und nicht aufhört, den Mächtigen dieser Welt seine Meinung mitzuteilen. Trotz seines immensen Erfolges wirkt der seit kurzem 71-Jährige noch immer bodenständig und authentisch.
Im Juni 2019 beendete Springsteen mit „Western Stars“ eine fünfjährige schöpferische Pause. Das vorhergehende Album „High Hopes“ von 2014 war zugleich sein bisher letztes mit der E Street Band, welches jedoch nur ältere Stücke enthielt, die bei den Produktionen der Vorgängeralben übriggeblieben waren. Danach sah man ihn noch im Rahmen der „The River“-Tour 2016 gemeinsam mit Nils Lofgren, Steven Van Zandt, Garry W. Tallent, Roy Bittan, Max Weinberg und seiner Frau Patti Scialfa auf der Bühne. Das war’s. Gerüchte um eine erneute Zusammenarbeit hielten sich seitdem hartnäckig.
Als im September mit „Ghosts“ plötzlich ein neuer Song auftauchte, erhielten die Gerüchte weitere Nahrung. Besonders weil Springsteen „Ghosts“ in einem Interview als Ausdruck einer besonderen musikalischen Magie beschrieb: „Diese Magie, diesen Soul, dieses Herzblut spüren wir gemeinsam in der E Street Band.“ Kurz darauf wurde die Gerüchteküche endgültig geschlossen. Sony Music kündigte die Veröffentlichung von „Letter To You“ für Ende Oktober an. Zusammen mit der E Street Band (verstärkt durch Charlie Giordano und Jake Clemons) hatte Springsteen das Album in nur fünf Tagen in seinem Home Studio in New Yersey eingespielt. Es enthält zwölf neue Songs. Wobei es bei genauerer Betrachtung eigentlich nur neun neue Songs sind, denn drei Stücke sind Neu-Aufnahmen von bislang unveröffentlichten Kompositionen aus den Siebziger Jahren. Begleitet wird „Letter To You“ von einer Dokumentation auf Apple TV, die einen Blick hinter die Kulissen dieses kreativen Prozesses erlaubt.
Erstes Ergebnis ist der Opener „One Minute You’re Here”, ein leiser und emotional intensiver Einstieg. Springsteens Gesang umarmt den Hörer wie eine weiche Decke. Stimmlich hat er nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Der Titelsong „Letter To You” rockt dann in bester Springsteen-Manier los. Die E Street Band zeigt erstmals ihr ganzes Können und Max Weinberg hält den Song mit seinem Schlagzeug zusammen. Das folgende „Burnin’ Train” schließt da nahtlos an und klingt tatsächlich wie ein Zug, der unter Volldampf durch eine Landschaft aus Blues und Rock stampft, mit Nils Lofgren und seiner Gitarre im Führerhaus.
„Janey Needs A Shooter” ist die erste der drei bereits erwähnten Altkompositionen. Das Stück wirkt im Vergleich eher schwermütig, allerdings im positiven Sinne und hätte nicht nur wegen des typischen Mundharmonika-Parts bestens auf „Born To Run“ von 1975 gepasst. Wo wir gerade dabei sind: Das mit über sechs Minuten fast schon epische „Song For Orphans” haut in die gleiche Kerbe. Der dritte „Oldie“ im Bunde, „If I Was The Priest”, fügt sich ebenso nahtlos in die Reihe auf „Letter To You“ ein, was den Schluss zulässt, dass sich Springsteen im Jahr 2020 wieder mehr seiner musikalischen Wurzeln besonnen hat. Und das ist gut so.
Demgegenüber steht das ausgelassen durch die Luft tanzende „Last Man Standing”, bei dem Jake Clemons zeigen darf, was er von seinem 2011 verstorbenen Onkel Clarence gelernt hat. Auch „The Power Of Prayer” präsentiert Springsteen und die E Street Band in Hochform. Das Zusammenspiel von Saxophon, Gitarre, Schlagzeug und Klavier zaubert auch Stunden später noch ein Dauergrinsen ins Gesicht. „House Of A Thousand Guitars” verlässt sich zunächst ganz auf Springsteens Stimme und Roy Bittan’s Piano, bevor der Rest der Band einsetzt und den Song auf eine Ebene mit den Stücken von „Born In The U.S.A.“ erhebt. Dazu passt auch „Ghosts”, das von der Freude handelt, in einer Band zu spielen, was man dem Song deutlich anhört. Das Stück dürfte auf der nächsten Stadion-Tour ein Mitklatsch- und Mitsing-Favorit sein. Zu „Ghosts“ gibt es übrigens auch ein Video mit Ausschnitten aus den Recording Sessions in Springsteens Home Studio sowie Videosequenzen aus seinen Anfangstagen, u.a. mit seiner ersten Band The Castilles zu Beginn der 70er Jahre. Bleiben noch „Rainmaker”, das mit einem klagenden Gesang glänzt und „I’ll See You In My Dreams” als gutgelaunter Abschluss, der Springsteen nochmal in seiner ganzen Vitalität und Frische zeigt. Altes Eisen klingt eindeutig anders.
Bruce Springsteen hat die Produktion von „Letter To You“ im Nachhinein als eines der größten Aufnahmeerlebnisse bezeichnet, die er je hatte. Das will was heißen bei einem Mann, der sich schon zwanzig Grammys, einen Oscar und einen Tony Award an sein Revers heften durfte und der 1999 in die „Rock And Roll Hall Of Fame“ aufgenommen wurde. Vielleicht liegt es auch daran, dass er sich in den neuen Songs weniger politischen und gesellschaftlichen Themen widmet, von denen es zur Zeit ja mehr als genug gäbe. „Letter To You“ ist vielmehr als ein Blick in den Spiegel zu verstehen. Bruce Springsteen schreibt die Briefe darauf gewissermaßen an sich selbst. Und so klingt das Album dann auch: Mal nachdenklich und sentimental, mal befreit und enthusiastisch. Eben eines voller Magie, Soul und Herzblut.
Okay, er geht langsam aber sicher auf die 70 zu – doch was heißt das schon? Wolfgang Petrys Abschied aus dem Musikgeschäft war nicht von langer Dauer. Auch in Zeiten seiner „Pension“ ist er äußerst aktiv: 2015 und 2018 gab es neue Alben mit dem altbekannten Schlagerrock. Außerdem gründete Wolle das Nebenprojekt der „Pete Wolf Band“, lieferte ordentlichen AOR und brachte mit „2084“ im vergangenen Jahr gar ein progressives englischsprachiges Konzeptalbum auf den Markt. Um ein Wolle-Klischee zu bemühen: Wahnsinn! Der Mann ist einfach nicht zu bremsen.
Im Corona-Jahr geht es (mal wieder) um die Aufbereitung des Backkatalogs. Bereits vor sechs Jahren erschien eine Compilation mit Remixes. „Einmal noch!“ enthielt Neuaufnahmen von Hits wie „Weiß der Geier“, „Augen zu und durch“, „Bronze, Silber und Gold“, „Du bist einWunder“, „Weiber“ und dem unverwüstlichen Megahit „Verlieben, verloren“. Als weitere Überraschung hatte er mit dem Titelsong des Tonträgers einen echten Schlager-Hit im Gepäck. Vieles war disco-kompatibel und mit moderaten Dancesounds versehen.
Dass es trotz des Titels kein endgültiges Abschiedswerk war, habe ich oben schon dargelegt. Kein Wunder also, dass jetzt als Zugabe „Einmal noch! 2“ folgt. Wir hätten es uns denken können, wo doch damals mit „Wahnsinn“ ein wichtiger Megahit fehlte, der jetzt Track 1 des neuen Releases darstellt. Alle Titel sind mit dem Zusatz „Tanzbar!“ versehen – man kann sich also denken, wohin der Hase läuft.
Wie beim Vorgängeralbum wurden für „Einmal noch! 2“ bekannte Hits der Schlager-Ikone in neuem, tanzbarem Sound aufgelegt, unter anderem Top-Titel wie „Der Himmel brennt“ und der Gute-Laune-Track „Gianna“ – aber auch Songs aus den frühen Petry-Jahren wie „Sommer in der Stadt“ dürfen natürlich keinesfalls fehlen.
Mir reichen die alten Schlager in den Versionen, die man schon kennt. Den Dancefloor-Sound muss ich ehrlich gesagt nicht haben. Aber ein weiteres Rockalbum im Stil von „2084“ – darauf warte ich.
Produziert wurde „Einmal noch! 2“ wie gewohnt von Wolfgang Petrys langjährigem Produzenten und Weggefährten Helmuth Rüssmann, der wiederum im Team mit Sebastian Simmich gearbeitet hat. Der renommierte deutsche Produzent hat die alten Aufnahmen neu arrangiert und in ein modernes Gewand gehüllt. On top gibt es mit dem neuen Mix „Einmal noch 2020“ von Szene-DJ Franz Rapid einen nagelneuen Schlager-Hit.
Ebenfalls wieder mit an Bord ist der legendäre Otto Waalkes, denn auch beim aktuellen Album hat er das Cover gezeichnet – diesmal ziert es der ältere Wolfgang Petry, der jedoch kein Stück von seinem Elan und seiner Jugendlichkeit verloren hat.
Vor fünf Jahren hat die Norwegerin Maria Mena ein großartiges Konzeptalbum vorgelegt: „Growing Pains“ beschäftigte sich mit ihrer Scheidung und der schwierigen Zeit danach, mit Selbstvorwürfen und einer Achterbahn der Gefühle, mit Suche nach Schuld bei sich und in der eigenen Vergangenheit. Es war ein durch und durch autobiographisches Album. Schonungslos offen und ehrlich. Zeitweise von so großem Schmerz, dass es kaum zu ertragen war. Und doch wunderschön – voller zu Herzen gehender Melancholie.
Inzwischen sind einige Jahre vergangen. Und wenn man Maria Mena glauben mag, die auch in den sozialen Medien sehr aktiv ist und keinen Hehl aus ihrer Gefühlswelt macht, ist sie noch immer voller Selbstzweifel und auf der Suche nach der großen Liebe. Der Albumtitel „They Never Leave Their Wives“ ist aussagekräftig und unverschlüsselt. Es geht genau darum: Die zweite Geige zu spielen, beispielsweise wenn man in einen verheirateten Partner verliebt ist.
Zum Titelsong sagt sie: „‘Lies (They Never Leave Their Wives)‘ ist eine Art Patchwork aus Geschichten und Schicksalen. Einige davon sind meine eigenen, andere wiederum sind Beobachtung oder inspiriert von den Dingen, die meine Freunde erleben. Ganz speziell geht es immer darum, die Nummer zwei zu sein. Und die abschließende Erkenntnis, dass die feige Entscheidung des anderen nur zu deinem Besten war, dass du einer Kugel ausgewichen bist, auch wenn du nicht ganz unbeschadet davongekommen bist.“
Während „Growing Pains“ noch die durchgängige Geschichte einer Trennung erzählt hat, ist „They Never Leave Their Wives“ eher ein Streifzug durch Emotionen und prägende Momente. Die Pianoballade „Let Him Go“ thematisiert das Loslassen des Menschen, von dem man sich entfremdet hat. „Miss Him Every Day“ zeigt die andere Seite – den Zwiespalt der Gefühle. „Broken“ ist ebenso Ausdruck von Verzweiflung wie „Not OK“: Die Trennung hat mich beinahe zerbrochen. Und nein, es geht mir nicht gut. „Conversation“ hingegen zeigt das Umfeld der Gekränkten, das helfen will aber nicht zu ihr durchdringt.
Die Produktion des Albums stützt sich ganz auf Marias wundervolle Stimme, die oft nur sphärisch oder mit vorsichtigen Instrumentalpassagen unterlegt wird. Sie schreibt und singt ihre Texte aus vollem Herzen. Das Album ist eine deutliche Fortführung von „Growing Pains“ – wie ein Sequel, das mit mehreren Jahren Abstand geschrieben wurde und neue Erkenntnisse bringt bis hin zu Moral „You Live And You Learn“ als Ergebnis der Sinnsuche.
Für mich hat dieses Album ebenso die Höchstwertung verdient wie sein Vorgänger. Es gibt allerdings zwei Punkte, die das verhindern: Zum einen ist es mit sieben Songs sehr kurz ausgefallen. Da hätte man nach fünf Jahren Wartezeit schon mehr erwartet. Und dann erscheint es nur digital. Waaas? Das nimmt ihm definitiv die verdiente Wertigkeit, auch weil man die wichtigen Texte in keinem Booklet verfolgen kann. Vielleicht denkt Maria nochmal darüber nach und veröffentlicht „Growing Pains“ gemeinsam mit den neuen Stücken als homogenes neues Werk. Dass die beiden nämlich wie Topf und Deckel zusammengehören, steht außer Frage.
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Am 16.03.1992 spielten Pearl Jam im Rahmen der „MTV Unplugged“-Serie ein legendäres Konzert in den New Yorker Kaufman Astoria Studios. Es war die Zeit, als Bands wie Nirvana, Soundgarden, Alice In Chains oder eben Pearl Jam die Musikwelt mit einem neuen Sound auf den Kopf stellten, der später als „Grunge“ dem kommerziellen Ausverkauf preisgegeben wurde. Eddie Vedder und Kurt Cobain gaben den Idealen und Träumen, Ängsten und Unsicherheiten einer ganzen Generation ein Gesicht und eine Stimme. Für die Punkphase Mitte der 70er zu jung und aufgewachsen mit Neuer Deutscher Welle und dem Discogedudel der 80er war das, was da aus Seattle über uns hereinbrach unsere eigene musikalische Revolution, die wir aufsogen wie ein trockener Schwamm. Fortan hingen wir stundenlang vor dem Fernseher, guckten MTV, bis uns die Augen aus dem Kopf fielen und entdeckten täglich neue, spannende Bands.
Ein Jahr zuvor hatten Pearl Jam ihr Debütalbum „Ten“ veröffentlicht. Drei Tage nach dem Ende ihrer ersten Europa-Tournee reiste die Band nach New York, um dort Songs von ihrem ersten Album unplugged zu spielen. Wer ihren etwa einstündigen Auftritt vor 28 Jahren verpasst hat, der konnte sich 2009 auf der Bonus-DVD zur Neuauflage von „Ten“ nochmal von dessen besonderer Intensität und Atmosphäre überzeugen. Auf CD gab es die Performance bislang allerdings noch nie zu hören. Eingefleischte Pearl Jam-Fans wissen jedoch, dass es zum Record Store Day 2019 immerhin bereits eine auf 13.000 Exemplare limitierte LP des damaligen Sets gab. Was alle bisherigen Veröffentlichungen des „MTV Unplugged“-Auftritts von Pearl Jam eint, ist jedoch die Tatsache, dass er noch nie in seiner gesamten Länge zu hören oder zu sehen war. Die jetzt erscheinende Neuauflage macht da leider keine Ausnahme.
Darauf sind erneut nur sieben der insgesamt zehn gespielten Songs vertreten und das auch noch in der verkehrten Reihenfolge. Die beiden letzten Songs sind vertauscht und die Zugaben fehlen völlig. Sechs der sieben Songs stammen von „Ten“. Es sind „Oceans“, „Alive”, “Black”, “Jeremy”, “Even Flow“ und “Porch”, währenddessen sich Eddie Vedder als Geste des Protests mit einem Edding „Pro-Choice!“ auf seinen Arm schrieb. Das siebte vertretene Stück „State Of Love And Trust“ ist dem Soundtrack des Cameron Crowe-Films „Singles“ entnommen, in dessen Anschluss Gitarrist Mike McCready ein Snippet des Rolling Stones-Klassikers „Angie“ anstimmt. Leider fehlt aus dem regulären Set das Neil Young-Cover „Rockin‘ In The Free World“ (bei dessen Intro das Riff von „Smoke On The Water“ von Deep Purple zu hören ist) ebenso wie die weiteren Zugaben. Zu diesen gehörte mit „Garden“ noch ein siebter Song von „Ten“ und – besonders spannend – mit „Leash“ ein Stück, das erst 1993 auf dem zweiten Pearl Jam-Album „Vs.“ erscheinen sollte.
So bleibt am Ende ein fader Beigeschmack, der sich auch in unserer Bewertung niederschlägt. Auf der einen Seite werden sich Pearl Jam-Fans über die erste CD-Veröffentlichung des „MTV Unplugged“-Auftritts freuen. Auf der anderen Seite bleibt der Mehrwert aufgrund der erwähnten Unvollständigkeiten beschränkt. Sony Music hätte die Chance gehabt den Fans zum 30-jährigen Bandjubiläum tatsächlich einen Schatz unter die Geburtstagstorte zu legen und hat sie aus welchen Gründen auch immer vertan. Zumindest Pearl Jam selbst sorgen auch im Hier und Jetzt noch für das ein oder andere musikalische Ausrufezeichen, wenngleich die Rebellenattitüde früherer Tage mittlerweile einer gewissen Selbstzufriedenheit gewichen ist. Ihr letztes Studioalbum „Gigaton“ (hier unser Review) konnte sich nach einer längeren kreativen Durststrecke durchaus wieder hören lassen und nach wie vor zeichnet die Band ihr soziales und politisches Engagement unter anderem für Non-Profit-Organisationen aus.
Der italienische Ausnahmegitarrist Andrea Cantarelli ist vor allem bekannt für seine Power-Metal-Band Labyrinth, deren einzig verbliebenes Gründungsmitglied er ist. Das Nebenprojekt A Perfect Day haut nicht so feste rein wie die Stammband und liefert eher alternativen (Hard)Rock mit vielen ruhigen Passagen.
Die ersten Alben waren dabei schon etwas metal-lastig. Das dritte Album „With Eyes Wide Open“ verlässt nicht komplett die Pfade seiner Vorgänger, liebäugelt jedoch mehr und mehr mit amerikanischem Breitwand-Rock und dem Hard-Blues-Revival der letzten Jahre. Von Alter Bridge bis Black Stone Cherry scheint so einiges richtig Tolles bei A Perfect Day durch und wird mit viel Herzblut und einer immensen Professionalität zu einem Amalgam vereint, das klingt, als ob die Band noch wie was anderes gemacht hätte.
Während der Opener „Pull Me Out“ noch ein ganz ordentlicher und rifflastiger Weckruf ist, führt schon der zweite Track „Give It Away“ in melodische Gefilde und Songs wie „Whatever You Want Me (To Do)“ sowie „The Love We’ve Waited“ schlagen sehr softe Töne an. Sänger Marco Baruffetti klingt dabei zugleich smart und doch energisch – wie ein Bryan Adams zu seinen besseren Zeiten.
Der melodische Hardrock geht gut ins Ohr und lädt zum Genießen ein. Ein Song wie „In My Room“ zeigt auf angenehme Weise, wie der Wechsel aus lauten und ruhigen Passagen perfekt gelingen kann. Ein bemerkenswertes Rockalbum aus Italien, das ein US-amerikanisches Feeling vermittelt!
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Ohne Frage, die Eagles sind eine lebende Legende. Im kommenden Jahr feiert die Band ihr 50-jähriges Bestehen, sieht man von den mehr oder weniger langandauernden Auflösungen 1980 und 2016 mal ab. Um ihr 1976 veröffentlichtes Album „Hotel California“ ranken sich unzählige Mythen. So soll auf dem Innencover der LP der Satanist Anton Szandor LaVey zu sehen sein. Mit Glenn Freys Tod Anfang 2016 verloren die Eagles eine ihrer beiden zentralen Persönlichkeiten. Das letzte noch verbliebene Gründungsmitglied Don Henley schloss daraufhin ein Weiterbestehen der Eagles zunächst aus, revidierte diese Aussage jedoch im Frühjahr 2017. Die Stelle von Glenn Frey nahm dessen Sohn Deacon ein, zudem wurde die Band durch die Aufnahme von Vince Gill erweitert und trat fortan, ergänzt durch Joe Walsh und Timothy B. Schmit, wieder als Quintett auf.
In dieser Besetzung gingen die Eagles 2018 auf eine ausgedehnte Nordamerikatour und spielten dabei am 12., 14. und 15. September drei ausverkaufte Konzerte im Fabulous Forum von Los Angeles. Die Highlights dieser drei Konzerte erscheinen nun unter dem Titel „Live From The Forum MMXVIII“ als Doppel-CD. Flankiert wird die Veröffentlichung von einem gleichnamigen Konzertfilm, der bereits Anfang Juli beim amerikanischen Sender ESPN Premiere feierte. 26 Songs haben es auf das Album geschafft und die Tracklist lässt keinerlei Wünsche offen.
Irgendjemand hat den Stil der Eagles mal als West Coast Music bezeichnet und seitdem habe ich immer Bilder von Palmen, Sonne und Strand im Kopf, wenn ich einen ihrer Songs höre. Alleine diese Kategorisierung klingt schon so verdammt entspannt, dass man sich am liebsten sofort mit einem frischgemixten Cocktail aufs nächste Surfbrett schwingen möchte, um cool grinsend auf den Wellen des Pazifik zu reiten. „Live From The Forum MMXVIII“ bietet immerhin einen Ritt durch alle Schaffensphasen der Band. Angefangen bei „Take It Easy“ von ihrem Debütalbum „Eagles“ über „Love Will Keep Us Alive“ vom 1994 erschienenen „halben“ Live-Album „Hell Freezes Over“ bis hin zu „I Can’t Tell You Why“ aus ihrem vorletzten regulären Studioalbum „The Long Run“ von 1979. Seltsamerweise ist das siebte und bislang letzte Studioalbum „Long Road Out Of Eden“ von 2007 mit keinem einzigen Song vertreten. Hinzu kommen einige Stücke aus den verschiedenen Solo-Projekten der Bandmitglieder.
Besonders die Songs auf der zweiten CD sorgen für die Gänsehautmomente auf „Live From The Forum MMXVIII“. Dazu gehört natürlich das epochale „Hotel California“. Auch bei den Gitarrenläufen und dem zum Teil mehrstimmigen Gesang von „Life In The Fast Lane“, „Desperado“, dem abschließenden „The Long Run“ oder dem Don Henley-Hit „Boys Of Summer” kommen fast schon vergessene Erinnerungen an durchgetanzte Nächte, erste Knutschereien im elterlichen Partykeller oder heimliches Zigarettenpaffen im Auto des großen Bruders hoch. Was wiederum beweist, dass sich die Eagles bis heute eine Anziehungskraft bewahrt haben, die Generationen und Genres überspannt. Ganz davon abgesehen sind die fünf Protagonisten allesamt Meister ihres Fachs. Sie würden vermutlich auch dann noch so souverän miteinander musizieren, wenn man ihnen vorher die Augen verbunden hätte. Zwischen den Songs wird ein wenig über die alten Zeiten geplaudert. So erfährt man zum Beispiel, dass die Eagles ihren ersten Auftritt im Fabulous Forum vor sage und schreibe 43 Jahren hatten.
In diesem komischen Jahr lassen uns die Eagles mit „Live From The Forum MMXVIII“ zumindest für kurze Zeit die Sorgen und Unsicherheiten um uns herum vergessen. Wir tauchen mit ihnen in eine Welt ein, in der man sich noch relaxt eine Zigarette teilen konnte und das gemeinsame Bierchen so normal war wie der Sonnenaufgang am nächsten Morgen. Im September und Oktober 2021 gehen die Eagles auf „Hotel California“-Jubiläumstour durch die USA. Bleibt zu hoffen, dass sie dann auch wieder einen Zwischenstopp hierzulande einlegen. Das versprechen entspannte Abende zu werden. Ich bringe auch mein Surfbrett mit.
Bei Tom Pettys letztem Interview mit der Los Angeles Times – die triumphale Tour zum 40. Jubiläum mit The Heartbreakers kam gerade zu ihrem Abschluss – kündigte er an, sein nächster großer Fokus werde es sein, endlich sein von Rick Rubin und Mike Campbell co-produziertes Meisterwerk „Wildflowers“ (1994) neu in Augenschein zu nehmen, wozu es dann leider nicht mehr kam.
„Wildflowers“ hat in vielerlei Hinsicht Toms künstlerisches Leben verändert – als Musiker, Kreativpartner und Band-Leader –, während eine tiefgreifende persönliche Krise die Geschichten und emotionalen Antriebe in seinen Songs beeinflusste. Am Ende schrieb Tom mehr Songs, als er zu der Zeit veröffentlichen konnte. Tatsächlich stellten Petty, Rubin und Campbell das Album als Doppel-CD mit 25 Songs fertig, nahezu zwei Stunden Musik, doch sein Label riet zur Einschränkung. Veröffentlicht am 1. November 1994, war „Wildflowers“ – eine CD mit 15 Songs, immer noch länger als eine Stunde – Toms emotional entwaffnendstes Album und ist es bis heute geblieben.
Die Wiederauferstehung von „Wildflowers“ hat eine lange Vorgeschichte. Bereits 2014 führte Tom in einem Interview mit dem Rolling Stone seine Pläne für den Re-Issue aus: „Ich brach zu etwas anderem durch. Mein Privatleben stürzte ein und das warf mich für eine Weile aus der Bahn. Doch während der Aufnahmen war ich voll und ganz bei mir“. 2016 brachte er in seinem Tom Petty Radio bei SiriusXM den Wunsch zum Ausdruck, die Wildflowers-Veröffentlichung mit einer Tour zu begleiten. Tom hatte stets vorgehabt, die zweite Hälfte des Albums zu veröffentlichen – eine Sammlung namens „All The Rest“ mit zehn Songs aus den Wildflowers Recording Sessions, die nicht auf der Albumversion zu finden waren, und fünf unveröffentlichten Tracks (andere Versionen von vier Songs, die 1996 auf dem Soundtrack des Films „She’s The One“ erscheinen sollten).
„Wildflowers & All The Rest“, die langersehnte Neuauflage und vollständige Sammlung, ist am 16. Oktober bei Warner Records erschienen. Toms Vision des Projektes wird Realität dank der Hingabe seiner liebenden Familie, Bandmitglieder und Kreativpartner, die dabei halfen, viele bisher ungehörte Juwelen zutage zu fördern. Die Sammlung wurde kuratiert von Toms Töchtern Adria und Annakim Petty und seiner Frau Dana Petty, die es „viele, viele Stunden purer musikalischer Freude“ nennen, sowie Mike Campbell und Benmont Tench von den Heartbreakers. Als Co-Produzent agierte Toms langjähriger Toningenieur und Co-Produzent Ryan Ulyate. Zusammen gaben sie sich der Wärme hin, die Tom durch seine Musik und die Beziehung zu den Fans entstehen ließ.
Das Album ist ohnehin schon ein Meilenstein in Pettys schaffen – und mit den „verlorenen“ Tracks wird es zu einem noch größeren Meisterwerk. Die Zusammenstellung ist stimmig und zeigt das Werk endlich so, wie es der große Meister von Anfang an gedacht hat.
„Wildflowers & All The Rest“ wird in mehreren unterschiedlichen Formaten veröffentlicht. Die Deluxe Edition enthält 15 Songs von Tom, die er in seinem Homestudio aufnahm, während er das Album schrieb. Diese Solo-Demos bieten einen intimen Einblick in Toms Songwriting-Prozess, bei dem er sämtliche Instrumente spielt und seine Lyrics abändert, während er daran arbeitet. Abgerundet wird die Deluxe Edition mit 14 Live-Performances, mitgeschnitten bei unterschiedlichen Touren zwischen 1995 und 2017.
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